Das Rätsel einer Frühlingsnacht
Vornan von Gert Gothberg.
Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Verlag, Halle, ©aale
10 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Als Venjo Holm sich in dem schönen, hohen Zimmer befand — es mar dasselbe, das er früher immer bewohnt —, da preßte er die Stirn an die Tür, stöhnte:
„Mein Leben könnte ich jetzt hingeben, um die Vergangenheit ungeschehen zu machen. Und doch habe ich es gewußt. Lelia konnte niemals mehr Wert für ihn haben, wenn er von dieser Vergangenheit erfuhr."
Drüben schritt der Schloßherr durch die Räume, in denen Lelia ihr süßes Lachen ertönen ließ, in denen er sinnlos glücklich gewesen, in denen nichts geändert werden durfte bis dahin, in denen er Zwiesprache hielt mit der geliebten Frau, die ein rätselhaftes Schicksal ihm genommen. Die herrlichsten Rosen hatte er täglich hierher vor ihr geliebtes Bild gestellt, andere an ihre Ruhestätte getragen.
Und nun? Stürzte denn nicht die Decke über ihm zusammen, der sich mit seinem ganzen Dasein an diese Frau verlieren konnte? An eine schöne, blonde Lelia, die keine Treue kannte? Die einer Abenteurerfamilie entstammte?
Lelia?
Lelia ein Heiligtum?
Graf Härtlingen lachte, lachte — schauerlich hallte das Lachen von den hohen Wänden zurück. Die Gormanns und Tante Malchen standen bleich und zitternd auf dem Gang draußen, und sie hörten dieses schreckliche Lachen.
Und keiner wagte sich hinein zu ihm. Keiner!
6. Kapitel.
Graf Härtlingen saß seiner Tante ruhig und freundlich beim Abendbrot gegenüber. Er plauderte mit ihr wie sonst, nichts verriet mehr die seelische Erregung vom Nachmittag.
Tante Molchen blickte forschend in das braune Gesicht. Doch keine neugierige Frage belästigte ihn. Trotzdem Tante Malchen ein ganz eigentümliches Unbehagen bei dem Gedanken an den unheimlichen Gast beschlich.
Unheimlich war der Mann, den Rudolf ausgenommen. Und wie lange wollte dieser Mensch denn eigentlich hier in Härtlingen bleiben? Doch nicht etwa für immer?
Härtlingen sah in den blühenden Park hinab, dabei stieß er zwischen den Zähnen hervor:
„Ich sehe es dir ja an, Tonte Molchen, wie unzufrieden du mit mir bist. Aber Venjo Holm war
elnst mein einziger, bester Freund. Er ist schwerkrank, und er bleibt vorläufig hier in Härtlingen. Vielleicht bringe ich ihn zum Herbst nach San Remo. Ich will erst abwarten, wos der Arzt meint. Und — Venjo Holm hat das Geständnis des wahren Mörders meiner — meiner Frau noch Härtlingen gebracht. Er hat mir auch die andern Zeugen genannt. Ich fahre morgen früh zu meinem Rechtsanwalt. In ganz kurzer Zeit also wird mein Nome wieder rein und makellos sein."
„Rudolf? Dann — ist die arme Frau wirklich ermordet worden?"
„Ja, von ihrem eigenen Bruder. Erlaß mir das Weitere, Tonte! Nur soviel: Sobald die Akten endgültig über diesen Fall geschlossen sind, verreise ich. Vielleicht auf mehrere Jahre, und ich wäre dir sehr dankbar, wenn du inzwischen hier in Härtlingen bleiben würdest."
Sie streichelte seine Hand.
„Ich bleibe, Rudolf. Ich freue mich ja so, wenn ich dir nützlich sein darf", sagte sie dann.
Er sah sie dankbar an:
„Wie dos alles sich noch einmal gestalten wird, kann ich dir vorläufig nicht sagen. Ich habe vorerst noch keinen festen Entschluß gefaßt. Sei ein bißchen nett zu Venjo Holm! Er ist wahrscheinlich bei der ganzen Geschichte der, der am meisten leidet."
Er stand auf, nickte der alten Dame zu und ging dann hinaus. Tante Malchen sah ihm entgeistert nach.
Was hat er da gesagt? Und was mag sich hier in Härtlingen eigentlich alles abgespielt haben, von dem ich nichts weiß?, dachte sie. Ihre Gedanken waren bei dem kranken Manne, der plötzlich hier in Härtlingen aufgetaucht war.
Schlecht konnte er aber doch nicht sein, denn sonst würde Rudolf ihn hier doch nicht dulden? Was mochte die beiden Männer wohl für ein Geheimnis miteinander verbinden?
Rudolf war unschuldig an dem furchtbaren Geschehen! Er würde endlich den Beweis für seine Unschuld erbringen können.
Das war ein Gnadengeschenk des Himmels. Für Rudolf bedeutete das unendlich viel. Und Venjo Holm würde der Behörde sagen, was er wußte. Zudem waren ja, wie Rudolf bemerkt hotte, noch andere Zeugen da.
Das also schien olles festzustehen. Wie aber dachte Rudolf jetzt über die tote Lelio?
Es mußte doch etwas Furchtbares fein, was ihn aus feinem Schmerz gerissen? Und doch war es gut, daß der Schnitt geführt worden war. Nun hatte er wenigstens Interesse für feinen schönen, alten Besitz.
Aber daß dieser Venjo Holm nun hierbleiben würde, daß sie sogar noch nett und freundlich zu ihm sein sollte, das war ihr doch ganz und gar nicht sympathisch.
Doch sie mußte sich wohl ein bißchen Mühe geben. Mein Gott, wie mochte es nur zugegongen sein, daß
der Mann so heruntergekommen war? Und er war einst Rudolfs bester Freund gewesen!
Tante Malchen konnte ihren Gedanken nicht länger nachhängen, denn Frau Gormonn kam und bat um eine kurze Besprechung wegen einer Küchenangelegenheit.
Trotzdem Tante Malchen sich von Anfang an Mühe gegeben hatte, der alten Gormann das Küchenzepter nicht aus der Hand zu winden, so wußte eben doch wieder Frau Gormann, was sie der Tante ihres Herrn schuldig war.
*
„Wos? Katharine, komm mal schnell her, das ist ja geradezu unglaublich", meinte Herr von Wellhof und wischte sich ganz aufgeregt über die Stirn.
Frau Katharine sah den Gatten ruhig an.
„Was hast du denn nur? Erregen dich wieder einmal die Viehpreise?" fragte sie dann lächelnd.
„Nee! Aber die Unschuld von Rudolf Härtlingen hat sich herausgestellt. Einwandfrei! Verstehst du, was das zu bedeuten hat, Kathrinchen? Daß wir alle zusammen hier in der Nachbarschaft uns eine kolossale Dummheit haben zuschulden kommen lassen, und daß der Härtlingen sich nicht mehr mit solcher Nachbarschaft abzugeben braucht. Hihi! — fein haben wir das gemocht. Aber das kommt davon, wenn man fein Ohr jedem alten Klatsch und Tratsch leiht. Soll mir noch mal passieren! Ich werde ein andermal bestimmt nur noch nach meinem eigenen Instinkt handeln."
„Aber Väterchen, sieh mal, alles deutete auf seine Schuld. Also ist es doch nun ein Selbstmord der Gräfin?"
„Auch nicht. Hier steht, daß sie von ihrem eigenen Bruder ermordet worden ist."
„Wie furchtbar, Karl! Aber könnte es denn nicht eine Täuschung fein?"
„Ausgeschlossen. Der Chefarzt und die Schwester eines Krankenhauses sind die Zeugen, außerdem ein bekannter Künstler. Da wird es schon stimmen. Der Mörder hat vor seinem Tode ein Geständnis abgelegt."
„Ja, dann allerdings."
„Wie du so daherreden kannst! Was wir uns sinnlos verscherzt haben, daran denkst du nun wohl nicht mehr im geringsten?"
„Ja, ich weiß — Gisela! Sie hat ihn geliebt! Und sie hat schwer unter feiner damaligen Heirat gelitten. Nun ist die Frau tot. Und hätten wir zu ihm gehalten, als alles ihn verließ, wer weiß, was nun wäre", sagte Frau von Wellhof bekümmert.
„Ich werde zu ihm gehen", entschloß sich Herr von Wellhof.
„Ja, tue das, Väterchen! Vielleicht kannst du dadurch nun doch noch etwas für unsere Einzige herausholen. Es wäre sehr schön, wenn nun doch noch alles gut würde."
Aehnliche Gedanken wie die Wellhofs hatten auch die anderen Nachbarn, und so kam es, daß Graf Rudolf Härtlingen in den nächsten Tagen sich kaum retten konnte vor dringenden Besuchen oder Einladungen.
Er war nicht nachtragend. Schließlich war er doch gerecht genug, einzusehen, daß der Schein eben doch gegen ihn gewesen war. Aber es fiel ihm auch nicht ein, sich in den Trubel nachbarlichen Verkehrs zu stürzen. Freundlich, aber bestimmt, zog er sich vorläufig noch von allem zurück.
Das Trauerjahr war längst um. Längst!
Trauerjahr? Was ging denn ihn noch die Frau an, die da drüben ohne jedes Anrecht in der Gruft feiner Ahnen schlief?
Niemand wußte etwas von Lelias Leben. Hier hatte niemand sie gekannt, wie sie in Wirklichkeit gewesen war. Es war gut so. So blieb ihm wenigstens das Letzte, Schwerste erspart. Das, daß die Nachbarn sich noch nachträglich mit dieser Ehe befassen konnten.
Venjo Holm! Er war schwerkrank! Unheilbar lungenkrank.
Nun schlich er im Park von Härtlingen umher — eine Jammergestalt mit den nach vorn geneigten, abgemagerten Schultern, dem trockenen Husten, der ihn quälte.
Rudolf Härtlingen hatte ihm das Wort abgenommen, daß er nicht etwa heimlich floh!
Wo sollte er denn hin? Und — die alte Liebe für den Freund, die ganze jahrelange Anhänglichkeit war wieder in ihm.
Di§ Vergangenheit sollte tot sein. Venjo hatte ältere Rechte an jene Lelia gehabt, er hatte sie ihm nicht gestohlen.
Und fern, fremd lagen dem jungen Schloßherrn von Härtlingen jene Stunden, m denen jene Lelia sein Höchstes auf dieser Welt gewesen.
lieber Venjo Holm aber breitete sich, vorläufig noch von niemand gesehen, schon die ewige Nacht.
Da kam über den großen Künstler noch einmal der Wille, etwas zu schaffen, nicht tatenlos die Tage zu verbringen. Er bat den Freund, sich alles Nötige verschaffen zu dürfen. Der Graf selbst begleitete ihn in die Stadt, um die Einkäufe zu besorgen.
Und Venjo Holm malte — Lelia!
Aber war denn das wirklich Lelia? Sie war achtundzwanzig Jahre alt, als er sie kennenlernte. Er, Rudolf Härtlingen. Jetzt aber sah er plötzlich, daß Lelia niemals diesen unschuldigen, reinen Zug im schönen ovalen Gesicht gehabt. Sie war nur schön gewesen, betörend schon. Und ihre Reinheit hatte er, der sinnlos Verliebte, eben in dieses wunderschöne Antlitz hineingedichtet. Es war ja in Wirklichkeit ein ganz anderes Gesicht gewesen, das Lelia zeigte. Ganz, ganz anders.
fFortsetzung folgt.)
Ober kurt oder long werden auch Sie sich zum Kaufeines neuen Gerätes entschließen. Dann aber den BLAUPUNKT 3000. Er erfüllt alle Ihre Wünsche, beherrscht olle Wellen> über Kurz oder Lang!
IW 3000 für Wechselstrom 220 — mit Röhren
LG 3000 für Gleichstrom 222 — mit Röhren
Wir schämen uns der Verkündigung des Evangeliums von Christo nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden. Nöm. 1,16.
Bitte kommen auch Sie
zu den
EMMWW-MliM
im behaglichen Saale der Chrisll. Versammlung Gießen, Wetzsteingasse 9 (Hofeingang)
Keimet: Emrngellil WI smroefel, Berlin
Montag, den 29. Januar, 20.15 Uhr:
Die Unwandelbarkeit des Evangeliums und der Zeugendienst an diesem.
Dienstag, den 30. Januar, 20.15 Uhr:
Wanderer zwischen zwei Welten, wo endet Ihre Wanderschaft?
Mittwoch, den 31. Januar, 20.15 Uhr:
Gewißheit! Ein Wort an Zweifler.
Donnerstag, den 1. Februar, 20.15 Uhr:
Die suchende, bewahrende, zum Ziel führende Gnade.
Freitag, den 2. Februar, 20.15 Uhr:
Das unerschütterliche Reich Christi und seine Bewohner.
Samstag, den 3. Februar, 20.15 Uhr:
Die Endkrisis der Völker bzw. der kommende Richter m Harmagedon.
Sonntag, den 4. Februar:
unden weitere Versammlungen nachmittags 3.30 Uhr und abends 8 Uhr statt.
Vom Dienstag, 30. Januar, bis Freitag, 2. Febr.: nnden nachmittags 3.30 Uhr Bibelstunden über 2. .Hot. 3-5 ftatt. 538D
Jedermann ist herrlich willkommen!
Eintritt frei! Kollekte wird nicht erhoben!
Hotel Prinz Carl
Sonntag, den 28. Januar, 19.30 Uhr, in sämtlichen neuen Räumen 0447
Familien-Konzert
NB. Dieinstandsetzung der hinteren Gesellschaftsräume istbeendet. Zwangl. Besichtigung erwünscht
Maskenball
der 527 D
SpielvereinigungWOO findet Samstag. 3. Februar, 20.11 Uhr in allen Räumen des Cafö Leib statt.
Kartenvorverkauf: SporthausSchwan, Mäusburg, Ludwig Bende, Bahnhofstraße 12, | August Wallenfels, Marktplatz u'
Morgen Sonntag den 28. Januar, auf der Liebigshöhe
Konzert mitTanz
0443
Anfang 8.00 Uhr abends
Unser
Maskenball
findet am Samstag, 10. Februar, in den Räumen des Gesellschaftsvereins statt. 5-:6D
feimcto tanjmn d.
Illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
Neue und gebrauchte
Klaviere
empfiehlt zu günstigen Zahlungsbedingunu en
GEORG EBERT, Klaviermaeher
Gießen. Lud wigstraße 5part.
Tel.2403 8g?d Kein Laden
IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIM
Niederlassung!
Habe mich in Gießen als
Natur-Heilkundiger
niedergelassen O312
Sprechstunden: Wilhelmstraße 41 pari, von 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr
Reinhard Rein
Ein gut er Schlaf
jeden eine wunderbare Kräftigung. Warum aber können Sie nachts nicht schlafen, warum fühlen Sie sich mott und elend? Weil Ihre Nerven versagen. ff q Doppelherz macht die Nerven widerstondsfä
ViMv big u.erhält sie gesund.
Schlaflosigkeit, Nerven- $diwäche,Er>diöpftsein und sonstigen Schwächezuständen gibt es kein besseres Kräftigung«-
F|asche
1,95 RM, 3,70 RM, 4,65 RM, Doppelherz-Dragees 1,50 RM. Zu haben in den nachstehenden Drogerien: C. Seibel, Frankf Sfr O.WinterhoHjKreuzpl.9 10. H. Eines Seltersweg 68a. Grünberg: Kari Schei’u.sämtLFüialen.kanbach: bolms-Laubach.Drog.K,lUeifl, wxV
Statt Karten!
Zhre Vermählung beehren sich anzuzeigen
Ihre Verlobung geben bekannt
Ludwig Henß
Marie Schwan
und Frau Erna, geb. Groth
Hans Höchst
Gießen, den 25. Januar 1934
Krofdorfer Straße Marburger Straße
Ludwigstraße 22 Bahnhofstraße 61
Januar 1934
___1439
0439
Mercedes
Kleinschreibmaschine nur 182.— RM. schon für mtl.RM.7.90 Franz Vogt & Co. Seltersweg 44
Ruf 2464 6735/»
Meine Praxis befindet sich jetzt Großer Stein weg 21 Haltestelle der Straßenbahn Moltkestra&e — Ludwigsplatz Fernsprech-Anschluß Nr. 2415
J. Schetter, Dentist
Rrflhl’enhpnnriirkeroi
WdCHSTOEMNN^ Q Q Q Q SoforUger Gewinnenlncheid
447 D
MM
Statt Karten.
Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen
Fritz Schwab und Frau Lina, geb. Grüger
Gießen, 28. Januar 1934 Frankfurter Straße 94
0450
■ Lichtspielhaus, Gießen I
Heute und morgen Sonntag:
Willy Fritsch, Trude Marlen in J
Des jungen Dessauers Wie liebe
IAstoriazLichtspiele g
Die große Sensation 552 C ■
Ich hin ein entflohener Kettensträflinh.
Defektiv K. Gerz
Bad-Manheim
Kurstraße 17, erleb. alle vertrauliche Privat- und Geschäftsangelegenheiten, wie Auskünfte,Beobachtungen, Er- mittelungen,Beschaffung vonBe- weismaterial in Straf-undZivil- vro;., streng diskret. Svrechft.: 9-12V9u.3-6 Uhr.
KW« TECHNIKUM für Ingenieure und Werkmeister
BADRANKENHAUSEN Maschinenbau,DektrotaJinik, nugzeug.,Aafo-iildodniasdL-Bdu
Eig Flugplatz
Billiges Heim i für Reisende und Dauerrnieter Gießen, H.d.Westanlaae 11, Tel. 2378. Schöne,neu hergericht.Zlmmer m. Zentralheiz.,guteVerv ft., Garten.
WF R R F DRUCKSACHEN
■ ■ ■» ■■ Brühl'sche Druckerei


