gelegenen Wohnsitz, als plötzlich hundert Meter von ihrem Heimatsort entfernt drei Männer auf das Wägelchen zusprangen und die beiden Frauen anfielen. Hätten sie den „heißen" Empfang erwartet, mit dem sie begrüßt wurden, so hätten sie sich die Geschichte wahrscheinlich anders überlegt. Das junge Mädchen, Fräulein leone, riß nämlich kurzentschlossen einen Revolver aus der Tasche und feuerte mehrere Male, wobei der eine Bandit einen Bauchschuß abbekam; seine Kameraden packten ihn auf, und alle zusammen verschwanden. Damit könnte eigentlich auch die Geschichte zu Ende sein, aber es kommt anders. Die beiden Frauen drehten nämlich ihr Rößlein in Richtung Marseille und fuhren zur Polizei, um dort Anzeige zu erstatten. Und als sie bei der Polizei anlangten, fanden sie den Raubgesellen, der dort mit edler Dreistigkeit ein Klage- lieb sang und um Aufnahme in ein Krankenhaus ersuchte. Die „Aufnahme" ins Krankenhaus wurde ihm auch zuteil, wenn auch ein bißchen anders, als er es sich wohl vorgestellt hatte, denn er war kein freier Mann mehr und der „Ausgang" aus dem Spital dürfte sich etwas unangenehm gestalten.
Der Liebhaber im Müllkasten.
ad. Rom.
Daß eine Küchenfee beim Nahen der gestrengen Herrin ihren Schatz versteckt, soll häufiger vorkommen. Selten aber wählt sie dazu wohl einen so ungeeigneten Platz, wie die schwarzäugige Römerin Rosa es tat, als sie ihren Oleandro in besagtem Notfall in einer Kiste verbarg, die dazu bestimmt war, Abfälle aufzunehmen. Kaum hatte sich der Deckel der Kiste über dem Unglücklichen geschlossen, als die Hausfrau in die Küche trat. In ihrer Begleitung erschien ein baumlanger Lastträger, der schadhafte Möbel und altes Gerümpel fortschaffen sollte. Nachdem er sich zwei dreibeinige Küchenstühle aufgeladen hatte, wies die Hausfrau auf die Kiste in der Ecke: „Der Inhalt ist auf den Müllhaufen zu werfen!" Rosa verfärbte sich. „Lassen Sie mir die Kiste", jammerte sie. Aber die Hausfrau ließ sich nicht er-1 weichen.
Nach einigen vergeblichen Bemühungen gelang es dem Lastträger, die merkwürdig schwere Kiste aufzu
heben. Aber dann schwankte sie auf dem Buckel des Mannes plötzlich hin und her, um schließlich unter einem Entsetzensschrei der Köchin zu Boden zu stürzen. Der Anblick des jugendlichen Paares, als Oleandro staub- und aschebedeckt unter den Trümmern hervorgekrochen kam, war so jammervoll, daß die Herrin die Missetat bald lachend verzieh.
Der Mann, der fliegen lernen wollte.
rb. B uda p e st.
Aus der ungarischen Ortschaft Mako, die ihrer Zwiebeln wegen bekannt ist, wird folgende Geschichte berichtet: Der Kesselschmied Peter Farkas hatte in Erfahrung gebracht, daß der Ortsbarbier Josef Sze- kula für sein Leben gern Flugzeugführer werden wollte. Wie immer in Geldverlegenheit, eilte der Kesselschmied schnurstracks zu Szekula, berief sich auf ausgezeichnete Beziehungen zur ungarischen Fliegerschule und erbot sich, dem Wackeren gegen Erstattung des lächerlichen Betrages von 25 Pengö einen Fliegerausbildungskursus zu vermitteln. Der Barbier zahlte. Als Szekula nach drei Wochen beim Kesselschmied vorstellig wurde, warum denn noch kein Bescheid eingetroffen sei, vertröstete Farkas ihn damit, daß die Berufung zur Ausbildung in den nächsten Tagen erfolgen werde. Und dann, „weil es sich so gut traf", nahm er dem Barbier weitere 16 Pengö ab, um ihm ein Fernrohr und eine Flugkarte zu beschaffen, — selbstverständlich zu ermäßigten Preisen. Der Barbier zahlte gern, weil angeblich ohne diese Gegenstände kein Sterblicher die Schwelle der Pilotenschule überschreiten dürfe. Aber damit nicht genug, führte der Kesselschmied den Barbier zu einem Professor in eine Klinik, um ihm eine Bescheinigung seiner Tauglichkeit für den Fliegerberus — gegen ein Extrahonorar von 25 Pengö an den Kesselflicker, das versteht sich — zu beschaffen. Der hoffnungsvolle Barbier wurde auch als für den Fliegerberuf geeignet befunden. Als dann aber von der Fliegerschule der lakonische Bescheid eintraf, daß er grundsätzlich als Flieger weder ausgenommen noch aus- gebildet würde, soll es auf der zuständigen Polizei- wache zu einer Szene gekommen sein, in dessen Verlaus die Revierbeamten einem Lachkrampf zu erliegen drohten.
WrelinnenlehWNgöberMttersWuWarvm
des Verbands evangelisch-kirchlicher Frauenvereine in Hessen.
Oer zweite Tag -es Lehrgangs wurde mit einer Andacht von Pfarrer Wahl (Lang-Göns) eingeleitet. Ausgehend von dem Bibeltext Johannes 4, Vers 4 bis 14 sprach Pfarrer Wahl den Wunsch aus, wie Jesus uns in seinem Wort lebendiges Wasser gereicht habe, so möchte auch den Tagungsteilnehmern durch die Tagung ein Trunk lebendigen Wassers gereicht sein.
Sodann behandelte Frau Lic. Führer (Potsdam) das Thema „M ütter und Töchter". Die Rednerin ging zunächst auf das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ein und sprach davon, daß bei Zerwürfnissen zwischen beiden Teilen die Schuld nicht nur auf der Kinder Seite gesucht werden solle, vielmehr sollten die Eltern darüber nachdenken, was sie an der Erziehung der Kinder versäumt hätten. Vor allem solle in der Kinderstube die Atmosphäre der Wahrheit und Klarheit unbedingt herrschen, namentliche müßten in den Entwicklungsjahren alle Schwierigkeiten in gegenseitigem Vertrauen behandelt werden. Mit allen Fragen, die das junge Gemüt in dieser Zeit belasteten, müßten die Kinder zu ihren Eltern kommen können. Namentlich habe die Mutter die Pflicht, ihre Heranwachsenden Töchter zu der Heiligkeit des Lebens hinzuleiten, Leib, Seele und Geist reinzuhalten für die großen Aufgaben der Mutterschaft. Die Mutter müßte die Tochter darauf Hinweisen, welche Heiligkeit Gott in ihrem Frauentum gegeben habe. Es sei viel ;e- rer, vom Leben erzogen zu werden, als von fu.ior= genden Eltern Wenn > ' vergangenen Jahrzehnt sich die Menschen der H 'feit der Ehe bewußt gewesen wären, hätte der Gedanke an die Kameradschaftsehe nicht aufkommen können. Leider gäben auch heute noch viele Mütter ihre Kinder ohne jedes Verantwortungsgefühl in die Ehe. Unsere Mütter
feien* mit ihrer Erziehungsarbeit dem Leben, dem Volk und Gott verantwortlich.
Im Anschluß an diesen Vortrag sprach Frau Pfarrer H o fm a n n - Ossenheim über das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, anknüpfend an das Wort: „Erzieht einen Knaben, und ihr gewinnt eine Persönlichkeit, erzieht ein Mädchen, und ihr gewinnt eine Familie." Die Rednerin sprach davon, daß jedes Kind ein Gedanke Gottes fei. Wir könnten die Kinder nicht immer formen, wie wir wollten. Bei der Erziehung dürfe Liebe nicht Weichlichkeit werden, denn das Leben greife die jungen Menschenkinder hart an. Wie man dem jungen Baum, damit er gerade wachse, eine Stütze gebe, so bedürften auch unsere Töchter einen festen Halt, den sie in der Mutter finden müßten. Kinder müßten immer dessen bewußt sein, daß ein paar gütige Mutteraugen über ihrem Tun und Treiben wachten.
Der Nachmittag war organisatorischen Fragen gewidmet.
Oer dritte Arbeitstaa,
der Donnerstag, wurde mit einer Andacht von Pfarrer D. Jeep (Potsdam), Relchsgeschäftsführer der Evangelischen Frauenhilfe, über Johannes 13 „Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, gleichwie.. " eingeleitet. In feiner Andacht führte er u. a. aus, daß die göttliche Liebe so unendlich verschieden von menschlicher Liebe sei. Wir Menschenkinder müßten das neu gegebene Gebot der Liebe mehr anwenden, damit der Liebe me>hr werde.
Pfarrer Jeep behandelte sodann das Thema „Aufgaben der F r a u e n h i l f e". Er sprach davon, daß unsere Frauenhilfe m dem von Adolf Hitler geschaffenen Staat einen festen Standort
Oie Hexenjacke.
Ei n Märchen von Hans Friedrich Blnnck.
Da liegt eine alte Jacke am Weg, dicht vorm Hexenhaus. Kommt ein Dieb des Weges, sieht die Jacke, legt sie sich an — weg ist er! Nur die Jacke liegt wieder, wo sie eben gelegen hat. Kommt ein unredlicher Rats schreib er des Wegs, besieht sich die ö^ht sie sich über — weg ist er! Kommt der döse Verlocker selbst vorbei, ein rechter Junker Hah- nenstolz, grinst, weil er weiß, warum die Jacke am Wege liegt, denkt, ihm könne sie nichts tun und hängt sie sich über die Schulter. Hui, ist auch er im Hexenkeller.
Endlich schnürt ein Fuchs vom Acker herüber, sieht die Jacke liegen, umwittert sie und steckt nur eben einmal den Kopf drunter — weg ist er.
Nun haben sich schon viele Leute im Hexenhaus emgefunben, bie alle bie Jacke nur eben hatten an- probieren wollen. Da fährt als Letzter Reineke Fuchs bazwischen. Er sieht sich verbutzt im Keller um, stellt sich unter bas Licht, um zu sehen, wen es mit ihm betroffen hat, unb fängt an zu grinsen, wie er ben Teufel sieht. „Na, Freunb", sagt er, „wenn ich schon bei ben Dummen bin, so bin ich dych nicht in schlechter Gesellschaft!"
Der Verlocker ist ärgerlich, baß man ihn erkennt, und noch ärgerlicher, baß man über ihn lacht. Aber was soll er machen? Er hat schon hunbert böse Sprüche hergebetet, aber noch hat ihm keiner aus bem Keller hinausgeholfen. Vielleicht weiß ber Fuchs einen Rat?
Gerabe ba kommt die Hexe selbst vorbei, stellt sich ans Fenster unb zählt, ob alle Leute, bie sie gefangen hat, beieinander finb.
„Hör mal, junge Frau", polterte ber Böse, „bas finb aber schlechte Sitten, bei mir hast bu bich geirrt."
„Gefangen ist gefangen", sagte bie Hexe, sie hat nicht viel Mitleib mit ihrem Herrn unb Gebieter.
Der Teufel wirb kleinlaut. „Nachbarin", sagt er, „das kann doch gewiß nicht dein Wille sein." Und er murmelt etwas von Erkenntlichkeit und dergleichen.
Aber der Hexe ist bas heute gleichgültig. „Gefan- aen ist gefangen", sagt sie roieber unb zählt bie Leute ab.
Kommt ber Fuchs ans Hexengitter. „Schöne Jungfer", sagt er, „was will Sie mit einem armen Balg, wie ich ihn habe."
Jrtein", sagt bie Hexe, an feinem Balg läge ihr nicht Diel, aber an seinem Fell. Unb bann geht sie weiter.
Nun, bie Herren im Keller schelten schlimm hinter
ihr brein, aber bas hilft ihnen gar nichts. Niemand weiß zu helfen und die Stunden gehen eine wie die andere. Schließlich langweilen sie sich, es kommt kein neuer Herr mehr hinzu, unb bie Gefangenen versuchen sich bie Zeit zu vertreiben. Zuerst erzählen sie einanber allerlei Lügen unb unwahre Dinge, bas geht bis zum Abenb. Danach spielen sie im Scherz Gericht miteinanber, ber Verlocker kennt ja jedermanns Sünden. Grade haben die Herren Reineke beim Kragen, halten ihm alle bösen Taten vor unb sprechen ihm wegen seiner schlimmen Räubereien unb Diebessachen bas liebe Leben ab. Da kommt bie Hexe roieber vorbei. „Was ist hier benn los?" fragt sie neugierig.
„Ach", sagt ber Böse, „mir haben eben ben Fuchs zum Hängen verurteilt unb haben keinen Strick unb keinen Galgen in beinern Keller. Willst du uns nicht helfen?" Er sagte es halbhin im Spaß, aber der Hexe wäre es nicht unlieb, wenn ein anderer ben Fuchs henkte, sie will nur fein Fell haben unb hat Furcht vor feinem Fang.
Ja, meint sie beshalb, zu einem Galgen könnte sie ben Herren wohl verhelfen. In ihrem Garten ftänbe eine schöne alte Eiche, baran könne man so viele Leute aufhängen, wie man nur wolle. Aber sie müsse erst einen Kreis von Gänsefüßen barumlegen, bamit keiner von ben Gefangenen entwische.
Die Herren finb bamit ehwerftanben, jeher hofft vielleicht, baß er ber Alten boch ein Schnippchen schlagen wirb. Sie spielen ihren bösen Scherz also weiter, nehmen ben Fuchs wie einen armen Sün- ber in bie Mitte unb als bie Hexe bie Tür aufmacht unb einen Strick hereinwirft, binben sie Reinke bie Läufe auf ben Rücken unb ziehen mit ihm in den Garten hinaus. Aber so viel sie auch versuchen, über den Kreis ber Gänsefüße hinauszuge- raten, es gelingt keinem von ihnen. Die Hexe hat gut vorgesorgt.
n "Nun macht aber rasch", sagt die Alte, „bei mir ftept em Topf auf bem Feuer, ich will bas Fuchsfell bis heute Abenb gerben."
Meister Reineke lacht mit, aber bie Sache wirb 1 ec unheimlich, er weiß nicht recht, wo ber Spaß aufhort unb ber Ernst beginnt.
x 3?ert£. sei ult unb tauge nicht, knurrt er Deshalb. Wenn er hänge, wolle er richtig hängen unb nicht an einem Tau, bas reißen könne.
Cr solle es nur barauf ankommen lassen, rät bie Hexe.
Die Leiter fei auch nichts Rechtes, schilt er weiter, zuklettern nur ^"mal vormachen, ba hinauf- Aber bie Alte grinst unb hütet sich, ihm etwas vorzumachen.
Und ein letztes Vaterunser steht ihm frei, murrt
Reineke unb will ein Gebetbuch haben.
Ader bie Hexe hat fein Gebetbuch, sie Sneint, es ginge auch ohnebem.
Da legen sich aber alle Herren ins Mittel. Ein Gebet, meinen sie, sei bas Recht eines jeben Verurteilten, unb sie seien für ben orbentlichen Eingang bes armen Sünbers verantwortlich. Aber von biefen Sünbern hat wirklich keiner ein Büchlein zur Hanb.
Wenn es kein Gebetbuch gäbe, sagte ber Fuchs schließlich, so hätte er boch ein Recht auf bie Beichte, aber in diesem Kreis sähe er keinen würdigen Herrn dem er beichten könne.
Die Richter erheben ein lautes Murren, feiner will schlechter als Meister Reinefe fein.
Wie es nun gerade so weit ist, fommt draußen der verwunschene Küster des Wegs. Er sieht nicht gleich die Versammlung im Garten, er sieht nur die Hexenjacke, hebt sie auf, dreht sie um und schiebt einen Aermel über — bautz, sitzt er auch im Keller und krabbelt gleich schimpfend durch das offene Loch in den Garten hinaus. Und das schlimme Weib lacht aus ihren alten Zähnen, daß just dieser als Letzter in ihre Jacke hat fahren müssen.
Nun könne er ja beichten, sagt sie zu Reineke, das träfe sich prächtig.
Ja, ja, sagt der Fuchs scheinheilig, gewiß habe es der Himmel gewollt, daß er nicht ohne Vergebung das Leben verlasse.
Nun hätte die Hexe ja acht geben sollen, benn auf, über unb unter ber Erbe finb ein starkes Dreieck, bas sogar ihre Kunst nicht so leicht überroinben kann. Ihr schwant auch nichts Gutes, sie hütet sich, Fuchs, Küster unb Teufel zu nahe zu kommen unb hält sich hinterm Zauberkreis.
Aber sie will auch ihren Spaß an ben Dingen haben. Der Fuchs hat nämlich schon begonnen mit reuigem Gesicht bem unholben Küster etwas ins Ohr zu flüstern. Unb ber hört ihn an, aber er macht dabei solch spitzes Gesicht, daß alle Leute aufhorchen und auch gern etwas davon erfahren hätten. Und Reineke sieht immer zerknirschter aus, während er beichtet, der Hals der Zuhörer wird immer länger, unb auch ber Teufel neigt sich hinzu unb tut, als fei es minbeftens etwas von einem ungeheuren Schatz, was er ba vernimmt. Unb alle Leute brän- gen sich hinzu unb nicken unb hören zu unb schlagen bie Hänbe zusammen unb seufzen unb ziehen bie Stirn kraus. Und am Ende kann das alte Hexenweib feine Neugier nicht ganz lassen, es beugt sich weit über, um zu erhorchen, was ber Fuchs verrät. Wenn sie ihn gefangen hat, benft sie, will sie auch gewinnen, was er noch an Geheimnissen weiß.
Gerabe barauf haben bie Herren aber nur gewartet. Kaum hat die Frau in ihrer Gier den Köpf
gefunden habe und daß jetzt befondere Ausgaben ihrer Erledigung durch die Frauenhilfe harrten. Dr. Martin Luther habe schon vor 400 Jahren erkannt, daß ber einzelne Mensch nicht so, wie er es wolle, leben könne, sondern daß er sich in die Gemeinschaft einfügen und der Obrigkeit unterordnen müsse. Unser Volkskanzler Adolf Hitler habe mit seinem Werk, bas heute alle Volksgenossen umfasse, erreicht, baß sich alle in bas Ganze einfügen müßten, nur ber Wille bes Staates gelte. Staat fei eine Ordnung Gottes auf der Grundlage der Zucht. Aber der beste Staat könne nicht allein genügen, denn Gott habe uns außer dem Staat auch fein Evangelium durch Christus gegeben. Aufgabe der Frauenhilfe fei es, jeglicher Entartung der Religion entgegenzutreten. Alles Irdische sei Stückwerk, Vergänglichkeit stehe über allem. Die Erlösung von menschlicher Schuld und aus ber Macht bes Tobes aebe uns kein Staat, sondern nur Christus. Die Aufgabe der evangelischen Kirche im Dritten Reich bestehe darin, die Botschaft von Christus hinein in das Volk, hinein in jede Familie zu bringen. Starke Christen feien die besten Nationalsozialisten und die besten Volksgenossen. Wir Christen bejahten ben neuen Staat, weil Gott uns hineingestellt habe. Unsere besondere Aufgabe sei es, uns gegenseitig zu dienender Liebe zu erziehen. Der erfreuliche neue äußere Aufbau unseres Volkes bedinge aber auch den inneren Aufbau, der durch Bibelarbeit gefördert werden könne. Im Mittelpunkt unserer Arbeit solle das Gebet stehen.
Frau Heraeus dankte in herzlichen Worten dem Redner und wünschte, daß die Arbeit ber Tagung fruchtbringenb gewesen sein, unb baß bas Gehörte noch lange in ben Herzen nachklingen möge. Frau Kreuber (Gießen), bie Kreisvorsitzende bes Kreisvevbandes Gießen der Evangelisch-kirchlichen Frauenhilfe, dankte dem Hauptvorstand für bie Durchführung des Lehrgangs. Der Führerinnenlehrgang klang aus in ber
Verbandsversammlung
der bem Hauptverband angeschlossenen ober hessischen Evangelisch-kirchlichen Frauenvereine, die am Donnerstagnachmittag im Cafe Leib abgehalten wurde unb aus ollen Teilen Oberhessens außeror- bentlich stark besucht war. Mit bem gemeinsam gesungenen Choral „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort..wurde die Hauptversammlung eröffnet.
Frau Heraeus (Offenbach), die hessische Der- bandsvorsitzende, grüßte alle Mitglieder herzlich. Sie teilte u. a. mit, baß im neuen Reich bie Arbeit ber Frauenhilfe Unterstützung finde, denn zu ben großen Aufgaben, Dienst in ber Familie, Dienst in ber Gemeinde und Dienst im Volke, könne man auf die Mitarbeit der konfessionellen Verbände nicht verzichten.
Pfarrer D. Jeep (Potsdam) Hielt sodann einen Vortrag über bas Thema „Die volksmissionarische Verantwortung der evangelischen Frau in ber Gegenwart". Er sprach u. a. bavon, baß bie Arbeit ber evangelischen Frauenhilfe eine volksmissionarische ^enbung sei.
Diese bestünde darin, daß wir einerseits in den Dienst des Staates, anderseits auch in den Dienst ber Kirche gestellt seien. Dolksmission müsse im eignen Herzen anfangen. Unsere doppelte Aufgabe sei groß. Die volksmissionarische Aufgabe der Frau beginne im engsten Kreise, zuerst in der Familie. Welchen Schatz gebe man Kindern mit, die zu Hause beten gelernt hätten! Wie mancher verirrte Mensch habe sich schon heimgefunden an dem Band, das bie Mutter durch das Gebet in ber Jugend um ihn geschlungen habe, wie manchen zurückgehalten vom Unrecht! Die Welt merke es wohl nicht, aber Volker würden mit dem Gebet erobert und erhalten. Nur diejenigen würden staatliche Ordnung halten, die ihre volksmissionarische Sendung oerftanben hätten. Wenn jeder an seinem Platz die volksmissionarische Arbeit erfülle, erst am eigenen Herzen, bann in ber Familie unb zuletzt am Volke, bann mürbe Gott mit uns gehen und unser Volk erhalten: Ohne den Herrn sei alles umsonst — mit Gott alles — ohne Gott nichts! Auch darin fei unser Führer und Volkskanzler Adolf H i 11 e r uns Vorbild durch feine tiefe Ehrfurcht vor Gott.
Nach kurzer Paufe sprach Frau Lic. Führer (Potsdam) an Stelle der erkrankten Reichsführerin des Mütterdienstes der Evangelischen Kirche über „Mutter und D o l k". Anknüpfend an bie Worte des 68. Psalms „Gebt Gott bie Macht..., unb er wirb bem Volke Macht unb Kraft geben" führte bie Rebnerin u. a. aus, baß uns im Dritten Reich bret Worte „Erbe, Blut unb Mutter" verheißungsvoll aufhorchen ließen. Von Erde, Blut unb Mutter gehe ber Strom des Lebens in unser Volk hinein. Be- sonbers gefährdet im vergangenen Jahrzehnt fei die Mutter gewesen. Der marxistische Staat habe in der Frau nur die Wählerin unb Parteigenossin gesehen. Die Frauen aber brauchten Stätten ber Ruhe unb bes Friedens, damit sie ihrer höchsten Ausgabe", gute Mütter ihrer Kinder zu fein, gerecht werden könnten. Die Mutter solle den Kindern Macht, Schutzwall und Heimat sein. Wie verhängnisvoll wäre es für ein Kind, wenn es im Elternhaus nicht stimme! Die Mutter müsse sich in aller Not im Gebet Kraft holen. Der Mann müsse von ber Arbeit heimkehren können an eine Stätte des Friedens, die Frau solle dem Hause Seele fein. Jede Mutter unb Frau sei dem Führer und Gott verantwortlich, benn ber Führer bekenne: „die Mutter ist bie beste Staatsbürgerin". In bie Seele bes Kinbes senke bie Mutter die Kraft Gottes, und wenn ein Volk sich zu Gott bekenne, bekenne sich auch Gott zum Volke unb werbe bas Volk bergauf führen. Deshalb solle man eingedenk sein des Psalm- Wortes: „Gebt Gott die Macht..., unb er wird dem Volke Macht und Kraft geben".
Den Dank der Versammlung stattete Frl. Wahre n b o r f (Alsbach a. b. Bergstraße), bie Geschäftsführerin des Hessischen Hauptverbandes, ab. Dekan Gußmann (Lollar-Kirchberg) wünschte, daß von der Tagung reicher Segen in unser Volk ausgehen mochte. Mit gemeinsam gesungenem Choralvers sand die arbeitsreiche Tagung ihr Ende.
Oberheffen.
Schwerer klnglücksfall auf -er Bahnstrecke Gießen —Gelnhausen.
L i ch, 27. Jan. Gestern gegen 14.15 Uhr ereignete sich auf der Reichsbahnstrecke Gießen—Gelnhausen, auf Posten 14 unweit von Lich ein schwerer U n- glückfall. Die Ehefrau des dort wohnhaften Reichsbahnbediensteten Heinrich Franz wurde auf offener Strecke vom Zug erfaßt unb heftig zur Seite gefchleubert. Die bebauernsroerte Frau erlitt hierbei schwere Verletzungen u. a. auch einen Schäbelbruch, so baß sie sofort in bie Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werben mußte. Die Ursachen bes Unfalles finb noch nicht völlig geklärt. Die Frau ist Mutter von zwei Kin- bern unb steht im 41. Lebensjahr.
Bauerntag in Nidda.
X. N i b b a, 26. Jan. Der Verein ehemaliger Landwirtschafts-Schüler Nidda-
Schotten hatte zu einem Bauerntag dahier in der Turnhalle eingeladen.
Landwirtschaftsrat G r a eb e r sprach zunächst über „Sortenfrage n". In bem Vortrag wurden wertvolle Winke über ben Anbau von betreibe- arten gegeben, Vorzüge und Mängel einzelner Arten angeführt. Weiter sprach der Redner in längeren Ausführungen über Kartoffelanbau. Als besonders gute Speisekartoffeln gelten immer noch die Sorten Industrie, gelbe Frühe und Odenwälder Blaue. Reicher Beifall lohnte den Redner.
Am Nachmittag sprach der Adjutant des Landes- bauernführers, Landwirtschaftsassessor Dr. Schönheit, über „D a s Erbhofgesetz und seine Ausführungsbestimmungen". Der Redner wies dabei falsche Gerüchte über das Gesetz als unwahr und unsinnig zurück, betonte, daß mit diesem Gesetz nur dem Bauerntum gedient werde, unb schilderte sodann die bedeutsamen Grundsätze dieser Neuordnung. Die Versammlung dankte dem Redner mit starkem Beifall.
in ben Kreis gesteckt, schnappt Reineke wie unversehens nach ihrem Halstuch, baß sie einen Schritt nach vorn tun muß. Unb im gleichen Augenblick fahren Teufel unb Küster über sie her, bie Hexe fällt mitten ins allerfchlimmste Dreieck, kein Vaterunser kann sie mehr sprechen.
Das hatte sie von ihrem bösen Leben unb von ihrer bummen Neugier. Aus war es mit bem Spaß über bie Gefangenen aus ber verzauberten Jacke, schon griffen Teufel unb Küster zugleich nach ihrer auffahrenben armen Seele.
Aber über bie Beute ist es beinahe noch zum Streit gekommen, ber Böse unb ber Küster finb einanber immer noch roibrig gesonnen. Es ist schließlich so ausgegangen, baß ber Böse sich hat zufrie- bengeben müssen, bie Jacke zu erben, ber Küster hat bie Seele bekommen — er hofft, baß sie ihm einmal angerechnet wirb — unb ber Fuchs hat sich ben Keller einrichten bürfen. Da haust er noch heute und Kind und Kindeskinder haben sich seitdem daran gewöhnt, unter der Erde zu Haufen.
Schiffahrtssignale durch Lautsprecher.
Ingenieure des Marine-Ministeriums von Kanada haben Pläne über einen elektrischen Mechanismus fertiggestellt, der eine Wasserstands-Anzeige durch Radio in den Schiffahrtsstratzen ermöglichen soll. Der erste Apparat wird demnächst bei Cap ä la Noche im St. Lorenz-Strom, an einer ber flachsten Stellen ungefähr 70 Kilometer östlich von Quebec aufgestellt. Das wirb bie erste Einrichtung biefer Art überhaupt sein. Der Wasserstanb ist bei Cap ä la Roche wegen ber Gezeiten starken Schwankungen unterworfen, die oft mehrere Meter betragen. Eine genaue Kenntnis ber Tiefenoerhältnifse in ber Fahrt- rinne ist für bie Kapitäne ber auf bem Strom Der* kehrenben Schiffe aber unbebingt notroenbig. Bisher ist ber Wasserstand durch optische Warnungszeichen angegeben worden. Inzwischen hat das Marine-Ministerium aber Versuche mit bem elektrischen Apparat mit ßautoerftärfung angefteüt, ber eine genaue Messung bis auf ben Zentimeter sichern soll. Nach bem oorliegenben Projekt soll ber Mechanismus mit einem Tiefenanzeiger so oerbunben werden, daß jeweils beim Steigen ober Fallen bes Wassers ein bestimmter elektrischer Kontakt ausgelöft wirb, roorauf bie Anzeige ber erfolgten Messung burch Nabio geschieht. Sobalb ber Wasserstanb bas Nioeau von 8 bis 9 Metern zu unterschreiten beginnt, werben bie Kapitäne ber auf bem St. Lorenz-Strom oerkehrenben Schiffe burch laute Signale auf bie befonberen Tiefenoerhältnifse aufmerksam gemacht. Der oerroenbete Tonoerstärker soll es ermöglichen, daß bie Melbung in einem Umkreis bis 100 Kilometer hörbar ist.


