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trte Gastfreundschaft genießen, ste in eine Lage | hineinbringen, die der Wirtschaft des Gastlandes schwerst-n Schaden zufügen kann. Wir, das uationalsozialistische Deutschland, hatten die Ab­sicht und haben sie immer wieder betont, einen regen Güteraustausch mit anderen Völkern zu pflegen, nicht zuletzt, weil dies ein Weg ist zum gegenseitigen Verständnis und damit zum Frieden. Wir wollen durchaus nicht eine Autarkie anstreben. Ein er­folgreicher Boykott jedoch würde uns zwingen, alles zu tun, um uns soweit als mög­lich vom Auslande unabhängig zu machen. Was bliebe uns denn anderes übrig, wenn das Ausland uns die Möglichkeit nähme, die Mittel zu beschaffen, um draußen einzu- kaufen, und das dürfte das Ausland wissen: Denn wir wirklich uns entschließen, uns vom Ausland unabhängig zu machen, dann tun wir es mit der Entschlossenheit, die Deutschland von jeher auszeichnet, wenn es sich luden Grundlagen seiner Existenz bedroht fühlt. Daß diese Entschlossenheit unter Führung eines Adolf Hitler nicht gerade geringer geworden ist, dürfte der Welt auch bekannt sein. Ebensowenig wird man drau­ßen annehmen, die Erfindungsgabe unserer Ge­lehrten und die Leistungsfähigkeit unserer In­dustrie auf dem Gebiet der Erfahstoffbe- s ch a f f u n g sei heute geringer als einst. Das Gegenteil ist der Fall, und die Welt kann sich auf lleberraschungen in dieser Hin­sicht gefaßt machen, wenn der Boykott wei­terhin anhält. Das deutsche Volk von heute ist auch fäh'ig, so lange, bis diese Ersatz­stoffe vorhanden find, den Verbrauch dieser oder jener ausländischen Produkte einzuschränken. Auf die Dauer wird der Tlachleil für das deutsche Volk geringer, als für eine große Zahl fremder Staaten, die wesentlich auf den Absatz von Roh st offen nach Deutschland angewiesen sind. Und ich be­tone nochmals: Wir wünschen die damit verbundene Verschärfung der wirt­schaftlichen Weltkrise nicht, so wenig wie das Elend und den hunger, der in den betroffenen Staaten Hand In Hand geht und den Boden bereitet zu einer Votschewisierung. Aber noch weniger ist das deutsche Volk gewillt, die Boykottmaßnah­men des Auslandes ohne Gegen­wehr hinzunehmen und sich etwa den Verzicht darauf abpressen zu lassen, sich sein eigenes Haus so einzurichten, wie es 95 Prozent des deutschen Volkes wünschen und für notwendig halten.

Wie das deutsche Volk sich sein Haus eingerichtet Hal oder einzurichten im Begriffe ist, das mögen Sie anläßlich Ihres Hierseins in Augenschein neh- men. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie so­weit als möglich in das übrige Reich hinausgingen und sich davon überzeugten, daß in ganz Deutschland, gleichgültig, ob in Nord oder Süd oder West, neues Leben blüht, der Wille zum Aufbau in allen Schichten des Volkes wirbt.

Sie sehen keine Arbeitslosen mehr die Städte und Landstraßen bevölkern. Im ganzen Reich sind überall neue Arbeitskräfte am Werke. Sehen Sie sich die für die ganze Welt vorbildlichen Arbeitsdienstlager an. Besichtigen Sie die gewal­tigen Arbeiten an den Autostraßen im ganzen Lande, oder die Landgewinnungsarbeiten an der Küste. Reden Sie selbst mit dem Volke draußen, damit Sie sehen, daß ein neuer Geist alle Deutschen erfüllt, daß eine Wandlung sich zutiefst in unserem Volke vollzogen hat. Dann gehen Sie hinaus, um

der Lüge und Verleumdung im Auslande die Wahrheit entgegenzustellen.

Sagen Sie den Feinden und Freunden des neuen Deutschland, den einen, daß sie keine Schadenfreude, den anderen, daß sie keine Sorge zu haben brau­chen. Wo Schwierigkeiten sich ergeben, werden sie gemeistert. Adolf Hitler und seine Mitkämpfer sind in den langen Jahren bis zur Machtergreifung geschult worden vom Schick­sal, wie man der Schwierigkeiten Herr wird. Sie können draußen berichten:

Das Deutschland Adolf Hitlers steht unerschütterlich.

Reichsminister Rudolf Heß schloß mit einem begeistert aufgenommenen Sieg-Heil auf den Füh­rer And die Bewegung.

Oer englische Kriegsminister in Paris.

Der Generalstabschef und hohe Offiziere in seiner Begleitung.

Paris, 28. Juni. (DNB.) Der englische Kriegsmini st er hailsham ist in Begleitung des General st abschefs General Sir Archibald Montgomery-Masfingberg und von 41 englischen hohen Offizieren in Paris eingetroffen. Die englischen Offiziere werden am Freitag die Schlachtfelder an der Aisne besichtigen.

Neue Männer

in der polnischen Negierung.

Warschau, 28. Juni. (DNB.) Zum polni­schen Innenminister ist der kommissarische Präsident von Warschau und frühere Wojwode von Bialystock Koscialkowski ernannt wor­den. Zum Landwirt.schaftsminister wurde der Kurator des Lyzeums von Krzemieniec P o - niatowski bestellt. Die Unterstaatssekretäre Wolanowski im Innenministerium, K a s i n - f k i und K a r w a ck i im Landwirtschaftsministe­rium und I a st r z e l s k i im Finanzministerium sind zurückaetreten. Zum Unterstaatssekretär im Finanzministerium wurde Werner ernannt.

Oie Elearing-Dorlage erhält Gesetzeskraft.

London, 28. Juni. (DNB.) Im Unterhaus wurde die Clearing-Vorlage mit der Ab­änderung des Oberhauses am Donnerstagabend angenommen. Nachdem der Gesetzesvorschlag die königliche Zustimmung erhalten hatte, wurde er Gesetz.

Oie Wehrmacht im Oritten Reich.

Reichswehrminister von Blomberg über die Aufgabe der Reichswehr.

Berlin, 29. Juni. (DNB.) ImVölkischen Be­obachter" schreibt Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg überDie Wehrmacht im Dritten Reich" u. a.: Die deutsche Wehrmacht steht heute wieder auf einem festen Boden, seid ihr der Umbruch des 3 0. Januar 19 3 3 die Grundlagen zurückgab, ohne die ein Heer auf die Dauer nicht bestehen kann:

die straffe, zielbewuhle Staatsführung und die enge, vertrauensvolle Verbundenheit mit dem Volk, dessen Bestand der Soldat zu schützen berufen ist.

Mit jedem Tag, der die Bahn freimachte für eine neue Epoche deutscher Geschichte und der das deutsche Volk zu einer Schicksalsgemein­schaft zusammenschmiedete, fielen auch die äußeren Schranken, die ein verfehltes System um den Sol- taten errichtet hatte. Die Wehrmacht ging auf im Staat der deutschen Wieder- aeburt, im Reiche Adolf Hitlers. Die Befreiungstat Adolf Hitlers, des vom Herrn Reichs­präsidenten an die Spitze des Staates berufenen Führers, hat dem Soldaten wieder das stolze Recht gegeben, der Waffenträger einer im nationalsozialistischen Geiste wie- geborenen Nation zu sein. Damit sind die Zeiten endgültig vorüber, in denenInteressenten" verschiedener Lager sich in Orakeln über dieSphinx Reicyswehr" ergeben können.

Die Rolle der Wehrmacht ist eindeutig und klar. Sie dient diesem Staat, den sie aus inner­ster Ueberzeugung bejaht, und sie steht zu die­ser Führung, die ihr das vornehmste Recht wiedergab, nicht nur Träger der Waffe, son­dern auch der von Staat und Volk anerkannte Träger eines unbegrenzten Vertrauens zu fein.

WennAuslandsstimmen" heute aus durchsichtigen Gründen gelegentlich wieder die alten Register ziehen, so beweisen sie damit nur, daß sie nichts von der grundlegenden Wandlung begriffen haben, die in Deutschland von heute vor sich gegangen ist.

Wenn sich einst die Wehrmacht von den Kreisen absetzte, die Schwäche und Selbstauf- g a b e zur Staatsmaxime erhoben hatten, so war das eine selbstverständliche Haltung, die ihrer Wesensart entsprang. Heute durchdringt s o l d a - tische Auffassung das ganze deutsche Volk und seine Führung.

Wehrmacht und Staat sind eins gewor­den. Wenn für den Soldaten einst die Gefahr be­stand, für innerpvlitische Machtzwecke ausgespielt und dabei verbraucht zu werden im Dienst von Zielen, die außerhalb seiner Zukunftsaufgaben lagen, so hatte ein Abseitsbleiben für ihn seine innere Berechtigung. Der Wehrmacht genügte es, sich als brauchbares Instrument für die Zukunft aufzusparen. Dazu war die Ueberparteilichkeit das notwendige Mittel. Heute aber sind diese Voraus­setzungen, die Symptome einer kranken Zeit, weggefallen.

heute steht der Soldat bewußt mitten im poli­tischen Leben des zur Einigkeit zusarnrnen- geschweihten Volkes. 3n klarer Abgrenzung der Aufgaben hat der Führer der Wehrmacht ihren Anteil am Aufbau des neuen Deutschland zugewiesen. Der Soldatendienst ist wieder Ehrendienst am deutschen Volk geworden. 3n der Wehrmacht wirken die zur Waffe Berufenen zusammen als Träger eines disziplinierten Willens, erfüllt von einer 3dee.

Die Kampfgemeinschaft der Schützen­gräben des Weltkrieges, die Adolf Hitler zur Grundlage der neuen Volksgemein­schaft machte, wurde zum Ausgangspunkt der großen Tradition, .die die Wehrmacht als Erbe der alten Armee angetreten hat. Wir können uns unserer ruhmreichen Geschichte und der gefalle­nen Helden nicht würdiger erweisen als durch

Weiterarbeit an dem Werk, für das sie ihr Blut Hingaben, im gleichen Geiste, gleicher Treue und Opferbereitschaft. Tradition besteht nicht in Wiederholung oder einem Rückwärtsdrehen der Geschichte, sondern im Gegenteil in einer bewußt oorwärtsschreitenden Fortführung des begonnenen Werkes über das Er­reichte hinaus mit den frischen Kräften und den Gegebenheiten der lebendigen Gegenwart, in deren Dienst wir stehen. Sie wird Tradition zur st arten Bejahung des nach Gestaltung drän­genden Lebens um uns herum und zur Brücke in eine hellere Zukunft unseres Volkes.

Wir sind berufen, an entscheidender Stelle mit­zuarbeiten am großen Werk der deutschen

Zukunft, nicht als Träger eines Angriffswillens, der andere Staaten bedroht, sondern als Schützer eines Volkes, das fein Schicksal in die eigene Hand genommen hat und nichts anderes will, als freier Herr fein im eigenen Haufe.

In enger Verbundenheit mit dem ganzen Volke steht die Wehrmacht, die mit Stolz das Zeichen der deutschen Wiedergeburt am Stahlhelm und Uniform trägt, in Manneszucht und Treue hinter der Führung des Staates, dem Feldmarschall des großen Krieges, Reichspräsident von Hindenburg, ihrem Oberbefehlshaber, und dem Führer des Reiches, Adolf Hitler, der einst aus unseren Reihen kam und stets einer der Unseren bleiben wird.

Feststellungen der obersten SA.-Führung.

Berlin, 28. Juni. (DNB.) Das Presseamt der Obersten SA.-Führung teilt mit:

Die Notwendigkeit, die Wahrheit über die Blut- tat von Ouetzin und deren Hintergründe amt­lich zu bringen, zwingt nunmehr dazu, amtlich erhärtete Tatsachen festzustellen.

Die Erhebungen der pommerschen Staats­polizeistellen und der Staatsanwalt­schaft haben folgendes ergeben:

Der NSDFB.-Mann Kummerow, der die schon gemeldete Bluttat an dem SA.-Sturmführer Moltzahn verübte, hat bereits vor ihrer Be­gehung gegen die SA. und ihren örtlichen Führer Sturmführer Moltzahn gewühlt und gehetzt. Er machte bei der besagten Sonnwendfeier während der Feierrede des Sturmführers Moltzahn Bemer­kungen zu anderen Personen und störte dadurch die feierliche Handlung. Von Moltzahn hinterher zur Rede gestellt, äußerte er:Schlechter als du und deine SA. ist keiner!" Dabei versuchte er mit sei­nem Eichenstock zu schlagen, Moltzahn lediglich, ihm denselben zu entwinden.

Es ist also nicht wahr, daß die Tat einen per­sönlichen Anlaß hatte. Wahr ist nach den obi­gen Feststellungen vielmehr, daß er politisch war.

Dann entriß Kummerow den SA-Dvlch seinem Träger Moltzahn und stach auf ihn ein. Moltzahn wurde schwer verletzt. So wahr wie diese Tatsache ist ferner Kummerows zynischer Ausruf nach Be­

gehung seiner Untat:Hätte ich dir doch einen durch Die Kaldaune gegebenI"

Endlich und hauptsächlich ist es nicht wahr, daß sich der NSDFB. vor der Tat im allgemeinen so wie ein Teil der nationalsozialistischen Bewegung, besonders aber in Pommern, verhalten hatte, wahr ist vielmehr, daß er den aus der SA. ausgeschlosse­nen, von der Staatspolizei drei Wochen lang in­haftierten und dann freigelassenen R o h l e d e r so­fort als Führer in Pommern einsetzte. Die Fest- stellunaen der Staatsbehörden beweisen, daß erst da­durch die verführten Angehörigen des Bundes und unter ihnen der Täter Kummerow den Austriell erhielten, der das Verbrechen von Quetzin möglich machte.

Der Versuch, die Hintergründe der Untat in Widerspruch zu den amtlich festgestellten Tatsachen, die sie als politisch ausweisen, in solche persönlicher Art umzufälschen, bedeutet nichts anderes als die Flucht vor der politischen Wirkung einer politischen Ursache.

Dieser Versuch ist nur ein Glied in der Reihe der Verfehlungen gegen diejenigen Verpflichtungen, welche der NSDFB. bei seiner Gründuna über­nommen hatte.

Die politischen Folgen dieser politi­schen Tat können also weder von den an ihr Beteiligten, noch von den für sie Verantwortlichen abgewälzt werden.

Barthou fährt auch nach Rom?

Paris, 29. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der römische Berichterstatter desMatin" will erfahren haben, daß die von Außenminister Barthou in einem Presseinterview abgegebene Erklärung, er würde gerne nach Rom kommen, wenn es sich da­bei nicht um einen Höflichkeitsbesuch fyanble, son­dern um eine allgemeine Regelung der französisch-italienischen Fragen, in Rom günstig ausgenommen worden sei. Die Unter­redungen, die der französische Botschafter mit Unter- ftaatafeTretär Suvich am Donnerstag hatte, dürfte einem Meinungsaustausch über die etwaige An­näherung der französischen und der italienischen Stellungnahme zu den re atonalen Pakten und der allgemeinen Zusammenarbeit in Europa gegolten haben.

Auch die stets gut unterrichtete diplomatische Mit­arbeiterin desOeuvre" versichert, daß Italien sich lebhaft für die regionalen Pakte inter­essiere. Die römische Regierung habe sogar, wie verlaute, in Paris einen Schritt unter­nommen, um sich über denMechanismus" dieser Pakte zu unterrichten. In gut unterrichteten fran­zösischen Kreisen habe man am Donnerstag den Eindruck gehabt, daß die Reise Barthous nach Rom vielleicht nicht mehr in allzu weiter Feme liege.

Nichts gelernt!

Paris, 28.Juni. (DNB.) Bei feiner Ankunft in Paris gab Außenminister Barthou eine Erklä- rung an die Presse ab. Man habe keine amtliche Verlautbarung ausgegeben, weil sowohl Titu- lescu als auch Jeftitsch der Ansicht gewesen seien, daß die Begrüßungsreden genügten, um die enge Verbundenheit und die herzliche Freundschaft der beiden Länder ins rechte Licht zu stellen. Die Kleine (Entente sei heute einiger und so­lider denn je. Zwischen ihr und Frankreich gebe es keine Meinungsverschiedenheiten. Alle seien der Ansicht, daß die Achtung vor den Verträ­gen die sicherste Garantie für einen dauerhaften Frieden sei. Die Revisivnspolitik sei nicht nur ungerecht und widerspreche dem Wunsch der Völker, sondern sie sei auch voller Gefahren und trage. den Keim eines Krieges in sich. Indem er sich in der denkwür­digen Parlamentssitzung in Bukarest gegen diese Politik gewandt habe, ohne aber ein scharfes Wort auszusprechen, habe er das traditionelle französische Programm dargelegt.

Heue Gseubchuatteulate in Oesterreich.

Fortdauernde Sprengungen. Oie Minister beraten.

Wien, 28. 3uni. (DRB.) Der 2U i n i ff e r r a f ist am Donnersfagmiffag zufammengefrefen, um über die zahlreichen Vorfälle der letzten Rächt zu beraten.

3n der vergangenen Rächt ist die bekannte ITC i f- t« nwaldbahn 3nnsbruckGarmisch-Partenkir­chen an drei Stellen gesprengt worden. An den Bahngleisen wurden die Telegraphen- und Te­lephonmasten durch Sprengungen umgelegt.

3n Bludenz wurden ferner die Schienen an einzelnen Stellen a u f g e r i s s e n. Gerüchte, nach denen es sich hierbei um ein Attentat han­delt gegen den Zug, in dem der französische Außen­minister Barthou nach Paris zurückkehrte, fan­den keine Bestätigung. Die Sprengung der Eisen­bahnstrecke soll vielmehr eine Stunde nach der Vor­beifahrt des französischen Außenministers erfolgt sein. Auch bei 3 u d e n b u r g in Steiermark und Bruck an der Rlur, Amstetten in Riederöster­reich, in D ö ck l a b r u ch an der Westbahn und bei Salzburg wurden Anschläge auf die Bahnkörper verübt. Die Gleisanlagen wurden beschädigt. Außerdem wurden längs der Bahnlinie enllangführende Telegraphenleitungen durchschnitten und die Masten durchsägt.

Weitere Sprengstoffanschläge.

Wien, 28. Juni. (DNB.) Zu den Vorfällen, die sich im Laufe der letzten Nackt, hauptsächlich in den Alpengebieten, ereignet haben, werden noch folgende weitere Sprengftoffanschläge gemeldet:

Auf dem Innsbrucker Eisenbahnvia­dukt wurde eine auf Zeit eingestellte Höllen­maschine gefunden, die aber nicht zur Ex­plosion kam. In verschiedenen Orten Tirols wurden Anschläge auf die Elektrizi­tätswerke verübt. In Achensee wurde der Versuch unternommen, den Staubamm eines Kanals eines Elektrizitätswerkes zu sprengen. Von Seiten der Behörden wurde erklärt, daß Fußspuren von der bayerischen Grenze her festgestellt worden seien. In Vorarlberg erfolgten in Bre­genz, Dornbirn und Hohenems Anschläge

gegen Eisenbahnbrücken, Elektrizitätswerke und Te­legraphen- und Telephonleitungen. Durch die Ex­plosion eines Sprengkörpers wurde in Bludenz eine erhebliche Störung in den Leitungsanlagen verursacht.

In Salzburg wurde in den Morgenstunden des Donnerstag ein Sabotageakt gegen die städti­sche Wasserleitung durchgeführt, der zur Folge hatte, daß die Trinkwasserversorgung Salz­burgs aus 24 Stunden unterbrochen ist. In der Nacht $um Donnerstag wurde ein schwerer Spreng­stoffanschlag auf den Chiemseehof, das Gebäude der Salzburger Landesregierung, verübt, der aus dem Haus eine große Anzahl von Steinquadern herausriß. Auf der Bahnstrecke Salzburg Wien wurde kurz vor der Station E d er­bau e r ein Anschlag verübt, durch den ein Gleis zerstört wurde. Der Verkehr muhte eingleisig auf» rechteichalten werden. Im Zentrum der Stadt Salzburg explodierten am 27. Juni gegen Abend zwei große Sprengkörper, und zwar der eine am Marquart-Platz, dem sämtliche Fenster der Kanzlei der Vaterländischen Front zum Opfer fie­len. Ein zweiter Sprengkörper explodierte in un­mittelbarer Nähe und zerstörte einen großen Teil der Fenster des Salzburger Stadttheaters, sowie einen Teil der Fenster des Spielkasinos. Die Vor­stellung im Salzburger Stadttheater mußte unter­brochen werden.

In der Nacht zum Donnerstag wurden in Ku f - stein auf die Hochdruckwasserleitung des Elektrizi­tätswerkes und auf die Wasserleitung der Stadt Sprengstoffanschläge verübt. Die beiden Wasser­leitungen wurden gesprengt und teil­weise zerstört. Dabet wurde auch ein Hvchspan- nungskabel zerrissen. Die Trümmer flogen hun­derte von Meter weit. Ein Stück flog ins Tal hin­ab und durschschlug bas Dach eines Hauses. Gleich­zeitig erlosch tas Licht, das erst später wieder in Gang gesetzt werden konnte. Fast b,leichzeitig wur­den weitere Anschläge auf tas Städtische Wasser­werkTuxer-Reservoir" und auf das Transfor- matorenhaus in der Nähe des List-Denkmals ver­übt. Der Materialschaden ist fefyr groß. Das Elek­trizitätswerk steht unter polizeilichem Schutz. Die (Erregung in der Stadt ist ungeheuer. Mehrere Personen wurden verhaftet.

Neue Zusammenstöße in Graz.

Wien, 28. Juni. Wie aus Graz berichtet wird, haben sich dort am Donnerstag neue U n r u h e n ereignet. Zwischen Angehörigen der O st - märkischen Sturmscharen und Passanten kam es zu einem heftigen Wortwechsel, der schließ- lich in Tätlichkeiten ausartete. Die Polizei sah sich gezwungen, einzugreifen und die Straße- abzu­riegeln. lieber die Ursachen der neuen Zusammen­stöße liegen bisher keine Meldungen vor.

Oie Kirchenaustrittsbewegung.

München, 28. Juni. (DNB.) Der Oesterroichi- sche Pressedienst meldet: In dem oberösterreichischen Ort Neumarkt-Kalkham traten biefer Tage 2 0 0 Bauern und Gewerbetreibende aus der katholischen Kirche aus, weil der Dechant von Braunau am Inn die Waffen der Heimwehrleute segnete, die kurz vor­her den SA.-Mann Johann K ö st l i n g e r aus Neumarkt ermordet hatten. Ein Lichtbild von dieser Waffensegnung war in einer katholischen Zeitung veröffentlicht.

Glaube und Heimat."

Wien, 28. Juni. (DNB.) Die Christlich-Soziale Salzburger Chronik" berichtet über ein eigen­artiges (Ereignis in Salzburg: Im <5 ta D t t b e a t e r fand am Donnerstagabend eine Vor­stellung von SchönherrsGlaube und Hei­mat" statt, die völlig ausverkauft war. Während der Aufführung krachten ununterbrochen die an den verschiedensten Stellen der Stadt zur Explosion gebrachten PapierböUer. Nach jeder Explosion erhob sich das Publikum wie ein Mann von seinen Sitzen und begann wie rasend 3 u applaudieren. Nachdem ein besonders starker Böller auf dem Marktplatz explodiert war, wollte der Applaus überhaupt kein Ende nehmen. DieSalzburger Chronik" bezeichnet den Vorfall als ein überaus ernstes Symptom.

Kunst und Wissenschaft.

George Sand" wird in Wiesbaden uraufgeführl.

Generalintendant Carl v. Schirach hat zur Ur* auftührung für das. Staatstheater in Wiesbaden das Singspiel in sechs BildernGeorge Sand" an­genommen, das von Ernst Leenen verfaßt wurden