Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhauptsiadt.

OerLuchs" im Sauerland ein Oachs

Don Geheimrat Or. Olt, Gießen.

DerGießener Anzeiger" brachte in der Nr. 37 vom 13. Februar eine Mitteilung über die Beobach­tung eines Tieres, das aus leichtem Nebel und Regendunst in einem Walde auftauchte.

Es benahm sich sonderbar,wie betrunken" oder wie verwundet", .torkelte und taumelte", dann aber, ganz plötzlich, rannte es davon, bis es im Nebel verschwand.

Diese Beobachtung paßt ausgezeichnet auf Be­wegungen, wie sie der Dachs zeigt, wenn er am Boden nach Würmern, Engerlingen und anderem Kleinfraß sucht. Ständig wackelt der Kopf nach rechts und links, oben und unten und in vielfachen Windungen wie torkelnd bewegt sich Grimbart fort. Der Schwanz war mäßig lang, dick und knollig". Das trifft gleichfalls für den Dachs zu. Die Grö­ßenangabe: Das Tier warnicht viel kleiner als ein mittelgroßer deutscher Schäferhund". Der Be­obachter war anfangs im Zweifel, ob es nicht eine große Wildkatze hätte fein können. Es ist ausge­schlossen, daß das ein Luchs war, wenn der Bericht­erstatter auch an den Ohren im Nebel! deut­lich erkennbare Haarbüschel gesehen haben will. Ein Luchs wiegt 80 bis 100 Pfund, ist sonach etwa dop­pelt so schwer wie ein deutscher Schäferhund und vierfach so schwer wie das beobachtete Tier, der Dachs.

In der Zeit vom 10. Juni bis heute hat sich das Bild des seltenen Tieres in der Erinnerung doch wohl etwas verwischt, die richtige Schilderung der Bewegungen stimmt aber aus den Dachs, der nach 10 bis 15 meterlangem Torkeln Wind bekam und danndavonrannte".

Noch ein alter Kämpfer.

Zu unserer Mitteilung am vorigen Samstag über die alte Garde der NSDAP, im Kreise Gießen mit der Mitgliedsnummer unter 100 000 wird uns ergänzend noch berichtet, daß auch Herr Heinrich K l ö s, Ludwigstraße 47, Mitgliedsnummer 84 164, in diese Reihe der alten Garde einzufügen ist.

Der Gauschulungsleiter in Gießen.

Am kommenden Sonntag, 4. März, um 16 Uhr, veranstaltet die NSDAP. Gießen eine öffent­liche Kundgebung in der Volkshalle, bei der der Gauschulungsleiter und Gauinspekteur Prof. Wer­ner sprechen wird. Sämtliche Bürgermeister, Ge­meinde- und Stadträte, sowie sämtliche Politischen Leiter des Kreises Gießen haben nach einer Anord­nung des Kreisleiter Dr. Harth zu dieser Kund­gebung zu erscheinen. Ferner ist durch die Fach­gruppenleiter den Beamten und den Mitgliedern des NSLB. im Bezirk Gießen das Erscheinen in der Versammlung zur Pflicht gemacht.

Amt für Beamte, Kreis Gießen.

An der am 4. März, nachmittags 4 Uhr, in der Volkshalle zu Gießen stattfindenden großen öffent­lichen Kundgebung (Redner: Gauschulungsleiter Pg. Prof. Werner) nehmen teil: 1. die politischen Leiter des Amtes für Beamte, 2. die Mitglieder desReichsbundes der Deutschen Beamten .

Die Fachschaftsleiter melden im Benehmen mit den Hauptvertrauensleuten und Vertrauensleuten am 27. Februar auf der Geschäftsstelle, Bismarck­straße 30, zwischen 18 und 20 Uhr, an mich die Zahl der im Vorverkauf zu beziehenden Eintritts­karten, die am 2. März während der gleichen Zeit daselbst ausgegeben werden.

gez.: Ulrich, Organisationsleiter.

und G e st a l t e n" festgestellt werden. Die Teil­nehmer wurden bekannt gemacht mit Zeiten hoher Kultur, in denen die Kunst eine führende Rolle hatte. An der Stärke des künstlerischen Lebenswillens konnte die Größe vergangener Epochen bemessen werden. Es zeigte sich, daß in kulturell hochstehen­den Zeiten die Kunst nicht Selbstzweck, sondern un­mittelbarer Lebensausdruck war, sei es, düß die schöpferische Gestaltungskraft in den gewaltigen Baudenkmälern deutscher Vergangenheit, den Do­men, Burgen und Schlössern, oder auch den Profan­bauten ihren Ausdruck fand, sei es, daß die Geschlos­senheit eines einheitlichen Formwillens sich im Städtebau offenbarte, oder sei es, daß künstlerisches Empfinden in der Handswerkskunst mit seinem Ge­fühl für Formen und Maße den Hausrat schuf.

Mit diesem kurzen Aufriß soll auf die Arbeits­weise der Volkshochschule hingewiesen werden. Es soll gezeigt werden, daß sie nicht in reiner Wissens­vermittlung ihre Aufgabe sieht, sondern daß die ver­schiedenen Wissensgebiete stets nur Hilfsmittel sein können zur Beantwortung von Lebensfragen.

Hausbesitzer und Arbeitsschlacht.

Das Staatspresseamt teilt mit:

Die Reichsregierung hat durch Gesetz vom 21. September 1933 allen Hausbesitzern die Mög­lichkeit gegeben, mit Neichszuschüssen Jnstand- setzungs- und Ergänzungsarbeiten ausführen zu lassen. Diese Reichszuschüsse erfolgen zur Entlastung des Arbeitsmarktes. Bis zum 31. März 1934 müs­sen die Arbeiten beendet sein. Es ist daher not­

erwirkt hat, erhält künftig, wenn der Schuldner keinen Widerspruch erhoben hat, den vollstreckbaren Zahlungsbefehl nicht mehr in Urschrift, sondern er erhält eine vollstreckbare Ausfertigung. Die Ur­schrift des Zahlungsbefehls verbleibt bei den Ge­richtsakten. Dadurch wird erreicht, daß künftig der Inhalt des Zahlungsbefehls und Dollstreckungs­befehls stets aus den Gerichtsakten hervorgeht; vor allem aber kann der Gläubiger bei Bedarf eine zweite Ausfertigung erhalten, während er seither in solchen Fällen einen neuen Zahlungsbefehl be­antragen mußte.

Es dient der Beschleunigung des Verfahrens und bajnit dem Interesse der Gläubiger, wenn diese den Antrag auf Erlaß eines Zahlungsbefehls in drei gleichlautenden Ausfertigungen unter Ver­wendung eines dem amtlichen Vordruck entsprechen­den Entwurfs einreichen.

BerichtderKriminalpolizeistelleGießen

Einbruchsdiebstahl.

In der Nacht zum 25. Februar wurde bei dem Maurermeister und Kirchenrechner Hch. Schäfer in Dorf-Gill ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Täter, der sich den in der Küche vorgefundenen Kuchen autfchmecken ließ, entwendete aus einer nicht verschlossenen Kassette etwa 70 Mark Bargeld. Aus der Scheune nahm er ein Herrenfahrrad, Marke Opel", mit. Einen kleinen Teil des Geldes, und zw-ar Pfennigstücke in Rollen, hat der Täter in der Nahe des Tatortes weggeworfen.

Diebstahl.

In der Klinik wurde eine wertvolle Nachtwächter­kontrolluhr mit Lederfutteral und Tragriemen ent­wendet.

DieZettims de« Heimat die Ieituns der Familie die Zeitung der Geschäftswelt

ist, von Tausenden geschätzt, seit Urväterzeiten der Gießener Anzeiger mit seinen wertvollen, von eigener Schristleitung be­arbeiteten, in eigenem Betrieb hergestellten Heimatbeilagenr

Gießener Familienblätter", außei-st sorgfältig gewählte, der Unterhaltung und Belehrung dienende deutsche Geisteskost/

Heimat im Bild", der heimatlichen Landschaff, ihrem Volks­tum, ihrer Kunst und Kultur in Bild und Wort gewidmet-

Oie Scholle", von Kennern der Heimaterde für die Land­wirtschaft und Gartenbau treibende Bevölkerung bearbeitet-

Oie Illustrierte", zu wahlfteiem Bezug gemeinschaftlich mit anderen deutschen Heimatblättern von Ansehen herausgegeben.

Das alles ist im Laufe von vielen Zahrzehnten zu einem im heimatlichen Volkstum tief eingewurzelten Begriff geworden, es

ift und bleibt der Gießener Anzeiger

NSLB., Bezirk Gießen.

Laut Anordnung des Gauschulungsleiters, Pg. Professor Dr. Werner, Frankfurt a. M., ist es Pflicht aller Mitglieder des NSLB., am Sonntag, 4. März, 16 Uhr, an der Kundgebung in der Volks­halle teilzunehmen.

gez.: N e b e l i n g, Kreisobmann.

NSLB., Bezirk Gießen-Land.

Am Mittwoch, 28. Februar, 15.30 Uhr, findet in Gießen im Hotel Köhler eine Bezirkstagung statt.

1. Vortrag: Das Führerprinzip.

2. Vortrag: Maßnahmen auf erzieherischem Ge­biete.

3. Bekanntmachungen.

Beiträge für März! 2. Rate für das Haus der Erziehung. Siegfried, Bezirksobmann.

Die Volkshochschule

im Winterhalbjahr 1933/34.1

Die Volkshochschule beschließt in diesen Tagen ihr Winterhalbjahr. Sie richtete in diesem Winter ihr Hauptaugenmerk ausschließlich üuf die Kurs- arbeit, denn größere Einzeloeranstaltungen, mit denen sie früher wohl an die Oeffentlichkeit getreten war, mußten aus finanziellen Gründen unterblei­ben. Der Besuch der einzelnen Lehrgänge war unterschiedlich. Leider mußten die KurseHeimat und Volkstum",Literaturgeschichte" undDeut­sche Musik" wegen zu geringer Teilnahme ausfal­len. Dagegen waren andere Lehrgänge zum Teil recht gut besucht.

Im Vordergrund des Interesses stand der Kurs Die Weltanschauung des National­sozialismus". Ein klar entworfenes Bild vom Beginn der Bewegung bis zum heutigen Schaffen ließ die Grundgedanken und die bewegenden Kräfte des Nationalsozialismus erkennen. Wenn dadurch die Ueberzeugung gefestigt wurde, daß es im Ge­schehen der Zeit nicht auf das Glück und das Wohl­ergehen des einzelnen Menschen ankommt, sondern daß vielmehr der einzelne seine ganze Kraft der Gesamtheit unseres Volkes dienstbar zu machen hat, so ist Zweck und Ziel des Kursus, der ja unter dem Leitgedanken angekündigt wurdeDu bist nichts, dein Volk ist alles", erreicht.

Den Sinn für ein gesundes, für seine Zukunft verantwortungsbewußtes Menschengeschlecht zu wecken, hatte der Lehrgang überErbgesund- h e i t s - und R a s s e n p f l e g e" sich zur Aufgabe gemacht.

Der KursVolk und Gott" führte über die brennendsten Gegenwartsfragen zu den tiefsten und stets gültigen Wahrheitswerten der Religion und zeigte an Beispielen großer Persönlichkeiten, wie Luther und Bismarck, die entscheidende Kraft des im Christentum wirksamen Gottesglaubens.

Daß Geschichte kein trockener Wissensstoff ist, son­dern in unmittelbarer Berührung mit unserer Zeit steht, wurde den Hörern in dem KursVolk und Vaterland" klar, denn hier wurde vergangenes Geschehen in lebendige Beziehung zur Gegenwart gebracht.

Das gleiche spürbare Verhältnis der Vergangen­heit zur Gegenwart konnte auch in dem Kurs Von deutschem Formen, Bilden, Bauen

wendig, daß mit allen noch rückständigen Arbeiten fofort begonnen wird. Jeder Hausbesitzer wird drin­gend ersucht, bei seinem Handwerksmeister sich aus­drücklich zu erkundigen, ob er für die Durchführung feiner Arbeiten zusätzliche Arbettskräfte einge­stellt hat und ob bei der Durchführung dieser Ar­beiten Ueberstunden vermieden werden. Bei jeder Gelegenheit ist das Arbeitsbeschaffungswerk der Re­gierung zu stützen. Alle Saboteure der Wirtschaft, die Schwarzarbeit, Überstundenarbeit usw. verrich­ten, sind den zuständigen Stellen (Polizeibehörden, Arbeitsamt) zu melden.

Gegen Saboteure der Arbeits­beschaffung.

Das Kontrollamt für Arbeitsbeschaffung teilt mit: In der letzten Zeit häufen sich die Fälle, daß Mieter und Vermieter die Vornahme von Repa­raturen, für die zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung Reichszuschüsse gewährt werden, aus persönlichen und eigennützigen Gründen verhindern wollen. Außerdem gibt es immer noch Volksgenossen, die Schwarzarbeiter beschäftigen in dem Glauben, Geld au sparen. Alle Bestrebungen sind geeignet, die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu hemmen und den Kampf gegen die Erwerbslosiakeit zu erschweren. Das ist Sabotage an dem Aufbau des neuen Staates, gegen die rücksichtslos eingeschritten wird. Jeder, der sich in der vorgenannten Art im Gegen­satz zu den Bestrebungen des Führers setzt, wird, abgesehen von Zwangsmaßnahmen, als Staatsfeind öffentlich in allen Tageszeitungen an den Pranger gestellt.

Reichshilfe für Hausbesitzer in besonderer Notlage.

Das Staatspresseamt teilt mit: Zur Beseitigung von Zweifeln wird darauf hingewiesen, daß die in Aussicht gestellte Erleichterung nur solchen Neuhausbesitzern zugute kommen kann, die in den Jahren 1924/31 mit Hilfe eines staatlichen Baudarlehens ihr Wohnhaus errichtet haben.

VDA.-Winterhilfe -Sammlung: 1593,94 Mark.

Die am Freitag durch den Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA.i in Gießen durch­geführte Sammlung für das Winterhilfswerk er­brachte den Betrag von insgesamt 1593,94 Mark.

Für 50 Pfennig 100 Mark.

Am Sonntag war das Glück in der Winterhilfe- Lotterie der NSDAP, wiederum einem Loskäufer in Gießen besonders gewogen. Auf ein Los für 50 Pf. gewann der Glückliche den ansehnlichen Be­trag von 100 Mark. In seiner Freude über den un- verhassten Glücksfall stiftete er 10 Mark für die Winterhilfe.

Verbesserung im Mahnverfahren.

Arn 1. März tritt für die hessischen Gericht" im Mahnverfahren eine wichtige Aenderung in Kraft. Der Gläubiger, der einen Zahlungsbefehl

Fahrraddiebstähle.

Entwendet wurde am 21. Februar in der Plock- straße ein Herrenfahrrad, MarkeBrenna bor", Nr 1542 147, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen mit Goldstreifen, graue SaUonbereifung, deutscher Lenker und elektrische Beleuchtung mit Abblende; am gleichen Tage in ber Bahnhofstraße ein Herren­fahrrad, MarkeSyrius", Nr. 525 543, schwarzer Rahmen, verchromte Felgen, rote Bereifung, deut­scher Lenker, Klotzpedale und Torpedofreilauf.

Versuchtes Sittlichkeilsverbrechen.

Am 25. Februar kurz nach 13 Uhr wurde im Schiffenberger Wald ein Notzuchtsversuch an einer Spaziergängerin verübt. Da die Uederfallene sich energisch zur Wehr setzte, ließ der Täter von ihr ab und flüchtete in das nahe Gebüsch, woher er ge­kommen war. Er wird beschrieben: etwa 25 bis 30 Jahr« alt, 1,66 bis 1,68 Meter groß, schmale Figur, jedoch breitschulterig, längliches Gesicht, blasse Ge­sichtsfarbe, mittelblonde Haare, bartlos und leicht gebogene Nase. Bekleidet war der Täter mit blauem Rock, gestreifter Hose, ohne Kopfbedeckung.

Personen, die sachdienliche Mitteilungen über die vorerwähnten Straftaten machen können, werden ersucht, der Kriminalpolizeistelle Nachricht zu geben.

3m Kampf um den höchsten Gipfel der Erde.

Die Vortragsvereinigung Gießen (Goethe-Bund, Kaufmännischer Verein und Ortsgewerbeverein) hatte für gestern abend zu einem Vortrag in die Neue Aula der Universität eingeladen. Redner des Abends war der Führer der deutschen Himalaja- Expeditionen der Jahre 1929 und 1931, Paul Bauer (Nabburg), der Führer der Gruppe II des Reichssportführerringes, der beim Literaturwett­bewerb der Olympischen Spiele 1932 mit der höch­sten Auszeichnung, der goldenen Olympischen Me­daille, bedacht wurde. Seinen Ausführungen sei Folgendes entnommen:

In den letzten drei Menschenaltern habe man sich mit viel Energie um die Erderforschung be­müht. Viel Kampf habe den Polen gegolten. Un­bezwinglicher menschlicher Wille habe den Sieg davongetragen. Weniger glücklich sei man mit der Bezwingung der höchsten Berge der Erde gewesen. Vor 50 Jahren bemühten sich drei Münchener zum ersten Male um die Berge des Himalaja; 1921, 1922 und 1923 kämpften die Engländer um die Herrschaft über den Mount Everest. Ohne Erfolg! Schließlich kam ein neuer Ansturm von deutscher Seite. Im Weltkrieg und im Kampf in den Alpen seien harte Bergsteiger herangewachsen, die in vielen Biwaknächten die Härten der Natur überwinden lernten. Unerträglich sei es für die Bergsteiger ge­wesen, einen Berg von 8500 Meter als unbezwing­bar zu wissen. So habe er zusammen mit einigen Freunden und tüchtigen Bergsteigern die Expedmon zum Kandschöndzenga im Jahre 1929 unternommen. Man sei damals weit vorgedrungen und habe viel Erfahrung sammeln können. Der heutige Abend solle allerdings mehr der Expedition von 1931 ge­widmet sein.

Für die Durchführung der großen Expedition

habe es besonders zwei große Fragen zu lösen ge­geben: die Frage des Transportes und die Frage der Erhaltung des menschlichen Lebens unter den Luftdruckverhältnissen in den Höhen über 7000 Metern. Beide Fragen seien, dank exakter Be­rechnung und eines ganz bestimmten Vorgehens in den Höhen (Gewöhnung an die Luftverhältnisse), glänzend gelöst worden. Man habe sich hierbei alle bisher gesammelten Erfahrungen zunutze gemacht.

Und nun schilderte der Redner den Angriff auf den Kandschöngdzenga. DerKandfch" erhebe sich 8600 Meter hoch steil aus der indischen Tiefebene. Der Berg biete von Darjeeling aus (Luftlinie 70 Kilometer) einen einzigartigen Anblick. Ihn zu be­steigen, gebe es nur eine Möglichkeit. Der Aufstieg gelinge nur über den sogenanntenNordostsporn", ein Weg, der von der Expedition 1929 gefunden und auch 1931 benützt worden sei. Der Anmarsch sei durch das Land Sikkim erfolgt. Zahlreiche Träger, etwa 200, mußten angeworben werden. Die Reise sei so genau vorbereitet gewesen, daß schon am Tage nach der Ankunft der Bergsteiger 90 Träger vom Sammelplatz abmarschieren konnten. Durch die ungesunden Täler des Landes Sikkim habe dann der beschwerliche Weg aufwärts ae- führt, wobei man sämtliche Vegetationszonen be­rührt habe. Schließlich sei der Zemugletscher und damit der Fuß des Kandschöngdzenga erreicht wor­den. lieber Almen und über die Felsenlandschaft sei die Expedition, an der insgesamt neun Mann mit den notwendigen Trägern beteiligt gewesen seien, bis in die Region des ewigen Eises vor­gedrungen, in der dann der härteste Kampf be­gonnen habe. Dieser Aufstieg habe leider einem Kameraden, Hermann Schalter (München), und einem Träger das Leben gekostet. Beide seien aus einer viele hundert Meter hohen Wand abgestürzt. Einige andere Kameraden seien durch Krankheit ausgefallen, so daß nur fünf Mann und etliche Träger den Weg fortzusetzen vermochten. Wochen­lang mußte man in einer Höhe von 6000 und 6300 Meter hausen. In zähem Kampf sei eine Eis­barriere nach der anderen überwunden worden. Tauwetter habe die Bergsteiger dann wieder zurück- gehalten und nahezu zur Umkehr gezwungen. Der Kampf sei dann aber doch weitergeführt worden. Eine Eishöhle in etwa 7200 Meter Höhe sei zum Inbegriff des gemütlichen Heimes geworden. Aber die Araftreserven waren immer mehr aufgezehrt, Aubem die vier Teilnehmer nun alles Material selbst transportieren mußten. In 7600 Meter fei dann noch das Lager 11 errichtet und von hier aus am 17. September noch eine Höhe von 7750 Metern erreicht worden. Hier habe eine riesige senkrecht aufragende Eiswand den Weg zum Gipfel versperrt und den erschöpften Bergsteigern Halt geboten. So habe denn die Rückkehr angetreten werden müssen. Der Rückmarsch sei bei prächtigstem Wetter erfolgt. Die Natur habe sich ihnen in un­erhörter Großartigkeit dargeboten. Sonnige Tage bis zum Aufbruch in die Täler habe noch der Auf­enthalt in einem der lieblichen, blumenerfüllten Täler am Zemu-Gletscher gebracht, bis dann die Reife in die indische Tiefebene angetreten wurde.

Der außerordentlich interessante Vortrag, der mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde, fand eine treffliche Ergänzung in einer Fülle herrlichster Licht­bilder von der hehren Bergwelt des Himalaja, von Indiens mannigfachen Schönheiten, von den Men­schen des Landes Indiens und Tibet u. v. a. m. Den Abschluß bildete das prächtige Bild vom Kandschöngdzenga, wie er sich in majestätischer Schönheit von Darjeeling aus dem Auge darbietet.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 27. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,20 bis 1,25 Mark, Kochbutter 1,05 bis 1,10 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 8 bis 9, Wirsing, das Pfund 15 bis 25, Weißkraut 12, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 12, Rote Rüben 10, Spinat 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 30 Pf., Feldsalat 1,20 bis 1,50 Mark, Zwiebeln 10 Pf., Meerrettich 35 bis 40, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3 bis 3% Pf., der Zentner 2,80 bis 3, Mark, junge Hähne, das Pfund 70 Pf., Blumenkohl, das Stück 35 bis 50, Salat 25, Endivien 20 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22.45 Uhr,Julius Cäsar". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Viktor und Viktoria". Oberhessische Gesellschaft für Na­tur- und Heilkunde, Gießener Chemische Gesellschaft, 20.15 Uhr, Hörsaal des Chemischen Instituts, ge­meinsame Sitzung. Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand, 16 bis 17 Uhr, Ausstellung.

Stadttheater Gießen. Morgen abenb 20 Uhr drei Akte von Curt Goetz:Hokuspokus". (Siehe heutige Anzeige.)

D i e Deutsche Bühne gibt im heutigen Anzeigenteil ihren Spielplan und die Kartenaus- gabe für Monat März bekannt. (Siehe Anzeige.)

*

** E i n Sechzigjähriger. Man berichtet uns: Herr Heinrich Kalbfleisch, Amtsgehilfe des vet. pathol. Instituts, begeht am 28. Februar in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 60. Geburtstag. Er hat 33 Jahre in seiner jetzigen Stellung dem Staate treue Dienste geleistet, war früher Metzgermeister, hat sich mit Geschick in die vielseitigen Aufgaben eines Konservators ein= gearbeitet und besondere Verdienste um das Institut erworben. Unter den Anglern ist er durch Petri- Heil bekannt, und kunstfertig hat er manchen Fisch­kopf der Zwanzigpfünder und stärkeren Hechte und Karpfen lebenswahr als Trophäen präpariert

** Der Obst- und Gartenbauverein Gießen veranstaltete am Sonntag im Kaufmän­nischen Vereinshause die dritte Mitgliederversamm­lung dieses Winters. Einleitend gedachte der Ver­einsführer der Bedeutung des Sonntags Reminif» zere als Heldengedenktag, worauf sich die Anwe­senden zur Ehrung der gefallenen Volksgenossen von ihren Sitzen erhoben. Der geschäftliche Teil bettaf die Anschaffung einer fahrbaren Baumspritze, um der Nachfrage für den vermehrten Baumbe­stand einigermaßen genügen zu können. Trotz der ungünstigen Kassenlage soll ferner sobald wie mög­lich die Beschaffung eines Süßmosters nähergetre- ten werden. Auch die Beschaffung, Pflanzung und Pflege von Pfirsich als Spalier für die Südseite von Mauern und Gebäuden, wie auch als frei­stehender Busch fand ihre Erledigung. Der ange­kündigte Lichtbildervortrag mußte wegen Ausblei­bens des Redners ausfallen. Dafür konnten andere, mit der rattonellen Hängung der Haus- und Klein­gärten zusammenhängende Fragen eingehender be­sprochen werden. In der Frage der Schädlings­bekämpfung stand die Kohlhernieseuche im Vorder­gründe des Interesses. Die Aussprache gipfelte in der Feststellung, daß es bisher ein unfehlbar wirk­sames Mittel noch nicht gibt, daß die Plage aber durch Wechselanbau, Beseitigen aller Kohlstrünke durch Verbrennen oder tiefes Vergraben, wie auch