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m. 255 vierter vlatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, 51. Oktober 1954

Radio für Polizei.

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Bei der Neuyorker Polizei wird versuchsweise ein Radio-Empfangsgerät für Beamte im Straßendienst eingeführt. Die Batterie wird am Gürtel, der Laut­sprecher auf der Schulter befestigt. Das ganze Gerät wiegt nicht mehr als die Pistole des Polizisten. Die Ausrüstung der Beamten mit diesem Apparat ge­stattet naturgemäß ihre ständige Unterrichtung durch den Polizei-Rundfunk.

Was wird aus Island?

Englands Interessen im hohen Norden.

Bon unserem B.'Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Kopenhagen, Oktober 1934.

In den skandinavischen Ländern hat die Ver­öffentlichung eines schottischen Blat­tes großes Aufsehen erregt. In dem Artikel eines anonymen Verfassers wurde nämlich in unzwei­deutiger Weise das Interesse betont, das E n g l a n d an einem Anschluß Islands bekundet und wurde weiter darauf hingewiesen, daß Island selbst nur Vorteile von einer solchen Ver­einigung haben könne.

Die Insel Island steht zur Zeit in einem freien Bündnisverhältnis zum Kö­nig r e ich Dänemark, dessen Oberhaupt gleich­zeitig König von Island ist. Ferner werden die außenpolitischen Interessen Islands vom dänischen Außenministerium wahrgenommen, während sonst die Verwaltung völlig selbständig ist. DasEisland" Island gilt dem Europäer im allgemeinen als eine unwohnliche Polarwüste, und die Folge dieser weit­verbreiteten Anschauung war unter anderem, daß sich Island in Abgeschiedenheit und Ruhe von seiner schweren Vergangenheit erholen konnte.

Jahrhundertelang hatten die dänischen Könige ihre Herrschaft über Norwegen und Island dazu benutzt, um aus der Insel an Steuern und Ab­gaben herauszuholen, was nur irgend möglich war. Freier Handel war den Isländern überhaupt ver­boten, der ganze Handelsverkehr mußte über Däne­mark geleitet werden. Mit dem Einschrumpfen der selbständigen Wirtschaft ging ein allgemeiner Ver­fall vor sich. Die hart bedrückten Isländer verloren jedes Interesse und jede Initiative an eigenem Schaffen: und allein ihre alten Heldensagen gaben noch ein Bild von der Kraft und dem Willen, der einmal dieses nordische Geschlecht beseelt hatte.

Ende vorigen Jahrhunderts trat ein Um­schwung ein. Allmählich war es energischen und geschickten Politikern gelungen, den dänischen Zwang immer mehr zu lockern, eine Konzession folgte der anderen, und schließlich waren aus den Fesseln nützliche Verbindungen geworden. Island erhielt seine volle Handelsfreiheit wieder, in weni­gen Jahren blühte die Wirtschaft auf, die Städte bevölkerten sich, und jetzt ist die Hauptstadt Reyk­javik ein beachtliches Glied des nordischen Wirt­schaftswesens.

Was die früheren dänischen Könige gesündigt batten, bemühte sich das Königreich Dänemark wieder gutzumachen. In wirtschaftlicher und poli­tischer Beziehung fanden die Isländer bei ihrem Wiederaufbau in den erfahrenen und gewandten Dänen gute Ratgeber. Diese Unterstützung bewirkte zusammen mit den an sich gar nicht ungünstigen natürlichen Verhältnissen des Landes ein rasches Aufblühen, das sich vor allem auf dem Gebiet der Fischerei bemerkbar machte. Gute Fischer sind die Isländer von jeher gewesen, aber sie hatten ihr Gewerbe mit veralteten, mangelhaften Booten trei­ben müssen, und der Aufwand an Mut stand in- folgedessen in keinem Verhältnis zum schließlichen Ertrag. Heute aber verfügt Island über eine große Flotte moderner Fischerboote, mit denen an den Küsten und im offenen Meer erfolgreiche Fänge gemacht werden. Eine Zahl nur: im günstigen Jahr 1930 wurden Fischwaren im Werte von 56 Millionen Kronen ins Ausland exportiert!

Der isländische Reichtum an Weideland hat inner­halb von zehn Jahren zu einer Verzehn­fachung des Viehbestandes geführt. Das Vorkommen von Erzen schließlich rief auslän­disches Kapital auf den Plan, englische und ameri­kanische Gesellschaften stellten sich zur Ausbeutung der Erzlage zur Verfügung. So ist in ganz kurzer Zeit die 100 000 Kopf Bevölkerung zu einem ge­wissen Wohlstand gelangt, dem auch die Krise nichts anhaben konnte. Selbst die einfachsten Fischer und Viehhirten erzielen wenn auch kleine und beschei­dene Ersparnisse, die sie auf eine der eigenen isländischen Banken tragen können.Ein Land der Zukunft", so wird die Insel genannt.

Da ist es also nicht allzu verwunderlich, daß England plötzlich gewisse geographische Zusam­menhänge entdeckt, die darauf schließen lassen kön­nen, daß Island einmal eine Art englischer Boden sei. In dem so lebhaft diskutierten schottischen Ar­tikel wird auf die Nähe der Orkneyinseln hingewiesen, die gewissermaßen gute Nachbarn der isländischen Fischbänke sind. Es sind zwar noch gut fünf Jahre hin, bis sich Island von neuem über seine Zukunft zu entscheiden hat, da dann erst der Vertrag mit Dänemark abläuft. Aber schon jetzt wird sehr kräftig auf eine Annäherung hingearbei­tet. Dänemark verhält sich äußerst reserviert. Offen­bar glaubt es sicher nicht ohne Grund der isländischen Freundschaft und Treue sicher sein zu können. Bedenklich sind natürlich die wirtschaftlichen Lockungen, mit denen England in Form hoher An­leihen die unternehmungslustigen Isländer ver­wöhnt.

Das englisch-dänische Verhältnis hat sich jeden­

falls durch die Island-Frage nicht gerade verbessert zu einer Zeit, da an und für sich schon wirtschaft­liche Spannungen in großer Zahl vorhanden sind. Die englische Wirtschaft erneuert nämlich unablässig ihre Versuche, den großen dänischen Bacon­export abzudrosseln. Mit ihrem Bacon ge­bratenem Speck haben die Dänen bisher erfolg­reich den englischen Boden verteidigt, da alle auf den Markt gebrachten englischen Konkurrenzwaren versagt haben. Der Kampf geht jedoch weiter, und diese Baconausfuhr ist für Dänemark eine Existenz­frage.

Mit einem Artikel, der scheinbar nur die Privat­ansicht eines schottischen Blattes darstellt, ist ein heißes Eisen sozusagen auf denGrünen Tisch" geworfen worden, und alle Interessierten stehen herum, ohne es anzufassen. Vielleicht boten die Handschuhe des englischen Lordsiegelbewahrers Eden, der soeben von seiner Skandinavien­reise zurückgekehrt ist, genügenden Schutz.

Das neue Llniversitätsgebäude in Köln.

Kölns neue Universität wird mit dem Beginn des neuen Semesters ihrer Bestimmung übergeben.

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Vom schöpferischen Handwerk.

Bereitet den Boden für die Wiedererweckung einer echten Volkskunst!

Von Dipl.-Ing.

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Kunst im Handwerk.

Ach, sagt der Leser, der uns bisher mit freund­licher Aufmerksamkeit folgte:Kunstgewerbliche Ge­genstände stehen genug in den Schaufenstern herum. Trotzdem ihr seht es ja wird wenig davon gekauft. Und schließlich sind wir froh, daß die vielen Schnörkel und Konsölchen, der viele Krimskrams aus Haus und Heim verschwunden sind. Also wenn ihr nichts Besseres habt ..."

Diese Einwände kommen bestimmt!

Nun darf man mit einem Propagandafeldzug erst beginnen, wenn man weiß, daß man nur noch falschen Vorurteilen gegenübersteht. Denn das sind Mauern, die unter dem nötigen Trommelfeuer irgendwann zusammenbrechen. Wenn aber ein, wohlbegründeter Einwand besteht, dann muß man ihm zuerst gerecht werden, sonst geht die ganze Werbung daneben.

Wenn' unser Volksgenosse in seinen Einwendun-

Or. Wilhelm Völker.

gen von Kunstgewerbe spricht, dann befindet er sich auf falschem Wege. Denn die Scheidung des Handwerks in Kunstgewerbe und nüchternes Nutz­handwerk wollen wir ja eben überwinden. Diese Scheidung entspringt gerade der unsinnigen Auf­fassung, als habe Kun st im Handwerk nichts zu suchen. Schablonenhaftes, Nüchtern-Nützliches schafft nur die Maschine. Dazu ist sie da. Wo aber der Mensch werkt und schafft, da entsteht Persön­liches. Und alles Persönliche ist, ob auf geringster oder höchster Stufe, Kunst und soll es sein. Gerade der Handwerker, der freie Herr feiner Werkzeuge und Arbeitsmaschinen, erfahren in den Ueberliefe- rungen seines Standes, ist bevorzugt in der Lage, künstlerisches Können zu entwickeln.

Dann ein zweites: der Vorwurf, daß wir eine künstliche Ueberlaftung und Ueberladenheit der Häuser und Wohnungen befürworten, wird uns ge­wiß immer und immer wieder gemacht werden. Das ist einfach damit zu erklären, daß man alles, was einem unnötig erscheint, auf eine Linie setzt, und zwar sowohl das höchst unnötige Geschnörkel, wie

auch das Wertvoll-Schöne, dessen Notwendigkeit man einstweilen noch nicht erkannt hat. Eine irrige Meinung ist bekanntlich damit nicht aus der Welt geschafft, daß man sie klar und folgerichtig wider­legt. Denn sie wurzelt stärker im Gefühl als im Verstände und läßt sich darum nur durch beharrliche Propaganda, am besten aber durch die lebendige Anschauung allmählich überwinden. Wir dürfen uns daher durch die stete Wiederholung des Vor­wurfs mit den Schnörkeln nicht irre machen lassen. Er wird mit fortschreitender Verwirklichung unse­res Wollens von selbst entfallen.

Das waren also bisher nur Vorurteile gegen un­sere Sache.

Aber eine Wahrheit steckt doch in den Ein­wänden: Eine ganz wichtige, die den Einwänden sogar eine starke Berechtigung verleiht. Nämlich die kunstgewerblichen Gegenstände, die als Beispiel des wertvoll-schönen Gegenstandes herangezogen werden, sagen dem fremden Beschauer zu wenig mehr. Sie sprechen ihn gar nicht mehr persönlich an. Kein Wunder, daß er sich sich so schwer zum Kauf entschließt.

Wir wollen es einmal ganz kraß ausdrücken: dis Verfertiger dieser Gegenstände sollten lieber weni­ger geschickte Virtuosen, aber bessere Philosophen sein.

Wie? Nicht wahr, das klingt beinahe etwas bom­bastisch: aber wir wollen uns genauer ausdrücken.

Man kann wohl behaupten, daß in grauer Vor­zeit die Anfertigung eines Gegenstandes, etwa einer Axt oder eines Ackergerätes eine besondere, wenn nicht gar eine heilige Sache war, in die der Ver­fertiger fein ganzes Können, feinen ganzen Stolz und feine ganze Liebe fetzte. Heute spielt die geld­liche Seite des Fabrikationsvorganges die Haupt­rolle. Der Käufer ist unbekannt; die einzige Be­ziehung zum unbekannten Käufer T scheint daher die geldliche. Der Herstellungsakt ist damit entweiht. Ein Nützlichkeitsvorgang ohne sittlichen Gehalt.

Gießener Stadttheater.

Giuseppe Berdi:La Traviata".

Das DreigestirnRigoletto",Troubadour" und 2 a T r a o i a t a" wurde für Verdi zum dauern­den Träger des Erfolges. Diese drei Opern bedeuten für seine Schaffensentwicklung eine Reife des Stiles, I Ser durch die persönliche Anteilnahme des Kompo- nisten an seinen Gestalten tiefe Menschlichkeit er-1 schließt: imRigoletto" sorgende Väterlichkeit, im Troubadour" Mutter- und Sohnesliebe, inLa; Traviata" die wandelnde und läuternde Kraft edler, 1 echter Liede. Die ausgeprägte Eigenart der einzel­nen Personen: der Narr Rigoletto, die Hexe Azu- ccna und die Dirne Violetta übten in ihrer einma­ligen Abwegigkeit einen besonderen Reiz auf Verdi aus, der für seine Opernstoffe das Mannigfaltige stets besonders bevorzugte. ~

Das Urbild fürLa Traviata ,Die Kamelien- bame" von Alexander Dumas, hatte Verdi in Paris gesehen, und er verwies seinen Textdichter Francesco Maria Piave auf die Möglichkeit einer Bearbeitung. Zur gleichen Zeit, in der Verdi die letzte Hand an denTroubadour legte, begann er auch schon die Komposition vonLa Traviata mrt ihrer gegensätzlichen Gefühlswelt. Wie gründlich Verdi zu Werke ging, beweist eine Briefstelle, m der er von der unermüdlichen Feilarbeit seines Textdichters am Libretto spricht; er selber findet in seinem Drange kaum Zeitzum Essen und Schlafen .

Fünfundvierzig Tage nach der Uraufführung des Troubadours bringt das Fenicetheater in Venedig La Traviata" Verdi selbst berichtet:Die Traviata ist durchgefallen. Ist es meine Schuld, oder die der Sänger? Die Zeit wird es lehren." Verschiedene Umstände hatten zu diesem Mißerfolg geführt, em heiserer Tenor, eine durch körperliche Fülle unmög­liche Violetta, und nicht zuletzt der dem Publikum bis dahin ungewohnte Lebenskreis, in dem sich das Bühnengeschehen abspielt, und die dadurch bedingte Neuheit im musikalischen Ausdruck. Schon trägt sich Verdi mit neuen Plänen, da will sein Freund An­tonio GalloLa Traviata" in Venedig im San- Benedetto-Theater zur Aufführung bringen. Verdi warnt, entschließt sich aber endlich doch zu einer Ueberarbeitung der Oper, und diesmal wurde der 6. Mai 1854 der Ausgangspunkt für den Sieges­lauf des Werkes.

Eduard H a n s l i ck erkennt in dem Dumasschen Stoff einenwiderwärtigen Vorwurf".Die erste Hälfre der Oper verherrlicht die Liederlichkeit, die zweite die Lungenschwindsucht: dort haben wir das übertünchte, hier das offene Grab", Anderjeits aber

erblickt er hier einschlagendes Beispiel der mil­dernden versöhnenden, idealisierenden Macht der Musik, die alle Poren selbst der Verwesung durch­dringt und die entsetzliche Wirklichkeit des Dramas in einen schwermütigen Traum auflöst."

Dem schicksalhaft Dämonischen imRigoletto", dem Heldischen imTroubadour" stellt sich inLa Traviata" ein intensives Eingehen und tiefgründi­ges Erschließen menschlicher Seelenregungen zur Seite. Für das Erleben des rein Menschlichen voll innerer Herzenswärme fand Verdi hier die innig­sten Töne. Und gerade die Melodien ausLa Traviata" haben, selbst losgelöst von der Bühnen­handlung, für den Meister geworben.

Wenn auch die Art seiner Melodik nicht immer völlige Zustimmung von deutscher Seite fand, so muß man doch stets berücksichtigen, daß Verdi aus einem bodenständig verwurzelten Volkstum heraus schuf und fast ausschließlich in der Geschlossenheit feiner Persönlichkeit die Bedingungen für feine Weiterentwicklung fand. Ein Einfluß des deutschen Musikdramas mußte ihm fern liegen:Wenn wir, Nachkommen eines Paleftrina, Wagner nachahmen, so begehen wir ein musikalisches Verbrechen und tun etwas Unnützes, wenn nicht gar Schädliches", i Er hebt sich über seine Vorgänger hinaus und gibt der italienischen Oper eine neue Prägung; Arien­sänger werden für ihn zu Menschen, Rollen zu Charakteren, Theaterhandlung wird zum Schicksals­geschehen.

InLa Traviata" stieß Verdi mit der Durchbil­dung des Parlandos auf ein Neuland vor. Die Grenze zwischen dem rezitatioischen und dem ariosen Stil läßt er fallen und schafft so die Möglichkeit für den ungehinderten Ablauf szenischer Ereignisse, anderseits gewinnt er gleichzeitig die Mittel, wich­tige Stellen arios hervorzuheben. (Ohne dieses so durchgebildete Stilelement wäre später Puccinis La Boheme" kaum denkbar gewesen.) Ein treffen­des Beispiel bietet die Auseinandersetzung zwischen Alfred und Violetta; das Orchester gibt mit einem oftinaten Motiv den Untergrund, und aus charak­teristischer Wortprägung im Melodischen entwickelt sich diese neue Art dramatischen Singens. Ebenso aber bereichert Verdi das Ensemble; über reine Parlando-Motive hinaus vertieft er die Anteil­nahme des Ensembles sowohl nach der melodischen als auch nach der dramatischen Seite hin.

Gemäß der dem Stoffe innewohnenden drama­tischen Kraft wächst besonders die Rolle der Vio­letta über die Enge der Fachbegrenzung hinaus. Ihre Vertreterin darf nicht nur einseitige Koloratur- Sängerin fein, sie muß den feinsten lyrischen Re­

gungen Ausdruck geben können und doch wiederum starken dramatischen Akzenten gewachsen sein.

Die Violetta Maria Perrys war eine Steige­rung von Akt zu Akt. Die erschütternden Eindrücke des vierten Bildes werfen ein ausgleichendes Licht auf kleine Unzulänglichkeiten, die sich im ersten Akt zeigten. Es war ein ständiges Wachsen und Sich-Hinein-Leben in das innerste Wesen der ge­stellten Aufgabe. Die abgeklärten visionären Klänge der Sterbeszene zeugten von der Uebereinftimmung musikalischen Wollens und Könnens. In der großen Szene mit dem Vater Germont ließ sie ganz beson­ders die innere Wandlung in der Wahl der Aus­drucksmittel erleben.

Besorgte, pflichtbewußte Väterlichkeit betonte Richard Stahl a. G. in seinem Germont. Er wahrte die Grenze zwischen Textanforderung und Gesanglichkeit, wobei ihm fein nachgiebiges Stimm­material gute Stütze war. Die Klippen des Trivia­len im Auftritt mit Alfred (Hat Dein heimatliches Land") umging er mit innerer Gefühlswärme. Der Alfred Hans Heinrich Hagens a. G. war spielerisch durchaus gewandt; erst im letzten Akt ließ er die stimmlichen Akzente erkennen, die sicher schon im dritten Bild am Platze gewesen wären. Sein klanglich verhältnismäßig schlanker Tenor konnte nicht immer die melodische Linie in scharfer Kontur fassen. Luise Decker als Flora hatte wegen stimmlicher Indisposition um Nachsicht ge­beten; als Festgeberin im dritten Bild vermochte sie wohl zu repräsentieren. Therese Stein- k a m p a. G. war als Annina voll Besorgtheit und stimmlichem Anpassungsvermögen. Den Kreis der Gestalten rundeten mit Geschick Heinz Weiser (Gaston), Karl Tank (Baron Douphal), Franz Valckenberg (Dr. Grenvil).

Die Spielleitung (Paill W r e d e) verstand es, die sorgfältig und geschmackvoll gewählten Bühnenbil­der (Karl Löffler) durch eine bis ins Einzelne gehende Durcharbeitung den Forderungen des Werkes anzupassen. Der Absicht des Beleuchtungs­meisters, Ludwig Keim, jedes Szenenbild all­mählich in Erscheinung treten zu lassen, kann man unbedingt beipflichten. Die beiden maßgebenden musikalischen Körper, Chor und Orchester, waren in straf,er flanb. (Dritter Akt!» Die zarten Stre,. cberEIänqe zu Beginn des ersten und vierten Bildes wie auch die solistisch beteiligten Holzbläser gaben Öen Maßstab für die Vorarbeit, mit der Kapellmei­ster Fritz C u j ö die Aufführung gesichert hatte. Im Ausdeuten der Partitur zeigte er Vertrautheit mit Verdis Stilforderunqen. .

Der überaus starke, spontan ausbrechende Bei­fall war berechtigter Dank der Zuhörer. Dr. tt.

Zeitschriften.

DieDeutsche Zeitschrift" (Verlag Callwey, München) beginnt mit dem Oktober / November-Heft feinen neuen Jahrgang. U. Chri- staffel umreißt das Wesen desDeutschen Bildes" (an Hand von plastischen Beispielen). O. Lang stellt Anton Bruckner dar, in dessen Musik das deutsche Wesen eine neue sinnbildliche Prägung von all­gemeiner Gültigkeit gefunden hat; er zeigt an einem großartigen Beispiel, wie höchste Kunst und Volk Zusammenhängen, welche Rolle dem Genie zufällt, daß es noch Musik gibt, die Gottesdienst ist. Hans Böhm referiert über neue österreichische Lyrik, die zugleich aus großer Tradition und aus bäuerlichem Boden neue Kräfte schöpft. Geramb erzählt von einem volkstümlichen FestSinawend", von dem Fortleben uralter Sitte und Bräuche bis in die Gegenwart. Eine ewige Gestalt des Deutschen, eine Gefahr des Deutschen veranschaulicht M. Freund an der Figur Thomas Münzers, der wichtigsten deutschen Verkörperung der chiliastischen Revolution. Aus dem übrigen reichen Inhalt des Heftes fei noch gedacht der Beiträge von Hans Caroffa und Tim Klein, der zum erstenmal FroiffartsBürger von Calais" nacherzählt.

DieBerliner Monatshefte" herausge­geben von Dr. Alfred von Wegerer bringen in ihrem Oktoberheft (Quaderverlag, Berlin W 15, einen bemerkenswerten Beitrag überDie politische Propaganda des russischen Heiligen Synod in Ga­lizien vor dem Kriege". Der ehemalige deutsche Außenminister Friedrich Rosen bespricht das neue Werk von Harold Nicolson über Lord Curzon. Rosen hat Lord Curzon persönlich gekannt und in den Jahren nach dem Kriege, in denen Curzon ! britischer Außenminister war, als deutscher Außen­minister seine Politik aus nächster Nähe verfolgen ! können, lieber den Rahmen einer Biographie hin- ausgreifend, erhebt sich das Werk von Nicolson. Persönliche Erinnerungen an Lord Curzon machen den Aufsatz von Reichsminister Rosen doppelt in­teressant.

Hochsckulnachrichten.

Der ao. Professor Dr. Zipf von der Universität M ü n st e r ist als Nachfolger von Professor Dr. Eich holz auf den Lehrstuhl für Pharmakologie an der Universität Königsberg berufen worden.

Der Privatdozent Dr. Karl Michaelis von der Universität Göttingen wurde als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Römisches Recht und Zioilprozeßrecht an der Universität Kiel berufen.