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genommenen Dortrage erfolgte die Uebergabe der neuen Kyffhäuserfahne durch den Bezirksführer Ka­merad Dr. K r a e m e r, der in seinen Ausführun­gen die Verdienste der Kriegeroereine um die natio­nale Erhebung besonders unterstrich.

Hierauf fplgte die Ehrung verdienter Kameraden. Der einzige noch lebende 90jährige Mitbegründer und Ehrenführer des Vereins, Kam. Meyer, konnte wegen seines hohen Alters nicht art der Feier persönlich teilnehmen. Es wurden ihm das Hassia- Abzeichen für 60jährige Mitgliedschaft und eine Ehrenurkunde verliehen. Das Abzeichen für SOjäh- rige Mitgliedschaft erhielt Kam. Wilh. Stumpf, außerdem wurde ihm durch den Dereinsführer das Hassia-Ehrenkreuz verliehen. Kam. Rechnungsrat i. R. Schiffnie wurde in Anerkennung seiner dem Vorstande geleisteten langjährigen Dienste zum Ehrenmitglied der Führerschaft ernannt. Gleichzeitig überreichte ihm Kam. T r ü m p e r t eine Ehren­urkunde und ein Bild des Reichspräsidenten und des Volkskanzlers zur Erinnerung an den Tag von Potsdam. Altveteran und Ehrenmitglied W. Bour­geois wurde Lurch eine Hindenburg-Plakette ge­ehrt, ebenso der langjährige Fahnenträger Krä­mer durch eine Plakette, die einen Frontkämpfer im Stahlhelm darstellt. Den Kam. Druckereibesitzer Albin Klein und Prokurist Wagner wurden für ihre Verdienste um den Schießsport in der Has- sia und dem Kam. Landgerichtsrat Keller für seine langjährige Mitarbeit tm Vorstande die Hassia- Ehrenmünze verliehen. Ehrenurkunde und Ver­bandsabzeichen für 40jährige Mitgliedschaft erhielten die Kameraden Joh. Hch. Schneider, Martin Ohr, Prof. Dr. K o e p p e, Prof. Walters Wilh. Ranft, Balth. Dern, Wilh. Hebbel, Gg. Hambach, Karl Haupt, Auq. Schmalz, Karl Kopp, Albrecht Hertel, Georg Bormuth, Hch. Kümmel, Konr. Wenzel und Hch. Hahn. Das Verbandsabzeichen für 25jährige Mitgliedschaft erhielten: Georg Haubach, Adam Hettche, Adam Hoffmann, Konrad Roth, Karl Bie­denkopf, Karl Ritter, Wilh. H ö n i g, Aug. Glebe, Rob. Gärtner, Friedr. Curths, Auq. Köhler und Heinr. Schmitt.

Kam. Major a. D. Pohl überbrachte als Vertre­ter der Hassia-Führerschaft eine Fahnenehrenmünze. Für die Arbeitsgemeinschaft der Gießener Regi- mentsvereine sprach der Führer Kam. Müller, und überreichte einen Fahnennagel. Die Verbunden­heit der jungen Generation mit den alten Solda­ten betonte Beigeordneter Pg. Bartholomäus, der gleichzeitig im Namen der Stadtverwaltung sprach.

Reicher Beifall lohnte immer wieder das Musik- korps unter der vortrefflichen Leitung des Ober­musikmeisters K r a u ß e. Ganz besonderen Anklang fanden die Märsche für Fanfarentrompeten und Kesselpauken, sowie die historischen Märsche aus drei Jahrhunderten.

Die zu Gunsten der Winternothilfe veranstaltete Sammlung eroab den Betrag von 40 Mark. Auch die Lose des Winterhilfswerkes, die im Saale ver­trieben wurden, fanden reichlichen Absatz.

Lore Fischer singt wieder in Gießen.

Alle diejenigen, die die jugendliche und schon so gefeierte Altistin Lore Fischer aus Stuttgart im Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche vor kurzem gehört haben, werden mit Freude vernehmen, daß die Sängerin einen ganzen Liederabend in Gießen geben wird. Aus dem Programm sei besonders SchumannsFrauen Liebe und Leben" hervorge­hoben; dieser Liederzyklus, bis vor einem Jahr wie alles, was Gemüt und Empfindung hatte, verfehmt, wird mit besonderer Freude begrüßt werden. Im ersten Teil ist Franz Schubert mit einigen seiner köstlichsten Lieder vertreten, während der dritte Teil Johannes Brahms Vorbehalten bleibt. Die von der Künstlerin ausersehenen Lieder gehören zu den schönsten, aber auch zu den bekanntesten des Mei­sters; gerade deren Wiedergabe erfordert aber eine vollendete Meisterschaft. Gerade als Brahms-Inter­pretin wird Lore Fischer besonders gefeiert.

Lebensmittelspende für das Winterhilfswerk.

Die Firma Benner, Krumm & Sauer, ine zu Beginn des Winterhilfswerkes bereits 1000 Pfund Lebensmittel gestiftet hat, hat jetzt der Kreis­leitung weitere 500 Pfund Suppeneinlagen als zweite Rate zur Verfügung gestellt.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 27. Jan. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,20 Mark, Kochbutter 1 bis 1,10 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Mse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 11 bis 12, Wirsing, das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grün­kohl 15 bis 18, Rosenkohl 35 Pf., Feldsalat 1, bis 150 Mark, Tomaten 50 Pf., Zwiebeln 10, Meer­rettich 40 bis 45, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kar­toffeln, das Pfund 3 bis 3% Pf., der Zentner 2 80 bis 3, Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 20 Pf., Birnen 15 bis 20, junge Hähne 80, Suppenhühner 70, Gänse 60 bis 70, Tauben, das Stück 40 bis 50, Blu­menkohl 40 bis 70, Salat 20, Endivien 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35 Pf.

4*0 VIlUi

_Tageskalender für Samstag. Stadt­theater: 20 bis 22 UhrMozart-Abend" (2. Konzert). Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Des jungen Dessauers große Liebe". Astoria-Lichtspiele, Sel- tersweg:Ich bin ein entflohener Kettensträfling". Bezirk Oberhessen der Deutschen Lebensrettungs- Gesellschaft: 17.15 Uhr, Hotel Köhler, Besprechung der Lehrscheininhaber. Bezirkssparkasse Gießen: 20 Uhr,Aquarium", Filmvortrag. Deutsche Stenoqrafenschaft: 20 Uhr, Cafs Ebel, Jahres- Hauptver ammlung. - VfB.: 20.30 Uhr, Vereins- heim Monats-Versammlung. Ortsgruppe Gießen- Süd der NSDAP.: 20.15 Uhr,Graf Zeppelin", Zelle 6, Zellenabend.

° __ Tfl a eskalender für Sonntag. Stadt- fheater: 19 bis 21.30 Uhr,Wiener Stur - Ober- ^Micher Kunstverein, Turmbaus am Sranb: 11 bis 13 Ubr Ausstellung. Gießener Konzert-Ver- - n 17 Uhr, Universttats-Aula, Lieder-Abend Sore Äscher. - Studenten,chast der Universität und Koetbe-Bundi 20.15 Uhr, Neue Au a, Vortrags- abend. - Licht,Piethaus, Bahnhofstraße: Des iunaen Daffauers große Liebe . Astorla-.Licht. v,"ele Seltersweg:Ich bin ein entflohener Ketten, fträ ina" - 6p»0. 1900: 20.30 Uhr,Postkeller", Wlien-Äbend - Eifenbahn-Fahrbeamtenv^rem: 16 Uhr,Stadt Wetzlar", G-neralv-r ammlung - Si-nen-Züchter, Ortsgruppe Gießen: 14 Uhr, Hotel H°I^'u^7-m"ZE'd7?h eaterbur o: heute,

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satlonsvorträge des Evangelisten Paul Schwefel- Berlin aufmerksam. (Siehe Anzeige.)

** Tödlicher Unfall. Gestern abend ereig­nete sich hier bei der Firma Bänninger ein tödlicher Unglücksfall. Der etwa 55jährige Former Jakob Hofmann, Hammstraße 15, kam auf bis­her noch nicht völlig geklärte Weise an der Maschine, an der er beschäftigt war, mit dem elektrischen Strom in Verbindung und wurde getötet. Der be­dauernswerte Mann hinterläßt eine Frau und ein Kind. Die Ermittlungen über die näheren Ursachen des Unfalles sind noch int Gange.

** Städtische Brennholzver steige- r u n g. Bei der gestrigen Brennholzversteigerung in den städtischen Waldungen (Försterei Gießen) wur­den folgende Preise erzielt: Kiefernscheiter 1. Klasse 8 Mk. je Raummeter, 2. Klasse 6,50 Mk., Eichen­knüppel 6,50 Mk., Kiefernknüppel 6,50 Mk., Fichten- knüppel 5, Mk., Kiefernstöcke 4,50 Mk., Eichennutz- scheiter 2. Klasse 9,50 Mk. Die angebotenen Mengen wurden restlos abgesetzt.

** D i e Aufnahmetermine für die Volksschule betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Es wird darin besonders her­vorgehoben, daß ein weiterer Termin für die Schul­aufnahme nicht stattfindet. Auf die Bekanntmachung sei besonders hingewiesen.

* * D i e Einlösung des 5. Abschnitts des Stadttheater-Abonnements betrifft eine Bekanntmachung des Stadttheaters im heuti­gen Anzeigenteil.

* * D i e Direktionen der hiesigen höheren Lehran st alten machen im heuti­

gen Anzeigenteil auf den Termin- für die Auf- nähme in diese Anstalten aufmerksam. (Siehe An­zeige.)

* * Das Museum im Alten Schloß ist am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.

Urteile des OarmstädterEondergerichts

Darrnstadt, 25.Jan. (LPD.) Dor dem Son­dergericht Darmstadt hatte sich heute zu­nächst der Wilhelm Vollrath aus Reinheim i. O. wegen verleumderischer Behauptunaen über den Prozeß gegen die Reichstagsbrandstifter zu verant­worten. Er wurde wegen Vergehens gegen die Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Der wegen Raub im Gefängnis fitzende Willi Knoblauch aus Rüsselsheim beschimpfte in sei­ner Zelle den Reichskanzler, wofür er zehn Mo­nate Gefängnis erhielt.

Wegen unerlaubten Waffenbesitzes erhielten der Karl Sammel aus Mörfelden, der früher Kom­munist war, ein Jahr fünf Monate Ge­fängnis, Herzberger drei Monate eine Woche Gefängnis, der frühere Kommunist Wilhelm Schulmeyer aus Mörfelden ein Jahr sechs Mo­nate Gefängnis. Die Brüder Karl und Philipp Henk aus Walldorf waren ebenfalls wegen unbe­fugten Waffenbesitzes angeklagt. Einer von ihnen, der SA.-Mann ist, trug bei einer Streife eine Pistole, wofür er eine Geldstrafe von 160 Mark er­hielt, während sein Bruder zu zwei Monaten Ge­fängnis verurteilt wurde, die durch die Unter­suchungshaft als verbüßt erklärt wurden.

Deutschtum habe damals im fiorriborgeblef über­all die sichere Mehrheit gehabt.

Für diese Behauptung lieferte der Redner klares und einwandfreies Beweismaterial an Hand der frühe­ren Bevölkerungsstatistiken, Wahlergebnissen usw. Jetzt aber nach der Durchführung der umfang­reichen E n t b e u t s ch u n g s m a ß n a h m e n Polens müßten wir eine solche Abstimmung ab­lehnen. Den Verlust dieses Landes legte der Red­ner auch der falschen deutschen Politik zur Last, die schon vor dem Kriege hinsichtlich der Beamtenschaft im deutschen Osten getrieben wurde und dazu führte, daß Ende 1918 der größte Teil der deutschen Beam­ten und Behörden fluchtartig jenes deutsche Gebiet verließen, ferner machte er das Verbrechen der No­vemberrevolte von 1918 und das ebenso unerhörte, verbrecherische Verhalten des damaligen Staats­sekretärs von Gerlach, des berüchtigtenPazi­fisten", dafür verantwortlich, daß den Polen dieses gute deutsche Land in die Hände fiel. Dann hätten es die Polen leicht gehabt, mit gefälschten Karten den amerikanischen Präsidenten W i l s o n für sich zu gewinnen.

Der Redner besprach dann kurz die (Entbeut- schungspolitik derPolen, die mit Hilfe der sogenannten polnischen Agrarreform betrieben wurde und von 1918 bis 1927 über 800 000 Deutsche, bis heute sicherlich über eine Million Deutsche von Haus und Hof vertrieb, alles unter stiller Duldung des Völkerbundes, LesGaranten des Minderheiten­rechts".

Demgegenüber halte der Nationalsozialismus an feinem außenpolitischen Ziel fest, dem deutschen Volke den ihm gebührenden Platz zu sichern. Zu diesem Zwecke fei jetzt auch die deutsche Ostpolitik auf ganz neuen Grundlagen neu aufgebaut worden.

In diesem Zusammenhänge wies der Redner darauf hin, daß die Bevölkerungsdichte in dem um­strittenen Gebiet auf polnischer Seite viel größer sei, als auf deutscher Seite, und er leitete daraus die Forderung her, diesem Mangel auf deutschem Gebiet in der Grenzmark baldigst abzuhelfen.

Sodann wandte sich der Redner Oberschle­sien zu, wobei er ebenfalls feststellte. Laß auch in Obseschlesien das Selbstbestimmungsrecht von den Polen im Verein mit den Franzosen vor und nach der Volksabstimmung in schamloser Weise verfälscht worden sei. Er schilderte dann die polnisch-französischen Verbrechen bei der poli­tischen und wirtschaftlichen Zerreißung Oberschle­siens, die Vergewaltigung des Deutschtums, das bei der Abstimmung 60 v. H. der Stimmen erreichte, während Polen nur 40 v. H. aufweisen konnte, aber in dem Kommandierenden der damaligen Besatzungs­armee, dem französischen General Le R o n d, einen würdigen" Helfershelfer besaß. Anstatt Oberschle­sien, wie es hätte sein müssen, als Einheit zu behandeln und auf Grund der 60 Prozent Stim­men für Deutschland diesem zurückzugeben, sei es territorial und wirtschaftlich zerrissen worden, wo­bei der berüchtigte General Le R o n d eifrig für Polen tätig war.

Das deutsche Ostproblem müsse als Einheit an­gesehen werden, denn der wirtschaftspolitische Zusammenhang zwischen dem Korridorproblem und Ost-Oberschlesien sei gegeben.

Das komplizierte Gebilde der oberschlesischen In­dustrie sei in Trümmer geschlagen worden. Die Polen seien weder wirtschaftlich noch technisch im­stande, die vorhandenen Anlagen richtig auszu­nutzen. Für die Kohlenschätze Ost-Oberschlesiens habe Polen keine Derwenduna. Deshalb bringe es seine Kohlen durch Preisunterbietung auf den Weltmarkt, und es habe auch schon erheblich die englische Kohle verdrängt. Lloyd George werde daher heute wohl anders über Polen denken als 1919 beim Friedensdiktat. Der Redner wies dann auf den Bau der polnischen Nord-Süd-Bahn von Gdingen bis O st-Oberschlesien, die sog. Kohlen-Magi- strale, hin und betonte, daß die Ausfuhr Polens auf dieser Bahn nur forciert wörde, um in nord- und südlicher Richtung stärkeren Verkehr aufweisen zu können, als in west-östlicher Richtung durch den Korridor. Polen könne seinen Export aber auch ohne Korridor durchführen, wenn die Weichsel inter­nationalisiert und Polen in Danzig ein Freihafen zugestanden werde, wie ja auch die Tschechoslowakei die Internationalisierung der Elbe und einen Freihafen in Hamburg genieße.

Die lleberlaffung Pomerellens (das Korridor­gebiet) an Polen fei weder wirtschaftlich, noch ethnographisch gerechtfertigt, Polen habe auch keinen geschichtlichen Anspruch auf dieses Gebiet.

Mit Sympathieerklärungen sei dem deutschen Osten nicht gedient, solange nicht der Wille und das Wis­sen dahinterstünden. Korridor und Ost-Ober» schlesien seien eine Einheit. Die Notlage des deutschen Ostens in wirtschaftlicher und völkischer Hinsicht dränge auf Abhilfe. Wirtschaftliche Hilfe dem Grenzgebiet zu bringen, sei eine der wichtigsten Aufgaben. Dringend notwendig seien

Defeitigung der Arbeitslosigkeit durch eine IBirf- schaftsbelebung von Dauer, Verstärkung und Verbreiterung der Wirtschaftsmöglichkeiten und die Verdichtung der Bevölkerung im Ostgebiet.

Der kinderreiche Osten müsse in die Lage versetzt werden, seinen Nachwuchs im Heimatgebiet ernähren zu können, so daß die Abwanderung vom Osten nach dem Westen ein Ende nehme. Hier habe die natio­nalsozialistische Ostpolitik den Hebel angesetzt. Die bisherige Ostflucht müsse in eine Ostwanderung, in eine Binnenwanderung vom Westen nach dem Osten umgewandelt werden. Nur so könne der drohenden Unterwanderung des deutschen Ostens durch die Polen begegnet werden. Auf die­ser Grundlage erstrebe die nationalsozialistische Be­wegung in der Ostpolitik Frieden und Ge­rechtigkeit. Mit dem Zitat eines Aussvruches des Führers in diesem Sinne schloß der Redner seinen aufschlußreichen, mit starkem Beifall belohn­ten Vortrag.

Kleine Strafkammer Gießen.

Zwei Fuhrleute von Gießen sind im Herbst vori­gen Jahres vom Amtsgericht zu je 5 Mark Geld­strafe verurteilt worden. Man legte ihnen zur Last, ein vor einen schwer beladenen Kohlenwagen ge­spanntes Pferd die ansteigende Toreinfahrt neben dem Katholischen Schwesternhaus mit Schlägen hinaufgetrieben zu haben. In der Berufungsver­handlung mußten die Angeklagten freigespro­chen werden, da eine absolute Schuld nicht nach­weisbar war.

Ein Landwirt aus Gambach wurde wegen Pfand­bruchs vom Amtsgericht Butzbach zu zwei Wo­chen Gefängnis mit fünfjähriger Bewährungs­frist verurteilt. Der Angeklagte verkaufte einen ordnungsgemäß gepfändeten Bullen. Seine gegen das Urteil eingelegte Berufung wurde kostenpflichtig verworfen. Der Antrag des Staatsanwalts lautete entsprechend.

WitänleuM Ahr. v. Spiegel erzählt..

In der bis auf den letzten Platz besetzten Aula der Universität sprach am Donnerstagabend Kapitän­leutnant Frhr. v. Spiegel über seine U-Boot- fahrten und Abenteuer im Weltkrieg. Der Redner wurde von dem -Führer der Studenten-, schäft stuck, jur. Adam im Namen der Dortrags- oereinigung und der Studentenschaft willkommen geheißen und auch von den Zuhörern herzlich be­grüßt.

Erinnerungen.

Kapitänleutnant von Spiegel betonte zu­nächst, daß er besonders der Jugend erzählen wolle/ Sie solle die Waffe kennenlernen, die wir heute nicht, der Feind aber in Ueberzahl besitze. Die Ju-I gend soll Freude gewinnen an der Seewaffe. 5000 i Kameraden seien im U-Boot-Krieg gefallen, 1991 U-Boote ruhten auf dem Meeresgrund. Das sei ein verpflichtendes Vermächtnis. Für ihn sei es eine Freude, so führte der Redner aus, gerade hier in Gießen sprechen zu können. Er erinnere sich gerne der Zeit, da er in Krofdorf-Gleiberg (sein Vater war vor 40 Jahren Oberförster in Krofdorf) seine ersten Jungenstreiche verübte.

Halbheiten der UVootkriegsführung.

Nicht ohne Bitterkeit denke er an die Jahre des Krieges zurück. Eine höchst unangebrachte, zögernde und von Humanitätsbuselei beinträchtigte Politik habe den vollen Einsatz der U-Boote verhindert. Der Krieg hätte anders enden können, wenn nicht ein Bethman n-H ollweg Einfluß gewonnen hätte und Noten wechselte, anstatt die Militärs handeln zu lassen. Im U-Boot habe man Mut beweisen müs­sen. Es sei im Kriege noch nicht erprobt gewesen. Der Krieg habe aber den Einsatz gefordert. Vordem blieb man nicht über Nacht in See. Dann aber habe man tagelang, wochenlang draußen bleiben müssen, fei in alle Weltmeere vorgestoßen. Mit Stolz erin­nere man sich der Heldentaten des Kapitänleutnants Weddigen und seiner Mannschaft auf U 9. Kurze Zeit nach der Versenkung dreier Schlachtschiffe durch Weddigen am 22. September sei der U-Boot-Krieg eingestellt und erst 1916 nun auch gegen Han­delsschiffe wieder ausgenommen worden. Von T i r p i tz habe schon 1914 den Bau von 450 U-Boo­ten empfohlen die Durchführung des Programms fei abgelehnt worden. Noch 1918, als es zu spät ge­wesen sei, habe man nicht weniger als 815 U-Boote auf Kiel legen wollen. Darunter sollten 16 U-Boot- Kreuzer sein, 2700 Brutto-Register-Tonnen groß, 141 Meter lang, mit 26 Torpedos, mit 15-Zentime- ter-Geschützen und viel Munition ausgerüstet., Mit einer einzigen Oelfüllung hätten diese Kreuzer um die Erde fahren können. Die Pläne fielen den Feinden in die Hände. An Hand von Lichtbildern zeigte der Redner das Innere eines U-Bootes, ins­besondere den Hauptraum mit seinem unendlich komplizierten Gewirr von Maschinen. Instrumenten, Kompassen, Steuerhebeln usw. Das Bild sei so klar, daß es nicht erläutert zu werden brauche, meinte der Vortragende ..

Krieg gegen Handelsschiffe.

In seinen weiteren Ausführungen erzählte Kapi­tänleutnant v. Spiegel von einer großen Fahrt,

einer Jagd auf Handelsschiffe, die er im Jahre 1917 auf U 93 zu unternehmen hatte. U-Bootjagd auf Handelsschiffe sei aufregender, als jede andere Jagd je sein könne. 68 U-Boote seien damals eingesetzt worden. Die Wirkung sei ungeheuer gewesen. Aber der Kampf habe nun härtere Formen angenom­men. Der Feind habe durch die Pause im U-Boot- krieg Zeit gewonnen, Gegenmaßnahmen zu ergrei- fen> U-Boorfallen zu errichten, Minenfelder zu le­gen und die Handelsschiffe mit Geschützen auszu­rüsten. Manches U-Boot sei in den Grund gebohrt worden. Der U-Boot-Bau sei nun forciert worden, es sei aber nicht mehr aufzuholen gewesen. Immer­hin seien in kurzer Zeit 9 550 000 Tonnen Schiffs­raum versenkt gewesen.

An Hand von vielen Lichtbildern, aus der Fülle der Erlebnisse heraus erzählte Kapitänleutnant von Spiegel von dem harten Krieg gegen die Han­delsschiffe der feindlichen Mächte« von den Katastro­phen des Weltkrieges auf See, von den Abenteuern und Gefahren dieses Kampfes, von den Manövern und Maßnahmen der Feinde gegen das U-Boot, schilderte den Untergang von Schiffen, die Explosio­nen der Munitionsschiffe, die Riefenfackeln der bren­nenden Tankdampfer, das Ende vieler stolzer Se­gelschiffe, sprach von dem unmoralischen Flaggen­mißbrauch und den versteckten Geschützen auf den 1 Handelsschiffen und vielem anderem mehr. Das alles trat den Zuhörern mit großer Lebendigkeit vor die Seele und ließ alle den Heroismus ahnen, mit dem auf den deutschen U-Booten gekämpft werden : mußte. Schließlich hörte man noch von Heldentaten i der Kommandanten und Besatzungen anderer U-Boote, bis schließlich der Vortrag mit gleichnis­haftemSeemannsgarn" man kann auch sagen Jägerlatein" beschlossen wurde.

Kameraden im Saal...

Der Vorttag verlief nicht ohne ein denkwürdiges Intermezzo. Während Kapitänleutnant v. Spie- g e l erzählte, hörte man plötzlich zwischen seinen Worten eine andere, freudig bewegte Stimme aus den Kreisen der Zuhörer.

Ein Kamerad, Herr Kratz aus Freienseen, der unter dem Redner auf dessen U-Boot diente, mel­dete sich, grüßte seinen ehemaligen Kommandanten mit herzlichen Worten und behauptete, er sei durch das Wiedersehen 20 Jahre jünger. Es entspann sich nvch ein kurzes Zwiegespräch. Und während ein Lichtbild vom U-Boot mit Mannschaft gezeigt wurde, fragte von Spiegel:Kennst du den noch. Kratz?"Das ist doch Tuschinski!?"Ja!" ... Nach dem Vortrag trafen sich die Kameraden. Auch ein Heizer des U-Boots war im Saal und lauschte den Erzählungen seines ehemaligen Kommandanten. Anhaltender Beifall dankte dem Redner für den prächtigen Abend.

Der Führer der Studentenschaft dankte auch seinerseits dem Redner. In einer Minute des Schweigens gedachte man der 5000 U-Bootshelden, die auf dem Grunde der Meere ruhen.

Deutscher Osten-deutsches SchilksalStand

Ein Vortrag in

Auf Einladung des Rektors der Landesuniversität fand gestern nachmittag im Universitätsgebäude eine Kundgebung f ü r den deutschen D ft e n und Oberschlesien statt, zu der viele Mitglie­der des Lehrkörpers und zahlreiche Studenten er­schienen waren.

e>e. Magnifizenz der Rektor Professor Or. Bornkamm

betonte einleitend, die Universität Gießen betrachte es als Pflicht und nationale Ehre, den Gedanken an den deutschen Osten nicht loszuwerden, ihn im­mer lebendig zu erhalten und weiterzutragen von Jahr zu Jahr, von Semester zu Semester. Der deut­sche Osten sei das alte deutsche Schicksalsland im Mittelalter, beim Aufbruch Preußens, bei der Wie­derkehr des nationalen Gedankens nach den Be­freiungskriegen und in sehr verwandeltem Sinne auch heute wieder geworden. Durch eine Flut von Haß und Verrat, schamlose Schwäche und Verrat in den eigenen Reihen sei uns dieses Land verloren­gegangen Diese Grenze bleibe ein Denkmal unseres schmählichsten Versagens. Darum sei auch die Mah­nung angebracht:

Nicht zu vergessen, was dort geschehen ist und lvledergutzumachen, was das deutsche Volk dort erlitten hat.

Es sei die Aufgabe der Universität, wirkliches Wissen um diese Dinge zu verbreiten. Zu diesem Zwecke sei diese schlichte Kundgebung veran­staltet worden, durch die der erst kürzlich an die Gießener Universität aus Breslau berufene Prof. Bechtel, der lange im Osten im Kampfe für Deutschland gestanden habe, Gelegenheit haben solle,

der Universität. ,

dieses wirkliche Wissen um den Schicksalskampf im deutschen Osten zu vermitteln.

Professor Or. Bechtel

mit Beifall begrüßt, hob zunächst hervor, die deutsche Ostgrenze sei das Werk von Versailles, das Un­wahrhaftigkeit und Gewalt eingeleitet hätten. Un­wahrhaftigkeit und Gewalt feien auch bei der Durch­führung der Einzelheiten bestimmend gewesen, Wortbruch habe die deutsche Ostgrenze festgelegt.

Der Redner kennzeichnete sodann die Verlogen­heit der polnischen Propaganda, durch die Polen sich der Welt in der Rolle desangegriffenen Ver­teidigers" zeige. Demgegenüber stellte der Vortra­gende beweisführend fest, daß Polen nicht durch Deutschland in diese Rolle hineingedrängt worden sei. Nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung Polens seit der Proklamierung des Königreichs Polen im November 1916 durch die Zentralmächte betonte der Redner, der Pole wisse so gut wie wir, daß er nicht auf rechtmäßigem Boden sitze. Füh­rende polnische Politiker hätten das selbst zugegeben, u. a. der inzwischen verstorbene polnische Politiker D m o w s k i, der mit dem früheren polnischen Prä- fibenten Paderewski zusammenarbeitete; von D m o w s k i stamme das Wort vomW i b e r sinn des Korridors".

Das korridorgebiel dürfen wir Deutsche niemals alspolnischen" Korridor bezeichnen, well diese Bezeichnung die Aufgabe des deutschen An­spruchs bedeute. Die Uebereignung dieses Gebiets an Polen widerspreche dem Selbstbestimmungs­recht. Bei einer Abstimmung über dieses Gebiet znr Zeit des Ariedensdiktats sei das Schicksal dieses Landes nie zweifelhaft gewesen, denn das