Nr. 76 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, 51. März M4
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gewaltigen Gassen sind
keller mit riesigen Holzfässern und Emaille-Tanks. Zu beiden Seiten enger
diese Ungetüme von Fässern und Tanks, letztere zum Teil sogar in zwei Etagen Höhe, aufgestellt, mit Merktafeln für den Verlauf der Lagerung ausgestattet und mit winzig kleinen Probierhähnchen
In , der deutschen Gesamtwirtschaft, wie auch im Wirtschaftsleben unserer Stadt steht die Brcmin- dustrie an einem der wichtigsten Abschnitte der Produktionsfront Dieser Industrie kommt denn auch im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit eine besondere Bedeutung zu. Mit den Brauereien sind die Existenzen vieler Arbeiter der Faust und der Stirn, aber auch die Unternehmungen der Gastftättenbe- sitzer bzw -Pächter mit ihren Mitarbeitern eng verknüpft. Bei dieser Bedeutung der Brauindustrie ist es natürlich, daß sich derartigen Betrieben im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur Wiederbelebung unserer Wirtschaft das allgemeine Interesse besonders zuwendet.
Die einzige Produktionsstätte der Brauindustrie ist in unserem Gemeinwesen das Gießener Brauhaus A. und W. Denninghoff. Die Firma ist sowohl als Arbeitgeber, wie als wirtschaftliche Stütze zahlreicher Gaststätten und vor allem auch als Steuerzahler ein Faktor von großer Bedeutung in unserer heimischen Wirtschaft. Im Rahmen unserer Gießener Industrie kann sie gleich
angrenzenden Maschinenhalle untergebrachten Dampfmaschinen von 100 PS mit 2 Eiskompressoren , von je 100 000 Kalorien und von 250 PS mit einem gekuppelten Eiskompressor von 200 000 Kalorien mit der nötigen Antriebskraft. In der Maschinenhalle arbeitet ferner eine Dynamomaschine, die den elektrischen Strom für den Gesamtbetrieb liefert und zugleich für den Antrieb der im ganzen Betrieb verteilten Elektromotore sorgt, welche die kraftver- brauchenden Transmissionen zum großen Teil entbehrlich machen. Die Eiskompressoren des Betriebes ermöglichen es, täglich etwa 300 Zentner Eis zu produzieren und zugleich die Kühlung der großen Kellerräume vorzunehmen.
In einem eigenen Gebäude neben der Maschinenhalle ist die eigentliche Braustätte, das sag. Sudhaus, eingerichtet. Dieser Teil des Betriebs ist nach den vorerwähnten Erweiterungsbauten kürzlich in Betrieb genommen worden. Der große Raum mit vier gewaltigen Braukesseln macht durch die gediegene bauliche und handwerkliche Ausstattung, an der Spezialarchitekten und in besonders starkem Umfange Gießener Unternehmer und Handwerker ihr berufliches Können zur Geltung brachten, einen ausgezeichneten Eindruck auf den Besucher Das Sudhaus ist nach den modernsten Gesichtspunkten geschaffen worden. Die vier großen Braukessel, sämt- i lich in blankem Kupfer gehalten, sind ein Meister-
Bild links: Teilansicht des neu geschaffenen Sudhauses; rechts oben: in tiefen und breiten Bottichen gärt das Bier; rechts unten: Blick in das Maschinenhaus.
3m Reiche des Gambrinus zu Besuch
6in Rundgang durch das Gießener Brauhaus von Denninghoff.
stück deutscher Kupferschmiedearbeit. In dem in ganzer Raumhöhe mit lichtgrünen Kacheln ausgestaltetem Raume wirken sie auf den Beschauer außerordentlich reizvoll. Mit Antikglas und Ornamenten versehene Fenster geben dem Sudhaus tagsüber eine angenehme Beleuchtung, am Abend erhellen mattweiße Beleuchtungskörper ah der Decke den großen Raum. Von den vier kupfernen Braukesseln stellt der 17 000 Liter fassende „Weigel-Hochdruck- Würzekessel" eine ganz neuartige Einrichtung dar, die es ermöglicht, das Bier unter Druck zu kochen. In diesem Betriebe sind ferner automatische Schaltanlagen für die in einem tiefergelegenen Raume untergebrachten Motore nach modernsten Gesichtspunkten zur Anwendung gekommen. Maschinenlärm oder sonstige Geräusche des Arbeitsprozesses sind von dem Sudhausbetrieb bewußt ferngehalten worden, um den Betrieb des Bierkochens freizuhalten von allen störenden Geräuschen. In dem Motorenraum unter dem Sudhaus sieht der Besucher eine umfangreiche technische Anlage, bei der wiederum die reichliche Verwendung von blitzenden Kupferrohren besonders auffällt. Die Räume über dem Sudkessel-Saale sind mit betrieblichen Nebeneinrichtungen der Brauereiarbeit, wie Schrotmühle u. dgl., ausgestattet.
' Gegenüber dem Sudhaus, am Wernerwall gelegen, steht der mächtige Bau der Mälzerei, der Gärkeller-
: anlage und der darunter eingerichteten großen Lagerkeller, der Faßwäscherei und der Expeditions-
: anlage. Im Mälzerei-Betrieb sieht man riesige Lager von feinster Braugerste aufgestapelt,
: ferner mächtige Bottiche, in denen die Gerste durch Wasserbehandlung in verschiedenen Stufen für die Mälzerei vorbereitet wird, nachdem sie vorher durch Rcinigungsmaschinen. Siebe usw. ihren Weg vom Lager genommen hat. Weiterhin be/nerkt man riesige Getreidesilos, in denen die verschiedenen Gerstensorten, je nach ihrem Verwendungszweck, getrennt aufgestapelt liegen, man lernt außerdem große Silos mit lagerndem Braumalz kennen, sieht mit Stau-
i nen eine gewaltige Malztrommel, in der die Gerste im Gegensatz zur Tennenmälzerei durch ein Trommelverfahren für den letzten Verwendungszweck vorbereitet wird. In einem auf gleicher Temperatur um etwa 0 Grad gehaltenen Lagerräume sieht man riesige Ballen Hopfen aus den verschiedensten Produktionsstätten aufgestapelt liegen und kann sich dabei auch an dem würzigen Geruch des Hopfens erfreuen. Mit großem Interesse kann man in diesem Teile des umfangreichen Betriebes weiterhin ein gewaltiges Kühlschiff sehen, auf das vom Sudhaus her das gekochte Bier geleitet wird, um dort in kurzer Ruhepause die beim Kochen ausgeschiedenen Bestandteile abzusetzen. Don diesem Kühlschiff aus wird das Bier über einen von innen gekühlten kupfernen Kühlapparat in die großen G ä r k e l - l e r geleitet, in denen Bottiche der verschiedensten Größe, — mehrere davon fassen rund 20 000 Liter Bier und jeder stellt für sich allein so ungefähr ein kleines Schwimmbad dar — innen mit Glasemaille ausgekleidet, den kostbaren Stoff aufnehmen und ihn dem Gärungsprozeß überlassen. Auch in diesem Gärkeller sind die Räume mit Kacheln ausgelegt, so daß die größte Sauberkeit gewährleistet ist. Nachdem das Bier in den Gärbottichen etwa 12 Tage lang der Gärung unterworfen blieb, wird es in Riesenfässer in den Lagerkeller geleitet, wo es je nach der Qualität eine mehrmonatige Lagerzeit durchzumachen hat, bis es die Reife zum Ausstoß und zum Versand besitzt.
Unter den Gärkellern befinden sich die Lager-
falls den Anspruch erheben, zu den bedeutendsten Betrieben gerechnet zu werden. In den letzten Monaten hat das Unternehmen durch eine bedeutsame Betriebserweiterung mit umfangreichen Bauarbeiten noch über seinen üblichen Wirkungsbereich hinaus etwa 10 Wochen lang rund einem halben hundert Volksgenossen Arbeit und Brot gegeben, und dadurch im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit erhebliche Hilfe geleistet.
Nachdem kürzlich das große Bauunternehmen im Gießener Brauhaus zum Abschluß gekommen ist, haben wir unter Führung eines Mitinhabers der Firma einen Rundgang durch die umfangreiche Brauerei unternommen, um unseren Mitbürgern einen Bericht über diesen weithin bekannten Betrieb geben zu können. Wir betraten zuerst das Kesselhaus, in dem zwei riesige Dampfkessel mit 170 bzw. 150 qm Heizfläche und automatischer Kohlenzuführung als Kraftquelle für den großen Betrieb in Benutzung sind. Hier ist auch ein automatischer Wasserreiniger in Betrieb, der für kesselsteinfreies Wasser sorgt. Die Dampfkessel versorgen die in der
Ins heilige Land.
Von Walter von Molo.
Seit Wochen waren Lärm und Rossetraben im stillen Donautal. Glühend stand die Frühlingssonne darüber, vom Hahnenschrei bis zum Avelauten. Schweres Reiten war's im Eisenkleid, und der Weg zum heiligen Grab ist weit. Schon wieder riefen vereinzelte Hörner zur Mittagsrast.
„Wir wollen noch ein Stück traben", sagte der Mildenburg und nahm den schweren Eisentopf von der weißen Stirn, auf der der Druck des Helmes eine rote Schramme ließ, „und erst halten, wenn sich das Tal breitet und Schatten zeigt; hier kann man nichts sehen vor Staub, den die Troßbuben aufwirbeln." — ,^Laßt gut sein", lachte der Wolfen, „es wird heißer, drüben in Antiochia, und statt der Troßbuben werden uns die Sarazenen ärgern."
Sie ritten jetzt ohne Worte, zur Rechten Felsen und Fichten, zur Linken den langsam ziehenden Strom. „Kämen jetzt die Sarazenen, wären wir übel beraten, hülfe nicht Herr Christus!" sagte nach eines Weile Klaus Zehren. Er zeigte mit scheuem Blick die Felsen hinan. „Da droben gab's fröhliches Nisten für die Hunde und die Kobolde ihres heidnischen Dienstes?" — „Sie haben höhere Berge und reißendere Ströme, wo Roß und Mann, ohne Kobold, im Strudel sinken!" sprach der Wolfen. „Wenn man im Lande gewesen, dunkt's sicher daheim. Vertrauet! Vertrauet!" Er brach ab und horchte dem Liede, das die Mönche neuerlich an- stimmten, die unentwegt an der Spitze zogen: er hängte den Kopf. Klaus Zehren fragte schnell und riß an den Zügeln: „Warum nahmt Ihr eigentlich, Mildenburger, das Kreuz?" — „Ich gelobte, der Kirche zu dienen und die Schwachen zu schirmen, da gab es kein Zögern, als der große Bernhard das Kreuz predigte fürs heilige Grab ... — „Uni) Eure Bauern zogen davon und ließen Eure Dörfer und Weiden leer?" lachte der Wolftn. „Die Felder liegen brach und können keine Frucht bringen? Ihr mußtet, mit wolltet Ihr nicht hungern, solltenl nicht die Hörigen gezogen fern, wider Euren Willen« Aufgejagte Höflingsröte lief über das wohlge- pfleqte Antlitz des Mildenburgers; er griff haltsuchend nach der goldenen Schaumunze, die ihm auf der Brust klingelte, unb sch über ben Strom. Die mächtigen Umrisse einer Burg zelchneten sch über bem Üferberg. „Der Gunbagg reitet nicht im Zug?" sagte ber Templer nachdenklich. „Sem Haus ist wie Schloß Krak auf der Straße nach Tripoli; man sieht an ber hoppelten Mauer und bem zwiefachen Graben, baß fein Vater mit Gottfried von Bouillon war." — „Er muß daheim Minne treiben", lachte ber Zehren höhnisch: „grauen- liebe! ..." — Herr Heinrich sah zu bem zerstampften Straßengrund nieber. „Ich will nicht rühren an Cure Rebe", sagte ber Milbenburger vorsichtig, „doch der Gunbagg hängt stark an feinem jungen Weibe __ Er soll kommen!" grollte der Zehren. „Ich bin bereit!" Er bekreuzigte sich. — „Ein Edler schweigt
über ber Liebe Dinge", verwies ber Templer; Klaus Zehren sah in drohend mit funfelnben Augen an. — „Laßt ber anberen Weiber, ihr Herren; benkt ans Rasten!" rief ber Milbenburg unb bog rechts ein, wo bas Teil zur Breite sank, „hier ist gut lagern!" — „Wir wollen zu Pfern bleiben", sprach ber Templer, „bis bie anbern vorüber sinb, bamit sie uns ben Lagerplatz nicht schmälern."
Unabsehbar zogen bie Scharen, wirr durcheinan- ber, staubbebeckt, Ritter unb Knappen, Bauern mit Weib unb Kinb, Mönche unb Troßgesindel, in dich- ten Haufen; schreienb psalmierenb, baß ber Huf- schlag ber Pferbe unb bas Poltern ber Vollräberkarren im Lärm unterging. — Der Wolfen sah sehnlich zum blauen Frühlingshimmel empor unb schnob ben zarten Duft ber weißen Blüten em, ben bie triebtollen Bäume in ber Mittagsschwüle ausatmeten:
„Heimat?"
„Da ist er wieber!"
Im wogenben Braun unb Grau bes niebrigen Volkes ragte ein Ritter; ber Schaum lag seinem massigen Rappen auf ber gewölbten Breitbrust. Kein Zeichen trug ber Schwergepanzerte, auch nicht bas Kreuz. Das Visier war herabgeschlagen; auf bem Bügelfuß staub bie Lanze. Starr zog ber Ritter vorbei.
„Niemanb weiß um ihn!" — „Laßt's Euch nicht kümmern; es reitet im Zug mancher, ber nut geschlossenem Gitter ziehen muß." Der Templer wenbete ben Braunen unb griff mit ber Elsenfaust in aufgerichtete Fischernetze, bie in ber Sonne trockneten. „Hurtig!" Er riß bie Stecken, an benen bie Schnüre hingen, aus bem Wiesengrunb unb warf sie zur Seite. „Hier wollen wir rasten, bis ber Troß vorüber ist." Mit schwerem Schwung lanbete ber Templer auf ber Erbe; langsam, bie Hilfe seiner Knappen gewöhnt, kletterte ber Milbenburg aus bem Sattel. Der Templer warf seinen Helm ins grüne Gras unb sich baneben. „Ich will noch ein Stück reiten unb erst rasten, wenn meine Leute kommen", sagte Klaus Zehren, „Gott befohlen!
Herr Milbenburg lag ber Länge nach im fchwel- lenben Gras unb sah ben Schwalben zu, wie sie in ber Höhe schlanke Bogen fuhren; ihm war behaglich zumute.
Der Wolfen kreuzte bie Arme unter bem narbich- ten Kopf, auf ben geschwungene Sarazenenklingen krumme Wege gezeichnet hatten. — Mit einem Ruck war er aufrecht: Stahl scholl gegen Stahl. Der Milbenburg hob sich schmerzlich aus seinen sehnsüchtigen Phantasien zu halber Höhe: „Strel- tenbe Männer?" Der Wolfen fing Helm unb grafenben Gaul: schon saß er unb gab seinem Braunen, bem noch bie Halme vom Maule hingen, ben eisernen Zinken. Schwer angaloppierenb bog ber Wolfen in bie Flußstraße em; halb horte er hinter sich bes Milbenburgers Gaul schnaufen. Er hob sich im Sattel unb sah zwei Reiter bie roiber cinanber anrannten. Herr Veit Visier,
ba schrie der Milbenburger: „Er fallt! Nur em
Reiter ragte noch aus bem Kopfgewimmel bes Troßgefinbes, bas ben Streitplatz umftanb, das jetzt ber Unbekannte mit blutiger Lanze burchbrach, bas freie Felb zu gewinnen. Der Wolfen sperrte ben Weg. Breit unb brohenb stanb sein Gaul, bie schweren Beine tief in ben fetten Ackergrund gepflanzt, bie rot-silber gewimpelte Schärpe flog im Frühlingswinb. „Zeigt bie Farben!"
Der anbere bot sein.Antlitz bar: blaue, funkelnbe Augen über flatterndem Blonbbart. „Gunbagg?" — Der Gunbagg trieb seinen Rappen näher. „Ich hatte eine Rechnung mit Zehren. Ein ehrlicher Handel! Gott geb' ihm Verzeihen unb mir ben fröhlichen Erben. Mein Weib hat jetzt Ruh!" Zu ben Knappen, bie sich um ben Toten scharten, rief ber Gunbagg: „Wer mir übel will, ich halte zum Kampf!" — „Es kommt keiner", brummte ber Wolfen. Der Gunbagg fanbte einen Blick über bes Zehren steife Hülle im Gras unb rief mit starker Stimme: „Es wirb euch ein Reiter einholen, vom König Konrad; er künbet ßanbfrieben unb Ruhen ber Privathändel für bie Dauer ber Fahrt! Wenn ihr ben Recker nicht seht, nehmt an, er sei in bie Irre geritten; bie Kunde wißt ihr!" — „Der Reiter seib Ihr", sprach ber Wolfen; ein Zucken lief über fein faltiges Antlitz, bas bie Sonne bes Morgenlanbes zum Pergament gebräunt hatte. „Lebt wohl, bleibt Hohenstaufen treu, es werben nicht viele rückkehren vom gelobten Laub." Der Wolfen trabte bie Straße zu unb sah sich nimmer um.
Der Gunbagg ließ seinem Gaul bie Zügel. Er zog burch bie öffnenden Menschenreihen, über ben gärenben Ackergrunb, heimwärts; bie Lanze vor sich auf bem Sattel, ein verträumtes Lächeln in ben Frühling lächelnd.
Noch lange klang ihm bas Pfalmieren der Mönche in ben Ohren. Als er bie Donaufähre erreichte, verklang ber letzte Laut.
6od)fd)ulnochrid)fea
Professor Dr. Wilhelm Stepp, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik in Breslau, hat den Ruf an die erste Medizinische Klinik der Universität München als Nachfolger von Geh. Rat Professor Dr. von Romberg angenommen.
Professor Dr. Karl Zipf von der Universität Münster hat einen Ruf als Ordinarius und Direktor des Pharmakologischen Instituts an der Universität Königsberg angenommen.
Professor Dr. R. Schröder, Ordinarius für Frauenheilkunde an ber Universität Kiel, hat einen Ruf an bie Universität Freiburg i. B. abgelehnt.
Dr. W. Meißner, Privatbozent für Physik an ber Universität Berlin, hat einen Rus an bie Technische Hochschule in München angenommen.
Osterblümchen.
Von Hans jRiebou.
Wann ist Ostern?
Zwei Herren stehen auf ber Straßenbahn. Die beiden Herren kommen ins Gespräch.
„Es ist boch eigentlich merkwürdig und umständlich mit dem Osterfest", sagt der eine. „3n jedem Jahr liegt es anders, unb in jedem Jahr muß man den ersten Vollmond nach dem 21. März ausrechnen, und der folgende Sonntag ist dann der erste Dftertag."
„Wieso?" zuckt der zweite Herr die Achsel, „was mich betrifft, so mache ich mir die Sache viel leichter: Ich sehe im Kalender nach."
Marzipaneier.
„Ostern am 1. April, das ist ein seltenes Zusammentreffen", sagt Herr Niander, „und man muß sich alle Mühe geben, bem Sinn bes einen wie bes anderen Tages genügend Rechnung zu tragen."
„Rechnung zu tragen, wieso?" fragt Herr Kohlrausch.
„Nun", fährt Herr Niander fort, „in diesem Jahr genügt es nicht, Ostereier zu verstecken unb sie suchen und finden zu lassen. Nein, es entsteht vielmehr die gebieterische Notwendigkeit, mit dieser guten, alten Sitte einen Aprilscherz zu verbinden."
„Aha", lächelt Herr Kohlrausch. „Und Sie haben es getan?"
„Allerdings", fährt Herr Niander fort. „Ich habe Ostereier versteckt, im Garten, in ben Hecken und in ben Buchsbaumbeeten. Meine Frau unb meine beiben Töchter haben sie gesucht unb gefunben, und als sie die Körbchen gefüllt hatten, haben sie gefragt: „Alles Marzipan?"
„Natürlich", habe ich gesagt, „alles Marzipan."
Und dann haben sie in die schokoladefarbenen Eier gebissen — gebissen und gebissen, und die Tränen sind ihnen nur so die Backen hinuntergekullert."
„Die Tränen?" fragt Herr Kohlrausch.
„Die Tränen!" nickt Herr Niander. „Die Eier waren — haben Sie es sich nicht schon denken können? — aus Seif e."
,^>aha", lacht Herr Kohlrausch, „unb ihre Frau unb ihre Töchter, was haben sie bazu gejagt?"
„Was sollen sie dazu gesagt haben", seufzt Herr Niander. „Sie haben geschäumt!"
Vegetation.
Die Familie hat Ostereier gesucht, unb nun geht sie im Garten spazieren. „Merkwürbig", sagt Herr Lengemann, „es ist boch noch gar nicht so recht warm gewesen. Trotzdem ist bie Vegetation schon sehr weit fortgeschritten. Ich kann mich zum Beispiel" — unb Herr Lengemann zeigt auf bie leuchtend-gelben Blüten auf ben Beeten — „nicht erinnern, baß bie Osterblumen schon einmal am ersten April geblüht hätten."
„Aber bas ist boch nicht merkwürdig", schüttelt Frau Lengemann den Kopf. „Ostern ist doch in diesem Jahr auch außergewöhnlich früh!"


