(Mjrtftf heraus. Der Fürst war mit seinem Streik- wagen begraben worden, dessen Ueberreste gefunden wurden. Bon der Leiche selbst war nichts mehr iu entdecken. Dagegen wurde eine große Anzahl von Schmuckstücken gefunden, darunter em goldenes Diadem, goldene Ohrringe, ein goldenes Armband, Fibeln aus Bronze, eiserne Speerspitzen. Spuren eines Bodenbelages lassen darauf schließen, daß es sich bei dem Fürstengrab um eine gezimmerte Grabkammer gehandelt hat. Heber diese Grabkam- mer muß sich ein mächtiger Hügel erhoben haben, der im Laufe der Jahrhunderte eingeebnet wurde. Der württembergische Ministerpräsident und Kultusminister Mergenthaler besichtigte die Ent- deckung und ließ sich vom Ausgrabungsleiter über die bisherigen Funde eingehend berichten.
Aus aller Welt.
f Die Ankunft der englischen Australlenflleger in Melbourne heule bereits in Londoner Kinos zu sehen.
In der Heberwindung von Raum und Zeit ist schon wieder ein Rekord zu verzeichnen. Am heutigen Donnerstagnachmittag wird in Hunderten von englischen Lichtspieltheatern ein auf drahtlosem Wege übermittelter Film gezeigt werden, der die Ankunft der Sieger im Luftrennen England — Australien, Scott und Black, auf dem Bildstreifen vorführt.
Fihmaurice will den Weltrekord der englischen Australienflieger brechen.
Der irisch-amerikanische Flieger Fitzmaurice der von der Teilnahme an dem Wettflug England — Australien ausgeschlossen worden war, weil sein Flugzeug nicht den angekündigten Bedingungen des Wettfluges entsprochen habe, beabsichtigt, heute (Donnerstag) von London zu starten, um den von den Engländern Scott und Black aufgestellten Weltrekord zu schlagen. Fitz- maurice gelang es, auf dem Flugplatz von Portsmouth die erforderlichen Landungsbedingungen au erfüllen. Der Vertreter der amerikanischen Luftfahrtabteilung hat ihm die Erlaubnis zum Start erteilt.
Erster planmäßiger Nachtpostflug über den Ozean.
Am Mittwoch früh um 6.46 Hhr landete in Natal (Rio Grande do Norte, Brasilien) der Zehn- Tonnen-Dornier-Wal „Boreas" der Deutschen Lufthansa mit Flugkapitän Alisch, Zweitem Flugzeugführer Engel, Flugfunker Küppers und Flugmaschinist Hein an Bord. Das Flugboot wurde am Dienstag, 23. Oktober, um 16.43 Hhr von dem Motorschiff „Schwabenland" vor der afrikanischen Küste zum Fluge nach Südamerika abgeschossen. Die Besatzung hat damit den er st en durchgehenden N a ch t p o st f l u g auf der wöchentlich betriebenen Lufthansa-Poststrecke nach Südamerika ausgeführt und dabei 2519 Kilometer über dem Ozean zurückgelegt. Die Postlaufzeit von Berlin bis Südamerika betrug demnach nur dreieinhalb Tage.
Phantastischer Schnelligkeitsrekord: 700 Kilometer in der Stunde.
Der italienische Fliegerfeldwebel A g e l l o, der bisherige Inhaber des Schnelligkeitsweltrekordes, hat feinen Weltrekord neuerdings verbessert. Er erreichte in Desenzano am Gardasee mit einem Wasserflugzeug die Durchschnittsstunden- gcschwindigkeit von 7 0 9,202 Kilometer.
Der Halberstadter Mordprozeß.
Im Halberstädter Mordprozeß gegen den Gustav B ü t e r war eine Lokalbesichtigung im Vrockengebiet angesetzt worden. Besichtigt wurden die Oertlichkeiten im Falle Schurig zwischen dem Forsthause Scharfenstein und Melkenhaus und dann die im Mordfalle Dr. Kraus an der Dreckenkuppe. Der Lokaltermin ließ in beiden Fällen überzeugend erkennen, daß die Morde an einer Stelle ausgeführt wurden, die dem Mörder die größte Hebersicht über den Weg zur eigenen Sicherheit und anderseits zwischen dichtem Gehölz die günstigste Gelegenheit zur Ausführung seiner Mordtaten gaben. B ü f e r s Verhalten an den Tatorten war fast wie am Vortage. Auf die Frage: „Ist es hier gewesen?" antwortete er: „Wenn die Patronenhülsen hier am Wege und die Leiche hier im Hnterholz gefunden wurden, bann ist eine logische Schlußfolgerung, daß ich es gemacht habe." Darüber hinaus schwieg Büker.
Der Elsenbahnattenläler Matuschka an Ungarn ausgeliefert.
Der Eisenbahnattentäter Sylvester Matuschka, der den furchtbaren Anschlag auf den Schnellzug bei Bia Torbagy in Ungarn und den Anschlagsversuch auf einen Schnellzug der Deutschen Reichsbahn bei Jüterbog verübt hat, ist jetzt von Wien an die ungarischen Behörden aus geliefert worden. Da Matuschka wegen eines Eisenbahnanschlages in Oesterreich auch den Rest einer sechsjährigen Kerkerstrafe zu verbüßen hat, hat Oesterreich Matuschka den Ungarn nur „leihweise" zur Verfügung gestellt. Rach der Aburteilung wegen' des Anschlages von Bia Torbagy in Budapest muß er wieder nach Oesterreich zurückgebracht werden. Erst nach einer Verbüßung seiner österreichischen Strafe kann er seine in Ungarn zu erwartende Strafe verbüßen. Die österreichische Regierung hat außerdem für die Auslieferung die Bedingung gestellt, daß Matuschka nicht zum Tode verurteilt werden darf, weil zur Zeit des ersten Auslieferungsbegehrens in Oesterreich die Todesstrafe nicht bestanden hat.
Massenschlägerei
• aus Spodbegeifferung in einer bulgarischen Stabt.
In der nordbulgarischen Stadt Sewliewo trugen zwei Fußballvereine ein Wettspiel aus, bei dem es, wie der Lokalchronist meldet, hoch herging. Da es das erste Fußballspiel in dieser Stadt war, hatte sich eine große Zuschauermenge eingefunden, die wit echt südländischem Temperament und Lärm dem Spiel folgte. Als der Schiedsrichter gegen den heimischen Klub einen Elfmeterball anordnete und die Mannschaft protestierte, kam es zu einer allgemeinen Keilerei zwischen den Spielern, in die schließlich auch ein großer Teil der Zuschauer । eingriff. Bald war der ganze Sportplatz die Arena .einer wüsten Prügelei, an der sich mehrere Ibundert Menschen beteiligten. Die Polizei fftanb der Rauferei zunächst vollkommen machtlos {gegenüber. Erst nach Eintreffen einer Verstärkung Konnte allmählich Ordnung geschaffen werden. Au Iber Wahlstatt lagen zahlreiche mehr ober weniger ßchwer Verletzte mit Messerstichen unb Wun- tben, bie sie von Steinwürfen bavongetragen hatten.
Schwere Schneestürme
In den sübamerikanischen Anden.
Die Gebirgskette der Anden ist südlich von Santiago und Mendoza sowohl auf der westlichen chilenischen als auch auf der östlichen argentinischen Leite bis hinunter nach Feuerland und Patagonien
Das Milcheiweiß-rot ein wichtiges neues Volksnahrungsmittel
Brot und Milch gehören zu den wichtigsten Grundlagen unserer Volksernährung. Der größte Prozentsatz des Kohlehydratverbrauches, der beim erwachsenen Menschen zwischen durchschnittlich 400 bis 500 Gramm pro Tag liegt, wird durch Brot gedeckt. Die ernährungswirt- chaftliche Bedeutung der Milch ist dadurch gekennzeichnet, daß 19 Prozent des gesamten E i - weißverbrauches und 64 Prozent des F e t t- b e b ar f 5 in flüssiger ober fester Form aus Milch, Butter, Käse und daraus hergestellten Erzeugnissen gedeckt werden. Schon in früherer Zeit hatten die Bauern erkannt, daß Milch und Brot ich in hervorragender Weise ergänzen und deshalb organisch zusammengehören. Es gab kaum eine Hausbäckerei, bei der die Bäuerin nicht Milch oder häufiger noch die beim Buttern anfallende entrahmte Milch verwendet hätte. Auch städtische Bäckereien kannten sehr wohl die günstige Auswirkung der entrahmten Milch auf Geschmack und Backfähigkeit, so daß bedeutende Milchmengen vom Bauernhof oder aus der Molkerei in die Backstuben wanderten. Teilweise wurde auch Milcheiweiß in Form von Pulver aus entrahmter Milch verbacken.
Im letzten Jahre wurde durch eine Erweiterung des Beimischungszwanges von Kartoffelstärkemehl auf Beimischung von Pulver aus entrahmter Milch versucht, eine allgemeinere Verwendung von Milch in Bäckereibetrieben zu erreichen. Die Verkoppelung der Beimischung von Kartoffelstärkemehl und Milchpuloer hat aber nicht überall Beifall gefunden, sie ist deshalb auch am 15. Oktober aufgehoben worden. Mit der Aufhebung des Kartoffelstärkemehlbeimischungszwanges ist das Milcheiweißbrot eingeführt worden. In freiwilliger Vereinbarung haben sich Bäckergewerbe und Milchwirtschaft gemeinsame Pflichten und gemeinsame Bindungen auferlegt. Während bisher von dem hochwertigen Milcheiweißpulver nur höchstens 0,5 Prozent in das Brot gelangte, sind jetzt im Milcheiweiß- brot mindestens 2 V2 Prozent hochwertiges Milcheiweiß in Verbindung mit Milchzucker oder bei Verwendung von reinem Milcheiweiß 1% Prozent in Form von Nährkasein im Brot erhalten.
Durch den geringen Zuschlag für das Milcheiweißbrot von etwa 1 P f. pro Pfund werden dem Bäcker nur seine Mehrausgaben ersetzt. Die Einführung dieses Spezialbrotes bedeutet also keine versteckte Brotverteuerung. Etwaigen willkürlichen Preissteigerungen ist dadurch ein Riegel vorgeschoben, daß auch von den Bäckereien, die das neue Milcheiweißbrot einführen, nach wie vor das ortsübliche Brot geführt werden muß. Dem
Verbraucher ist es völlig freigestellt, welche Brotsorte er kaufen will. Man könnte annehmen, daß die Einführung dieses neuen Spezialbrotes in Widerspruchs ftünoe mit der in Vorbereitung befind- lichen Brotordnung, die eine Vereinheitlichung und Vereinfachung der Brotsorten herbeiführen will. Dem ist aber nicht so. Die Brotordnung will in erster Linie klare Begriffe schaffen und Phantasiebezeichnungen vermeiden, wie dies bereits bei Butter und Käse der Fall ist. Das neue Milcheiweißbrot wird dann seiner Bedeutung nach an der Spitze der Spezialbrote stehen, die es ja auch in Zukunft noch geben wird.
Die ernährungsphysiologische Bedeutung des neuen Milcheiweißbrotes kann man daraus ersehen, daß das gewöhnliche mit Wasser hergestellte Brot einen durchschnittlichen Eiweißgehalt von etwa 5 bis 6 v. H., das Milcheiweißbrot einen solchen von 7 bis 8 v. H. hat. Diese zahlenmäßig geringe Steigerung des Eiweißgehaltes bewirkt aber große Verbesserungen hinsichtlich des Verdauungs- und Anschlagwertes der bereits vorhandenen Pflanzeneiweihstoffe. Das Milcheiweiß enthält alle lebensnotwendigen Bausteine in hinreichender Menge unb ist deshalb biologisch besonders hochwertig. Während beim reinen Wasserbrot die darin enthaltenen Eiweißstoffe nur zu etwa 50 v. H. vom Körper ausgenutzt werden, bewirkt der Zusatz von Milcheiweiß neben dem eigenen hohen Nährwert eine Ergänzung und Steigerung des Verdauungswertes des bereits im Brot vorhandenen Pflanzeneiweißes.
Schließlich kommt dem Milcheiweißbrot auch große volkswirtschaftliche Bedeutung zu, weil es durch die Steigerung der Verwendung von Trockenmilcherzeugnisfen möglich wird, zur Zeit der Milchschwemme große Mengen entrahmter Milch zu Milchpulver zu verarbeiten. Die Dauermilchindustrie stellt dieses Pulver zu denkbar niedrigsten Preisen zur Verfügung. Trotzdem wird durch die Steigerung des Absatzes für Trockenmilcherzeugnisse eine Stetigkeit der Werkmilchpreise erreicht, ohne die eine gesunde Milchwirtschaft nicht denkbar ist.
Das neue Milcheiweißbrot darf von allen Backereien hergestellt werden, die bestimmte Verpflichtungen übernehmen. Diese Verpflichtungen erstrecken sich auf'bie Perwendung der vorgeschriebenen Menge an Milchpulver, bestimmte Kennzeichnungsvorschriften, zweckmäßige Werbung sowie das gleichzeitige Feilhalten des ortsüblichen Brotes. Die Heberwachung erfolgt durch die Hauptabteilung E des Reichskommissars für die Vieh-, Milch- und Fettwirtschaft sowie die Hauptvereinigung der deutschen Getreidewirtschaft.
Berufshilfe für die deuischeLugend.
Die Rcichsanstalt für Arbeitsvermittlung ist eifrig beschäftigt, für die schulentlassene Jugend des nächsten Jahres ausreichende Lehrstellen zu schaffen. Die wenigsten wissen, in welchem Grad sich in allen Ländern, die am Weltkrieg beteiligt waren, die Geburtenzahlen der Jahre 1919 und 1920 gegenüber den Vorjahren erhöht haben. Während aus den Geburtsjahrgängen 1915 bis 1918 nur etwa 6 0 0 0 0 0 Jungen und Mädchen nach vollendetem 14. Lebensjahr, also in den Jahren 1930 bis 1933 ins Berufsleben hinaustraten, schnellte diese Zahl im Jahre 1934 auf 1,2 Millionen in bie Höhe. Im Jahre 1935 wird sie etwa gleich hoch sein. Eine Wirtschaft, die unter der allgemeinen Weltkrise leidet und die sich in den Jahren vorher auf einen geringeren Andrang der schulentlassenen Jugend zum Berufsleben eingestellt hatte, begegnet natürlich großen Schwierigkeiten bei der Unterbringung einer so großen Zahl von Bewerbern.
Es ist eine Aufgabe, deren Verantwortlichkeit kaum überschätzt werden kann, wenn die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung die Arbeitsämter und Berufsberatungsstellen die jungen Leute, ihre Eltern und Erziehungsberechtigten auf bestimmte Berufe Hinweisen, vor dem Eintritt in andere Berufe jedoch warnen. Es wird kaum einen Berufsstand geben, der von sich behaupten wollte, er sei unzureichend besetzt und vertrage einen überdurchschnittlichen Zuzug. In der allgemeinen Linie ist die Berufsberatung nicht schwierig: Für jeden jungen Menschen ist es nicht nur nützlich, sondern geradezu notwendig, etwas Tüchtiges zu lernen. Die ersten Nachkriegsjahrgänge sind ins Leben hinausgetreten, ohne daß die zu ihnen gehörenden jungen Leute eine ausreichende Vorbildung erfahren haben. Die Spanne zwischen den Löhnen gelernter und ungelernter Arbeiter war nicht groß genug, als daß sich der Aufwand für eine gediegene Berufsausbildung „bezahlt gemacht" hätte. In vielen Zweigen der Industrie wird darüber geklagt, daß die ersten Nachkriegsjahrgänge ein unterdurchschnittliches Kontingent an Facharbeitern gestellt haben, und daß sich dieser Mangel heute noch fühlbar mache. Um so notwendiger ist es, daß in den jetzt beginnenden stärker besetzten Jahrgängen der Hundertsatz Der Facharbeiter wieder erhöht wird.
Zu dem gleichen Ergebnis gelangt'man, wenn man die Aussichten der deutschen Wirtschaft für die Zukunft in Betracht zieht. Der Stabsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Len, hat in einer Rede bei der Eröffnung der Berufsschau für Angestellte in Berlin für den deutschen Arbeiter in Anspruch genommen, ein größeres Kontingent howertiger Spezialisten und Facharbeiter als die Arbeiterschaft anderer Länder zu stellen. Eine solide und dauerhafte Chance für den Export nach fremden Ländern wird aller Voraussicht nach nur auf den
Gebieten bestehen, wo eine alte Tradition und ein Stab hochwertiger Arbeitskräfte die Bürgschaft für überdurchschnittliche Qualität geben.
Es hat große Mühe bereitet, zu verhüten, daß die Mehrzahl der schulentlassenen Jugendlichen von 1934 mit Arbeitslosigkeit begann. Da sich die Wirtschaft noch nicht mit einem Schlage auf den stärkeren Andrang einstellen konnte, sind Ersatzmaßnahmen ergriffen worden. So sind in Preußen mehr als 20 000 Jungen und Mädchen zum L a n d j a h r einberufen worden. Auch die Ausdehnung des Arbeitsdienstes hat Lehr- und Arbeitsplätze frei- gemacht. Gleichwohl konnten etwa 25 Prozent der Knaben und 50 Prozent der Mädchen nicht in berufliche Lehr- und Ausbildungsstellen aebracht werden. Neben dem Landjahr haben die Land Hilfe und das Hauswirtschaftliche Jahr der Mädchen geholfen, das seelische Elend zu mildern, das unfehlbar entsteht, wenn ein berufsfreudiger junger Mensch sein Arbeitsleben mit Arbeitslosigkeit beginnen muß.
Nicht minder schwierig als die Schaffung einer ausreichenden Zahl von Lehr- und Ausbildungsstellen ist die Heberwindung von Vorurteilen, die bei den jungen Leuten und auch bei ihren Eltern über den Wert der einzelnen Berufe bestehen. Hier verdient eine Erfahrung verzeichnet zu werden, die den Wert des Arbeitsdienstes in einem neuen Licht erscheinen läßt: Mancher junger Mann, der nach Beendigung der Ausbildung in einer höheren Schule ohne klare Vorstellungen über seinen späteren Lebensberuf in den Arbeitsdienst eintrat, hat sich im Arbeitsdienstjahr zu dem Gedanken durchgerungen, daß die körperliche Arbeit der geistigen Arbeit keineswegs unterlegen ist. Natürlich wird es noch einige Zeit dauern, bis in den Köpfen besonderster älteren Generation die Vorurteile früherer Jahrzehnte vollständig überwunden fein werden. Immer noch hört man das überhebliche und dabei ganz törichte Wort: er ist nur Handwerker geworden. Das neue Deutschland ist d e r Träger einer neuen Berufsethik. Jeder tüchtige Facharbeiter ist wertvoller als ein untüchtiger Arzt oder Anwalt. Diese Wertung wird sich allmählich auch in der sozialen Geltung durchsetzen. Unfer Volk hat viele Jahrzehnte lang über den tatsächlichen Eigenbedarf hinaus geistige Arbeiter produziert, die nachher sich selbst und anderen zur Last gefallen sind. Wenn noch nicht alle Eltern die Vorurteile für die Berufswahl ihrer Kinder ablegen können, so werden die Kinder selbst eine Korrektur schaffen können. Ihnen wird im Gemeinschaftsleben der Jugendorganisationen, der Partei, der ihr nahestehenden Verbände sowie auch im Landjahr, im Landdienst und Arbeitsdienst ein neuer und reinerer Begriff von der Würde der Arbeit und von der Pflicht des einzelnen gegenüber feiner Gemeinschaft eingeflößt.
von heftigen Schnee stürmen heimgesucht worden, die als die schwersten der letzten Jahre anzusehen sind. Auf der argentinischen Seite mußte der gesamte Verkehr eingestellt werden.
An bie unrechte Adresse geraten.
Zwei Männer mit Gesichtsmasken drangen in das Anwesen des Bauern Krause in Wolfersgrün bei Zwickau in Sachsen ein. Sie schossen sofort auf die Anwesenden und verletzten Krause und seine Tochter. Die Familie setzte sich gegen die Räuber energisch zur Wehr. Der eine Räuber erhielt einen Schlag mit einem Knüppel auf den Arm. Dadurch löste sich aus der Pistole, die der Räuber in der Hand hielt, ein Schuß, der ihn in den Oberschenkel traf. Als der Räuber jah, Daß er nicht mehr entkommen
konnte, schoß ersich eine Kugel durch den Kopf. Inzwischen hatte der andere Räuber m i t einer Heugabel die Familie angegriffen. Durch kräftiges Zuschlägen mit Stühlen gelang es aber, diesen Angriff abzuwehren, so daß sich der zweite Räuber gezwungen sah, seinHeilinder Flucht zu suchen.
Die Notlage der englischen heringsfischerei.
Der Notstand in der englischen Herings- f i s ch e r e i nimmt in der Londoner Presse großen Raum ein. Da die reichen Fänge der letzten Zeit einen beunruhigenden Preissturz zur Folge hatten, haben die Heringsfischer von Yarmouth und Lowestoft beschlossen, bis zum Sonntagmorgen keine Fischdampfer mehr ausfahren zu lassen.Hngefahr 800 Fahrzeuge, die in diesen beiden Häfen liegen,
werden daher 3 Tage lang nicht arbeiten, obwohl es in den Küstengewässern von Fischen wimmelt. 6000 Fischer und Hafenarbeiter werden ohne Beschäftigung sein. 2000 Männer und Frauen aus den Heringssalzereien und -Räuchereien usw. werden arbeitslos werden. Wie ernst die Lage in Regierungskreisen beurteilt wird, geht daraus her- vor, daß Donnerstag in London eine Konferenz zwischen Regierungsmitgliedern und Vertretern der verschiedenen Zweige der Fischereiindustrie abgehalten wird.
Fünf Knaben in einem amerikanischen Bergwerksschacht tödlich verschüttet.
Elf Knaben versuchten in einem stillgelegten Bergwerksschacht in Plainville (Pennsylvanien) Kohle zu holen. Sie wurden dabei von herabstürzender Kohle verschüttet. Drei Knaben wurden von der Rettungsmannschaft nur noch als Leichen geborgen. Zwei Knaben sind auf dem Wege ins Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen; sechs werden noch vermißt.
Hellseherin klärt einen Einbruch auf.
Eine interessante Verhandlung fand vor der Strafkammer des Landgerichts Landau (Pfalz) statt. Im Oktober 1932 war in dem Landhaus eines Frankfurter Studienrats in Doerrenbach bei Bergzabern eingebrochen und die ganze Einrichtung gestohlen worden. Von den Tätern war damals keine Spur festzuftellen. Im August d. I. wurde ein nach Doerrenbach Augeroanberter Böhme, Alois Hannack, beim Diebstahl eines Fasses Teer von einem Gendarmen ertappt, der sich auch um die Aufklärung des Einbruchdiebstahls 1932 bemüht hatte. Seinerzeit hatte ihm die Frau des Studienrats von einer Weissagung Mitteilung gemacht, die ihr eine Hellseherin auf Befragen über den Einbruch gemacht hatte. Danach sollte der Einbruch von zwei Männern verübt worden sein, von denen ders eine viele Sommersprossen im Gesicht trug. Auch der Verlauf des Einbruchs wurde beschrieben. Bei der Festnahme des Teerdiebes fielen dem Gendarmen die vielen Sommersprossen in dessen Gesicht auf. Die sofort wieder aufgenommenen Ermittlun-, gen über den Einbruchdiebstahl brachten bei einer, Haussuchung einen großen Teil der gestohlenen Ein--', richtung wieder zum Vorschein. Hannack gab unter, dem Druck des Belastungsmaterials feine Beteiligung an dem Einbruch zu. Sein Geständnis deckte sich vollkommen mit den Aussagen der Hellseherin. An dem Einbruch war nach Hannacks Aussagen auch sein im Elsaß wohnender Schwager beteiligt. Das Gericht erkannte auf eine Strafe von einem Jahr und sieden Monaten Gefängnis.
Lin Brudermord nach zwölf Jahren aufgeklärt. Der Täter richtet sich selbst.
In Trupermoor bei Lilienthal (Kreis Osterholz, Hannover) wurde im September 1922 der Landwirt Albert Meyerdierck in feinem Zimmer er• hängt aufgefunden. Es wurde damals Selbstmord angenommen und dem Todesfall keine besondere Beachtung geschenkt. Erst später wurden in der Bevölkerung Zweifel über den angeblichen Selbstmord laut. Der Verstorbene war durch Erbschaft Eigentümer einer 65 Morgen großen Landwirtschaft geworden. Er wurde deshalb von den Geschwistern sehr beneidet. Nach seinem Tode erbte fein achtzehn Jahre jüngerer Bruder Joh. Meyer- oierck den Besitz. Gegen diesen verdichtete sich der Verdacht des Brudermordes. 1926 verpachtete er die Landstelle und wanderte nach Amerika aus, nachdem ihm von verschiedenen Seiten der gegen ihn bestehende Verdacht vorgeworfen worden war. Als Johann Meyerdierck nach fast achtjähriger Abwesenheit aus Amerika zurückkehrte, gelangte der unter der Bevölkerung wieder neu auftauchende Verdacht des Brudermordes auch zur Kenntnis der Polizei. Diese ging nunmehr den Gerüchten nach. Es wurden durch die Gendarmerie und Landeskriminalpolizei eingehende Nachforschungen angestellt. Die Ermittlungen führten zur Bestätigung des Verdachtes, worauf Johann Meyerdierck festgenommen wurde. Trotz des erdrückenden Beweismaterials be ft ritt er zuerst feine Tat, bat sich jedoch Bedenkzeit aus. Darauf hat er sich in feiner Zelle erhängt.
Neun Bienenstöcke ein Raub der Flammen.
Ein mit neun Bienenstöcken bevölkertes großes Bienenhaus, das am Waldrand des Niederwaldes in Rüdesheim stand, ist durch ein plötzlich ausbrechendes Feuer mit allen Tieren völlig vernichtet worden. Das Feuer griff auch auf die Niederung des Waldes über und vernichtete einige Meter Jungholz. Die Feuerwehr konnte eine Ausdehnung des Brandes auf den Hochwald verhindern. Der Schaden, den der Bienenbesitzer erlitten hat, beläuft sich auf rund 2000 Mark.
26 Tote bei einer Dergwerksexplosion in Japan.
In einem Bergwerk in der japanischen Provinz Fukushima ereignete sich eine Explosion. Dabei fanden 26 Arbeiter den Tod.
Wettervoraussage.
Nach zunehmender Störungstätigkeit im Westen gelangt in höheren Schichten Warmluft nach dem Festland vor. Zunächst dürfte der hohe Druck noch Aufheiterung bewirken, doch werden sich späterhin Dunst- und Wolkenbildungen einstellen. Die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht gleichen sich dabei etwas aus.
Aussichten für Freitag: Nach Dunstbildungen wieder aufheiternd, tagsüber milder, trocken.
AusfichtenfürSamstag: Vielfach neblig- wolkig, Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht sich etwas ausgleichend.
Lufttemperaturen am 24. Oktober: mittags 14,1 Grad Celsius, abends 9,7 Grad; am 25. Oktober: morgens 6,1 Grad. Maximum 14,9 Grad, Minimum 6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. Oktober: abends 11,1 Grad; am 25. Oktober: morgens 9 Grad. — Sonnenscheindauer 0,6 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IX. 34: 10 600. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
gegen spröde Haut


