Samstag, 31. Mrz MH
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
ttr.76 Zweites Blatt
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Krühlings-Kermate.
Von Dorothea Hofer-Oernburg.
Schnee auf dem Graugrün des verschlafene» Rasens, im Schatten der Büsche. Auf den Wegen dünn hingetuscht, schüchtern und verwegen zugleich, Sonne. Am Strauch, neben dem Terrakottafräulein ohne Arme, zwei Röschen, an einem lächerlich kahlen, völlig kahlen Strauch mit dünnen Kinder- ärmchen von Zweigen, kleine, lächerliche Röschen, die aussehen, als seien sie aus zerzaustem, verwaschenem Seidenpapier, ein rotes, ein rosa. Sie hocken da ängstlich, als schämten sie sich ihrer Ver- irrtheit, als könnten sie auf keine Weise herab vorn Strauch und fänden auch nicht das kleinste Versteck inmitten dieser leeren Landschaft. Wie man träumt, man käme im Nachthemd in den Ballsaal, so ist ihnen zumute, tagelang. Alle Schatten sind lang und bleichsüchtig, dre Luft ist schütter wie ein Netz, vom unausgesetzten Amselwetzen und dem schlagenden Puls des Spatzengezirps.
Unten am See steht das halbfertige Haus. Das Wasser wagt sich in keine Bläue unter dem zerbrechlichen Glashimmel, und die Schwäne sind fremde, unternehmende Wundervögel mit mageren Hälsen. Neben dem Haus in den kahlen Beeten steht auf nicht endenden Beinen — das Kind mit einem Spaten in der Hand. Es schaut ein wenig trostlos in die Ferne, mit einem kleinen Zug von Trotz und Trauer um sein Gesicht. Ab und zu stößt es mit dem Spaten in das Erdreich, das den Stoß nicht zurückgibt und nicht auffängt, in geduldigem Ausweichen. In den Wegen harkt der Gärtner in einer guten, dunkelleuchtenden, blauen Leinjacke. „Js man schlecht anfangen", sagt der Gärtner, „allens noch hart gefroren." Aber oben am Haus, rund um das Haus, blühen noch Krokus, kleine bunte Zuckertüten und Schneeglöckchen.
Das Kind bewegt sich nicht. Seine Haare wehen, sein Schatten liegt geduldig schmal über dem See. Im leeren Haus, das das Kind gebaut hat im vergangenen Jahr, stehen zwei schlecht gestrichene Gartenstühle, eine grüne Gießkanne ohne Henkel, ein kleiner, leerer Blumentopf und ein halbfertiges Gitter für die Pforte. Das Kind steht still und wartet, daß etwas geschehe. Vielleicht, daß dies kahle Haus erröte von festlicher Farbe und Wein daran ranken werde; daß diese kranke grüne Gießkanne, geheilt entlassen, die leeren Beete tränke, damit sie aufbrechen und in einem Glanz von Blumen stehen, als rote Nelken und lila Petuinen, Feuerbohnen und Akelei; daß diese Erde sanft werde und den freundlichen Stoß der Schaufel mit blankem, feuchtem Schwung beantworte; daß auf den schlecht- gestrichenen Stühlen weiße Farbe glänzend trockne und die blaubunten Kissen mit den Clowns und den Elefanten mit den Scharnieren, an jedem Fuß eines, lägen ....
Das Kind steht da und wartet, ein wenig ungeduldig und ein wenig traurig, auf die endliche Erfüllung des Frühlings ...
Kunst und Sachverstand
Eine Grenzziehung von Professor Dr Wilhelm Pinder, München.
gen gesehen, es war so traurig, so traurig — und nun sehn wir ihn wieder auf deinem Bild, so trau- i rig, ach Meister Matthias, es ist, als wollte nie wie- l der Ostern werden, wo der Herr aus dem Grabe er- s steht. Und ein kleiner Engel redete weinend: O Mei- i fter Matthias, denke doch auch an die Kinder, die i kleinen, so klein, wie der Heiland am Kreuz selbst c einmal war. Wenn die Kinder das Bild sehen, wer- j den sie Furcht haben und nie wieder froh sein und i sie werden vergessen, daß ja der Herr hernach in i sein Grab gelegt wurde und daraus hervorging, j wie ein süßes, schwebendes Licht ..
Was soll ich denn tun?, fragte Meister Matthias. Später werden die Kinder groß werden und unfern : Herrn und Gott doch betrüben — ist es da nicht gut, wenn sie jetzt schon sehn, wie sie ihm wehe tun, wenn sie ihm Kummer bereiten?
Aber die Engel sagten: ach liebster Meister Matthias, um der Kinder willen male noch etwas Liebes auf das traurige, traurige Bild.
Was soll ich denn malen? Die kleinen Vögel fliegen ja fort, Blumen blühen nicht um das Kreuz soll ich Euch weinenden Engel malen? Ja, was soll ich, sagte es mir doch.
Und der jüngste der Engel neigte sein Haupt gegen den Meister und sagte: male das Lamm.
Denn für die Kinder und die Toren ist Gottes Sohn ein ßämmlein gewesen, ist ein ßämmlein tm Krippenstroh, dann ein ßämmlein, das all den anderen Schafen vorangeht, dann ein armes geschlachtetes Osterlamm und dann ein ßamm aus dem Grabe springend mit einer seidenen Fahne ... ad) herzliebster Meister Matthias, male dies ßamm!
Und Meister Matthias setzte den Pinsel an und malte ein schneeweißes ßämmlein unter das Kreuz o welch ein liebes, zärtliches ßämmlein, aber die arge Welt hat ihm sein weißes Fellchen durchstochen und sein klares Blut springt hervor.
Und die Engel schwebten hin gegen das Bild und streichelten das kleine gemalte ßamm mit ihren Schwingen, sie fangen dazu wie Bienen, wenn pe um eine schöne Rose ziehen und das kleine blutende ßämmlein beugte demütig die Kme.
Also war der Herr unser Gott zweimal auf dem Bilde, als der traurige, traurige Mann mit Der Krone aus spitzem Gedörn und als ein kleines schneeweißes ßämmlein. Da waren die Engel zufrieden.
Und der Meister Matthias kniete sich hin vor das schöne fertige Bild und sagte: O du Lammlem Gottes, erbarme dich meiner. O du $err am Holz m deine Hände befehle ich mich.... und die Engel an-
. gen: Meister Matthias ist heimgegangen 'Meister Matthias ist tot. Und sie öffneten »hm das helle Paradies. Dort ging er ein.
. Das schön- traurige Bild aber kam in -'ne atte । dunkle Kirche Dort stand es hundert Jahre und : abermals chnndert Jahre ... und nochmal hundert - aanze Jahre dazu-
riet, begann man sich unsere, wie alle europäische I Kunst, eine kurze Zeit lang griechisch zu wünschen.
Gerade eine nationalsozialistische Wissenschaft, wie | ich sie zu vertreten hoffe, hat die Pflicht, im Auftrage des Volkes für Sachlichkeit zu sorgen und das Aufkommen irreführender, zuletzt Deutschland selbst herabsetzender Sagen zu verhindern. Hinter jenen Sagen stehe, so sagte ich, falsch verstanden, falsch angewandte Wissenschaft. Das ist leicht zu beweisen. Nicht die Wege unserer Kunst nämlich waren so falsch, wohl aber früher einmal die Wege der Kunstgeschichte. Früher hat man wirklich geglaubt, erst mit der „Renaissance" sei die wahre Kunst wiedergeboren, davor liege das finstere Mittelalter. Das war falsch. Aber dieses falsche Geschichtsbild wird bei Zurückgebliebenen noch weiter geglaubt — nur die Vorzeichen werden umgekehrt: das früher Gute heißt jetzt böse. Aber das ganze Bild ist falsch. Der „Verrat an den Süden" ist ein Hirngespinst, wie der „Segen der Renaissance" es war.
1 nnn Jahrzehnten hat sich ein völlig
Die seit langem vermuteten, aber experimentell noch nicht nachgewaesenen e ektrflchen Ausstrahlungen des Menschen konnten jetzt durch photographische Ausnahmen roissenschaftlich fest- gestellt werden. Dabei ergab sich, daß die Menschen entsprechend ihrer verschiedenen Tätigkeit und ihrem verschiedenen Charakter ganz verschiedene „Wellenbilder aufweisen. — Unser Bild zeigt einige der interessantesten Aufnahmen aus der Photoserie, die setzt dem isländischen Professor Kohlmann gelangen: 1. Die Ausstrahlung eines Künstlers. Die Wellen weisen eme überaus harmonische Spiralform auf. 2. Die Wellen eines Jähzornigen, die sehr Ähnlich den Blitzstrahlen sind. 3. Die Ausstrahlungen eines sympathisierenden Paares. Die beider,eittgen Wellen haben das Bestreben, sich entgegenzukommen und sich zu umfangen. 4 Ausstrahlungen eines ganz in seinem Beruf ausgehenden Srifeurs Die elekrtischen Wellen haben hier eme große Ähnlichkeit mit den Dauerwellen. 5. Die Wellen eines begeisterten Radiohorers. Deutlich ist die Annäherung an die Radiowellen bemerkbar. 6. Die Wellen eines Alkoholikers, welche Tropfenform haben. ______________________ •
Renaissance ist ein Gespenst, die Renaissance ist niemals bei uns heimisch gewesen. Der Zusammenbruch der altdeutschen (nicht der deutschen) Kunst hatte durchaus innerliche, wesentlich religiöse Ursachen. Verblüffend ist in Wahrheit, wie ungemein deutsch unsere Kunst auch nach den Erschütterungen der Religionskriege immer wieder hervorgebrochen, wie nebensächlich für ihre gestalterische Eigenleistung gelegentliche Herkunft von Einzelheiten aus fremden Ländern gewesen ist. Den Griechen waren wir nur einmal nähe, unbewußt, im 13. Jahrhundert. Bis zur Goethezeit haben wir uns künstlerisch niemals um sie gekümmert. Erst in dieser, als die bildende Kunst ihre letzte Selbstverständlichkeit verloren hatte ,, , . und (nun erst) in die Schlingen der „Bildung" ge- Seit einer Reihe von
anderes Geschichtsbild gestaltet, durch Wissenschaft, die aus leidenschaftlicher ßiebe zu Deutschland ihrs! Frage nach unserem guten Herkommen stellte. DiesE ßiebe mußte sich des Verstandes bedienen. Weil si« dies tat und sich ihm nicht verkaufte, fand sie etwas völlig anderes — was sie nun nicht hindert, sondern gerade ermächtigt, noch ein ungeheures Arbeit^ seid vor sich zu sehen. Sie fand, daß das Mitted- alter eine vorbildlich große Zeit gewesen ist, weil irt ihm die Kunst noch diente, weil sie Verehrung wa« und darum ohne weiteres Stil hatte, und daß bis Kunst Stil hatte, weil die Menschen ihn besaßen. Sie fand, daß Deutschland — nicht durch die angeb® liche Schöpfung der Gotik, die ja wirklich norbfran* zösisch ist, andern u. a. durch einen grofjarti* gen schöpferischenWiderstand gegen biesS — einen erstaunlich hohen Anteil an der ßeistung des Mittelalters hat. Sie fand aber auch, daß irt allen europäischen ßänbern schon etwa um Die Mitte des 14. Jahrhunderts eine erste Möglichkeit späterer Spaltung zwischen Kunst und Religion, also zwischen Kunst und Volk sich selbständig anbeutet; baß biefe gegen 1400 überall eine Anerkennung bes Betrachters neben bem Verehrenben hervorbringt, bie auf bie Dauer von ber Kathebrals zur Ausstellung führen mußte — bis in ber Goethezeit bas Sprachbenken sich zum Kunstrichter auf- warf unb überall bas Trauerspiel völliger Ent» frembung zwischen Kunst unb Volk offenbares Schicksal würbe — Gesamtschicksal, nicht Einzel« schulb. Sie fanb, baß in biesem Kampfe keineswegs bie fremben Einflüsse unsere eingeborene Kraft oerbrängen konnten, baß keineswegs ein Verrat bes Deutschen an ben ©üben ftattfanb, baß vielmehr ein nur immer mehr auf einzelne sich nertei- lenbes großartiges Kämpfen gegen ben europäischen unb also auch ben beutschen Stil-Untergang, ein immer neuer, immer wieder in Einzelfällen siegreicher Wiberstanb gegen ben Stilverfall geleistet würbe unb baß bie beutsche Kunst eine herrliche Probe auf bie unüberwinbliche ßebenskraft unseres Volkes gewesen ist. Heute sieht bie Wissenschaft mit Trauer ben allgemeinen Zerfall, in Deutschland» unb für Deutschlanb aber mit großer Hoffnung bie Sicherheit eines späteren Sieges auch ber Kunst, sobalb ber von unserem Führer begonnene siegreiche Kampf um ben Stil bes beutschen Menschen gewonnen sein wirb. Denn erst ber neue, ganzheitliche Stil ber Menschen wirb uns ben neuen Stil ber Kunst bringen können.
Wer geschichtlich sieht unb also auch liebevoll, ber hat nicht mehr ben Mut, ausgerechnet biejenigen zu beschimpfen, bie sich wenigstens als verlorene Einzelne gegen ben Verlust aller künstlerischen Ganzheit stemmten. Das käme ihm so vor, als würbe man von ben letzten Kämpfern in vereinzelten Maschinengewehrnestern, bie wenigstens noch schießen, agen, gerabe sie seien ausgerissen — wo boch bas Ganze 'sie im Stich gelassen hat. Ein solcher meint wohl auch: eine Zeit ber Zucht, bie uns enblich aus bitterer Not ben Führer zur Zucht gebracht hat, müsse auch einen gut bienenben Verstaub züchten, einen männlichen Verstaub, ber von selber ber Gerechtigkeit bient, ber nie Selbstzweck ist, ber zuletzt vielmehr zur Ritterlichkeit führen soll.
Lassen wir die überhitzten Kämpfer einmal aus- ruhen. Sie werden es sich nicht gefallen lassen, aber sie würde ihnen gut tun — und uns allen. Sie meinen es ja alle so gut. Nur halten die meisten zu wenig vom Wissen und haben zu wenig Stolz. Je mehr sie wüßten, desto stolzer würden sie sein. So aber leiden sie unter Hirngespinsten und kämpfen gegen nichtige Wahngebilde, statt aus dem tröstlichen Bilde unserer großen deutschen Kunst gesunde Kraft zu schöpfen.
Und es war ein kleines Mädchen, so klein wie ihr, das führte sein Vater einmal in diese alte düstere Kirche. Der Vater ging herum und besah sich, was da alles in ber Kirche war, bie Fenster unb bie Bänke unb ben geschnitzten Altar. Unb er vergaß ganz seine kleine Tochter, bie kam vor bas große Bilb bes alten Meisters Matthias. Da sah sie ben traurigen Mann mit ben vielen Dornen, ben Nägeln unb Wunben ... unb erschreckte sich so baoor, wie einst bie kleinen Vögel getan, unb es sagte meinenb: Sieh mich nicht so an .., ich hab' bir gewiß nicht bie Krone ausgesetzt, ich hab' bich nicht an bas Kreuz gehangen, ich bin ja so klein. Lieber Gott, sieh mich nicht so an ... ich bin so traurig vor bir unb fürchte mich so.
Da aber sah es bas kleine Lämmchen unter bem Kreuz. Oh, was für ein liebes ßämmlein, schneeweiß unb oerrounbet. O bu kleines, armes ßamm, wer hat bir bas getan? ... War ich bas? ... Gestern habe ich genascht ... vorgestern gelogen, unb heute früh hab? ich gesagt: ich will nicht ... als bie Mutter sprach: Tue bas, kleine Marie! Oh, bu herz- liebes ßämmlein, verzeih, ach, verzeih mir.
Das kleine Mäbchen stellte sich auf seine Zehen, es langte mit seinen kleinen Armen gegen bas Bilb, es legte feine roten warmen ßippen bem gemalten ßämmlein auf bas oerrounbete. Fellchen: Ach, ßämmlein, ich liebe bich so ... ach, so sehr.
Unb bie Engel, bie einst um Meister Matthias gestanden, standen jetzt um bas Kinb, es sah sie nicht, es hörte nur ein Rauschen von Flügeln, vielen unb großen, unb bie Engel nahmen ben Kuß von bem gemalten ßamm unb brachten ihn bem lebendigen Osterlamm auf bem Schoß Gottes, bes Vaters.
Vor ber alten Kirche aber liegt eine Wiese, bort blühn schon bie Veilchen, viele Kinber sitzen im Gras, flechten Veilchenkränze unb fingen, was bie kleine Marie, als sie aus ber Kirche kam, fang:
Es liegt ein kleines ßamm wie Schnee In Thymian unb grünem Klee, ßämmlein klein, ßämmlein rein, Tun bir bie schmalen Beinchen weh? Nicht tun mir meine Füßlein weh, . In Thymian unb frischem Klee. Ich trage Schmerz, Weil ich bein Herz
Nicht voll ber süßen Liebe seh.
Unb alle Kinder singen zusammen:
Oh, kehre mir im Herzen ein, So wirb es voll ber Liebe fein, ßämmlein komm, Mach mich fromm, So bin ich bein, unb bu bist mein.
Ist das nun nicht eine schöne Geschichte?
Professor Dr. Wilhelm P i n b e r, ber be ’ rühmte Kunsthistoriker ber Münchener Uni- ' versität, einer ber besten Vertreter national j sozialistischer Geisteshaltung, gibt in biesem i Aussatz eine mutige unb scharfsinnige Ana- i lyse bes gegenwärtigen Kunstproblems.
Ein kluger Mann ber tätigen Kunstwissenschaft, !• er höchst entscheibenbes Vertrauen genießt, sagte kürzlich zu mir: Mein Vierjahresplan für bilbenbe Lunst würbe sein, alles Schreiben über augenblick- iche Kunstfragen vier Jahre lang zu verbieten. Das ist ein guter Rat! Er ist keineswegs „libera- jstisch". Es ist ein Rat, ber sich auf besonnenes jjanbeln bezieht, ber nicht aus Furcht vor Entschließung kommt, sonbern aus Entschiebenheit unb aus Hiner klaren Erkenntnis: bie Kampflinien finb verwirrt, man schießt bie eigenen ßeute tot, man muß ? ie Reihen erst roieber bilben. Dann erst, bann aber slbstverstänblich kann man hanbeln. Es gibt bafür nizwischen genug zu tun: Das beutsche Volk mit «iner wundervollen alten Kunst bekannt zu machen, v baß es an ihr einen Maßstab gewinnt; bie Ent- iellung bes in Wahrheit höchst tröstlichen Geschichts- iilbes unserer Kunst zu verhüten; unserem Volke !ie Angst vor seiner eigenen Wissenschaft zu nehmen; -s zu schützen vor ber Anzüchtung gänzlich üder- lüssiger Minberwertigkeitsgefühle — kurz, die vie- »n Schöben, bie schon angerichtet finb, roieber aus» ^bessern.
Denn bas meiste, was jetzt über deutsche Kunst geschrieben wird — und sei es auch aus noch so intern und ehrlichem Herzen, und gerade dann — t trostlos. Das wendet sich besonders gerne gegen !6e Wissenschaft, die „den Verstand zum alleinigen Lichter erhoben habe" (das tat seit langem alle flechte Wissenschaft, das tut auch heute noch alle mte nicht), und das ist dennoch nichts anderes als nlfch verstandene, falsch angewendete Wissenschaft. Bor allem: für ein Volk, das feinen Stolz roieber» nben will, ist es beschämenb als Ausfluß nament» ch zweier Minberwertigkeitsgesühle, bie sich zu «st geglaubten Sagen auszuwachsen brohen. Das Mne bezieht sich auf bie Seele: man habe bie Seele verraten unb an ben „Verstaub" verkauft. Die Kahrheit ist: nicht ber Verstaub selbst ist schlecht, onbern bie Gefühle, bie sich feiner bebienten, waren JUerbings längere Zeit recht faul geworben. Eine arte Seele aber .braucht ben Verstaub nicht zu Orchteu, benn sie vermag ihn zu beherrschen. Ein chwacher Verstaub leistet noch keine Gewähr für i ine starke Seele.
Das anbere Minberwertigkeitsgefühl hat heraus- («efunben: Vor langen Zeiten habe es eine deutsche Luust gegeben, bas sei bie Gotik gewesen. 400 L.ahre lang sei bie beutsche Kunst seitbem gänzlich verirrt gewefen, Dürer ber Schulbige, Grünewalb, lleichsam ein vorzeitiger, verlassener Kampfbünbler, «i vom eigenen Volke verstoßen worben. Die „Renaissance" 'habe bas „griechische Kunstschaffen Herren" wollen. Erst heute sei bie Rückkehr zum Deutschen ba. Die Wahrheit ist: Die Gotik ist eine orbfranzösische Kunst, gegen bie sich bas starke Rutsche Mittelalter sehr lange gewehrt hat. Auch «ach ber späten „Ueberucchme" hat es baraus etwas mberes gemacht. Goethe hat in Straßburg uuwis- mtlich gerabe bas auch bort vorhaubene franzö- issche als beutsch berounbert, bas Deutsche, also Un= jotiiehe bes großartigen Ostteiles am Münster nicht empfuubeu. Weiter: ein Volk, besten Kunst wirklich 400 Jahre lang verirrt gewesen wäre, be- lünbe längst nicht mehr. Der Ueberfall burch bie
Das Lämmchen.
1
Von Ruth Schaumann. i
Es war einmal ein kleines Mäbchen ... nein, j Dir müssen boch anbers anfangen, baß es eine , Achte Geschichte wirb. Es war einst em alter Ma- ( l>?r, es war schon lange, sehr lange her. Matthias ; loat ber fromme Meister geheißen, viele Jahrhuu- 1 teerte ist er schon tot, aber keiner hat ihn vergessen. Was er auch malte, alles war schon und in herrlich, baß die Vögel vor seinen Bilbern zu ringen aufingeu, benn sie meinten, seine gemalten Blumen unb Früchte wären richtige Blumen, Rosen, Aelkeu, ßilien, richtige Aepfel unb Erbdeereu, rich- ti.qe Weibeudäume, ßinben unb Tannen, unb die ,(;inber, bie er malte, unb bie frommen Mütter ber kinber wären lebenbig, unb so saugen bie erfreuten 58öqel, sie zu erfreun. Aber am liebsten malte ber dilte Matthias bie Jungfrau mit ihrem Söhnchen, unserem Herrn, auf ben Knien. Und wenn er solche Silber malte, kamen selbst bie Engel, ihm zuzu- i-ben Unb wie wir alle bie Engel wohl spuren, -wer' nicht sehen, Meister Matthias, ber sah sie, coenn sie seine Kammer erfüllten, unb rote er sie inh, hat er sie auch gemalt: große Engel unb l'eine Engel, mit zwei Flügeln, mit vier Flügeln unb solche, bie ganz gefiebert {mb, ftatt einem Neide, mit Haaren wie schöne klare Flammen unb iie ßippen geöffnet zum englischen Gruß.
Unb so stauben bie Engel um ihn, roenn er malte, fee saugen unb nickten ihm zu unb er malte einem Lefusfinbe eine blüheube Rose in bie kleine Haub unb ber heiligen Jungfrau eine korallene Kette um Men schneeroeisen Hals.
Aber bann begann er ein neues Bilb unb rote (5 immer reicher unb herrlicher warb, mürben bte Emgel um ihn gar traurig.
Denn er malte nicht bas Kinblein Gottes er malte es wie es groß geworben war, unb von ben Xen Äten Menschen an’s Kreuz ge chlageu terabbängt, ein trauriger, trauriger ^nn n ieber ioanb einen Nagel, einen Nagel l^em Fuß, und «ine Wunde im Herzen. Auf fein H?upt ^ber matte ar ihm bie Krone, bie er einst wirklich getragen, -iroße scharfe Dornen, schreckliche Spitzen baran, Hie kleinen Vögel flogen erschreckt aus bem Fenster nnb klagten: wehe, wehe, welch bitterlicher K z. rJnb sie kamen nicht mehr.
Meister Matthias aber arbeitete fort unb fort an feinem traurigen Bilb, benn er dachte, die JJ£ Itfjen sollen sehen, wie sehr sie dem liebsten Herrn vehe getan haben, wie sehr er sie lieb gehabt Y , Hatz er am Kreuz für sie hing, er, ber niemals iitaros Böses getan.
Wie aber bas Bilb fertig war, ba meinten alle Engel unb schlugen bie Flügel vor ihre Augen. Uno her schönste unb größte sagte: O Meister Matthias, vir haben den Rorm ptnfi tnirfftrh am Kreils hon-
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