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Samstag, 28. April X93<
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— Von den Michel und nannt. —
dem großen Gummiplatz K r i b i, an der südlichen Küste. Der berühmte Dominik gehörte damals schon der Erinnerung an, aber Jaunde und die ganze Festigung der deutschen Macht bis hoch hinaus ins Grasland war so sehr sein Werk, daß noch jedermann von ihm sprach, und der umlaufenden
Was über die Regie zu bemerken ist, ergibt sich aus dem Gesagten fast von selbst: Anton R e u -
Man hat schon früh darauf hingewiesen, daß Schiller mit dem „Fiesko" sein eigentliches Feld zuerst betreten habe — den Schauplatz des großen historischen Trauerspieles. Und niemandem, der das Stück auf sich wirken läßt, kann es entgehen, wie er dieses Feld betrat: nicht so sehr als Tragiker denn als Theatraliker, der in der Tat „von der erfindrischen Jntrigue" die erstaunlichsten Situationen entlehnt. Welch ein Schauspiel ist das, welch ein Feuerwerk von Wirkungen, Steigerungen, Ueber- raschungen! Wie auf dem Schachbrett rücken die Figuren des Dramas gegeneinander, vor und zurück, schlagen und decken sich und fallen aufs Stichwort. Funkelndes Spiel der Erfindung, in dem jede Szene ihren ausgewogenen und berechneten Platz hat und in einer „Sensation" gipfelt, welche die Fabel unwiderruflich weitertreibt.
Das stürmische Pathos, der wortgewaltige Stil des jungen Sturmes und Dranges paßt ausgezeichnet zum überschäumenden Weltgefühl der italienischen Renaissance. Eine strömende Phantasie hat hier die Farben in Spiel und Gegenspiel gemischt. Ein Gewitter menschlicher Leidenschaften ist in den fünf Akten entfesselt. Hier ist alles, was die Bühne zur Wirkung braucht: Liebe und Haß, Eifersucht und Verführung, Mord und Verschwörung, Musik und Mummenschanz und ein Schauspiel im Schauspiel wie bei Shakespeare im „Hamlet" —: es muß schon viel dazu gehören, um ein Stück wie dieses um seine Wirkung zu bringen. —
Das Geschenk des Königs — ein weißer Elefant.
So kostbar und erlesen auch immer die Geschenke gewesen sein mögen, die einer berühmten Schauspielerin von Bewunderern ihrer Kunst je gemacht worden sind, so ist doch keines der Gabe vergleichbar, die der König Prajadipok von Siam, der demnächst auch in Berlin erscheinen wird, der berühmten Pariser Schauspielerin Cecile Sorel als Zeichen seiner Bewunderung und Anerkennung dargebracht hat. Sein Geschenk ist wahrlich eines orientalischen Fürsten würdig und ebenso märchenhaft wie königlich: es ist ein junger Zwergelefant, der in Siam als heiliges Tier verehrt wird, und der auch ausgewachsen nicht größer als ein Löwe werden wird. Diese hohe Ehrung, die neben Cecile Sorel nur noch dem Präsidenten der französischen Republik zuteil wurde, verdankt die Schauspielerin ihrem Ruhm als „Botschafterin Frankreichs" auf dem Gebiet der Schauspielkunst; denn Cecile Sorel, Die Gräfin Segur, hat als berühmtestes Mitglied der Comedie Frangaise, dem ehrwürdigen Hause Molieres, schon vor allen Königen gespielt, die Paris ihren Besuch abstatteten, und sie hat ihrem Land durch ihre hohe Kunst manche Sympathien erworben. Das königliche Geschenk aus Siam hat zunächst einige Sorge in das Haus der Künstlerin gebracht, denn es bedurfte vieler Ueberlegungen, wo der kleine sehr empfindliche Elefant, der sorgfältig gepflegt werden muß, unteraebracht und aufgezogen werden soll. Die Schauspielerin hat sich dabei von Sachverständigen beraten lassen, die das Pariser Klima für ungeeignet halten; sie wird den kleinen Elefanten, dessen siamesischen Namen sie kaum auszusprechen vermag und für den sie nun einen neuen Namen sucht, auf ihr Landgut an der französischen Riviera bringen lassen, wo er sich in völliger Freiheit auf einer kleinen Halbinsel umhertummeln kann. Die Pariser sind darüber sehr betrübt; denn sie freuten sich schon darauf, die berühmte „C^limene", wie die Pariser sie bewundernd nennen, mit ihrem kleinen Gesellen im Bois de Boulogne lustwandeln zu sehen.
w:_ v;..> raffinierte, intrigante, zuletzt schmählich getäuschte Salondame effektvoll in Szene setzte.
“ ‘ übrigen feien die Herren Lüpke,
Geiger mit guten Leistungen ge-
Den Fiesko gab Herr Löser; wer diesen Schauspieler nach seinen bisherigen Leistungen kennt und beurteilt, wird nicht von ihm verlangen, daß er sich hemmungslos dem großen Schwung und Pathos der Schillerschen Diktion Überläßt; wir haben beispielsweise die berühmte Tierfabel schon wirkungsvoller sprechen hören. Aber Lösers Fiesko hat dennoch Format und eigenes Gesicht: er erschien vornehm und geschmeidig, leidenschaftlich und ein wenig unheimlich .zugleich, und er war als Liebhaber, Diplomat und Gesellschaftsmensch wohl die Gestalt, im Mittelpunkt einer Staatsaktion zu stehen.
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Kühne als Derrina entsprach vollkommen der Regiebemerkung Schillers: „schwer, ernst und düster"; Verschworener, Republikaner, glühender Patriot und schmerzgebeugter Vater, dessen kalte Sprache -sich an den Höhepunkten der Szene zu dröhnenden Ausbrüchen steigert.
Dem ewig falsch zitierten Mohren Muley Hassan gab Hub jene „originelle Mischung von Spitzbüberei und Laune", die Schiller ihm zugedacht hat: eine sehr bewegliche und humorvoll ausgespielte Figur. *
Heinz-Albrecht Marcks stellte den jüngeren Doria mit Geschick und leichtem Temperament dem vom Intendanten König mit milder und abgeklärter Würde gegebenen greifen Dogen entgegen.
Hansi Stadler als Leonore: ein zartes Renaissanceporträt, klug und mit warmem Gefühl lebendig gemacht. In lebhaftem Gegensatz: Fraulein Flemming, welche die „-stolze Kokette" Jrnpe-
zurückzuführen war, was beides freilich der berühmten „Räuber"-Deklamation Schillers vor den befreundeten Karlsschülern im Bopferwäldchen nichts geschadet hatte.
Was Schiller mit dem „Fiesko" im Gegensatz zu den „Räubern" beabsichtigte, steht auch im Vorwort: „Ich habe in meinen „Räubern" das Opfer einer ausschweifenden Empfindung zum Vorwurf genommen. — Hier versuche ich das Gegenteil, ein Opfer der Kunst und Kabale ... Es stand ... nicht bei mir, meiner Fabel jene lebendige Glut einzuhauchen, welche durch das lautere Produkt der Begeisterung herrscht; aber die kalte, unfruchtbare Staatsaktion aus dem menschlichen Herzen herauszuspinnen und eben dadurch an das menschliche Herz wieder anzuknüpfen — den Mann durch den ftaatsklugen Kopf zu verwickeln — und von der erfindrifchen Jntrigue Situationen für die Menschheit zu entlehnen — das stand bei mir ..."
nicht in Kamerun, sondern nur in Paris gemacht. 9m ganzen kann man sagen, daß das Interesse an den Verhältnissen in Europa bei niemandem, vielleicht mit Ausnahme der hohen Beamten, aktuell ist. Die Nachrichten kommen so spät hierher, daß man sich unwillkürlich sagt: Was wir da lesen, ist ja schon seit Wochen vorbei, jetzt sehen die Dinge sicher anders aus!
Wir genießen Gastfreundschaft in einem deutschen Hause, gehen mit unjerm Gastfreund zum Aperitif in das eine, und zum Essen in das andere Hotel, um den Konsum möglichst paritätisch zu verteilen. Merkwürdig, wie die Franzosen sich an den englischen Whisky mit Soda gewöhnt haben. Sie trinken aber auch ganz kräftig deutsches Bier. Man speist für afrikanische Verhältnisse leidlich, auf französische Art, mit viel Gemüse und trinkbarem Rotwein ä discretion! Der vernünftige Mensch macht aber tagsüber wenig Gebrauch davon, dazu ist es zu heiß. Es scheint nun einige Schwierigkeiten zu machen, daß wir ein Auto für die Fahrt ins Innere bekommen. Personenwagen sind nicht zu haben, wir hätten auch zuviel Gepäck dafür. Man kann nicht ohne Feldbetten, reichlich Decken, Koch-
Die durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm gekennzeichnete Haltung der staatlichen Wirtschaftspolitik gegenüber dem Krisenverlauf geht von der richtigen Erkenntnis aus, daß eine gewisse untere Grenze der volkswirtschaftlichen Umsatztätigkeit nicht unterschritten werden darf, wenn nicht ein allgemeiner Erstarrungszustand der Wirtschaft eintreten soll, aus dem sie nicht mehr oder doch nur unter unerhörten Opfern hinsichtlich der gesamten Lebenshaltung gelöst werden kann. Ebenso wie ein wirtschaftlicher Einzelbetrieb ein gewisses Urnsatz- oolumen nicht unterschreiten darf, wenn er die mit der Aufrechterhaltung des Betriebes unerläßlich verbundenen festen Kosten aufbringen soll, so kann der gesamte volkswirtschaftliche Körper nicht am Leben gehalten werden, wenn durch die zunehmende Verlangsamung des Blutkreislaufes die B e w e -- gungsfähigkeit des Körpers allmählich aufhört. Die Gefahr einer völligen Erstarrung des wirtschaftlichen Kreislaufes war aber für den deutschen Wirtschaftskörper nahe gerückt. Der Verfall der materiellen Voraussetzungen unserer Volkswirtschaft, der Produktionsanlagen, der Wohnungen, der Verkehrswege 'und vor allem die völlige Untergrabung der menschlichen Arbeitskraft wären unausbleiblich gewesen, wenn nicht im letzten Augenblick durch den mutigen Zugriff der Regierung die Wiederaufnahme der normalen Bewegungsfähigkeit des Wirtschaftskörpers bewirkt worden wäre.
Der drohende Stillstand war auch der Herd jener psychologischen Verfallserscheinungen, die sich in einer das ganze Volk immer mehr ergreifenden
Gießener Gtavttheaier.
Schiller: „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua."
Dieses „republikanische Trauerspiel" erschien als zweites in der Reihe der Schillerschen Dramen 1783, zwischen den „Räubern" und der „Luise Millenn . Auf die historische Grundlage — die Geschichte des Kampfes zwischen dem genuesischen Grafen von La- vagna und dem auf Seiten Kaiser Karls V. stehenden Hause Doria, eines Bürgerkrieges, der in der Nacht vom 1. auf 2. Januar 1547 ein jähes Ende fand, als Fiesko infolge eines zufälligen Fehltrittes ins Meer stürzte und ertrank — ist Schiller durch Rousseau gekommen, wie er in einer „Erinnerung an das Publikum" zur ersten Aufführung, Mannheim 1784, selbst bemerkt.
Es würde zu weit führen, wollte man hier untersuchen, bis zu welchem Grade sich Schiller im Sinne Lessings, daran gehalten hat. In der Widmung an seinen Stuttgarter Lehrer Professor Abel . stehen einige Anspielungen auf die Freiheiten, welche er sich mit den Begebenheiten herausnahm, und die der Hamburgische Dramaturgist entschuldigen werde, „wenn sie mir geglückt sind".
Es ist auch nicht nötig, die Quellen aufzuzahlen, mit deren Angabe Schiller die erwähnte Widmung einleitet oder auf die Vorbilder und Einflüsse hmzu- deuten die sich für den „Fiesko" nachweifen lassen, wie Shakespeares „Julius Cäsar" oder Lessings „Emilia Galotti". *
Interessanter scheint es jedenfalls, an die Tatsache zu erinnern, daß das Trauerspiel bei der Uraufführung ziemlich kühl hingenommen wurde; und man weiß sogar von einer Vorlesung des Werke- durch den Autor in kleinem Kreise, daß sie einen Heiterkeitserfolg gehabt und Anlaß zu dem bekannten Wortwitz mit dem Fiasko geboten habe; hie 'Rubörer wurden unaufmerksam und zogen sich emlich bald und ziemlich unhöflich zuruck, um sich biß Zeit mit Bolzenschießen zu vertreiben.
aber d i e Wirtschaft, verpflichtet, auch das Letzte herzugeben. Der von unerschütterlichem Zielbewußtsein getragenen Einheitlichkeit de» Willens kann auch das Ausland seine Bewunderung nicht versagen. Durch den starken Antrieb, den die Wiederherstellung der sachlichen und psychologischen Voraussetzungen für die Funktionen des Wirtschaftskreislaufes gebracht hat, ist die private Wirtschaft in Fortwirkung der staatlichen Wirtschaftsbelebungsmaßnahmen so angeregt worden, daß die Regierung in Aussicht nehmen kann, bei gleichzeitiger Senkung der Belastung der Wirtschaft mit Steuern und Abgaben die vorgriffsweise jetzt für die Arbeitsbeschaffung im Kreditwege in Anspruch genommenen Mittel in den nächsten fünf Jahren i m Haushaltsplan des Reiches ordnungsmäßig unterzubringen.
Selbstverständlich muß eine so umfassende Aktion wie das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung, für das insgesamt ein Betrag von etwa fünf Milliarden in Ansatz gebracht wird, in seiner Durchführung auch die entsprechenden Rückwirkungen auf den Geld- und Kapitalmarkt haben. Es ist durch das statistische Reichsamt kürzlich errechnet worden, daß je nach der Art der zur Ausführung gelangenden Arbeiten im Durchschnitt etwa 50 Prozent auf den verschiedensten Wegen und in den verschiedensten aufeinanderfolgenden Belebungswellen wieder an den Staat zurückfließen. Für 50 Prozent der zu machenden Aufwendungen muß demnach der Geld- bzw. Kapitalmarkt in Anspruch genommen werden. Wenn auch infolge der weitgehenden Inanspruchnahme des Giralverkehrs für die den Aufwendungen entsprechenden Geldvorgänge zunächst nur etwa 10 Prozent der investierten Mittel in Noten beansprucht werden, so ist doch die Inanspruchnahme des erst im Wiederaufbau befindlichen Geld- und Kapitalmarktes bedeutend. Die Knappheit der Mittel macht ihre zielbewußte und stoßkräftige, den Absichten der Regierung folgende Verwendung zur Pflicht. Es ist selbstverständlich und bedarf keiner langatmigen Darlegungen, daß d i e deutschen Kreditinstitute, deren oberste Ausgabe der Dien st am Ganzen ist, sich in ihrer Gesamtheit für das Arbeitsprogramm b e - reitgefteUt haben. Im Zusammenwirken des Staates mit den Kreditinstituten sind die Wege gefunden worden, auf denen eine Flüssigmachung der im Kreditwege aufgenommenen Mittel möglich ist. Mit Hilfe der Kreditinstitute ist die notwendige Heranziehung aller in der Wirtschaft verfügbaren Gelder organisiert und die Mobilisierung ruhender Gelder in Angriff genommen worden, um diese der Finanzierung der Arbeitsschlacht zuzuführen.
Da eine nachhaltige von der Regierung mit aller Energie angestrebte Konjunkturbelebung selbstverständlich auch erhöhte Ansprüche der pri- Daten Wirtschaft an den Geld- und Kapitalmarkt mit sich bringen wird, müssen sich die Kreditorganisationen auch für diesen Bedarf gerüstet halten, um der Arbeitsbeschaffung zum endgültigen Siege zu verhelfen. Da ein erheblicher Teil der Finanzierung der Arbeitsbeschaffung zunächst mit Hilfe des Geldmarktes durchgeführt wird und dadurch die von dem Industriellen, Handwerker, Kaufmnn usw. benötigten Kreditmittel unter Umständen geschmälert werden können, ist es notwendig, die am Geldmarkt für Arbeitsbeschaffungs- zwecke in Anspruch genommenen Kredite so rasch wie möglich auf den Kapitalmarkt zu überführen, d.h. in Anleihen u-mzuwandeln. Die von der Regierung eingeleiteten Maßnahmen zur Belebung des Kapitalmarktes und die Vorbereitungen des Kapitalmarktes darauf, daß der aus dem Geldmarkt befriedigte Kreditbedarf zu gegebener Zeit eine Fundierung in langfristigen Anlagen des Kapitalmarktes finden kann, stellen deshalb eine wichtige Eraän- ■ zung des Arbeitsbeschaffungsprogramms dar. Hm- ; sichtlich des Erfolges einer R e i ch s a n l e i h e für . die Finanzierung der Arbeitsbeschaffung braucht . man nicht kleinmütig zu fein, denn das wesentliche , für das Gelingen einer Anleihe, das Vertrauen in die Regierung, ist in vollstem ; Maße bei dem Volk vorhanden. Selbstver-
Dominik-Geschichten war kein Ende. Noch heute ist Dominik ein Name, den sich die Schwarzen mit Vorliebe geben, ebenso wie die Hereros in Südwest sich noch nach den alten deutschen Schutztruppen- Offizieren nennen. Dominiks Wohnhaus, das man uns bereitwilligst zeigte, und der alte deutsche Klub mit der Kegelbahn sind die einzigen Gebäude aus deutscher Zeit, die jetzt noch stehen. Im übrigen ist Jaunde ein großer, sehr weitläufig angelegter Ort geworden, in dem kaum ein Mensch eine Entfernung anders als im Auto zurücklegt. Prunkvoll ist das neue Gouverneurspalais, ein tropischer Fürstensitz im Stil der englischen Residenturen in Indien.
Ich erwähnte eben die alte deutsche Kegelbahn. In Jaunde wird offenbar nicht mehr gekegelt, wohl aber in Duala. Dort haben fid) die wenigen Deutschen eine Kegelbahn eingerichtet, die bei den anderen Nationen, Franzosen, Engländern, Skandinaviern und Holländern, soviel Beifall fand, daß die Deutschen nur noch d i e Minderheit unter den Kegelbrüdern sind. Die Harmonie unter diesen ist aber vollkommen, auf Grund von zwei strikt innegehaltenen Gesetzen: es ist verboten, über Politik zu sprechen und über schlechte Geschäfte zu klagen! Seit einigen Jahren ist die Haltung der Franzosen in Kamerun gegen die Niederlassung nichtfranzösischer Elemente, auch deutscher, nicht mehr so ablehnend, wie früher. Es gibt deutsche Firmen in Duala und Jaunde und auch eine Anzahl deutscher Pflanzer und Pflanzungsleiter im Innern. Wir hatten gestern auf der Tabakpflanzung Batschenga ein Beispiel davon, und auch auf unserer projektierten Route ins Hochland stehen einige Landsleute verzeichnet. Man erzählte uns, daß es einen noch nicht ganz oorübefgegangenen Rückschlag der Stimmung gegeben hat, als Deutschland aus dem , Völkerbund austrat. Die Politik wird übrigens1 Verlauf nehmen.
teuer ist. Dabei haben wir uns doch nur eine Ecke im Westen und Nordwesten vorgenommen. Kamerun ist groß, größer als Deutschland. Aber die Straßenbauten haben das Land so erschlossen, daß die Entfernungen im Vergleich zu den früheren Fußmärschen keine Rolle mehr spielen. So sind wir denn in vorgerückter Nachtstunde von unserem Cin&na parlant mit Tanz und altem Burgunder nach Hause gegangen und vertrauen im Augenblick । darauf, daß die Verhandlungen unseres Gast- freundes über den Mercedes-Benz einen günstigen
• Verlauf nehmen.
Der peinliche Eindruck der so schnöde unterbro- ckenen Vorlesung wurde allerdings fchpn am nadp ft en Morgen wenigstens teilweise verwischt und das voreilige Urteil in etwa berichtigt, als man emfah, daß das Fiasko des „Fiesko" in erster Linie auf das gewaltig ausholende und übertreibende Pathos d"s Vorlesers und auf dessen schwäbischen Dialekt
Me VedeMng des Kredites sm die MMOlaOt
Von Otto Christian Fischer, Führer der Sauptgruppe 10 (Banken und Kredits der Gesamtorganisaiion der gewerblichen Wirtschaft.
geschirr und etwas Verpflegung reisen. Ein Lastwagen, hier Camion genannt, steht in Aussicht, sogar Mercedes-Benz, aber älteste Garnitur, stark abgefahren und verschiedener, nicht ganz lebensunwichtiger Bestandteile schon beraubt. Unsere Tour, einschließlich Rückfahrt des Wagens nach Jaunde, ist auf 1200 bis 1400 Kilometer berechnet. Für je 100 Kilometer muß eine Kiste Benzin aufgeladen
*
Der Beifall war lebhaft und wohlverdient.
hth.
Kamerun-Reste.
VII.
„Cinema parlant“ *
Vo» Or. Paul Rohrbach.
Jaunde, März 1934.
Jaunde ist völlig französische Beamten- ■ stadt, viel mehr, als je in einer deutschen Kolonie ein Regierungssitz den Beamtencharakter getragen - hat. Der ganze Derwaltungsapparat ist bei den : Franzosen zahlreicher und umständlicher, als zur ■ deutschen Zeit. Man muß aber zugeben, daß gut und ordentlich verwaltet wird. Wir machten Besuch beim Gouverneur Bvnnecarriere, wurden : höflich und korrekt empfangen und erhielten vollkommene Bewegungsfreiheit im Lande, „bis zum Tschadfee", wenn wir wollten. So weit ging unser Begehren, allerdings nicht, sondern nur nach Fumban und Bali, auf der hohen, dichtbevölkerten und völkerkundlich interessanten Nordwestecke des Kameruner Hochlandes.
Abends gab es in einem der beiden Hotels von Jaunde einen Tonfilm, französisch „Cinema parlant", den er ft en in Kamerun; anschließend Tanz. Die Gesellschaft, meist Beamte, mit ihren Damen, einige Kaufleute, wenig Militär, war gute französische Provinz, keine Spur von extravaganten Toiletten, nur wenig Malerei auf den Gesichtern der Damen, beim Tanz gut bürgerliches Temperament — das Ganze ein angenehmer Eindruck.
Die Kinovorführung hatte, wie üblich, drei Teile: erst kam die Wochenschau, dann ein Kulturfilm, interessante Tiere und Pflanzen, endlich das eigentliche Stück. Die Wochenschau begann mit einer pompösen Pariser Truppenrevue, auffallend bevorzugt war die schwere Artillerie. Jedes französische Herz konnte voller Genugtuung sein über diese riesenhaften Kriegsmaschinen, von denen Deutschland keine einzige besitzt. Dann kam deutsche Sportjugend, die tadellose Figur machte, im Marschtempo, mit Hitlergruh, ganz erste Klasse! Es folgte ein deutsch-französischer Sportkampf, Wettlaufen, bei dem die Deutschen siegten. Als dritte Nummer kam eine Ansprache Mussolinis an die faschistische Jugend, hochdramatisch, glänzend ausgenommen. Man war sympathisch berührt von der loyalen Auswahl des Stoffes und der unparteiischen Darbietung der schönen deutschen Bilder. •
Das Stück schließlich war normale französische Ware, mit der unvermeidlichen Eheirrung, etwas ermüdend breit ausgesprochen, aber mimisch gut gespielt. Das eigentlich Interessante dabei war die Rolle eines besonders gewinnend gezeichneten jungen Engländers, der als jovialer Kamerad einer eben aus England ins Elternhaus zurückkehrenden Tochter alle Konflikte wieder ins Lot brachte, „happy end“ etwas gewaltsam war, aber deutlich! Die Absicht, auf diese Weise französisch- englische Sympathien zu pflegen und die Engländer dabei gut abschneiden zu lassen, war für den nicht- französischen Zuschauer unverkennbar. Den Franzosen ging die Sache offenbar glatt ein, es gab genug Beifall. Ich mußte im Herzen zugeben, was mir ja meine Erfahrung in Fragen politischer Propaganda schon seit vielen Jahren sagt: die einfach- sten und deutlich st en Mittel sind die wirksamsten.
Ich habe Jaunde zum letztenmal 1912 gesehen, als ich von hier mit der deutschen Schlafkrankheits- Erpedition unter dem damaligen Chefarzt der Kameruner Schutztruppe, Dr. P h i l a l e t h e s Kuhn, jetzt Hygieniker an der Universität Gießen, nach den verseuchten Gebieten im östlichen Waldland aufbrach. Damals gab es hier nur die deutsche, von Hauptmann Dominik gegründete Militärstation, ein paar Verwaltungsgebäude und eine Anzahl Faktoreien, die an dem blühenden Gummihandel viel Geld verdienten. Tag für Tag trafen die Trägerkolonnen, mit ihren Gummilasten aus dem Innern kommend, hier ein. In Jaunde wurde das Trägermaterial gewechselt, und mit den neuen Trägern ging es weiter nach
Resignation und Mutlosigkeit und damit in dem allmählichen Ab st erben jeder Initiative und Nisikobereitschast geltend machten. An deren Stelle sind jetzt — wie es der Kanzler in seiner großen Rede am 21. März formuliert hat — Vertrauen und Zutrauen, „die grundsätzlichen Bedingungen für das Gelingen jeder wirtschaftlichen Wiedergeburt", getreten, Vertrauen in eine zur erlösenden Tat entschlossene Regierung und Zutrauen in die von ihr getroffenen Maßnahmen. Denn sollte sich die von den Regierungsmaßnahmen ausgelöste Belebung auf alle Teile der Wirtschaft ausdehnen, so mußte die private Initiative wieder erweckt werden. Nur durch die wieder erstarkende Nachfrage nach Gütern und Lei st ungen und das wieder erwachende Vertrauen in eine beständige Aufwärtsentwicklung können der Antrieb zum Schaffen und die Freude am Erfolg der Arbeit wieder her- gestellt, kann dem Wirtschaftsleben neuer Impuls zum Einsatz der vorhandenen materiellen und persönlichen Kräfte gegeben werden.
Die von der Regierung beabsichtigte Wirkung ist, wie die vom Kanzler in seiner Rede hervorgehobenen Erfolge des ersten Abschnittes der Arbeitsschlacht zeigen, eingetreten. In einmütiger Geschlossenheit ist das deutsche Volk dem Rufe der Regierung gefolgt und hat alle zur Durchführung des Programms der Reichsregierung erforderlichen Maßnahmen mit allen psychischen und physischen Kräften unterstützt. Durch die Energie und das Tempo mit denen die Regierung ans Werk ge- gangen' ist, fühlt sich das ganze Volk, insbesondere haus hatte für seine Inszenierung eine ungemein dankbare und reizvolle Aufgabe gefunden; er hatte erkannt, was aus einem solchen Text zu machen war, und dem Stück zu einer lebendigen Unmittelbarkeit des Eindrucks verholfen. Er fand den eigentümlichen und unverwechselbaren Stil des jungen Schiller, und es werden sich vielleicht manche Besucher gewundert haben, was für ein unterhaltfames und sogar aufregendes Stück hinter einem nicht grabe häufig gespielten „Klassiker" sich verstecken kann, von dem man derartige „Sensationen schlechterdings nicht erwarten konnte.
Als Mitarbeiter im Regiestab hatten Löffler (Bühnenbild) und Keim (Beleuchtung) für eine angemessene und stilgerechte Ausstattung Sorge getragen; insbesondere die beiden letzten Bilder, nächtliche Straße und Hafen, schienen uns räumlich und malerisch glücklich gelöst zu sein.


