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Nr. 21 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ©betreffen) Donnerstag, ? 5. Januar 1934

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Gesamtertrag von 1928,90 Mark.

Transparenten mit einem Werbeaufruf des Herrn ! erbrachte einen Reichspräsidenten von Hindenburg an verschie- C '

denen Stellen der Stadt eindringlich in Erinnerung I

. , in der Hand alle Volksgenossen um eine Beisteuer

19 3 3/34 statt. Die Sammlung war diesmal den zu der Sammlung zu bitten. Das erfreuliche Ergeb- Straßenpassanten durch die Aufstellung von großen nis dieses Sammelwerks in der Stadt Gießen

Wie überall im Reiche, fand am vorigen Sonntag gebracht worden. Dazu hatten sich ferner in aner- auch in Gießen wieder eine Straßen- undHaus- kennenswerter Weise zahlreiche Helfer uneigennützig fammlung zum Besten des Winter- zur Verfügung gestellt, um mit der Sammelbüchse Hilfswerkes des deutschen Volkes

ArhellSdlenstkundgevung der Universität.

Unter- stärkster Beteiligung der Studentenschaft, der Dozenten und einer Anzahl Gäste fand gestern mittag in der Neuen Aula der Universität eine KundgebungfürdenArbeitsdienstund die studentische Arbeitsdienstpflicht statt. Als Vertreter des deutschen Arbeitsdienstes nahm der Gauarbeitsführer Neuerburg (Kassel) teil, der bei seinem Eintreffen mit dem Hitlergruß empfangen wurde Die Studenten des Kamerod- schaftsheims leiteten die Kundgebung mit einem frisch gesungenen Liede ein.

Oer Führer

des Kamerad^chastsheims Geipp eröffnete die Kundgebung im Namen des Rektors und der Studentenschaft und führte u. a. aus: Mit dieser Kundgebung werde 3um Ausdruck gebracht, daß man einig sei in dem Wunsche dem Ar­beitsdienst den Weg frei zu machen für seine große Mission. Es müsse nun bewiesen werden, daß in Deutschland eine neue nationalistische und sozialistische Erziehungsform gelinge. Auf den Kampfplatz um diese neue Erziehungsform gehöre auch der Student.

Der Stubent könne seine Aufgaben nur bann erfüllen, wenn er zur nationalsozialistischen Hal­tung geformt werbe.

Dieser Formung bedürfe der Student bestimmt mehr als der junge Arbeiter und der junge Bauer Dem Gauarbeitsführer verspreche man an dieser Stelle, daß die Studentenschaft sich mit aller Kraft in den Arbeitsdienst stellen werde.

Ge. Magnifizenz der ZReffor Professor Dr. Bornkamm

hielt sodann eine kurze Ansprache. Die Landes- universität sei mit besonderer Freude der Aufforde­rung gefolgt, der Verbindung der Studentenschaft mit dem Arbeitsdienst zu dienen. Zwar habe der Arbeitsdienst an der Gießener Universität schon immer eine Pflegestätte gehabt. Hier habe sich be­sonders der unermüdliche Leiter des früheren Frei­willigen Arbeitsdienstes und des Hessischen Heimat- wertes, Herr Seipp, große Verdienste erworben, und es sei ihm, dem Rektor, em Bedürfnis, dieser Arbeit auch einmal von dieser Stelle aus Anerken­nung zollen zu dürfen. Was die Universität aber bisher an geistiger Betreuung im Sinne des Arbeitsdienstes habe leisten können, sei noch wenig gewesen Der Arbeitsdienst mache die Universität zunächst noch zum Schuldner. Man sei nun gespannt, was der Arbeitsdienst der Universität bringen werde. Es sei eine Gefahr, sich in der Ueber- feinerung und Ueberzüchtung geistiger Arbeit an der Universität zu verschließen. Daß könne allzu leicht zu einer Verdorrung der Studenten führen. Die ge­sunde und fruchtbare Distanz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit werde sich sehr günstig auswir­ken. So freue man sich nun auf die Generation, die aus der Schule des Arbeitsdienstes komme, eine Generation, die bestimmt nicht hinter den anderen zurückstehen werde. Man erinnere sich in diesem Zu­sammenhang der W e r k st u d e n t e n , die gestählt zurückgekommen seien von ihren harten Arbeits­plätzen.

Beratung tm engeren Kreise.

Von rechts nach links: Gauarbeitsführer Neuerburg (Kasiel), daneben (stehend) der Führer der Gießener Studentenschaft stuck, jur. Adam, dann Se. Magnifizenz der Rektor Professor D. Bornkamm , ganz links der Führer des (Peßener Kameradschaftshauses Seipp.

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2Uan erwarte vor allem, daß der Arbeitsdienst den Stubenfen bas gebe, was ihnen bie geistige Arbeit allein nie vermitteln könne: Heranfüh­rung an bas unmittelbarste Leben bes Volkes.

Daß ihnen Gelegenheit gegeben sei, zu spüren, wie hart der Kampf um die Erhaltung der Existenz ist, werde heilsam für sie sein, die Hucht körperlicher Arbeit empfinden und dabei Kamerad zu werden, den Volksgenossen achten zu lernen, das alles wer­den Begleiterscheinungen sein, die nur zu begrüßen seien. Es gehe immer um das gleiche: um das Volk als die uns tragende Wirklichkeit. Man müsse vomIch" zumD u" kommen Hierin mündeten die Wege von Arbeitsdienst und Universität. (Leb­hafter Beifall.)

Sodann sprach der

Gauarbeitsführer Neuerburg-Kassel.

Nach kurzen Dankesworten für die herzliche Be­grüßung, und nachdem der Redner seiner Freude darüber Ausdruck gegeben hatte, auch einmal an der Universität Gießen sprechen zu können, führte er u. a. folgendes aus: Fetzt habe die deutsche Studen­tenschaft die Arbeitsdien st pflicht eingeführt. Das sei eine Tat gewesen. Jetzt sei der Weg frei und die Studentenschaft könne mit dem Arbeitsdienst auf das engste verbunden werden. Der Arbeitsdienst fei ein Teil des nationalsozialistischen Gedanken­gutes, der nun festeren Boden gefunden, habe.

Wer von nun an zu den Studenten zählen wolle, müsse im Arbeitsdienst tätig gewesen sein. Wer im Arbeitsdienst stebe. werde manches

Bei der Kundgebung.

In der ersten Reihe von rechts nach links: Gauarbeitsführer Neuerburg (Kasiel), der Führer des Gießener Kameradschaftshauses Seipp, der Führer der Gießener Studenten­schaft stuck, jur. Adam. Zweite Reihe von rechts: Ortsgruppenführer der SA. R. I (Stahlhelm) Oberstleutnant a. D. L 0 p p e, daneben Kreisverbandsführer der SA. R. I Dr. Dehner.

Der Architekt des Kanzlers."

Zum Tode von Professor p £. Troost

Aus vollem, reifem Schassen, aus den höchsten und größten Bauaufgaben, die einem Architekten gestellt werden können, aus einer steil emporfüh­renden Künstlerlaufbahn hat der Tod viel zu früh den Architekten des Kanzlers, Professor Paul Lud­wig Tro ost, in seinem 56. Lebensjahre herausge­rissen. Er starb, so hat es den Anschein, an den Folgen seiner Verarbeitung. Denn rücksichtslos gegen sich selbst und sich immer wieder zu äußerster Leistung anspornend fetzte er alles daran, die ge­waltigen Baupläne des Kanzlers des Dritten Rei­ches gestalten zu helfen und zu verwirklichen.

In Professor Troosts Münchener Atelier in der Theresienstraße reiften die Pläne zumHaus der Deutschen Kun st", jenes monumentalen Bau­werkes, das zum Ruhme Münchens und der deut­schen Kunst augenblicklich in gewisser Anlehnung an klassizistische Formen im Englischen Garten an der Prinzregentenstraße entsteht. Zur gleichen Zeit aber wurden in demselben Atelier bereits die Bläue vollendet für die beiden großartigen Neu­bauten der Reichsleitung der NSDAP., des Führerhauses und des Verwaltungsgebäudes. Auch an diesen Bauwerken wird schon gearbeitet, und sie erheben sich in unmittelbarer Nahe des Braunen Hauses als großartiger Abschluß des Königsplatzes an feiner Oftfeite.

Das volle Vertrauen des Führers beauftragte aber auch Professor Tr 0 0 st mit der Schaffung des Hausts der deutschen Ärzteschaft m Berlin, nut der Einrichtung des neuen Reichskanzlerpalais m Berlin und mit der Errichtung eines Gebäudes für den bayerischen Reichsstatthalter in München. In diesen und anderen gewaltigen Bauaufgaben die zu gleicher Zeit an Professor Troost berantraten, verzehrte sich dieser große und gewissenhafte Künst­ler mit glühender Leidenschaft, indem er die höchsten geistigen und körperlichen Anstrengungen sich auf­

erlegte. '

Professor Troost wuchs hinein in dieses gewaltige Arbeitsfeld durch das rückhaltlose Vertrauen des Führers Adolf Hitler. Diesem wurde er mehr als ein Berater in künstlerischen und insbesondere in architektonischen Dingen, er wurde ihm ein gleich­gesinnter Freund, mit dem er alle seine gewaltigen Baupläne durchsprach und um die Lösung der Pro­bleme rang. Hier hatten sich zwei Menschen ge­sunden, von der gleichen künstlerischen Geisteshal­

tung und von demselben Streben beseelt. Mit Stolz durfte sich Professor Troost, seit ihm dasHaus der Deutschen Kunst" anoertraut worden war, der Architekt des Kanzlers" nennen, und Dr. Otto Dietrich schreibt in seinem BuchMit Hitler in die Macht" in dem KapitelAdolf Hitler als künstlerischer Mensch":Man weiß, daß in den Fragen der Architektur Professor Troost in Mün­chen seit langem des Kanzlers Vertrauter ist. Einer seiner ersten Wege, sobald der Führer nach Mün­chen kommt, ist fast stets in dessen Atelier. Mit ihm konferiert er über die baulichen Probleme, spricht mit ihm seine Pläne durch und ihm sind die ge* waltigen Bauwerke anoertraut, die Zug um Zug errichtet werden. Denn Adolf Hitler geht mit einem gewaltigen Bauprogramm in die Zukunft. Wie in der Weltgeschichte immer die Zeiten eines überragen­den Gemeinschaftsgefühls und nationalen Stolzes der Völker auch gewaltige Monumentalbauten auf­zuweisen haben, so soll und wird auch das Dritte Reich seine Bauwerke hervorbringen."

Diese Sätze eines der nächsten ständigen Begleiter des Kanzlers über Professor Troost und sein Ver­hältnis zum Kanzler zeigen deutlich, aus welchem weitumfassenden Schaffen heraus dieser abgerufen wurde, lange bevor seine Zeit erfüllt war. Ganz Großes hatte der Kanzler noch mit diesem vor, in ihm glaubte er, der ja in feiner Jugend selbst gerne Baumeister geworden wäre, jenen Mann gefunden zu haben, der ihm helfen sollte, das zu verwirk­lichen, was er in seiner Rede vom 4. April 1929 in München verkündete:Wir wollen aus unserer neuen Weltanschauung und aus unserem politischen Machtwillen heraus Dokumente aus Stein und Erz schaffen, um in jedes einzelne deutsche Gehirn wie­der den Stolz hinein zu pflanzen, Deutscher zu sein." Nach Hitlers Verbeugung wird die deutsche Kunst im Dritten Reich ihre Auferstehung feiern, und Professor Tr 0 0 st war sein Haupthelfer und Mitstreiter, im neuen Staate monumentale Bau­denkmäler auch als künstlerischen Ausdruck der Neu­geburt der Nation zu schaffen

Länger als drei Jahrzehnte war Troost selbständig in München tätig. Aber er ist kein gebürtiger Bayer, sondern wurde 1878 in Elberfeld geboren. Bei Pro­fessor Hoffmann in Darmstadt erhielt er eine gute architektonische Ausbildung, arbeitete zunächst in München bei Professor Martin Dülfer, einem damals führenden modernen Architekten und machte sich bald selbständig. Troost schuf zunächst eine ganze Reihe großer Wohnhausbauten, wie z. B. das Haus Chillinaworth in Nürnberg, das palazzoartige Haus für Benno Becker in München, für den Maler

Robert B ö n i n g e r , den Komponisten Felix von Rath und den Gelehrten Kupelwieser, sämt­liche in München. Es spricht für den Künstler, daß er fast stets Bauherren aus der Welt des Geistes fand, und schon seine ersten Bauten zeigen neben eigenen modernen Ideen eine gewisse Anlehnung an die klaren schönen Formen der Antike, des Klassi­zismus.

Weit über seinen engeren Wirkungskreis hinaus wurde Professor Troost zunächst bekannt als In­nenarchitekt. Er wirkte mit an manchen kunst­gewerblichen Ausstellungen, 1908 in München, 1910 in Brüssel und in Paris, 1912 wieder in München und 1914 in Köln. Durch diese Tätigkeit kam er in Verbindung zum Norddeutschen Lloyd, der ihm seit zwei Jahrzehnten die Ausstattung seiner prächtig­sten Dampfer anvertraute. Professor Troost hat die ersteMünchen", die dann an England ausgeliefert werden mußte, ebenso wie die spätereMünchen" eingerichtet und ausgestattet, ebenso sind sein Werk die Ausgestaltungen der Südamerikaschiffe der Sierra"-Klasse sowie derWeser-Werra"-Klasse (Ostindien). International anerkannte Leistungen auf diesem Gebiete sind die Ausstattung der Riesen­schiffeColumbus" und zuletzt derEuropa". Diese mit einem Höchstmaß an Wohnbehagen durch künst­lerischen Geschmack ausgestatteten Ozeandampfer verbreiteten nach dem Kriege in der ganzen Welt das Ansehen deutschen Könnens.

Den ersten großen Auftrag Adolf Hitlers er­hielt Professor Troost vor vier Jahren, als er mit bewunderungswertem Geschick das alte Palais Barlow an der Brienner Straße in München zu dem heutigen Braunen Haus, dem Sitz der Reichs­leitung der NSDAP., umwandelte. Diese Leistung leitete die Reihe der ganz großen Bauaufgaben ein, die diesem Künstler durch die neue Zeit gestellt wurden. Charakteristisch für Troost war die Viel­seitigkeit seiner künstlerischen Natur, der Zusammen­klang von Baumeister und Raumkünstler in einer Person, dem es vor allem darauf ankam, eine volle Harmonie zwischen der äußeren Gestaltung und der inneren Einteilung und Einrichtung eines Bau­werkes zu erzielen. Gleichzeitig aber machte er Kunstgewerbe, Malerei und Plastik in gegenseitiger Ergänzung dem Bauwerk und seiner inneren Aus­gestaltung dienstbar. Im 56. Lebensjahr, bevor er seine größten Werke vollenden konnte, wurde nun­mehr derArchitekt des Kanzlers" von uns geris­sen: fein Tod bedeutet einen schweren Verlust für die deutsche Kunst und für alle, die dieses Künstlers Wirken ersaßt und verfolgt haben

Bücherschätze auf Neu-Seelanv.

Man wird auf Neu-Seeland wohl keine großen Bücherfchätze vermuten, aber es gibt auch dort allerlei, was den Bücherfreund anziehen könnte. So ist z. B. die öffentliche Bücherei von Auckland reich an mittelalterlichen Handschriften und an Erst­ausgaben Shakespeares; die Bibliothek in Welling­ton enthält außer ihrer unschätzbaren Sammlung von Werken über Neu-Seeland und den Stillen Ozean eine Fülle seltener und kostbarer Ausgaben. Aber auch bei Privatleuten findet man mancherlei Bücherschätze, unter denen zweifellos der wichtigste die Alexandre-Dumas-Sammlung von Frank Reed zu Whangarei in Nord-Auckland ist. Reed, der An­fang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts als zwölfjähriger Junge mit seinem Vater nach Whangarei kam, brachte bereits eine große Be­geisterung für die unsterblichen Geschichts- und Abenteuerromane des älteren Dumas mit. Als er feiner Drogerie einen Bücherladen angegliedert hatte, sammelte er allmählich eine immer wachsende Anzahl von Ausgaben und Vertragungen der Werke Dumas', sowie seiner Handschriften und Briefe. Schließlich veröffentlichte er eine Biblio­graphie aller Arbeiten dieses großen Vielschreibers. Jahrzehnte hindurch stand er mit dem Dumas- Sammler und besten Kenner Dumas' in England, R. S. Garnett, in regem Briefwechsel, und Garnett hat bei seinem Tode 1932 feine Sammlung dem Freunde in Neu-Seeland vermacht. Reeds Dumas Sammlung ist jetzt die weitaus größte, die es außerhalb von Paris gibt; sie wird mit ihren über 2000 Nummern dereinst ihre dauernde Stätte in der öffentlichen Bibliothek von Auckland finden.

Zeitschriften.

Die Kunst, Monatshefte für Malerei, Pla­stik und Wohnkultur. Verlag F. Bruckmann AG., München. Die Zeitschrift bringt in ihrem Januar­heft einen reich illustrierten Aufsatz über den eigen­willigen und starken Tiroler Monumentalmaler Albin Egger-Lienz, lieber die Begegnung Spitzwegs mit Leibl plaudert Georg Jakob Wolf. Von ge­hobenen Schätzen erzählt Dr. W. Schürmeyer und gibt dazu auch interessante Bilder von solchen Fun­den. In vielen Abbildungen und Grundrissen sieht man bann ein Münchener Haus Professor Abels, das in der Tat einHaus in der Sonne" ist, so glücklich ist es orientiert und aufgeteilt. Bilder von praktischen Derwandlungsmöbeln, Leuchtern, Tep­pichen und Hausgärten beschließen den Inhalt des vielseitigen Heftes