ltt. 224 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 25. September 1934
Luftschutz iui not!
Das Ergebnis der Lustschutz-Echulungswoche in Gießen.
►
h
>
Der Eingang des Schutzraumes ist verschüttet. Die Insassen verlassen nach dem Angriff den Schutzraum durch das Kellerfenster. Bergung einer Verletzten. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Der Luftschutz-Lehrtrupp 7 der Inspektion hat nach seiner achttägigen Arbeit Gießen wieder verlassen, um in Wetzlar seine segensreiche Tätigkeit fortzusetzen. Zurückgeblieben aber sind hundert begeistertste Anhänger des Luftschutzgedankens, Frauen und Männer, Jungen und Mädchen, die jetzt wissen, was der zivile Luftschutz für unser wehrloses Vaterland bedeutet; die aber jetzt auch wissen, daß man sich und w i e man sich gegen die Gefahren der Luft erfolgreich schützen kann.
Sie haben sich in opferwilliger Bereitschaft für das Wohl der Gesamtbevölkerung und in echter
Kameradschaft bei anstrengender Arbeit die Kenntnisse und Fertigkeiten erworben, die sie nun befähigen, bei der Schulung der Gießener Bevölkerung tatkräftig mitzuhelfen. Mögen, angeregt durch ihr gutes Beispiel, recht bald viele weitere Hundert unserer Mitbürger sich zur Schulung im Selbstschutz der Zivilbevölkerung anmelden. Diese Anmeldung kann jederzeit erfolgen auf dem Geschäftszimmer des RLB. Gartenstraße 2, Seitenbau, oder auf den Polizeirevieren.
Deutscher Mann, deutsche Frau, denke daran: Luftschutz tut not!
wohnt waren, aus der Zwietracht des deutschen Volkes ihre Gewinne zu erzielen.
Jeder, der heute in Deutschland lebt, hat aber das unbedingte Gefühl, daß das Deutschland von heute doch ein ganz anderes Deutschland ist als das Deutschland von gestern.
Wenn in früheren Jahren Untugenden als Tugenden angesprochen wurden, wenn Ungerechtigkeit mit Gerechtigkeit verwechselt wurde, wenn man die Sprache des Blutes nicht verstehen wollte, so ist es heute Aufgabe der lebenden Generation, wieder gutzumachen, was angebliche Politiker vor der Machtübernahme an dem deutschen Volk versäumt haben. Es sollte sich daher jeder, der deutsches Blut in seinen Adern verspürt, über seine Pflichten, die er gegenüber kommenden Geschlechtern zu erfüllen hat, im klaren sein.
Was nun im Leben eines Volkes die Familie bedeutet, das bedeutet im Wirtschaftsleben der Betrieb. Von der Gesunderhaltung der Betriebe hängt die Gesunderhaltung der deutschen Wirtschaft ab. Wenn seither der Betrieb im Selbstzweck gegründet wurde und eine Stätte war, wo sich die Gewinnsucht jeglicher Schattierung austoben konnte, ohne Rücksicht auf die Mitarbeiterschaft, geschweige denn auf Volk und Staat, so werden heute die Begriffe des soldatischen Lebens eingeschaltet. Es ist ein jeder Wirtschaftsführer für sein Tun und Handeln in seinem ihm anvertrauten Betrieb dem deutschen Volke voll und ganz verantwortlich. Kameradschaft, Opferbereitschaft, Pflichterfüllung und Treue müssen die Grundpfeiler der Gemeinschaft bilden. Die Deutsche Arbeitsfront hat hier eine hohe Mission zu erfüllen, nämlich als Treuhänder das gegenseitige Vertrauen in den Betrieben zu vertiefen.
Nachdem nun Pg. Hahn eingehend über den Aufbau der Deutschen Arbeitsfront gesprochen hatte, führte er aus, daß es im nationalsozialistischen Staate nicht darauf ankomme, welchem Stand oder Beruf oder welcher Konfession der einzelne angehöre, sondern vielmehr darauf, daß jeder von dem Platze aus, auf den ihn das Schicksal berufen hat, als Aktivum mitgestalten hilft an der sittlich-moralischen Neugestaltung des deutschen Volkes.
Die Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Mit Sieg-Heil auf Volk, Führer und Vaterland wurde die eindrucksvolle Versammlung geschlossen.
Bei den Didier-Werken in Mainzlar.
Der Versammlungsraum im Wohlfahrtsgebäude der Didier-Werke ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Arbeitskameraden der Faust und der Stirn sind fast vollzählig erschienen. Kurz nach 12.30 Uhr betritt der stellvertretende Kreisbetriebszellenleiter Hahn mit zwei Mitarbeitern in Begleitung des Führers des Betriebes und des DAF.-Ortsgrup- penwalters den Versammlungsraum. Der Orts- gruppenwalter eröffnet die Sitzung, begrüßt den Kreisamtswalter auf das herzlichste und übergibt ihm das Wort.
Pg. Hahn versteht es nun in mustergültiger Weise als Korporal und Offizier der Arbeitskameraden in schlichten eindrucksvollen Worten zu seinen Kameraden zu sprechen. In atemloser Spannung lauschen alle seinen Ausführungen. Ausgehend vom Erlebnis des Nürnberger Parteitages streift er in großen Zügen die Zeiten vor und nach der nationalsozialistischen Revultion, sowie die verschiedenen Wirtschaftsepochen und ihre Folgeerscheinungen. Er kommt dann auf das Gesetz der Nationalen Arbeit und auf den Aufbau der Arbeitsfront zu sprechen. Man merkt, hier spricht kein Gewerkschaftler von früher, sondern ein Kamerad und Mensch, der den Arbeiter versteht und der mit allem Elan versucht, unserem großen Führer Adolf Hitler auch den letzten Mann zu gewinnen, damit die Volksgesolgschaft eine hundertprozentige werde. Seine Ausführungen wurden mit starkem Beifall ausgenommen.
Nach herzlichen Worten des Dankes an den vortrefflichen Redner, schloß die Versammlung mit einem dreifachen ;,Sieg-Heil!" auf den Führer. Gemeinsam wurde das Horst-Wessel-Lied gesungen. Man nahm aus der Versammlung heraus den Eindruck mit, daß die Arbeitsfront auf dem besten Wege ist, die ihr gestellten Aufgaben zu meistern. Anschließend folgte noch ein Gang durch den Betrieb.
60 SA.-Mimer fahren durch Deuifchlaud.
Aufenthalt und Verpflegung in Gießen.
«MM«
Bewegungsübungen unter der Gasmaske (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
7 Ar
‘•*7. ;
Sicherung eines Kellerfensters durch Sandsäcke gegen Splitterwirkung.
Die Deutsche Arbeiissrout geht in die Betriebe.
Große Betriebsversammlung bei der Fa. Karl Bänninger.
Vergangene Woche sprach im großen Speisesaal runserer Firma der stellvertretende Kreisbetriebs- -zellenobmann Pg. Hahn zu der vollständig ver- fsammelten Belegschaft. Er führte u. a. folgendes saus:
Der Nationalsozialismus ist eine Weltanschau- ung. Er lehrt den einzelnen Menschen tatsächlich ein neues Schauen der Welt, nicht ein neuer Zweckoerband, sondern ein neuer Mensch ist das Ergebnis der neuen Denkart.
Ws ist das Wesen einer Weltanschauung, daß sie nid) nicht auf ein Gebiet oder auf eine Frage beschränken kann, sondern daß sie zu allen Tatsachen und Erscheinungen des gesamten menschlichen Levens Stellung nehmen muß
Zwei Dinge scheiden deshalb für den Jlational- sozialismus von vornherein aus, Zwei Begriffe. die den Parteigebilden der vergangenen Zeit so sehr ihren Stempel aufdrückten, gibt es für eine Weltanschauung nicht: Kompromiß und Toleranz.
Deshalb kann der Nationalsozialismus nichts, was bisher bestand, ungeprüft in die Zukunft übernehmen, sondern es ist seine Aufgabe, dafür zu sor- jen. daß alle Gebilde und Einrichtungen in Deutschland in ihren Grundgedanken und in ihrer Orga- isation den Erkenntnissen und Forderungen der k'.euen Weltanschauung entsprechen.
Wenn im vergangenen Zeitalter in Deutschland gewerkschaftliche Organisationen vorhanden waren, !iiie nichts kannten als das Feilschen und Handeln mit Arbeitgebern um Arbeitszeit und Arbeitslohn, stellt die Deutsche Arbeitsfront ganz bewußt in isn Vordergrund das Zusammenschmieden von Virtschaftsführer und Wirtschaftsgefolgschaft. Denn (Jein von gegenseitigem Kennen- und Verstehen- Iirnen hängt letzten Endes das Wohlergehen beider ^eile und somit' das Gesunden von Volk und Wirt- fyaft ab.
Sie müssen sich wieder kennenlernen der deutsche Arbeiter der Stirn und deutsche Arbeiter der Faust, denn keiner bestünde ohne den anderen.
Der neue deutsche Staat ist nationalistisch und sozialistisch. Er erkennt die Notwendigkeit, die Nation gegenüber der Welt zu schützen, ebenso an, wie die Aufgabe, in seinem Innern für das Wohl jedes einzelnen Volksgenossen Sorge zu tragen.
Daraus gehl hervor, daß der Nalionalsozialis- mus das, was dem einzelnen schaffenden Menschen auf Grund feiner Leistungen gebührt, nicht als ein Almosen oder ein Geschenk betrachtet, sondern als einen Anteil an den Gütern der Nation, auf den der einzelne entsprechend seiner Leistung ein Recht hat.
Es wird dahin im Arbeitsleben kommen, daß wenn jeder seine Pflicht und Schuldigkeit tut gegenüber Volk, Führer und Vaterland, daß der Begriff von Arbeitsrecht umgestaltet werden kann auf Recht auf Arbeit.
Die Ausführungen wurden öfters beifällig unterbrochen und am Schluß mit anhaltendem dankbaren Beifall gelohnt.
Der Betriebszellenobmann Pg. Diehl schloß mit einem Treuegelöbnis auf den Führer
Betriebsversammlung bei Bahnbetriebswert der Reichsbahn/ Gießen.
Am vergangenen Dienstag sprach hier der stellvertretende Kreisbetriebszellenobmann Pg. Hahn in einer Betriebsversammlung. Er führte u. a. folgendes aus:
Ganz Deutschland steht heute noch im Zeichen des Nürnberger Parteitages. Jener gewaltigen Demonstration der nationalsozialistischen Organisationen und somit des deutschen Volkes. Wenn es seither in Deutschland noch einige Menschen gab, die an der Einheit von Volk, Staat und Partei Zweifel hegten, so geschah es nur aus Unkenntnis oder auf der anderen Seite bewußt, weil sie seither ge
Gestern gegen 14 Uhr passierte eine Kolonne von 60 SA. -Männern a u f Fahrrädern unsere Stadt. Die stattliche Gruppe lenkte allgemein die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Die Mannsck)aften kamen unter der Führung ihres Standartenführers Lange von Heuchelheim her in Gießen an und setzten, nachdem sie im Gießener Standartengebäude verpflegt worden waren, ihre Fahrt über die Marburger Straße nach Marburg fort.
Bei den Tourenfahrern handelt es sich um 60 SA.-Männer aus Zwickau, um Bergleute (also durchaus keine ausgesprochenen Radsportler), denen der Standartenführer Lange, ein alter Kämpfer, prächtiger Kamerad und Führer, Deutschland zeigen will. Insgesamt will die Gruppe, der es weniger auf die sportliche Leistung ankommt, als auf die Tatsache, ihr deutsches Vaterland kennenzulernen, 2 5 0 0 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen. Die SA.-Männer gehören der Zwickauer SA.-Standarte 133 an. Sie begannen ihre Fahrt am 15. September, fuhren zunächst in einer Nachtfahrt bis nach Marktredwitz in Bayern (126 Kilometer), bann bis Landshut (212 Kilo
meter), von hier aus bis Mittenwald (182 Kilometer) nach Ulm (220 Kilometer), nach Heilbronn (152 Kilometer), nach Mainz (164 Kilometer) und von Mainz aus über Koblenz und Limburg nach Gießen. In Marburg wollen die Deutschlandfahrer über Nacht bleiben.
Am Gebäude der Standarte 116 wurden sie herzlich willkommen geheißen. Jeder erhielt einen tüchtigen Schlag Suppe und Warkkaroni mit Schinken zum Mittagessen. Dann fetzten sie die Fahrt fort. Die Fahrer waren über die gastfreundliche Aufnahme und Bewirtung in Gießen sehr erfreut und schieden mit den besten Eindrücken.
Die Touristen befanden sich durchweg in ausgezeichneter Verfassung und in bester Laune. Eine besondere Freude wurde der Kolonne zuteil, als in der Nähe der Wellersburg an der Marburger Straße eine Gruppe von Arbeitsmännern, die durch unseren Photographen Pfaff auf die Fahrer aufmerksam gemacht worden war, links und rechts der
4 3»
Die Gruppe der SA.-Fahrer vor dem Gebäude der Standarte 116.
Auf der Marburger Straße: Der Arbeitsdienst begrüßt die Fahrer.
T
i
■
't * •
*'?
W- &


