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Der Glaube, -er Berge verseht

Geschichten aus aller Welt

Schreck in ihrer Empfindsamkeit einen Schwäch-- um sauer erspartes @eQ>, das zwischen Welhmchten onfall erlitten hat- Man labt sie mit einen, Schluck > und Ostern angehäuft werden mu&ht Im ^un£

Da tönt ein Aufschrei aus dem Publikum: Um Gottes willen, nein? Nicht ausziehen!" Die Um- sitzenden bemühen sich um die junge Dame, die vor

Das grüne Zauber-Ei

(Line heitere Ostergeschichte von Zosef Friedrich perkonig.

Alljährlich am Karsamstag begann es: da kamen aus den Taschen einiger Knaben die bunten Eier zum Vorschein, es waren immer dieselben Eier­bringer, die Würde schien erbeingesessen, ein stum­mes, doch sehr bewachtes Gesetz forderte es so, daß immer dieselben das Recht ausübten, allen übrigen das farbige Ei in das Erdreich hinzulegen, irgendwo an einer eben trocken gewordenen Stelle, an der Südwand der Kirche, vor der Türe des Kaufmanns, an dem Wirtshaus, wo der Boden schon früh trocken getreten war, und mit Vorliebe vor der Kirche, wenn Ostern in den späten April fiel, denn der Schnee war dann auch im Schatten geschmolzen.

Was wir Kinder nun an allen diesen Orten voll­brachten, war nicht etwa nur ein Osterspiel, ein früher Gruß an den nahen Frühling, es war viel­mehr ein Geschäft. Wir warfen mit Kupfermünzen nach den schön gefärbten Eiern, und sobald der bronzene Kreuzer in dem Ei stecken blieb, war es der Besitz des glücklichen Schützen.

Es war ein herrliches Spiel, und es gab auch hier wie überall Künstler und Stümper, manche brachten es zu staunenswerter Fertigkeit, als säße sie gleichsam schon in ihrem Blute und sei vererbt von Vater und Großvater her, andere erlernten sie nie. Ihr Teil war dann ein größeres oder geringe­res Opfer an Kupferstücken, doch sie trauerten nicht, auch ihr Verlust war geweiht von dem heiligen Geiste dieser Osterzeit, und er berührte sie nicht wie

Lacken. Die Dame aber geht nach Hause wie personifizierte Triumph der Empfindsamkeit...

dann ihre Hinterlassenschaft aufräumt, findet man riesige Werte, in Geld, Juwelen, in Aktien. Aber die Geschichte des alten Sutcliffe ist auch unter der erwähnten Zunahme ähnlicher Fälle erstaunlich.

Mit 83 Jahren hat man ihn tot aufgefunden. Er war ein Kind reicher Eltern aus Liverpool. Dreißig Jahre lang war er Lehrer für Griechisch. Dann zog er sich zurück in sein großes, geerbtes Haus. Neben­an in einem ebensolchen Haus wohnte seine Schwe­ster. So allein wie er. Er arbeitete an griechischen Nebersetzungen und schrieb seine Erinnerungen. Sie hatte den Putzwahn und war Tag und Nacht mit Eimer und Besen unterwegs. Niemand durfte die Häuser betreten. Als die Schwester eines Tages starb, hinterließ sie ihm 30 000 Pfund. Sie kamen zu seinem Reichtum hinzu.

Man hörte und sah nichts von dem alten Sut­cliffe, bis eines Tages ein Nachbar lautes Stöhnen aus dem Hause kommen hörte. Er läutete. Niemand öffnete ihm. Er drang schließlich mit Gewalt ein. Der arme, reiche Sutcliffe lag auf den Tod krank darnieder. Unter einem Bündel Lumpen. Seit 30 Jahren hatte er in keinem Bett geschlafen. Nun brauchte er kein Bett mehr, denn er starb, ehe der Nachbar ein Streichholz angezündet hatte.

Eine halbe Million Mark, wenn man es um­rechnet, fand man in Schränken und Schubladen verborgen. Er hatte ein Leben lang gespart, der arme, reiche Sutcliffe. Und nun suchte man jeman­den, der ihn beerdigen könnte. Irgend jemanden, der von Sutcliffe nichts wußte und um dessentwillen Sutcliffe gewiß nicht gespart hat ...

Triumph der Empfindsamkeit.

(v) Budapest.

Die Sache hat sich kürzlich in einem Budapester Gerichtssaal abgespielt. Da war ein junger Bursche, dem die Zeit lang und das Geld knapp geworden war. Darum stieg er eines Nachts in das Schau­fenster eines Konfektionsgeschäftes ein undver­paßte" sich dort nach flüchtiger Wahl einen Anzug. Doch schon am nächsten Tage wurde der Dieb er- wischt, als er gerade den so überaus billig erstan­denen Anzug zum ersten Male spazieren führte.

Dann kam der Tag der Gerichtsverhandlung. Das übliche Bild. Im Zuschauerraum ein Haufen gelang­weilter Menschen, die ihre Zeit mit Zusehen und Zuhören totschlagen. Männer und Frauen. Eben hat das Verhör begonnen und der angeklagte Jüngling leugnet mit der Hartnäckigkeit eines Gewohnheits­diebes. Da öffnet sich die Tür und ein älterer Herr tritt ein, um die ihn offenbar interessierende Ver­handlung mitanzuhören. Es ist der Inhaber jenes Konfektionsgeschäftes. Er mustert den Angeklagten, und ist auch schon mit einem Satz an der Barre.

Herr Richter, das ist mein Auszug? Das ist der in meinem Geschäft gestohlene Anzug! Der da, den der Bursche an hat?"

Ein neues Verhör beginnt. Unterstützt durch die aufgeregten Zwischenrufe des bestohlenen Kauf­mannes. Schließlich gelingt es, der Angeklagte ge­steht:Na ja, ich hab' ihn halt genommen!"

Und um vieles weicher und versöhnnngsbereiter zum Richter gewendet:Herr Richter, bitt schön, ich chill ja den Anzug gern wieder zurückgeben, wenn ich dafür meine Strafe erlassen bekomme. Bitt schön? hier ist der Anzug!"

Und schon beginnt der Jüngling sich zu entklei- den. Rock aus! Weste aus? Nun kommen die Un­aussprechlichen dran'

Geldstück hätte sich tief in jedes andere Ei gewühlt, hier enttäuschte es mich wie seine Vorgänger, das zehnte warf ich zornig ins Leere hin, es rollte, ein winziges goldenes Rad, von der Kirchenmauer zum grünen Ei herab und berührte es, als verhöhne es mich auf seine Art. Ich war zum Bettler geworden, nicht durch Unvermögen oder Pech, darüber waren wir uns alle bald einig, sondern durch ein Zauder- Ei. Nur einen einzigen natürlichen Umstand liehen wir gelten: die größere Entfernung von dem Ei vermindere die Kraft des Wurfes zu sehr.

Anstatt sich nun mit meiner Niederlage zu be­gnügen und ihren eigenen Schatz zu schonen, ver­suchten auch die andern Knaben ihr Glück. Es wird wohl ewig so sein, daß der Mensch, mag er nun alt oder jung heißen, glauben muß, das seinem Nachbar Vorenthaltene sei ihm selber bestimmt. So warfen sie alle der Reihe nach ihr österliches Opfer zu dem grünen Moloch hin, die Geübteren sahen das bronzene Scheibchen von dem Ei abgleiten, die schwachen Schützen aber waren von dem Mißerfolg der Berühmten derart verwirrt, daß sie bei dem Wurfe ihre Geldstücke im weiten Umkreis des Zieles verstreuten. In keinem Jahr noch haUe der Weizen eines Eibesitzers so üppig geblüht. Melchior war reich geworden, wir alle wären arm, versengt wie Brandstätten.

Die Botschaft von dem Zauber-Ei kam noch am selben Tage in die nächste Ortschaft, es war gut für Melchior, denn unser Dorf war ausgebrannt. Es erschienen am Nachmittag die fremdenEier- tschecker" auch in Scharen, dach das Glück brachten sie aus ihrem Orte nicht mit. Wir umstanden die Stätte eines Triumphes, der jetzt halb und halb auch der unsere war, und erlebten mit einiger Schadenfreude die Niederlage derer, die gekommen waren, das grüne Zauber-Ei zu entführen.

Es war schon spät, da trat noch ein Letzter an, er war ein schmächtiger blasser Knabe mit einer schnei' weißen Haut voll Sommersprossen und rötliches Haar. Seine Holzschuhe waren ihm viel zu groß, und auch in seinen graulodenen Rock sollte er erst hineinwachsen. Die langen Aermel hatte er an den Gelenken zurückgeschlagen. Ein Hagel von Spott ging über ihn nieder, er war der Sohn einer armen Wäscherin, man wußte von ihm, daß er auch nicht einen einzigen Kreuzer besäße, doch er schien die johlenden Kameraden nicht zu hören, mit gewissen­haftem Ernst maß er die Entfernung bis zu dem grünen Zauber hin, schwang seinen Arm, obwohl die Nächsten sahen, daß seine Hand leer war.

Dann aber, als die Münze von ihm fortfliegen sollte, sprang er plötzlich an ihrer Statt selber, er sprang auf das Ei hin, und sein großer Holzschuh bedeckte es völlig. Allen war mit diesem gewaltigen Ende des Zaubereis eine Wohltat erwiesen, zwei Seufzer gingen durch die zwei Haufen, doch unter dem Schuh kam das grüne Ei wieder zum Vor­schein, unversehrt, nur tief in den weichen Bode« gedrückt. Und der sommersprvssige Wäscherinnensohn sagte, indem er es aus der Erde schälte:Ich habe es mir gedacht, es ist aus Stein".

Es war wirklich ein steinernes Ei, ein Zufall hatte es schon im Winter in die Hände Melchiors gespielt, er hatte es regelrecht gefärbt und dann unbeküM' mert verwendet, doch jetzt zahlte er ebenso selbst­verständlich jedem seine goldenen und stumpfbraunen Kreuzer zurück, schon hatte er sie in einem Lein- wandsäcklein gesammelt gehabt; er tat es nicht etwa wie ein ertappter Schwindler, sondern wie ein groß­mütiger Herr, und wir ließen es, zum anderen Male besiegt von seiner frechen Ueberlegenheit, ge- schehen. Ja, wir bewunderten ihn sogar, die gelun­gene und mißlungene Fälschung hat seine Stellung '.m Dorfe nicht erschüttert.

Seitdem hat mir mancher irgend so ein Zauber- El hingelegt. Daß ich es immer zuerst in die Hand nehme, ehe ich danach zu werfen beginne, das ver­danke ich dem Spitzbuben Melchior. Wie könnte ich ihm da zürnen?

Oer Anfang.

Don Martin Weise.

Die Stille des Oftersamstag breitete sich über das ßanb, jene seltsame, tiefe Stille zwischen der Trau­rigkeit des Karfreitag und des frohen, verheißungs­vollen Ostertages, die zwischen Bangigkeit und kom­mendem Glück schwebt. Andreas Becker stand auf der kahlen Anhöhe jenseits des Dorfes und blickte düsteren Auges in das dämmernde Land. Neben ihm hatte die Jugend des Dorfes schon den Holz­stoß für das Osterfeuer gerichtet, das in der kom­menden Nacht pls freudiges Signal der Auferstehung von Erde und Mensch in das weite, flache Land leuchten wird.

Vom Dorf herüber tönte die Feierabendglocke, Osterfeuer, Freudenfeuer! Lied und Tanz, Jauchzen froher Jugend! Das ganze Dorf nahm daran An­teil. Aber man kann nicht mittun, man kann nicht froh sein, wenn Traurigkeit und Sorge das Herz umfangen haben, lieber die kleine Bauernwirtschaft des Andreas Becker, die er von den Vätern ererbt, war das Unglück hereingebrochen. An einem regen­feuchten Nooemberabend hat des Feuers wilde Gier die Scheune vernichtet und mit ihr den Segen der Felder. Im Winter war ihm auf eisglatter Landstraße fein einziges Pferd gestürzt und nicht mehr aufgestanden.

Dort drüben am Waldrand waren die braunen Aecker, seine Aecker! Der Frühling kommt ins Land. Sie wollen gepflügt und bestellt werden. Sie wol­len blühen und Früchte tragen. Wie sollte er das schaffen ohne Gerät, ohne Pferd. Warum schlug ihn das Schicksal, strafte ihn Gott? Doch die sechs hung- rügen Mäuler, die daheim um den blank gescheuerten Tisch sitzen, wollen gestopft werden. Wie sollte er zu einem Anfang kommen ohne Geld. Die zwei star­ken gesunden Arme, die jetzt schlaff an seinem Kör­per herunterhängen, ja, die konnten schaffen. Aber er sah keinen Weg, ihnen Betätigung zu geben, sah keinen Anfang. Er wollte sich ja mühen von früh bis spät, alle Mühe würde aber vergeblich sein, wenn er nicht die Mittel hatte, ein Pferd zu kaufen und den Samen für die Erde.

Die reichen Bauern im Dorf mit ihren breiten Höfen und Sattsein, ja die, die hätten ihm helfen können. Sie hatten reichlich, aber sie saßen bei Tag und Nacht auf ihren Geldtruhen und meinten, daß er, Andreas Becker, ihnen seine Aecker verkaufen sollte, weil er ja doch nicht mehr anfangen könne. Er könnte ja bei ihnen als Taglöhner antreten, da hätte er ein sorgenfreies Leben für sich, die Frau und die Kinder. Sie spekulierten auf seine Fewer, weil er mit seiner kleinen Wirtschaft nicht mehr in den Kreis der großen Bauern paßte. Die Bauern­wirtschaften des Core 11,3 Frieder und des Michel Berthold hatten sie auf ähnliche Weise schon ein­gesteckt. Der Frieder war kurze Zeit darauf in den Wald gegangen und hatte seinem Leben an einer Fichte ein Ende gemacht, weil er dieses Leben nickt mehr ertragen konnte. Der Michel Bert war tief­sinnig geworden und sprach mit keinem Menschen

zu anderen Zeiten des Jahres.

Dieses Spiel nun, das mit Gewinn oder Verlust von Geld enden konnte, hatte natürlich feine ge­wissen Regeln, seine Ordnung, die, niemals auf- gezeichnet, sich dennoch in unveränderter Strenge erhielten von Jahr zu Jahr. Ostern brachte jedes­mal auch ihre Auferstehung.

Eines Jahres nun legte Melchior, der uns ande­ren längst über den Kopf gewachsen war, ein selt­sam grünes Ei auf die Erde Hin. Es war geformt wie alle andern Eier und auch gefärbt wie jene der grünen Sorte mit einem giftigen Grün, doch es war deutlich größer als ein Hühnerei, und es machte uns, die wir das landläufige Maß sozusagen in Auge und Gefühl hatten, schon durch seine Gestalt unruhig. Die Erklärung Melchiors, daß es eben von einer größeren Henne gelegt worden fei, ver­minderte unser Unbehagen auch nicht.

Doch es war ein Ei, es war ordnungsgemäß ge­färbt, und die Osterzeit erfüllte uns mit eigentüm­lichem Verlangen. So fügten wir uns denn, daß wir diesem Ei um einen Schritt ferner stehen müßten, denn um feiner Größe willen war es ja leichter zu treffen. Ich fing an, mit meinen Kreu­zern nach ihm zu werfen, es waren goldglänzende, neue Münzen, die ersten zwei staken in der Erde, so sorgfältig ich auch gezielt hatte, doch mit den ersten Würfen im Jahre hatte man selten Glück, das dritte Stück würde sicher im Ei stecken bleiben, dann war nach dem herrschenden Gesetz das Ei wohl nicht zu teuer erkauft, aber auch nicht zu billig hin- geaeben, und wer das Ei gewonnen hatte, durfte es andern wieder hinftellen und nährte die Aussicht auf Ausgleich, vielleicht gar Gewinn.

Doch die dritte Münze prallte seitlich von dem Ei ab, die vierte und fünfte nicht anders, die harte Schale nahm sie nicht auf, daß sie zum Zeichen des Sieges darin staken. Nun wußten wir ja aus Er- fahrung, daß Ei nicht Ei wäre, es gab solche, die dem Geldsttick nachgaben wie Butter und andere, die eine spröde, abwehrende Schale besaßen, doch niemals hatten mir es erlebt, daß ein Kreuzer, der senkrecht die grüne Insel im kaffeebraunen Erdreich traf und jedes alltägliche Ei wohl gespalten hätte, kraftlos von ihm abfiel. So verlor ich von einer heftigen Begier angeeifert, nacheinander meinen sechsten, siebenten und achten Kreuzer, jeder von ihnen traf das Ei vergeblich, ich enträtselte mein Mißgeschick auch nicht mit den klugen Lehren dieser Kunst, die durchaus nickt brotlos war, denn es ging

Wegen versuchten Versicherungs­betrugs verurteilt.

Darmstadt, 28.März. (Lpd.) Nach zwettagb ger Verhandlung wurde heute vor der Strafkammer ein Verfahren wegen versuchten Versiche­rungsbetrugs gegen den Offenbacher Fs- britanten Gustav Werner und den Treuhänder Johann Wilhelm Matthes aus Darmstadt be­endet. Im Zusammenhang mit einem Brand in der Fabrik des ersten Angeklagten hatte dieser an die Versicherungsgesellschaft eine Schadenersatzforde­rung von 35 000 Mark, die von dem zweiten Ange­klagten aufgestellt worden war, gestellt. Später stellte sich dann heraus, daß der Schaden kaum ein Viertel der geforderten Summe ausmachte. Nach eingehender Zugenvemehmung wurde W. zu acht Monaten, M. zu sechs Monaten (Se­if ä n g n i s verurteilt.

mehr ein Wort. Nein, diese Wege durfte er nicht gehen, sie führten in den Tod oder in den Abgrund. Was sollte aus den Kindern werden, wenn er das ererbte Gut wegwarf wie eine schlechte Kartoffel. Er mußte leben, mußte einen Anfang finden, das war er seinen Vätern und Kindern schuldig.

Heber das Dorf, die Felder und Wälder hing die frühe Nacht ihre dunklen Schleier. Langsamen Schrittes stieg Andreas Becker von der Höhe dem Dorfe zu. Um Mitternacht brannte das Osterfeuer und leuchtete weit ins heimatliche Land. Die Fröh­lichkeit der Menschen drang bis ins Dorf.

Andreas Becker saß indessen am Tisch der Väter beim kargen Lampenlicht und suchte Trost in dem alten, abgegriffenen Bibelbuch. Doch Gottes Wort sprach ihm nicht Trost. Da schlug er das Bibelbuch zu, stützte den Kopf in die ^erarbeiteten Hände und grübelte. Dann nahm er das Buch wieder zur Hand, schlug es auf und blätterte in der Chronik des Hauses, die vor das Wort Gottes geheftet war. Und als er las in den alten Schriftzügen:

Am zwanzigsten Fe-bruar im Jahre des Herrn 1792 brannte der Hof vollständig darnieder. Geringe Habe nur vermochten wir den Flammen zu ent­reißen, darunter dich, mein treues Bibelbuch. Du lehrtest mich, den Bauern Daniel Johannes Becker, nicht zu verzweifeln. Dein Wort gab mir Kraft und Stärke, den Hof wieder aufzubauen. Herr, du schlugst mich und die Meinen, aber du segnetest mich auch. Am vierundzwanzigsten Februar desselbigen Jahres starb Hanna Maria, mein treues Weib am Fieber. Am ersten März ging ich daran mit meinen zween Söhnen Traugott Benjamin und Gotthels August den Hof wieder aufzubauen und die Felder mit eigener Kraft wieder zu bestellen. Der Glaube, der Berge versetzen kann, wie in diesem Buche geschrie­ben steht, hat uns geholfen am frühen Morgen, wenn wir unser schweres und hartes Tagewerk be­gannen und zur Mitternacht, wenn wir cküde das Werkzeug beifeiie legten. Zu Johannis stand der Hof, stattlicher als früher---"

Das hat der Ahn gekonnt? Andreas, Andreas, und du willst verzweifeln und hast vier Söhne, die schon mitschaffen können? Schamröte stieg ihm ins Gesicht. Der Glaube hat uns geholfen! Der Glaube! schreibt der Ahn! Er stand auf, reckte sich und sprach laut:Er soll auch mir helfen! Aus eigener Kraft! Ich werde es schaffen, ich muß es schaffen. Herr, du schlugst, aber du wirst auch segnen. Segne auch mein Beginnen!"

Das Osterfeuer auf der Höhe war verlöscht. Im dämmernden Frühlicht noch vor Sonnenaufgang, sah man einen Mann aufrecht, rüstigen Schrittes, leuchtenden Auges um die schlafenden Felder schrei­ten. Vom Dorf herüber jubelten die Osterglocken: Christ ist erstanden. Als die Sonne über den Wald stieg und die weite Landschaft in flutendes Licht tauchte, war es, als fei alles neu geworden.

Am Dienstag nach dem Osterfeste setzte Andreas Becker, ein ganz anderer geworden, mit einem Lied auf tzen Lippen auf feinem kleinen Hof den ersten Stein auf den anderen.

Dosier. Und nun stürzt sie auch zur Barre vor: Herr Richter, ich will den Anzug bezahlen! Ich will den Anzug kaufen! Bloß der Herr da soll sich hier nicht ausziehen! Bitt schön, Herr Kaufmann, was soll der Anzug kosten?"

Und nun beginnt mitten im Gerichtssaal ein wil­des Handeln und Feilschen. 90 Pengö! Nein 50! 80! 55 höchstens! Also sagen wir 70! Nein, mehr als 56 Pengö habe ich nicht! Na gut, tagen wir 60! ... Für 56 Pengö ersteht die empfind- tarne Dame den gestohlenen Anzug. Der Kauf­mann bekommt sein Geld, der Angeklagte bekommt Bewährungsfrist und der Gerichtshof bekommt das ~ ~ ~ " Ä f- der

schwarz, den Kopf bedeckt mit der arabischen Keffije, einen langen Seidenschal um die Schultern, ein alter Sudanese, wohl 80 Jahre alt. In der eineu Hand hielt er einen Stock, auf den er sich stützte, mit der anderen hatte er einen großen Briefum­schlag, dick mit Papieren gefüllt, umkrampft. Auf die Frage eines Gerichtsbeamten, was er denn wünsche, antwortete er mit hoher, kaum vernehm- kicher Stimme:Ich muß den Staatsanwalt sprechen".

Vergeblich suchte man ihm klarzumachen, daß es nicht anginge, ohne ausreichende Gründe den Staatsanwalt zu behelligen. Der Alte ließ sich nicht abweisen, gab sich schließlich aber doch damit zu­frieden, seine Sorgen einem Staatsanwaltsoertreter vorzutragen.Ich bin", begann er,der Fürst Mohamed Machmud, Enkel des Königs von Darfur, Erbe des verstorbenen sudanesischen Sultans Al, Dinar, des Sohnes des Fürsten Sakaria, der der Sohn des Sultans Mohamed Abul Fadel war. Ich verlange, daß die Staatsanwaltschaft mir meinen Thron roicbergibt und mir auch meine Besitzungen wieder verschafft, die das Ministerium für Vermal- tung des Kirchenbesitzes unrechtmäßigerweise an sich gerissen hat." Der Alte erklärte ferner, daß er im Hedschas gewohnt habe, zur Zeit des Sultans Hüssein aber nach Aegypten gekommen sei und mit dem Sultan bezüglich seiner Klage in Unterhand­lungen getreten sei. Sultan Hüssein habe ihm zu- nächst eine monatliche Rente ausgesetzt, die aber später vom Ministerium für die Verwaltung des Kirchenbesitzes wieder gestrichen worden sei.

Der Staatsanwaltsvertreter versuchte, den Alten zu trösten, konnte ihm aber schließlich nicht ver. heimlichen, daß wohl in dieser Sache nichts getan werden könne. Der Alte gab sich nicht damit zu­frieden und kündigte an, er werde jetzt Klage er­heben, um den Thron seiner Väter wiederzuerobern.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Ter Gäbel auf dem Kirchturm.

(a) Arnsterdarn.

Augenschein überzeugt", dachte wohl jene Frak- tion der Gemeindevertretung im Dorfe Oosterbierum in Holländisch-Friesland, die kürzlich im Dorfparla­mente die Absetzung des Dorfpolizisten wegen Un­zuverlässigkeit im Dienste verlangte. Der Dorfpoli­zist versieht, wie das in allen kleinen holländischen Dörfern der Fall ist, auch den Dienst als Nachtwäch­ter, mid die Interpellanten in der Gemeindevertre­tung begründeten ihre Forderung eben damit, der Herrveldwachter" benutze wie alle anderen Mit­menschen die Nacht dazu, zu schlafen, statt über die Sicherheit des Dorfes zu wachen. Der Antrag wurde von der Versammlung übrigens mit großer Mehrheit abgelehnt

Daraufhin erlebten die guten Dofteerbierumer am nächsten Morgen ein höchst seltsames Schauspiel: als sie sich am frühen Morgen zu ihrem Tagewerk anschicken wollten, entdeckten sie hoch oben am Turm ihrer Dorfkirche, an einem Fahnenhalter befestigt, weithin und allen Augen sichtbar, den Säbel ihres Herrn Dorfpolizisten.

Seine Gegner hatten, da ihr Antrag nicht durch- gedrungen war, ihm kurzerhand den bündigsten und überzeugendsten Beweis folgen lassen. Dem auch in der Nackt nach der Abstimmung in einem Dor« Eingang selig entschlummerten Nachtwächter hatten sie heimlich das Sckwert abgeschnallt und alsBe­weis mangelnden Diensteifers" auf der Kirchtums- spitze ausgehängt.

Danach allerdings blieb dem Gemeindevorstand nicht anderes übrig, als sich nach einem anderen ^veldwachter" umzusehen.

Familie Smith erobert England.

() London.

Mas die Schmidts in Deutschland, das sind die Smiths m England. Sie sind die Familie, die die Welk eines Tages erobern muß, wenn nicht alles täuscht. Und das ist der Traum des ältesten Smith.

Noch ist es nicht so weit, wenn auch der Gene­raldirektor des statistischen Amtes in London, ein Mr. Vivian. bedenklich das Haupt scküttelt. Heute gibt es in England schon über eine halbe Million Smiths. Und die Zahl ist in dauerndem Anwachsen begriffen. Dabei ist die Familie außerdem eine der ältesten der englischen Genealogie, denn ihre Her­kunft kann bis in die Tage wehrhafter Ritter zu- rückverfolgt werden.

Wer im 12. oder 13. Jahrhundert irgend etwas mit Metall zu hin hatte, mochte er nun Eilen ober Kupfer zu Nägeln oder Rüstungen verarbeiten den nannte man Silnerschmith ober Golbsmith ober so. Später fiel das Silber fort unb der Smith blieb übrig.

Mer der Erforscher der Smiths in England hat noch etwas ermittelt: Sie vermehren sich offenbar hi größerem Maße als andere Familien. Denn so wett er umfragte, gab es immer in der Verwandt- frfxift rund 30 bis 40 Neffen unb Enkel, bie alle bereit waren, dem Namen Smith zu einer noch weiteren Verbreitung zu verhelfen. Es fehlte nur noch, daß bie Smiths in England eine Partei grün­deten. Dann wäre alles in Ordnung. Die Eroberung Der Welt könnte unverzüglich beginnen ...

Arm gelebt und reich gestorben.

t _ () Liverpool.

Gerade in England scheint die Zahl derer, die sich für arm ausgeben unb reich sterben, von Tag zu Tag zu waschen. Man findet Frauen und Männer in traurigften Verhältnissen tot aus. Unb wenn man

Geheimnis im Morgengrauen.

(bi) Rom.

Als Antonio Cvsidetto, ein Arbeiter aus Faenza, in diesen Tagen am frühen Morgen, als noch die Dämmerung über der Stadt lag, zur Arbeit ging, erblickte er vor den Stadttoren auf einem Garten­stück zwei Frauen, schwarz gekleidet, deren geheim- volles Gebahren Argwohn in ihm erregte: Die bei­den schaufelten schweigend eine Grube, richteten sie sorgfältig aus, nahmen dann eine hölzerne Kiste, die fast die Form eines Sarges hatte, un6 senkten diese in die Grube hinab. Darauf schaufelten sie die Erde wieder in die Grube, glätteten mit aller Vor­sicht die Oberfläche und gingen ernsten Blickes der Stadt zu.

Antonio Cosidetto hatte dem schweigend zuge­sehen, bis es ihm plötzlich wie eine Erleuchtung kam: Hier war etwas Entsetzliches geschehen, ein Ver­brechen ein Kindsmord gar!! Und er raste zur Stadt und alarmierte die Polizei. Die begab sich sofort in seiner Begleitung zu dem Ort des ver­muteten Delikts, grub dort die hölzerne Kiste aus ja, zweifellos, es war ein Kindersarg und transportierten ihn in das Leichenhaus der Stadt, wo schon die Kunde von dem furchtbaren Verbrechen einer entmenschten Mutter von Nachbarip zu Nach­barin lief.

Das Gericht erschien, der Kreisarzt kam, der Pro­tokollschreiber war zugegen, und so schritt man zur Oeffnung des Sarges. Unter dem Holzdeckel er­schien ein Zinksarg. Man öffnete auch ihn, sah, daß er ringsherum mit feinster Seide behutsam ausge­schlagen war, entfernte auch diese sorgfältig, und fand, feierlich aufgebahrt, eine tote Katze.

Das Geheimnis löste sich schnell: eine alte Jungfer hatte ihren Lieblingskater verloren und ihn in ihrem Garten bestattet, um recht oft in seiner Nähe weilen zu können.

Gib mir meinen Thwn zurück!"

(h.) Kairo.

In den Vorsaal der Staatsanwaltschaft von Kairo trat ein Mann, groß, mit langem Bart, hager unb