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Nr 26 Lrstes Blatt

M Jahrgang

Mittwoch, ZI. Januar 1934

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Lin Jahr nationalsozialistischer Arbeit an Volk und Reich.

Der Führer gibt dem Reichstag einen umfassenden Lteberblick über das Werden und Wirken der nationalen Erhebung und steckt die Ziele für künftige Arbeit ab.

Im Reichstag.

Don unserer Berliner Redaktion.

Lange vor Beginn der Reichstagssitzung ist der Königsplatz von Hunderten besetzt, die die An- lunft der Reichstagsabgeordneten, der Reichsstatt­halter, der Vertreter der Lander, der Reichsminister und schließlich die Ankunft des Führers vor der Krolloper erwarten. Die Räume der Kroll­oper find aus Anlaß des Jahrestages der natio­nalen Erhebung besonders geschmückt. Da die Reichs­tagssitzung nicht nur durch den Rundfunk übertra­gen, sondern auch im Tonfilm festgehalten wird, sind in mehreren Logen Tonfilmapparaturen unter- gebracht, zu deren Unterstützung im zweiten Rang einige gewaltige Jupiterlampen aufgestellt worden sind. Der Reichstag war fast vollzählig vertreten, nur einige wenige Abgeordnete hatten sich ent­schuldigt, darunter der frühere deutschnationale Führer Hugenberg und der Industrielle Thyssen. Die Diplomaten sind vollzählig anwesend, in der ersten Reihe die Botschafter Italiens, Frank­reichs und Englands. Auch die Tribünen sind überfüllt. Der Beginn der Sitzung verzögert sich. Kurz vor 15.30 Uhr erscheint Reichstagspräsident Göring. Die Ministerbänke sind inzwischen voll­ständig besetzt. Atemlose Stille. Plötzlich hört man von draußen her stürmische Heilrufe. Der Füh­rer war vorgefahren. In diesem Augenblick er­scheint er schon in Begleitung von Rudolf Heß. Die Sitzung beginnt.

Präsident Göring

eröffnet die Sitzung und fährt bann fort:

Mein Führer, meine Kameraden! Als wir zum letzten Male hier versammelt waren, habe ich be­reits darauf hingewiesen, daß erst an dem Tage, da unser Führer das Wort ergreifen wird, der neue Reichstag feine erste grundlegende Sitzung haben wird. Heute nun ist diese Sitzung, an einem denkwürdigen Tage, dem 30. Januar. Solange es deutsche Geschichte geben wird, wird der 30. Januar 1933 nicht nur ein Markstein, er wird die ent­scheidende Wendung im Schicksal des deutschen Volkes sein und bleiben. Ein Jahr ist seitdem ver­gangen und dieses Jahr scheint uns wie ein Jahr­zehnt, so ungeheuerlich sind die Veränderungen, so gewaltig ist das, was geleistet wurde, so einzig­artig das, was geschah und wozu sich das Volk bekannte. Aus den Niederungen, aus den Tiefen, aus schwarzer Nacht hat sich das deutsche Volk aufs neue erhoben, und das deutsche Volk hat zurück- gefunden seine Ehre und seine Frei­heit, zwei Begriffe, ohne welche ein Volk nicht zu leben vermag. Die Wiedergeburt unseres Volkes unter seinem starken Führer ist vonstatten gegangen. Der 30. Januar 1933 war der Wendepunkt, im letzten Augenblick die letzte Entscheidung und nur möglich, weil, während alle versagten, ein Führer in Deutschland lebte, der unerschütterlich an die Güte, an die Kraft und an den Wert des deutschen Volkes geglaubt hat und der diese Dinge neu er­weckte und somit neu stärkte und das Volk neu gestaltete. Und welch gewaltiger Glaube ist durch dieses Volk gegangen, welch gewaltiges Vertrauen hat das deutsche Volk in diesem Jahre bewiesen und seinen Führer befähigt. Großes zu leisten. Aber auch welch unsagbare Liebe ist dem Führer ent­gegengeströmt und zuteil geworden.

Darum diese Liebe, warum dieses gewaltige vertrauen, daraus spricht die Genugtuung des Volkes darüber, endlich wieder einen Führer und eine Führung zu besitzen. Früher, in dem vergangenen Jahrzehnt des Parlamentarismus, hat man es dem Volke überlassen, sich über seine Schicksalsfragen klar zu werden; das Volk selbst in feinen verschie­denen Jnteressenlagerungen sollte entscheiden. Die Führung war zu feige, das selbst zu tun und wollte sich Hinter den anonymen Begriff einer Majorität verdrücken, heute erkennt das Volk, daß die Führung den Mut hat zu führen und unerbittlich das zu tun, was nun einmal das Veste ist.

Nicht leicht war der Kampf. Immer wieder ver­suchte man, Risse zu erkennen, in die man hinein­stoßen konnte, um die Geschlossenheit aufzulockern. Es ist nicht geglückt! Mit brutaler Faust wenn es sein mußte haben wir die Staatsfeinde zurückgeworfen. Und auch in Zukunft werden wir gemäß dem Willen unseres Führers gegen jeden vorgehen, der diese Geschlossenheit antastet, jedem, ob von links oder von rechts, werden wir mit glei­cher Entschlossenheit entgegentreten. Es ist unmög­lich, daß jetzt den Aufschwung des deutschen Volkes irgend eine Gruppe benutzen könnte, um ihre eige­nen Interessen damit vorwärts zu treioen. Das deutsche Volk kennt heute nur eines: Das ist d i e B e w e g un g , die dieses Volk neu geformt hat, und seinen Führer. Und nur an diesem Füh­rer und seiner Bewegung hängt dieses Volk, ihm vertraut es für seine ganze Zukunft.

Und so, wie wir nur eine Bewegung haben, nur ein Volk kennen, nur einem Führer ver­trauen, so kennen wir nur ein Reich, eine Autorität, eine Hoheit, eine Souveränität

und das ist die des Reiches. Der jetzige Reichstag hat daher die Aufgabe, diesen vom Führer ihm vorgezeichneten Weg zu gehen und mit feiner ganzen Kraft nur das zu vollenden, was der Führer in großartiger Konzeption uns übermitteln wird.

Wenn heute die Geschlossenheit des Volkes auch in der Einheit dieses Reichstages zum Ausdruck kommt, dann glaube ich, ist auch in uns wie in jedem letz­ten Bauern draußen, jedem letzten Arbeiter und jedem letzten Hitlerjungen das eine heiße glühende Gefühl für den Führer, dem wir "das danken, der uns nicht nur in den andert­halb Jahrzehnten deutscher Schmach nicht verzagen und nicht verzweifeln ließ, sondern der uns auch

in diesem Jahre deutschen Aufstiegs das Banner vorangetragen hat, uns auch hier nicht schwach werden ließ, uns auch hier immer wieder die großen Ziele zeigte. In überwallender, überströ­mender Dankbarkeit bekennen wir das auch heute dem Führer. Ein Volk hat er geschaffen, und das Volk wird in Zukunft ihm folgen, wohin er es führt, durch Tiefen zur Höhe, durch Schmerzen zum Glück. Das ist das Gelöbnis auch des heutigen Reichstages. Der Führer möge wissen: Nicht nur i eine Bewegung, nicht nur eine Gefolgschaft, nichts nur ein Reichstag, das ganze Volk jubelt ihm! heute in Dankbarkeit und Treue zu. (Starker Bei­fall.)

Abg. Dr. Frick: Ich beantrage, den Antrag Hitler, Dr. Frick und Genossen, betreffend den

Entwurf eines Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches

auf die heutige Tagesordnung zu fetzen.

Der Gesetzesantrag hat folgenden Wortlaut:

Die Volksabstimmung und die Reichslagswahl vom 12. November 1933 haben bewiesen, daß das deutsche Volk über alle innerpolitischen Grenzen und Gegensätze hinweg zu einer un­löslichen, inneren Einheit verschmolzen ist. Der Reichstag hat daher einstimmig das fol­gende Gesetz beschlossen, bas mit ein­mütiger Zustimmung des Reichs­rates hiermit verkündet wirb, nachdem fest- gestellt ist, baß die Erfordernisse versassung- änbernber Gesetzgebung erfüllt finb:

Artikel 1.

Die Volksvertretungen der Län­der werden aufgehoben.

Artikel 2.

(1) Die hoheitsrechte der Länder gehen aufdas Reich über.

(2) Die Landesregierungen unter­stehen der Reichsregierung.

Artikel 3.

Die Reichsstallhalter unterstehen der

Diensiauffichl des Reichsministers des Innern.

Artikel 4.

Die Reichsregierung kann neues Verfas­sung s r e ch 1 sehen.

Artikel 5.

Der Reichsminister des Innern erläßt die zur Durchführung des Gesetzes erforderlichen Rechls- verordnungen und Verwaltungsvorschriften.

Artikel 6.

Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündung In Kraft.

Reichstagspräsident Göring: Meine Herren Abgeordneten! Sie haben den Antrag gehört. Es ist der Antrag, der in seiner Geschlossenheit von den Ministern der Bewegung, von sämtlichen Führern der deutschen Lande freudigst unterschrieben ist. Widerspruch hat sich nicht erhoben. Ich werbe also nach ber Rebe bes Führers ben Antrag in brei Lesungen verabschieden, soweit sich kein Wiberspruch bagegen erhebt. Der Prci- sibent erteilt hierauf bem Führer unb Reichskanzler Abolf Hitler zur Abgabe ber Regierungserklä­rung bas Wort. Währenb sich ber Führer zum Rednerpult begibt, erheben sich alle Anwesenben unb begrüßen ihn mit stürmischen Heilrufen.

Oer Führer nimmt das Wort

Abgeordnete! Männer bes Deutschen Reichstages!

Wenn wir heute rückblickenb bas Jahr 1933 bas Jahr ber nationalsozialistischen Re­volution nennen, bann wirb bereinst eine objek­tive Beurteilung seiner Ereignisse unb Vorgänge biese Bezeichnung als gerechtfertigt in die Geschichte unseres Volkes übernehmen. Es wirb babei nicht als entscheidend angesehen werben b i e maß­volle Form, in ber sich biese Umwälzung äußerlich vollzog, als vielmehr bie innere Größe ber Wanblung, bie bieses eine Jahr bem beut- schen Volke auf allen Gebieten unb in allen Rich­tungen seines Lebens gebracht hat. In knappen zwölf Monaten würbe eine Welt von Auffassungen

unb Einrichtungen beseitigt unb eine anbere an ihre Stelle gesetzt. Was sich in bieser kurzen Spanne Zeit vor unser aller Augen vollzog, war noch am Vorabend bes benkwürbigen 30. Januar 1933 von ber sicher überroiegenben Mehrheit unseres Volkes unb insbesondre ben Trägern, Wortführern unb Repräsentanten bes früheren Zustanbes als phanta­stische Utopie angesehen unb bezeichnet worben.

Ein so wunderbares geschichtliches Ereignis wäre aber auch wirklich undenkbar, wenn es den Befehl zu feinem Geschehen nur dem Einfall irgendeines launischen Menschengeistes oder gar dem Spiel des Zufalls zu verdanken gehabt

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Reichskanzler Adolf Hitler nach dem Besuch beim Reichspräsidenten von Hindenburg, der ihn fast zur gleichen Stunde empfing, in der er ihm vor genau einem Jahre das Kanzleramt übertrug.

hätte. Nein. Die Voraussetzungen für diesen Vorgang haben sich aus der Entwicklung langer Jahre zwangsläufig gebildet und ergeben. Eine furchtbare Not schrie um Abhilfe, so, daß die Stunde nur des Willens harrte, der bereit war, den geschichtlichen Auftrag zu vollstrecken.

Nach diesen einleitenden Worten von besonderer Einprägsamkeit und geschichtlicher Größe schilderte der Kanzler die seit zehn Jahren bestehenden (Spannungen, bie bie ganze Welt erfüllten unb noch erfüllen. Währenb noch bie bürgerliche West von ber Wirtschaft als ber alleinigen Herrin unb Regentin aller Lebensvorgänge träumte, suchte ber im tiefsten bavon nicht mehr befriedigte Mensch nach einer besseren Hingebung seines Lebens und begann fo das Zeitalter höchster bürgerlicher Wohlfahrt und Behaglichkeit mit heftigsten weltanschaulichen Kämp­fen zu erfüllen. Es konnte nur eine Frage der Zeit fein, wann endlich die rücksichtslos vor­stoßende Lehre der marxistischen Gleichheitsidee die letzten bürgerlichen Bollwerke der Politik vor der Wirtschaft überrannt haben würde. Auch ohne den Weltkrieg wäre diese Entwicklung eingetreten. Er hat aber ohne Zweifel ben Ablauf ber Ereignisse wesentlich beschleunigt.

Die Berücksichtigung zweier Erscheinungen ist wichtig für das Verständnis der Vorgänge dieses Jahres in Deutschland:

1. Untergräbt der furchtbare Krieg die F e - stigkeit der Autorität der Füh­rung des damaligen Reiches und führt endlich zum Zusammenbruch nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Aktiver Träger dieser Entwicklung ist der Marxismus, passiv mitverantwortlich dafür die bürgerliche Demokratie.

2. Vernichtet das Diktat von Versail­les die Unabhängigkeit und die Freiheit des Reiches nach außen durch die Auflösung und Zerstörung jeder Widerstandskraft und Widerstandsfähigkeit. Das Ergebnis ist jene endlose Folge politischer und wirtschaftlicher Erpressungen.

Die Lage, die sich daraus ergab, schilderte der Reichskanzler im einzelnen. Jnnerpolitisch: Die zahlenmäßige und sachlich gegebene Schwäche bes neuen Regiments führte zu jener einzigartigen Derbinbung zwischen marxistischen Theoretikern unb kapitalistischen Praktikern, bie zwangsläufig in der Folge sowohl dem politischen als auch dem wirtschaft­lichen Leben die wesenseigenen Charakterzüge dieser selten korrupten Nonchalance aufprägen mußte, lieber bas Zentrum hinweg oerbinbet sich bie mehr ober weniger national verbrämte bürger­liche Demokratie mit bem unverhüllten mar- xi st i s ch e n Internationalismus und es folgen nun jene parlamentarischen Regierungen, die in immer kürzeren Zeiträumen einander äblösend das erstarrte wirtschaftliche und politische Kapital der Nation verkaufen und verprassen. 14 Jahre lang erleidet Deutschland einen Verfall, der geschicht­lich seinesgleichen sucht. Es setzt eine Umkehrung aller Begriffe ein. Der Held wird verachtet und der Feigling geehrt. Der Anständige hat nur noch topott zu erwarten, der Verkommene aber wird ge- priefen. Die geschichtliche Vergangenheit wirb ge»