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Nr. 228 Erstes Blatt

184. Jahrgang

5amstag/5omitag, 29./Z0. September 1954

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Deutscher Erntedanktag 1934

Der bäuerliche Mensch.

Es ist immer fruchtbar, eine entscheidende Zeit, wie wir Deutsche sie jetzt durchleben, mit ähnlich gelagerten in der Geschichte unseres Volkes zu ver­gleichen, weil die Ausgabe dann deutlicher wird, die dem Geschlecht der Gegenwart gestellt ist. Der Blick geht unwillkürlich auf das Jahr 960, also u m ein Jahrtausend zurück. Der deutsche König Otto der Große hat in gefahrvollen Kämpfen das Werk seines Vaters Heinrich vollendet er hat die selbstsüchtigen, widerspenstigen Herzöge niedergeworfen, er hat d i e deutschen Stämme geeint. Eine unerhörte Macht steht ihm zu Gebote. Die Madjaren sind am Lech end­gültig geschlagen, die bayerische Ostmark, das Land Oesterreich, ist wiederhergestellt, Markgraf Gero wehrt den Slawen. Die deutsche Volkskraft steht bereit, den Marsch nach Osten anzutreten und den einst leichtsinnig preisgegebenen Volksboden bis zur Memel und Weichsel, bis zur Leitha wiederzuge­winnen.

König Otto steht zu Magdeburg am mächtigen Elbstrom und ermißt seines Volkes Aufgabe im Osten. Ja, es hat eine Sendung zu er- füllen. Der Weltbaumeister hat ihm so viel schöpferische Kraft ins Blut gegeben. In den Deut­schen ist ein unhemmbarer Drang zu schaffen und zu bauen. Die unermeßliche, die schrankenlose und gestaltlose Weite der östlichen Ebenen, die den sla­wischen Menschen sich zerdehnen läßt, soll er mit seinen Baugedanken erfüllen, er soll das Formlose formen, auf daß es sich zu freudigen Chören in Gottes lichte Welt erhebe, ragend emporstrebe. Das ist uraltes Recht in der Völkerwelt: Ein Land gehört jenem, der ihm die höchste Kultur gibt. Und das deutsche Volk ist in diesen ottonischen Tagen fähig, höchste Kultur zu geben.

Der König wendet seinen Blick rückwärts, über die träumenden Lande hin, die sich bis an die Maas und die Schelde dehnen. Dort irgendwo ist der Sänger des Heliand durch die säch­sischen Gaue geritten und hat dann in stiller Zelle gesonnen, geschaut und sein heiliges Lied geformt. Die junge Roswitha betet eben im wunder­samem Bau der Stiftskirche von Gandersheim. Klänge find in ihr und Bilder; sie nimmt die Tat Shakespeares vorweg und die Goethes; aus alten, legendenhaften Stoffen formt sie geistliche Dramen voll unerhörter, kühner Bilder. Kunstreiche Schmiede hämmern im Land; bald wird Bischof Bern­ward die Bronzetüren zu Hildesheim gießen. Selbst der Jesuitenpater Stephan Beißel, sein Bio- graph, hat feststellen müssen, daß Bernward die hohe Kunst des Bronzegusses nicht aus Byzanz gewann, sondern wie man immer sagt, daß er viel­mehr aus altsächsischer Ueberlieferung schöpfte. In St Gallen hat der junge Klosterschüler Ekkehard das Waltharilied geschrieben, das voll leuchtender Plastik ist. Der Geist waltet trächtig über dem deutschen Land und ist bereit, noch weite Räume mit ebenso köstlichen wie tiefgründigen Werken anzufüllen.

Die Schicksalsfrage erhebt sich vor König Otto. In seine Hand ist es gegeben, diesem starken, jugend- frischen, vom Schöpferdrang erfüllten Volk d t e Räume zu erschließen, die ihm bestimmt sind und ihm damit das Kraftfeld für ein Jahr­tausend zu sichern. Man kennt das Nordlicht, das sich magisch am nächtlichen Himmel erhebt. So bricht vor des Königs Auge am hellen Tage ein Südlicht auf, schimmernd, verführerisch und es blendet ihn. Er greift nach der Krone der römi­schen Kaiser und tritt den Irrgang an, auf dem ihm zahllose Geschlechter folgen, die sich im Südland verbluten oder von seinen Fieberdunsten hingerafft werden. Otto hat die Schicksalsfrage falsch beantwortet und damit fein Volk um die ihm natürliche Ausgabe im Osten gebracht, es in Not, Wirren und endliche Ermattung gestoßen, aus denen es sich erst nach tausend Jahren erheben sollte.

Heut endlich stehen wir wieder, wo 960 Otto der Große stand. Eine Durchbruchsschlacht von un­erhörtem Ausmaß ist geschlagen. Die deutschen Stämme sind unter Ausschlachtung aller Hemmun­gen geeint, sie fügen sich freudig in freiem Willen zusammen, wie der Führer es will. Das frevle Wort, welches die Mainlinie aufreißen wollte, scheint uns unendlich fern, vom reißenden Strom des Geschehens fortgespült. Die Volkskraft, in tau­send unseligen Jahren nicht gebrochen, harrt des neuen Einsatzes. Und doch ist unsere Lage vollkom­men verschieden von der um 960. Es ist not­wendig, das zu erkennen, damit wir nicht nur Schlachten, sondern den ganzen großen Kampf um die deutsche Zukunft gewinnen. Ich ziele nicht dar­auf, daß uns die Wehr und die Freiheit fehlen, daß der deutsche Volksboden zerstückelt wurde, ganze Stämme vom Volkskörper losgerissen sind. Darin liegen tödliche Gefahren, und doch vertrauen wir daraus, daß Adolf Hitler und die mit ihm in der Regierung stehen, sie meistern werden. Mein Amt iift es, von einer andern, nicht so offen liegenden, iaber nicht minder tödlichen Gefahr zu sprechen. !Das ist die Entfremdung der Deutschen ,;d o n dem Mutterboden, aus dessen Obern itnir wurden und unsere Kraft empfingen. Otto der 'Große hatte noch ein bäuerliches Volk hin- iter sich, das in all seiner unversiegbaren Kraft dann Jahrhunderte politischer Irrwege überdauerte; Adolf Eitler muß sich auf ein verstädtertes Volk

mit allen Plötzlichkeiten und Unzuverlässigkeiten, die in solchem immer sind, stützen. Seinen Aeußerungen ist zu entnehmen, daß er die darin ruhende Gefahr erkennt. Er ruft nach dem Bauerntum, und das Steuer ist schon herumgeworfen.

Bauerntum ist eine innere Haltung. Das wußte man nicht mehr. Bis in das letzte Dorf hin­ein verstädterte der Bauer. Sein Teil wurde aber nicht die Kultur der Stadt, sondern ihre Zivilisation nicht das Drama und die Symphonie, sondern der Zirkus, die Operette, das Tingeltangel.

Wir sehen Adols Hitlers Größe darin, daß er im­mer zu den Gründen geht. Er weiß, daß die Land­wirtschaft gehoben werden muß; seine Regierung ist schon am Werk Aber er spricht vom Bauerntum und erkennt, daß Deutschland wieder den bäuer-

phonie deutschen Geistes. Schau den(Säemann* Hans Tomas an, und du wirst darum wissen. Der Bauer atmet aus der Tiefe, der Obern bet Scholle ist so stark in ihm, baß er eins mit i h r bleibt. Er weiß um ben Rhythmus ber Schöpfung unb lebt in ihm, bie Harmonie ber Sphären klingt um ihn, ber Blick hinter bie Dinge bleibt ihm be­wahrt. Darum verweilt sein Geist, er kommt meist einen Schritt barnach. Wo aber ber anbere längst nach neuen schillernben Farben springt, steht er noch fest unb trinkt bas große Leuchten in sich.

Die I u g e nb ist immer ben Ursprüngen nahe. Sie fühlte barum zuerst, baß bie Verstäbterung, bie um bie Jahrhundertwende bebrohlich würbe, sie ver­dorren müsse. Sie schuf sich ben Wanbervogel unb fanb in ihm zu ben Duellen ihres Wesens

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lichen Menschen braucht, bamit seine Volks­kraft bestehe. Es ist an uns, bie wir braufeen im Lanbe stehen, baß wir bazu unsere Kraft einsetzen. Aber es ist eine Verstänbigung mit ben Kulturträ­gern ber Stabt notroenbig. .

Die Stabt als Lebens- unb Kulturform wirb unb muß bleiben, nicht bas aufgeblasene Millionenunge­heuer, aber bie organisch gewachsene Klein- unb Großstabt In ihr gelangen Drama unb Symphonie zum Leben bilben sich bie Sammelpunkte von Kunst unb Wissenschaft. Durch bie angeschwollene Großstabt von heute aber hastet ber Asphaltmensch hin, der nicht mehr Wurzel schlägt; der Mensch mit dem flachen Atem der ge­schäftig und betriebsam ist, den das Interessante und die Sensation, das Flüchtige der Augenblick anspre­chen, nicht das Dauernde, Besinnliche, Tiefgründige das man erst erschürfen muß ber die Welt mit dem Auge des Autofahrers sieht mch nut dem des rastenden Fußgängers. Er hat me Zeit d n immer bedächtigen, um die Tiefen ringenden Bauern aruubören. Ehe er es will und weiß, liegt chm das Lächeln auf den Lippen. Dieser Verlockung -um Spott st der Städter schon früh in unserer Uttsq-schicht erlegen. So prächtig die Schwank- des tüchtigen Hans Sachs sonst smd die Ver- achtung des Bauern spricht sich unerträglich ,n ihnen aus Und doch braucht auch der Geistige tn ber Stabt den bäuerlichen Menschen, wenn er aus bem Atem ber Nation leben will.

Der Bauer baut nicht nur bas Korn unb futtert bie milchspenbende Kuh. er zeugt nicht nur b,e TtachSmmen, ohne die Deutschland ausfterbcn muhte, er trägt auch seine eigene Weise in die Poly-

zurück, die im bäuerlichen Lande sprudeln. Man mag heute über den Wandervogel die Achsel zucken, weil er nicht die große Drganifationsform fanb, er hat roieber ben Weg zu unveräußerbaren Werten deutschen Lebens gewiesen unb ist ein Aufbruch von geschichtlicher Bebeutung. Krieg, Umsturz unb ber burch sie ausgelöste Kampf Abolf Hitlers haben ber Jugenb vorbringliche Ausgaben gewiesen. Aber wenn wir jetzt bas beutsche Volk aus feinen tiefen Grünben neu bauen wollen, bann kann bie Jugenb ben Geist bes Wanbervogel als bas Zurückfin- ben zum Quell nicht entbehren. Es ist ursächlich bebingt, baß aus ihm ber neue Sieblungs- wille entstaub. Der Wanbervogel wäre eine Brücke, welche ber Stäbter immer zum bäuerlichen Menschen schlagen muß, bamit er nicht auf bem Asphalt oerborre. Dabei kommt es nicht auf Formen ber Organisation an, bie sich wanbeln bürfen, son­dern auf bie Verwirklichung bes Gebankens. Auch bie höchsten Kulturformen ber Stabt werben nur vom Atem ber Gottheit durchrauscht bleiben, wenn bie ftarfen Kräfte bäuerlichen Seins ihnen immer roieber Zuströmen.

Das Schicksal hat Abolf Hitler zum Baumeister bes britten Reiches bestellt. Ein ganzes Volk schaut in grenzenlosem Vertrauen auf ihn. Er tat als sei­nen Willen funb, baß ber beutsche Bauer roieber bie Grundlage völkischen L e - b e n s werbe, ber Bauer, nicht ber Lanbwirt. Das bauten wir Bauleute ihm. Gehen wir nun ans Werk, ben bäuerlichen Menschen zu schaffen! Es wirb tiefgreifenbe Umstellung erforbern bei allen, die für unser Volk verantwortlich sinb.

Wilhelm Kotzde-Kottenrodt, GDS.

Der Tag des Bauern.

Im kembeutscheu Gau bes Weserlaubes, auf bem Bückeberg, finbet zum zweiten Male bas Erntedank- fest bes beutschen Volkes statt. Huuberttauseube wer­den dorthin eilen, um selbst Zeuge des feierlichen Staatsaktes zu sein, die Millionen in Stadt und Land werden die Feier am Rundfunk miterleben. Ein ganzes Volk wird mitbeteiligt am Fest des deutschen Bauern, das an die erste Stelle den Dank setzt für das göttliche Walten, das fleißiger Arbeit den Segen der Ernte gegeben hat. In Gutshöfen und Bauerndörfern, in Siedlungen und Kleingärt- neroereinen, in Kirchen und auf den Dorsplätzen finden sich an einem Tage alle Volksgenossen zu­sammen: Bauern, Landarbeiter, Gutsherren, Hand­werker, Siedler, Frauen und Kinder. Ein gran­dioses Bild dankbarer durch Arbeit an der deut­schen Scholle verbundener Volksgemeinschaft. Und wenn dann auf dem Bückeberg vor Hunderttausen­den deutscher Bauern der Führer sprechen wird, werden diese deutschen Bauern in Treue und An­erkennung dem Führer danken, daß er sie, einen versinkenden Stand, wieder zur Scholle zurückführte, und ihrer Arbeit die gerechte Würdigung verlieh.

Die Ernte des Jahres 1934 ist nicht einheitlich günstig ausgefallen. Hitze und Dürre hat viel Schweiß gekostet und besonders auf den leichten Böden der Ostprovinzen erhebliche Ausfälle verur­sacht. Der Staat aber hat das ©einige getan, um Notständen abzuhelfen. Er hat darüber hinaus durch das System des geordneten Marktes und der Preis­regulierung dafür gesorgt, daß die mühevoll er­rungene Ernte nicht durch Preisschleuderei oder durch billige Auslands - Konkurrenz entwertet wurde. Reichsernährungsminister D a r r 6 hat Sicherheit und Ordnung der Preispolitik als die Voraussetzungen gekennzeichnet, die ein weiteres Absinken der Agrarwirtschaft und des Bauernstan­des verhindert haben und weiter verhindern sollen. Dafür, daß der deutsche Verbraucher für manche Erzeugnisse einen etwas höheren Preis zahlt, als es der Weltmarktpreis ist, bleibt dem Bauern ein ausreichender Ertrag seiner Arbeit, dafür aber stellt dieser bie Ernährungsgrunblage unse­res Volkes sicher unb wirb barüber hinaus ein kaufkräftiger Abnehmer gewerb­licher Erzeugnisse. Diese Sicherung bes bäuerlichen Betriebes, ber unabhängig werben soll von Schwankungen ber Konjunktur, erhält im gegenwärtigen Augenblick noch eine befonbere natio« nalwirtschaftliche Bebeutung, ba bie Devisenlage ber Reichsbank bazu gezwungen hat, jede f r e m b e Einfuhr auf bas knappste Maß zu beschränken.

Das Gesetz, das bie innere Bindung bes Bauern an bie Scholle ausspricht bas Erbhofgesetz spricht auch zum Stäbter: er sieht, baß bie Freiheit der Bauernarbeit nur durch strenge Hingabe einer ganzen Familie an den Hof gesichert wird. Mehr noch: Dies Gesetz lehrt jeden, dem die Unterordnung unter das Wohl ber Gemeinschaft kein leeres Wort ist, baß Schollenbesitz verpflichtet unb nicht unter wirtschaftlichen, sondern unter völkischen Gesichts­punkten steht.

Feiert also ber Bauer bas Fest bes Erntebankes, so begeht bas ganze Volk ben Tag ber Scholle, als ber Quelle beutscher Kraft unb Einigkeit. Die Er­haltung bes Volkstums, besten Wurzeln im Bauern- lanbe liegen, bie Wieberherstellung ehrwürbiger Sitten unb Brauchtümer, bie Besserung ber Be­ziehungen zwischen Stäblern unb Landbewohnern, bas unb vieles mehr gehört zu ben hohen ethischen Werten bes Erntebanktages. Deutschland ist eine Werkstatt ber Arbeit von vielseitiger Gestalt. Unsere hochentwickelte Jnbustrie ist in Einfuhr unb Aus­fuhr auf bie weite Welt angewiesen, unsere Han- delsschifse befahren bie Meere aller Zonen. In ber Entwicklung unserer Qualitätsarbeit liegt bie Ge­währ, baß wir uns trotz aller Wiberstänbe feinbselig gestimmter Auslanbskreise niemals vom Weltmarkt werben abbrängen lassen. Die ©runblagen unserer Leistungsfähigkeit aber liegen boch im eigenen B o b e n. Der Mann am Schraubstock unb seine Hausfrau in ihrer Küche sollen nicht gezwungen sein, frembes Brot unb auslänbisches Fleisch zu beziehen. Ihre Kinber müssen lernen, baß es jen­seits ber Städte gefunbe aber harte Bauernarbeit unb eine alte Bauernkultur gibt. Das Werk ber Sieblung soll Raum schaffen für neue Dörfer und Höfe. Der Städter aber mag lernen, daß es auch abseits der großen Verkehrsstraße stille landschaft­liche Schönheiten in allen deutschen Gauen gibt, die ihn zu Rast und Erholung einlaben. Ein so mit Lanbschast unb Volkstum Derbunbenes Geschlecht wirb stark unb ersinbungsreich genug werben, um bie Ergebnisse unb Produkte feiner Laboratorien unb Werkstätten weit hinaus in bie Welt zu tragen, beutsche Waren gegen frembe Rohstoffe zu tauschen unb in zäher Arbeit bie Schranken bes Mißtrauens zu überroinben, bie gegen Deutschlanb noch aufge­richtet sinb.

Stabt unb Land Hand in Hand, werden den Erntedanktag zum gemeinsamen Bekenntnis würdig gestalten! Und neu, hart und stählern wird sich der Kreis schließen, der ein Kreis der Kraft und des Lebens ist und der unseres Volkes Dasein auf immer begründet, der Kreis des neuen Ver­stehens und der neuen Gemeinschaft des ganzen Volkes. So erhärte sich aufs neue am Tag der Ernte der ewige Bund der Nation und begründe unseres Volkes Wurzel im Bauern, der unserer Erde treue­ster Sohn ist.