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weiter fragte, käme wohl jedes mit einer besonderen Not heraus, für die er gerade Hilfe braucht. Aber alle diese verschiedenen Nöte sind es offenbar noch nicht, von denen hier die Rede ist. Gerade weil es verschiedene Nöte sind, hat der einzelne jeweils eine andere Hilfe nötig. Hier aber wird von einer Not gesprochen, unter der alle Menschen ohne Unterschied leiden sollen und gegen die sie darum alle ein und dieselbe Hilfe, ein und denselben Helfer brauchen. Diese gemeinsame Not muß also tiefer liegen als alle jene besonderen, ein» zelnen Nöte des Alltags. Und weil sie wirklich eine so tiefe Not ist, bleibt sie uns auch so leicht verbor- aen. Sie besteht darin, daß wir einen Herrn haben müssen. Nicht einen Herrn für uns Deutsche den haben wir und sind froh und dankbar dafür oder einen Herrn für die Italiener oder die Polen: wenn wir alle gemeinsam einen Herrn nötig haben, dann muß es sich um eine andere Herrschaft handeln als solche irdische.

Wir brauchen alle einen Herren, weil wir alle unser eigener Herr sein wollen. Ob ich ein Deutscher bin oder ein Italiener oder Pole, in dem einen Punkt sind wir alle merkwürdig gleich: jeder Mensch will seineigenerHerr sein. Keiner will eine Herrschaft über sich dulden. Wir können dafür auch sagen: jeder denkt im letzten Grunde an sich. Nicht daß er n u r an sich dächte: bei Leibe nicht! Er kann viel für die anderen übrig haben, er kann alles für sie zu geben willig sein. Aber auch in solchem besten Wollen geht es uns Menschen immer wieder so, daß wir uns selber nicht wegzugeben, nicht hin­zugeben bereit sind. Wir wollen uns behalten. Das kann sich auf tausenderlei verschiedene Weise äußern, je nachdem wir geartet und verschieden im Leben gestellt sind. Es kann ganz kraß zutage treten, wenn einem offensichtlich der Eigennutz vor Gemeinnutz geht. Und es kann in ganz feiner und verborgener Weife sich ereignen, wenn er seine Theorie, seine Idee allein zu sehen bereit ist und darüber nicht merken will, was der andere neben ihm erforscht und erkannt hat.

Aber dies, daß wir uns nichts sagen lassen wol­len, daß wir jeder selber der Herr sein wollen, ist nicht ein besonderer Fall, der hier und da einmal eintritt und dazwischen nicht vorkommt. Sondern diese Selbstherrlichkeit sitzt irgendwie im Kern unse­res Wesens selber, und was wir davon zu spüren bekommen bei einzelnen Gelegenheiten, das sind nur die Auswirkungen dessen, daß wir innerlich so selbst­herrlich sind. Freilich kommt es uns teuer zu stehcs:: wer selbst Herr sein will, der hat niemanden mehr über sich, den er um Hilfe angehen kann. Das leidet seine Stellung ja nicht. Der Herr ist es doch, der für die anderen zu sorgen hat. Aber wenn nun einer sein eigener Herr sein und niemanden mehr über sich anerkennen will, dann bleibt er al­lein. Unser Herrenstolz treibt uns Menschen damit in einer schauerliche Einsamkeit hinein. Wir wollen allein mit Welt und Leben fertig werden und das Ende vom Liede ist, daß wir allein und fertig, er­ledigt sind, daß wir hart und verbittert und ver­schlossen werden.

Darin zeigt sich, was wir so ungern wahr haben wollen, daß wir uns selbst nicht zu beherrschen ver­mögen. Aeußerlich gesehen kann das natürlich glücken. Vielleicht kennt uns kein Mitmensch anders als freundlich, zuvorkommend und liebenswürdig. Wir gelten vielleicht als guter Kamerad. Soweit Menschenaugen sehen können, braucht der Kernscha­den gar nicht sichbar zu werden. Aber er ist doch da und man macht uns und den anderen das Leben schwer. Denn aus dieser Icheinsamkeit des stolzen Herzens entspringt die Lieblosigkeit, die für die wirkliche Not des Bruders, des Volksgenossen kein Auge hat. Wer sein eigner Herr sein will, der muß ja alle anderen als heimliche Feinde und Konkur­renten ansehen und sich gegen alle wehren. In sol­cher Kampfstellung verbringen wir tatsächlich ins­geheim unser Leben, in solchem unguten und rühm­losen Streit.

Zu diesem Menschen nun, der ich bin und du bist und wir alle sind, zu diesem Menschen, der sich selbst Herr sein will und doch nicht kann und darum einen Herren braucht, kommt die Weih­nachtskunde. Dieses ganze Leben, das wir führen, unsere ganze Existenz geht sie an:Euch ist heute der Retter geboren, welcher ist Christus der Herr!"

Wir sollen nicht herrenlos bleiben in der Welt, son­dern den Herrn bekommen, den wir brauchen: Gott selber. Das ist keine Nachricht, die nur für den einen Bedeutung hätte und für den anderen nicht, die nur für diesen Augenblick wichtig ist und nach­her vergessen werden könnte. Sondern diese Nach­richt will eine Lebensgemeinschaft begründen, die sich Tag um Tag erneuernd durch das ganze Erdendasein hindurch währen soll bis in die Ewig­keit. Wir sollen bei jeder einzelnen Aufgabe, vor die uns unser Leben und unser Beruf stellt, wissen, daß wir einen Herrn haben, und das heißt ja: wir sollen Gott in all unferm Handeln unfern Herrn fein lassen in treuem Gehorsam. Das ist keine Auf­gabe, die heute gelöst, morgen nicht mehr da wäre, sondern jeder Tag stellt sie uns aufs

Festzeiten sind Zeiten besonderer Gemeinschaft. Freude macht die Menschen einander gleich. Wehe den Armen, die beiseite stehen müssen; Not im Festtrubel tut besonders weh. Aber auch wehe denen, die aus seelischer Armut abseits stehen, weil keine Gedanken der Gemeinschaft in ihnen anklin­gen. Wenn ein Fest geschaffen ist, deutsche Menschen zu einen, dann Das Weihnachts - f e st, an dem alle Deutschen die bleichen innigen Lieder fingen, in Millionen Familien die gleichen Tannen geschmückt werden, und das ein einziger Gedanke Durchzieht: Freude schenken! Hier erhält das Winterhilfswerk des deutschen Vol­kes seine tiefste, innerlichste Aufgabe: dafür zu sorgen, daß alle Menschen in Deutschland an der Festfreude teilnehmen können ohne Ausnahme! Wie das geistige Deutsch­land, wie Gelehrte, Dichter, Künstler zu diesem schönen Gedanken stehen, das zeigt eine Rundfrage, die wir veranstaltet haben.

Gerhari Hauptmann:

Hilfreich und gut.

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut": e i n kategorischer Imperativ, der nie zu er­schüttern ist. Die Winterhilfe hat Recht und Pflicht, im breitesten Ausmaß mit ihm zu rechnen.

Heinrich Mckert, Professor der Philosophie an der Universität Heidelberg:

Solange auch nur einer da ist, dem es unmöglich ist, durch seine Arbeit das Un­entbehrliche zu erwerben ...

Es ist schwer, zugunsten des Winterhilfswerkes etwas zu sagen, was nicht viele schon gesagt haben. Einem alten Mann, der die Aufforderung, sich mit der Feder an der Propaganda zu beteiligen, nicht gerne ablehnen möchte, wird man vielleicht gestat­ten, daß er an Worte eines großen deutschen Philo­sophen der Vergangenheit anknüpft, den er feit mehr als 50 Jahren gut kennt, und von dem er schon in seiner Jugend viel gelernt hat.

Fichte, der nicht nur national, sondern auch sozial dachte, sagt bereits in seiner ersten größeren politischen Schrift vom Jahre 1793:Eine dem menschlichen Körper zuträgliche Nahrung in der zur Ersetzung der Kräfte nötigen Quantität, eine nach Verhältnis des Klimas gesunde Kleidung und feste und gesunde Wohnung muß jeder haben, der arbeitet: das ist Grundsatz". Von diesem Grundsatz wird gewiß auch unsere heutige Politik geleitet, und sie hat schon viel mehr erreicht, um die schwere Not in Deutschland zu lindern. Aber wer die sozialen Verhältnisse, wie sie sich nach dem Kriege bei uns entwickelt haben, einigermaßen kennt, wird sich nicht darüber wundem, daß in wei­ten Kreisen noch immer große N o t herrscht, und deshalb sind denn alle, die es vermögen, aus gutem Grunde aufgefordert worden, zu helfen.

Die Höhe der Spende, die wir zu leisten haben, wird dabei in unser Ermessen gestellt und ist frei­willig. Fichte ging zu feiner Zeit viel weiter. Er

neue. Diese Nachricht hören, heißt immer wieder an ihr zu lernen haben, jedes Jahr und jeden Tag. Nicht um ein Auswendiglernen geht es hier, son­dern um ein Inwendiglernen, bei dem man zeit­lebens ein Schüler bleibt. Wer es aber lernt, Gott feinen Herrn fein zu lassen, der hat ja dann den, dem er unbedingt vertrauen kann, der ist nicht mehr allein. Er braucht nicht in titanischem Ringen sich einsam mit der Welt zu messen, er bekommt die Sorge für sich selbst abqenommen und findet damit Zeit und Kraft für den Bruder. Darum ist es nicht bloß für den einzelnen, sondern für uns alle eine so frohe Kunde, beglückend und erlösend: Euch ist heute ein Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr!" Möchten wir alle diese Kunde hören!

spricht von denBegünstigten", d. h. von denen, die mehr haben als das Unentbehrliche, und er sagt: Solange auch nur noch Einer da ist, dem es um ihrer willen unmöglich ist, durch feine Arbeit dies (das Unentbehrliche) zu erwerben, muß ihr Luxus ohne alles Erbarmen eingeschränkt werden". Wir sollten heute unseren Stolz darein setzen, dafür zu sorgen, daß es bei freiwilligen Gaben bleiben kann, und daß nicht Zwangsmaßregeln von der Art notwendig werden, wie Fichte sie für unvermeidlich hielt. Insofern können die Sätze Fich­tes auch für uns heute lehrreich fein.

Professor Or. Max Planck, Präsident der Kaiser-Wlhelm-Gefellschaff: Wie in die dunkelsten Tage des Jahres das lichte Weihnachtsfest fällt und mit seinen Strahlen durch die Finsternis der Natur hindurchleuchtet, so setzt in der Zeit tiefer materielle? und seelischer Not das Winterhilfwerk des deutschen Volkes ein, eine T a t der Opferbereitschaft, die darauf ab­zielt, den darbenden Volksgenossen über die Ent­behrungen des Winters hinwegzuhelfen und ihnen gleichzeitig das Gefühl der Sicherheit zu geben, daß sie von ihren bessergestellten. Brüdern nicht im Stich gelassen werden. Daher ist die Be­deutung des Winterhilfswerkes nicht allein wirt- schatflicher, sondern vor allem auch vaterlän­disch-sozialer Art, als ein Symbol der schön­sten Tugend, der Nächstenliebe, welche Geber und Nehmer zusammenschließt und welche in höherem Grade als jede Gesetzgebung die Voraussetzung bil­det für die fortschreitende Gesundung unseres öffent­lichen Lebens.

D. Adolf Oeißmanu, Professor der Theologie an der Universität Berlin:

Als Friedrich Naumann, mein verewigter Lehrer und Freund, im Jahre 1895 feine national- soziale Wochenschrift mit dem BannerwortDie Hilfe" schmückte, hat er diese seine Losung vier- fältig gedeutet: Gotteshilfe, Selbsthilfe, Staatshilfe, Bruderhilfe. Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes i st Hilfe in diesem vierfachen Sinn. Denn es ist eine gewaltige Selbsthilfe-Unternehmung des Staates für die bedrängten Volksgenossen durch eine unerhörte Mobilmachung werktätiger Brudergesinnung. Ein solches inneres Auf- aebot eines ganzen großen Volkes für feine Müh­seligen und Beladenen ist aber mehr, als eine innen­politische Staatsaktion. Handelt doch der Staat hierbei so, wie es der Apostel Paulus im Römer­brief gefordert hat: alsGottes Handlanger zur Wohlfahrt". Darum liegt auf dem großen vaterländischen Hilfswerk zugleich ein Abglanz der Weihnacht.

Prälat Steinmann, DompropstundGeneralvikarderOiöreseBerlin:

Wohl fein Fest im Laufe des Kirchenjahres atmet fo tief den Geist der Liebe als gerade das bevorstehende Weihnachtsfest, da die ewige Liebe

Weihnachten der Volksgemeinschaft.

Stimmen des geistigen Deutschland zur Weihnachtsarbeit des Winterhilfswerkes

f>ch f-sbst d-n Menschen schenkte und r erschien, der dasneue Gebot" der Liebe. woran die Menschen erkennen sollten >9 seine Brüder seien". 1 n'

Allen ohne Ausnahme soll hieu gehören, namentlich den von der Not 5U und jede ihnen erwiesene Liebe wird wäre sie Ihm "getan.

Unsere Staatsführung ruft im Winterkt SU einem großzügigen Feldzuq Bruderliebe auf. Jeder soll und wirbV feine Volksgenossen verantwortlich fühlen n/ 'l' dem Ruf des Vaterlandes um Hilfe für bie ' und Schwestern, welchen er sich in der grofc.V ' fchen Volksgemeinschaft verbunden weiß iF ' freudiger Gesinnung nachkommen. Im? : 1934/35 soll keiner hungern, keiner frieret ' heilige Weihnacht wird uns mahnen an bas jr - wort:Laßt uns Gutes tun allen".

Hermine Körner, preußische Staatsschauspielerin! ' Wir wollen spenden In Zeiten der Not, Nimmer uns wenden, Teilen das Brot!

Ein gütig Erbarmen Reiß auf dein Herz, Hilf dem Armen In all seinem Schmerz! Liebvoll bereite, Freudig bestreite Ein göttliches Werk: Winterhilfe!

Professor Alfred Hoehn, Frankfurt am T, " ... ein höchst empfindsames (Bemifi,. \ das Wohlergehen feiner Nebenmen|che?i l

Die Idee des Winterhilfswerks verwirklit- der schönsten menschlichen Empfindungen, b- Nächstenliebe. Betrachten wir die «j gemeinschaft als eine große Familie, so idealem und gerechtem Maßstabe der Wuniii Händen sein, jede Art von Not beseitigen zu h infolgedessen ist es eine s e lbstverstünd Pflicht eines jeden Volksgenossen, nach K feit zur Linderung der Not Der Armen undh sten beizutragen. Es sollte daher jeder Dolkrs- bereits in der Jugend so sozial und national zogen werden, daß er zu jeder Zeit ein» empfindsames Gewissen für das Wohlergehen " Nebenmenschen zeigt. Denn jede Bereits - zu helfen, ist nicht nur allein eine menschlich.!?- I sondern auch eine eminent Polin-r nationale Tat.

Dr. L Llbbelohde, Professor an der Technischen 6od)frfnito;

Winterhilfe belebt die Wirtschaft.

Das Winterhilfswerk hat die, welch» nen, in nie gesehener Zahl vereint, um bin r leidenden Volksgenossen zu helfen. Dabei in man gewöhnlich nur von den Hunderten Millionen Mark, die aufgebracht werden. ! aber wenig an die Belebung, die bi.-* Fabrikationsstoffe durch den insch Sammeltätigkeit vermehrten Umsatz erfahren.!' mehrter Umsatz vermehrt aber auch! Rohstoffbedarf, den wir heute noch zur.. durch das Ausland decken müssen. Auf die r

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ob dies wegen unserer Devisenlage möglich r an die Worte des Führers erinnert, der sagt. ¥ , deutschen Gelehrten und Techniker werben werr" erfinden, um die ausländischen Rohstoffe m inländische Rohstoffe und Produkte zu verdrbsf Um dies $u erreichen hat eine gemalt i Tätigkeit der deutschen wissensch: lichen und technischen Forschung " gesetzt. Teils unter Führung der ölotgemer r der Deutschen Wissenschaft sind Forschungen schäften gegründet, die die wesentlichen Rohste"' inzwischen schon so weit gelöst haben, d^ '' " Wenn und Aber gesagt werden darf:Die 6®' sage des Führers erfüllt sich".

Weihnachtslegendchen.

Von Max Sidow.

In jener Nacht, als der Engel den Hirten die Geburt des Christkindes verkündet hatte, war das Wissen um den Heiland auch in den Tieren, die der Verkündigung beigewohnt hatten, wach und mächtig geworden. Nun hatten aber die Hirten, ganz benommen von all der Herrlichkeit, die sie gehört und gesehen, ihrer Herden nicht mehr ge­achtet. Kaum daß der Lobgefang der himmlischen Heerscharen verklungen war, hatten sie die Weiden verlassen und waren eilend nach Bethlehem ge­laufen, um die Wunderdinge zu schauen, von denen der Engel ihnen gesagt hatte.

Wie sie nun zu dem Stalle kamen, den sie vor vielen Tagen leer verlassen, sahen sie ihn erfüllt von einem überirdischen Scheine, der sie blendete. Da wagten sie nicht näher zu treten, sondern fielen von weitem schon auf die Knie und beteten das Wunder an.

Mählich erst, als ihre Stufen sich an den Glanz gewöhnt hatten, erkannten sie die Zeichen, die der himmlische Bote ihnen genannt. Sie sahen die Krippe, mit warmem Heu war sie gepolstert, und darin das in ärmliche Tücher gewickelte Kindlein. Sie sahen die liebliche Mutter, die auf Stroh­bündeln neben der Krippe lag, bedeckt von ihrem Mantel. Und bann sahen sie auch den Zimmer­mann, ein wenig unbeholfen mit gebogenem Rücken und herabhängenden Armen stand er abseits und schaute verwundert bald auf das Kind und seine Mutter, bald hinaus auf die Straße. Den Hirten erschien er wie der Ihren einer; das gab ihnen Mut und so baten sie ihn um die Erlaubnis näher zu treten und das Heilandskind anzuschauen.

Während sie aber mit zögerndem Staunen der Krippe nahten und vor ihr knieten, füllten sich Straße und Feld mit den Herden, die herzudräng­ten, als wollten sie Gott durch ihre stumme Gegen­wart loben. Nicht lange waren die Schafe ver­lassen auf den Weiden geblieben. Sie waren aus ihren Hürden gebrochen, und die Hunde hatten sie nicht zurückgescheucht. Langsam erst waren sie ihren Leittteren nach über die Felder gelaufen, dann aber, als Herde zu Herde stieß, hatten sie sich zu- sammengeballt, und endlich war eine mächtige Flut von Tierleibern gen Behtlehem gebrandet, getrieben von einem dumpfen Instinkt, auf der Flucht vor dem Dunkel der Nacht in die Sicherheit des un- irdischen Lichts.

Erst kurz vor dem Ziele, als schon der himmlische Strahlenschein ihre goldgeränderten Augen auf« glühen ließ, hielten die Schafe inne, ihre anstür­mende Flut staute sich, die Herden witterten ihre Hüter rmd lagert«, sich im Kreise um ben Stall. !

Kein Blöken war laut geworden. Die Hirten knieten noch immer an der Krippe, ganz versunken in ihr Schauen und Staunen, und schienen die ihnen anvertrauten Scharen völlig vergessen zu haben.

Da aber sonderte sich aus der Flut der Schafe ein sanftes Muttertier ab, betrat furchtlos den glanzerfüllten Stall und suchte den Alten, der seiner zu hüten bestellt war. Als es ihn gefunden, trat es nahe zu ihm, zupfte ihn mit dem Maule am Kittel und stieß ihn mit Schnauze und Fuß so lange, bis er dessen endlich gewahr wurde und sich unwillig umwandte.

Obwohl nun den alten Hirten die Störung seiner Andacht verdroß, fiel es ihm doch auf, daß er das Mutterschaf ohne sein Lämmlein sah. Denn er kannte jedes Stück seiner Herde und liebte sie alle. Noch freilich zögerte er, sich von der heiligen Krippe zu erheben. Er nahm das Tier in den Arm und kraute ihm in achtloser Zärtlichkeit den wolligen Hals. Aber als das Schaf ihn immer wieder mit der Schnauze stieß und klagend zu ihm aufsah, wurde er unruhig, stand auf und verließ den Stall.

Das Mutterschaf war dem Alten voraus durch die Tür gelaufen. Nun stand es auf der Straße und äugte nach ihm zurück. Dann, als es sah, daß sein Hirte ihm nachgekommen war, drängte es sich durch die Herden, lief ein Stück aufs Feld, kehrte zurück, um wieder seinen Herrn am Rock zu zup­fen und vorwärts zu ziehen. Da folgte der Alte dem Tiere, das den Weg nach den Weideplätzen einschlug; denn nun war er neugierig, was das seltsame Gebaren bedeuten sollte.

So kamen sie zur Hürde, wo der Engel den Hir­ten erschienen war. Hier endlich blieb das Schaf stehen. Ein jämmerliches Blöken wurde laut, und als der Alte dem nachging, fand er das Lämmlein neben feiner Mutter; es lag am Boden mit ge­brochenem Beinchen.

Voller Mitleid beugte sich der Hirt nieder und hob das leidende Tier auf feine Arme. Er streichelte es und stand so eine Weile im Dunkel, bis es ihm vorkam, als wollte die treue Mutter ihn wiederum führen. Denn von neuem stieß es ihn mit der Schnauze, lief ein paar Schritte fort und sah sich häufig um, ob er auch folge. Da lud er sich das Lämmlein auf die Schulter, sorgsam bedacht, ihm nicht wehe zu tun, und so traten sie den Rückweg nach Bethlehem an.

Im schlichten Gefühl des alten Hirten mischten sich Rührung und Staunen. Und doch, war nicht alles wunderbar in dieser geweihten Nacht? Wie sollte er dem Instinkt des Schafes nicht vertrauen, das nun zum zweiten Male furchtlos den Stall betrat und sich zur Krippe drängte, wo die Hirten noch anbetend knieten? Zu Füßen Marias legte es sich hin, das Mutte rtisr vor der Mutter Gottes» und

hier fetzte auch der Alte feine Bürde ab, sie vorsich­tig von den Schultern nehmend.

Maria hob in zärtlichem Mitleid die Hand, rührte das kranke Lämmlein an und strich an dem ge- brochenen Beinchen entlang. Es hielt still und zuckte nicht. Kaum aber hatte Maria ihre Hand wieder hinweggenommen, da sprang das Tierchen mit heilen Gliedern auf und zur Mutter hin. Dann liefen beide demütig hinaus und mischten sich un­ter die Herde.

Der Alte aber wischte sich bewegt die Augen und beugte das Knie, um anzubeten.

Der Mohr.

(Sine Weihnachtsgeschichte von Ruth Schaumann.

Es war ein kleiner Knabe, nein fo: es war ein alter Mann, ein kleiner Knabe und ein winziger Mohr. Der erste schenkte dem zweiten den letzteren, und das Bübchen war aller Seligkeit voll. Es war der Christbaum darüber und unter dem Baum war die Krippe und an der Krippe zur Christnacht, verfrüht aber fromm, die Anbetung der Könige bei der Anbetung der Hirten und bei diesen Königen war der König Balthasar mit seinem kohlschwar- zen Angesicht. Darum ward auch der Spielmohr Balthasar genannt. Er hieß gerne Balthasar. Groß, wie die kleine Hand seines Herren, trug er Locken aus gekrämpeltem Pferdeschwanzhaar, seine Augen konnten nicht schlafen, nur schauen. So sah er den kleinen Knaben an, der kleine Knabe sah ihn an, Knaben küssen nicht, auch dieser tat nichts derglei- chen, er klebte der schwarzen Nacktheit seines klei­nen Mohren einen roten, papierenen Rock. Der alte Mann machte eine goldene Halskette dazu, die klei­nen Perlen dafür trennte er heimlich aus dem blauen Kirchgangridikül feiner alten Frau. Sie merkte es sogleich, aber sie sagte niemals, daß sie's gemerkt habe. Die alten Leute liebten den kleinen Knaben, der kleine Knabe liebte die alten Leute, mehr noch liebte er seinen Mohr.

Einen blechernen Wagen erhielt Balthasar mit der Zeit, ein hölzernes Pferdchen, bezogen mit Handschuhleder, kam vor den Wagen, Balthasar fuhr auf dem gehöhnten Tisch spazieren, das war wohl das Morgenland. Alle Soldaten des kleinen Knaben dienten dem Mohren Balthasar. Sie kämpf­ten für ihn miteinander und schossen ihm zu Ehren mit Zuckererbsen Salut, und das Kartenhaus, darin der Mohr thronte, fiel darüber zusammen. Baltha­sar bekam eine feste Burg aus Zigarrenkisten des alten Mannes, der kleine Knabe war voller Glück. Diese Zeit war so hell wie der kleine Mohr schwarz war, dann hob die Dämmerung an. Balthasar Wb sich tmb dem kleinen Knaben getreu, der kleinst

Knabe aber schien ungetreu, er ward grofr :: 1 baten verschwanden, einen trug die ZmimniM, ihr Loch, er sollte sie vor der Katze beschüM Zuckererbsen waren verrollt, die Burg jeriid 8,1 Burg von Büchern war nun auf dem Ä r Glas mit Tinte dabei. Ein Abend fam, ber bef- r den kleinen Mohren Balthasar in der Lm Tisches. Das war die tiefe, tiefe Dunkelheit, M- wie der Mohr war, nein, noch schwärzer

Der alte Mann war tot, er ward auA ,n// Lade gelegt, die alte Frau ging ihm noch. es immer getan hatte. w

Wo ist der kleine Knabe? Hier: er fifit ® * Tische und schreibt, seine Hände sind groB_ Stirn ist hoch und füll, diese einst so kleine, Wr f Stirn, seine Augen liegen so tief barunter, wr Knabe ist ein Gelehrter geworden; die summt, die Feder zirpt, die Bücher riechen Moder. i 4 it-

Es ist Christnacht. Der gelehrte üUcnn Freunden. Es kommt wieder Weihnacht-

Der gelehrte Mann steigt durch die , kaufen, auch er will kaufen. Immer aber, w die Labentür in ber Hand hat, schlagt 'T? anders als immer. Der gelehrte Mann F» ;.1r hat leere Hände. Bei der Lampe ftßfJL crr - die Stirn in die Hand. Es ist eine anders als sonst, sie möchte nicht in die ruhen? Wo möchte sie ruhen? Nuhen ye y , schlafen. Auch die Hand ist nicht V. - Sie will nicht schreiben, sie will nicht Bw) tern, sie zieht alle Laden auf, und ' ,» berum zu: an der obersten Lade ober, 0 ' neten, bleibt sie hangen. Darin liegt der ja*

Wo ist der gelehrte Mann? Hier: er Hp kleiner Knabe und klebt seinem Mohren papierenen Rock. .

Ist dies das Ende? Ach nein, es 'st der Es war ein gelehrter Mann, ein winzig und ein Mädchen. Der erste ?b *

ben zweiten. Er hatte nichts anderes, -wirr > sein Herz hing daran. Balthasar lag in ^.1 dieser Jungfrau; er sah sie an, sie |aj WjL*/-i küßte sie ihn. Mädchen können wohl tune . ?: ben gelehrten Mann hat sie solches g Christbaum war darüber und unter war die Krippe, in der Krippe bas g * 1

Es hat alles gesegnet, damals und ye -rein'' auch hernach segnen, was kommt; etwa aüen, alten ^/rrn, feinen Enkel, Jnj[^ ben, den Mohren Balthasar un5j*L(,nf wie Jungfrau, so selig über ein großes GWv war, die auch dies alles einfältig cri

Und das große Geschenk? Ich dachi - Balthasar sei so winzig gewesen.

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