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Rationalismus und dem ihm nachfolgenden Nihi­lismus die Menschheit gepackt hatte, glauben wir überwunden zu haben. Mögen England und Frankreich noch die zerfallende Zeit verteidigen, mögen sie im Glauben an Spengler die Zeit heroisch zu Ende führen wollen", wir be­ginnen neu.

Eiy junger Volkstumsbegriff, in den unteren Gründen der Seele erlebt, wandelte uns, er wan­delte auch die Aufgaben der Kulturpolitik von Grund auf. Nach einem neuen Glauben hat das Volk den Auftrag, sich zu bewähren, sich dem Schicksal au stellen, sich zu breiten und durch seine schöpferischen Leistungen zu rechtfertigen. Daher ift ihm der Staat nur notwendiger äußerer Rahmen der Einheit, daher fordern wir die Möglichkeit des Aufstiegs aller Glieder durch den gleichmäßigen, volkhaften Aufbau der Kultur, der nicht etwa einer humanistisch gebildeten Schicht Vorrechte zuweist. Des Menschen Wirken über sein Ich hinaus gehört seiner Nation, und eine Zeit wie die vergangene, oie Leben und hohes Erleben, etwa das der Kunst, nur als Steigerung der persönlichen Glückseligkeit begriff, erscheint uns arm. Kunst ist uns Bericht, Verherrlichung und Erschütterung über Bild, Wort und Schicksal des Menschentums, in dem wir leben: sie ist zugleich Mahnung zur Gottesgläubigkeit, ist Bericht eines ewigen Volkstums vor der Allmacht über Liebe, Reue, Mut über die heldenhafte Er­füllung seines Lebens und über die Vorahnung dessen, was über das Irdische hinausführt. Ja, wenn noch vor wenigen Jahren Männer wie Jasper -aus der Gemessenheit ihrer griechisch gefühlten Philosophie vermeinten, der Grund unserer Bil­dung sei das Altertum,ohne autonome Bildungs­kraft käme die Vergangenheit des eigenen Volkes hinzu", so lächeln wir und lehnen es ab, eineNa­tion der Epigonen" zu bleiben. Wir bekennen uns zur Wirklichkeit unserer Vergangen- heil, statt sie zu leugnen oder schamhaft fremde Schilde darüber zu halten. Wir sehen in jenen Worten nichts, als die letzte Folgerung älterer Wissenschaft und des Glaubens einer Bildungs- Schicht, die unsere Geistigkeit spaltete, well sie unser Werden nicht aus den Jahrtausenden unserer Sprache, unserer Wirklichkeit herleitete, sondern sich «ls ein Websel aus vielerlei Fäden und Farben erklärte.

Wir wollen mutiger sein und bekennen, daß der Ruf von Blut und Landschaft aus Zeit und Vor­zeit älter ist und daß ein Volk, auch wenn es wie wir viele Gäste zu sich bat und auch bitten wird, doch alle fremde Form unaufhörlich neugegestaltet and nach seinem Erbe rückbildet. Ja, wenn wir ernst beurteilen, erkennen wir, daß in dieser Wende ältere Jahrtausende sich in uns regten. Ein Erbgut ward wach; in ihm Überwinden wir jene Teile der gelehrten wie der religiösen Kon­fessionen, die unfern Völkern fremd waren und noch die Romantik von einst verwirrten. Naturfrömmig­keit, der Wille zur Tar, der Glaube an die irdischen Aufgaben, die wir anpacken sollen, sind deutsch und germanisch wie auch dos ewige Wissen vom wie- oerkehrenden Heliand, von der unsterblichen Seele und von Liebe und Hingabe, zu der wir von un­serem Schöpfer gerufen sind. Wir sind nicht für uns da, wir sind gerufen, der Erde ein Neues vor­zuleben, wir sollen noch einmal verschenken, wie wir tausendfach geschenkt haben.

Um den großen deutschen Zusammenhang, um unsereVerbundenheit mit der Allmacht, um wirk­liche Volkheit geht es, die sich aus sich selbst er­neuert mit der Waffe des Glaubens und mit dem Wissen:

Stehn wir doch mitten

Im Sturmhof des Lebens Nimmer vergebens Ist unser Geschick.

Roosevelts Kampf mit -em Kongreß.

In der Frage der Kriegsveteranen- zahlungen überstimmt.

Washington, 29. März. (DNB.) Sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat haben den Einspruch Roosevelts yegen das von beiden Häusern angenommene Knegsveteranengesetz mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit überstimmt.

Die Auflehnung des Kongresses stellt zwar die erste größere Niederlage des Weißen Hauses dar, bedeutet jedoch nicht, daß der Kon­greß oder gar das amerikanische Volk von dem Weg abzuschwenken gedenkt, auf dem Roosevelt die Vereinigten Staaten zu führen entschlossen ist. Die Abstimmung betraf eine sogenannteOmnibus- Bill", in der zahllose Haushaltsposten enthalten waren, und zwar außer den erhöhten Be­zügen für die Veteranen die Erstattung von zwei Dritteln der seinerzeit den Bundesbeamten auferlegten ISprozentigen Gehaltskürzung. Von dieser Gehaltskürzung waren auch die Beam­ten der Sonderbüros betroffen, die in allen Teilen des Landes bundesamtliche Angelegenheiten be­sorgen. Diele dieser Büros sind naturgemäß mit politischen Günstlingen von Senatoren und Abgeordneten besetzt, und der Druck dieser Leute gemeinsam mit den kleineren Bundesbeamten und den Veteranen veranlaßte zahlreiche Demo­kraten, gegen den Einspruch ihres Parteiführers zu stimmen. Dazu kommt, daß das ganze Repräsen­tantenhaus und ein Drittel des Bundessenats jetzt vor Prtmärwahlen stehen zur Vorbereitung der Neuwahlen im November. Die Abstimmung rechtfertigt also nicht den Jubel der Republikaner, die wieder Morgenluft wittern. Es zeigen sich ledig- lich erneut die schweren Nachteile des parlamenta­rischen Systems, in dem fast jeder Abgeordnete sich von egoistischen Erwägungen leiten läßt, ohne Rück­sicht auf den Haushalt und ohne Interesse am Ge­samtwohl. Es ist daher nicht verwunderlich, daß Roosevelt Washington mitten in der Sitzungsperiode den Rücken kehrte.

Amerika bemüht sich um eine Entspannung im Stillen Ozean

Washington, 30. März (DNB.) Anläßlich des 80. Jahrestages des ersten Freundschaftvertrags mit Japan, den am 31. März 1854 Commodore Perry für Amerika mit der damaligen japanischen Regierung abschloß und dadurch die über 200 Jahre währende Isolierung des Jnselreicks von der Außen­welt beendete, plante die amerikanische Handels­kammer die Veranstaltung einer besonderen Feier. Das Staatsdepartement veröffentlicht einen Brief des Außenministers Hüll an die Handelskammer, in dem diese Absicht der Kammer warm begrüßt wird und der bezeichnend ist für die amerikanischen Bemühungen, die gespannte Stimmung zwischen den Bereinigten Staaten und Japan zu bessern. Hüll führt aus, Perry habe das Fundament für d i e dauernde Freundschaft zwischen beiden Völkern gelegt, die sich auch zu gegenseitig vorteilhaften Handelsbeziehungen entwickel habe.

Wie damals so sei Amerika auch heute bereit, mit Japan zusammenzuarbeiten zum Nutzen der beiden Nationen und zum Wohle der übrigen Welt.

Die politische Erneuerung in der Schweiz.

Basel, 29. März. (DNB.) Der neugewählte Bundesrat Otter äußerte in einem Interview u. a.: Ich bin absolut überzeugt davon, daß eine soziale und wirtschaftspolitische Ge­

sundung nur kommen kann auf dem Wege einer berufsständischen Ordnung, wobei das Schwergewicht sich auf die organische Ein­gliederung der Arbeit in das Gesellschafts­und Wirtschaftsleben verlege. Berufsständische Ord­nung wird den Berufsständen ihre natürlichen Auf­gaben wieder zurückgeben und den Staat entlasten. Die Berufsstände sollen nicht durch den Staat ge­schaffen, sondern nur ermöglicht werden. Die Ueber- führung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung in die berufsständische Gliederung wird das Werk einer Generation darstellen.

Zwei Monate Arrest mit Vewährungssrist für die LrschießungdesReichswehrsoldatenSchuhmacher Berufung des Staatsanwalts gegen das milde Urteil

Innsbruck, 30. März. (DNB.) Am Freitag fand vor dem Schöffensenat des Landesgerichtes der Prozeß wegen des Grenzzwischenfalls am 23. November vorigen Jahres, bei dem der Reicbs- wehrfoldat Schuhmacher aus Nürnberg erschossen wurde, statt. Angeklagt ist der Heimatwehrmann An­ton Strele, der als Gendarmerieassistenzmann die österreichische Grenzpatrouille, die die tödlichen Schüsse gbgab, führte. In der Anklageschrift heißt es, der Beschuldigte habe gesehen, daß eine Gruppe deutscher Skiläufer entlang der Grenze abzusteigen begann. Es wird dann behaup­tet, daß einzelne MitgliederHeil Hitler!" gerufen hätten, und daß der Angeklagte vermeint habe SA. - oder S S. - M ä n n e r vor sich zu haben. Es handelte sich bekanntlich um zwei Unteroffiziere und 21 Mann des bayerischen Infanterieregiments 21, die eine Laufübung abhielten und ohne mili­tärische Ausrüstung und Waffen waren. Strele hat seinen beiden Untergebenen, den Hilfspolizisten Schallhart und Pritzner, Anweisung ge­geben, das Feuer auf das Latschenfeld unterhalb des Grenz st eines 6 z u e r - öffnen. Während jeder der Begleiter Streles einen Schuß abgab, feuerte Anton Strele dreimal. Durch einen dieser Schüsse wurde der Reichswehr­soldat in den Kopf getroffen und sofort getötet. Die Leiche lag bekanntlich auf deutschem Gebiet. In der Anklageschrift wird schließlich festgestellt, daß der W a f f e n g e b r a u ch weder nach dem Gendarmeriegesetz, noch nach der Dienstinstruktion gerechtfertigt war. Die Erteilung des Feuerbefehls und die Abgabe der Schüsse seien fahrlässig gewesen, da Strele s i ch vorher hätte vergewissern müssen, wen er in Wirklichkeit vor sich hatte.

Der Angeklagte Strele, der in Uniform eines Hilfspolizisten erschienen war, erwiderte die Frage des Vorsitzenden, ob er d i e Vorschriften überden Waffengebrauch gekannt habe, mit Ja. Sie seien von der Gendarmerie vor dem Eintritt in das Schutzkorps ausgebildet wor­den, es habe aber sehr schnell gehen müssen, so daß nur das Wichtigste gesagt worden sei.

Darauf wurden die Hilfspolizisten ver­nommen, die damals der Patrouille angehörten. Pritzner gab an, es sei nur geschossen worden, um die Leute zu vertreiben. Aehnlich äußerte sich auch Schallhart. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie der Befehl Streles gelautet habe, antwortete der Zeuge:Einfach: Schießen!" Der Vorsitzende fragt dann, weshalb der Zeuge nach dem ersten Schuß nicht weitergefeuert habe. Der Zeuge er­widerte, er ha be sich gedacht, es sei schon genug.

Der Staatsanwalt wies auf die Beden­kenlosigkeit hin, mit der der Angeklagte den Befehl zum Schießen gegeben habe. Wenn es Strele tatsächlich nur darum zu tun gewesen sei, die reichs­deutsche Patrouille zu vertreiben, dann hätte er Warnungsschüsse.abgeben können. Ms Mil­derungsgrund könne bei der Beurteilung der Tat höchstens die Aufregung und die mangelhafte Kennt­nis der militärischen Dienstanweisung in Frage kommen. Als erschwerend sei der Umstand anzu­sehen, daß mehrere Personen gefährdet waren.

Der Verteidiger erklärte, er spreche nicht nur im Namen des Angeklagten, sondern auch im Änne der obersten Heimwehrführer, wenn er über den unglücklichen Ausgang des Vorfalles das tiefste Bedauern ausspreche. Er beantragte Freisprechung unter Hinweis auf die außerordentlichen Verhält­nisse an der Grenze Hinweisen zu können.

Das Gericht sprach den Angeklagten im Sinne der Anklage eines Vergehens der fahrlässigen Tö­tung für schuldig und verurteilte den Angeklagten unter Anwendung des außerordentlichen Milüe- rungsrechtes zu zwei Monaten strengen A r r e st, bedingt mit zweijähriger Bewährungsfrist. In der Urteilsbegründung heißt es u. a., daß es in der Lage, in der sich Strele befand, nicht ge­rechtfertigt gewesen sei, die drei Schüsse ab­zugeben. Bei der Urteilsfindung habe jedoch die überspannte Aufregung Streles zur Zest der Tat berücksichtigt werden müssen. Daher sei das Milde­rungsrecht zur Anwendung gekommen. Der Staats­anwalt meldete Berufung gegen das Straf­ausmaß und die bedingte Verurteilung an.

Italien und Frankreich.

Mussolini betont die Friedenspolitik des faschistischen Regimes.

Paris, 30. März. (DNB.) Mussolini hat dem Berichterstatter des Pariser Soir, Perreux, eine Un­terredung gewährt. Mussolini will den in Frank­reich oft gebrauchten Satz von denbeiden latei­nischen S ch w e st e r n, die eigentlich zusammen­gehörten", nicht ohne weiteres gelten lassen, da bei­spielsweise die in Frankreich herrschende Spott- sucht und Aufschneiderei (blague) dem italienischen Volkscharakter fernliege. Der Duce wiederholt seine Erklärung, daß zwischen Frankreich und Italien die moralische Atmosphäre sich gebessert habe, da beide Länder gewisse Fragen in gleicher Weise beurteilten. Hoffentlich werde man bald die Aussprache und die Lösung der seit fünfzehn Jahren schwebenden französisch- italienischen Fragen in Angriff nehmen können.

Die allgemeine Weltlage hält Mussolini für kei­neswegs katastrophal. Er glaubt nicht an einen bevorstehenden Krieg. Jedenfalls werde nicht die faschistische Regierung den Brand entfachen, da das faschistische Regime noch zu viele moralische und materielle Aufgaben zu erfüllen habe, die nur in einer langen Friedens- zeit durchgeführt werden könnten. Die in Rom unterzeichneten Protokolle seien gegen nie­mand gerichtet. Sie stellten vielmehr den An- fang einer Zusammenarbeit in Mitteleuropa dar, an der jeder, der es wünsche, teilnehmen könne.

Seine letzte Rede sei entstellt worden. Er denke keineswegs daran, wie behauptet werde, seinen bis­herigen Standpunkt in der Rüstungsfrage fallen zu lassen. Beispielsweise habe er nicht von der Definitiven" deutschen Aufrüstung gesprochen, sondern von der ,ch e f e n s i v e n", das sei doch et­was anderes. Der italienische Plan scheine dem französischen Standvunkt am weitesten entgegenzu­kommen. Er verstehe nicht, warum Frankreich ihn nicht annehmen wolle. Der Duce hält die Abrüstung für ein unerreichbares Ziel und würde es lieber sehen, wenn die Genfer Konferenz sich beschei­denerKonferenz zur Beschränkung und Proportio­nierung der Rüstungen" nennen würde.

Auf die Frage, ob er die R e o i s i o n d e r Ver­träge für ein unüberwindliches Hindernis halte, erklärte Mussolini, die Revision sei stets aktuell, vor allem für die Länder, die unter der jetzigen Grenz- ziehund in Europa zu leiden hätten. Es gebe Un­gerechtigkeiten, die durch die Verträge geschaffen worden seien. Uebrigens habe man diese Verträge bei der Unterzeichnung keineswegs für ewig gehalten, nicht einmal Frankreich. Auch Dr. Benesch und Masaryk hätten erklärt, daß man unter gewissen Bedingungen und der Voraussetzung poli­tischer und wirtschaftlicher Ausgleichung die Frage der Revision in Erwägung ziehen könnte.

Welche Bedingungen knüpft Frankreich an eine deutsche Röstungsverstärkung?

Oie britische Anfrage in Paris.

London, 31. März. (DNB.-Funkfpruch.) Nach Ansicht des Pariser Korrespondenten derTimes" hat sich der Standpunkt der französischen Regierung in der Abrüstungsfrage feit dem Brüsseler Besuch Barthous in verschiedener Hinsicht geändert. Während die Denkschrift an die englische Regierung vom 17. März noch die Auffassung vertrat, daß es keine wesentliche Aufrüstuna Deutsch­lands geben dürfe, scheine Frankreich jetzt be­reit zu sein, Deutschland eine gewisse Auf- rüstung zuzugestehen, vorausgesetzt, daß damit keine Verminderung des jetzigen Standes der französischen Wehrmacht verbunden sei, und daß befriedigende Ga­rantien gegeben würden. Man glaube, daß die englische Regierung besonders angefragt habe, welchem Maß an Aufrüstung die französische Regierung bei Gewährung von Ausführungsgaran­tien zustimmen würde und welche Garantien die französische Regierung für ein derartiges Zu­geständnis an Deutschland verlange. Die Tatsache, daß solche Fragen gestellt werden, bezeichnet nach Auffassung des Korrespondenten eine A e n d e - r un g in der französischen Haltung.

Der französische Korrespondent desDaily Tele­graph" glaubt, Außenminister B a r t h o u beab­sichtige, die im Januar d. I. von dem damaligen Außenminister Paul-Boncour an Henderson über­sandte Denkschrift zur Grundlage der neuen fran­zösischen Note an die britische Regierung zu machen. Diese Denkschrift vertrat die Auffassung, daß wirt­schaftlicher Druck gegen einen Staat, der das Abkommen verletzt hat, im Notfälle durch An­wendung militärischer Gewalt er- ganzt werden sollten. Abgesehen davon könnte

nach Ansicht der französischen Regierung unter den jetzigen Umständen ein Abkommen nur auf der Grundlage der Aufrechterhaltung der französischen Rüstungen auf ihrer jetzigen Höhe abgeschlossen werden. Frankreichs Antwort istnichtvorEnde nächst er Woche zu erwarten, bevor sie geprüft ist, wird die britische Regierung keine wichtigen Beschlüsse fassen. Die Sitzung des Abrü­stung sbüros am 10. April wird also rein formal sein und dürfte zu dem Beschluß führen den Wiederzusammentritt der Abrüstungskonferenz um mindestens mehrere Wochen zu vertagen London hält sowohl Berlin als auch Rom ständig auf dem laufenden. Die Darstellung, daß die britische Regierung sich bereits auf den Grundsatz von Durchsuhrungsbürgschaften" f e ft g e l e g t habe, ift völlig unzutreffend. Die britische Regierung ist zu nichts weiter verpflichtet, als zu einer sorgfältigen und vorurteilslosen Prüfung der in dieser Beziehung gemachten Vorschläge.

Frankreich

will sich alles Vorbehalten.

s daris 31. März. (DNB. Funkipruch.» Nach dem Excelsior soll die französische Antwort auf die englische Rückfrage von der Voraussetzung'' aus- m> r!L e.!n. Abrüstungsabkommen Frankreich bie Möglichkeit lassen müsse, jederzeit seine Effektlvbe stände und seine Materia- liendenEffektivbeständen und Mate­rialien Deutschlands anzupassen, und zwar unter Berücksichtigung eines Sicherheitsspiel­raumes, da Deutschland 20 Millionen mehr Ein­

wohner zähle und fitier mächtige Kriegsfallriken verfüge. Bei der Durchführung der Bürgschaf, ten müsse man sich von der Überzeugung leiten lassen, daß,Sanktionen besser seien als Strafen. Je wirksamer und entschiedener die Sanktionen des Vertrages gefaßt seien, um so eher würden sie einen Angreifer zur Vorsicht zwingen. Etwaige Einwände würden am besten hinfällig, wenn ein vollgültiges französisch-eng. (isches Bündnis vorhanden wäre, das wirk, sam werden würde, sobald die Kontrolle eine schwer- wiegende Verletzung des Abkommens und der Ver- träge feststellen würde. Aber es scheine nicht, daß die grausame Lehre von 1914 die Regierung und die öffentliche Meinung in England von dieser Not- wendigkeit ausreichend überzeugt habe.

General Nissel weint imFigaro" noch heute der vorzeitigen" Rheinlandräumung und dem Ver­zicht auf die Faustpfänder Tränen nach und be- dauert, daß Frankreich es hat dazu komme» lassen, daß Deutschland die Frage der Gleich- berechtigung vorbrachte. Die Abrüstungskontrolle sei ein Komplott gegen Frankreich. Der einzige Trost sei die Tatsache, daß die jetzige Regierung bei den militärischen Fragen wenigstens den obersten Rat der nationalen Verteidigung zu Rate zieht. Frankreich rafft s i ch auf und erwacht, hoffentlich schläft es nicht wieder ein", schließt der Artikel.

Suvich kommt nach London.

London, 31. März (DNB. Funkspruch) Der italienische Unterstaatssekretär S u v i ch wird am 23. April in London eintreffen, um den römische» Besuch Macdonalds und Simons zu erwidern. Daily Telegraph" schreibt dazu, man glaube, daß Suvich der britischen Regierung auseinandersetzen werde, die letzte französische Not erlaube nach An­sicht der italienischen Regierung keinen weite­ren Fortschritt auf dem durch den britischen Abrüstungsplan gekennzeichneten Weg: irgendwelche Aussichten biete nur noch der italienische Plan.

Die zweite Obduktion Staviskys.

Paris, 29. März. (DNB.) Bei den Justiz­behörden, die sich mit dem Stavisky-Skcmdal und der Ermordung des Gerichtsrats Prince zu beschäftigen haben, wurde fieberhaft gearbeitet. Den drei unter dem dringenden Verdacht der Mittäterschaft an der Ermordung Princes verhafteten Personen hat man keine Ruhe gegönnt. Vorläufig protestieren alle drei aber noch heftig gegen die sie erhobenen Beschuldi- gungen. Die Haussuchungen sollen angeblich zu keinem Erfolg geführt haben. Man hat bisher le- diglich festgestellt, haft alle drei den größten Teil ihres Lebensunterhalts durch Mädchenhan- d e I und Schmuggel bestritten.

Im Leichenschauhaus fand die zweite Ob« duktion der Leiche Staviskys statt. 3n der im Anschluß daran herausgegebenen Verlaut­barung heißt es, daß die Leiche nur eine ein­zige Schußwunde aufweise und der Befund der Einschußöffnung jede andereAuslegung als Selbstmord ausschließe.

Kommunistische Spionage« und Llmsturzorganisation in der Tschechoslowakei.

Prag, 30. März. (DNB.) Die Polizei behänden beobachteten bereits feit längerer Zeit, daß im ganzen Staatsgebiet eine erhöhte umstürzlerische Tätigkeit betrieben wurde, die besonders eine Zer­setzung der Wehrmacht und die Ver­breitung von Unruhe in ihren Reihen an« strebte. Es wurde festgestellt, daß es sich um ein ausgedehntes Netz von Spionage - und antimilitaristischer Propaganda han­delt. Als einer der Hauptorganisatoren der Aktion wurde der ehemalige Bäcker Franz Hampl, der zuletzt als Redakteur der kommunisti- sch en ZeitungRoonost" tätig war, sicher- §estellt. Er unterhielt mit einer ganzen Reihe von iivil- und Militärpersonen Beziehungen, verfügte über erhebliche Geldbeträge, unternahm oft längere Reisen im ganzen Staatsgebiet, war Soldat in der Reserve und Absolvent des Lenin-Kurses in Moskau. Bei den Haussuchungen in den Wohnungen der Vertrauensmänner Hampls wurde die Benutzung einer Geheimschrift, deren Schlüssel entdeckt wurde, festgestellt, eine ge­heime Handdruckerei für die Herstellung einer zur Verbreitung im Heer bestimmten illegalen kommunistischen Zeitschrift und Vervielfältigungs­apparate zur Herstellung einer illegalen Zeitungs­korrespondenz gefunden. Eine unter dem aufgefun- denen Schriftenmaterial befindliche Abschrift eines wichtigen militärischen Schriftstückes der Olmützer Garnison führte zur Verhaftung zweier Funktionär e'desOlmützerMagi st rat s,

Reue Dienstgrade der Sanitätsoffiziere.

Berlin, 29. März. (DNB.) Die Dienstgrad­bezeichnungen der Sanitätsoffiziere werden zum 1. April derart geändert, daß nur noch im militärischen Generalsrang der Titel Genera 1" der Artbezeichnung hinzugefügt wird. Die im Oberstleutnantsrang stehenden Sanitäts­offiziere erhalten die BezeichnungOberfeld­arzt". Damit lebt ein alter Titel wieder auf, der schon im Dreißigjährigen Krieg von den Militär­ärzten größerer Truppeneinheiten geführt wurde. Die Dienstgradbezeichnung gibt auch ausgezeichnet die wesentliche Verwendung dieser Sanitätsoffi­ziere wieder, denn sie sind die Leiter der im Kampf- gebiet eingesetzten Sanitätseinheiten. Die Rangstufe des Obersten wird in ZukunftOberstarzt' heißen. Die Dienstgradbezeichnungen im Sanität­offizierskorps werden also in Zukunft lauten: i« der Rangklasse der Leutnante und Oberleutnante' Assistenzarzt und Oberarzt: in der Rangklasse bet Hauptleute: Stabsarzt (wie bisher): in der Ranft' klasse der Stabsoffiziere: Major: Major-Oberstabs­arzt, Oberstleutnant: Oberstfeldarzt, Oberst: Oberst' arzt: in der Rangklasse der Generäle: General­major: Generalarzt, Generalleutnant: Generalstabs­arzt, General: Generaloberstabsarzt.

Bei der Marine tritt gleichzeitig eine Umbe­nennung der oberen Dienstgrade ein. Es wird außerdem durch die Aenderung der Marinefanitäts- ordnung die Dienststellung eines Sanitätschefs der Marine geschaffen. Nach dieser Neuordnung sind die Dienstgradsbezeichnungen in der Marine fol­gende: Marine-Assistenzarzt, Marine-Oberassistenz­arzt, Marine-Stabsarzt, Marine-Oberstabsarzt, Ge« schwaderarzt, Flottenarzt, Admiralsarzt, Admiral- stabsarzt.