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Nr. 250 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 25. Oktober 1934
Terry I., Globetrotter und Zorschungsreisender.
Der Roman eines Neufundländers.
Vor 14 Jahren warf die „Windward" im Hafen von Schanghai Anker, um eine Ladung amerikanischer Nähmaschinen zu löschen. Kapitän Vancroft ging jeden Tag an Land, um in einer Hafenschänke mit Kameraden zu plaudern und einige Gläschen Genever zu trinken. Dabei traf er einmal einen
Hund ohne Maulkorb und Marke". Er wurde vom Hundefänger eingefangen, und sein Herrchen hatte große Mühe, ihn wieder frei zu bekommen.
Die rätselhafteste Epoche seines Erdendaseins aber durchlebte Terry anschließend an einen Aufenthalt des Schiffes in der australischen Hafenstadt Sidney. Abermals ging Terry an Land, diesmal kam er jedoch nicht zurück, und Kapitän Vancroft gab ihn schweren Herzens verloren.
Vier Jahre später hatte die „Windward" wieder eine Ladung nach Sidney. „Hier habe ich meinen Terry das letzte Mal gesehen!" sagte Vancroft wehmütig, als er mit einigen seiner Offiziere an Land ging. Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als er von einem riesigen Neufundländer angesprungen und von oben bis unten „abgeküßt" wurde. Terry! Doch wie sah dieser Ausreißer nach diesem vierjährigen Australien-Bummel aus! Er war
ankernden Schiffe auf Halbmast geflaggt. Dieses Zeichen der Trauer galt aber nicht etwa einem Seemann, sondern einem Hund. Terry, genannt der „Globetrotter", der Weltenbummler, von den Seeleuten aller Nationen gekannt und geliebt, war in das Hundeparadies eingegangen. Terry war ein ungewöhnlich großer und schöner Neufundländer, ein Prachtexemplar seiner Rasse. Gelb war die Farbe seines Fells, wie die Mähne eines Löwen, nur seine Brust war weiß. Sein Herr war ein alter Seefahrer, Kapitän Jonathan Vancroft aus Galveston in Texas. Vancroft ist Eigentümer und zugleich Kapitän eines Segelfrachtschiffes, der 2000 Tonnen großen „Windward". Das Schiff ist jahraus, jahrein auf der Fahrt zwischen den Häfen des Erdballs.
In Lissabon hatten kürzlich alle auf der Reede I schwand Terry auf zwei Wochen, in Valparaiso isAifio mtf halbmast aeflaaat. Dieses gar auf einen ganzen Monat. Immer aber kam er rechtzeitig zurück. In Hamburg wäre es ihm beinahe sehr schlecht ergangen, als „herrenloser
schmutzig, räudig und so abgemagert, daß man seine Rippen zählen konnte. Terry wurde von den Matrosen ausgenommen wie ein verlorener Sohn.
Auf so abenteuerliche Art hatte alle fünf Erdteile kennengelernt. Sicher ist er der weitestgereiste Vierfüßler der Welt gewesen. Sein schlimmstes und letztes Abenteuer hatte er in Lissabon. Auch hier verschwand er wieder von Bord. Kapitän Vancroft machte sich weiter keine Sorgen. Er fuhr weiter nach einem holländischen Hafen und hielt dann — es war gegen Ende des vorigen Monats — auf der Rückfahrt in Lissabon, in der stillen Hoffnung, Terry wieder zu gewinnen. Und richtig — gleich nach der Ankunft im Hafen schlich sich Terry an Bord, gefolgt von einem ganz kleinen Neufundländer, nach der Aehnlichkeit ohne Zweifel sein Sohn. Aber diesmal war Terry ernstlich krank. Seine Augen tränten, er konnte kaum laufen. Der Kapitän ließ einen Arzt an Bord kommen, der feststellte, daß Terry —. wohl aus übergroßem Hunger — einen Stein verschluckt hatte. Und daran ging Terry, der Globetrotter, auch zu Grunde.
Sein Sohn, Terry II. genannt, wird von Kapitän Vancroft erzogen, aber so, daß er nicht solch ein „Forschungsreisender" wie sein Vater werden kann. An der Wand der Kapitänskajüte hängt zum Andenken an Terry I. sein Halsband mit der Marke...
englischen Soldaten, der ein ganz junges Hündchen auf dem Arm trug. Es gefiel dem Kapitän so gut, daß er es dem Soldaten für zehn Dollar abkaufte. Aus diesem Hündchen wurde im Laufe der Zeit Terry, der gewaltige Neufundländer. Er wuchs an Bord der „Windward" heran und wurde zum Liebling der Matrosen.
Als das Schiff wieder in den Heimathafen einlief, ließ der Kapitän Vancroft dem Hund eine silberne Halskette machen, an dem eine Marke mit folgender Inschrift hing: „Terry, Eigentum des Kapitäns Jonathan Vancroft, Galveston, Texas, USA."
Im Jahre 1922 — Terry war damals etwa zwei Jahre alt — begab es sich, daß die „Windward" abermals in Shanghai ankerte. Kapitän Vancroft sah, daß Terry unruhig auf dem Verdeck herumlief und dann mit einem kühnen Satz auf den Strand sprang. Er legte der Sache keine Bedeutung bei, da er annahm, das Tier wollte sich ein wenig auslaufen. Als Terry aber nach einigen Wochen noch immer nicht zurück war, machten sich einige Matrosen auf, um ihn zu suchen. Sie kehrten unverrichteter Dinge zurück. Kapitän Bancrost mußte schweren Herzens ohne seinen Liebling abfahren.
Nach einem Jahr fuhr die „Windward" wieder in den Hafen von Schanghai ein. Kaum war der Laufsteg ausgelegt, als schon ein zottiger, verwahrloster Neufundländer an Bord stürzte. Es war Terry. Er wurde vom Kapitän und der Mannschaft freudig begrüßt und bekam zunächst einmal eine tüchtige Portion Fleisch mit Kartoffeln zu fressen, die er heißhungrig verschlang. Dann wurde er gebadet und gebürstet, denn Terry war gar kein Gentleman mehr, sondern nur noch ein verwahrloster Straßenköter. Was hatte der Hund zwölf Monate in seiner Geburtsstadt gemacht? War er dort auf Liebesabenteuer ausgewesen oder hatte er eine Entdeckungsreise durch China gemacht?
Die nächste Reise führte das Schiff in den amerikanischen Hafen Tampico. Solange das Schiff in der Reede vor Anker lag, solange trieb Terry sich in der Stadt herum. Erst als die Segel zur Abfahrt gelichtet wurden, kam Terry, der Bummler an Bord. Bei einem Aufenthalt in Vancouver ver-
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Der Handball-Großkampf in Gießen.
Die Gaumannschast Nordheffen.
Für das am Sonntag in Gießen (1900er-Sport- platz) stattfindende Repräsentativspiel ist von Gau- spielwart Willing (Kassel) folgende vorläufige Mannschaft — eine Umbesetzung auf dem einen oder anderen Posten ist nicht ausgeschlossen — aufgestellt:
Lott (Gießen 1900) oder Kredel (Hessen- Preußen Kassel); Bär winkel (Tv. Wetzlar), Gefr. Funke, JR. 15 Gießen (1900); Heine (Kurh. Kassel), Gefr. Cremers, JR. 15 Gießen (1900), Ries (Kasseler Tgde.) oder Strack (Kasseler Tgde.); Diez II (Kasseler Tgd.), Schmidt (Kirchbauna), Ringel (Tura Kassel), Gefr. Krüger, JR. 15 Gießen (1900), und Schüler (1900).
Ersatz: Birken stock (1900), Krämer (Tv. Wetzlar), Utoffz. Hoffmann, JR. 15 Gießen (1900), Ba11enstein (Kesselstadt), Gefr. Steine s, JR. 15 Gießen (1900), Nold (Tv. Wetzlar), Löser (Tura Kassel).
Der Handballkampf KreisauSwahlmannschast gegen 19OO/$f33. kombiniert.
Der Reichsbund für Leibesübungen, Fachamt für Handball, teilt mit:
Vor dem am kommenden Sonntag in Gießen stattfindenden Spiel der beiden Gaumannschaften von Nordhesfen und Baden, und zwar um 13.30 Uhr (nicht wie auf den Plakaten vermerkt 13 Uhr), spielt eine Kreisauswahlmannschaft gegen eine Kombination von SpVg. 1900 und VfB.-Reichsbahn
Gießen. Die von mir aufgestellte Mannschaft des 8. Kreises hat folgendes Aussehen:
Lissy (Lützellinden); Engel (Lützellinden), Stumpf (Garbenteich); U l m (Wetzlar), Sch licht (Niedergirmes), Brück (Atzbach); Allendörfer (Lützellinden), V i e h m a n n (Hochelheim), Bechtold (Krofdorf), S ch a r d t (Hausen), Lotz (Garbenteich).
Ersatz: Tor: Weber (Groß-Rechtenbach), Verteidiger: Thorn (Lang-Göns), Läufer: Flach (Lützellinden), Stürmer: K r a i l i n g (Heuchelheim), Faber (Hörnsheim), Mehl (Hörnsheim), S i 11 - ner (Garbenteich).
Dem Papier nach sollte diese Mannschaft einen sehr starken Gegner abgeben, wenn auch schließlich der eine oder andere Posten noch besser besetzt hätte werden können. Die Tatsache aber, daß viele Mannschaften bereits vormittags spielen, läßt eine bessere Besetzung nicht zu.
Alle vorstehend angeführten Spieler haben um 13 Uhr auf dem Platz der Spvg. 1900 anzutreten. Für Spielkleidung ist zu sorgen (schwarze Hose, weißes Trikot).
Albert L u h, Kreisspielwart.
Handball im Gau XII Lahn-Dillkreis.
Vezirksklasse.
Tv. Goßfelden — Tv. Kirchgöns 5:5 (3:2).
Das Spiel zeigte gute Leistungen auf beiden Seiten. Unentschieden muß als eine Ueberraschung bezeichnet werden.
Tv. Roth — Tuspo. IHarburg (Lahn) 8:4 (6:1).
Schon in der ersten Hälfte gingen die Platzbesitzer mächtig los und erreichten sechs Erfolge gegen nur ein Tor der Gäste. Nach dem Wechsel war es
Marburg, das den Kampf beherrschte. Es reichte aber nur zu drei Erfolgen.
Tabelle der Vezirksklasse.
Tv. Kirchgöns Tv. Lützellinden Tv. Roth WTV. Gießen Tv. Goßfelden Tv. Münchholzhausen Tuspo. Marburg Kurhessen Marburg T. u. Spvg. Wetzlar-
Niedergirmes Die Tabelle gibt ein me Spielstärke unserer Land
Spiele Tore Punkte
5
32:22
9:1
6
34:23
8:4
>
5
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7:3
5
24:19
6:4
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5
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4:6
5
27:35
2:8
1
5:9
0:2
•
4
19:30
0:8
als klares Bild über die
Kreisklasse II:
Tv. Garbenheim I — Tv. Wehlar II 7:4 (2:2).
Das Spiel war bis zur Pause durchaus offen und brachte jeder Partei zwei Erfolge. Der große Eifer der Platzmannschaft entschied den Kampf.
Io. Burggemünben — Tv. Homberg 4:1 (2:1).
Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Das Spiel nahm einen spannenden Verlauf. Die Stürmerreihe der Platzelf entschied durch ihre besseren Schußleistungen.
Kreisklasse III:
Tv. Lühellinden II — Tv. Heuchelheim II 7:5 (1:3).
Das Spiel hatte zwei grundverschiedene Halbzeiten. Während die Gäste die erste Spielhälfte für sich hatten und eine 3:1 herausholten, vermochte Lützellinden nach der Pause durch bessere Leistungen den Kampf für sich zu entscheiden.
Jugend:
2NTV. Gießen — Tv. Lang-Göns 10:1 (5:0).
Trotz der hohen Niederlage, die die Gäste einstecken mußten, konnten sie durch ihren Eifer gefallen. Beide Mannschaften spielten einen schönen Handball und zeigten sich von der sportlich guten Seite. MTV. diktierte den Kampf und gewann verdient.
Fußballklub 4926 Großen-Buseck.
FL. Großen Vuseck — VfB.-R. Reserve 14:1 (5:0).
Die Mannschaft des FC. Großen-Buseck ist gegenwärtig in bester Form. 1900s Reserve mußte sich mit 6:0 geschlagen bekennen und nun die gleiche Mannschaft des VfB.-R. mit 14:1 Toren. Wenn die Großen-Busecker Elf mit dem gleichen Geist und Plan weiterspielt, wird sie ein ernstes Wort um die Meisterschaft mitreden können. Obwohl die Gastgeber keine schlechte Mannschaft ins Feld stellten, so konnten sie aber doch nicht gegen die Großen-Busecker ankommen. Man sah viele gut placierte Schüsse. In der zweiten Halbzeit schossen die VfBer das verdiente Ehrentor.
Fechten im Turngau Nordheffen.
Lehrgangsarbeil In Gießen.
Unter Leitung von Gaufechtwart Studienrat Reuter- Kassel veranstaltete die Fechterschaft des Turngaues Nordhessen Samstag und Sonntag im Schützenhaus in Gießen einen Lehrgang im Fechten, der in erster Linie der Ausbildung von Kampfrichtern galt. Daß auch der Fechtwart der DT., Ludwig Staffen-Hanau a. M., anwesend war und sich rege an der Arbeit der zwei Tage beteiligte, gab dem Lehrgang eine besondere Note. Don Bedeutung war Stassens einführender Vortrag, mit dem er den aus allen Fechterabteilungen des
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Vornan von Gert Nothberg
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
23. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Brigitte setzte sich überwältigt.
„Jetzt hat sich die Welt gründlich geändert. Das Oberste ist nach unten gedreht — und umgekehrt! Tante Adelheid! Wie kann das nur fein? Es ist ja beinahe nicht zu glauben. Aber ich will mich darüber freuen. Und ich bin froh, daß du nun endlich heiraten wirst. Das wird wohl Tante Adelheid auch gedacht haben, daß es besser ist, du heiratest ein armes, kleines Mädel, als du heiratest gar nicht. Immerhin bist du der letzte Berken."
„Daran hab' ich gedacht, Brigitte! Und Käthe ist so schön und blond und zart. Es ist gut, wenn sie mir Kinder schenkt. Blonde, schöne Kinder! Die letzten Berkens waren alle dunkel! Vielleicht sogar ein bißchen häßlich — nicht wahr?"
„Du nicht! Aber ich! Deine Kinder möchten nach der jungen Mutter sein, dann hätte ich was zum Verhätscheln und Liebhaben. Wie ich mich freue!"
Es war keine Phrase: Brigitte freute sich wirklich von ganzem Herzen, und Arndt kannte seine Schwester auch viel zu gut, um das nicht genau zu wissen.
So war denn alles in bester Ordnung. Und Brigitte schrieb an Tante Adelheid, ob sie ihr Käthe bringen dürfe. Denn nun, wenn die Verlobung bekanntgegeben wurde, konnte Käthe nicht mehr im Hause bleiben.
Käthe blickte ängstlich auf, als sie es ihr sagten, daß sie für einige Wochen nach Pommern reifen würde. Aber sie sah die Notwendigkeit der Reise bann ein. Sie schrieb einen lieben Brief an Olga und die Mama Kulick nach Berlin. Es dauerte einige Tage, ehe sie Antwort bekam. Aber sie saß dann ganz still und traurig bei ihrem Brief, auf den sie so lange gewartet hatte!
Frau Kulick war vorige Woche gestorben. Sie war nur ein paar Tage kränklich gewesen, hatte nicht gewollt, daß Olga der kleinen Käthe etwas davon schrieb. Aber sie hätte immer von ihr gesprochen, hätte noch den letzten Tag gesagt:
„Unser blondes Prinzeßchen ist in einem Schloß. Und sie wird dort bleiben für immer — eine Ahnung fagt es mir. Ich freue mich so! Ich freue mich, Olga!"
Unb dann schrieb Olga noch, daß sie in einer großen Zeitung gelesen habe, daß Kapitänleutnant von Bodenstein an einem gefährlichen Fieber in den Tropen verstorben sei! Seine Angehörigen hätten es bekanntgegeben. Und sie, Olga, hätte sich nun auch einen andern Lebensweg gesucht. Sie werde barmherzige Schwester! Die weiße Haube schütze sie vor allen Gefahren des Lebens, unb —- sie wolle nichts mehr vom lauten Leben, von schillernden Vergnügen wissen. Und nun könne sie wenigstens den schönen, frohen Menschen lieben, könne ihm treu sein bis in Ewigkeit. Der Tote gehöre ihr! Den Lebenden hätte man ihr niemals gelassen!
Olga schrieb dann noch, sie wünsche alles Gute und alles Glück. Also hätte die arme gute Mama
Kulick doch recht behalten. Unb das sei gut so! Käthe werde nun geborgen sein in den Armen des Gatten. Das sei eine große Beruhigung für sie. Und sie werde bald wieder etwas von sich hören lassen, wenn sie eingewöhnt sei in dem neuen Berufe. Die Oberin sei sehr lieb und gütig und die verschiedenen Schwestern auch. Käthe solle manchmal an sie denken, wie auch sie ihre kleine Käthe nie vergessen würde!
Käthe weinte.
Und Arndt kam und tröstete sie. Und dann lächelte sie doch wieder glücklich zu ihm auf.
Die Hochzeit sollte in Pommern auf Tante Adelheids Gut gefeiert werden — die alte Dame wünschte das so.
Es waren noch sechs Wochen Zeit bis dahin. Und Käthe konnte sich von ihrer Krankheit erholen.
Am Montag würde Brigitte mit ihr reifen. Und am Samstag vorher wurde die Verlobung öffentlich bekanntgegeben.
Das gab ein Hallo!
Wagen fuhren von einem Gut, von einem Schloß zum andern. Man wurde so schnell mit dieser Neuigkeit nicht fertig.
Also doch!
Alles war Wahrheit gewesen! Diese Person hatte sich den Arndt geangelt.
Es war zum Haare-Ausziehen!
Was sollte man tun?
Man müßte diese Sache ignorieren. Jawohl! Totschweigen!
Einige wollten sich der Baronin Gleiberg bei dieser schweigenden Verachtung anschließen. Andere wieder nicht. Schließlich gab Frau Doktor Weitz die Parole aus:
„Arndt von Berken ist im Vollbesitz seiner fünf gefunden Sinne. Wenn er das schöne kleine Mädel an seine Seite stellen will, hat es uns andern auch recht zu fein. Ich fahre jedenfalls mit Blumen hin. Ich werde mich hüten und so tun, als ob mir da was nicht paßte bei der Verlobung. Das ist ganz allein Arndt von Berkens Sache!"
Diese Rede gab den Ausschlag!
Die anderen Nachbarn und Bekannten der Berkens schlossen sich nach und nach der Ansicht der Frau Doktor Weitz an und fuhren alle mit Blumen und Geschenken nach Berkenhofen.
Frau Baronin Gleiberg stand zuletzt allein. Wutschnaubend stellte sie es fest.
Ihr Gatte hatte den Gärtner beauftragt, alle Maiglöckchen zu schneiden, die der Park nur hergab. Der Gärtner brachte die Blumen dann herauf. Und ihr wundersamer Duft durchzog das alte Schloß.
„Was soll das heißen? Hast du einen Wutanfall — was haben dir die Blumen getan?" fragte die Baronin, als der Gärtner wieder gegangen war.
Ihr Gatte lächelte.
„Wutanfall? Aber Mira, den darfst doch bloß du haben. Nee, nee, ich hab' für unfern Besuch in Berkenhofen die Blümchen schneiden lassen. Wenn du es dir in Ruhe überlegst, wirst du selber zu der Einsicht kommen, daß du nichts Klügeres tun kannst. Und wenn du nicht mitkommen willst, dann fahre ich allein mit den Mädels. Uebrigens — ich traf den Lothar Rühlhammer, und er sagte mir, ob er
uns einen Besuch machen dürfe. Und ich sprach gleich ein bißchen von Gisela, damit nur ja nicht erst wieder ein Irrtum Vorkommen konnte und wir uns umsonst freuen. Aber er gab mir zu verstehen, daß er wegen Gisela komme."
Baronin Gleiberg weinte.
Und ihr Gatte sagte:
„Weine nicht, Mira! Wir wollen doch bann gleich fahren. Die Mädels wissen schon Bescheid!"
Nun war wirklich alles in Ordnung. Und Arndt von Berken und Brigitte freuten sich doch, daß sie alle gekommen waren. Man war eben doch wie in einer großen Familie. Und wenn bei besonderen Anlässen einer fernblieb, bann fehlte einem eben doch etwas!
Am Montag reifte Brigitte mit Käthe nach Pommern. Und Arndt brachte sie zur Bahn. Käthes junges Gesicht drückte sich noch einmal an die Schulter des Verlobten.
„Arndt, ich kann es noch immer nicht fassen."
Er küßte sie herzlich.
„Du hast ja Zeit, dir in den nächsten Wochen ganz genau klarzumachen, daß du mir altem, großem Brummbären gehören willst, kleines Mädel."
„Arndt — ich habe dich so lieb!"
„Es macht mich glücklich, Mädelchen."
Aber er sagte nicht: Ich liebe dich auch über alles!
Und Käthe lauschte ängstlich. Und ihr Herz tat einen schweren, dumpfen Schlag!
Und dann stand Arndt auf dem Bahnsteig und sal dem ausfahrenden Zug nach. Und Käthe winkte, solange sie Arndt noch sah.
Brigitte aber lächelte.
13. Kapitel.
Ein schönes, kleines, gepflegtes Gut! Und eine weißhaarige, alte Dame, umgeben von Hunden, Katzen, einer zahmen Elster und einem Reh stand am Eingang und begrüßte die Ankommenden herzlich.
Und ringsum blühte es! Es duftete! Und ein dunkelblauer Himmel spannte sich über dieses gesegnete Fleckchen.
„Na, da seid ihr ja endlich. Heute abend kommen Ostens'ein bißchen herüber. Ihr nehmt jetzt ein Bad, dann essen wir, dann gehen wir ein bißchen durchs Haus, und dann wird geschlafen. Ihr könnt bas auf der Veranda tun. Da seid ihr am Abend frisch. Ich hab' mich auf euch gefreut. Und die kleine Braut werde ich schon vollends gesund pflegen. Mit solch einem schmalen, blassen Gesichte! geht sie mir nicht in die Ehe. Das gibt es nicht."
Und Tante Adelheid gab Käthe einen herzlichen Kuß. Brigitte aber drückte sie nur kräftig die Hände. Dann gingen sie ins Haus hinein, und zwei alte Diener schleppten die Koffer, die der Christian vom Kutschsitz heruntergelangt hatte.
Das war dann sehr gemütlich! Und Käthe fühlte sich schon nach einer Stunde hier wie daheim.
Die Stunden vergingen wie im Fluge.
Ein alter Springbrunnen plätscherte, und Vogel sangen. _ , , ,, . ,
,Jch richte also die Hochzeit aus. Ich hab mich nun schon so gut eingelebt in die Geschichte. Von der Rosemarie her! Und es ist auch richtiger, die guten Leute in Berkenhofen beruhigen sich. Und die
ganze Umgegend dazu. Laßt ihnen Zeit. Mit sowas Ungeahntem muß die liebe Mitwelt immer erst einmal gründlich fertig werden, und da bietet man nicht gleich wieder was Neues. Obendrein kränkt ihr sie, wenn sie nichts von der ganzen Hochzeit zu sehen bekommen. Arndt und seine kleine Frau fahren dann von hier aus ein paar Wochen fort, unb wenn sie zurückkommen, dann haben sich die Lieben, Guten beruhigt. So macht man bas!"
Am Abend kamen die Ostens wirklich. Rosemarie freute sich, daß Arndt nun doch heiratete. Sie war sehr lieb zu Käthe und ließ sich absolut nichts merken, daß sie selbst einst Arndt von Berken geliebt hatte. Aber jetzt schien sie mit ihrem Mann sehr glücklich zu sein. Brigitte stellte es mit Genugtuung bei sich fest.
Brigitte blieb zwei Tage. Dann reifte sie wieder ab. Und Käthe war täglich im Garten, machte sich irgend etwas zu schaffen. Sie saß nie müßig. Nur daß sie sehr viel schlief, darauf hielt die alte Dame sehr streng.
Der Termin der Hochzeit rückte näher unb näher. Und jeden zweiten Tag erhielt Käthe einen Brief von Arndt, den sie immer sofort beantwortete. Käthe blühte auf. Rosig, wunderschön schritt sie durch den alten Garten von Gut Adelshof.
Und an einem wundervollen Sommertage war dann ihre Hochzeit!
Käthe wußte später nie mehr, wie alles gewesen war. Sie wußte nur, daß Arndt ihre Hand ganz fest in der seinen gehalten hatte. Und die Glocken hatten geläutet, und viele Leute hatten ihr die Hand gedrückt. Und Arndt hatte sie vor allen Leuten geküßt.
Dann war eine Feier im engsten Kreis im alten Speisezimmer von Adelshof, und das schöne alte Silber blitzte hell, und Tante Adelheid sah aus wie eine Fürstin, wenn sie den Dienern, die heute alle in kaffeebrauner Livree waren, einen Befehl gab.
Und dann führte Brigitte Käthe hinaus. In ihr Zimmer. Sprach noch eindringlich und gut mit ihr wie eine Mutter. Käthe legte ihr beide Arme um den Hals.
„Brigitte, ich habe euch so sehr lieb — dich unb Arndt!"
Brigitte küßte sie herzlich.
„Wir dich doch auch, Kleinchen. Und nun will ich dich allein lassen. Arndt holt dich dann. Ich hab' dir hier eine Kleinigkeit zurechtgelegt, damit du dich nicht immer an deinen Mann wenden mußt. Hier!"
Es war eine kleine, rote Brieftasche aus weichem Saffianleder, die dick gefüllt war.
Käthe nahm die Tasche an sich.
„Ich danke dir, Brigitte. Ich werde es aber wohl nicht brauchen."
„Nimm es nur mit auf die Reise, Käthe. Man kann manchmal nicht wissen."
Noch ein letzter Kuß, ein herzliches Lebewohl, unb Brigitte ging. Von den andern wollten sie sich nicht verabschieden, um den alten Hochzeitsbrauch zu wahren.
(Fortsetzung folgt!)


