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Die Aollage des Gießener Fuhrgewerbes.

Die Ortsgruppe Gießen des Reichs­verbandes für das Fuhr- und Kraft­wagen-Gewerbe hielt am Samstag im ,Hotel Hopfeld" ihre Mitgliederversammlung ab, zu der auch der Fachfchaftsleiter für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach, Fuhrunternehmer Karl Göbel (Gießen), erschienen war. Die Versamm­lung befaßte sich mit Hilfsmaßnahmen zur Ab­wendung der großen Notlage des Gießener Fuhr- gewerbes, in erster Linie mit der Bekämpfung der Schwarzfahrten.

Fachschaftsleiter Göbel wies darauf hin, daß das gesamte Fuhrgewerbe von maßgeblichen Stellen als lebensnotwendig anerkannt wurde und führte Anordnungen anderer Kreis- und Polizeiämter an, die sich wirksam für das örtliche Fuhrgewerbe ein­gesetzt haben, um ihm über die schwere Krise, in die es hineingeraten ist, Hinwegzuhelsen. Der Syndikus der Handelskammer Gießen, Pg. Dr. Keim, hat sich in einem ähnlichen Erlaß für das Gießener Gewerbe eingesetzt.

In der Versammlung wurde aber erneut betont, daß ohne die Mitwirkung des Publikums, das in der Lage ist, eine Lastfuhre oder eine Kraftdroschke zu benützen, die Notlage des Gießener Fuhrgewer- bes nicht behoben werden kann. In der Stadt Gießen sind, wie in wenigen anderen Städten, nicht nur ausreichende Gespanne, sondern auch kleinere und sogar große Tonnenlieferwagen, aber auch Kraftdroschken in ausreichender Anzahl und in bester Verfassung vorhanden. Neben sachgemäßer Ausführung der Aufträge sind die Auftraggeber durch die gesetzliche Versicherungspflicht vor even­tuellem Schaden geschützt. Dennoch ist die Lage des Gießener Gewerbes derart, daß durch die Schwarz- ahrer und Preisdrücker, die keine Konzession be­ißen, der Gießener Gewerbetreibende schwer ge- chädigt wird und nur mühsam seine Steuern auf­bringen und sein Personal behalten kann, obwohl bei entsprechender Mitwirkung des Publikums das vorhandene Personal nicht nur ausreichend be­schäftigt, sondern auch hilfsbedürftigen Unterneh­mern geholfen werden könnte.

Man kam überein, daß La st fuhren in der Stadt in erster Linie den Fuhrwerksbesitzern und

größere Lasttransporte und Ueberland- führten den Lastkraftwagen-Unternehmern zuge­wiesen werden sollen. Hochzeitsfahrten sollen nicht nur den Fuhrwerksbesitzern, sondern auch den Kraftdroschken je nach Lage der Dinge übertragen werden, bevor auswärtige Unternehmer herange­zogen werden. Der Gießener Handel und die Groß­betriebe sollen erneut darauf aufmerksam gemacht werden, daß Lastwagentransporte in erster Linie dem heimischen steuerzahlenden Gewerbe übertragen werden sollen. Die Großtonnenwagen genügen den höchsten Ansprüchen. Im Kraftdroschkenge­werbe soll darauf hingearbeitet werden, daß alle Fahrten in der Stadt und nach auswärts vom Droschkenplatz angesordert werden, damit eine gleich­mäßige Berücksichtigung des Gewerbes erzielt wer­den kann.

Fachschaftsleiter Göbel wies darauf hin, daß durch das kommende Gesetz den Schwarzfahrern und den Doppelverdienern, die den hiesigen Unter­nehmern die Fahrten fortnehmen und die Preise unterbieten, erhebliche Strafen drohen. Durch das Gesetz werde es auch möglich sein, den Auftraggeber solcher Fahrten zu belangen.

Weiterhin wurde gegen das Portier- und Leichen­frauensystem in Gießen angegangen und erneut der Wunsch ausgesprochen, daß auch die Behörden, Institute und namentlich die Kliniken ihre Aufträge nicht nach ihrem Ermessen, sondern über den Droschkenplatz vergeben. Von einer stärkeren Be­rücksichtigung dieser Wünsche hofft man, neben der Verhinderung drohender Personalentlassung, auch eine Hilfe für notleidende Kollegen. Das Publikum soll darüber aufgeklärt werden, daß es bei den Schwarzfahrten sich selbst in Lebensgefahr begibt, während es bei Fahrten mit den konzessionierten Kraftdroschken gegen alle evtl. Unfälle versichert ist.

Fachschaftsleiter Göbel sprach die Hoffnung aus, daß das geschloffene Voraehen der Gewerbe­treibenden in Gießen unter Den Gesichtspunkten der nationalsozialistischen Grundtendenz, daß Ge­meinnutz vor Eigennutz gehe, unterstützt durch die nationalsozialistische Gesetzgebung für das Gewerbe, die Schwierigkeiten und die Notlage überwinden helfe.

oder Vormundes. Bewerber ohne Papiere müssen zurückgewiesen werden.

Die Einweisungsdaten werden den Bewerbern nach Aufhebung der Sperre bekanntgegeben. In dieser Beziehung wird auf die letzte Bekanntmachung Ende der vorigen Woche hingewiesen.

NSLB., Fachschaft Höhere Schule.

Naturwissenschaftliche Fachgruppe.

Man berichtet uns: Die nationalsozialistischen Fach­schaften arbeiten nach großen Richtlinien im Dienst völkischer Ziele. Dies schließt nicht aus, daß die Mitglieder der einzelnen Arbeitsgemeinschaften auch zu rein sachlicher Tätigkeit zusammenkommen, um sich in den Einzelfragen ihres Berufes Rat zu holen und auszusprechen. Gerade in den naturwissenschaft­lichen Fächern wird dies immer wieder der Fall sein, weil hier die Eigengesetzlichkeit des Stoffes ihr Recht fordert. Wissen wir doch, daß auch diese sach­liche Arbeit im Dienste unseres nationalen Lebens steht und für Deutschlands Weltgeltung eingesetzt wird.

On diesem Sinne ist auch die Sitzung der natur­wissenschaftlichen Fachgruppe vom 20. September zu bewerten. Herr Dr. Fuhr sprach vor einem größeren Kreise seiner Fachgenossen über die Kreisberechnung". In. gedrängter Kürze gab er einen Ueberblick über die Geschichte der Kreisberech- nuna, von der Formulierung des Problems der Quadratur des Kreises durch Anaxagoras um 434 v. Ehr., bis zum Beweis der Transzendenz der Kreiszahl durch Lindemann im Jahre 1882 und dem Einfluß der Mengenlehre auf die Begriffe des Kreisinhalts und -umfangs. Danach zerfällt das Problem der Kreisberechnung, wissenschaftlich be­trachtet, im wesentlichen in folgende Teilfragen: 1. die scharfe Definition des Kreisumfanges und -in- halts und die Erforschung der Eigenschaften dieser Begriffe; 2. die angenäherte Bestimmung der Kreis­zahl; 3. die Ermittlung des Zahlencharakters der Kreiszahl. Die dritte Frage ist für die Schule unzu­gänglich. Die erste kann auf der Oberstufe der höhe­ren Schule in Angriff genommen werden und bie­tet eine geradezu einzigartige Gelegenheit, den Schü­lern einen tiefen Einblick in die bis zum letzten durch­dachten Methoden moderner Mathematik zu geben. Zur zweiten Frage ist auch in den letzten 20 Jah­ren eine Reihe für den Lehrer der Mittelstufe wert­voller Vorschläge veröffentlicht morgen, über die kurz berichtet wurde.

Der wichtigste Mensch des Theaters.

Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben:

Die Menschen des Theaters unterhielten sich dar­über, wer von ihnen der Wichtigste wäre.

Es kann kein Zweifel bestehen!", sagte der Dich­ter und rollte die Äugen:daß der wichtigste Mensch des Theaters ich bin! Denn mit mir endet das Theater. Von mir lebt das Theater!"

Ich spiele sozusagen auch eine Rolle!" meinte der Schauspieler und warf den Kopf zurück.Was fängst du an, erhabener Dichter, wenn ich nicht auftrete?"

Ereifert euch nicht, meine Freunde", begütigte der Direktor.Ihr seid beide ziemlich bedeutungs­los, wenn ich euch nicht die Gelegenheit gebe, eure Kunst zu zeigen!"

Man darf uns nicht zu gering einschätzen!" er­gänzte der Chor der Bühnenarbeiter.

Und ich?" rief die Souffleuse,bin ich etwa ein Luxus? Fragt, nur unseren Heldenspieler, der im­mer schwimmt'wenn ich ihm nicht helfe er wird euch sagen, ob ich eine Wichtigkeit bin oder nicht!"

Ohne mich gibt's überhaupt kein Theater!" be­hauptete der Kassierer, ein bis zur Roheit nüchter­ner Patron.Wenn meine Kasse leer ist, könnt ihr alle, mit Respekt zu sagen, Stiefelputzer werden!"

Ein Mensch, der ein wenig abseits gestanden war, hatte alles angehört und nichts gesagt. Er beschloß, dem Theater einige Zeit fern zu bleiben.

Noch am Abend desselben Tages schon wußten der Dichter, der Schauspieler, der Direktor, die Bühnenarbeiter, die Souffleuse und der Kassierer,

wer der wichtigste Mensch des Theaters wäre. Denn jener Mensch, der abseits gestanden war, als sie ihre Wichtigkeit feststellen wollten, war wirklich ferngeblieben: der Zuschauer.

Echülervortrag der Klavierschule Schlesier-Altmann.

Um den Eltern und Angehörigen ihrer Schüler- einen Ueberblick über die geleistete Jahresarbeit zu geben, ließ Frau Schlesier-A.ltmann ihre Schutzbefohlenen an die Oeffentlichkeit treten. Die Vortragsfs'lge war vor allen Dingen nach pädago­gischen Gesichtspunkten aufgestellt. Sie enthielt Merkchen und Werke, die größtenteils für unter­richtliche Zwecke gedacht sind, und das ist kein Feh­ler, denn der Weg zum wahren und großen Kunst­werk ist lang und schwer. Es ist nicht angängig, daß man den Schüler gleich nach den Sternen grei­fen läßt. Trotzdem soll man bei den reinen Zweck­stücken nicht unter eine bestimmte Grenze gehen, da die Gefahr des Abgleitens nach der Seite der sog. Salonmusik naheliegt. Diese Gefahr wurde hier fast durchgängig vermieden.

Die Vorträge zeigten, daß nicht gebummelt wor­den ist. Fast alle Schüler sind kaum ein Jahr in der Ausbildung, und wenn man bedenkt, daß heute die Jugend auch sonst noch stark in Anspruch ge­nommen wird, so kann man den gezeigten Leistun­gen seine Achtung nicht versagen. Gertrud Stehr, Rosemarie W e l l st e i n , Elsbeth Allgaier, Marianne H e i ß l e r , Inge G i e s l e r spielten von ihrer Lehrerin sorglich stützend begleitet, kleine

vierhändige Sachen. Dabei konnte man beobachten, daß Wert auf gute Haltung und Ausdruck gelegt wurde. Inge und Helmut Dietz spielten gemeinsam recht hübsch ein Lied ohne Worte von Mendelssohn. Jede der Schülerinnen und Schüler zeigte noch sein Können in einem Einzelvortrag, wobei, neben den Stücklein der Kleinsten, Inge Giesler in dem Lied von Tschaikowsky recht gut phrasierte, Ruth W i n t t e r l i n spielte eine Sonatine und einen Walzer mit weicher Tongebung und hübscher Ge­läufigkeit. Helmut Dietz musizierte in der Kuhlau­sonatine unbekümmert und mit klarer Technik. Inge Dietz ist besonders hinsichtlich des Anschlags schon recht weit und gestaltete in der Sonatine von Beethoven schon recht gut.

An den Schluß der Dortragsfolge reihten sich Lieder von Beethoven und Schubert an, gesungen von Herrn Heinz Weiser (Tenor), Mitglied des Stadttheaters. Der Sänger verfügt über ein recht umfangreiches Organ, das in den Registern gut ausgeglichen ist. Der Tonansatz ist leicht und frei, doch läßt gelegentliches Forcieren auf den Theater­sänger schließen. Die gewählten Lieder wurden be­sonders dynamisch eindrucksvoll gestaltet. Die Sprache war klar und deutlich, so daß ein ge­druckter Text überflüssig war. Die inhaltlich ganz verschieden gearteten Lieder wurden, was besondere Anerkennung verdient, dementsprechend gestaltet, wobei dasWohin" am innerlichsten wirkte.

Frau Schlesier-Altmann begleitete zu­verlässig. Die Erschienenen dankten der Veranstalte­rin recht beifällig für ihre gewiß nicht leichte Arbeit.

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Frankfurt fahren, ich hab keine Ruhe mehr hier. Ich habe eine ganz abscheuliche Angst um Detlef. Warum, weiß ich nicht. Aber es zwingt mich, nach ihm zu sehen! Vater wollte noch zwei Tage mit uns hierbleiben, ich kann das aber nicht, Mutter! Ick würde hier krank, ich muß zu Detlef! Laß mich fahren! Ich kann gut ein paar Tage allein daheim­bleiben, und unsere Aufwärterin soll, bis ihr zurück seid, im Hause wohnen. Auf Wiedersehen, Mutter! Ich muß fort, sonst versäume ich den ersten Zug."

Ein Kuß auf Frau Steffis Stirn, dann erlosch dasLicht. Die Tür klappte leise.

Frau Steffi verhielt den Atem. Das Zimmer war dunkel, und nicht das leiseste Geräusch unterbrach die tiefe Stille, die wie eine dicke Wattedecke über aller Nähe und Ferne zu liegen schien.

Hatte sie geträumt? Lebhaft geträumt, oder hatte Donata eben wirklich vor ihrem Bett gestanden?

Sie suchte nach dem Knipser des Nachttisch­lämpchens.

Knack! Es wurde hell, und sie konnte sich über­zeugen: Donatas Bett war wirklich leer.

Sie knipste wieder aus, legte sich bequem zurecht. Sie glaubte Donata zu verstehen. .

Ihr Mann würde wieder brummen, natürlich. Aber das war weiter nicht schlimm.

Indessen wanderte Donata in Gesellschaft eines Hausdieners, der ihr Köfferchen trug, dem Bahnhof zu und nahm sich eine Fahrkarte. Und ein paar Wagen von dem ihren entfernt saß blaß und über­nächtig Detlef Westkamp, der schon vor ihr das Hotel verlassen hatte.

Kalt und grau war der Morgen, kalt und grau schien Detlef Westkamp die ganze Welt.

Er war ja nun fest entschlossen, Donata freizu­geben. Sie würde bald in der Erinnerung nur noch ein Lächeln für ihn haben sie, die von einem leib« hastigen Prinzen bewundert wurde. Die Anrede Hoheit" paßte zu ihr und alles, was dazu gehörte.

Am Hauptbahnhof in Frankfurt glaubte Donata wieder flüchtig Detlef Westkamp zu sehen, aber sie sann nicht weiter darüber nach; sie wußte ja, sie glaubte den Geliebten nur zu sehen, weil sie zuviel an ihn denken mußte. Bald würde sie ja bei ihm sein, bald!

Erst wollte sie nach Bornheim hinausfahren, denn für ihren Besuch in Sachsenhausen war es noch zu früh.

Detlef Westkamp aber setzte sich in den Wartesaal, bestellte sich Kaffee und bat den Kellner um Tinte, Feder und Papier. Ohne zu zögern, weil dazu jeder Satz in der schlaflosen Nacht und während der Bahn­fahrt von ihm überlegt worden war, schrieb er:

Liebe Donata!

Bitte, gib mich frei, wie ich Dich freigebe, weil die Lösung unseres Verlöbnisses notwendig ist. Ich liebte die schlichte Donata Olden, der ich beistand, als sie ein alter, frecher Geck belästigte; aber die neue Donata Olden, die wie eine ganz vornehme Dame neben dem Prinzen Weitz-Schlehen ihr

Polizeibericht.

Am Mittwoch, 19. September, wurde einem hie­sigen Handwerker an der Pestalozzischule ein vier­rädriger Handwagen mit Brettern, grauem Anstrich und der AufschriftEmil Schmall" auf der Deichsel, entwendet. Sachdienliche Angaben erbittet die Kri­minalpolizeistelle.

Anläßlich der Heuchelheimer Kirmes wurde in der Nacht vom 26. zum 27. August von einem Wanderburschen eine Taschenuhr mit Kapsel an einen jungen Mann in der WirtschaftZum Schwanen" für eine Reichsmark verkauft. Der Käu­fer wird ersucht, um Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, die in Rede stehende Uhr bei der Kriminalpolizeistelle Gießen abzuliefern, da die Uhr auf unrechtmäßigem Wege in den Besitz des Käu­fers gelangt ist.

Ein Herrenrad MarkeKuxmann", ein Herren­rad MarkeRixe" und ein Damenrad MarkeEis­brecher" find bei der Kriminalpolizeistelle sicher- gestellt. Die Eigentümer wollen sich melden.

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Tageskalender für Dienstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Zigeunerblut".

** Mehr Licht in der Frankfurter Straße. Dem Verlangen der Verkehrsinteressen- ten Rechnung tragend, hat die Stadtverwaltung in anerkennenswerter Weise dafür gesorgt, daß die Ausfall- und Hauptdurchgangsstraßen unserer Stadt in umfangreicher Weise mit Lampen ausgestattet wurden. Als letzte Maßnahme dieses Planes ist jetzt die Frankfurter Straße mit weiteren 25 Lampen versehen worden, durch die das Straßenbild in den Abend- und Nachtstunden in sehr vorteilhafter Weise heller erleuchtet wird. Den Wünschen der Spitzenverbände des Verkehrswesens dürfte nun­mehr in unserer Stadt ausreichend entsprochen worden sein.

** Ob st Versteigerungen derStadtver- waltung Gießen. Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Wochen das Obst von den städti­schen Obstbäumen versteigert. Es handelte sich um den Ertrag von etwa 160 Bäumen, meistens um Aepsel. Tafeläpfel von den Bäumen in Gärten erzielten einen durchschnittlichen Preis von 5,50 RM. pro Zentner am Baum. Die Aepfel von den Bäumen an Straßen, die meist als Wirtschaftsobst verkauft wurden, brachten etwa 3.50 RM. pro Zentner am Baum Zwetschen und Birnen standen nur wenig zur Verfügung.

** Herbstpferdemarkt in G i e ß e n. Im heutigen Anzeigenteil wird der am 10. Oktober hier stattfindende Pferdemarkt angekündigt. Für die Prämiierung der angemeldeten Pferde sind 1100 RM. vorgesehen. Anmeldungen zur Prämiierung sind bis Freitag, 5. Oktober, 10 Uhr, an die Bürger­meisterei Gießen, Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer Nr. 12, zu richten. Dort sind auch Prämiierungs­pläne und Anmeldekarten erhältlich (Siehe Anzeige).

** 21 u 9 den Ferien zurück. Gestern nach­mittag kehrten die auf Veranlassung der NS.-Volks- wohlfahrt vor etwa 4 Wochen zum Erholungs­aufenthalt aus unserer Stadt nach dem Kreise Groß-Gerau verschickten Kinder, 75 an der Zahl, wieder zurück. Die Kinder trafen um 15.26 hier ein und wurden von ihren Eltern abgeholt. Der Kindertransport stand unter der Leitung des Pro- vinzialjugendwalters Freyberg, dem zur Be­treuung der Kinder drei Führer der HI. und drei BdM.-Führerinnen beigegeben waren. Der Trans­port vollzog sich, trotzdem die Schar der Kinder mit ihren vielen Gepäckstücken zweimal umsteigen mußte, reibungslos. Die Kinder konnten recht erheb­liche Zunahmen (von 3 bis 13 Pfund) aufweisen.

** Die Errichtung von Handwerks- Pflichtinnungen. Die Hessische Handwerks- kammer gibt in unserem heutigen Änzeigenteil die Errichtung von Handwerker-Pflichtinnungen durch Erlaß der Satzungen bekannt. Näheres finden die Handwerksmeister in der Bekanntmachung.

Sektglas an das feine klingen läßt, die lächelnd und beglückt seine Huldigungen entgegennimmt, die liebe ich nicht.

Wir gäben ein schlechtes Ehegespann. Wollen uns nicht Wiedersehen, wollen uns das Häßliche langer Auseinandersetzungen ersparen. Ich habe mir mein Tun gründlich überlegt und bitte Dich, mach mir alles nicht noch schwerer. Was wir jetzt aufschöben, eine endgültige Trennung, könnte später vielleicht nur mit bösen Worten erkauft werden, die uns alles Gewesene trüben würden.

Dein Vater ist ein bedeutender Künstler; ich wohnte gestern seinem Konzert bei. Sage ihm, ich bewundere ihn sehr.

Lebe wohl, Donata! Werde glücklich in einer Zukunft ohne mich. Detlef Westkamp." Den Brief überlas er flüchtig, steckte ihn in den Umschlag, und dann fuhr er vom Bahnhof mit der Elektrischen nach Bornheim. Den Brief wollte er selbst in den kleinen Briefkasten werfen, der vor der Haustür des alten Bornheimer Häuschens ange­bracht war.

Wenn Donata aus Mainz heimkehrte, würde sie ihn finden.

Er dachte, als er den Brief in das grünlackierte Kästchen fallen ließ, nicht daran, daß Donata sich schon daheim befinden könnte.

Minutenlang stand er dann noch vor dem kleinen Fachwerkbau, der so altfränkisch bescheiden drein­schaute, so ganz nach stillem, einfachem Glück aus­sah. Und sein Herz begehrte auf, wollte nicht so, wie sein Kopf wollte, mochte sich nicht den Gründen der Vernunft beugen.

Plötzlich lief er davon, als würde er verfolgt. Nun war alles zu Ende, weil alles zu Ende sein mußte, Liebe und Glück.

Blaß und müde betrat er das Wohnzimmer seiner Mutter, die eben beim Frühstück saß. Und er setzte sich zu ihr, berichtete vom gestrigen Abend, und auch was er heute getan.

Sie schüttelte während seiner Erzählung mehr­mals den Kopf, und nachdem er fertig war, sagte sie mit hart klingender Stimme:

Wer seine Liebe mit so plumpen Händen anfaßt, wie du es getan, wer sie martert und quält und zu Boden wirft, mit schwerbeschuhten Füßen, wie du, darauf herumtrampelt, der darf niemand und auch das Schicksal nicht anklagen. Der leibhaftige Gott­seibeiuns hat dich am Seil, du bist zu seinem Ham­pelmann geworden."

Sie schob ihre Kaffeetasse so energisch beiseite, daß sie vom Tisch fiel und zerbrach.

Sie wies mit dem Finger darauf.

So bist du mit deiner Liebe umgegangen, so liegt sie jetzt in Scherben." Sie erhob sich hastig und verließ das Zimmer. Die Tür hinter ihr flog kräftig ins Schloß.

Verblüfft starrte Detlef seiner Mutter nach. Die Tür hatte sie auf solche Weise noch nie zugeworfen, solange er die Mutter kannte. Fortsetzung folgt.

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Roman von Anny von panhuys.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)

26 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Seine Augen umspielten Donata jetzt mit ganz offen zur Schau getragener Bewunderung, und ihre Augen wichen unwillkürlich aus, als er leise fragte:Ich wäre glücklich, wenn auch Ihnen mein Besuch angenehm wäre, gnädiges Fräulein."

Ihr abirrender Blick glitt durch den Saal, blieb an einem Gesicht nahe der Ausgangstür haften. !Das war doch Detlef Westkamps Gesicht! Ihr Vater irief ihr etwas zu, und während sie sich ihm flüchtig zzuwandte, war Detlef Westkamp aufgestanden und ihatte den Saal verlassen. Ihr suchender Blick blieb Hm Leeren haften.

Sie fühlte eisige Kälte in sich aufsteigen. Was Ibebeutete es nur, daß sie den Geliebten heute Über­soll zu sehen meinte? Vorhin auf der Galerie des lKonzerifaals, jetzt hier im Speisefaal. Das mußte »etwas zu bedeuten haben.

Angst drückte ihr die Brust zusammen. Ihr erster OGang, sobald sie wieder daheim war, sollte sie nach »Sachsenhausen hinüberführen. .

Der Prinz wartete immer noch auf eine Ant­wort, und weil er bemerkte, daß Werner Olden, Lessen Frau und der Verleger sich in ein eifriges Wespräch vertieft hatten, wiederholte er seine Frage moch etwas dringender, indem seine Augen sie ver- lliebt umwarben.

Donata gab sich einen Ruck. Sie sand alle über« Drohe Höflichkeit jetzt fast komisch. Wozu sollen sich Menschen nur aus Höflichkeit gegenseitig etwas Dormachen?!

In den Kreisen des Prinzen mochte das wohl {guter Ton sein, aber klüger war es, wenn man «hrlich heraussagte, was man meinte. Dann konnte iss später keine peinlichen Irrtümer geben.

Der Prinz war verliebt in sie, er machte ja gar lein Hehl daraus.

Sie gab sich nochmals einen innerlichen Ruck und antwortete ziemlich laut, daß es alle am Tisch hören j'onnten:

Ader natürlich, Hoheit, ist auch mir Ihr Besuch !iei uns in Bornheim sehr angenehm. Alle Bewun­derer meines Heben Vaters sind mir doch besonders Empathisch. Vielleicht werde ich bei der Gelegenheit gleich das Vergnügen haben, Ihnen meinen Bräuti- [i;a..i oorstellen zu dürfen. Er ist ein lieber Mensch . hat eine Gärtnerei in Sachsenhausen." Sie indjelte ihn fast übermütig an.Ich werde nämlich «ine Gärtnersfrau und freue mich unsinnig darauf; ch liebe die Natur über alles."

' Prinz Dolkbert von Weitz-Schlehen saß viel zu teft im Sattel der Selbstbeherrschung, in der er von kiein an erzogen war, und ließ nicht im geringsten

merken, wie ihn Donatas Worte getroffen hatten. Aber ihm war zumute, als hätte ihn eine ungezogene Hand mit winzigen, scharfkantigen Steinchen bom­bardiert.

Ihm war es, als stände sein Gesicht davon in lodernder Glut. Doch das schien ihm nur so, denn seine Züge lagen im Bann der anerzogenen Be­herrschung, als er erwiderte:

Wie nett, daß ich gelegentlich meines Besuches in Ihrem Elternhause vielleicht auch die Bekannt­schaft Ihres, zukünfttgen Gatten machen werde, gnädiges Fräulein." Er hob fein Glas.Auf Ihr Wohl und auf das feine."

Sie stieß mit ihm an und las in feinen Augen: Prinz Volkbert würde niemals nach Bornheim in das alte, liebe Haus ihrer Eltern kommen. Niemals! Und wozu auch? Seine Gegenwart störte sie schon jetzt. Es war nicht ihre Welt, in der er lebte; ihre Welt war die, in der Detlef Westkamp lebte.

Ihr Vater schalt, später oben:Ganz so schroff hättest du den armen Prinzen wirklich nicht behan­deln sollen. Was kümmert ihn Westkamp!"

Sie lachte:Meinetwegen wollte er euch doch nur besuchen, und es ist viel einfacher für uns alle, wenn er gleich weiß, woran er mit mir ist. Dadurch wird unnützer Aerger vermieden."

Frau Steffi nickte beifällig:Donata hat recht, lieber Werner."

Er brummte:Weibsleute halten immer zu­sammen!"

Donata schwieg, denn es kränkte sie auch, daß Detlef heute wieder nicht das Konzert ihres Vaters besucht, trotzdem sie ihn so sehr darum gebeten hatte.

Sie lag lange schlaflos und mußte immer wieder daran denken, daß sie geglaubt, den (Beliebten im Konzert und im Speisesaal des Hotels gesehen zu > haben. Ein bißchen unheimlich war das doch. Wie ! eine Ahnung kommenden Unglücks bedrückte es sie.

Lange lag sie schlaflos.

Und im obersten Stockwerk, in einem der ein­fachsten Zimmer, lag Detlef Westkamp ebenfalls schlaflos. Donata hatte er verloren, darüber war er sich klar; sie gehörte nicht mehr zu ihm.

Sie gehörte zu Menschen von der Art des Prinzen.

Freiwillig mußte er zurücktreten! Es war das schwere Gebot der Stunde, der er gehorchen mußte.

Neunundzwanzig st es Kapitel.

Frau Steffi fuhr erschreckt aus dem Schlafe hoch. Das Hotelzimmer, das sie gemeinsam mit Donata bewohnte, war erhellt. Die Deckenbeleuchtung war eingeschaltet und vor ihrem Bett stand Donata im Mantel, den Hut auf dem Kopf, fix und fertig zum Ausgang.

Ehe die verwunderte Frau eine Frage tun konnte, beugte sich Donata zu ihr nieder.

Es ist ein Viertel über fünf Uhr, Mutter, und ich wollte dich eigentlich nicht wecken, wollte dir nur einen Zettel auf den Nachttisch legen. Aber jetzt ist das nicht nötig. Ich möchte nämlich nach