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Samstag, 31. MrzM4
184. Jahrgang
!tr 76 Erstes Blatt
Das Ostern des deutschen Volkes
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Kberheffen
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Auferstehung.
Von Hans Friedrich Blunck, President der Neichsschrifttumskammer.
Copyright by Nordische Gesellschaft, Lübeck.
Verlag Albert Lanaen-Georg Müller, München. Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.
Viel, meine Freunde, haben wir in diefem Jahre über Völker und Landschaften, über Erbe und Ueberlieferung, über Einheit und ständische Ordnung, über Pflicht vor Eigenem, vor Gott und vor der Gemeinschaft miteinander geredet, und wir haben geglaubt, manches Verkehrte und lieber» alterte zu überwinden und vieles anders zu fetzen und zu begründen, nachdem ein älteres Geschlecht blind vorübergegangen ist.
Unfruchtbar wäre alles, wenn nicht von Zeit zu Zeit die großen Märzbrände über die Völker wehten, geistige Bewegungen aus Kampf und Wider- tveit, die von der ottonischen Zeit hinüber zur Re- ormation, zum Sturm und Drang, und.von dort jäh bis in die noch unvollendete Gegenwart, über uns aufleuchten. Die Zeiten der großen Wandlungen sind die f r u ch t b a r e n, die der religiö- en wie der sozialen Wandlungen. Sie schaffen die Neuerungen und die Erneuerung, nach der ein Volk wieder für Jahrhunderte an das stillere Schaffen geht, sie bilden die großen Abschnitte der Kultursteigerung. Wir stehen in einer solchen Umwälzung und, wie wir glauben, im Anfang einer der großen schöpfenden Spannen.
Wir standen, so sehe ich es an, vor der Entscheidung, ob wir die Zivilisation der Aufklärung fortführen wollten, von Wolf und Leibniz gedacht, von der französischen Revolution verwirklicht, oder ob wir eine neue jüngere Lebensform gewinnen werden, wie sie unter Herder und dem jungen Goethe einsetzte, die einen göttlichen Auftrag an die großen Völker und die Freiheit ihrer volkhaften Kräfte verkündeten. Wir haben uns in diesem Jahr für den neuen Glauben entschieden.
lieber die geistigen Grundlagen der Märzerhebung des Jahres 1933 brauche ich mich nicht zu verbreiten: ich will nur jenes Gedankengut streifen, das für die kommende Arbeit wichtig ist. Wir gehen dabei davon aus: wie die liberalistifche Periode Abklang der Aufklärungszeit des 18. Jahrhunderts war, so beruht die Umwälzung, in der wir heute stehen, auf dem geistigen Gut des Sturm und Drangs, auf der frühen deutschen Romantik und ihrer Erneuerung durch die Jugendbewegung, die um die Jahrhundertwende begann, sich im Weltkrieg erhöhte und in der Gegenwart vollenden will.
Fast zögere ich jetzt. Wir leben und erleben diese Tage so sehr, daß wir kaum noch zu erkennen vermögen, wie tief sich die deutsche Welt in einer kurzen Zeitspanne gewandelt hat, weil wir selbst als Gläubige mitten in dieser Wandlung stehen. Können wir uns noch vorftellen, daß es eine Zeit gab, in der Begriffe von Allmacht, Volk und Mutterschaft als etwas lächerlich Gestriges abgetan wurden, wo man den Mann, der die Großstadt verließ, um draußen fein Brot zu bauen, als Narren ansprach, wo ganze Verbände von Schriftstellern gegen die Verurteilung eines Landesverräters protestierten, wo ein Arzt, der tausend Leben im Mutterleib getötet hatte, einige Monate Gefängnis mit Bewährungsfrist bekam.
In einem Jahre kaum ist eine Welt verbrannt und verjüngt. Ein Geist neuer Feierlichkeit, Opfermut und Achtung vor Leistung und Werten erfüllen ein ganzes Volk — Volk, das sind du und ich. Mitten in einem Wunder leben wir, in einem guten Wunder und wunderhaft ist die Zeit, die sich oft geiftfeindlich zu gebärden schien, aber nur Feindschaft • gegen Vernünftelet und gegen den Dünkel wollte und demütig vorm Göttlichen und voll neuer Frömmigkeit ist. Keine Frömmigkeit, wohl verstanden, die aus Sehnen und Süchten zum Jenseits bestünde. Diesseitig ist sie und ist zugleich harter Wille und Glaube an eine Aufgabe, — an eine göttliche Aufgabe zur Steigerung unserer selbst. Welträtsel wollen nicht mehr gelöst, sondern erlebt werden; eine ältere politische Kultur bricht durch, die der altdeutschen Gemeinfreiheit, die der germanischen Demokratie, wie Moeller van den Bruck sie nennt. Sie verlangt, daß ein Volk geführt wird und will die Sicherung aller Politik auf lange Sicht, weil sie die Schwächen des Volkes kennt, bald zu trauen und zu mißtrauen; aber sie gibt in großen grundsätzlichen Fragen dem Volksganzen den Entscheid.
Nationalsozialismus heißt politisch Gemeinschaft des Volkslebens und Erlebens unter einer im Volke ruhenden Führerschicht. Wenn der Vergangenheit solche priesterlichen Führer fehlten, so brauchen die heutigen deshalb keine Pfarrer zu sein. Wenn sie nur Held und Geist sind, die vom Auftrag der All- macht wissen? Der aufrührerische junge Goethe in Straßburg, Beethoven, Bach und der Träumer Novalis bereiteten die Gegenwart vor; aus ihnen leiten wir unsere Aufgaben her, aus ihrem Erbe auch die Ablehnung des technokratischen Fortschrittgedankens und wiederum die Lust über das, was unsere Gedankenwelt aufreißt; die Sehnsucht zum Flug, die Erforschung des Himmels und der Erde und ihrer Vörzeit, die Erkenntnis, daß wir nicht in eine Stille, sondern in eine Sturmzeit geboren sind.
Wir stehen ja nicht nur an der Wende eines deutschen Jahrhunderts, sondern in einem Neu- beginn oder Erlischen unseres Erdteils. Das ungeheure Angstgefühl, das aus dem
Widerstand der Welt überwinden und können uns
— mir Luniien uns | ui uci uimenucn, ujvx -ajcumcu - , .. , ,, m m r, ,,
und Revolution gezeigt haben Man tadele nicht des- •btl das Werk der höchsten Meister Gestalt werden
ließ.
letzte
o aßen Leiden um eines höchsten Heiles willen. I^enn wir die Kunst der schmerzlich blickenden Ge-
Vom hüpfenden Lämmlein der zweite nun singt, Ihr Engel, ach daß ich ein Hänfling doch wär.
Ich sänge mit euch Ihm zur ewigen Ehr,
Das blutig gebunden zum Tode man bringt.
Nur weher als ihr und doch süßer zugleich.
Der dritte beginnt und vollendet es nicht
Und hebt beide Hände erfchreckt vors Gesicht. Gott hals mir ja hin in sein österlich Reich.
Es singen drei Engel, ich höre den Sang: Gott war um uns schmähliche Sünder gar bang
allen Dingen strömen fühlt. .
Wir Deutschen sind das österliche Volk der Erde,
Oer erste singt sacht wie zum Wiegen ein Lied, Gott kam auf die Erde zur steigenden Not, Als wenn eine Mutter am Slrohbettchen kniet. Gott litt für uns alle den bittersten Tod.
Es singen drei Engel so süß und so weh, wie knospende Dornen ob blühendem Klee.
hüten der deutschen Romanik (Naumburger I0m), der deutschen Gotik (Bamberger Retter), dr ganz innerlichen Malerei Grünewalds und l ü re r s, der Musik Bachs und der Dichtung Hölderlins als Beispiele nehmen,, so erhebt iSi aus der deutschen Geschichte das ö ft er I l ch e Tiefen der Deutschheit mit voller Deutlich-
Das ist der tiefste Sinn unserer österlichen Sendung, den wir nur ahnend verehren können, wo
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wieder einmal ganz einsetzen, um eine Idee willen, — wir können uns für sie verschwenden, wie Weltkrieg
wie folgt # g# V0N 8
Oie drei Engel am Ostermorgen
Bon Ruth Schaumann
Die Auferstehung des Herrn
Aus Albrecht Dürers „Großer Passion^.
halb: auch wenn man uns nicht versteht. Das ist der Grund des Nichtoerstehens draußen: daß wir
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Es gibt einen unsterblichen Zug der anbredyen- toin, frühlingshaften Genien unseres Volkes, der f^ühvollendeten auch; die uns immer wieder zu befer Erschütterung rühren, wenn -wir dem Zeugnis ifaes Erdenwandels begegnen. Denn oft sind auch dx Lebensschicksale dieser auf Erden wandelnden Genien der Deutschheit von rührender „Weltfremd- h it", ihnen erschließt sich das harte Leben mit fei» n r chaotischen tollen Macht und Pracht nicht, sie luen in einem schwebenden Zustande reinster ein- Master Gläubigkeit. Und Gr Glaube richtet sich aif ein Jenseits, das zugleich höchste Diesfettsver- förung ist. So schuf sich Hölderlin sein „Deutsch- lliid", das ewiges Ideal bleiben mußte, weil er ms einem Griechentum abstrahierte, das wiederum nir die idealen Züge jenes lebensvollen genuß- D [len, erdhaften und daher dionysischen Hellas ab- u.g Aber hier waltete eine deutsche Kraft der Er- J bung, eine Kraft, der wir die reinste Gestalt unse- r<r Seele verdanken: d i e d e u t f ch e k l a s s i s ch e 7 u s i k Sie ist fast unfinnlich, ganz geistige Form und klinaende Seligkeit und eben deshalb hat sie so 4a6)t über die ganze Menschheit geronnen.
I Wenn man uns also fragt: Wo erhobt sich die r-utschheit zu ihrer unangreifbarsten und lautersten 8-id)einunq? - so werden wir immer aus die Sänge Bachs und B ° e I h ° ve n s TO o>a rts unb Schuberts Hinweisen müssen, die eine Lautung alles Verhärteten sehr wohl vollbringen kon- ii n. Hier ist die Ueberwmdung alles Nur-Morali- jt.en. das das bürgerliche İ'talter zu seiner Selbst. Haltung brauchte, das uns fieutigm aber °me It*re Form dünkt. Hier in der höchsten Kunst der Rutschen ist eine Heiterkeit, die es mit der des steiften Hellas wohl aufnehmen kann. Und auf diese il ue Heiterkeit, diese erlöste Heiterkeit gläubiger ^"rzückuna und Heilsgewißheit kommt es an. Jaan bi? abgeschmackte catonische Strenge des Moralisten hnn uns erlösen zu wirkender Macht und schenken- btr >VüUe der Seele, sondern jene über Fausts Un- t mügen an dieser Welt hinausweisende Heiterkeit i r lautersten Form unb seligsten Klangerfüllung. Goethe hat sie auch gefunden und zwar merkwürd'- zlrweise in feinen SnätmerFen, die ihm fo häufig is ,^mdeutsch" angefreibet werden.., Da klingt
Die edelsten Kräfte unseres Volkes, unserer Rasse h ben sich in den Jahrhunderten unserer Geschichte, i ben Jahrtausenben unseres Wachstums in kost- hre Formen gesammelt, die nach bem Wegfall, bem jifinfen alles Nurzeitlichen übrig blieben unb auf ms gekommen sind Dieses „Deutsche" ist mehr als $DlitiE, mehr als Staatlichkeit, mehr als Konfession, r«hr als „Stil" der Kunst, mehr als Wissenschaft mt) Philosophie: es ist das alles einschließend — r«hr als die Summe... Aber es spiegelt sich am v.llkommensten in einer Reihe größter Erschemun- c n Und darin erkennen wir immer wieder das österlich anbrechende, jugendliche Erlebnis die Er- liiung nach langer Sehnsucht und die Sehnsucht si'ber, ben schmerzlichen Verzicht unb die innerste ^Hebung, bie Selbüberwindung, bas Ja zu einem
orscher und Technik ft f. das gesamte ischaften u. ihre hutz, Unterricht t. Herausgeber ichnow t die allgemt/ igenaturwisr/ chritt für gei i hervorrag»" uf oberflsi- sonder: w
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S? a3ol(r.,?er S°hnlucht unb bes heiligen Werbens, ^^rblichen KunsLrken Meb7rfchl°gt, bann kom. Wir erfüllen oft unser Bestes auf der Stufe des men yX(? ,u tiefer Kunst dankbar und beglückt. Wir Jünglings und verschwenden uns mit dessen heiliger müff^ jgnen s'^en, daß dieses Glück nicht möglich Glut der Hingabe an das ^>^01. In uns erwacht ro^re 0^ne ^n5 Opfer der Hingabe auch im irdischen immer wieder Ausbruch und stürm, immer Liebe Ba|ein 'Qn einen Glauben. Immer wieder wird diese ^br°Pjer- Und heute sind mir wieder in einer Iä'ubi Deutschheit gekreuzigt, um in einer Un- Phase des Aufbruchs. Wir wollen den dumpfen sterblickkeit auhuerftehen Wihorftnnh hör WUIt iihorminhon imh Pnnnon IIN-; llerviicyreu au[zuer,lei)eil.
Oer österliche Genius. I
Bon Euri Hotzel, GOS.
Erweckung der deutschen Seele: in unserer harten und geschästigten Zeit eine Ausgabe von höchster ! erantwortung! Kann sie mit der Macht des Wil- I ns und der Anstrengung des Verstandes vollbracht ! t erben? — Zum Licht der Freiheit l)ingeführt, imter eine straffe und sinnesändernde Führung ge- jLllt, muß das beusiche Volk nun sich in allen feinen lebensregungen wiederfinden, muß in feine eigene Snefe steigen und dort das wahre Dftermunber der Imferftehung erleben. Das ist die Vollendung der mtionalfozialistifchen Revolution.
Wir erleben heute das ungeheure innere Ringen i> r Deutschen um ihr Selbst als eine weltgefchicht- lche Tatsache von größter Bedeutung. Es ist dabei V n Erkennenden deutlich, daß dieses Osterwunder r nerer Erneuerung nicht ohne schmerzlichen Bruch litt allem Alten, Verhärteten, Oberflächlichen sich n-llzieht. Dieser Wandlungswille stoßt auf diese verortete Oberfläche mancher unserer Brüder, aber er tiirb nicht fR'dhe geben können, ehe er diese Starre i brachen ober überwunden hat. Kann das von cußen allein geschehen? — Niemals! Das hat der fiihrer bewiesen, als er jenseits aller Gewalt die fernen der Millionen Deutschen bewegte und ihr Gefühl aus der Erstarrung erweckte. Nun gilt es i langer zäher Arbeit das am Ganzen zu voll- fr ingen.
Wo haben wir nun bie Mittel, um ben „stumpfen T.iberstand ber Welt" in unseren Volksgenossen zu inerminben, der sich mit Schicksalsnotwendigkeit mich einer Zeit des Materialismus dem edlen fBe- nüühen um Läuterung und völliger Sinneswand- l.mg entgegensetzen muß? — Nochmals: können hser Wille und Verstand allein das Letzte voll- ir: ingen?
auch die selige Erfüllung einer überirdischen Schau, in den entscheidenden Phasen unserer Werbenszett bie sich am Sein beglückt erhält und Lebenslust aus immer aus einem unverstänblichen Glauben heraus ......... handeln, der einen Traum in der irdischen Wirklichkeit beschworen will. Das können andere Völker nicht begreifen. Erst wenn sich dieser Glaube in
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3. April 193?
Zolf ।


