Samstag, 3l. März
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger siir Gderhesfen)
Nr. 76 Drittes Blatt
Schutz gestellt wurden, riefen den bischer Kreise hervor. 1883 wurde
Die Führer des AaüonalsoziaWschen deutschen Frontlämpserbundes (Stahlhelm).
das nicht mit Schadenfreude, denn uns kann heute nichts an einem fchwachen mel ta- gegen an einem starken England liegen. I. starker England ist, desto unabhängiger kann es seine Politik von Frankreich machen, und jede von Frankreich unabhängige Macht ist em Gewinn für Deutschland. Für England ist es aber so wenig, wie für Deutschland von Nutzen, sich vor den Tatsachen zu verschließen. Es ist jetzt 36 Jahre her, daß der französische Hauptmann Marchand die -Lijyo- lore, die er in Faschoda, am oberen Nil, gehitzl hatte, niederholen mußte, well England mit Krieg drohte, wenn Frankreich seinen Besitz quer durch Afrika ausdehnen und die Engländer von den
Das Jahr 1934 ist das große koloniale Gedenkjahr, die 50jährige Erinnerung an die Erwerbung unserer afrikanischen Kolonien K a - merun und Togo. Im November 1884 schloß auch Karl Peters seine ersten Verträge mit den Häuptlingen in Ostafrika. Der 119. Geburtstag des Altreichskanzlers, unter dessen Aegide diese gro- zen Schritte in die Welt hinaus getan wurden, läßt die Frage auftauchen: wie stand Bismarck der Kolonialpolitik gegenüber? Die einen haben behauptet, Bismarck habe nicht rechtzeitig zu- qeariffen, die anderen haben sich auf ihn berufen, um eine ablehnende Haltung zum kolonialen Problem überhaupt zu begründen. Das eine ist so falsch, wie das andere. Der Fürst-Reichskanzler war 'ein solcher Politiker, der den zweiten Schritt tun wollte, bevor der erste getan war. Er legte im ganzen Jahrzehnt nach der Reichsgrundung das Hauptgewicht auf die Festigung des neuen Reichsgebäudes. Er brachte es auch fertig, die Oeffentlichkeit lange Zeit in den Glauben zu versetzen, 'als sei ihm die Kolonialfrage gleichgültig, denn er wartete Zeit und Gele 9 en5 heit ab. So hat er einmal am 9. Februar 1871 bei Tisch deutsche Kolonialwerbung mit „seidenen Zobelpelzen in polnischen Adelsfamilien, die kerne Hemden haben" verglichen. Und noch im Frühjahr 1881 wies Bismarck den Grafen Frankenberg darauf hin, daß eine Kolonialpolitik ohne den Rückhalt an einer l e i st u n g s f a h l gen Fla11e ein gefährliches Unternehmen sei: „Wir haben eine Flotte, die nicht fahren kann (es war in der Blütezeit der Aera Stofch) und wir dürfen keine verwundbaren Punkte in fernen Weltteilen haben, die den Franzosen als Beute zufallen, sobald es losgeht." ,
Anfang der 80er Jahre setzte die Rutsche Kolomal- politik ein 1880 brachte es der Reichstag noch fer- tig die Samoa-Vorlage abzulehnen. Die Erwerbungen deutscher Kaufleute, die in ben nächsten Jahren unter deutschen Schutz gestellt wurden riefen den Widerspruch englischer Kreise hervor. 1883 wurde das Gebiet um die jetzige Lüde ritz bucht in Deutsch-Süd-West deutsch. Die englischen Minister Gladstone und Granville protestierten heftig, aber Bismarck trat ihnen geschickt gegenüber und errang einen glänzenden diplomatischen Sieg. Vor nun fünf üa Jahren erhielt Generalkonsul N a ch t i g a l den Auftrag, an der Westküste Afrikas weitere Gebiete unter die Flagge zu stellen. Aber auch jetzt ließ Bismarck alle Vorsicht walten, um die Welt nicht gegen seine Politik aufzubringen. Er sagte em-
Erholungsbedürftige GA-Männer aufs Land.
Ein Aufruf des Reichsnährstandes zur Hitler-Spende 1934-1
Der Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft R. Walther Darre hat folgenden Aufruf erlassen:
100000 SA. - und SS. - Männer konnten im Vorjahre durch die Hitler-Spende der deutschen Bauern für einige Wochen Erholung auf dem Lande finden. Wenn sich hierin schon die starke Verbundenheit der deutschen Bauern mit Adolf Hitlers treuesten Kämpfern gezeigt hat, so dürfen wir erwarten, daß heute die deutschen Bauern und Landwirte dem Führer, der ihnen in dieser kurzen Zeit Hof und Existenz ge- sichert hat, ihre Dankesschuld dadurch beweisen, daß sie auch in diesem Jahre eine noch größere Zahl von kampferprobten SA.- und SS.-Männern für eine oder einige Wochen m ihrem Hause aufnehmen. Geld hat der Bauer nicht, aber wir wollen unseren treuesten Blutsbrüdern und Mitkämpfern aus den Städten Erholung spenden von ihrer schweren Arbeit innerhalb dumpfer, rauchiger Stadtmauern. ,
Bauern und Landwirte! Beweist unserem Führer eure Hilfsbereitschaft. Meldet dem Ortsbauern- / sichrer, wie viele Männer und für welche Zeit ihr in eurem Hause aufnehmen könnt. Die Meldungen werden von den Kreisbauernführern gesammelt und an die Landesbauernführer weitergegeben. Die Verteilung der SA.- und SS.-Männer auf die einzelnen Freistellen wird durch die SA.-Führung geregelt.
^omerunsjReife.
IV.
Oie „Schwarze Macht" in Afrika.
Von Dr. Paul Rohrbach.
Buea, den 4. März 1934.
Zum erstenmal nach über zwanzig Jahren sitze ich wieder hier oben auf der ersten Terrasse des Kamerunberges, wo sich Jesko v. Puttkamer als Gouverneur feinen Regierungssitz baute. Eigentlich hätte die Hauptverwaltung des Schutzgebietes nicht auf den Berg gehört, sondern an die Eingangspforte Duala, und es wurde oft darüber geklagt, daß „aus den Wolken" mit Telephon und Telegraph regiert wurde! Wenn man aber einmal die tausend Meter Höhenunterschied von der Mangrovenküste am Kamerunbecken nach Buea hinter sich hat, so merkt man: es ist tatsächlich ein Unterschied von der Erschlaffung zur Erfrischung. Der Kamerunberg gehört zu den schmalen Landstreifen, den sich die Engländer als ihren Mandatsteil abgetrennt haben. Das ganze übrige Kamerun ist französisches Mandat geworden. Um den Fuß des Berges liegen alle alten deutschen Pflanzungen, die jetzt wieder in den Händen ihrer früheren Eigentümer sind, für gutes deutsches Geld 1924 zurückgekauft. . .. . t
Die Engländer haben in Buea wenig verändert. In Jeskos Palais, um das soviel Aufregung im alten Reichstag war, wohnt der englische Resident, und in den alten deutschen Beamtenhäusern wohnt sein Stab. Die Zedern, die vor 25 Jahren gepflanzt wurden, sind zu großen Bäumen heran- gewachsen, die Mango-Allee wirft wundervollen Schatten, die Rosen und Bougainvillien die „Sterne von Bethlehem" und die „Flammenbäume" (flamboyants) leuchten in ihrer Pracht und fragen nichts danach, ob deutsch oder englisch regiert wird; und statt wie früher' einen kleinen Tagemarsch, braucht man jetzt mit dem Auto eine kleine Stunde, um von Tiko, dem Haupthafen des Pflanzungs-
Zusammenschluß der Milchwirtschaft.
Berlin, 29, März. (DNB.) In einer Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft werden alle bisher auf Grund des § 38 des Reichsmilchgesetzes und des Neichsnährstand- gesetzes erlassenen Verordnungen und Anordnungen aufeineeinheitlichegesetzlicheGrund- l a g e gestellt. In Zukunft werden die Milchner- sorgungsverbände untereinander zu M i l ch- wirtschaftsverbänden zusammengeschlossen, die Milchwirtschaftsverbände wiederum werden zur Deutschen M i l ch w i r t schaftlichen Vereinigung (Hauptvereinigung) zusammengeschlossen. Innerhalb jedes Milchwirtschaftsoerbandes werden die Betriebe, in denen Butter oder Käse, die nicht im Betrieb selbst erzeugt sind, an Wieder- verkäufer abgesetzt werden, zur Wirt- chaftlichen Vereinigung der Butterind Käsegroßverteiler (Großverteileroereinigung) vereinigt. Hierzu gehören auch die genossenschaftlichen Absatzorganis.atio- nen für Butter und Käse. Außerdem sieht die Verordnung noch die Errichtung von F a ch v e r - einigungen vor, die der Hauptvereinigung * unmittelbar unterstellt sind. Alle Zusammenschlüsse stehen unter der Aussicht des R ei ch s f o m m i f ■ jars für die Vieh-, Milch- und Fettwirtschaft.
Die Vereinheitlichung
-er Gchlachtsteuer.
Berlin, 29. März. (DNB.) Das vom Reichskabinett beschlossene Schlachtsteuergesetz bezweckt, die stark voneinander abweichenden Schlachtsteuern der Länder durch eine einheitliche Steuer des Reichs zu ersetzen. Das Aufkommen an Schlachtsteuer wird den Ländern zufließen. Der jährliche Gesamtrohertrag der Länderschlachtsteuer beträgt rund 200 Millionen RM. Das neue Gesetz bringt für Rindvieh (mit Ausnahme der Kühe) Steuersätze gestaffelt nach Lebendgewicht von 4 bis 22 RM., für eine Kuh von 7 RM., für ein Schwein ab 40 kg Lebendgewicht 9 RM. (Schweine bis zu 40 kg Lebendgewicht sind steuerfrei), für ein 6 d) a f ab 20 kg 2 RM. (bis 20 kg steuerfrei). Kälber mit Lebendgewicht von weniger als 40 kg sind steuerfrei. Die Steuersätze des Rindviehtarifs liegen erheblich unter dem Durchschnitt her Länder st euersätze. Diese Senkung soll dem Rindviehmarkt, der gegenwärtig besonders notleidend ist, eine Erleichterung bringen. Weitere Vergünstigungen für die Landwirtschaft sollen in den Durchführungsbestimmungen ihre Regelung finden. Um den llebergang zur Reichsschlachtsteuer zu erleichtern, soll das Schlachtsteuergesetz, das am 1. Mai 1934 in Kraft tritt, bis auf weiteres nach den in jcben? Lande bisher geltenden Verfahren bei der Erhebung der Steuer durchgeführt werden
Von links nach rechts: Theodor Gruß (Bundeskämmerer), Wilhelm Kleina" (Bundespress chef), Johannes Bock (Bundeskanzler), am Tisch Reichsminister Seldte, der Führer des neuen Bundes.
großen Seen abschneiden würde. Das war auch eine Episode aus Dawsons „dreißig „fahren vor dem Abschluß der Zweier-Entente Wie sehr sich in dem Menschenalter seit Faschoda das Machtverhältnis zwischen England und Frankreich geändert hat, das wird einem klar, sobald man sich die Frage stellt: Konnte das heutige England wohl wagen, Frankreich nut .Krieg zu drohen? Was wäre da wohl die französische Ant-
Gin paar Tage zurück passierte unser „Pionier" im Morgengrauen die Einfahrt ins Kamerunbecken zwischen Kap Kamerun und der Spitze von Suel- laba. Frankreich hat sich beide P u n k t e genommen, die den Zugang nach Kamerun beherr- chen, das Süd- wie das Nordufer, an der Em- ganqsstelle, weil ihm das so gut schien. Man mutz durch französische Gewässer um zu den Pflanzungen am Fuß des mandatsweise englisch gewordenen Berges zu kommen. Das sieht aus, wie eine Kleinigkeit, aber es charakterisiert die Lage. Mit der „schwarzen Macht" könnte England von der Karte Westafrikas gestrichen werden.
Bereite weit über 1 Million KM aus der „Stiftung für Opfer der Arbeit" verteilt.
Dem Ehrenausschuß der „Stiftung für Opfer der Arbeit", der aus den Staatsraten Walter Schuh- mann, MdR., Dr. Fritz Thyssen MdR, und Dr v. Stauß, MdR., besteht, erstattete der ehrenamtliche Geschäftsführer Oberreglerungsrch Dr. Ziegler Bericht. Während der Stiftung nach Ablauf des ersten Vierteljahres tm September 1933 insgesamt etwa 1000 tödliche Arbeitsunfalle gerne!-
mal, wie Penz berichtet: „Für koloniale Eroberungspolitik nach französischem Muster hat mir schon als Minister jede Neigung gefehlt, und mir scheint, daß jetzt die Zeit dafür besonders ungünstig ist. Unser Handel muß überall ausreichenden Schutz tnben, aber die Flagge soll dem Handel o l a e n , nicht ihm vor angeh en." Und weiter schrieb der Reichskanzler am 30. August 1884 an Moritz Busch: „Die Instruktionen des Herrn Nachtigal konnten bei der Unbekanntschaft der neuesten Besitzverhältnisse an jenen Küsten nur allgemeiner Natur sein, und es liegt keineswegs in unserer Absicht, mit den Rechten und Interessen befreundeter Nationen in Rivalität zu treten." „Wenn die Expedition des Generalkonsuls Nachtigal in irgendwelchen Punkten jener Küsten den Besitz und die Politik Frankreichs berühren sollte, so wurde die Verständigung hierüber und die Zurückziehung aller mit dem Besitzstände Frankreichs unverträglichen Maßregeln unsere nächste Aufgabe bilden."
Noch manches andere Gebiet jenseits des Ozeans konnte während der Amtszeit des ersten Reichskanzlers unter deutschen Schutz gestellt werden,'so 1885 in der Südsee eine Inselgruppe, tue den Namen „Bismarck-Archipel" erhielt. So umsichtig und vorsichtig Bismarck seine koloniale Politik betrieb, so leidenschaftlich wandte er sich dagegen, wenn die Linksparteien des alten Reichstages die Kolonien ablehnen wollten. Einst antwortete er dem Abgeordneten Windhorst, baß wir boch nicht auf ben Thüringer Bergen zusammenkriechen unb bas Weltmeer mit bem Rücken ansehen könnten. Mit einer Erwerbung — sie fiel längst nicht mehr in seine Amtszeit — hat sich ber Reichsgründer aber nicht befreunden können: Kiautschou. Darüber berichtet Hermann Hofmann: „Als ich (dem Fürsten) seinerzeit die erste Karte der ostasiatischen Küste vorlegte, worin die deutsche Pachtung in Kiautschou eingezelchnet war, betrachtete er sie lange und sagte dann: Groß genug, um allerlei Dummheiten zu machen."
Im kolonialen Erinnerungsjahr 1934 haben wir also alle Ursache, die Verdienste des Altreichskanzlers um unsere Kolonien ebenso zu feiern, wie seinen staatsmännischen Weitblick. Er hat Deutschland die er st en Schritte tun lassen vom Binnenlande in die große Weltpolitik. Er, der das kleine, meist agrarische Preußen von 1860, zur > Größe und zur Führung in der Reichseinheit berief, : war es, der an feinem Lebensabend angesichts des : belebten Hamburger Hafens in die Worte ausbrach: : „das ist eine ganz andere Welt...!"
bet wurden, sind bis Weihnachten 1933 über 2000 und bis Ostern 1934 gar 4100 weitere Gesuche hinzugetreten. Von diesen wurden etwa 2000 mit einer Zuwendung im Gesamtbetrag von ca. 550 000 Mark bedacht, während in ca. 300 Fällen mit Rücksicht auf ausreichende Renteneinnahmen oder sonstige Einkünfte der Antragsteller eine Hilfsbedürftigkeit nicht vorlag. Die Unterstützungen bewegen sich zwischen 50 und 700 Mark, ihre Durchschnittshöhe beträgt 275 Mark. Unter Einrechnung der bereits erfolgten Bewilligungen ist bisher ein Betrag von weit über eine Million Mark an die Hinterbliebenen tödlich verunglückter Arbeiter verteilt worden.
Oer deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt.
Berlin, 29. März. (DNB.) Nachdem am 23. August 1933 33 deutschen Staatsangehörigen wegen landesoerräterischer Betätigung die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden war, hat der Reichsinnenminister neuerdings wieder 37 Reichsangehörige der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig'erklärt, weil sie durch ein Verhalten, das gegen die Pflicht zur Treue gegen Reich und Volk verstößt, die deutschen Belange geschädigt haben. Es handelt sich u. a. um folgende Personen: Johannes Robert Becher, Professor Dr. Albert Einstein, Dr. Otto Friedländer, Oskar Maria Graf, Dr. Paul Hertz, Dr. Helmut Klotz, Otto Remmele, Dr. Kurt Rosenfeld, Heinrich Schmitt genannt Frank Arnau, Johann Schmalbach und seine Ehefrau, Toni Sender, Max Seydewitz, Ludwig Stautz genannt Vigo, Dr. Edward Stil- gebauer, Hugo Urbahns, Johann Vogel, Waltraut > Hölz, Ehefrau von Max Hölz.
Bismarck und die Kolonien.
Eine Geburtetagserinnerung an den Altreichskanzler im Kolonialgedenkjabr.
„Gebt uns einen Hitler!"
EnqlischerFrontkämPferbesuch in München.
München, 31. März. (DNB.-Funkspruch.) Der Führer der nationalen Arbeiterbewegung Englands, Kolonel Graham Seton H u t ch i s o n, ber am Mittwoch mit mehreren Herren aus London kommend, in München e i n t r a f, und hier dle Gefallenen des Krieges und der Bewegung ehrte, erklärte einem Redaktionsmitglied des „Völkischen Beobachters", der Besuch solle zeigen, daß die vereinigten Kriegerverbände von England die gleichen Gefühle der Brüderlichkeit für die deutschen Frontkämpfer roic für die Frontsoldaten aller anderen Nationen hätten.
„Wir wollen", so sagte er, „unseren Aufenthalt in Deutschland dazu benutzen, dem deutschen Volk, wie auch der ganzen Welt zu zeigen, daß mir wahre Gefühle der Brüderlichkeit gegenüber Deutschland hegen. Was wir auf unserer Reise durch das deutsche Land vor allem bemerkten, war eine große industrielle Geschäftigkeit. Die alten Offiziere von Rang billigten voll und ganz die Haltung des politischen Soldaten, den die nationalsozialistische Revolution m Deutschland geschaffen hat. In England ist die Stimmung heute durchaus deutschfreundlich unb es passiert einem nicht selten, daß ein einfacher Mann ein politisches Glaubensbekenntnis in die Worte zusammenfaßt: „Gebt uns einen H i 11 er .
Der persönliche Eindruck Hutchisons und [einer Begleiter war bisher, daß die jungen SA.-Männer nicht Soldaten, sondern disziplinierte Träger einer politischen $511- lensrichtung seien. Was Hutchison aber besonders ausfiel, war die soziale Bedeutung der SA.
gebiets, heraufzukommen.
Es waren aber andere Gedanken, die mich bewegten, als bei Sonnenuntergang der Union Jack vom Haus des Residenten herabsank. Auf meinem Arbeitstisch im Erholungs- und Gästehaus der Afrikanischen Fruchtkompagnie liegen zwei englische Bu- ( eher Das eine ist das „Nigeria-Handbook von 1933", denn ich hoffe, auf dieser neuen Studienreise auch noch ein Stück ins benachbarte Ni- ( geria hineinzukommen; das andere ist die englische । Ausgabe von Gouverneur S ch n e e' s Kolonialbuch, , German Colonization Past and Future", mit der , Einleitung von W. H. Dawson, 1926 erschienen. Das < Handbuch für Nigeria enthält eine Karte von Afrika, auf der die verschiedenen Kolonialbesitzungen eingetragen sind, und in der Einleitung des Engländers für das Schnee'fche Werk stehen auf Seite . 35 ein paar nachdenkliche Sätze, die so klingen, als ob ihr Verfasser, als er sie schrieb, auch eine Karte von Afrika vor sich liegen gehabt hätte.
Der Abschnitt handelt von Frankreichs „dunkler afrikanischer Militä r m acht, und daran schließt Dawson die Frage: „Wer wird wenn er die Haltung Frankreichs gegen unser eignes Land in den dreißig Jahren vor dem Abschluß der Zweier-Entente kennt, und wenn er sich Daran erinnert, wie zerbrechlich französische Freundschaft ist, sobald sie gegen materielle Interessen in per Waagschale liegt, wohl zu sagen wagen, daß diese schwarzen Armeen nicht auch eines Ta ges gegen Frankreichs heutige Alliierte gebraucht werden könnten?
Dawson meint, er sei kein Pessimist, er schätze den Wert freundschaftlicher Beziehungen zu Frankreich hoch, aber ein wirklicher Herzens.- bunb werde doch n i e daraus werden, und gegenüber Frankreich sei die Geschichte doch eine ernste Warnerin. Daß einmal Heerscharen schwarzer Franzosen nach England einrüden könnten, wird ihm kaum vorgeschwebt haben Aber die Karte von Afrika zeigt etwas anderes: daß alle westafrikanischen Kolonien Englands, — Gambia, Sierra Leone, die Goldküste und Nigeria, also auch die „Perle von Guinea" und das „afrikanische Indien , bis auf die Küstenlinien völlig v o n f r a n z o - sischem Gebiet umschlossen sind. Das bedeutete früher keine Gefahr für Englands Besitz, denn solange Frankreich in Afrika nur seine, im Vergleich zur jetzigen „Force Noire" wenig zahlreichen Kolonialtruppen hielt, hätten die Engländer sich eines Angriffes leicht erwehren können. Heute, wo in Afrika H u n d e r t t a u s e n d e m o dem eingeübter und bewaffneter „s chwar - zer Franzosen" stehen — so hat sie ja der General Mangin, der Vater der Force Noire genannt — wäre an Widerstand nicht zu denken, sobald die Franzosen eines Tages Streit mit England bekämen. Sie könnten alle vorhin genannten englischen Kolonien einstecken, wie Nüsse in einen Sack, und das wäre einmal eine Revanche für die verlorenen Kolonialkriege des 18 Jahrhunderts, in denen England die Franzosen aus Indien und Nordamerika hinauswarf.
Die Engländer haben die politisch sehr nützliche Eigenschaft, daß sie von unangenehmen Dingen nicht viel sprechen, und um so weniger, je unangenehmer die Dinge sind. Sollte sich aber wirklich jemand vorstellen können, daß man in England an die veränderte Lage der westafrikanischen Besitzungen nicht doch d e n k t ? Als ich vor zwei Wochen auf der Ausreise nach Afrika an den Kreide- flippen von Dover vorbeifuhr, überfiel mich derselbe Gedanke, wie an dem Julltage am Sudende der Alten Welt, am Kap der Guten Hoffnung, wo die Ozeane ineinanderfließen: England ist keine Insel mehr! Seine Meeresherrschaft ist nicht mehr imstande, seine Weltmacht gegen Frankreichs weit überlegene Flugwaffen zu decken. Wenn aber die Flugzeuge die 'usulare Unangreifbarkeit Englands zunichte gemacht haben so macht Frankreichs "schwarze Macht in Afrika Englands koloniale Sicherheit vom Grünen Vorgebirge bis zum Großen Kamerunberge
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