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Kabinettsumbildung in Polen.

Warschau, 27. Juni. (DNB. Funkspruch.) Wie der regierungsfreundlicheExpreß Poranny" ver­sichert, soll noch im Laufe dieser Woche eine K a - binettsumbildung erfolgen. Es wird vor allen Dingen die Ernennung eines Innen­ministers und eine Aenderung auf dem Posten des Landwirtschaftsministers er­wartet. Man rechnet nach Meinung des Blattes be­stimmt mit dem Rücktritt des bisherigen Land­wirtschaftsministers K l u k o w s k i und mit der Uebernahme dieses Postens durch den Kurator der Landwirtschaftlichen Schule in Krzemienieo, P o - n i a t o w s k i, der bereits im Zusammenhang mit der vorherigen Umbildung des Kabinetts als Kan­didat für den vorgenommenen Posten erwähnt wurde. Seine Ernennung kam damals nicht zu­stande, weil Ponjatowski sich Bedenkzeit erbeten hatte. Gleichzeitig sollen noch eine Reihe von Aenderungen bei dem Posten der Unter­staatssekretäre erfolgen.

Oer Ministerpräsident beim Staatspräsidenten.

Warschau, 27. Juni. (DNB. - Funkspruch.) Staatspräsident M o c z i ck i hat Dienstag den Ministerpräsidenten Kozlowski zur Bericht­erstattung empfangen. Wie in unterrichteten Krei­sen verlautet, wird der jetzige Woyjewode von

Lemberg, B e l i n a - P r a z m o w s k i, als Kandi­dat für den Posten des Innenministers ernstlich genannt.

Maßregelungen in Warschau.

Warschau, 26. Juni. (DNB.) Einer Meldung der halbamtlichenGazeta Polska" zufolge wurden die drei höchsten Beamten der Sicher­heitsbehörden in Warschau ihres Amtes ent­hoben, und zur Disposition gestellt. Es handelt sich um den Chef des Sicherheitswesens im Innenministerium K u ch a r s k i, den Chef der Sicherheitsabteilung im Warschauer Regierungskom­missariat L e p k o w s k i und den Poizeikomman- danten von Warschau Czyniowski. Wie das Blatt hierzu bemerkt, werden die genannten Beamten auf ihre Posten nicht mehr zurückkehren. Gleichzei- tig verlautet, daß noch weitere Entlassun­gen bevorstehen sollen.

Die zuständigen Stellen legen gegenüber den Berliner Meldungen über die Festnahme des ver­meintlichen Mörders des Innenministers und General P i e r a ck i größte Zurückhaltung an den Tag. Es ist jetzt noch nicht möglich gewesen, irgend­welche genauen Einzelheiten über die Festnahme und über den Stand der polizeilichen Ermittlungen in Erfahrung zu bringen.

Oie Spannung in Frankreich.

Paris, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Vorsitzende der nationalen Front­kämpferoereinigung, Munizipalrat L e - b e c q, weist imJournal" die Regierung nach­drücklich auf ihre Pflicht hin, für die Säube­rung des Staates zu sorgen. Am 8.Juli wür­den die Frontkämpfer Rechenschaft for­dern. Die gewiß anerkennenswerten Bemühungen des Ministerpräsidenten Doumergue würden vergeblich fein, wenn nicht viel mehr für die He­bung der Moral des Landes und die Be­strafung der Schuldigen getan würde. Man kenne diejenigen, die die französischen Spa­rer ausgeplündert hätten, aber man ver­folge sie nicht. Seien sie etwa )u hoch gestellt oder zwängen gewisse Mächte, die bie Republik in Beschlag hätten, dem Lande die Diktatur der Lüge auf? Warum werde mit zweierlei Maß gemessen? Mit einem für die armen Teufel, die sich während des Krieges im Felde etwas hätten zu Schulden kommen lassen und in den Strafkolonien Zwangsarbeit leisteten, und mit einem anderen für frühere Minister, Politiker und Beamte, dietabu" zu sein schienen. Die Regierung müsse Mut zeigen, jtonst werde der 6. Februar schlimme Folgen gaben.

Vertrauensfrage in der Kammer.

Paris, 26. Juni. (DNB.) In der Kammer wurde am Montag ein Entschließungsentwurf über die wirtschaftliche und soziale Aufrü­stung des Landes in der von der Regierung gebilligten Form verabschiedet. Ein Zusatz an - t r a g der Sozialisten, der die Regierung zwingen sollte, das Programm noch vor den Ferien

einzubringen, wurde mit 405 gegen 150 Stimmen abgelehnt, nachdem die Regierung die Ver­trauensfrage gestellt hatte.

Neue Zusammenstöße.

Paris, 26.Juni. (DNB.-Funkspruch.) In einem der größten Pariser Säle hatte unter dem Vorsitz des früheren radikalsozialistischen Abgeordneten Bergöry und des Professors Langevin die sog. Front Commun, in der die verschiedensten Linkselemente zusammengeschlossen sind, eine Ta­gung abgehalten. Mehrere Gruppen gerieten nach der Versammlung im Etoile-Viertel mit Vertretern rechtsstehender Jugendverbände aneinander. Polizei mußte eiizgreifen, um die Kämpfer zu trennen. Einige Verhaftungen wurden vorgenom- men. Bei den Zusammenstößen sind vier Personen verletzt worden. «

In Sorten! kam es am Montag zu neuen Zusammenstößen zwischen linksgerichteten Gruppen und Polizei. Die Kundgeber hatten sich vor dem Redaktionsgebäude der ZeitungNouve- liste de Morbihan" versammelt, deren Direktor als Faschist gilt. Sie stimmten die Internatio­nale an und erhielten nach und nach Zuzug aus einigen Vororten. Als die Lage bedrohlich zu werden begann und die Kundgeber gegen das Zeitungsgebäude anrücken wollten, ging ein star­kes Polizeiaufgebot gegen sie vor und nahm viele Verhaftungen vor. Wie derExcelsior" mel­det, sind bei diesen Zusammenstößen eine Reihe von Personen verletzt worden. Auch soll das Gerücht verbeitet sein, daß zwei Kundgeber ihren Ver­letzungen erlegen sind.

Oie Politik Barihous macht Frankreich zur Verabscheutesten Nation."

Paris, 26. Juni. (DNB.)T e m p s" beschäftigt sich im Leitartikel mit dem Besuch Barthous in Belgrad und verwahrt sich gegen die An­nahme, daß der französische Außenmimster eine Isolierung s- oder Einkreis ungspoli- t i k gegen irgendeine andere Macht betreibe. In dem System der regionalen Abkommen könnten alle Völker guten Willens ihren Platz finden, und sie würden die Gewißheit haben, auf dem Fuße voll­kommener Gleichheit ein und dieselbe Garantie ür ihre Sicherheit zu finden. Das gelte besonders für Deutschland für ein Ostlocarno, ür Oesterreich und Ungarn für einen Mittel­europapakt und für Bulgarien für den Bal­ta n p a k t.

Ganz anders urteilt die Oppositionspresse. Sie sagt voraus, daß die Politik Barthous, die i n den Spuren eines Elemenceau wan­dele, Frankreich zur verabscheute­st en Nation machen werde. Die Regie­rung Doumergue versuche, den Block der Sieger von 1918 gegen die Besiegten von 1918 wieder zustande zu bringen. In Oppo­sitionskreisen verzeichnet man ausdrücklich die Tatsache, daß Berlin, Rom, Budapest, Wien und Sofia aus dem Reiseprogramm des französischen Außenministers a u s g e l a s - f e n worden sind.

Südslawien gegen jede Revision.

Belgrad, 26. Juni. (DNB.) Die Skupschtina und der Senat veranstalteten Dienstag eine ge­meinsame Festsitzung zu Ehren des französi­schen Außenministers Barthou. Ministerpräsident U s u n o w i t s ch unterstrich in seiner Rede neuer­lich die unbedingte Ablehnung aller revisionistischen Bestrebungen durch Südslawien. Der heutige Stand der Dinge in Europa sei zu teuer erkauft worden, als daß man ihn ändern dürfe. Barthou betonte die Zus a m - m e n a r b e i t zwischen Frankreich und Süd- f 1 a ro i e n und erinnerte an die Verdienste, die Paris bei der Errichtung des südslawischen Staates hatte. So wie die Vorredner sprach auch er von der Liebe, die Franzosen und Südslawen verbinde. Seine Ausführungen schloß er mit einer Huldigung für König Alexander.

Barthou von Belgrad abgereist.

Belgrad, 27. Juni. (DNB.) Der französische Außenminister Barthou ist am Dienstag um 22 Uhr von Belgrad a b g e r e i ft. Zur Verabschie­dung hatten sich auf dem Bahnhof u. a. eingefun­den der Ministerpräsident und die Mitglieder der Regierung, sowie zahlreiche Senatoren und Abge­ordnete und Vertreter des diplomatischen Korps.

Große französische Rüstungskredite für Rumänien.

London, 27. Juni. (DNB.-Funkspruch.)Mor- ning Post" meldet aus B u f a r e ft, infolge des Besuches Barthous habe Rumänien eine französische Anleihe von annähernd

acht Millionen Pfund Sterling in Form langfristiger Kredite von französischen R ü - stungssirmen erhalten. Die rumänische Armee werde mit modernem Material ausgestattet wer­den. Es verlaute, daß ein Teil der Ausrüstung der Luftstreitmacht in Großbritannien gekauft werden solle. Aus diesem Grunde werde der ru­mänische Luftfahrtminister Jrimesca am Mitt- woch nach London abreifen.

Frankreich rutscht ab.

Rom, 26. Juni. (DNB.) Die Art und Weife, wie Barthou auf seiner Balkanreise gefeiert und geehrt wird, bilden den Gegenstand zum Teil recht sarkastischer Bemerkungen der italienischen Presse. Der Direktor derTribuna", Senator For- ges D a v a n z a t i, schreibt u. a. im Leitartikel, die Stellung Frankreichs habe durch die Reise nicht gewonnen. Die Bindungen höherer Art, wie sie der Vertrag von Locarno mit sich gebracht habe, seien durch die Reden Bar­thous und die kriegerischen Antworten seiner Bal- kankollegen zugunsten Bindungen nied­rigerer Art abgeschwächt. Frankreich rut­sche ab in Richtung auf eine überwiegend balka­nische Ebene.

Englische Unterhausmitglieder gegen Barthou.

London, 27. Juni. (DNB.-Funkspruch.) In einem von 18 Unterhausmitgliedern unterzeichneten Brief an dieTime s" werden die Bukare­ster Aeußerungen Barthous über die Fragen der Grenzrevision bedauert. Die Einsender erklären, sie hielten eine Berichti­gung der durch den Vertrag von Trianon geschaffenen Grenzen für unvermeidlich und glaubten, daß eine gerechte Regelung der Streitfrage zwischen Ungarn und seinen Nachbarn die Stim- mung beruhigen und einen wirklichen Frieden her­beiführen würde. An der Spitze der Unterzeichner steht der Konservative Sir Roger G o w e r.

Oer Friedens-Standpunkt Ungarns.

Budapest, 26. Juni. (DNB.) Ministerpräsident G ö m b ö s gab einem Vertreter des Ungarischen Telegraphen- und Korrespondenzbüros folgende Er­klärungen: Die Aeußerungen Barthous haben verständlicher Weife große Ueberrafchung, teilweise sogar Bestürzung hervorgerusen. Jene un­garischen Kreise sind besonders enttäuscht, die bisher der Ueberzeugung waren, die auswärtige Politik Frankreichs sei nicht aus Bajo­nette, sondern auf Gerechtigkeit gegründet. Sie waren stets der Meinung, daß die Außenpolitik Frankreichs das Ziel verfolge, die leider auch heute noch bestehenden scharfen Gegensätze zwi­schen den europäischen Völkern zu lindern, diese Völker einander näher zu bringen und damit die gerade von den französischen Staatsmännern so sehr betonte europäische Zusammen­arbeit langsam und stufenweise vorzubereiten. Die jüngsten Aeußerungen Barthous haben diese Hoffnungen zunichte g e.m a ch t. Der französische Außenminister bekannte sich voll Stolz als offen­

herziger Mann, der nicht verhülle, was er meine und fühle. Herr Barthou wird also volles Verständ­nis dafür haben, wenn auch wirruhigundbe- sonnen, aber ebenfalls mit voller Aufrichtigkeit unseren Standpunkt festlegen. Die ungarische Regierung verfolgt, wie dies allgemein bekannt ist, eine friedliche Politik und will ihre Ziele ausschließlich mit friedlichen Mitteln erreichen. Diese Politik wurzelt nicht nur in der Seele der Nation, sondern auch im Fnedensvertrag selbst. Die ungarische Regierung will diese auf gesetzlicher Grundlage beruhende Po­litik wie bisher so auch in der Zukunft ausschließ­lich mit friedlichen Mitteln fortsetzen. Dabei wird sie es an derselben Entschlossenheit wie in der Vergangenheit nicht fehlen lassen.

Italienischer Floitenbesuch in Albanien.

Tirana, 26.Juni. (DNB.) Das erste Ge­schwader der italienisch en Adriaflotte, bestehend aus 20 Einheiten, ist im Hafen von D u - razzo vor Anker gegangen. Nach der Ankunft be­gab sich der Vertreter des Geschwaderkommandanten sofort an Land und stattete den albanischen Behörden einen offiziellen Besuch ab.

Erinnerungen an Agadir und Korfu.

Paris, 26. Juni. (DNB.) Journal des De> bats" bringt die Ankunft eines italienischen Geschwaders vor der albanischen Küste mit der Balkanreise des französischen Außen- m i n i st e r s in Zusammenhang.Unwillkürlich", so schreibt das Blatt,stiegen Erinnerungen an Agadir und Korfu auf. Es wäre zu wünschen, daß dieser unvermutete Besuch, der den erstaunten Albanern als Freundschaftskundgebung hingestellt worden sei, keine Folgen habe."

Gärt es in Nordafrika?

Paris, 27.Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Ge­neralresidenten von Algier und Tunis sind in Frankreich eingetroffen. Die kommunistische Humanits" behauptet, daß sie mit der französischen Regierung über die starke revolutionäre Strömung in der Eingeborenenbevöl­kerung Fühlung nehmen werden. In den meisten nordasrikanischen Städten mache sich eine Gärung gegen den französischen Imperialis­mus bemerkbar. In letzter Zeit hätten 60 000 Per­sonen an Protestkundgebungen teilgenommen.

Aus aller Welt.

Oer Oelsnitzer Mörder festgenommen.

Ein zweiter Ausbrecher erschossen.

Plauen, 27. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der Mörder Ottmar, der am Montagabend im Amts­gerichtsgefängnis O e l s n i tz den Hauptwachtmeister Becker erwürgt hatte und dann mit zwei Mit­gefangenen ausgebrochen war, konnte noch am Dienstag durch den Oberscharführer der SA. Kurt R e g e n f u ß in der Nähe von Harkneukirchen in einem Getreidefeld fe ft genommen werden. In Otmars Begleitung befand sich der mit ihm geflüch­tete Gebhardt. Gebhardt entwich, während Regenfuß den Ottmar festhielt. Ottmar wurde schwer gefesselt nach Plauen eingeliefert. Nach dem Aus­bruch aus dem Gefängnis hatten die drei Verbre­cher sich kurz hinter Oelsnitz getrennt. Schröter ist in Richtung Bösenbrunn davongewandert. Die «Streifen wurden die ganze Nacht hindurch fort­gesetzt. Mittwochmorgen gegen 4 Uhr wurde Geb- yardt bei Erlbach aufgespürt. Der Gastwirt Teub­ner erkannte Gebhardt, der keine Schuhe und keine Kopfbedeckung trug und rief ihn an. Da der Ver­brecher nicht stehen blieb, gab Teubner zwei Schüsse auf ihn ab. Der zweite Schuß traf den Flüchtigen in den linken Oberschenkel. Gebhardt verblutete infolge der Verwundung. Die Leiche wurde nach Erlbach überführt. Schröter ist noch nicht gefaßt worden.

Der Stapellauf des PanzerkreuzersC im Rundfunk.

Die Reichssendeleitung teilt mit: Am Samstag, 30. Juni, läuft der PanzerkreuzerC" in Wilhelms­haven vom Stapel. Der Reichssender Hamburg überträgt im Deutschlandsender ab 12.45 Uhr diese Veranstaltung. Nach dery Zusammenschalten der Sender beginnt der Funkbericht ab 12.56 Uhr. Er schildert das Eintreffen des Flottenchefs, das Ab­schreiten der Front,.die Taufrede des Flottenchefs. Man hört den Taufspruch, anschließend erleben wir den Stapellauf des Panzerkreuzers. Das Deutsch­land- und Horst-Wessel-Lied beschließen die Feier. Die für die vorgesehene Zeit angesetzten Wetter­meldungen, Konzerte und Nachrichten fallen für alle Sender aus.

Delttunstflugmeister Gerhard Fieseier zum Fliegerkapitän ernannt

Weltkunstflugmeister Gerhard Fieseler wurde in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um den deutschen Flugsport zum Fliegerkapitän im Deutschen Luftsportoerband ernannt.

Graf Zeppelin" in Pernambuco gelandet.

Wie die Deutsche Seewarte mitteilt, ist bas Luft­schiffGraf Zeppelin" gestern um 20 Uhr MEZ. in Pernambuco gelandet. Es wird heute um 11 Uhr MEZ. zu seiner Fahrt nach Argentinien starten.

Ehrung eines Fischdampferkapitäns.

Dem Kapitän S e i d a ch vom FischdampferRo­bert de Neufville" wurde die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Kapitän Seidach hatte am 29. No­vember 1933 nm Weißen Meer bei schwerstem Wetter und 9 Grad Kälte den Matrosen Karl Doege, der durch eine überkommende See über Bord ge­spült wurde, unter Aufbietung aller Kräfte und unter eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrin­kens gerettet.

Bei einem Einbruch den Wächter erschossen. 12% Iahre Zuchthaus.

Das Schwurgericht in Mannheim verurteilte den 22jährigen Friedrich Mayer aus Walldorf wegen versuchten schweren Diebstahls in Tateinheit mit einem Vergehen gegen das Schußwaffengesetz und wegen eines Verbrechens des Totschlags zu einer Zuchthausstrafe von zwölf Jahren sechs Monaten. Der wegen Einbruchsdiebstahls bereits vorbestrafte Angeklagte hatte am 1. Juni v. I. bei einem Ein­bruch in das Kohlenlager Meteor in Rheinau den 28jährigen Wächter Pfalzgraf, der ihn dabei er­tappte, durch zwei Schüsse getötet.

Zwei Bergsteiger abgeffürjL Eine Leiche geborgen.

Aus Markt-Oberdorf (Allgäu) wird gemeldet: Der Mühlenbesitzerssohn Hugo Singer aus Rie­der bei Markt-Oberdorf und der Schneider Franz Bock aus Markt-Oberdorf begaben sich am Sams­tag an den Geiselstein, um diesen erstmals an der gefährlichen Nordwand zu ersteigen. Bis Sonntag mittag wollten die beiden zurück fein. Als sie aber in der Nacht zum Montag noch nicht heimgekom­men waren, wurde am Montag eine Rettungs­expedition aus Markt-Oberdorfer und Füssener Bergsteigern abgesandt, der es nach langem Suchen aelang, am Montag Hugo Singer vollständig zer- schmettert zu bergen. Sein Freund konnte bisher noch nicht gefunden werden. Der Absturz ist auf einen Riß des Seiles zurückzuführen.

Schweres Schadenfeuer im Schloß Batocki.

Im Schloß Bledau bei Cranz (Ostpreußen), das dem früheren Ernährungsminister Dberpräfibent a. D. von Batocki gehört und von diesem an das KönigsbergerKrankenhaus der Barmherzig­keit" als Erholungsheim für Diakonissen verpachtet ist, kam am Dienstagmittag, durch einen schadhaf­ten Schornstein verursacht, Feuer aus. Der Brand wurde erst entdeckt, als hohe Flammen aus dem nördlichen Flügel des prachtvollen riesigen Barock­schlosses schlugen. In wenigen Minuten hatte das

Feuer den gesamten Dachstuhl des Schlaffes in ein Flammenmeer verwandelt. Sämtliche freiwillige Feuerwehren der Umgebung, auch die Königsberger Wehren, waren angerückt. Trotzdem brannte das Obergeschoß völlig aus. Schloß Batocki brannte bereits vor etwa 10 Jahren einmal bis auf die Grundmauern nieder und wurde von feinem Be­sitzer, Herrn von Batocki, seinerzeit wieder völlig neu aufgebaut.

Internationale Fälscheraffäre aufgedeckt.

Die Wiener Polizei ist einer großangelegten internationalen Fälscheraffäre auf die Spur gekom­men. Durch einen Zufall wurde feftgeftellt, daß in den letzten Tagen gefälschte Schuldverschreibungen der internationalen österreichischen Bundesanleihe von 1930 (nicht zu verwechseln mit der österreichi­schen Völkerbundsanleihe) in Umlauf gesetzt worden sind. Es handelt sich um die internationale An­leihe,über die die österreichische Regierung seit 1924 verhandelt hatte und deren Schuldverschreibungen an sämtlichen großen Börsen notiert werden. Die Polizei hat bisher eine Person verhaftet. Nach den Ermittlungen scheinen die Fälschungen von einem weitverzweigten internationalen Fälscherkonsortium auszugehen, das seinen Sitz im Auslande hat. Die Wiener Polizei hat sich daher unverzüglich an die zuständigen Behörden der benachbarten Länder mit dem Ersuchen gewandt, ihrerseits die Nachforschun- gen in Hand zu nehmen. Eine Spur führt nach Brünn.

Zahlreiche Opfer der Ueberschwemmungen in Indien.

Nach Meldungen aus der Indo-Britischen Prä­sidentschaft Assam werden in den überschwemmten Gebieten Hunderte von Personen vermißt. Ein Dampfer mit zahlreichen Reisenden an Bord ist in der Gegend von Gauhatti gestrandet. Alle Passagiere ertranken.

Dampferkollision im Hafen von Lorienl. Sechs Tote.

Im Hasen von Lorie nt hat am Dienstag- abend der auslaufende kleine DampferProfpöritö" mit 200 Passagieren an Bord, alles Arbeiter der Hafenverwaltung und des- Arsenals, den heimkeh- renden kleinen DampferMarie-Ange" gerammt. Der Schiffszusammenstoß hat sechs Tote und sechs Verletzte als Opfer gefordert. Von den Dampfern blieb einer bei dem Zusammenstoß unversehrt, wäh­rend der andere leck geworden mar und anfing, Wasser zu fangen, so daß der Kapitän ihn auf Strand setzte. Bei den Toten und Verletzten handelt es sich um Arbeiter, die auf dem Heimweg begriffen waren.

Urlaub für alle Reichs- und Gauredner

Berlin, 27. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Reichspropagandaleiter der NSDAP, gibt laut NSK. bekannt:

Der Kampf gegen die Nörgler und Miesmacher nimmt mit dem 3 0. Juni fein Ende. Er hat in feiner zweimonatigen Dauer eine unerhörte, weit über das normale Maß hinaus- gehende Beanspruchung unserer Reichs- und Gau­redner notwendig gemacht. Um ihnen die für die Herbst- und Winteranforderungen notwendige Aus­spannung zu geben, ordne ich hiermit für den ge­tarnten Monat Juli, entsprechend dem SA.- Urlaub und der Anweisung des Stabsleiters der PO. betreffenb Urlaub für die politischen Leiter, sowie Amtswalter der angeschlossenen Verbände und der GemeinschaftKraft durch Freude" für alle Reichs- und Gauredner Urlaub an.

gez. Dr. Goebbels, Reichspropagandaleiter.

Wettervoraussage.

Ein Hochdruckgebiet hat sich über Südwesteuropa aufgebaut und wirkt zunächst etwas beruhigend auf bie Wetterlage ein. Da aber das Jslandtief sich weiter ostwärts bewegt, wird an feiner Südseite wieder ozeanische Lust nach dem Kontinent vorge­schoben, was stellenweise Anlaß zu gewitterhaften Niederschlägen geben dürfte. Im großen ganzen wird sich aber das Wetter ziemlich freundlich und warm gestalten.

Aussichten für Donnerstag: Teils mol- tig, teils aufheiternd, schmül, stellenmeise noch Nei­gung zu geroittrigen Niederschlägen.

Aussichten für Freitaa: Im ganzen freundliches, aber noch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 26. Juni: mittags 18.9 Grad Celsius, abends 16,1 Grad, am 27. Juni: morgens 16,6 Grad. Maximum 20,7 Grad, Mini­mum 13,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 Zenti­meter Tiefe am 26. Juni: abends 19,5 Grad; am 27. Juni: morgens 18,0 Grad Celsius. Nieder- schlage 1,3 Millimeter. Sonnenscheindauer 1,3 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lang«. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verant» mvrtlich für Politik und Feuilleton: I. V.: Ernst Blumschein, für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 34: 11 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämttich in Gießen.