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HM9 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderyegen-

Dienstag, 27. Zebrnar 19Z4

Feierstunde der jungen Nation.

Erster Kulturabend der Hitler-Jugend mu des Jungvolks.

Die Hitler-Jugend und das Jungvolk veranstal­teten am Sonntag im Caf4 Leib ihren ersten Kul­turabend. der sich in seiner Art von allen bisher üblichen Veranstaltungen so sehr unterschied, daß Vergleiche zwischen dem Ernst und dem Heute gar nicht gezogen werden können Der Veranstaltung war aus den Kreisen unserer Bürgerschaft außer­ordentliches Interesse entgegengebracht worden. Der Saal war bis aus den letzten Platz besetzt Unter den Gästen sah man u. a. den stellvertretenden Kreis-

Oberbannführer Blumenröder. (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)

Leiter Pg. Hopfenmüller, den Kreisleiter z. b. D. Pg. B u l l m a n n , Beigeordneten Pg. Bar­tholomäus, Kreispressewart Pg. Michel, Bürgermeister Dr Hamm.

Den Auftakt des Abends bildete das Eintreffen des Gebietsführers Kramer, zu dessen Empfang die Hitler-Jugend und das Jungvolk von der Brandgasse bis unmittelbar vor die Bühne Spalier gebildet hatten. Der Gebietsführer wurde von der Menge bei seinem Eintritt in den Saal mit er­hobener Hand begrüßt.

Jungvolk marschiert auf...

Sodann folgte unter den Klängen der Fanfaren und den dumpfen Schlägen auf Landsknechtstrom­meln der Einmarsch der Fahnen des Jungvolks und der Hitler-Jugend. Die Fahnen wurden auf dem freigehaltenen Teil der Empore unmittelbar vor der Bühne untergebracht und boten ein ein­drucksvolles Bild.

Dann zoa das Jungvolk mit Trommelkläng und Gesang auf, der erst leise, dann immer kräftiger hörbar wurde und dann, beim Eintritt der Jun­gens in den Saal den Raum voll ausfüllte. Auf einem breiten Podium vor der Bühne nahmen die Jungens Aufstellung und sangen einige ihrer be­geisternden alten Lieder, die durch ihren eigenen rhythmischen Schwung und durch die klare Gestal­tung ihres Textes immer wieder die Herzen höher schlagen lassen. Unmittelbar zuvor hielt Bannführer

Häuser eine kurze Ansprache, in der er den Sinn der Veranstaltung und die Absicht der Hitler- Jugend und des Jungvolks, auf kulturellem Ge­biet etwas Neues schaffen zu wollen, kundtat.

In unmittelbarer und rascher Folge gelangten sodann weitere Lieder und Sprechchöre zum Vor­trag, die von den Zuhörern mit großer Aufmerk­samkeit verfolgt wurden Aus allen Liedern, Spreckchören und Gedichten des Jungvolks klang viel Zuversicht, Erkenntnis des Geistes der Zeit, Bewußtsein der Verantwortung vor der deutschen Zukunft der Wunsch zu neuem Geiste und der Wunsch und Willen zu heldischem Leben. Mrt dem LiedeIm blauen Kleide' ziehen die Kolonnen .." beschlossen die Jungvolkmannen ihr ernstes Spiel.

Gebietsführer Kramer

faßte dann in einer Ansprache das Wollen der Hitler-Jugend und des Jungvolks in klaren Sätzen zusammen. Seinen Worten sei folgendes entnom­men:

Der Abend solle aus dem üblichen Rahmen her­ausfallen. Es fei der Wille der Hitlerjugenid, im Zuge der Revolution, nach der Ueberwindung des Kampfes auf der Straße, bewußt weiterhin dem deutschen Volke zu dienen, und zwar auf allen Ge­bieten des völkischen Lebens. Es solle dem deut­schen Volke das gebracht werden, um das letzten Endes der deutsche Mensch immer ringe. Eine Re­volution, die nur auf engem Gebiete zum Aus­druck komme, sei keine Revolution. Die Umgestal­tung müsse gründlich vor sich gehen und auf allen Gebieten des Volkslebens erfolgen. Es fei klcrr, daß der politischen und wirtschaftlichen Umgestaltung nicht gleich hundertprozentig eine kulturelle Um­wandlung folgen könne. Das Reue im kulturellen Leben werde aber zwangsläufig folgen müssen. Wenn die Hitler-Jugend versuche, auf kulturellem Gebiete etwas Neues zu schaffen, so könne es nur aus dem Frontbeist der HI. heraus geschehen. Aufgaben, die die Hitlerjugend sehe, müsse sie er­füllen. Aus der Einsatzbereitschaft der Deutschen Jugend aet)e man nun dazu über, den einzelnen herauszufordern und seine Fähigkeiten in den Dienst der großen Sache zu stellen. Alles Han­deln aber geschehe im Sinne des Führers. Alles an schöpferischen Kräften müsse in den Dienst der Volksgemeinschaft gestellt werden. Das neue Füh­rerkorps des neuen Deutschlands müsse geschaffen werden. Neuem gelte es zum Durchbruch zu ver- helfen. Und alles müsse aus der Art unb dem Sein der deutschen Jugend geschöpft werden.

Die HI. und ihre Tradition des Einsatzes, des Opfers und des Dienstes vereinige auch in Zukunst alle. Die HI. habe den Wunsch, nach dem Siege des Führers Adolf Hitler auch weiterhin für die Idee zu leben und zu sterben im Geiste derer, die schon auf der Straße fielen. Aller Wunsct, gehe aber auch darauf hinaus, dem Führer zu dienen, dabei den einzelnen in den Vordergrund der Ar­beit des Dienstes an der deutschen Seele zu stellen. Dieses Ringen um die deutsche Seele müsse jeden deutschen Menschen zum Heldenhaften führen, da­mit alle Kraft wach werde, die deutsche Jugend ewig jung bleibe und das Werk seine höchste Vol­lendung finde. Das deutsche Volk müsse einig nicht nur für heute, sondern für alle Zeiten werden. Durch den Nationalsozialismus müsse die Zukunst gesichert und der Aufstieg zu lichten Höhen einqe- leitet werden. Aus die Ewigkeitswerte des Natio­nalsozialismus müsse sich die Zukunft unseres Vol­kes gründen. Dieser neuen Auffassung sei man in der HitlerJugend auf immer verschworen, ihr werde man immer opfern. Tatbereit, werde die Jugend Garant sein für die Erfüllung des deutschen Men­schen in einem neuen Volke. Im heldischem Geist werde die Jugend aufwärtsstreben und selbst den Jüngsten in das große Geschehen hineinstelllen als

Sozialisten der Tat und als Diener an der Idee des Führers. (Anhaltender Beifall.)

Hitler-Jugend spricht...

Dann trat die Hitler-Jugend auf, brachte eben­falls Lieder Gedichte und Sprechchöre zum Vor­trag, in denen die Erfassung des deutschen Men­schen und des deutschen Raumes ihren Ausdruck fand, in denen darüber hinaus ein faustisches Welt­raumgefühl lebendig wurde, ohne daß der Boden der Heimat und des Volkstums verlassen wurde. Harte Anklage sprach aus Gedichten und Sprech- choroersen gegen jene, die jahrelang das deutsche Volk knechteten und aussaugten und immer nur nahmen. In eindrucksvoller dramatischer Szene wurde jene Zeit des Verfalls und der Knechtschaft des deutschen Volkes snmbolifch überrannt, wäh­rend die deutsche Jugeno in heldischem Geiste, ihr eigen Geschick zu formen, in die Hand nahm. Mit einem Gedenken an die im Kamps um Deutschlands Freiheit gefallenen Helden aus der Hitler-Jugend, mit der unter dumpfem Trommelklang folgenden Verlesung der Namen der teuren Toten fand die Darbietung des Abends ihr eindrucksvolles Ende. Gemeinsam wurde von der Jugend zum Schluß das lebensbejahendeVorwärts, vorwärts .. das Lied der Hitlerjugend, gesungen.

Jugend heraus in die Landhilfe!

Räumt Arbeitsplätze für Familienväter!

Das Staatspresseamt teilt mit: Ehrensache der Jugend muß es sein, die Maßnahmen der Reichs­regierung zur Verminderung der Arbeitslosigkeit zu unterstützen. Familienväter mit großer Kinder­zahl stehen in Unterstützung bei den Arbeitsämtern und Gemeinden. Sie alle warten auf einen Ar- beitsplatz. Jeder Jugendliche sollte freiwillig seinen Arbeitsplatz räumen und eine Arbeitsstelle frei­machen für einen Familienvater.

Bei den Arbeitsämtern sind ständig Stellen als Landhelfer gemeldet und können sofort besetzt werden. Neben freier Kost und Woynung erhält

der Landhelfer einen Lohn von 20 bis 25 Mark freies Geld.

Auskünfte erteilen die Fachvermittlungsstellen der Arbeitsämter.

Bannführer Häuser, der Führer des Bannes 116. (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.)

Sie starben für das Dritte Reich...

Als am 4. August 1914 das ganze deutsche Volk aufstand wie ein Mann, um die bedrohte Hei­mat zu verteidigen, da schienen Parteien und Klassengesetze vergessen. In vielen der- jeniaen, die damals hinauszogen, leuchtete eine Hoffnung, daß das so bleiben werde. Diese Hoff­nung ließ sie Strapazen und Entbehrungen ertra­gen, sie straffte den Schritt der feldgrauen Batail­lone und machte ihnen selbst das Sterben leicht. Das Schicksal wollte es. daß erst nach einem grauenhaften Leidensweg von nahezu zwei Jahr­zehnten dieser Traum in Erfüllung ging. Aber wenn wir jetzt wieder unserer toten Helden ge­dachten, dann wissen wir, daß dieses Gedenken nicht mit einer erhebenden Feier und mit weh­mütiger Erinnerung abgetan sein darf.

Die Welle der vegeisterung, die im Jahre 1933 das deutsche Volk erfaßt hat, wird nicht wieder versiegen, wie im Jahre 1914. Die NSDAP, und ihre politischen Leiter, die am Helden­gedenktag noch einmal einen feierlichen Lid auf den Führer ablegten, werden dafür sorgen, daß der Geist der einmütigen Zusammen­gehörigkeit, der soldatische Geist des National­sozialismus, der auf den Schlachtfeldern des Wetlkrieges geboren wurde, nicht wieder vergeht.

Wie aber soll man diesen sozialistiscken Gei st im täglichen Lebenskampf des Werktages betätigen? Der Nationalsozialismus hat dafür tausend Wege gewiesen Auf allen Ge­bieten der menschlichen Zusammenarbeit gilt es in Zukunft, sozialistisch z u handeln: im in­dustriellen Betrieb und auf dem Bauernhöfe, in

den Amtsstuben der Behörden und in den Läden der Kaufleute, in der Kohlengrube und im privaten Haushalt. Noch muß vieles anders wer­den, als es bisher war, wenn wir der toten Hel­den würdig fein wollen. Wir haben uns vorge­nommen, für alle Menschen deutschen Blutes ein sauberes, wohlig eingerichtetes Haus zu bauen, in dem es gerecht und a n st ä n d i g zugeht.

Das Winterhilfswerk hat uns einen Begriff ge­geben, was nationalsozialistischer Opfergeist zu lei­sten vermag. Wenn dieses Winterhilfswerk am 1. April zu Ende geht, dann hört diese sozialistische Arbeit am Volke nicht etwa auf. Im Gegenteil:

Die RS.-Volkswohlfahrt, die Trägerin dieses gewaltigen Werkes der Nächstenliebe, kann dann ihre eigentliche Tätigkeit erst aufnehmen. Für diese Tätigkeit braucht sie noch zahllose Helfer. In jedes Dorf, in jede Hütte muh ein Sendbote Adolf Hitlers dringen, der dort nach dem Rechten sieht, die Schwachen stützt, die Unwissenden belehrt, die Gefährdeten in andere Umgebung bringt.

Jeder, dem es e r n ft ist um das Dritte Reich, das unsere Toten ersehnt haben, ohne seinen Namen zu kennen, hat Gelegenheit, sich in diese Front des un­blutigen Kampfes einzureihen und täglich Ta­ten der Selbstüberwindung und des Opfers zu vollbringen. Hier ist auch den­jenigen, denen die NSDAP, noch verschlossen ist, die Möglichkeit gegeben, unter ihrer Führung mit- zukämpsen an der Verwirklichung des Dritten Reiches.

Darum tretet ein in die NS.-volkswohlfahrt!

Erster Frühling um dieGoldene Schale".

Von Moriha von Zobelith.

Schöner ist es, du kommst am Morgen zu Wasser an, siehst dieConca dOro, die goldene Schale des palerrnitanischen Halbrunds, sanft am Monte Pelle- grino hingebreitet. Aber bequemer ist die Fahrt über die rnesfinische Meerenge, und vielleicht auch eigenartiger, interessanter, denn seit dem großen Seebeben von 1908 kommst du als Fremder kaum mehr nach Messina und es lohnt sich doch, we­nigstens im Gleiten durch die überbrückten Fluten der Meerenge einen Blick auf die merkwürdige Da- rackenstadt zu werfen, die sich auf den Gräbern der alten Steinpaläste und ihrer unglücklichen Bewoh­ner erhebt ganz abgesehen von ziemlich bedeu- tenden kaufmännischen Interessen, die deutsche Fir­men gerade in Messina vertreten.

Weiterfahrend triffst du dann am Fuß der Berg­kette ein, auf deren Gipfel Taormina sich auf­baut, die berühmte Stadt mit ihrem einzig schön gelegenen griechischen Theater, ihrem mittelalter­lichen Kloster, das jetzt ein Hotel geworden. Von dort machst du mal einen Ausflug zur Betrachtung der letzten Missetaten des Aetna, dessen beschneiter Gipfel in den tütenblauen Himmel sticht. Zwei Jahre lang rauchte es noch hier und da aus der erstarrten Lava und gruselte es den Fremden, der von Führerhand über die wilden Brocken geleitet wurde, wenn er hörte, hier, grade hier stände er oberhalb des Kirchturms des verschütteten Gottes­hauses.

Aber setze dich nicht in Taormina zur Ruhe und klettere auch nicht allzulange auf dem Aetna her- um, sondern sieh dir blühendes Leben, eine echte, volkerfüllte Handelsstadt, Catania, an. Die Ge- schickte Siziliens ist durch Vulkanausbrüche unter­strichen. Kein Ort, der nicht einmal oder öfter in Altertum, Mittelalter oder Neuzeit die feurigen Zungen des Höllentiers zu kosten bekam, das Si­ziliens Wein kocht, seine Blumen treibt, sein Klima zum Rivalen Kaliforniens macht. Die letzte Feuer­taufe Catanias hat es als moderne Stadt wieder­erstehen lassen.

Weiter an der Küste entlang rollend, kommst du nach Syrakus, berühmt durch die Aretusa- Ouelle, an der die meisten Nordreisenden zum erstenmal Papyrus im Freien kennenlernen, und feinen blumenerfüllten Latomien, Steinbrüchen aus der Zeit des Imperiums^ in der noch heute halb- nackte Seiler, den drehenden Hanf in den braunen

Händen, ihrem Gewerbe ganz primitiv nachgehen. In einer der Höhlen ist ein Steinkamin, durch den der Tyrann Dionys die gefangenen Griechen be­lauscht haben soll.

Hast du Zeit? Dann sahre mit dem Ueberlandauto nach Vittoria ins Gebirge hinauf, dire'kt von Syrakus aus. Wunderschön ist es dort. Noch ein Stück weiter am blauen Meer hinab, und .dir be­gegnet eine Schulerinnerung: Porto Empedocle, du weißt doch, wo die Griechen landeten. Es ist die Station für G i r g e n t i den wunderbarste'n grie­chischen Tempel von ganz Sizilien, herrlicher noch als Segesta, weil ganz frei in die erhabene und seitdamals" ziemlich unveränderte Landschaft ge- setzt im Goldton seines Muschelkalks.

Wer gründlich ist, vermeidet kürzende Querwege, und nimmt dafür, immer das Meer zur linken Hand, Marsala mit, die zweite große Hrnrde-ls- stadt, wo man sich die berühmten Korallen- und Muschel-Verarbeitungs-Fabriken ansehen sollte, und nicht nur in einer der wundervollen Trinkgelegen, heiten am Meereskai dem feurigen Marsalawein zusprechen! Besser erst die Lernbegier und bann das Vergnügen, weil andersherum meist nicht mehr viel daraus wird.

Nun hast du dir Palermo, die Perle in der Goldene Schale" wohl verdient. Ach, n>os gibt es da an Katakomben und Domen, an San Gio­vannis und Santa Assuntas alles zu sehen! Das Herrlichste aber liegt oben in Monreale, heißt Santa Maria Nuova, und ist außen ganz unscheinbar, um innen die ganze zeitlose Pracht musivischer Kunst auf den entzückten Beschauer auszuschütten. Nicht umsonst lieben es die Königstöchter von Savoyen, die doch wahrhaftig die Auswahl haben, ihre Ehen hier oben einsegnen zu lassen. 1128 waren b<ie Mo­saiken fertiggestellt, noch achthundert Jahre später steht der Mensch recht kleinlaut vor soviel Schönheit.

Wer etwas Originelles sehen will, der pilgere auf den Monte Pellegrino zur Rosaliengrotte. Diese hei­lige Einsiedlerin hatte Geschmack, aber im Winter muß es hier oben zwischen den regellos aufgehäuften Felsen doch manchmal ungemütlich gewesen fein. Da ist das gute, alte, heidnische Heiligtum zu Segesta dock menschlich-verständlicher. Interessant auch die in fabelhaften Kehren geschwungene Autostraße hoch über den Gebirgspässen, die zum Austrog der großen Rennen (Targa Florio) angelegt worden ist. Keine gefahrlose Spazierfahrt im Renntempn, aber herrlich für den Reisenden, dellen Zielnur" der guterhaltene Tempel ist. Sizilisch-griechisch nennt ihn der Reiseführer. Wird er ja auch (ein, aber mehr: er ist aus Der Landschaft, aus dem Boden heraus

gewachsen, kann nur dort und nur so stehn, wie er steht.

Als letzten Aufenthalt aus sizilischem Boden ein Ruhepunkt: Mondello, das liebe kleine, erst wenige Jahre alte Seebad bei Palermo. Die Fahr­straße führt am Englischen Garten und der Favo­rita vorbei, an Fruchtgärten, in denen es achtzigerlei Drangen, Zitronen, Pampelmusen und derlei geben soll.

Frankfurter Schauspielhaus.

Der Chefdramaturg der Frankfurter städtischen Bühnen, Friedrich Bethge, hat sein Kriegsdrama Reim s", das in der Spielzeit 1929/30 in Osna­brück seine Uraufführung erlebte, neu bearbeitet. Die Neubearbeitung brachte dem Verfasser, dank auch der geschickten Inszenierung durch den Generalinten­danten Meißner, einen starken Erfolg. Bethge zeigt in erschütternden Bildern das Grauen des Krie­ges auf, wie es nur ein Mann zeigen kann, der dieses Grauen selbst miterlebt hat. Er deckt aber auch und das sind wohl die wirksamsten Szenen des Stückes die Spannung zwischen der Front und den Stäben unerbittlich auf. Das dichtbesetzte Haus unterstrich durch demonstrativen Beifall die Echtheit dieser Szenen. Verfasser und Regisseur mußten vielen Hervorrufen Folge leisten. General­intendant Meißner hat auch bei der Besetzung eine glückliche Hand gehabt. Besonders stark und ein­dringlich Otto G r a f als Hauptmann Jünger, Ver- h o e v e n als Leutnant Faber, Franz Rücker als Sergeant Jarkusch und Ellen D a u b als feine Frau. Reichsstatthalter Sprenger, der preußische Staats- kommifsar Hinkel und Oberbürgermeister Dr. Krebs wohnten der Vorstellung bei. L.

Dom Jägerlatein.

Was wir unterJägerlatein" verstehen, nämlich die gewaltigen Uebertreibungen von Jagderlebnissen, ist in seinem Wesen uralt. Bei Tenophon z. B. lesen wir, die Stoßzähne eines wütenden Keilers feien so glühend, daß sie den angreifenden Hunden die Haare versengen. Aristoteles erzählt, das verwun­dete und verfolgte Wisent schleudere seinen Kot den bedrängenden Hunden in einer Entfernung bis zu vier Klaftern nack. Plinius glaubt feinen Ge­währsmännern, daß Die wilden Ziegen auf hohen Felsgraten sich auf ihre gewaltigen Hörner stützen und sich bann wie von einer Wurfmaschine ge­schnellt von Grat zu Grat schwingen. Plinius weiß auch, daß nach einem Zweikampf zwischen Elefan­ten der Unterlegene dem Sieger Erde und Gras

darreicht. Plutarch sagt: Wenn die Gänse über den Taurus fliegen, nehmen sie einen Stein in deck Schnabel, um sich am Schreien zu hindern, daß sie Adlern verraten könnte. Ein Phönizier erzählt bei Pausanias, eine Schlange habe den Baum, auf den sich ein Mensch geflüchtet hatte, nur angehaucht, und der Arme fiel tot herab. Die Inder banden fremden Reisenden die ungeheuerlichsten Märchen auf, £. B. daß es bei ihnen Ameisen gebe, so groß wie ägyptische Wölfe: sie sammeln Gold und zer­fleischen etwaige Diebe. Aelian fabelt von einem halbtoten Hafenmännchen, dem man drei Junge aus dem Bauch herausschnitt: anfangs schienen sie tot, aber unter den belebenden Strahlen der Sonne er­holten sie sich, fraßen und blieben am Leben. Das moderne Jägerlatein wird derlei Phatasien kaum überbieten können, selbst wenn Nimrod und Münch­hausen eine Person bilden. Aber warum nennt man solche Aufschneidereien Jägerlatein? Die landläufige Erklärung lautet, die Jägersprache werde wegen ihrer vielfach dem Nichteingeweihten unverständ­lichen AusdrückeLatein" genannt. Im Gegensatz hierzu bemerkt der bekannte und liebenswürdige Philologe E. Stemplinger im Märzheft von Velhagen 8z K1 assings Monatsheften, daß das Wort Latein die Bedeutung vonSprache" überhaupt bekam, da man im Mittelalter annahm, wer Latein verstehe, kenne auch alle anderen Spra­chen. Aus diesem Gedankenkreis erwuchs der Aus­druckJägerlatein", d. i. Jägersprache. Dement­sprechend liest man auch von einem Kloster-, Kü­chen-, Mönchslatein: Johannes Scherr kennt sogar ein Husarenlatein.

Öod>fd>ulnotbrid)tcn.

An der Marburger Universität ist der Ordi­narius für indische Philologie Dr. Johannes No- b e l beauftragt, bis auf weiteres oertretungsroeife die Führung der Direktorialgeschäfte der Abteilung für semitische Sprachen und orientalische Geschichte Des orientalischen und indogermanischen Seminars zu übernehmen.

Professor Dr. Johannes Stein, Oberarzt an der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg, wurde als Nachfolger Professor Dr. Siebecks zum Ordinarius und Leiter der Klinik ernannt.

Dr. Friedrich August H e n g 1 e i n, Leiter des Un- tersuchungs- und Forschungslaboratoriums der IG.- Farben in Leverkusen, wurde als ordentlicher Professor zur Leitung des Chemisch-technischen In- stituts der Technischen Hochschule Karlsruhe be­rufen.