d-r s") zichnung „Gesetzlich geschützt" sowie der H -immim.-r der R. Z. M. gestempelt. Jeder ükriuu), da. Avzeichcn unter Umgehung der Reichsten- in ijterei bzw. der Dienststellen des Amtes für Loltswohlsahrt zu vertreiben, ist ein Betrug und stellt ein schweres Vergehen gegen unsere national« sozialistische Weltanschauung dar, weil hierdurch der NS.-Vvlkswohljahrt Mittel entzogen werden, die sür die Aufbauarbeit für das Wohl des gesamten Volkes bestimmt sind.
Das Amt für Dolkswohlfahrt bei der Obersten Leitung der PO. richtet an alle Dienststellen und die gesamte Bevölkerung das Ersuchen, die Angebote dieser Volksfeinde unbedingt zurückzuweisen und sofort der Kriminalpolizei Meldung zu erstatten.
Der Warenverkauf in Wirtschaften unv VerkaufSftanden nach Ladenschluß.
Die Hessische Polizeidirektion Gießen teilt folgendes mit:
Auf Grund gesetzlicher Vorschrift haben sämtliche Ladengeschäfte an Wochentagen um 19 Uhr (7 Uhr) zu schließen. Diese Regelung erstreckt sich auch auf die sog. Verkaufsstände. Für Gast« und Schankwirtschaften sowie auf konzefsionierte Trinkhallen findet diese Bestimmung ebenfalls Anwendung, sofern -es sich nicht um den Verkauf von Getränken handelt. Trinkhallen dürfen in der Zeit vom 1. April bis 30. Sept, jedes Jahres bis 22 Uhr (10 Uhr) offenhalten und Getränke verabreichen. Dadurch ist aber keinesfalls der uneingeschränkte Warenverkauf gestattet. Lediglich der Verkauf von Gegenständen, die gewohnheitsmäßig zur Befriedigung augenblicklicher Bedürfnisse in Wirtschaften gehören (Zucker« waren, Konfitüren, Rauch- und Tabakwaren, Zündhölzer, Ansichtskarten, Briefmarken, Blumen usw.) ist in kleinen Mengen an so l ch e Personen gestattet, die gerade Gäste sind und die verlangten Waren zum Zwecke alsbaldigen Verzehrs oder Verbrauchs erstehen. Die Abgabe größerer Warenmengen, die zum Mitnehmen bestimmt sind, sowie jeder Warenverkauf an Personen, die keine Gäste sind, ist also nach 19 Uhr in keiner Weise zulässig. Für Gast« und Schankwirtschaften findet die gleiche Regelung Anwendung, jedoch mit dem Unterschied, daß sie ihren Wirtschaftsbetrieb erst mit Eintritt der Polizeistunde schließen müssen.
Die Polizeibeamten sind angewiesen, für die Folge gegen Verstöße dieser Art mit aller Strenge vorzugehen. Es wird daher allen Inhabern solcher Geschäfte dringend empfohlen, den gesetzlichen Bestimmungen genauestens zu entsprechen.
Sonntagsrückfahrkarten zu besonderen Veranstaltungen.
lungsabend mit Dortrag von- Kreisschulungsleiter Pg. Michel. — NS.-Frauenschäft Gießen-Süd: 20.15 Uhr: Haus der Deutschen Arbeitsfront, Orts- aruppenabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Lied vom Glück". - VHC.: 20.30 Uhr, Monatsversammlung.
*♦ Die Nachsendung der Postsachen. Um die Nachsendung von Postsendungen, Zeitungen und Telegrammen sicherzustellen, gebe man feinen Angehörigen, Bekannten usw. und vor allem dem heimischen Zustellpostamt seine neue Anschrift an. Die Post gibt unentgeltlich amtliche Vordrucke hierzu durch die Zusteller und Schalterbeamten ab. Deutliche und bestimmte Angaben sind dringend erforderlich. Wer seine Postsendungen und Telegramme irgendwo auf der Durchreise erhalten will, lasse sie sich „postlagernd" oder „bahnpostlagernd" schicken. Die durch die Post bezogenen Zeitungen werden im
Inland gegen eine Ueberweisungsgebühr von 50 Pf. nachgesandt. Wegen der Gebühren im Auslandsverkehr erkundige man sich am Postschalter.
** Sonntagsrückfahrkarten zum Be- zirks turnfest in Friedberg. Die Reichsbahn gibt zu dem am kommenden Samstag und Sonntag in Friedberg stattfindenden Turner- und SchützenfestSonntagsrückfahrkarten von allen Bahnhöfen in 75 Kilometer Umkreis aus. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom 30. Juni 0 Uhr dis 2. Juli 24 Uhr, zur Rückfahrt vom 30. Juni 12 Uhr bis zum 3. Juli 12 Uhr.
** Die ärztlichen Honorare betrifft eine Bekanntmachung der Bezirksstelle Gießen der kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands in unserem heutigen Anzeigenteil. Es handelt sich dabei um eine Warnung vor der Aufstellung unrichtiger Behauptungen. Unsere Mitbürger in Stadt und Land seien auf die Anzeige besonders hingewiesen.
Die Svendenkarie für „Mutter und Kind".
Im Rahmen der Sammlung für das Hilfs« werk „Mutter und K i n d" wird außer den üblichen Sammlungsarten mit Büchsen und Listen eine Neuerung eingeführt. Die Reichsbahn wird ab 1. Juli auf allen Bahnhöfen an den Schaltern den Reisenden eine Karte anbieten, deren Verkauf bedürftigen Müttern und Kindern helfen soll, ihnen in den Ferien Landaufenthalt zu verschaffen. Die Spendenkarte ist ein weißer Zettel, der Kopf zeigt einen Ferienzug, die Beschriftung ist in blauer Farbe gehalten und lautet „S p e n d e n k a r t e für Mutter und Kind 10 Psenni g". Sie wird, wie schon erwähnt, an allen Schaltern der Reichsbahn als Zusatzkarte verkauft. Jeder Schalterbeamte ist angewiesen, dem Reisenden diese Karte anzubieten. Der Preis ist gering gehalten, so daß jeder Reisende diese Karte erwerben kann und muß. Sie müßte gekauft werden, so wie man etwa eine Zuschlagskarte für den v-Zug oder Eilzug löst, nur daß sie eben billiger ist.
Deutsche Volksgenossen! Es muß eine Selbstverständlichkeit für jeden sein, bei Antritt der Ferienreise die Spendenkarte für „Mutter und Kind' zu erstehen. Der Preis ist so gering, daß keiner von euch sich durch diese Ausgabe Einschränkungen auf« erlegen muß. 10 Pfennige entsprechen einer Zigarre oder weniger Zigaretten. Aber jeder Groschen hilft schon. Jeder deutsche Volksgenosse muß die Spendenkarte kaufen, damit deutsche Mütter und Kinder aufs Land verschickt werden können.
Ihr müßtet einmal dabei sein, wenn die Kinder auf dem Bahnsteig stehen mit blitzenden Augen, in Erwartung der künftigen Wunder, die ihnen die Reise offenbaren soll. Allein diese kindliche Freude würde genügen, um euch zu der Spende zu ver« anlassen. Diese Reise aufs Land wird aus der Erinnerung unserer Kinder nie verschwinden.
Tragt zu ihrer Freude bei und erwerbt Vie Spendenkarte!
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tun.Mutter und Kind
Die Medersehensseier der ehemaligen 116 er.
Die Reichsbahn gibt für die Fahrt zu dem am 30. Juni, am 1. und 2. Juli in Ober-Widders- heim stattfindenden Bezirks«Kriegersest von den Bahnhöfen der Strecken Friedberg—Nidda —Schotten, Friedberg—Laubach, Dillingen—Ruppertsburg und Gießen—Gelnhausen Sonntagsrückfahrkarten nach Ober«Widdersheim oder Häuserhof aus. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom 30. Juni 0 Uhr bis 1. Juli 24 Uhr, zur Rückfahrt vom 30. Juni 12 Uhr bis 2. Juli 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt); ferner zur Hinfahrt vom 2. Juli 0 Uhr bis 2. Juli 24 Uhr, zur Rückfahrt vom 2. Juli 12 Uhr bis 3. Juli 12 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt).
Auch zu dem am 9. Juli in Alsfeld stattfindenden Prämienmarkt werden Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben, und zwar u. a. von folgenden Bahnhöfen: Gießen, Großen-Buseck, Grünberg, Mücke, Nieder-Ohmen, Burg« und Niedergemünden, Wallenrod, Lauterbach-Nord, Laubach, Gedern, Schwarz, Zell-Romrod usw. Die Karten gelten zur Hin- und Rückfahrt vom 8. Juli 0 Uhr bis 9. Juli 24 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt).
BornoNzcn
— Tageskalender für Freitag. Kreisleitung der NSDAP.: 19 Uhr, Hotel Hopfeld, Schu-
Wie wir bereits kurz berichteten, ist der 116er- Tag um acht Tage vorverlegt worden. Er findet jetzt bestimmt am 21./22. Juli 1934 statt. Die Vor« arbeiten für diese Wiedersehensfeier sind im vollen Gange. Der an alle Kameraden des Gießener Regiments und seiner Kriegsformationen ergangene Ruf hat nicht nur im näheren Kreise, sondern auch in fast ganz Deutschland lebhaften Widerhall gefunden. Sogar aus dem Ausland liegen Meldungen vor.
Nach den bis jetzt vorliegenden Anfragen und Meldungen zu urteilen, dürfte Gießen woht den bis jetzt größten Kameradschafts-Appell der Nachkriegszeit erleben.
Erfreulich ist, daß nicht nur die Kameraden des aktiven Regiments in großer Zahl erscheinen werden, sondern auch viele Angehörige seiner Kriegsformationen (R. 116, L. 116, R. 222, R. 254, JR. 186, JR. 390 und JR. 418 sowie die Ersatz-Bataillone) nach Gießen kommen.
Wie erwähnt, sind die Vorarbeiten zur wür-
digen Ausgestaltung des Festes in vollem Gange. Das vorgesehene Programm sowie der Festzug werden den in der alten Garnisonstadt Gießen weilenden Kameraden weihevolle Stunden ynb unvergeßliches Erlebnis vermitteln.
In der am Mittwoch voriger Woche siattgefunde« nen Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses, an dem Vertreter sämtlicher anderer Ausschüsse teil» nahmen, wurde über die bis jetzt geleisteten Arbeiten Bericht erstattet. Der Vorsitzende des Presse- Ausschusses erstattete Bericht über die bis jetzt von diesem Ausschuß geleisteten umfangreichen Arbeiten. Durch Presse, Rundfunk und Plakatanschlag ist dafür Sorge getragen, daß der Wiedersehenstag in allen Gauen Deutschlands bekannt wird. Der Versand der Plakate nach auß ialb ist inzwischen be- endet. Auch über die Arbeiter des Zug- und Ord- nungs-Ausschusses wurde ebenfalls Auskunft ge» geben. Sämtliche Formationen Gießens (SA., SS. usw.), die Militärvereine, die Turn- und Sportvereine usw. sind aufgefordert, am Festzug teilzunehmen. Es liegt bereits eine große Anzahl Zu-
Oer Arbeitsdienst vor dem Mreirrmck»
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Arn Tage von Versailles legten die Angehörigen der Potsdamer Reichsschule des Arbeitsdienstes einem Kranz am Ehrenmal in der Reichshauptstadt nieder. Während eine Abordnung sich in das Innere der Weiheftätte begab, erwiesen ihre davor aufmarschierten Kameraden die Ehrenbezeugung durch Präsen- Heren des Spatens.
sagen vor. Da in dem Festzug historische Gruppen sowie originelle Festwagen eingereiht werden, dürfte der Festzug der ehemaligen 116er ein Ereignis für Gießen werden. Der Bau- und Ausschmückungs-Ausschuß hat bereits alles unternommen, um dem Wiedersehenstag auch äußerlich ein stimmungsvolles festliches Bild zu geben. Dem Musik» und Vergnügungs-Ausschuß ist es gelungen, eine Reihe namhafter bekannter Musikkapellen zu verpflichten (u. a. die beiden SA.-Musikzüge, zwei Reichswehrkapellen usw.) Auch der Empfangs-Ausschuß ist bis jetzt nicht müßig geblieben;
den von auswärts kommenden Kameraden wird ein würdiger Empfang am Bahnhof bereitet.
Wegen der Einlegung von Sonderzügen wird zur Zeit mit der Reichsbahn verhandelt.
Das Programm liegt in feinen großen Zügen fest. Samstag, 21. Juli, 17^0 Uhr, Abholen der alten Regimentsfahnen durch die Traditionskompanie. 18 Uhr Feldgottesdienst und Gefallenen- Ehrung am 116er-Denkmal. 20 Uhr in der Festhalle am Trieb „Deutscher Abend", Konzert, Gesang und sonstige Aufführungen unter Mitwirkung der Traditionskompanie. In den Festwirtschaften (Lie» bigÄ;öhe und Schützenhaus) Konzert. Sonntag, 2 2. Juli, 10 Uhr, General-Appell auf dem Trieb, anschließend in den Festwirtschaften Wiedersehensfeier und Mittagessen. 13 Uhr Festzug durch die Stadt zur Festhalle auf dem Trieb, Festansprache des Derbandsführers Oberst a. D. Koe11schau. Anschließend in der Festhalle und in den Festwirtschaften Konzert usw.
Nachdruck verboten!
17 Fortsetzung.
„Wie ich mich erschreckt habe!" flüsterte sie. Immer noch zitterte sie, wenn dieser Mann nur in ihre Nähe kam. „Ich glaubte, Sie kämen erst morgen früh."
„Ich habe es mir anders überlegt." Siemen zog sich einen Stuhl heran. „Ich wollte einmal sehen, wie sich die Kleine als Balldame macht. Wo ist sie denn?"
Er blickte sich suchend im Saale um.
„Sie tanzt gerade mit einem neuen Verehrer", lächelte Celia.
„Es ist aber keiner dieser Verehrer eine Gefahr? Sie haben mir doch aufgepaßt, Celia!" fragte Liewen, und eine Drohung stand in seinen Augen.
Erschauernd nickte Celia. Wenn er sie so ansah, kam wieder die gleiche Lähmung über sie, die sie vor Jahren überkommen, als sie ihn zuerst gesehen hatte.
Ein zynisches Lächeln entstellte Siemens Gesicht. Er fühlte mohl, mas in Celia vorging — und ob» mohl er längst jegliches Interesse für diese Frau verloren, die er ins Unglück gestürzt hatte, bereiteten ihm die Furcht und die heimliche Siebe zu ihm dennoch einen kleinen Triumph.
„Ich merde mich einmal nach meiner kleinen Schutzbefohlenen umschauen." Er schob seinen Stuhl zurück. „Sagen Sie vorderhand noch nicht, daß ich hier bin, ich möchte Edele einmal beobachten, ohne daß sie befangen mird durch meine Anmesenheit."
Er ging. Bald mar auch seine hohe Gestalt untergetaucht in dem Gemirr von Bemegungen und Farben des eleganten Ballsaales.
as mein einst war...
Roman von Klothilde von Stegmann.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme »Verlag Halle (S.)
In dem grünen Dämmer des feuchtmarmen Wintergartens saß Edele in einem tiefen Korbsessel. Sorglich hatte Malte ihr ein weiches Kissen in den Rücken gelegt, ihre Füßchen auf eine kleine Fußbank gehoben.
„Als ob mir auf Smanebloe Schlitten führen, so vermöhnst du mich!" lächelte Edele.
„Immer möchte ich dich vermöhnen, kleine, liebe Edele!" gab Malte heiß zur Antwort, und seine grauen Augen senkten sich tief in die goldbraunen Sterne. „Aber nun mußt du mir erzählen — alles, alles, von dem Tage an, da wir uns nicht mehr gesehen haben!"
Edele stützte den blonden Kopf in die Hände — und vor sich hinschauend, erzählte sie dem Jugendfreund alles, was sich seit ihrer Trennung abgespielt hatte.
„Mir selbst ist alles mitunter so rätselhaft!" sagte sie. „Erst die plötzliche Abreise von Swanebloe, ohne daß ich auch nur einem einzigen Menschen Bebe» wohl sagen konnte. Dann die furchtbar strenge Erziehung bei Miß Grab. Dort war es mehr ein Zuchthaus als ein Heim für junge Mädchen. Und dann wieder von einem Tage zum anderen diese Veränderung, dieses Leben hier — was wird da» hinter kommen?"
„Also — wo sprechen wir uns, Edele?"
Sie überlegte:
„Ich muh jetzt hinunter — Mademoiselle Celia wird schon warten. Komme nach einer Weile herunter, fordere mich zum Tanz auf — einmal, zweimal. Beim zweiten Male tanzen wir nicht, sondern gehen in den kleinen Wintergarten hinter dem Tanzsaal, der am Abend immer ganz leer ist. Dort können wir ungestört reden. Soll ich Mademoiselle Celia von dem Wiedersehen mit dir erzählen? Sie wird sich freuen."
„Tu das nicht, Edele!" bat Malte. „Ich bin sonst nicht für Heimlichkeiten; aber ich habe meine bestimmten Gründe, warum ich zunächst noch nicht als dein Jugendfreund auftreten möchte. Wir müssen tun, als hätten wir uns heute abend erstmals gesehen. Hast du verstanden?
Sein Ton war so eindringlich und ernst, daß Edele nur stumm nickte. Da ergriff er ihre Hand und preßte einen heißen Kuh darauf.
„Geliebte Edele!" flüsterte er — und ging mit schnellen Schritten hinab, denn man hörte Schritte im Treppenhause.
Edele stand ganz still da und sah auf ihre Hand, die der Jugendfreund zum ersten Male geküßt hatte — ein banges lAib doch süßes Gefühl, das pe bis- ytr nie gekannt hatte, schauerte durch sie hin.
Die Kapelle in dem großen, lickterglänzenden Saale des Hotels spielte unermüdlich. Jetzt intonierte sie die schmachtenden Klänge eines neuen Tango- schlaaers. Edele, die bisher keinen einzigen Tanz gesessen hatte, fächelte sich mit einem großen, lichtblauen Straußenfederfächer das erhitzte Gesicht.
„Sie werden sich nicht lange ausruhen können, Kind! lachte Celia, die in einem schwarzen Spitzenkleid, mit einem Strauß von Marechal-Nil-Rosen am Ausschnitt, sehr elegant aussah. „Dort kommt schon wieder ein Tänzer, den ich übrigens hier noch nie gesehen habe."
Und sie prüfte durch die goldene Lorgnette den eleganten, großgewachsenen jungen Mann in dem tadellos sitzenden Frack, der sich jetzt mit höflicher Verbeugung den beiden Damen näherte. Keine Miene in seinem stolz geschnittenen Gesicht zeigte, daß er Edele je zuvor gesehen hatte. Edeles Gesicht glühte noch tiefer, und sie hielt den Kopf gesenkt, als sie jetzt ihrem Tänzer folgte. Bald waren die beiden in dem Gewühl des Ballsaales verschwunden.
Da sind Sie ja!" klang eine falte, herrische Männerstimme hinter Celia. Sie fuhr zusammen und sich umwendend, sah sie in das Gesicht Siemens.
Maltet 'Gesicht war immer ernster geworden. Als Edele geendet hatte, sagte er:
„Was dahinter kommen wird, weiß ich nicht, Edele! Aber ich muß es ergründen. Sollte irgend eine Gefahr fein, so werde ich bereit fein, dich zu schützen, Edele, denn ich liebe dich, liebe dich mehr als alles in der Welt!"
Sie schloß die Augen in jäher Verwirrung; da beugte er sich vor, und seine Lippen legten sich heiß und innig auf die ihren.
„Edele", flüsterte er zwischen zwei Küssen, die sie willenlos wie in einer süßen Betäubung hinnahm, „ich werde dich schützen, ich werde dich .behüten, was immer auch sein möge!"
Vierzehntes Kapitel.
„Das wird nicht nötig sein!" klang eine kalte Stimme hinter ihnen. Sie fuhren auf — vor ihnen stand die hohe Gestalt Siemens mit feinem schönen, verwegenen Raubvvgelgesicht.
Ein Laut des Schreckens war Edeles Mund entflohen, als sie Liewen erkannte.
Aber Malte stellte sich aufgereckt vor sie hin:
„Also Sie sind es, Sie stecken dahinter!" sagte er zornbebend. „Nun löst sich das Rätsel. Geben Sie mir Rechenschaft — was hat das alles zu bedeuten? Was haben Sie mit Edele vor? Geben Sie mir Rechenschaft!"
Liewen sah mit einem mitleidig - höhnischen Lächeln in das erregte Gesicht des jungen Mannes:
„Ihnen Rechenschaft? Welche Befugnis haben Sie, junger Mann, diese Forderung an mich zu stellen? Mit welchem Recht?"
Da flammte in Malte Zorn auf:
„Mit dem Recht meiner Jugendfreundschaft zu Edele, mit dem Recht meiner Liebe zu ihr."
Liewen kniff wie amüsiert die Augen zusammen: „Oh, über diese flammenden Gefühle der Jugend!" spottete er. „Ich habe Sie zuerst gar nicht erkannt, mein Herr! Nun weiß ich: Sie sind jener kleiner Junge, der mir damals schon in dem Spielzeugladen am liebsten an die Kehle gesprungen wäre. Ruhiger scheinen Sie nicht geworden zu sein. Das Recht der Liebe — ich glaube mein Bester, das Recht steht auf ziemlich schwachen Füßen. Wenn Sie Edele lieben, nehme ich an, daß Sie sie heiraten möchten." Finster nickte Malte, indessen Edele mit angstvollen Augen dem Vorgang folgte. „Können Sie denn schon eine Frau ernähren?" fragte Liewen höhnisch. „Sie sehen mir aus, als müßten Sie noch viel lernen, mein Herr!"
„Edele wird ein paar Jahre warten müssen", gab Malte zur Antwort. „Mein Jngenieurexamen steht vor der Tür, dann kann ich —"
„Dann können Sie ihr ein Hungerleiderleben bieten, junger Mann? Glauben Sie denn, daß das für ein Mädchen wie Edele das Richtige ist? Aber das alles sind zwecklose Erörterungen. Sie sprechen von dem Recht der Jugendfreunoschaft und dem Recht der Liebe. Nun — ich habe bessere Rechte:
die Vollmacht von Edeles verstorbenem Vater, für sie zu sorgen und über sie zu bestimmen. Da sie noch nicht volljährig ist, werde ich meine Einwilligung nicht erteilen. Und damit ist wohl alles Nötige gesagt, mein Herr!"
Mit geballten Fäusten stellte sich Malte dich vor Liewen hin:
„Damit ist noch nicht alles gesagt. Edele wird, wenn sie mich lieb hat, warten — nicht wahr, Edele?"
Mit einem flehenden Blick sah er das angsterstarrte Mädchen an.
Aber Siemens Stimme schnitt wie €in Messer dazwischen:
„Sie sollten das nicht so sicher glauben, junger Mann! Fragen Sie, bitte, Edele, ob sie warten will, wenn sie weiß, daß sie wieder in die Obhut von Miß Crab zurückkehren wird —"
Ein schriller Schrei kam von Edeles erblaßten Sippen:
„Nicht dorthin, nicht wieder dorthin!" flüsterte sie.
Triumphierend sah Siewen den bleich gewordenen jungen Mann an:
„Da haben Sie Edeles Antwort."
Ein unartikulierter Saut brach aus Maltes Munde:
„Ich werde Sie anzeigen, Herr! Sie haben etwas mit Edele vor — Sie..."
Da richtete sich Liewen zu seiner vollen Höhe auf:
„Bitte, zeigen Sie es den Gerichten an!" gab er falt zur Antwort. „Sie sind, so viel ich weiß, Deutscher, Edele ist Norwegerin. Sie haben keinerlei Mandat, für eine norwegische Staatsangehörige die deutschen Gerichte annzurusen gegen einen Vormund, der immer seine Pflichten erfüllt hat. Alle Rechte sind auf meiner Seite, mein Herr! Und ich rate Ihnen, wenn Sie sich große Unannehmlichkeiten ersparen wollen, mein Mündel in Ruhe zu lassen. Kommen Sie, Edele!"
Er reichte ihr seinen Arm — und sein Blick war so herrisch, sein Ton so drohend, daß das Mädchen wie unter einem Bann sich erhob und wankend an seinem Arme den Raum verließ.
Mit irren Augen starrte Malte der zarten, weißen Gestalt nach, die ihm entschwand, wie sie ihm unerwartet genaht war.
Dann warf er den Kopf zurück. Trotz der Drohungen dieses Mannes würde er nicht ruhen, bis sich die Polizei mit diesem rätselhaften Falle befaßt hatte. Er würde nicht ruhen, bis er Edele aus den Händen dieses Mannes befreit hatte. Er sah auf die Uhr — es war Mitternacht. Am Morgen würde er sofort zur Polizei gehen und den Fall vortragen. Vielleicht war auch ein norwegischer Konsul hier am Orte, dem er die Angelegenheit unterbreiten konnte.
(Fortsetzung folgt.)


