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M. Teutonia" Watzenborn-Steinberg

In ihrem 6. Punktekampf trafen sich die 2. Mann­schaft von Wieseck und die gleiche der Teutonen in Watzenborn-Steinberg. Das Spiel wurde mit schar­fem Tempo begonnen und auch bis zum Schluß, temperamentvoll durchgeführt. Wieseck zeigte recht gute Leistungen und kam sogar kurz vor der Pause zum Führungstor. In dieser Zeit sah es nicht nach einem Sieg der Einheimischen aus und nach der Pause hieß es gar noch gegen den starken Wind anzukämpfen. Doch gelang es ihnen, dank eines nun endlich flach durchgeführten Kombinationsspiels, eine klare Feldüberlegenheit herauszuspielen und in wenigen Minuten fielen 4 Tore. Wieseck, das bis dahin einen unbedingt gleichwertigen Gegner ab- aab, fiel nun sichtlich ab. Bis zum Schlußpfiff er­höhten die Teutonen die Torzahl auf 6 und setzten sich somit mit 10:2 Punkten an die Spitze der Tabelle.

Vorher traf sich die Jugend vom VfR. Lich mit der Jugend der Teutonen. Lich stellte die körperlich stärkere Mannschaft. Was bie Watzenborn-Stein­berger im Zusammenspiel voraus hatten, ersetzten die Gäste durch ihre Wucht. Lediglich erhöhter Eifer, Einsatz eines jeden einzelnen Spielers und genaue­res Stürmerspiels brachte den Teutonen einen ver­dienten 2:0-Sieg ein.

!?ußballabteilung des Turnvereins Wieseck.

Wieseck I Grünberg I 4:1.

Am Sonntag standen sich in Wieseck beide Geg­ner im fälligen Verbandsspiel gegenüber. Die Gäste stellten eine flinke, eifrige Els ins Feld, die den Platzbesitzern, die ihren Gegner unterschätzt hatten, schwer zu schaffen machte. Wieseck, wieder in ver­änderter Aufstellung, ließ sich durch die sehr eifrig spielenden Gäste vorerst verwirren. Wohl gab es sehr schöne Momente vor dem Gästetor, doch stand dort ein Hüter, dem anscheinend alles mit Glück vor die Hände kam. Auf der Gegenseite machte Grün­berg wohl schöne Durchbrüche, die jedoch wenig ge­fährlich waren. Nach Verlauf einer halben Stunde gelang es jedoch den Gästen, überraschend in Füh­rung zu gehen. Nun wurde das Spiel schärfer. Wieseck lag nun fast stets im Angriff, konnte jedoch bei der zahlreichen Abwehr das Netz nicht finden. Halbzeit 0:1. Nach dem Wechsel erzielte Wieseck den Ausgleich. Dann hatte Grünberg schwer zu kämp­fen, der Hüter hielt aber fast alles. Ein scharfer

In Kassel wurde Samstag und Sonntag ein Lehrgang im Frauenturnen unter Leitung der Gau­führerin des Gaues Nordhessen, Friedel K a st e n, mit 54 Teilnehmerinnen aus allen Teilen des Gau­gebiets durchgeführt. Außer sämtlichen Kreisfrauen­turnwarten und Kreisführerinnen der Frauen waren aus einigen Kreisen in größerer Zahl noch Turnerinnen erschienen. Der Lehrgang stand schon ganz im Zeichen des nächstjährigen ersten nordhessi­schen Gaufestes in Gießen. Die praktische Arbeit am Samstag begann mit der Vorbereitung der für das Gaufest bestimmten allgemeinen Frei­übungen, die von Friedel Kasten zusammengestellt sind und in bezug auf Aufbau, Inhalt und Wirkung den neuzeitlichen Forderungen voll gerecht werden. Besondere Bedeutung wird, wie schon bei den dies­jährigen Bezirksturnfesten in Friedberg und Bebra, beim Gaufest dem Gemeinschaftskampf der Turne­rinnen zukommen. Friedel Kasten und die Kreis­frauenturnwarte Luise Schwarz-Friedberg und Hrch. Schneider-Wetzlar machten in anregender Weise mit einigen Formen dieses Kampfes vertraut.

Näheres über den Aufbau des Gießener Gaufestes konnte man dann abends im Verlaufe einer Be­sprechung durch Gauoberturnwart R. Paul- Gie­ßen erfahren.

Schuß brachte Wieseck die Führung. Gegen Schluß lag Wieseck wieder stark im Angriff und konnte den Gästen noch zweimal das Nachsehen geben. Mit 4.1 Toren blieb dann Wieseck verdienten Sieger.

Wiesecks 2. Mannschaft war mit nur 10 Mann zum fälligen Verbandsspiele in Sternberg zu Gast und verlor mit 6:1 Toren.

Handball im Männerturnverein (OT).

Wtv. Gießen I Io. Lützellinden I 3:1 (2:1).

Mit einem schönen Siege konnte die erste Hand­ballmannschaft des Gießener Männerturnverems das am vergangenen Sonntag auf dem Mtv.Sport­platz ausgetragene Handballverbandsspiel gegen die gleiche Mannschaft des Tv. Lützellinden beenden. Die ersten zehn Minuten sahen die Gäste forsch im Angriff und sie konnten bereits kurz nach Beginn das Führungstor erzielen. Bald hatten sich jedoch die Mtver mit den Verhältnissen vertraut gemacht und kamen nun ihrerseits in Schwung. Ein fesseln­der Kampf entspann sich, in dessen Verlauf es den Gießenern gelang, bis zur Pause nicht nur den Gleichstand wiederherzustellen, sondern sogar mit 2:1 in Führung zu gehen. In unvermindertem Tempo ging der Kampf nach der Halbzeit weiter, auf beiden Seiten wurden heftige Anstrengungen gemacht. Kurz nach Wiederbeginn konnte der Rechts­außen auf eine schöne Vorlage des Mittelstürmers auf 3:1 erhöhen. Dagegen gaben auf der anderen Seite die Gäste den Siegeswillen nicht auf; aber es gelang ihnen nicht, dank der sicher arbeitenden Gießener Hintermannschaft, das Ergebnis etwas zu verbessern. Der Lützellindener Sturm verzettelte sich zu sehr in Einzelaktionen und Strafwürfe sind für mangelndes Zusammenspiel kaum ein vollwertiger Ersatz. Dagegen konnte der Sturm der Männer­turner durch das flüssige, vorbildliche Zusammen­spiel und vor allen Dingen auch der höchst uneigen­nützigen Spielweise jedes Einzelnen gefallen. Die Hintermannschaft ließ in ihrer Abwehrarbeit kaum eine Lücke und wurde dabei von der Läuferreihe tatkräftig unterstützt.

Wtv. Jugend Tv. Krofdorf Jugend 23:3 (12:1).

Die Jugend des Männerturnvereins konnte in Krofdorf einen eindrucksvollen Sieg landen und so­mit zwei wertvolle Punkte mit nach Hause bringen. Wie das Ergebnis schon sagt, war das Spiel eine vollkommen eindeutige Angelegenheit. Die Jugend führt in ihrer Klasse die Tabelle mit 10 Punkten und einem Torverhältnis von 70:10.

Der Relchssporlführer hat in Ueberelnstimmung mit der Deutschen Turnerschaft festgelegt, daß die bisherigen Gau- und Landesturnfeste der DT. künftig als Gaufeste des Deutschen Reichs­bundes für Leibesübungen ausgeschrieben wer­den und die DT.-Gaue die Durchführung dieser

Gaufeste übertragen bekommen.

Alle dem Reichsbund angehörigen Verbände und Vereine sind teilnahmeberechtigt. Gauober­turnwart Paul erhob zur Forderung, daß im Blickpunkt aller Arbeit und sämtlicher Veranstaltun­gen der Kreise das Gießener Gaufest stehen müsse, das zu einer großen Kundgebung für die deutsche Leibesübung und für deutsches Volkstum gestaltet werden solle.

Friedel K a st e n sprach über die Turnerinnen­arbeit auf dem Gaufest. Am Freitag, als dem er st en Wettkampftag, kommen die Einzel­wettbewerbe zum Austrag. Für die Turnerinnen gibt es einen Neunkampf für Ober- und Unterstufe (bestehend aus einer Barren - Pflicht - und einer Barren - Kürübung, aus je einer Pflichtübung am Pferd und Reck, einer Freiübung und einer Hebung mit dem Gymnastikball sowie aus 75-Meter-Lauf,

Dollballwurf und Weitsprung) und einen volks­tümlichen Vierkampf (Kugelstoßen, 75- Meter-Lauf, Vollballwurf, Weitsprung).

Der Samstag bringt dann die Arbeit in einer größeren Gemeinschaft, und zwar in Form des Gemeinschaftskampfes und des Tur­nens der Kreise. An letzterem haben sich alle Wett­kämpferinnen zu beteiligen; gefordert werden hier: 1. eine Gruppe der allgemeinen Freiübungen; 2. einer der vorgeschriebenen Tänze; 3. eine frei- gewählte Hebung; 4. eine völkische Prüfung. Den Höhepunkt des Gaufestes werden wir am Festsonn- tag mit dem Festzug, den allgemeinen Freiübungen und den allgemeinen Tänzen erleben. Bei allen Darbietungen dieses Tages werden die Massen der Männer und Frauen werbend in Erscheinung treten.

Nach der grundlegenden Vorarbeit des Samstags wurden am Sonntag nach einer von der lurnfreis» führerin Minni Eisfeld-Kassel gehaltenen Mor­genfeier in reger praktischer Arbeit die Hebungen für das Gaufest nochmals gründlich durchgeturnt und erläutert. Zwischendurch kam auch das Singen zu seinem Recht. Alle Teilnehmerinnen nahmen sich reiche Anregung für die Arbeit in den Kreisen und Vereinen mit nach Hause. Gauoberturnwart Paul schloß die Arbeitstagung mit einem herzlichen Dan- keswort an Friedel Kasten und die A. C. T. Kassel für Vorbereitung und Durchführung des

Bezirksklasse:

To. Kirchgöns Tv. Roth 9:3: Eine recht deut­liche Abfuhr erhielt die gewiß nicht schlechte Mann­schaft der Gäste von dem Tabellenführer. Kirchgöns befestigte mit diesem Sieg seine Position weiter und wird wohl kaum noch vom ersten Platz verdrängt werden können. Das Spiel war trotz des hohen Er­gebnisses immer spannend.

To. Münchholzhausen Tv. Goßfelden 10:6: Ein torreiches Spiel! Die Platzbesitzer finden sich von Spiel zu Spiel und boten auch diesmal wieder eine recht gute Leistung. Dagegen kann man auch den Gästen nicht vorenthalten, daß sie einen großen Eifer zeigten und sogar einige Zeit mit 4:1 Toren in Führung lagen.

Kreisklasse I:

Tv. Hörnsheim To. Groß-Rechtenbach 5:3 (3:3): Man hatte allgemein mit einem Sieg der Einheimischen gerechnet. Während die Platzbesitzer in der ersten Spielhälfte gegen den Wind kämpften, aber trotzdem vorzügliche Leistungen boten, fiel die Mannschaft nach der Pause derart stark ab, daß sie noch froh sein konnte, wenigstens einen Punkt ge­rettet zu haben.

VfB.-Reichsbahn Tv. Holzheim 2:9: Auf eig­nem Platze muhte VfB.-Reichsbahn mit klarem Vorsprung den Gästen Sieg und Punkte überlas­sen. Der Sieg der Gäste war nie gefährdet und auch in dieser Höhe verdient.

Tv. Heuchelheim I Tv. Albach I 9:5 (6:3): Die Platzmannschaft trat zu diesem Spiel verstärkt an und gab während des ganzen Spieles durch leichte Heberlegenheit den Ton an. Schon bis zur Pause war das Spiel entschieden. Trotz der klaren Nieder­lage vermochten die Gäste zu gefallen.

krelsklasse HL

Tv. Heuchelheim II Tv. Münchholzhausen II 7:5 (5:4). Der Platzmannschaft gelang erst nach dem Wechsel durch leichte Heberlegenheit der Ausgleich. Durch zwei weitere Tore konnte noch ein verdienter Sieg sichergestellt werden.

Tv. Krofdorf II Tv. Holzheim II 9:8 (5:5): Zwei durchaus gleichwertige Mannschaften bestrit­ten dieses Spiel. Der Kampf war recht schnell und wurde nach dem Wechsel, in der Phase des Kämp­fens um den Sieg, auch mitunter recht hartnäckig durchgeführt. Die glücklichere Mannschaft trug den Sieg davon. _____

Lehrganges und mit einemGut Heil" auf Führer, Volk und Vaterland.

Bier neue deutsche Auto- und Motorrad- Weltrekorde.

Auf der Betonstraße von Gyon bei Budapest stellten am Dienstag die deutschen Fahrer Garrac- ciola, Henne und Möritz vier neue Weltrekorde auf. Rudolf Car acciola fuhr mit dem Mercedes- Benz-Rennwagen eine neue Weltbestleistung über die stehende Meile heraus. Er benötigte für die Hm- und Rückfahrt 30,71 Sekunden, was einem Stunden- mittel von 188,655 Kilometer entspricht.Carratsch" verbesserte damit den vor zehn Tagen von Hans Stuck aufgestellten Rekord von 187,86 Stdkm. Den zweiten Rekord erzielte Ernst Henne mit einer 500 ccm Solomaschine mit 15,82 Sekunden für Hin- und Rückfahrt über den fliegenden Kilo­meter, er verbesserte damit den Weltrekord des Belgiers Milhour auf 227,016 Stdkm. Europa­meister Ernst Moritz- München verbesserte seinen erst am Sonntag von ihm aufgestellten Rekord mit einem 500 ccm Cyclecar über den stehenden Kilo­meter von 108,043 Stdkm. auf 113,672 Stdkm. Den vierten Rekord schuf Möritz mit einem 350 ccm Cyclecar mit 84,289 Stdkm. für den Kilometer mit stehendem Start.

Jugendklasse.

Tv. Grüningen Tv. Lang-Göns 1:7 (1:3): Die Platzbesitzer vermochten den Gästen nicht den er« warteten Widerstand entgegenzusetzen und verloren recht eindeutig.

Cleeberg Erda 11:6: Die Cleeberger arbeiteten sehr gut zusammen und konnten einen wohlver­dienten Sieg landen. Zur Halbzeit stand das Spiel bereits 9:3 für Cleeberg. Die Erdaer spielten aller­dings mit großem Eifer, spielten vorübergehend auch überlegen, zum Siege konnte es aber nicht mehr reichen. *

Frankenbach I Rodheim I 3:0.

Rodheims 1. Mannschaft weilte am Sonntag In Frankenbach, wo sie eine harte Nuß zu knacken hatte. Frankenbach, verstärkt, zeigte ein gutes Spiel, während Rodheim reichlich unüberlegt spielte. Der Sturm versagte ganz. Die Einheimischen waren stets schneller am Ball und konnten durch eine schöne Vorlage des Linksaußen den Führungstreffer erzielen. Mit 1:0 wurden die Seiten gewechselt. Nach Halbzeit lag Rodheim dauernd im Angriff, jedoch der Sturm kam nicht an der Verteidigung der Einheimischen vorbei. Die Gäste stellten bann um und in kurzen Abständen fielen zwei Tore. Frankenbach hatte Dem nichts mehr entgegenzu­setzen.

Kirchliche Nachrichten.

Katholische Gemeinden.

Mittwoch, den 31. Oktober.

Gießen. 16.30 und 19 Hhr: Beichte.

Donnerstag, den 1. November. Allerheiligenfest.

Gießen. 6.30 Hhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommu­nion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Pre­digt; 14: Vesper mit Segen; 16.30: Beichtgelegenheit; 17.30: Rosenkranzandacht; 18: Predigt und Andacht für bie Abgestorbenen; 19: Beichtgelegenheit. Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. Lich. 10: Hochamt mit Pre­digt. Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Schol­ten. 10.30: Hochamt mit Predigt.

Freitag, den 2. November: Allerseelentag.

Gießen. 6.30 Hhr: Beichte; 6.30 bis 8 sind hl. Mes­sen; 8: Seelenamt für alle Verstorbenen der Pfarrei; 9: Seelenamt für bie im Weltkrieg gefallenen Sol­daten. In beiden Aemtern und in allen Messen wird die hl. Kommunion ausgeteilt. 20: Rosenkranz­andacht. Nidda. 8.30: Seelenamt.

Die Vorbereitungen für bas Sausest in Gießen.

Handball im GauXII (KreisLahn-Dill).

Germanische Landschast.

Bon Josef Ponten.

Island.Eisland" bedeutet der Name, und ob wohl es eine ganz von vulkanischen und noch jun- §en, teilweise noch lebenden Kräften auf.gebaute nsel ist, das Eis bedeckt sie zum guten Teile. Kos­mische Feuermacht von unten und kosmische Eis- macht von oben, und dazwischen die schwarze Lava­platte, in der es noch raucht und rollt,' und um sie herum das weite vereinsamende Meer das ist Island.

Man nähert sich auf dem Meere. Als weiße, breite Kuchen liegen die Eismassen auf dem Land, und um die höchsten Erhebungen, welche Vulkane lind, tote ober augenblicklich noch unter ber Eisbecke schlafende Berge von Eis stehen dem äußeren Bilde nach da, Eisberge in einem anderen Sinne, als man sonst zu sagen pflegt. Schwarze, hohe, vul­kanische, auf dem Land vorgesetzte Klippen sind von Tausenden von Seevögeln umschwirrt, in den dumpfen Rollton des Meeres und das ewige Rau­schen der Bugwelle mischt sich der fremdartige tausendstimmige Vogelschrei.

Der Himmel ist trüb, Wolkenbänke schließen sich an die Köpfe der Berge, und mögen uns bie eigent­lichen Köpfe verbergen, biesig ist bie Luft über dem Meere; benn obgleich auch hier ein Arm des Golf­stroms, ein schwächerer zwar als der, ber sich zwi­schen Orkneyinseln und Färöern durchpreßt, in weitem Bogen ausschwingt, und wieder in zurück- hiegender S-förmiger Kurve über Norden nach Osten hinüber sogar Island umschlingt. Don Norden her­unter kommt auch der kalte Polarstrom, der zwar drüben an der Küste Grönlands sich vorbeidrückt, dieses durch schwimmende Eisberge und feste Eis­barren unzugänglich machend. Seine Abkühlung wirkt aber bis hierher, und die Folge ist fast ewige Trübe von Luft und Himmel. Die mit den Meeres­strömungen ziehenden Winde (umgekehrt, die Strö­mungen ziehen mit den Winden) begegnen sich hier und drehen und schrauben sich auf in einer Zyklone, die jahraus, jahrein südwestlich von Island steht. Das ist die Geburtsstätte des europäischen schlechten Wetters. Die Luft, die von hierher, der Erdum­drehung entgegen, kommt, kennen wir; in drei gro­ßen Zugstrahen zieht sie mit ihrer Feuchtigkeit ost­wärts über Europa hin, bald diese, bald jene Zug­straße wählend. Jede aber ist feucht und naß.

Uns jedoch ist der Himmel günstig. Als wir am anderen Morgen in derRauchbucht" (Reykjavik) vor Anker gehen, spannt sich blauer Himmel über das ungeheure Halbrund. Nackt, baumleer, steinig, braun und schwarz ist das Land. Nüchterne Häuser stehen am Strande, es riecht nach Fisch und Tran. Hier ist

die Hauptstadt eines wie Süddeutschland großen Meerlandes, dessen große Mitte eine Wüste ist von Eisschilden und Vulkanmassen, von eiskalten Glet­scherflüssen und Geröllfeldern und glühheißen, rau­chenden Quellen und Springbrunnen, und dessen Randkranz nur dürftig von germanischen Menschen bewohnt ist.

Wir fahren ins Land hinaus. Viele Schafe sieht man, viele hornlose Rinder, Herden von kleinen, struppigen Pferden, grünen Wasen hier und da und keine Bäume. Was die Temperatur zuliehe, ver­bietet der Wind. Heber meilenweite braune Felder geht die Fahrt, aber es ist nicht Herbst, und das Braun ist keine umgebrochene Ackererde, sondern Lavafeld Lavafelder, eins nach dem andern. Da raucht es hoch und stark auf, ein fast siedendheißer Back fließt in der Wüste. Und weiter geht's über die braune Lava und in der Ferne stehen steinige, völlig kahle, dunkle Gebirgszüge, nur in den Höhen von Schneeflocken weiß gesprenkelt.

Jetzt tut sich rechts der Blick auf einen großen flachen See auf. Kahl sind seine Ufer nein, in einigen Buchten steht einiges grüne Binsengras. Hier liegt ein grüner Wasen und da. Auf oder an ihm einsame Höfe mit grünem Rasen gegen die Windseite völlig gedeckte Häuser, die halb als Erd­hütten ober -höhlen erscheinen. Die Stirnseite aber mit Tür und Fenstern ist mit Holz verplankt, dieses ist dunkelrot gestrichen. Welche Farben: ein leicht- blauer See im Braun der Laven, das Dunkelgrün der Rasen und Hütten und das Tiefrot der Ver­schalungen, die durch ihre fast vollkommene Lebens­leere unermeßlich wirkende Steinwüste braun und schwarz. Am Horizont stehen mit dem zarten atmo­sphärischen Blau überhauchte Berge. Und die kräftig blaue Kuppel des Himmels ruht auf ihm. Das Auge trinkt sich farbensatt.

Weiter fahren wir auf dem schlechten Wüstenwege, und nun senkt sich der Strich der Straße in eine viele Kilometer lange Schlucht mit steilen Wänden: ein junger, dicker, schwarzer L-avastrom brach auf, und das wurde die Schlucht. Unb wir stehen auf dem islänbischen, mittelalterlichen, germanischen Thing­felde.

Der See ist dahinten geblieben, fein Zuflußwasser braust durch die Schlucht. Draußen läuft ber Fluß in weiten Schotterfeldern unb vervielfältigt sich in Armen. Große Wiesenflächen breiten sich an seinen Ufern aus, hier und da und einzeln zählbar stehen Gehöfte in Grün und Rot, und den Mittelpunkt dieses dünnen Siedlungskreises bildet eine schlichte weiße Kirche auf einer grünen Terrasse.

Hier ist also das Thingfeld. Keine Spur von Ge- bäuben, keine Feldterrasse architektonisch nutzbar ge- macht als Buhne oder Kanzel alles ist nur Natur. So hat der isländische Germane getagt unb inAll- männerüerfammhmgen" das politische Schicksal der

Gesamtheit, Fahrten übers Meer oder die endlosen Stammes- und Familienfehden beraten, wie sie nun einmal germanisch sind, auch öffentliche und zum Teil furchtbare Sittenzucht geübt (in einem nahen Wasser sollen ehebrecherische Frauen ertränkt wor- den sein) die herbe Welt der Sagas klingt um uns und in uns auf.

DerTeufelfährtimZugemit...

Was mir ein Dompteur erzählte...

Von E. Büsing.

Man nannte ihn Ramses den Großen und dachte dabei ganz bestimmt nicht an den altägyptischen König; denn der Namensträger war ein sibirischer Tiger. Groß, mächig, weit ausholend im Schritt.

Als sechs Monate altes, kräftig entwickeltes Tier, war er zu feinem Lehrherrn gekommen. Der freute sich sehr, endlich mal wieder einen Wildeingefange­nen zu erhalten, werden diese doch oft viel bessere Freunde des Menschen, als die in der Gefangen­schaft geborenen Raubtiere. Ramses schloß von sich aus Freundschaft mit seinem Herrn. Er war dank­bar für die Menschenliebe, weil sie sein Einsam­keitsgefühl tötete, und er achtete den Menschen, da er dessen überlegene Klugheit empfand. Daher war Verlaß auf diesen Zögling, und der Dompteur war glücklich, daß gerade Ramses, nach echter Sibirer- Art sich zu einem so mächtigen Tiger entwickelte.

Ramses hielt Ordnung in der Gruppe, das hieß, ein jeder fürchtete fein Gebiß und seine Schlag- fertigten. Er war fleißig und ehrgeizig und arbei­tete gerne. Der Dompteur gebrauchte feine Peitsche nur zum eindrucksvollen Knallen, kein Tier bekam einen Schlag, sie arbeiteten alle, weil Ramses der Große es wünschte. Kamen mal irgendwelche böse Zufälligkeiten während der Arbeit dem Dompteur in die Quer, sei es, daß die Postamente wackelten, ber Tippich Falten schlug, irgenbein Kinb grell unb aufregenb schrie ober bie Scheinwerfer blenbeten, sagte er nur:Ruhig, Ramses, ruhig!" Dann ver­harrte Ramses, hochaufgericktet und unbeweglich auf seinem Sockel, als ob er für ein Denkmal Modell säße. Sein Vorbild aber war maßgebend im Tiger- fäfig, in den sehr leicht durch eine Geringfügigkeit Hnruhe kommt.

Doch einmal, während einer Reise, überraschte der Naturtrieb des Tigers seinen Herrn auf das Hnangenehmste. Ramses war mit zwei Tigern, die sich beide nicht wohl fühlten, in einem Wagen. Da biß er sie einfach tot. Er merzte das Schwache aus, sein Trieb war so elementar wie ein Naturereignis.

Seit der Zeit reifte Ramses stets in einem Käfig allein. So auch damals in dem von langsamen Eisenbahnzügen durchfurchten Rußland der Vor­

kriegszeit. Es traf sich so, daß Ramses' Käfig in einem vergitterten Eisenbahnwagen stand. Der Dompteur hatte schon während der Fahrt ein sehr sonderbares Jiepen gehört, als er einmal, von der Plattform des anderen Wagens aus, RamsesSon­der-Abteil" betrat. Auf einer kleinen Haltestelle sah er daher nach dem Rechten. Es hatten sich ein paar Bretter des Käfigs gelöst, Ramses hatte die Deff» nung sofort erweitert und machte nun einen Jn- spektisnsgang durch den Wagen. Als fein Herr das sah, nahm er sofort einen großen Sack mit Fleisch an sich und brachte den in Sicherheit. Sonst hätte Ramses bestimmt das ganze Pferd aufgefressen, das schon, in regelrechte Tigerportionen aufgeteilt, den Reisebedarf für mehrere Tage ausmachen sollte. Im Wagen stand ber zerbrochene Käfig und hing ber große Fellmantel bes Dompteurs, sonst nichts. Na, ba konnte ber Tiger kein Hnheil anrichten. Der Dompteur schlug bie Tür zu und ließ Ramses seine Jnspektionsgänge fortsetzen.

Doch ging und ging der Zug nicht von der Stelle. Mit den Anzeichen allergrößten Schreckens floh das Bahnpersonal. Der Bahnsteig war wie leer gefegt.

Da wurde mach und nach dem Domteur ein wenig ungemütlich zu Mut. Ob der Zug womöglich in Brand geraten war? Der Dompteur lief den Bahn­steig entlang. Er sah nichts. Er schnupperte, es war kein Brangeruch zu entdecken. Da ging er in das Stationsgebäude, wo das ängstliche Bahnpersonal ihn anschrie:

Der Teufel selbst, der Teufel selbst fährt mit bit im Zuge."

Nun, der Dompteur hatte feine Reisegenosfen als lebende Tiere angegeben und von einem mit ver­frachteten Teufel war ihm nichts bekannt. Doch hatte er'das unstillbare Verlangen, den kennenzu­lernen.

Heberraschend schnell entdeckte er ihn, und er schüttelte sich im Lachkrampf, denn Ramses hatte seinen Fellmantel heruntergerissen, der wie eine Riesenkapuze nun seinen mächtigen Kopf umgab, und diesen stemmte er, gestützt auf feine breiten Pranken, gegen das Fenster.

Da blieb dem Dompteut nun gar nichts anderes übrig, als sich Hammer und Nägel zu besorgen, Ramses den Großen nach wildem Hin- und Her­jagen in den Transportkäfig zu sperren und den fein säuberlich zu vernageln, damit Ramses Neu­gierde nicht noch an anderen Haltestellen Zugver­spätungen Hervorrufe.

Das widerstrebende Bahnpersonal brachte er, halb. mit Gewalt, halb mit Güte, unter andauern­dem Zureden an die Arbeit, und so konnte dann nach einstündigem unfreiwilligem Aufenthalt der Zug, der Ramses barg, sich wieder in Bewegung setzen.