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Treppe zu seinem Garderoberaum hinauf- oder hin­unterzusteigen.

Wer zählt die Stunden immer wiederkehrender Proben, der Gelenkigkeitsübungen, die Tag um Tag auch der routinierteste Artist vornehmen muß? Ich habe Gnrico Rastelli gut gekannt, bin ihm oft begegnet in Berlin, Hamburg, London, in Zürich und 'm Wien. Ob ich ihn vormittags traf, kurz nach dem Mittagessen, eine Stunde vor dein Auftritt, ja, auch dann/ wenn das Orchester bereits die Einlei­tungsmusik für seineNummer" spielte, nie sah ich Rastelli anders als mit Bällen, mit Stäbchen jong­lieren, in einem Training, das wahrhaftig ohne Pause war

Ich entsinne mich an einen Abend im Hansatheater Hamburg, als ich in der Garderobe von vier Mu- sikal-Clowns saß und einen von ihnen tröstete, der persönliche Sorgen hatte. Plötzlich klopfte es an der Tür, Rastelli kam herein, radebrechte sein Beileid und hockte sich auf den Schminktisch, strich dem Clown mit der Rechten zart und gütig über den Kopf Keiner von uns hat es als störend empfunden, keiner den Ernst von Rastellis Mitgefühl angezwei­felt deswegen, weil des Jongleurs Linke zwei Balle bewegte, und ein dritter auf der Spitze des vorge­stellten Fußes selbständig weiterwippte

Rastelli ist ein guter Artist, er kommt am Mor­gen als erster zur Probe und arbeitet immerzu", sagte mir einmal ein alter Bühnenportier, der seine Leute keineswegs nach der Höhe ihrer Gagen ein­schätzte. Und ich muß an dieser Stelle auch den Aus­spruch eines sehr feinsinnigen Theaterkritikers wie­derholen, der sich über die Artistenwelt ungefähr so geäußert hat: Hier ist der unverdorben echte, sieg­hafte Mensch, Kraft und Anmut, Witz und Tapfer­keit. Dazu eine Kunst, die vonKönnen" kommt

,9eü jungen Dessauers große Liebe/' ' Der Stoff dieses neuen Ufa-Films ist hinlänglich bekannt. Wir haben ja erst vor kurzem die Operette Anneliese von Dessau" im Theater gehabt, tue genau die gleiche Fabel behandelt. Und ebenfalls vor nicht langer Zeit hat Friedrich von Oppeln- Bronikowski an dieser Stelle im Zusammen­hang mit dem Film den geschichtlichen Umriß der Gestalt des Fürsten ausgezeichnet. Es ist nun im Film wie in der Operette: man muß sich von den landläufigen Vorstellungen, die sich zwanglos ein­stellen, ein wenig frei machen. Freilich gibt auch hier die altpreußische MelodieSo leben mir, so leben wir " das musikalische Leitmotiv der Handlung ab, aber Leopold ist eben hier nicht derAlte Des­

sauer", dessen Bild uns gemeinhin geläufig ist, nicht so sehr der klassische Exerziermeister, der den Gleich­schritt und den eisernen Ladestock bei der Infanterie einführte, sondern eben der junge Dessauer, jugend­licher Draufgänger, getreuer Liebhaber und Held einer romantisch klingenden Herzensgeschichte mit der hübschen Apothekerstochter Anneliese Foese. Kabale und Liebe in der kleinen Dessauer Residenz aber mit gutem Ausgang: das ist der Grundton, auf den der Film gestimmt ist. Das Drehbuch von Ph. L. M a y r i n g und B. E. L ü t h g e bedient sich der gleichen dankbaren Motive und Konflikte wie das Libretto der Operette. Eduard K ü n n e f e schrieb eine Musik, deren kriegerischer Rhythmus von einigen zärtlichen Melodien im Stile der Zeit heiter unter­brochen und kontrastiert wird. Arthur R o b i s o n führt Regie; ihm dienten offenbar die großen Hi­storien und Staatsaktionen der Ufa, vor allem die unterschiedlichen Fridericus-Filme zum Vorbild: er bringt eine große Ausstattung, viel historisches Ko­stüm und Uniform, läßt idyllische und repräsenta­tive Szenen, Massenaufzüge und intime Einzelbilder, Heiteres und Ernsthaftes geschickt ineinanderfließen; außerdem verfügt er über ein großes und gewähltes Ensemble Leopold von Dessau ist Willy Fritsch, er bemüht sich, die (Erinnerung an seine ehemaligen Lustspiel- und Operetten-Helden zugunsten eines se­riösen Eindruckes vergessen zu lassen: er gibt den Fürsten frisch unbekümmert, gradezu, ehrlich und herzlich, und man kann sich vorstellen, daß der schnauzbärtige Alte in seiner Sturm- und Drangzeit ungefähr so dahergekommen ist. Ein neues Gesicht: Trude Marlen; sie führt sich mit der Apothekers­tochter nicht übel ein und gibt ein hübsches, coura­giertes Bürgermädel, das Herz, Mundwerk und Singstimme auf dem rechten Fleck hat. Ida W ü st als Fürstin-Mutter hat es nicht ganz leicht, ihre angeborene Schalkhaftigkeit hinter mütterlicher Würde und Strenge zu verstecken; scharmant ist ihre Szene mit dem Kaiser in Wien: ihn gibt Hör­biger. unter der Allongeperücke mit habsburaischer Leutseligkeit und Unfeierlichkeit. Alice Treff: die Prinzessin Marie von Hessen, die von der Gegen­partei vergeblich ins Feuer geschickt wird, als ein kokette« und galantes Persönchen. Tiedtke macht den allen Foese mit büraerlichern Ernbonpoint und bärbeißiger Ehrbarkeit. Wir nennen noch Gustav Waldau (Chalisac), Speelrnans (Sergeant), Alexander Engel (Kandidat Schmitt) und Meye - r i n ck (Graf von Otjrinoen). Im Beiprogramm sieht man u. a. die neue Wochenschau den Vorinann zurStimme der Liebe" ^Wittrisch und Maria Geling) und einen hübschen Tierfilm der Ufa.

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Kleine Verwechslung.

George G r o s s m i t h, einer der beliebtesten und originellsten Schauspieler und Humoristen Englands, kann jetzt auf ein ereignisreiches Bühnenleben zu­rückblicken. Einem Menschen wie ihm mußten natür­lich mancherlei luftige Dinge passieren. Er erzählt selber immer wieder gern die Geschichte eines Freundes aus Nord-England, der eigens nach London kam, um .George Grossmith in derGaiety" in dem LustspielDie Sturmschwalbe" spielen zu sehen. Eines Vormittags bekam er den Besuch dieses Freundes aus dem Norden, der sich sehr er­staunt zeigte, daß der Schauspieler lustig und guter Dinge war.Ich dachte, du wärst krank. Ich war gestern abend im Theater. Du warst aber nicht auf der Bühne. Auch Gerti Millar fehlte. Uebrigens in dem ganzen Stück nicht eine Note Musik, lieber» Haupt, die tollste Sache, die ich bisher gesehen habe. Ich mußte nachher eine halbe Stunde Bridge spie­len, um mich wieder in Ordnung zu bringen/* Grossmith war erstaunt.Bist du denn auch in das richtige Theater gegangen?" fragte er.Ja, es war die ,Wildente^ von so einem Mann mit dem Namen Ibsen."Aber, Menschenskind, ich spiele doch in der ,Sturmschwalbe<."Siehst du, ich wußte doch, daß es was mit einem Vogel zu tun hatte."

OerFlitterwochen"-Monat in Margate

Die Behörden vor Margate, einem der bekannte­sten Kur- und Badeorte im Südosten Englands, bei absichtigten die Durchführung einer Einrichtung, hi, von vielen Heiratslustigen gewiß mit Freuden bei grüßt und die vielleicht auch manche Nachahmung finden wird. Margate wird im Juni dieses Jahre, einenFlitterwochen-Monat" haben Während die­ser Zeit erhalten alle iungoerheirateten (Ehepaare Vergünstigungen aller Art; sie brauchen keine Kur- tare zu zahlen können an den sportlichen und ge­selligen Veranstaltungen zu stark ermäßigten Prei­sen teilnehmen und werden in dieser Zeit überhaupt wie Ehrengäste behandelt, um die sich das ganze Kurleben in liebenswürdiger Weife drehen wird. Immerhin darf man einige Zweifel hegen, ob man­ches frischgebackene Ehepaar die Flitterwochen n-cht lieber fernab von dem Treiben eines großen See­bades verbringen wird, denn die größte Vergünfn» gung, die man ihm gewähren könnte, die Abgeschie­denheit und das Alleinsein, können Plätze wie Margate kaum bieten.

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Wochenendflug nach Afrika.

Von unserem Sonderberichterstatter Alfred W Kames

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Tripolis, im Januar 1934.

Es ist heute möglich, das Wochenende, ohne daß einem die Reise auch nur soviel Anstrengung kostet, wie sie im allgemeinen in überfüllten Zügen einer gebräuchlichen Wochenendfahrt angetroffen wird, in einem anderen Kontinent zu verbringen. Die Deut­sche Lufthansa befliegt die Strecke Berlin Rom im Sommer in einem Tag; im Winter legt ne allerdings in München eine Nachtpause ein. Man kann also theoretisch an einem Freitag abflie- gen und ist bann, wenn alles klappt, bereits am Samstagnachmittag in der 4. Stunde im Hafen von Tripolis in Nordafrika. Die Entfernung von Berlin nach Rom beträgt rund 1250 Kilometer und die von Ostia, dem Wasserflughafen Roms, nach Tripolis stellt ungefähr die gleiche Strecke bar. Es ist ungefähr b e r s ch ö n st e' Flug, ben man In der Welt überhaupt zurücklegen kann. Er führt über das deutsche Mittelgebirge, die bayerische Seenplatte, die dem Bergland vorgelagert ift dann über die Kette der Drei-Länder-Alpen, Venedig, die Adria, quer durch den Apennin, die Windungen des Tiber immer wieder überschneidend zur Ewigen Stadt und von dort an der Küste entlang nach Ne­apel. In einem unvergeßbaren Meeresflüg am Ve­suv, dem rauchenden Stromboli vorbei durch die Straße von Messina, den Aetna und Siziliens herr­liche Landschaft grüßend, führt er weiter nach dem historischen Syrakus und in zwei großen Sprüngen über das englische Malta nach Lybiens Hauptstadt.

Wenn alles klappt ..

rc r Auschistischen Zehnjahresausstellung mit 70 v. H. Ermäßigung gewährt und außerdem noch allerlei andere Verbilligungen bringt. Auch wenn man auf

.Rückfahrt verzichtet, hat man noch immerhin 20 Prozent Nachlaß auf die einfache Fahrt.

Strömender Regen in Rom. Kalt und unfreundlich ist es, so gar nicht der Vorstellung vom sonnigen Süden entsprechend. Dazu sind die Hotels überfüllt. Früh um 6 Uhr steht man naß und frierend an der P^zza Colonna, den Autobus nach O ft i a erwar- tenö, aber ohne viel Hoffnung, daß der Wettergott ein Einsehen haben wird. So klettert man eine Stunde später frierend und wenig ausgeschlafen, aber doch beglückt in den Bauch des Wasserflug­zeuges, das wie eine vorsintflutliche Wespe seine , farbigen Flügel streckt und mit tosendem Gebrumm I an seiner Kette zu zerren beginnt.

1 Es fleht los! Von der berühmten Bläue des Tyr­rhenischen Meeres ist nichts zu erblicken. Noch kämpft die Nacht mit dem heranbrechenden Tag. Alles ist grau in grau. Dann aber steigt die Sonne aus dem Meere auf. Es wird hell und licht um uns. Durch die kleinen Bullaugen sieht man das sanfte Gelb des Latinischen Strandes, N e 11 u n o, offen­sichtlich in den letzten Jahren erheblich ausgebaut, gleitet, in warmes Grün gebettet, unter uns dahin.

i Trotzig liegt auf einem Fels im Meer ein altes Ka­stell, offenbar eine jener Burgen, die einst Piraten als uneinnehmbare Nester dienten. Weit überblickt man das Gebiet der Pontinifchen Sümpfe, im Hin- | tergrunb begrenzt von Bergketten, um die sich der 1 Nebel ballt. Hier hat vor einigen Jahren die faschi­

stische Kolonisierung eingesetzt, und es ist kaum vor­stellbar, welche großen Erfolge sie schon in so kurzer Zeit erzielte. Die neuen weißen Häuschen, die deut­lich erkennbaren Entwässerungsanlagen, die systema­tisch aufgeteilten Anbauflächen und schließlich die buchstäblich aus dem Sumpfboden hervorgezauberte Stadt Elena können wir von hier oben gut über­blicken. Dann schwebt das Flugzeug über dem Golk von Gaeta Schneebedeckt grüßen die, Felsenspitzen des Vorgebirges herüber Immer näher tritt es an die Küste heran und bald läßt es keinen Raum mehr für Straße oder Siedlungen.

Neapel sehen und dann sterben" dieses so oft gebrauchte Sprichwort gewinnt auf einmal eine überzeugende Bedeutung Man hat nicht genug Augen, um al? das Schöne schauen zu können

In gewaltigem Schwung öffnet sich die Bucht, am Horizont begrenzt von den Kalkfelsen Sorrents und der aufgereckten Silhouette Capris. Das Häusermeer Neapels strahlt das Gold der Sonne und das Blau des Meeres wider. Villen grüßen von den Hügeln und die schlanken Pinien schauen wie sehnsüchtige Frauen auf das Meer hinaus. Heber allem steht beherrschend, schneebedeckt mit abgehackter Kuppe der Vesuv, dessen Rauchfahne langsam und träge im Blau des Himmels hin- und herschwingt.

Die halbe Stunde Aufenthalt im Hafenbassin vor dem grauen Kastell genügt gerade, um mit einer Zigarette ein wenig das aufgeregte Herz zu beru­higen. Dann trinken die Augen schon wieder neue Schönheiten. Stundenlang schwebt man über den Wassern dahin. Dann auf einmal mitten im Meer taucht der rauchende Stromboli auf, zeigen sich wie graue Flecken im azurnen Blau die Liparischen In­seln, die dem faschistischen Regime als Derbannungs- ort dienen. Schmal und langgestreckt steigt d i e Küste Siziliens auf. lieber die neue Stadt mit

Schon in München sieht es so aus, als wollte einem der Wettergott einen bösen Strich durch die Rechnung machen. Dicker gelber Nebel liegt über dem weiten Flugplatz. Es ist kaum zu glauben, daß der Start doch vor sich geht. Ein eigentümliches Gefühl, zwischen gläsernen Wänden zu sitzen und nichts, rein gar nichts draußen erkennen zu können! Das Flug­zeug schraubt sich hoch. Jetzt hat es die Nebeldecke durchbrochen und segelt hinein in goldenes Sonnen­licht. Es ist als wäre man in die Gefilde der Seli­gen gekommen.

Und dann strahlt die Alpenkette auf; Wan­derwege, die man so oft beschritt, Berggipfel, die man mühsam erklomm, grüßen von unten herauf, von einem weichen, weißen Schneegewand umhüllt. Von hier oben gesehen liegt auch Oesterreich in tief­stem Frieden. Die Zugspitze bleibt rechts liegen, und immer näher schwingt sich die vielzackige Kette der Zentralalpen auf uns zu. Schon ist d e r B r e n- ner überflogen. Dräuend starren die dunklen Grate und Abstürze der Stubaier-Alpen herauf, Friaul ist ganz in einem weißen Nebel versun­ken. Dann gehts hinein in das Felsengewirr der Dolomiten, über den Rosengarten hinweg, der hier mit rotglühenden Bergspitzen seinem schönen Namen doppelte Ehre macht. Kampsgelände des Weltkrieges, das nun wieder in grauen Nebelschlei­ern versinkt.

Der Flugzeugführer manöveriert. War der Start schwierig-, so ist die Landung doppelt schwer und wohl auch gefahrvoll. Aber die wackere Maschine schaffts. Mit sanftem Gleitflug setzte sie auf dem vorgesehenen Platz im Flughafen des Lido von Venedig auf. Nur schattenhaft erblickt man von hier die berühmte Silhouette der Adriakönigin.

Wenn alles klappt ...

Der Wettergott macht doch noch seinen Strich. Der Nebel wird immer dichter und der Flug nach Rom muß deshalb ausfallen. Ein ratterndes Mo­torboot bringt uns zum Markusplatz und von dort einVapore" zur Station St. Lucia. Zum Glück gibt es einen Zug, der Rom noch am gleichen Abend erreicht. Und es gibt sogar eine Möglichkeit, die die Fahrt erheblich verbilligt. Die großangelegte Ver­kehrs- und Reisepolitik Mussolinis hat u. a. das sogenannteFaschistenbillet" geschaffen. Das ist ein Fahrscheinheftchen, das von jedem Punkt Italiens aus die Hin- und Rückfahrt nach Rom zum Besuch

Das Treffen der Mer des Pour le merite.

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In Berlin kamen 160 Ritter des Ordens Pour le merite zusammen, um am Geburtstag Friedrichs des Großen, des Stifters dieser höchsten preußischen Kriegsauszeichnung, an der Gruft des großen Königs in der Garnisonkirche zu Potsdam einen Kranz niederzulegen. Unser Bild zeigt die Versammlung der verdienten Heerführer während der Begrüßung durch General von Witzleben. Von rechts nach links: Generäl von Loßberg, General von Walter, General Eberhard, Admiral v o n L a n z, General von Horn und Generaloberst Heye.

Artisten arbeiten.

Von Paul Eipper

Beifall und Tusch: der Vorhang fällt, hebt sich so­gleich wieder: eine neueNummer" tritt auf, wird üon der dritten, vierten abgelöst. So gehl es weiter, zwei Stunden lang, fast ohne Pause.

Das Variete-Theater ist die Stätte der mannig­faltig bunten Darbietungen, ist in Rhythmus und Tempo ein wahrhaftiges Spiegelbild des zwanzigsten Jahrhunderts, Entspannung für unfern Alltag und Ansporn zugleich. Denn, so verschiedenartig die Dar­bietungen auf solch einer Spezialitatenbuhne sind in einem gleichen sie sich alle, in der Ernsthafligkei ber Leistung, im Einsatz der ganzen Kraft; ledesmal und in jeder Sekunde.

Wenn der Schauspieler, der Sänger, Musiker oder Filmkünstler im Scheinwerferlicht erscheint, sagt nian: er tritt auf, er spielt. Der Artist dagegen me - def ich arbeite! Nirgendwo unter Künstlern herrscht ar öftere Selbstdisziplin als bei ihm, markieren gibt ?s auf keinem Variete; das 697. Auftreten mutz thenin fauber ebenso vollkommen ein, wie die Pre- S; .benn ätbenb für Abend bei jeder Verstellung steht unsichtbar neben dem Artisten der Toir Eine Keine Nachlässigkeit, ein Augenblick des Nicht-bei- ber-Sache-Seins", und Der Partner, der Leben und Gesundheit im Vertrauen auf die Kameradschaft be­dingungslos in die Hand seines Kollegen gab. stürzt, ieitzt den Urheber ins Unglück mit

Wer von den vielen tausend Varietebeluchern die cllabendlich die Theater der großen Städte füllen, die über ein komisches Turnerpaar lachen, einer ckrobatischen Tänzerin Beifall klatschen, den Salto Mtaunen, den der Seil pnnger oben auf dem schwankenden Stahldraht dreht: wer von ihnen allen chnt, welche Unsumme anstrengendster Fleißarbeit law gehört, bis der Sprung in seiner ganzen Leich- itgteit' unfehlbar sicher gelingt; wieviele Opfer ei futer Artist immerzu bringen mutz, um seine Ner icn, seine Muskeln, seinen ganzen Körper in dieser Vollkommenheit leistungsfähig zu erhalten.

Zehn bis zwölf Minuten dauert der Auftritt, und nenn dann der Artist lächelnd hinter dem Borhang erschwindel, mag mancher Zuschauer denken, daß stich ein Mensch sein Geld leicht und schnell verdiene^ Ach möchte das Publikum einmal hinter die Szene sthen lassen, möchte ihm zeigen, daß dieses l^adlende Lächeln nichts ist als eiserne Disziplin, und daß der lErtift schweißüberslrömt, ausgepumpt irgendwo auf (inen Stuhl sinkt, um das Zittern seiner Muskeln etwas abebben zu lassen. Er ist zunächst unfähig, Die

Donnerstag, 25. Januar 1934

schnurgeraden Straßen, quer über Messinas nach dem letzten schrecklichen Unglück in unablässiger Arbeit zäh wieder aufgebautes Dasein hinweg geht der Flug durch den Engpaß der Wasierslraße. Lang­sam tritt das italienische Festland zurück, uns aber immer noch eine geraume Strecke mit einem grauen Schattenriß begleitend.

Die Augen suchen die berühmten Orte zu erken­nen. Dort muß Taormina liegen, die Sehnsucht al­ler Schönheilssucher. Grün sind die Hänge, gelb der Strand, braun das Massiv der Felsen, die sich höher und höher türmen. Wir schneiden die Bucht von Catania, haben plötzlich wieder eine kurze Nebelstrecke zu durchfliegen und gehen dann in strahlendem Sonnenlicht in Syrakus nieder.

Weiler gehts. Wieder ist nur Wasser und Himmel um uns. Die Küste Siziliens ist längst hinter uns versunken. Auf einmal scheint voraus ein Viereck im Meer zu liegen. Es wird größer und größer und

Oie NSV.

will ein gesundes Volk schaffen.

Denke an dein Kind, werde Mitglied!

je näher wir ihm kommen, um so zackiger zersplit­tert es sich. Das ist Malta. Da hat man die Vorstellung von einer dunklen stickigen Festung, einer Art mittelalterlichen Burg, an deren Mauern noch das Blut unzähliger Kämpfe klebt, die in Jahr­hunderten über diese Insel hinweggegangen sind. Und was man sieht, das ist ein liebliches Eiland mit weiter baumloser (Ebene, mit unzähligen Kirchen und mit Wein- und Blumengärten. Vom Flugzeug aus erschaut man mehr als der Erdenwanderer sehen kann. Da sieht man Wasseradern unter der Erdkruste und Untiefen im Meer. Aber manchmal mag der Blick vom Himmel her auch täuschen. So auch hier. Das ist alles so licht und froh und so freundlich und doch lauert Dunkel hinter diesem Licht. Immer noch spielen sich Kämpfe hier ab, unblutig zwar, aber darum nicht weniger fanatisch und verbissen. Englands Hand lastet schwer auf dieser Insel ...

Im Gleitflug gehl unser Flugzeug hinter der mächtigen weil ausholenden Mole des Hafens von Tripolis nieder und schon umfängt uns Lärm und Geschrei der anderen Welt ...

Veränderungen im Stabe der Landesbauernschaff.

LPD. Frankfurt a. M., 23. Jan. Der bis­herige Hauplftabsleiter der Landesbauernschaft Hes­sen-Nassau, Oberlandwirlschaflsral Dr. Richard G ä r l a ch , ist mit sofortiger Wirkung zum Reichs­kommissar für das landwirtschaftliche Schulwesen ernannt worden. Als sein Nachfolger wurde vom Landesbauernführer Dr. Wagner der seitherige Slabsleiter der Landeshauplableilung II, Oberland­wirtschaftsrat Dr. Otto Finger, ernannt. Der bisherige Tierzuchtdireklor Dr. Rodert wurde zum Stabsleiter der Hauptabteilung II der Landes­bauernschaft Hessen-Nassau ernannt.

Eingliederung der landwirtschaftlichen Vereinigungen in die Landesbauernschast.

LPD. Darmstadt, 24. Jan. Der Landes- bauernführer Dr. Wagner hat eine Anordnung auf sofortige Eingliederung der land­wirtschaftlichen Vereine, Vereinigungen und Fachverbände innerhalb des Gebiets der Lan­des-Bauernschaft Hessen-Nassau in den Reichsnähr­stand erlassen. Inwieweit die landwirtschaftlichen Vereine, Vereinigungen und Fachverbände in den Reichsnährstand einzugliedern, anzugliedern ober aufzulösen sind, bleibt späteren Entschließungen vor­behalten.