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Zu derselben Zeit hatte ich die Veranstaltungen des Südbayerischen Volksbildungsverbandes künst­lerisch zu leiten und darunter in demselben Rathaus­saal auch eine dichterisch-musikalische Weihnachts­feier. Jahre danach kamen die Münchner Kriegsweih­nachten, bei der ersten war ich in einem Rekruten­depot der Pioniere, ich mußte einen Weihnachts­spruch für die Feier des Ersatzbataillons abfassen, ausgeliehen wurde ich außerdem von den Kraft­fahrern, ja, als Dichter und Vortragender regelrecht dienstlich abkommandiert zu ihrer Weihnachtsfeier im Löwenbräukeller. In ledernem Chauffeurmantel, die Schildmütze mit Autobrille in der Stirn, mußte ich meinen Prolog zur Weihnachtsfeier im Schützen­graben sprechen und später in diesem Kulissengraben auch noch Liliencronsche Gedichte deklamieren. Ein Jahr darauf war ich längst bei einer Feldkompanie, und doch darf ich diese Weihnacht in einem kleinen Vogesental unter dem wild zerschossenen Reichsacker- kopf auch zu den Münchner Weihnachtserinnerungen rechnen, denn das Herz dieser Feier war daheim, und ihre Form war münchnerifch-oberbayrisch, wie der Truppenteil, der sie feierte.

Aus Felde heimgekehrt, geriet ich in die Münchner Wohnungsnot und erlebte in der Raum­enge, in der Zeit des Hungers und der Armut die

Bgrauer Heiligabend 1914 ersten deutschen Ariegsweihnachten im Schützengraben.

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T se^nachten 1914 .. .1 Wie war es doch? Fast HBsirs vergessen. Zwanzigmal ist seitdem das .2 hrilhtsfest zu uns gekommen, sechzehnmal, seit Sviiüen der Geschütze an den Fronten wieder Sille des Friedens gewichen ist. Friede auf er Ach, wir haben ihn auch heute noch nicht, 3eure nachher! Aber auf den nächtlichen Fel- r i t in diesen Weihnachtstagen die Stille der isnacht auch da wieder, wo damals keine Hirten l-m Felde die Stimme des Engels und den ii der himmlischen Heerscharen vernehmen «t.t, weil das Rasen der Schlacht die Stimmen s lebens verschlang denn es war Krieg

ninftie in der Heimat einsam und sehnsuchtsvoll it * wen Lichterbäumen saßen. Der Herbst war ki Mvien und gewichen, die Blätter waren gefal- i. eer der Krieg war weitergecjan- e i. ::d)0n seit langem wußte die deutsche Mann- >c sl uraußen im Felde, daß dieser Krieg ein lan- >r Liieg werden würde. Dem stürmischen Sieges- - August war die große Wende gefolgt, (t <rt war auf Schlacht entbrannt, in dem gro-

1-ettlauf zum Meere hatten der Deutsche auf e m, der Franzmann, der Brite und der Bel-

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Kj! war es hoch? Die Väter und Brüder und in-unseres Volkes lagen draußen auf den Fel- er i rankreichs und in den Sümpfen Polens, ein» tn.'o n in fremde Erde, mit den Gedanken bei

Münchner Weihnachtsfeste.

(hnnerungen von Hans Brandenburg.

Omaren die Weihnachtsbräuche unserer Stadt, dioierich frühzeitigeingemünchnert" haben. Die erftfir. froststeifen, schneeoerbackenen Fichten und Ichnrn kamen, und so schön bauten sich die Geh- ftetije! ber Straßen zu harzduftenden Alleen auf. Sliok Nikolaus und der kettenrasselnde Klaubauf wöicpi ihnen schon vorausgegangen und hatten atif (Wei und über Schwellen ihr Wesen getrieben. At!ki iSenblinger Tor unter den Bäumen der An- laiiyisentbreiteten sich die Buden derChristkindl- bm:' uunb im alten Grabenzuge und Glacis reihte siäihcrienfalls von Baum zu Baum der Krippen- mria?!i an der Sonnenstraße. Und Krippen waren inn le i Kirchen aufgestellt, wechselnd von Woche zu Wiry mit dem Evangelium, von der Verkündi- gu^tins zur Darbringung im Tempel ober noch Wikie ins neue Jahr unb in bie Christuskindheit biiihii. und warf man ein Geldstück ein, so machte, auii Schienenrundlauf feine Klause verlassend, ein geystntztes Eremitlein Vergelts Gott. Durch den Dcmtfriieiten oder rauhreifversponnenen Englischen @jk3:cn aber ging man in dieser vorfeierlichcn Ad- veiirücit zum Nationalmuseum und in ihm gleich j)rni in den obersten Stock in die Krippensamm- lunq unb hatte bann ein ßanb der tausend Wun­dern, kas Wunderland einer ewigen Weihnacht be- tri tetr ein Land, das vom Norden 3um Süden re litt vor allem aber Süden im Norden ist und mn:;)en als Alpenoorstufe zeigt und Oberbayern altt-LJpenbrücke zum Süden, auf der sich nordische WSchuacht mit Kunst und Kult versöhnt und Der» kill«..Und endlich, in der Weihnachts-Mitternacht, gopl ;s die Christmetten in den Kirchen.

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den würde; er führte selbst auch die Regie, Bern­hard Stavenhagen schrieb die Begleitmusik und der Bildhauer Schreyögg betreute das Szenische. Die Aufführungen diesesDeutschen Weihnachtsspiels" fanden im alten Rathausjaale statt, in dem gotischen Saal, der mit dem Himmel seines fternbenagelten Deckengewölbes durch die Jahrhunderte auf dies Mysterienspiel der Jahr­hunderte gewartet zu haben schien. Das war Ge­meinschaftsspiel und Laienspiel, obwohl wir Spieler an solche Schlagworte gar nicht dachten, ebenso­wenig wie an eine Jugendbewegung, da wir wirk­lich bewegte Jugend waren. Hans Prinzhorn, Hans Schwegerle, Maximilian K. Rohe, Max Unold, Dora Polster, Leo Greiner mit seiner Frau und Ernst Riemann waren ferner unter den Mltwirkenden, also Wissenschaft­ler, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten, Musiker, Schauspieler, die später ihren Weg mach­ten. Und ich selbst vermaa nicht auszudenken, was meine Ergriffenheit vor diesem Spiel in mir be­gann und anregte: eine ganz neue Schau des Theaters, die sich ein Menschenleben lang in mir auswirkte und auswirkt.

ii! Kunst und Kult waren hier noch um Weih- ni icltrn herum. Und wie das Fest Kunst strahlte, foö ckhlte die Kunst auf das Fest zurück und ging di nauch wieder selbständig von ihm aus. Ein Klöktheater im Kinderzimmer meiner Neffen nmb- der Anfang eines Unternehmens, das durch gi ^Deutschland und bis an den Hof der Kron- pilnz'ssin in Berlin bringen sollte. Aber vor allem rrv:-es immer roieber bie Krippenkunst, in ber D 8'^.iacht und Weihnachtsfeier erschienen, und zur $ h^ntunft gehört auch das Krippenspiel. Otto Ffiükenberg hatte es aus den alten Ueberliefe» nitnjm des Gebirges erneuert, lange bevor er sich trrimn ließ, daß er einmal Theaterdirektor roer-

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6( c ai<n. Nicht überall natürlich, aber überall dort, Wo# s die Feier mit dem Dienste vereinbaren ließ, yo'kt in den Schützenlinien und den vorgeschobe­nen iiäellungen wurde der Dienst mit erhöhter tHeine und Aufmerksamkeit aetan. Seit dem 17.' fernher hatte der Franzose an der ganzen (^rjniseine erhöhte Angriffstätigkeit entwickelt. So tnaiir ne deutsche Führung idarauf gefaßt und vor- icri'rt-i , daß der Feind, in dem Glauben, die beut» fd)ci lüsechtsbereibschaft könnte etwa um des Festes will! en nachlassen, gerabe diesen Festtag zu beson- deris ntarken Angriffen wählen würde. Deshalb touirhian den gefährdeten Stellen der Front Weih- ianfistaffelweise" gefeiert. Vorn in den Stel- lunjje und Schützengräben regierte auch am Feste fre-i ."iedens Mars die Stunde; aber wer am Heimabend draußen lag, der feierte tags darauf W^ih'-chten im geschützten Quartier oder Unter» sta lirbTAnd wo es nur irgendwie möglich war, da beeil aud) die kämpfende Truppe im Graben das fchc^s der Feste zu der gleichen Stunde, zu der in Heimat die Sieben unter dem Kerzenbaum saßisi

k ie-fer Nacht war die ganze Front ein einziges W.k hachtsland, und wenn der Engel des Herrn nuski Lüften hätte zu den Deutschen hernieder- formTin wollen, so hätte er die deutsche Front leilchnm Schimmer der Weihnachtskerzen als ein un Mi rdrochenes Lichterband von der Küste der Nc^ad e bis zu den Schweizer Alpen erkennen kön­nen« inch in den Lazaretten und sogar im Lazarett- 3U! }! Jurbe die Heilige Nacht gefeiert.Alle Wagen meine mit Zweigen geziert, in jedem einzelnen ftanbsein Christbaum. Das Zugpersonal zündete die Lchter an, Arzt und Schwestern kamen in jeden W ty i und fangen mit den Verwundeten Weih- na ch» jeder und beschenkten die Kranken mit Lie- bensjHen. Unter Schmerzen fröhlich nahmen diese

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o'!( en z u (Eis erftarrt, und in die Herzen, (oofft hatten, nach gewonnenem Siege bas t ^teube unb bes Friebens am heimischen ei b(fju feiern, war bie schwere Gewißheit ge» fa rulidaß auch nach bem Fest ber Tag ber Heim- Mh r lisch lange auf sich warten lassen würbe.

Star# es fo ein Christfest geben? So fragte bie e ist.. Nun, für den rechten deutschen Krieger

die Geschenke entgegen. Sehr viele weinten gerührt. Es war die heiligste Weihnachtsnacht. Die Verwun- beten erhoben sich ihre fieberhaft bebenbe Stimme klang kräftiger als ber Gesang der noch unverletzt Gebliebenen."

Der Felddivisionspfarrer erzählt:Ein kleiner Wagen holt mich ab zur Feier bes ... Re­giments. Schon biete Fahrt ist ein Erlebnis für mich. Heller Mondschein verklärt bei mildem Frost die weithin sichtbare Landschaft. Bald tauchen bie Lagerfeuer auf. Es ist, als brennte oben am Him­mel ein Lichterbaum mit leuchtenden Sternen und darüber ist der Widerschein menscklicher Freude. Durch die ruhige Nacht klingt der Gesang der feiern­den Mannschaften. Plötzlich hält der Wagen. Die Straße ist gefährdet durch feindliches Artillerie­feuer. So steige ich denn aus und wandere das letzte Stück. Oben ist eine Revierkrankenstube als Weihnachtszimmer hergerichtet. In dem niedrigen Schuppen liegen die Verwundeten, die nicht fort­geschafft werden konnten. Ein tapferer Reservist mit einem Schuß durch die Lunge kann nur schwer atmen. Die Fülle der Menschen und Lichter ist nicht gut für ihn. Aber als ich ihn nachher fragte, war es ihm noch nicht lange genug gewesen. Die Mannschaften drängen sich im engen Raum. Fest­lich gekleidet sind sie nicht gerade; sie kommen eben aus dem lehmigen Schützengraben, aber festlich gestimmt sind sie alle. Ein Offizier wollte eigent­lich nichts wissen von dem Vorschlag, das Lied von der fröhlichen, seligen Weihnachtszeit zu fingen. Aber die Leute stimmten es mit Begeisterung an, und ich tat, soviel ich konnte, um die rechte inner­liche Weihnachtsfreude zu wecken. Es war doch auch nur ein ärmlicher Stall, wo die Krippe stand. Wir denken dort oben auch der Gefallenen und der Trauernden und sich doch fröhlich im großen Ge­schenk der Liebe Gottes. Wir treten hinaus in die zauberhafte Nacht. Hier und da versammeln sich die Koporalschaften zur Feier. Ganz oben schwebt ber Kerzenbaum gerabezu in ben Lüften. Ein praktischer Mann hat ihn hoch in einen Baum des Waldes hineingehängt; eine Zeltbahn hängt vor dem Winde zum Schutze der Lichter; es wirkt ganz wunderbar. Ganz selten fällt ein Gewehrschuß Stille Nacht, Heilige Nacht ringsum."

In einem Infanterieregiment, das in Bereit­schaftsstellung in Nordfrankreich vor dem Feinde lag, versammelten sich die dienstfreien Kompanien gegen 4 Uhr vor dem Quartier bes Obersten. Der Kommanbeur mies in kurzer markiger Ansprache die Mannschaften auf die eigenartiae Weih­nachtssituation hin, wobei er ausführte, daß der alte Kinderglaube, wonach die Verheißung: Friede auf Erden" zur Wahrheit werden sollte, nicht zuschanden geworden sei. Das Regi­ment werde, wie bisher, mit Hingabe weiterfechten, damit ein ehrenvoller Friede für das Vaterland ge­sichert bleibe. Dann folgte die Bescherung im Quar­tier des Kommandeurs unter dem strahlenden Weih­nachtsbaum. Die Mannschaften wurden mit Ge­schenken reich bedacht. Ihr schlichtesVergelt's Eahna Gott, Herr Qberscht!" machte tiefen Ein­druck. Während der Feier trug ein Sängerchor alte Weihnachtslieder vor.Stille Nacht, heilige Nacht" und das wundervolle BeethovenliedStille Nacht, o gieße Du Himmelsfrieden in mein Herz" machte bei Kanonendonn^ und Gewehrgeknatter einen tiefergreifenden Eindruck. Am 1. Feiertag morgens bei strahlendem Sonnenschein Feldmesse auf einer Waldwiese! Als der Geistliche die Mannschaften an Weib und Kind in der Heimat erinnert und den Leuten versichert, daß an diesem Tage bie Lieben in ber Heimat mit besonderer Sehnsucht ihrer ge­dächten, sieht man in den Blicken ber ältesten Krie­ger tiefe Ergriffenheit. Aber hell unb jubelnb er­klingt zum Schlüsse basGroßer Gott, wir loben Dich!" aus tausend Kehlen. Eine schöne Feier wurde beim Briaadestab veranstaltet. Ein Offizier hatte den echt christlichen Gedanken gehabt, Kin­der französischer Witwen zur Feier zuzulassen. Mit großen Augen staunten bie Kinder den Lichterbaum an, ber ihnen so unbekannt war, ber aber gerabe darum einen besonders tiefen Eindruck auf ihr Ge­müt machte. Die Kinder wurden mit kleinen Gaben bedacht, die sie dankbar, mit Tränen in den Augen, entgegennahmen; die Mütter waren tief gerührt, als der Divisionspfarrer ihnen das Wesen der Feier in französischer Sprache erklärte.

a.p . gan^ undenkbar und ganz unmöglich, auf i« sÄnste feiner heimatlichen Feste zu verzichten, elroj in jenen Tagen zeigte sich, wie tief das i'hachtsfest und wie tief mit dem Feste des ri edas die Liebe zum Frieden überhaupt in der ?u Bern Volksseele wurzelt. Sanas der ganzen u t sc n Westfront wurde die Hauptfeier des Festes,

letzten bangen Weihnachten zwischen den Schlachten, die ersten dangen Weihnachten nach dem verlorenen Kriege. Aber es waren dach die ersten Weihnachts­feste im eigenen Heim und unter dem eigenen Christbaum. Und war dieser Baum auch zunächst nur ein mageres Bäumchen, auf einem Nächtisch- chen stehend, angebunden an die Wand in einer Zimmerecke, behängt mit schussergroßen Glaskügel- chen und besteckt mit den Teilen eines zerschnittenen Wachsstockes darunter leuchtete doch weltengroß die Krippe, deren Figuren von einem Hirtenbuben des Gebirges geschnitzt waren. Und in ihrem Sichte blühte mit dem Elternglück des himmlischen Paares eines irdischen Paares Elternhoffnung. In zehn weiteren Jahren wuchs denn auch das damals erst erwartete Kind in die Münchner Weihnachtsfreuden hinein: der Nikolaus erschien vor ihm in wechseln­der Gestalt, als ehrwürdiger Bischof, milder Heili­ger, polternder Greis, drolliger Maskenträger und mit der Bäckerkiepe auf dem Rücken und einem schreienden bösen Buben drin: und das Kind ging mit in die Kirchen, auf den Christkindlmarkt und in die Krippensammlung, es mußte erst noch auf den Arm gehoben werden, um ine Kostbarkeiten zu sehen, aber es wuchs von Jahreswende zu Jahres­wende an die Weihnachtswunder heran. Und man selbst wurde wieder klein vor den Schattenspielen in Hermine Morgenroths Kindergarten oder vor der Marionettenbühne in der Von-der-Tann- Straße. *

Es war der Verlag R. Piper & Co., der in der Not des Nachkriegs einem größeren Kreise wieder deutsche Weihnachts-Vorfeiern schenkte, bei denen im Kerzenschein Bücher, Bilder, Gesang, Streich­quartett und Worte aus berufenem Geist und Munde das Sicht aus dem Dunkel erweckten. An­dere Kreise folgten und ließen Weihnachten in altem Glanze wiederkehren. Im Künstlerhaus gab es auf einer Szene von Julius Diez ein musika­lisches Krippenspiel des jungen Fritz Büchtger, dem ich den Vortrag von alter und neuer Weih­nachtsdichtung vorausschicken durfte. Und dieAr­gonauten" gaben mir Gelegenheit, Weihnachtsfeiern im Englischen Garten zu gestalten, in der Gast­stätte am Chinesischen Turm. Da durften wir Baum und Baum nach Suft und Siebe schmücken, unsere Krippe aufbauen und ein Nebenzimmer in eine dunkle Grotte verwandeln, die nur von Trans­parenten leuchtete, von meiner Frau mit dünner Oelfarbe auf Seite gemalt; Kammermusik auf alten Instrumenten erklang, und Henry von Heise- ler führte mit Frau unb Kindern seineNacht

des Hirten" auf. Im nächsten Jahr studierte ich mit Argonauten-Mitgliedern Bernd Isemanns WeihnachtsspielDie Mitternacht" ein, die Proben fanden im Turm des alten Jfartors statt.

Doch so schon und unvergeßlich das alles war noch schöner war es, daß der Heilige Abend selbst, die Weihnachtsfeier daheim, wieder den Frieden auf Erden kannte und in ihm wuchs und daß man im Gedanken alle gebliebenen und wiedergekehrten, alten und neuen Freunde um sich vereinigt. Sie waren vor allem auch in und um München, in allen Stadtteilen, in Giesing, am Englischen Gar­ten, im Isartal, in Schleißheim, in Dachau, im Dachauer Moos, gegen Starnberg zu, in den Ber« gen und Vorbergen, sie zündeten allein ober mit Kindern ihre Weihnachtsbäume an, unb ber eine ober andere dieser Bäume hatte Wurzeln, daß er im Garten hinterm Hause weiterwachsen und feinen Traum von Kerzen und Kugeln durch alle feine Sommer fragen konnte.

So ist es für mich an jedem Münchner Weih­nachten. Und mitternachts rufen wieder die Metten in bie Kirchen, man kann nur eine besuchen, aber man denkt auch an bie anderen, die man kennt. Dis Sudwigskirche ist hell von Weihnachtsbäumen, unb mehrstimmige Weihnachtslieber des Chors begleiten leis und erschauernd die Wandlung. In der Basilika dagegen verdämmern die Säulenreihen, jede der Säulen von Kerzen umringt, bie Feier des Hoch­amts bietet bas ganze Kloster zu einem milden Flammenreigen heiliger Gewänder auf, bas Mosaik darüber schmilzt golden den Himmel, von ber Orgel­empore umranken Waldhörner wie Hirtenmusik den Gesang der Gemeinde:

Es kam bie gnadenvolle Nacht, bie uns bas Heil ber Welt gebracht, wie jubelte der Engel Schar, da Jesus Christ geboren war."

Und als ich bas letztemckl die Frauenkirche wählte, da stieg neben den beiden Türmen ein dritter auf, ein Schatten, den das Mondlicht aus dem Himmels­dunst zauberte. Drinnen war es so kalt wie draußen,, die riesigen Strebepfeiler, bie das Sicht nicht beroäl« tigte, trugen wie Säulen der Erde das Domgewölbs wie ein Nachtgewölbe und den künstlichen Sternen« Himmel wie einen wirklichen. Musik und Messe gingen wie in froststarren Gründen vor, aber am Ende taute es mit Allgewalt aus Herzen, Kehleiz und Augen:Stille Nacht, heilige Nacht!"

Eine Weihnachtsbescherung für Blindenhunde wurde in Berlin vom Deutschen Tierschutzverein veranstaltet. Die treuen Führer der Blinden wurden hier mit Hundekuchen, Würsten und warmen Decken für ihren schweren Dienst bedacht.

Dem treuen Gefährten unserer Blinden

Durch bie in ben letzten Wochen in ber Oeffenl lichkeit in Frankreich wie in Deutschlanb bekannt- geworbenen Unterhaltungen beutscher unb franzö­sischer Frontkämpfer über eine Annäherung beider Länder aneinander, ist ber beutsche Front­kämpfer roieber in ben Mittelpunkt ber ge­samten Öffentlichkeit getreten. Wie vor 20 Jahren, als er an ber Front bes Weltkrieges kämpfte unb blutete, fo sieht er jetzt roieber vor feinem Volk, um auch ber Weltöffentlichkeit gegenüber zu be­tonen, baß bas neue Deutschlanb ben Frieben haben will unb weil biefen Willen gerabe ber beutsche Frontsoldat betont, kann bas nur ein Stiebe ber Ehre unb ber Gerechtig­keit sein.

Wenn nun Weihnachten vor ber Tür sieht, bas Fest bes Friebens all berer, bie guten Willens sind, fo muh auch hier gesagt roerben, bah ber Front- fotbat ein befonberes Weihnachten in ben Jahren bes Krieges kennen ge­lernt hat. Das ganze beutsche Volk hat zu ben vier Kriegsroeihnachten bem beutschen Sotbaten feine Weihnachtsgaben an alle Fronten des Welt­krieges geschickt. So bekam ber Solbat aus Oft- preuhen Gaben aus Bayern, jener aus Württem­berg Spenben aus Schlesroig-Holsiein, jener aus bem Rheinlanb Gaben aus Schlesien. So hat bas ganze beutsche Volk barnals schon vielleicht un- berouht bas empfunben, roas im letzten Jahr unb auch in biefem Winter roieber Gemeingut ber Ansiänbigen geworden ist, nämlich der Wille, in gegenseitiger Kameradschaft einander bas beutsche Schicksal tragen zu helfen. Wie es im Kriege bie Weihnachtsgaben ber von ben Front- folbaten beschützten Heimat waren, so ist es seht bas Winterhilfswerk bes beutschen Volkes. Es soll in biefem Volk keiner hungern unb keiner

frieren, genau so wenig, wie nach bem Dillen ber Heimat im Kriege keiner ber Frontsolbaten ohne eine Gabe ber Heimat bleiben sollte.

Unb ebenso wie bamals zu ben Kriegsweihnachten. soll jetzt in ben Wochen, in benen beutsche unb französische Frontsolbaten sich in ernsten Bespre­chungen um bie Erhaltung bes Friebens ber Völker bemühen, bas beutsche Volk in feinem eige-

Achtung Saarabstimmungsberechtigte!

Jeder Saarabsiirnmungsberechligte muh im Be­sitz eines vorschriftsmähigen Reisepasses fein, hast du schon deinen Reisepah? Wenn nicht, bean­trage ihn sofort bei ber nächsten Polizeibehörde.

nen Lebenskreis durch das Winterhilfswerk dem inneren Frieden dienen und damit jener Kame­radschaft, die den deutschen Frontsoldaten im Kriege zu seinen unerhörten Leistungen befähigt hat. Und deshalb werden alte deutschen F ron tsol- d a t e n, die im Kriege drauhen den Begriff der Kameradschaft erlebt haben, vom deutschen Volk In diesem Jahre nur ein Weihnachtsgeschenk erbitten, daß nämlich das ganze deutsche Volk zufam- menrückt zu jener Kameradschaft in den Jahren des Friedens, die allein unser Volk befähigt, alle Wunden zu heilen, die der Krieg geschlagen hat, und jenen Aufstieg zu ermöglichen, den unsere Kinder von den Werken ihrer Eltern erhoffen. Das deutsche Volk muß daher ein Volkvon Kame­raden fein.

Jas deutsche Volk ein Volk von Kameraden

Von Hanns Oberlindober, l^eichskriegsopferführer.