der dritte Teil der ganzen Bevölkerung ist in Wien zusammengedrängt, das viel von seinem einstigen Glanz eingebüßt hat. Die Finanzkräfte des Landes sind schwach, die Kosten einer schwerfälligen Verwaltung sind daher umso empfindlicher. Um sich wenigstens notdürftig über Wasser halten zu können, hat die Regierung widerholt Anleihen ausgenommen, die sie von den Geldgebern nicht nur wirtschaftlich, sondern noch viel mehr politisch abhängig machten, und doch nur Tropfen auf dem heißen Stein waren. Das Elend in den Städten, besonders in Wien hat bedrohliche Formen angenommen. Die Bemühungen, Ersatz für die deutschen Reisenden zu schaffen, haben sich als hoffnungslos erwiesen. Die Landwirtschaft ist der Konkurrenz der viel billiger produzierenden Nachbarstaaten nicht gewachsen und kämpft schwer um ihr Dasein.
Uns Reichsdeutschen kann und darf das tragische Schicksal des Bruderstammes in diesem Lande, das so kerndeutsch ist, so reich an Kulturschätzen und so treu im nationalen Denken, nicht gleichgültig sein. Im Weltkriege haben die Oesterreicher schwerste Blutopfer für die gemeinsame deutsche Sache gebracht, das wird ihnen nicht vergessen. Wir halten auseinander: das österreichische Volk und eine kleine Schicht despotisch Regierender, unterstützt von einem politisierenden Klerus. Wir wissen wohl, was in Wahrheit die Wiener Parole „ein unabhängiges Oesterreich", mit dem das Volk gewonnen werden soll, bedeutet. Es heißt, ein Land, das nicht leben und nicht sterben kann, ein Land, das vor allem den großdeutschen Gedanken preisgibt. Es ist ein falsches Spiel, das in Wien getrieben wird, ein Spiel, das uns sehr angeht, denn es geht um einen Teil des deutschen Volkes. Oesterreich ist die Lücke in der Einkreisung Deutschlands und der Keil in den deutschfeindlichen Osten. Es ist der deutsche Gebirgsriegel nach dem Süden, aber auch die Brücke nach dem wirtschaftlich so wichtigen Balkan. Das wissen die Gegner Deutschlands sehr genau. In einer an deutsch- seindlichen Intrigen so reichen Zeit kommt es für die Außenpolitik darauf an, überall den Verdächtigungen entgegenzutreten, als trachte das Deutsche Reich nur nach einem Vorwande, um sich Oesterreichs zu bemächtigen, wie man es immer wieder in französischen und englischen Zeitungen liest. Davon kann gar keine Rede sein, aber es gehört schon kaltes Blut und große Beherrschung für das deutsche Volk dazu, tatenlos zusehen zu müssen, wie ein deutsches Brudervolk schwer um sein Dasein ringt. Wir zweifeln nicht daran, daß die nationalen Ocsterreicher nicht eher vom Kampf ablassen werden, bis sie ihr Ziel erreicht haben, mag es auch noch eine Weile dauern.
Oer Giaviskyskandal.
Guebin einer der Hauptdrahtzieher.
' Paris, 25. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der Vollzugsausschuß der Radikalen Partei hat beschlossen, den Ausschluß des radikalen Abgeordneten Bonnaures zu beantrag en. Bon- naures ist in den Staoisky-Skandal verwickelt. Die Kammer hat seine parlamentarische Immunität bereits aufgehoben. Mitglieder der Action F r a n - oaise drangen am Mittwochnachmittag in den P a r i s e r I u st i z p a l a st ein, wo sie Flugschriften verteilten und lärmende Kundgebungen veranstalteten. Einem Mitarbeiter des Unterrichtsministers de M o n z i e, der zufällig in den Wandelgängen des Justizpalastes erschien, wurde übel mitgespielt. Mehrere Anwälte, die im Stavisky- Skandal eine regierungsfeindliche Haltung eingenommen haben, benutzten die Gelegenheit, um dem Angegriffenen heftige Vorwürfe zu machen. Der lebhafte Wortwechsel hätte fast zu Tätlichkeiten geführt.
Der verhaftete Direktor der Versicherungsgesellschaft „Consiance", G u 4 b i n, soll nicht nur mit Stavisky unter einer Decke gesteckt haben, sondern sogar einer der Anstifter der Betrugsaffäre gewesen sein. Guebin soll die Anweisung gegeben haben, in Bayonne für mehrere Millionen Franken falsche Kassengutscheine auszustellen, die er, Guebin, dann bei Banken und Versicherungs- gssellschaften untergebracht habe. Guebin habe jährlich 60 000 Franken als Direktor seiner Versicherungsgesellschaft verdient, aber monatlich 12 0 0 0 0 ausgegeben. Im Anschluß an eine Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Handelsminister sind im Zusammenhang mit dem Staoisky-Skandal der Generalinspektor für bas Kreditwesen im Handelsministerium, Delamarche, und ein st e l l v e r t r e t e n d e r Abteilungsleiter desselben Ministeriums vor den Disziplinarrat bestellt worden. Beide Beamte haben ihre Amtstätigkeit sofort einzustellen. Der Taxator des Bayonner Leihhauses, Henri Cohen, wurde verhaftet. Er soll Schmucksachen, die höchstens 39 500 Franken Wert hatten, zur Beleihung mit 1 800 000 Franken abgeschätzt haben. Cohen erklärt, die ihm jetzt vorgelegten Schmucksachen seien nicht mit denjenigen identisch, die ihm seinerzeit zur Abschätzung ooraeleqt worden waren.
Deutscher Sieg im Kairoer Zuden- prozeß.
. ® a,' r °/ 24. Jan. (DNB.) Der Internationale Ge- richtshof hat heute mittag unter atemloser Spannung der dichtgedrängten Zuschauermenge die Klage der Weltliga zur Bekämpfung des Antisemitismus als unzulässig ab gewiesen. Der Kläger wurde außerdem zu den Kosten des Verfahrens verurteilt.
Der staatliche Vertreter Aegyptens beim Gemischten Gericht kennzeichnete die Schwächen der Klage und kam ebenso wie die deutsche Verteidigung zu dem Endergebnis, daß die von der Weltliga angestrengte Klage vollkommen haltlos sei. Die ägyptische Regierung hätte ohnehin gegen die aufklärende Broschüre des Deutschen Vereins eingegriffen, wenn der Inhalt irgendwie strafbar oder beleidigend gewesen wäre, so daß es des Eifers der Welt- laga gar nicht bedurft hätte.
Kirchliche Feiern am 30. Januar.
t Berlin, 24. Jan. (DNB.) Der Reichs- b l f ch o f Hat, wie der Evangelische Pressedienst mitteilt, an die Landeskirchenregierungen folgenden Erlaß gerichtet:
Am 30. Januar 1934 istderJahrestagder BerufungunseresFührerszumKanz- I e r des Deutschen Reiches. In Dankbarkeit gegen Gott gedenkt das deutsche Volk an diesem Tage ganz besonders der Rettertat Adolf Hitlers. Ich rege deshalb an, daß am Dienstag, 30. Januar 1934, in den Kirchen Abendgottesdienste stattfinden, die der Bedeutung dieses Tages Rechnung tragen.
Fahnenweihe der Hitlerjugend am Grabe Friedrichs des Großen.
In Treue zum Führer wird die Jugend Pionier der Gemeinfchastsidee sein, die zum neuen Deutschland führt.
Die Weiherede des Reichsjugendführers.
Potsdam, 21. Jan. (DNB.) In der Garni- s o n k i r ch e wurden am Mittwoch an der Gruft des großen Königs die 342 Bannfahnen der Banne der Hitlerjugend von dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach geweiht. Unter den Gästen bemerkte man u. a. die Reichsminister Dr. Goebbels, Dr. Frick, von Blomberg, Stabschef Röhm, den Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, Admiral Raeder, Reichsbifchoff Müller und den Polizeipräsidenten Graf Helldorf. Das Innere des Gotteshauses war mit den Fahnen des neuen Deutschlands und mit den alten historischen Fahnen geschmückt. Nachdem auf der Orgel eine Fantasie zum Lied der Hitlerjugend „Die Fahne flattert uns voran" vorgetragen war, hielt
der Reichsjugendführer Baldur von Gchirach
die Weiherede. Er führte u. a. aus:
Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte steht die geeinte Jugend an der Gruft unseres größten Königs. Es ist nur wenige Tage her, da waren wir in Weimar Zeugen eines für uns alle gewaltigen Erlebnisses. Dort trafen sich die Bauern des Reiches zum Bekenntnis ihrer Einheit. Weimar und Potsdam, die beiden Pole des ewigen Deutschtums, haben in diesen Tagen eine neue tiefe Symbolik erhalten. Die jetzt noch verhüllten Fahnen der Hitlerjugend sind die Zeichen einer Revolution, die von Bauern und Arbeitern erkämpft wurde. Sie dienen darum dem Bestand des Werkes, das diese treuesten Söhne der Nation geschaffen haben. Sie sollen niemals gebraucht werden für die Interessen einer Schicht und einer Kaste, noch einer Krone, sondern des ganzen Volkes und des Führers, der dieses Volk zusammenschloß.
Heute vor zwei Jahren wurde der Hitlerjunge Herbert Norkus von marxistischen Verbrechern auf furchtbare Weise ermordet. Herbert Norkus war das Sinnbild der jungen Generation. An seinem Geist hat sich nicht nur eine ganze Jugend erhoben, sondern auch alte Menschen fanden im Gleichnis seines Lebens die Kraft zu neuer Hoffnung. 21 starben, und wenn wir „Norkus" sagen, meinen wir heute nicht mehr diesen einzelnen Jungen, sondern jene Formation, die ich einmal die „u n st e r b l i ch e Gefolgschaft" genannt habe. Der Totalitäts- und Führungsanspruch, den die Hitler-Jugend innerhalb der deutschen Jugend erhebt, ist in diesem Toten begründet. Sie geben uns das Recht, den Nachwuchs des Volkes in unsere harte Zucht zu nehmen. Schon vor dem 30. Januar war die Hitler-Jugend die größte deutsche Jugendorganisation, und wenn das System von Weimar verzweifelte, so nicht zuletzt darum, weil Adolf Hitler bereits zu der Zeit, als er noch nicht die politische Majorität besaß, den größten Teil der deutschen Jugend hinter sich gebracht hatte.
Wenn ich das Programm in der kürzesten Formel umreißen sollte, dann würde ich sagen: Wir haben die ganze Jugend zu Herbert Norkus hinzuführen. Damit ist das Wesen dieser für die Welt rätselhaften Jugendorganisationen enthüllt. Sie ist heroisch, und weil sie heroisch ist, ist sie die Erfüllung der Sehnsucht der Besten unserer Jugend. Wir meinen nicht ein Heldentum, das mit der Waffe zu tun hat, und keiner mißversteht uns mehr, als der, der von uns behauptet, wir führten diese Jugend zu kriegerischem Handwerk.
Die Herren Pädagogen haben uns immer die Vorsicht empfohlen, aber wir dachten an die Ehre und bekannten uns zu ihr. Darum haben auch die Pädagogen kein Recht auf diese Jugendbewegung. Der Niedergang unseres Volkes und damit das unverschuldete Elend unserer Jugend war nur möglich, weil Klassen- und Kastengeist das Volk vernichtet hatten. Das wahre Erlebnis des Volkes haben unsere Väter und Brüder gehabt, die in den Schlachten des Weltkriegs die Geburtdes deutschen Sozialismus erlebten. Wenn man im Zusammenhang mit dem deutschen Zusammenbruch von Schuld reden will, dann darf man nicht nur die angreifen, die als Meuterer den Dolchstoß verübten, sondern man muß auch die Kreise schuldig sprechen, die kein Volk mehr kannten, sondern nur ihre sogenannte gute Gesellschaft. Wenn man von guten alten Zeiten spricht, so meinen wir, diese Zeiten seien sehr schlecht gewesen. Ein Deutschland, in dem der deutsche Arbeiter nicht wirklich zu Hause ist, ist für uns kein Deutschland. Die Geburt ist kein Vorrecht, sondern eine Vorpflicht, und wer Vorrechte besitzen will, der darf sie nur b u r cf) Leistung erwerben.
Da Deutschland an den Klassen zugrundeging, können wir es nur durch Gemeinschaft wieder aufbauen. Die Jugend ist gemäß dem Befehl ihres Führers Adolf Hitler Pionier dieser Gemeinschaftsidee. Sie ist Tag für Tag bestrebt, diese Idee in die Tat umzusehen. Wir haben das Jahr 1933 dazu benutzt, um in diesem Geiste zu wirken. Alle marschieren heute in einer Front. Alle kragen das gleiche Hemd. So steht das junge Deutschland wieder über Ständen, Klassen und Konfessionen hinweg in einem großen Bunde zusammen.
So wurde die Hitlerjugend die größte Jugendorga- nrsation der Welt. Je mehr die uns anoertraute Jugend alles Trennende überwindet, um so mehr können wir alle Gefahren bannen. Aus Öiefern Grunde dulde ich in der mir anvertrauten Jugend meöer konfessionellen Streit, noch Vertretung irgendwelcher Sonder- Interessen, besonders aber keinerlei Propaganda für irgendeine bestimmte Staats form. Ein Bekenntnis zu Potsdam ist zugleich em Kampfruf gegen die Reaktion, d. h. gegen jene bürgerliche Dummheit, die das Alte nur deswegen lobt, well sie das Neue nicht sehen will.
Die Jugend fühlt sich nicht mit den Einrichtungen verbunden, sondern mitPersonen, und zwar solchen Personen, die atemberaubende Ideen verkörpern. Das Volk ist unvergänglich, der Staat wandelt sich. DerFühreristdie Verkörperung des Volkes. Darin liegt seine weltgeschichtliche Bedeutung. Wenn diese Jugend vor allem den Führer verehrt, so ergibt sie sich damit dem Deutschtum überhaupt. Weil Deutschland nichts notwendiger braucht als Treue, Treue und nochmals Treue, deswegen sage ich „Sieg dem
F ü h r e r!“ auch in dieser Stunde.
Ich sage es »in Eurem Namen, meine Kameraden, die Ihr hier auf den Bänken der alten Garnisonkirche in Potsdam zusammengekommen seid, und sage es für Euch, Ihr jungen Millionen. Ihr alle versteht mich, wenn ich ausspreche, daß wir kein größeres Erlebnis haben als das dieses Führers, der ein unbekannter Arbeiter war wie viele in unseren Reihen, die für Deutschland gestorben sind. Vor mir stehen die 342 neuen Fahnen der Hitler-Jugend. Der Adler Friedrichs des Großen ist auf diese Fahnen geheftet. Das Vermächtnis Friedrichs des Großen weht in ihnen für alle, die der Hitlerjugend angehören. Euer Weg zur Unsterblichkeit führt durch diese Fahnen. Ich weihe sie dem Gedächtnis des großen Toten und für bas Werk des größten Deut-f scheu, der in uns lebt.
Den Mmn desGwßenFriedrich
Nächtliche Feierstunde in Sanssouci.
Nach Beendigung seiner Rede legte Baldur von Schirach an der Gruft Friedrichs des Großen einen Lorbeerkranz nieder. In tiefem Schweigen verließen die Reichsminister und Ehrengäste das Gotteshaus. Dann begann im Lustgarten der Vorbeimarsch vor dem Führer der Hitler- Jugend. Voran die Blutfahne, gefolgt von den übrigen Fahnen der Hitler-Jugend und dem Ehrenbann Brandenburg-Süd. Dann zog der nach Zehntausenden zählende Zug durch die Straßen Potsdams hinaus nach Sanssouci, das, von zwölf riesigen Scheinwerfern bestrahlt, sich vom winterlichen Abendhimmel abhob. Fackelträger hatten auf den Terrassen Aufstellung genommen. Von zwei hohen Kandelabern loderten Feuer auf. Rechts und links des Schlosses, auf dessen Dach die stolze Preußenfahne wehte, nahmen die Bannfahnen Auf
stellung. Dann wurden sie in bas Schloß Sanssouci getragen.
Ehrenwache am Grabe des Hitlerjunge» Herbert Norkus.
Berlin, 24. Jan. (DNB.) Zum zweiten Male jährte sich am Mittwoch der Tag, an dem der 16- jährige Hitlerjunge Herbert Norkus von Kommunisten in roher, hinterhältiger Weise e r st o ch e n wurde. 21 Hitlerjungen starben für Deutschland, fünf allein davon waren Berliner Jungens. Sie sind nicht vergessen, sie leben in der Erinnerung der Kameraden wie Herbert Nor- k u 5 , Herbert Libsch , Hans Hoffmann, Georg P r e i f e r und Walter Wagnitz. Draußen auf dem Johannis-Friedhof ruht Herbert Norkus. Käme- raden feines Banns halten die Ehrenwache. Zahlreiche Blumen schmücken das schlichte Grab, zu i dem seit den frühen Morgenstunden zahlreiche Ka- l meraben bes Toten unb viele Freunde ber Hitler- I Jugenb pilgern.
Arbeitstagung
des Bundes Deutscher Mädel.
P o t s b a m, 24. Jan. (DNB.) Am 24. Januar fanb im Rahmen ber feierlichen Bannfahnenweihe ber Hitlerjugenb bie erste große Arbeitstagung des Bunbes Deutscher Mädel statt. Im festlich geschmückten Sitzungssaal des Potsdamer Stadt- sch lass es hatten sich die Gauverbands-, Obergau - unb Gauführerinnen aus bem ganzen Reiche eingefunben. Als Gäste bes Reichs- jugenbführers waren anwesend ber Stellvertreter bes Reichsjugendführers Nabersberg, der Leiter ber Abteilung Organisation, John, unb der Leiter des deutschen Jugendherbergsverbandes, Ro- d a tz. Die Obergauführerin Inge Petri als Beauftragte der Reichsjugendführung eröffnete die Arbeitstagung, auf der die Arbeit des BDM. für 1934 festgelegt werden soll. In großen Zügen berichtete Inge Petri über die bisherige Entwicklung des BDM., der sich ebenso wie die HI. müfrfam kämpfend aufgebaut habe. Noch vor nicht allzulanger Zeit habe ber BDM. mit seinen HJ.-Kameraben in Lokalen unb auf der Straße für bie Jbee bes Führers werben müssen. Der Reichsjugenbführer habe bas Wort für das kommenbe Jahr gegeben: Schulung unb Vertiefung. — Es folgten Vorträge, bie knapp zusammengefaßt bie einzuhaltende Linie aufzeigten.
Das Staatsbegräbnis des Architekten pavl Ludwig Troost. Zn Anwesenheit des Führers auf dem Münchener Nordfriedhof.
München, 24. Jan. (DNB.) Am Mittwochvormittag wurde auf dem Nordfriedhof in München der große deutsche Architekt Professor Paul Ludwig Troost, der die Pläne zum Haus der deutschen Kunst geschaffen hat, unter großer Anteilnahme ber Bevölkerung zuGrabe getragen. Schon lange vor Beginn bes Traueraktes waren bie Zugänge zum Friebhof dicht umlagert. In ber Aussegnungs- Halle beckte ben Sarg das Banner ber Bewegung. Zu den Füßen des Toten lag ber L o r b e e r k r a n z bes Führers. Eine Abordnung ber SA. hielt am Sarg die Ehrenwache. Am Portal der Halle empfing die Reichsleitung ber NSDAP., der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Nubolf Heß, ferner Reichsstatthalter General Ritter von Epp mit ber bayerischen Staatsregierung ben Führer.
Von ber Aussegnungshalle bewegte sich ber Trauerzug zum freien Platz auf bem Friebhof unter Vorantritt einer SS.-Abteilung mit Fahnen. Dann folgte ber Sarg, besten Bahrtuch bas Symbol ber Partei trug. Unmittelbar bahinter schritt bie Witwe bes Verstorbenen mit besten Bruber unb hinter biefen Reichskanzler Adolf Hitler, bie nächsten Anverwanbten unb Freunbe bes Verstorbenen, bie Reichsleitung unb bie bayerische Staatsregierung unb bie Vertretungen ber Künstlerschaft
Münchens mit Präsibent Bestelmeyr an ber Spitze.
Die Klänge bes „Schicksalsliebes" von Brahms, vorgetragen vom Reichssymphonieorchester unter Leitung bes Kapellmeisters Franz Abam eröffneten bie Feier. Dann sprach Pfarrer D. Wegener über bas Wort: „Ich bin bie Auferstehung unb bas Leben, wer an mich glaubt, wirb leben, wenn er gleich stürbe." Paul Lubwig Troost habe nicht nur zahlreiche Beweise feiner großen Kunst gegeben, fonbern auch mit seinem bas Wesen ber Dinge zwingenben Blick erkannt, baß bie nationalsozialistische Bewegung mehr sei, als ber Drang zu neuen Zeiten, baß es sich vielmehr um bie Gesamtumstellung ber Welt, baß es sich um ein neues Leben für bie Zukunft handele. D. Wegener gedachte bes großen Menschen unb Künstlers, ber vom Führer berufen worben sei, um ber beutschen Baukunst neue Wege zu öffnen. Sein Schöpfergeist habe auch bie Wege gefunben, bie zu bem neuen Ziel führen sollten, in innerer Verbunbenheit mit ber Volksseele unb in innigster Verbunbenheit mit unserer Bewegung.
Unter Vorantritt einer SS.-Abteilung mit Fahnen würbe ber Sarg zu Grabe getragen unb unter ben Klängen bes Horst-Wessel-Liebes ins Grad gesenkt. Gin kurzes Gebet bes Geistlichen beenbete bie Feier.
Erfolge deutscher Konjunkturpolitik.
Gleichmäßige Befruchtung aller Teile der Wirtschaft das nächste Ziel.
Die konjunkturelle Belebung ber Wirtschaft macht von Monat zu Monat weitere Fortschritte. Zwar zwingt ber Winter einige Wirtschaftszweige bazu, bie Arbeit vorüber- gehenb einzuschränken ober gar einzustellen. Davon abgesehen aber regen sich, wie im neuesten Vierteljahrsheft bes Instituts für Konjunkturforschung ausgeführt wirb, überall bie Kräfte in ber Wirtschaft von neuem. Am einprägsamsten finb bie Erfolge ber zurückliegenben Monate auf bem A r - b e i t s m a r f t. Die Gesamtbeschäftigung (Arbeiter unb Angestellte) hat bisher von ihrem Rückgang bereits roieber etwa ein Viertel aufgehalt. Um ungefähr ben vierten Teil bes Rückgangs hat sich bisher auch bie gewerbliche Güterprobuk- t i o n erhöht. Der Güterverkehr hat feinen Rückgang zu etwa einem Fünftel mieber wettgemacht. Das Arbeitseinkommen ist gestiegen, aller- binas bis jetzt noch nicht um ben zehnten Teil bes oorhergegangenen Absturzes. Die Preise, vor allem in ber Jnbustriewirtschaft, haben sich nur wenig erhöht. Der Außenhanbel bagegen stagniert. Dabei ist überall in ber Wirtschaft 'bie Investitionstätigkeit auf bem Weg nach oben am weitesten fortgeschritten. Die Jnvestitionsgüter- probuFtion hat bereits ein Drittel ihres Rückgangs aufgeholt. Das Krebitvolumen ber Wirtschaft beginnt sich etwas auszubehnen, bie Sparkassen können wachsenbe Einzahlungen ber Sparer verbuchen, unb bie Kurse an den Effektenmärkten finb babei, sich von bem Rückschlag ber Sommermonate mieber zu erholen, auf bem Markt ber festverzinslichen Papiere haben sie ihn schon roieber wettgemacht unb liegen sogar hoher als im November 1927.
Clarke Ausbehnung der Investitionstätigkeit, gewisse Erhöhungen bes Verbrauchs unb bes Einkommens bei unbedeutender Steigerung ber Preise, barnieberliegenbem Export unb nur geringer Verflüssigung der Kreditmärkte find also die Kennzeichen der neuesten Konjunkturentwicklung.
Diese Konstellation erklärt sich einerseits aus den Krifenresten, mit denen die Wirtschaft noch immer Zu kämpfen hat, und andererseits aus der wirtschaftspolitischen Aktivität der letz' ten neun Monate. Erst als mit bem politischen Umschwung in Deutschlanb neue Kräfte mit neuen Zielen unb neuen Methoben ans Ruber tarnen, würbe bie Wirtschaft aus bem Zustanbe ber Erstarrung gelöst. Die Konjunkturpolitik ging babei oon folgenben Grunbsätzen aus: Sie hat sich vornehmlich auf ben Binnenmarkt beschränkt, schon weil bie Lage ber Weltwirtschaft keine Hoss- nung ließ, auf bem Weg bes Exports einen für die Gesamtwirtschaft entscheidenden Erfolg zu erzielen. Sie suchte an bie Stelle ber versagenden Kreditmärkte andere Finanzier ungsmetho- b e n zu setzen. Sie suchte gleichzeitig jebe inflationistische Aufblähung unb Preissteigerung zu ver- meiben. Sie wollte bie Initiative ber freien Wirtschaft nicht lähmen, fonbern ersetzen und so weit wie möglich anspornen.
Verwirklicht würben biefe Grunbsätze in zahlreichen Gesetzen, bie freilich nicht immer nur konjunkturpolitischen Zielen bienen sollten, als Ganzes betrachtet aber folgenbe Mittel ber Konjunkturpolitik zur Anwenbung brachten:
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