Ausgabe 
27.6.1934
 
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Wehr und Waffen.

Das Gol-atenpfer-.

Don Oberstleutnant a. D. Benary.

Seit Jahrtausenden ist es unser t r e u e st e r Kampfkamerad! In unaufhaltsamem Reiter- Qngrifs trug es uns, unsere Lanze, unser Schwert in die dichtesten Feindeshaufen. Vor dem Sichel­wagen mähte es vor Jahrhunderten das Fußvolk dahin, wie die Schnitter die reifen Aehren. lieber Berge und Täler, durch Wüstensand und Trichter­schlamm schleppte es Geschütze und Troßwagen, Munition und Verpflegung. Hitze und Kälte, hunger und Durst, Not und Tod teilte es mit uns. Die stumme Kreatur, sie hat für die kämpfende Mensch­heit, für uns Soldaten geduldig und willig Unend­liches gelitten. Mit Recht war das Pferd unseren Vorfahren, den kampfbegeisterten Germanen, heilig. Mit Recht haben die Engländer, als verständnis­volle Pferdefreunde, dem Soldatenpferde, das wie der Mensch im Weltkriege seine höchste Probe zu bestehen hatte, ein Denkmal errichtet.

Die Forderungen, die man an ein Soldatenpferd zu stellen hat, haben im Laufe der Zeiten mit den Kampfformen gewechselt, werden auch in Zukunft nach dem Kampfzweck, zu dem man es einsetzen will, verschieden sein. Der Ritter brauchte ein stämmiges, schweres Pferd, das Rüstung und Waf­fen zu tragen, dem Stoß seiner Lanze die nötige Wucht zu geben vermochte. Dem neuzeitlichen Patrouillenreiter ist ein flinkes, gewandtes Pferd lieber, das ihn rasch und sicher über das Ge­lände trägt und sein plötzliches Auftauchen und Verschwinden ermöglicht. Der Artilleri st des W e st e n s sah nach einem Zugtier aus, das die nötige Masse ins Geschirr brachte, um sein schweres Geschütz durch den zähen Lehm des Artois und der Pikardie in Stellung zu bringen. Der Kolonnen­fahrer des Ostens zog das leichte Panjepferd und den leichten Panjewagen vor, denen auch der mahlende Sand Polens nichts anhaben konnte. Dar­um ist auch dem Soldaten der Wettstreit der Zuch­ten und Rassen letzten Endes gleichgültig. Ihm ist jede gleich lieb, vorausgesetzt, daß sie den Grund­forderungen genügt, die er an seinen künftigen Kampfkameraden stellen muß.

Gesundheit, Zähigkeit, Genügsamkeit, Willigkeit stehen voran. Ebenmäßigkeit, Schönheit des Körper­baues treten in zweite Linie. Ganz allgemein kann man sagen, daß sich kurzbeinige, vollrippige, leicht zu fütternde, warmblütige Pferde im Felde besser bewährt haben als hochbeinige, aufgeschürzte Warm­blüter und überschwere Kaltblüter, die allzuviel Pflege und allzuviel Futter beanspruchen. Man muß es leider zugeben, daß das Pferd manchem Tiere, z. B. dem Hund, an Klugheit nachsteht. Es läßt sich nur im beschränkten Umfange für ganz be­grenzte Kampfzwecke, wie z. B. die Pferde der Ritterzeit zum Turnierspiel, die Pferde der Steppen­reiter (Spahis, Kosaken) zum Schießen vom Pferde, abrichten. Es kennt wohl seinen Reiter und Pfleger und folgt ihm handfromm auf Schritt und Tritt, harrt vielleicht auch bei dem Gestürzten, Verwunde­ten aus, wird aber nie zu einer selbständigen Hand­lung zu seinen Gunsten befähigt fein. Es ist von Natur mutig und kampffroh, war es doch in der Urzeit der Freiheit darauf angewiesen, sich der Raubtiere durch die Kraft seiner Hufe zu erwehren, ist aber in den Jahrtausenden der Knechtschaft ge­duldig und schwachmütig geworden, geht zwar in der Hand des Menschen oft scheinbar unberührt durch das Krachen der Granaten, das Surren der Flintenkugeln, erliegt aber, von ihr befreit, leicht kopfloser Panik. Als Sproß der Ebene und Weite besitzt es ausgeprägten Ortssinn, verläßt sich als ausgesprochenes Nachttier mehr auf die Augen als auf Nase und Ohren und wird besonders des Nachts feinen Reiter oft sicherer ans Ziel bringen als Karte und Kompaß.

Seit wann das Pferd im Dienst des Menschen steht, läßt sich urkundlich nicht mit Sicherheit fest­stellen. Die Völker Mittelasiens, aber auch Mittel­europas gelten als seine ersten Herren. Noch heute schweifen Wildpferde auf den hochgelegenen Step- pen Mittelasiens umher. In Amerika, wo das Pferd zur Zeit der Centdeckung durch die europäischen Völker ausgestorben war, treffen wir heute auf verwilderte Artgenossen. In Deutschland werden vom Fürsten Croy in Westfalen noch Wildpferde gehegt.

Aller Wahrscheinlichkeit nach sind mehrere Pferde­rassen vom Menschen ungefähr gleichzeitig gezähmt warden. Boden und Klima, menschlicher Züchtungs­

wille haben diese Rassen vervielfacht. Zwei große Gruppen sind zu unterscheiden: Warmblut und Kaltblut. Beim Warmblut sondert sich wieder Vollblut vom Halbblut. Das Vollblut hat das arabische Vollblut mit seinen Abzweigungen in der Türkei und Nordafrika als Grundlage. Das ara­bische Pferd, durch Adel, Nerv, Schnelligkeit, Ausdauer und Härte ausgezeichnet, in Lied und Dichtung tausendfach als der Schöpfung Krone ge­feiert, wird in Europa nur im beschränkten Um­fange gezüchtet und wird reinblütig selbst in seinen Stammlanden immer seltener. Durch Kreuzung arabischer Hengste mit englischen Landstuten ist das englische Vollblut entstanden. Durch Jahr­hunderte als Rennpferd auf Leistung gezüchtet, zeigt es heute die besten Eigenschaften des arabi­schen Vollbluts in gesteigertem Maße, steht ihm allerhöchstens an Schönheit und Adel ein wenig nach. Als Soldatenpferd kommt das englische Voll­blut schon um seines hohen Preises willen weniger in Betracht. Wo man es aber in Krieg und Frieden im Heere verwandte, hat es sich trotz der Verzärtelung des Rennstalles durchaus be­währt. In Südfrankreich und in den französischen Kolonien sind Rückkreuzungen zwischen arabischem und englischem Vollblut beliebt. Sie liefern im Angloaraber der französischen Kavallerie sehr brauchbare Pferde, die wir als Beutepferde im Felde schätzen gelernt haben. In Deutschland sind derartige Versuche gescheitert.

Dagegen ist die deutsche Halbblutzucht ohne einen regelmäßigen Zuschuß von Voll­blut, der allein ihr den nötigen Stahl und Nerv verleiht, kaum denkbar. Ostpreußen verdankt ihm fein edles Kavalleriepferd, um das uns andere Heere beneiden. Auch die hannoversche und holsteinsche Zucht schuldet ihren Aufschwung nicht zuletzt der Zufuhr von Vollblut. Es sind hier unter planmäßiger Zusammenfassung der vorhan­denen Zuchtstämme Zuchtgebiete entstanden, die dem Heere neben recht brauchbaren Reitpferden

vorbildliche Zugpferde liefern. Oldenburg und Ostfriesland verfügen ebenfalls über einen Pferdeschlag, der mit Vorteil im Heere zu ver­wenden ist. Auch die übrigen deutschen, warm­blütigen Pferdeschläge und die Zuchtgebiete, die auf ostpreußischer, hannoverscher oder Oldenburger Basis züchten (Grenzmark, Pommern, Branden­burg, Mecklenburg, Schlesien) können für den An­kauf von Remonten in größerem oder kleinerem Umfange herangezogen werden.

Umstritten sind die Verwendungsmöglichkeiten des Kaltblutes (belgisches, rheinisches, fchles- wigsches). Im Weltkrieg hat es als Bespannung der schweren Artillerie des Feldheeres und schwerer Fahrzeuge aller Art bei genügend Futter und Pflege unter leidlichen Witterungs- und Wegever­hältnissen hervorragendes geleistet, unter ungünsti­geren Voraussetzungen aber oft rasch versagt. In einem Zukunftskrieg werden seine Aufgaben wahr­scheinlich besser vom Motor gelöst werden.

Solange die Parole nicht heißt:Pferd oder Motor", sondernPferd und Motor" bleibt die Pferdezucht eine der Säulen der Landesverteidi­gung, bleibt Liebe zum Pferde, Verständnis für seine Zucht und seine sachgemäße Verwendung Pflicht jedes wehrbewußten deutschen Landbewoh­ners. Das Grundgesetz jeder Pferdezucht:Ziehe das reinblütige Pferd, das deiner Scholle ange­messen ist!" erscheint so klar und einfach und wird doch so oft mißachtet oder gar leichtfertig beiseite geschoben. Um so mehr begrüßen wir es, daß der neue Staat die Landespferdezucht fest in die Hand genommen und in der Person des preußischen Ober­landstallmeisters, des bisherigen Leiters des Reichs­verbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warm­blutes, Gustav Rau, den Mann gefunden hat, dessen Herkunft, Kenntnisse und Willenskraft die Sicherheit gewährleisten, daß unter seiner Leitung die Zucht des deutschen Soldatenpferdes ihre füh­rende Stellung in der Welt behaupten wird.

Medensaufgaben unserer Kriegsmarine.

von Kapiiänleuinant Meyer-Oöhner.

Die erste und wichtigste Aufgabe einer Kriegs­flotte ist selbstverständlich der Schutz der Hei­mat gegen feindliche Angriffe und die Sicherung der Zufahr st raßen über See. Deswegen braucht jeder an die See an­grenzende und von ihr abhängige Staat eine an­gemessene Seemacht, deren Größe und Zusammen­setzung sich ausschließlich nach den Aufgaben zu richten hat, die ihr in einem Kriege zufallen könnten. Wie für jeden anderen Staat gilt diese Grundregel auch für Deutschland. Wir beanspruchen für unsere Verteidigung auch zur See das gleiche Recht, wie es anderen Völkern zusteht.

Neben der Vorbereitung auf ihre eigentliche Auf­gabe, neben der militärischen Ausbildungstätigkeit, leistet unsere Marine aber schon im Frieden eine Menge Dienste, die in erster Linie der Allgemein­heit zugute kommen. Da ist vor allem das Ver­messungswesen mit seinem weitverzweigten Aufgabenkreis zu nennen. Die deutschen See­karten, die in der Nautischen Abteilung der Marineleitung entstehen, werden wegen ihrer Ge­nauigkeit außer in Deutschland noch bei zahlreichen anderen Nationen geschätzt und benutzt. Auch die dort ausgearbeiteten Seehandbücher, Leuchtfeuer- Verzeichnisse, Funkdienstangaben und andere Spe­zialwerke haben dazu beigetragen, dem hydrogra­phischen Dienst der Reichsmarine weithin Beachtung und Anerkennung zu verschaffen. Diese Ausarbei­tungen beschränken sich nicht auf die deutschen Küstengewässer, sie umfassen alle befahrenen M e e r e s t e i I e und sind daher auch für die inter­nationale Zusammenarbeit von ausschlaggebender Wichtigkeit.

Die zweijährige südatlantische Expedition des Ver­messungsschiffesM e t e o r" hat über die G e - ftaltung d e s Meeresbodens zwischen Afrika und Südamerika Aufschluß gegeben und die geologische Forschungsarbeit einen großen Schritt weitergebracht. Daneben wurden Strommes­sungen durchgeführt, meteorologische Beobachtun­gen gemacht und die biologische Wissenschaft um wertvolle Feststellungen bereichert. Alle Forschun­gen wurden unter der Mitarbeit bedeu­tender deutscher Wissenschaftler durch­

geführt. Auch an den späteren Fahrten desMe­teor", die ihn bis Grönland und Jan Mayen führ­ten, haben namhafte Gelehrte teilgenommen.

Eine andere wichtige Friedensaufgabe der Reichs­marine ist die Durchführung des Fischerei- s ch u tz e s. Die beiden FischereischutzbooteE l b e" undW e f e r" dienen ausschließlich diesem Zweck. Auch das obenerwähnte VermessungsschiffMeteor" wird auf seinen Fahrten in den Fischereischutzdienst mit eingespannt. Bis nach Island und Grönland, bis hinauf ins Weiße Meer erstreckt sich das Ar­beitsgebiet. Ueberall, wo deutsche Fischdampfer ihr schwieriges Handwerk betreiben, werden sie in regelmäßigen Abständen auf ihren Fanaplätzen von den Fischereischutzbooten aufgesucht. Jeder einzelne Dampfer oder Logger wird durch Anruf gefragt, ob er irgendeine Unterstützuna braucht.

Da gibt es eine Menge Arbeit: Der Schiffs­arzt hat auf solcher Reise alle Hände voll zu tun. Leichtere Krankheiten behandelt er gleich an Bord des Fischerfahrzeuges. Dazu muß er nebenbei ein guter Seemann sein, denn das Uebersetzen mit dem kleinen Beiboot erfordert bei Wind und Wetter schon allerhand seemännische Geschicklichkeit. Ernstere Fälle werden in das Bordlazarett des Fischerei­schutzbootes übernommen und notfalls in das nächste Hafenhospital eingeliefert. Häufig muß auch ein Funkmaat oder ein Maschinistenmaat einspringen, wenn es einen schadhaften Funkemp­fänger oder einen bockigen Motor zu reparieren gibt. Meist läßt sich der Fischdampferkäpten noch eine genaue Ortsbestimmung und Nachrichten über die günstigsten Fanggebiete geben. So wird ein Fahrzeug nach dem anderen unterstützt, wobei die­jenigen bevorzugt werden, die durch zwei unter* einandergesetzte Flaggen zu erkennen geben, daß sie am eiligsten Hilfe brauchen. Nach einer solchen vierwöchigen Reise weiß die Besatzung des Fische­reischutzbootes, was sie getan hat, aber die deut­schen Hochseefischer wissen auch, was sie ihren bra­ven Helfern alles verdanken.

Im Rahmen der Friedensleistungen sei auch an die Fortschritte gedacht, die die Technik zahl­reichen Versuchen und Anregungen der Marine zu verdanken hat. Schiffbau, Maschinenbau, Elektro­

technik, Motorenbau, Funktelegraphie, es gibt kaum einen Zweig, der nicht an Bord Verwendung fände und durch praktische Weiterentwicklung gefördert würde.

H i l f e I e i ft u n g in Seenotfällen ist der Reichsmarine selbstverständliche Pflicht. Häufig ge­nug hat sie Gelegenheit gehabt, in Not geratenen Fahrzeugen wirksame Hilfe zu bringen. In be­sonderem Maße war dies in den strengen Win­tern der Fall, in denen die Ostsee von Kiel bis zum Finnischen Meerbusen zugefroren war. Hun­derte von Dampfern und Seglern sind durch die Eisbrecher tätigfeit unserer Linienschiffe und Kreuzer aus großer Gefahr gerettet worden. Wo die Dicke des Eises ein Losbrechen der Fahrzeuge nicht mehr gestattete, haben die Kriegsschiffsbesatzungen in oft tagelangen Märschen über das Eis die einge­frorenen Dampfer mit Lebensmitteln und Brenn­material versorgt.

Die Auslandsreisen unserer Schul­kreuzer führen sie alljährlich in das fernere Aus­land, zum Teil auch um den ganzen Erdball. Wenn diese Fahrten auch in erster Linie der Ausbildung der Besatzung, vor allem der an Bord befindlichen Offizieranwärter, dienen, so geben sie außerdem doch noch Gelegenheit zur Erfüllung einer wohl ebenso wichtigen Aufgabe. Diese Kriegsschiffe bil­den in ihrer friedlichen Mission die Brücke zu den im Auslande lebenden deutschen Volks - und Stammesgenossen. Sie brin­gen ihnen die Grüße der Heimat und stärken sie in ihrem Volkstum, wie es durch kein anderes Mittel besser geschehen könnte. Deutsche Landsleute, die sich vorher kaum gesehen hatten, finden sich bei solch einem Kriegsschiffbesuch zusammen, und mit dem Zusammenhalt innerhalb der deutschen Kolonie steigt das Ansehen und damit die wirtschaftliche Kampfkraft des Einzelnen.

Schließlich sind die deutschen Kriegsschiffe im Ausland offizielle Vertreter des Deut­schen Reiches. Ihr Auftreten und das Ver­halten ihrer Besatzung sind der Maßstab, nach dem man das deutsche Volk draußen mißt. In der ersten Zeit nach dem Kriege, vor allem aber auch in der Zeit nach der nationalen Revolution hat das tadellose Auftreten unserer Kriegsschiffsbesatzungen viel dazu beigetragen, die Lügen der antideutschen Haß- und Hetzpropaganda zu widerlegen.

Unsere Schiffe selbst, die bei jedem Besuch von Tausenden von Ausländern mit kritischen Augen besichtigt werden, sind ein gutes Werbemittel für die Leistungsfähigkeit der deutschen Technik. Fast stets schwillt nach einem solchen Kreuzerbesuch die Zahl der aus dem betreffenden Lande nach Deutsch­land vergebenen Aufträge an, so daß auch die Wirtschaft direkten Nutzen aus den Auslandsreisen unserer Kriegsschiffe zieht.

Durch die Durchführung dieser ihrer Friedens­aufgaben, die über den Rahmen des rein Militäri­schen hinausgehend weiten Kreisen Nutzen bringen, fühlt sich die Reichsmarine dem deutschen Volke eng verbunden. Ihr schönster Lohn ist, daß sich die Erkenntnis von der Notwendigkeit deutscher See- und Weltgeltung unter der Führung Adolf Hitlers in weitesten Kreisen unseres Volkes wieder Bahn gebrochen hat.

Der Lustschutz von Paris.

Ganz im Gegensatz zu den Engländern haben die Franzosen im festen Vertrauen auf ihre Luft- macht bis zum Februar 1931 nur einen geringen Wert auf den zivilen Luftschutz gelegt. Da wurde dieGeneralinspektion des Heimatluftschutzes" dem altbewährten, jetzigen Kriegsminister, General P e - t a i n, übertragen, dem es auch gelang, die Zivil- behörden überzeugend für den passiven Luftschutz zu gewinnen. Jedoch hatte der alte Soldat natur­gemäß bei dem parlamentarischen System große Schwierigkeiten zu überwinden. Als Grundlage für die Arbeit der Behörden, Industrie usw. brachte er eine beachtliche Vorschrift für den zivilen Luftschutz heraus. Der Selbstschutz der Bevölke­rung aber kam nur ganz allmählich weiter; wäh­rend der militärische Luftschutz auf Grund des Führerprinzips vor allem in der Haupt­stadt in einer Weife durchgeführt wurde, wie in keiner Stadt der Welt sonst.

Der F1 a k s ch u tz von Paris verfügte bereits 1933 über 100 Flakbatterien von zum Teil modern­ster Konstruktion (durchschnittlich 8-Zentimeter-Ge- schütze), ausgerüstet mit den neuesten Kommando­apparaten; hierzu kommt das moderne Schein­

Die Schlacht bei Hohensriedeberg

4. Juni 1745.

Vor 190 Jahren begann der zweite schlesische Krieg, es ging um das Grenzland Schlesien. Und Schlesien hat, das sollte man nie in Deutschland vergessen, deutsch gedacht und deutsch gefühlt, ob­wohl es von jeher ein Land des Duldens und des Leidens war. Erinnern wir uns nur an die Mon­golenschwärme, die im 13. Jahrhundert, an die Hussitenzüge, die im 15. Jahrhundert das herrliche Land verwüstend durchzogen,, an die schweren Be­drückungen, die es als protestantisches Land in der Zeit der Gegenreformation unter Rudolf und Ferdinand II. und unter dessen jesuitischer Regie­rung hat über sich ergehen lassen müssen. Und nur so ist es zu verstehen, daß das Land auf atmete, als der Preußenkönig Friedrich II. bei feinem Ein­rücken im Jahre 1740 nicht als Eroberer, sondern als Befreier begrüßt wurde. Und mit diesem Ein- rücken am 16. Dezember 1740 hat Friedrich II. einen europäischen Krieg entzündet, nicht aus Machtdün­kel, sondern aus Lebensnotwendigkeit für Preußen 'und damit für Deutschland.

Kaiser Karl VI. war ohne männliche Erben ge­blieben Es war deshalb sein Streben, feiner Toch­ter Maria Theresia alle seine Gebiete zuzuwenden Er brachte es, wenn auch mit Opfern zu Wege, daß alle europäischen Mächte die Pragmatische Sank­tion, das österreichische Staatsgrundgesetz, in dem diese Erbfolge geregelt wurde, anerkannten. Auf Grund dieses Gesetzes sollten seine Erblonde im Falle seines Todes auf Maria Theresia, als Kö­nigin von Ungarn übergehen. Dieses Gesetz sollte auf ewige Zeiten" in Kraft bleiben, ein Beispiel dafür, daß das alte Soldatenlied, in dem der tief­gründige Satz vorkommtEwigkeiten gibts nicht viel" noch immer seine Berechtigung hat. Wie das bei Erbschaften hie und da Vorkommen soll, meldete sich nach dem Tode Kaiser Karl VI. (20. Oktober 1740) Karl Albert, Kurfürst von Bayern und be­hauptete, daß er von einer Tochter Kaiser Ferdi­

nands I. abstamme und berief sich auf ein Testa­ment desselben, welches nach dem Aussterben der männlichen Nachkommenschaft dem Hause Bayern das Erbfolgerecht zusagte. Der bayerische Kurfürst hoffte in dieser Erbauseinandersetzung auf die H'lfe Frankreichs. Bayern soll ja schon manchmal in der deutschen Geschichte auf diese Hilfe gerechnet haben. Wenn sich aber Frankreich in deutsche Angelegen-

heiten mischte, dann handelte es stets nach dem Grundsatz divide et imperia. Man kann aus dcr Geschichte immer seine Lehren ziehen, und man sollte auch aus der heutigen Stellung Frankreichs zu Deutschland und Oesterreich und Bayern (vgl. die Jahre kurz nach dem Kriege) erkennen, daß es Frankreich stets auf die Schwächung Deutsch­lands ankommt, um seinen Machthunger zu befrie­digen. Die Unterstützung Frankreichs wurde Karl Albert zugesagt und so kam gleichzeitig mit dem ersten schlesischen Krieg (1740 bis 42) der österreichi­sche Erbfolgekrieg (1741 bis 48) zustande.

Maria Theresia schloß, um freie Hand nach

Bayern und Frankreich zu bekommen, mit ihrem gefährlichsten Gegner, Friedrich II. von Preußen am 28. Juli 1742 zu Breslau Frieden und überließ ihm Ober- und Niederschlesien mit der Grafschaft Glatz. In der Zwischenzeit führte Maria Theresia einen glücklichen Krieg gegen Bayern und Frank­reich. Als Ersatz für Schlesien hoffte sie Bayern erringen zu können. Sachsen, das m seinen Hoff­nungen auf Schlesien durch den ersten .'chlesischen Krieg enttäuscht war, schloß sich der Kaiserin an.

Friedrich II. erblickte in dieser Entwicklung mit Recht eine Gefahr für sich. Er merkte, ,daß man ihm Schlesien wieder entreißen wollte, und so kam es zum zweiten schlesischen Krieg (174445), weil er nicht warten wollte, bis Frankreich und Bayern durch die Truppen Maria Theresias mebergeroorfen waren. Er rückte in Böhmen ein, das kaum besetzt war, nahm Prag und drang ots zum Süden des Landes vor. Aber die Feindseligkeit der katholi­schen Bevölkerung, die Zerstörung ferner Magazine, die mangelnde Hilfe der Franzosen im Westen und das Eindringen der Oesterreicher und der .-^t fanen verbündeten Sachsen über den Böhmerwald nach Böhmen zwangen ihn sich nach Schlesien zurückzu- ziehen. Die Oesterreicher und Sachsen unter Earl von Lothringen waren allen Versuchen des Königs, sie zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen, ans* gewichen. Die Lage des Königs war *m höchsten Grade gefährlich, zumal auch ieme Kaffen fo er­schöpft waren, daß er nicht wußte, wie er den Krieg weiterführen sollte. In diesem Augenblick höchster Gefahr kam es am 4. Juni 1745 zur Schlacht bei Hohefriedeberg.

Friedrich war es gelungen, die österreichisch-säch­sische Armee durch die absichtlich nicht besetzten Pässe und durch falsche Kundschaftermeldungen nach M'l- telschlesien hereinzulocken. Die Feinde vermuteten ihn auf dem Rückzug nach Breslau und glaubten, daß die preußische Armee durch den demoralisieren­den Rückzug und die mangelnde Verpflegung wider- stanosunfähig sei.

Friedrich hatte seine etwa 65 000 Mann bei Fram kenstein vereinigt, marschierte rrit seiner Hauptmacht auf Reichenbach und mit der Avantgarde nach Strie-

gau. Wie er erwartet hatte, marschierte die öster­reichisch-sächsische Armee sorglos durch die Gmirgs- pässe in die Ebene Richtung Landshut. Westlich Striegau machten die Verbündeten (ine Rechts­schwenkung mit dem Drehpunkt Hohenfnedeberg und marschierten auf Schweidnitz zu, wo sie den König vermuteten. Die Sachsen bilbclen die Anant- garbe unb übernahmen bei bcr Rechtsschwenkung ben linken Flügel bei Pllgramshain. Unbemerkt zog Friebrich seine Armee nach Striegau, überschritt ben Striegaubach unb marschierte in Schlachtorb- nung auf. Selten lagen bie Dinge für bie öster­reichisch-sächsische Armee, eine Vernichtungsschlacht zu schlagen, so günstig, wie hier bei Striegau. Aber der König wartete nicht erst bis die feindliche Armee zum Angriff schritt. Um 4 Uhr vormittag griff er mit Infanterie, Kavallerie unb Artillerie mit größ­tem Ungestüm ben sächsischen linken Flügel an unb warf ihn unter größten Verlusten auf Pilgramshain zurück, so baß bie Gefahr ber Umzingelung für bie Derbünbeten beftanb. Erst um 7 Uhr, als bie Sach­sen schon geworfen waren, griffen bie Oesterreicher in bie Schlacht ein. Währenb bie Front ber Oester­reicher bei Thomaswalbau sich noch hielt, würbe bereu rechter Flügel berartig heftig von ber preußi­schen Kavallerie angegriffen, baß biefer nach Hohen- friebeberg zurückgeworfen würbe unb nur noch ben Rückzug ber Derbünbeten becken konnte. Die öster­reichisch-sächsische Armee in Stärke von etwa 70 000 Mann hatte 15 230 Mann, 54 Fahnen, 7 Stanbar- ten unb 45 Geschütze verloren, währenb ber Ver­lust ber Preußen nur etwa 4700 Mann betrug. In fünf Stunben war biefer gewaltiger Sieg errungen, ber so leicht zu einer völligen Vernichtung bcr preußischen Armee hätte führen können. Der König schrieb selbst vom Schlachtfelb bie Worte:Diese Sache ist bie beste, bie ich gesehen habe unb bie Armee sich sürpassiert hat". Leiber hat ber König, in ber Annahme, baß biefe Schlacht bas Enbe bcs Feldzugs bedeute, von einer energischen Verfolgung des geschlagenen Gegners Abstano genommen,'wo­durch zweifellos die Gegner vollkommen vernichtet worden wären.

L. G.