Einzelbild herunterladen

nell 30 bis 35 Schilling beträgt. Dabei muß man sich vergegenwärtigen, daß der Reallohn der far­bigen Seeleute bedeutend niedriger ist als der Minimallohn; denn der indische, chinesische oder -nalayische Seemann muß einen beträchtlichen Teil ieines Lohnes an die verschiedensten ihn aussaugen- en Vermittler bezahlen.

In dem Maße nun, wie sich die Völker Asiens nach dem Beispiel Japans mit modernen Waffen und Wer k ze u g e n ausrusten, wächst naturgemäß für die Völker weißer Rasse die Gefahr einer Umkehrung des Vor­zeichens der Unterdrückung im Verkehr mit farbigen Völkern, eine Gefahr, die nachgerade über­haupt nur dadurch überwunden werden kann, daß man das berüchtigte Sy st emungleicher Verträge", wodurch die weißen Herrenvölker sich ja seit dem großen Kriege auch gegenseitig zu- arundezurichten trachten, einem internationalen Ver­kehr nach ehrlichen Spielregeln Platz machen läßt.

Die Erfahrungen, die in kolonialen Ländern mit farbigen Sklaven oderKulis" gemacht wurden, hätten denweißen Mann" längst darüber auf­klären sollen, daß sich jeder Mißbrauch seines Vor­sprunges in der Beherrschung moderner Technik gegenüber anderen Rassen an ihm selb st rächen muß. Auf den Baumwollfeldern und Tabakpflan­zungen V i r g i n i e n s und Carolinas lösten Negersklaven weiße Kontraktarbeiter ab, die es eher schlechter als besser gehabt hatten. Es waren großenteils deportierte Sträflinge, die für vier, fünf bis sieben Jahre durch einen Ver­trag in eine Art Leibeigenschaft traten und dabei von ihrem Herrn weitervermietet oder verkauft werden konnten. 1620 brachte ein holländisches Schiff die ersten zwanzig Neger nach Virginien, aber noch 1671 zählte der Bericht des Gouverneurs Barkeley unter 40 000 Einwohnern neben 2000 Schwarzen nicht weniger als 6000christliche Knechte".

Neger wurden dann mehr und mehr bevorzugt, weil sie einmal das Klima bei schwerer Arbeit besser vertragen und zweitens wegen ihrer Hautfarbe leich­ter wieder eingefangen werden konnten, wenn sie entliefen. 1750 machten schwarze Sklaven mehr als die Hälfte der Bevölkerung Virginiens aus.Christ­liche Knechte" stiegen zu Aufsehern über die Neger auf. Körperliche Arbeit überhaupt galt bald für unter der Würde des weißen Mannes. Das wurde denchrist­lichen Knechten" wie ihren Herrn nach Aufhebung der Sklaverei meist zum Verhängnis. Karl Schurz kennzeichnete die Weißen des Südens nach Beendi­gung des Bürügerkrieges als ein ,/ganz verkomme­nes demoralisiertes Volk", das nur durch eiserne Ge­walt in Rand und Band gehalten werden könne. Daraus erklärte sich der große Umfang, wozu d i e Schicht derarmen Weißen" anschwoll, eine Art Pariakaste, die noch heute materiell wie moralisch tiefer steht als der Durchschnitt der Neger.

Aus ähnlichen Gründen hat sich auch in Süd­afrika eine solche Schicktarmer Weißer" ent­wickelt. Alle schwere und schmutzige Arbeit gilt als Kafferarbeit". Es ist der Eingeborene, der die Straßen baut und die Schächte gräbt, der die Koh­len schleppt und die Stiefel putzt, der die Kloaken reinigt und das Essen macht. Der weiße Mann hat die gelernte Arbeit und die Aufsicht über die Arbeit der Schwarzen sich vorbehalten. Ein beson­deres Gesetz macht es zum Verbrechen für einen Ein­geborenen, den Posten einesgelernten" Arbeiters auszufüllen, obgleich ein weißer Arbeiter alle eigent­liche Arbeit, die ihm obliegt, durch schwarzeBoys", die er für seinen Lohn mit unterhalten kann, ver­richten zu lassen pflegt. Dieses Gesetz stempelt aber zugleich jeden Weißen, der, etwa als zugrundegerich­teter Kleinbauer, keinen Beruf erlernt hat, zu einem Paria, weil ihm gewohnheitsmäßig niemand die Ausführung vonKaffernarbeit" überträgt. Fast jeder zehnte Weiße in Südafrika ist ein solcher Poor White". Tausende und aber Tausende solche verkommenen Angehörigen der weißen Rasse führen ein Leben, wie in Europa die Zigeuner, ohne dauernden Aufenthalt, in Zelten oder Grashütten, bettelnd und stehlend.

Inzwischen vollzieht sich i n asiatischen Län- d e r n eine noch bedenklichere Wandlung in den Lebensbedingunaen weißer Menschen. Aus der gro­ßen Masse russischer Emigranten, die nach

Theaterbesuch in Gießen.

Von Will Quadslieg.

Das dramaturgische Büro des Stadttheaters bittet um Aufnahme der folgenden Ausfüh­rungen des jugendlichen Helden.

Ich möchte als einer der jungen Schauspieler einige Worte zum Theaterbesuch im allgemeinen, und im besonderen hier in Gießen sagen. Wir sehen, daß Kreise, die man im Theater wissen mochte, da sie die geistigen und materiellen Mittel besitzen, die unsere Arbeit fördern, den Vorstellungen fernbleiben. Wir fragen uns danach, wie dem ab­zuhelfen sei, und wer die wichtigsten Schritte tun muß, um die Zusammenarbeit zwischen Schauspieler und Publikum zu fördern und zu sichern. Wir sind unserseits mit allem glühenden Willen zum Dienst an unserer Kunst hierhergekommen; wir sehen, wie sich Intendant und Spielleiter in gewissenhafter Ar­beit einsetzen, und doch fehlen große Teile des für unsere Bühne wichtigen Publikums. Wir bemühen uns im größtmöglichen Maße, objektiv nach den Gründen zu suchen.

Es gibt wohl sehr selten Theatervorstellungen, in denen gar keine Schwächen aufzuspüren wären, auch kann man über keine künstlerische Arbeit der­art geteilter Meinung sein, wie über die des Schau­spielers. Aber wir sehen, daß oftmals nur die Schwächen hervorgehoben und daß das Ganze nur nach den Schwächen beurteilt wird. Nun ist der Schauspieler in hohem Maße von der Einstellung des Zuschauers zu seiner Arbeit abhängig. Während seiner Arbeit fühlt er genau die Schwingungen jen­seits der Rampe, die ihm helfen und sein Spiel heben oder im anderen Falle sein Wollen drosseln und sogar vernichten. Viel wäre geholfen, wenn jeder Zuschauer die Verpflichtung erkennen würde, die der Theaterbesuch in sich trägt, mit be­reitwilligem Herzen und mit offenem Ohr das Spiel des Schauspielers zu erleben; denn die Arbeit des Mimen braucht liebevolles Verstehenwollen.

Nur der hat ein Recht, ja sogar die Pflicht zur Kritik, der von sich aus alles zum Gelingen des Theatererlebnisses und zum Bestand des Theaters tut. Unsere alten Freunde, die unsere Liebe zur Welt des Theaters teilen, und durch ihren treuen Besuch beweisen, werden uns zustimmen, daß sehr oft ohne ein Verstehenwollen eine Aufführung und alle voraufgeaangene Arbeit abgelehnt wird; ja daß man sogar, oyne den zu einer Kritik nötigen Besuch der Vorstellung, die gesamte Anstrengung und Arbeit unseres Theaters von vornherein ablehnt.

Unsere Arbeit ist unmöglich und nichts ohne das Publikum. Die Lebensbedmgun'en des Schauspie­lers und seiner technischen Mitarbeiter sind heute

China verschlagen wurden, sanken mit der Zeit zahllose Elemente bis zur Kuli-Rasse herunter. Weiße Rikscha-Kulis sind schon keine Seltenheit mehr in Schanghai. In Charbin sind Straßenkehrer und Gepäckträger meist Russen; Dienstboten und Prostituierte auch in wohlhabenden chinesischen Fa­milien großenteils Russinnen.

Man nennt in den Vereinigten Staaten den Baumwollgürtel bezeichnenderweise dieschuhlose Zone". Die Produktionsverhältnisse auf wenigen modernen mechanisierten Riesenfarmen bestimmen den Marktpreis. Die breite Masse der mittleren und kleinen Farmer sinkt zu Pächtern her- a b und vermehrt das seit der Sklavenzeit sowieso große Heerarmer Weißer". Zerlumpte, barfüßige Gestalten, deren Vorväter vielleicht einst über schwarzen Sklaven die Peitsche schwangen, pflücken einen großen Teil der Baumwolle, die zu Schleu­derpreisen ausgeführt, in japanischen Spinnereien zu den Stoffen verarbeitet wird, deren Dumping-

Preise auf den Weltmärkten die westlichen Textil­industrien zu ruinieren drohen. Wäre es so unge­reimt, zu oefürchten, daß mit der Zeit Millionen und aber Millionen armer Weißer sich abrackern müßten, um für die Industrien der Länder mit far­biger Bevölkerung billige Rohstoffe und Lebensmit­tel zu beschaffen, während es sich bisher zugunsten hoher Profite für weihe Unternehmer und hoher Löhne für weiße Arbeiter umgekehrt verhielt? Die Vormächte der weißen Rasse tun alles Mögliche, eine solche Entwicklung zu einem unausweichlichen Verhängnis zu machen, indem sie die Völker, für deren Schicksal sie verantwortlich sind, in unlös­bare Schuldenprobleme verstricken, ihre Produktivkräfte in falsche Bahnen lenken und ihre Kaufkraft zerrütten. Solange sich daran nichts ändert, wäre eineEinheitsfront der weißen Raffe" für unterdrückte weiße Völker Tor­heit. Die s ch l i m m st e n Verderber der weißen Rasse stehen in ihren eigenen Reihen.

Kühe haben die Leute wenig. Das ist erstaunlich Auf zehn Pferde vielleicht vier Stück Rindvieh. Oe Weide ist schlecht, und Futter bauen sie nicht m. Im Winter sieht das rotbraune Angerer Vieh giini Erbarmen aus. Mit Maislaub allein kann man allerdings auch kein Stück Vieh richtig satt machen

Darum fand ich überall außerordentlich groheg Interesse für den Sojabohnen-Anbau. 2it Bohne gedeiht in dem warmen Klima, ohne daß man die Böden vorher besonders vorbereiten müßte. Die Erträge sind zwar nicht sehr hoch, aber am Weizen- und Maisertrag gemessen, ausreichend. Nur wußte man bisher noch nicht, was man mit der Bohne anfangen sollte. Verkauft konnte sie in den geringen Mengen nicht werden, und das Vieh fraß die ganzen Bohnen nicht; beim Mahlen aber ver. schmierten die Mahlsteine und auch dann noch Der­rn ei gerte das Vieh das allzu fetthaltige Schrot.

Sobald Deutschland von dort unten Sojabohnen in größeren Mengen ab nimmt, wird der Anbau loh­nend. Die schwäbischen Bauern als die Fortschritt­lichen im Lande werden zu der neuen Frucht über­gehen. Sie, die bisher schon die Vorkämpfer für die Verwendung deutscher Geräte und Werk­zeuge waren, werden so in noch engere wirtschaftliche Verbindung mit der alten Heimat kommen.

Wenn sich Bessarabien erst einmal von der russisch- müden Lebensauffassung freigemacht hat, wird eg sich rasch entwickeln und auch dank seiner starken deutschen Bevölkerung in einen lebhaften Handel mit Deutschland kommen.

Dazu bedarf es aber noch brauchbarer Land­straßen, die bei jedem Wetter befahren werden kön­nen und neuer Eisenbahnlinien. Jetzt merkt man dem Lande noch sehr an, daß es Hinterland von Odessa war, und noch keine rechte Verbindung zum neuen Staatsland hat. Gute Bahnlinien nach den Schwarzmeerhäfen Galatz und Braila werden das Land aber an den Ueberfeeverkehr anschließen und damit billigere Frachten nach Deutschland er­geben, als die Banater Schwaben über den Donau- weg nach Regensburg haben.

Ohne Genehmigung keine ASOAp-Kundgebung.

Der - Reichspropagandaleiter der NSDAP, gibt bekannt: Im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers erlasse ich folgende Anordnung:

Öffentliche Versammlungen und Kundgebungen der NSDAP., all ihrer Gliederungen und aller an- geschlossenen Verbände, bedürfen der Geneh­migung des zuständiaen Hoheits­trägers, der über ihre Durchführung im Einver­nehmen mit dem jeweiligen Propagandaleiter ent­scheidet. Diese Veranstaltungen werden genehmigt:

1. durch den zuständigen Ortsgruppenleiter, wenn die Bedeutung der Veranstaltung nicht über den Ortsgruppenbereich hinausgeht;

2. durch den Kreisleiter, wenn die Bedeutung der Veranstaltung über den OrtsgruppenbereiH hinausgeht;

3. durch den Gauleiter, wenn die Veranstaltung eine allgemeine politische Bedeutung für tws Gaugebiet besitzt.

Vor den Veranstaltungen von Kundgebungen, Nie von allgemeiner politischer Bedeutuna für das Reich sind, ist meine Stellungnahme rechtzeitig vorher ein- zuholen.

Die schlagartige Veranstaltung von Versammln n« gen für ein Gebiet, das mehrere Gaue umfaßt, ist nur mit meiner Genehmigung zulässig.

Gez.: Dr. Goebbels Reichspropagandaleitung der NSDAP.

Gefängnis für einen Schwätz e.

LPD. Marburg, 23. Nov. Dor einigen Wochai wurde ein verheirateter Mann namens Baum- bad) in Kirchhain verhaftet, nachdem er ffch in angeheitertem Zustand in verächtlicher Wei:e über ein Bild des Führers geäußert hatte, das Sn einem Gasthaus hing. Vor dem Marburger Schö-> fengericht versuchte Baumbach, die ihm zur Lost gelegten Redensarten abzuschwächen, was ihm, jedoch nach Anhörung der Zeugen nicht gelang. Das Urteil lautete auf sechs Monate Ge­fängnis, wobei die Untersuchungshaft nicht an­gerechnet wird.

Vater stand vor einem Rätsel. Sobald Mutter den Geschwistern heimkehrte, erzählte er ihnen i großer Aufregung den rätselhaften Vorfall, und i« Nacht verging für die ganze Familie in Spannung und Unruhe.

Am andern Morgen kam eine Depesche. Sie ent­hielt in kurzen Worten die Nachricht, daß Fr«« Fanny St. um neun Uhr abends in Krakau eiirr« plötzlichen Todes verstorben sei.

Und die Erklärung des Unerklärlichen?

Dielleickt hat die Willenskraft der Sterb enden bh ehernen Gesetze von Raum und Zeit überwunden Vielleicht hat die von der Erdenlast befreite Seel« auf dem Wege in das unbekannte Land noch ei nm! ihr irdisches Gewand angelegt, um dem geliebte» Bruder Lebewohl zu sagen. Oder hat vielleicht eiw höhere Macht hier gewaltet?

Lauter Fvaaen, auf die unser Menschenhirn wa(|l niemals eine Antwort haben wird ...

Zeitschriften.

Das Fest der Geburt Buddhas in Japan wird u. a. in der neuen Nummer der Jllustri»' t e n Zeitung (I. I. Weder, Leipzig) in eine oi reich bebilderten Beitrag von I. Körber beschriebe». In die Welt der Antike versetzt uns Professor Df- Walter Bombe durch feinen Bericht über die Df grabungstätigkeit im neuen Italien, die eine FD von antiken Kulturresten zutage gefördert hat, hon unter den jüngst in Pompeji gefundenen reiche.' Silberfchatz. Eine ungeheure technische Leistung & Gegenwart: die 2000 Kilometer lange ErdölleitiB von den Mosulfeldern zum Mittelmeer wird ihrer ausschlaggebenden Bedeutung nicht nur ß den Vorderen Orient, sondern auch für Welthand i- und Weltpolitik von Dr. Klopp vom Hofe eiir gehend gewürdigt. Den Maler Max Unold un> seine reiche künstlerische Begabung behandelt ea» Kunstbeitrag von Dr. Bruno Kroll. Dem Photr' liebhaber gibt ein AufsatzDer Winter malt i Schwarz und Weiß" an Hand von künstlerisch^ Winterbildern Anregungen zu guten Winter-Am" nahmen.

Hochschulnachnchten.

Prioatdozent Dr. Hans G l u n z von der Unioen- sität Köln ist zum ordentlichen Professor für lische Philologie und als Nachfolger von Profesftc I m e I m a n n zum Direktor des Englischen Senin- nars an der Universität Frankfurt ernannt mov den. Professor Glunz hat die beiden Aemter st« Beginn des Wintersemesters vertretungswelse g führt.

Bei deutschen Bauern in Bessarabien.

Das Land des Uebermaßes. 10 Eier für 20 Pfennig. Oie Zukunst der deutschen Siedler.

Von Otto Schnellbach.

Bessarabien: Von der weiten, baumlosen, frucht­baren Ebene, von den breiten Dorfstraßen und -den noch breiteren Landstraßen, auf denen man nur bei trockenem Wetter oder im tiefsten Winter fahren kann bis zur Pelzmütze und -dem Teetrinken, mutet das Land russisch an. Man rechnet noch nach Desjatinen und Pud, und russisch (unb -deutsch) hört man mehr sprechen als rumänisch.

Die Rumänen lassen gerade in dieser Ecke ihres Landes den Minderheiten weit mehr Freiheit als sonstwo. Auch die Deutschen nehmen eine Sonderstellung ein; sie haben nach der Revolution mit großer Tapferkeit gegen den Ansturm bolschewi­stischer Truppen aekämpft, und -dafür räumt man ihnen auch Anstellungen bei Post und Eisenbahn sowie im staatlichen Schuldienst ein. Das deutsche Gymnasium in Tarutino und die deutsche Lehrerbil­dungsanstalt in Sa rata machen sich -deshalb vorerst noch keine Sorgen darüber, was ihre Zöglinge ein­mal werden sollen.

Wenn man fragt, wie teuer ein Ei ist, be­kommt man zur Antwort, daß zehn Stück 20 Pfen­nig kosten. Hühner werden nur paarweise gehandelt. Alles ist imUeberfluß und unmäßig: die weite Landschaft, die scharfen Winde, die Zeitverschwen­dung und das Essen.In unserer scharfen Luft muß man gut essen", sagen sie und sie tun's auch.

Alles steht hier im Anfang. Diesen Eindruck des Primitiven, Naturhaften, Urwüchsigen, Gesund-Ein­fachen hat man besonders dann, wenn man von Siebenbürgen kommt. Dort fragt man sich schon: was soll aus der Jugend werden, die in die höheren Schulen drängt? Wo sollen unsere Jung­bauern neues Land herbekommen, -da wir unsere Aecker nicht mehr weiter teilen können und -die Häuser in unseren Dörfern schon dicht beieinander stehen? Wie steuern wir der Kinderarmut? Wie ver­meiden wir, daß unser tausendjähriges Volkstum von den anspruchsloseren Rassen in seinem Besitz verdrängt wird?

Solche Fragen kennt man in Bessarabien noch nicht. Man klagt zwar auch, daß kein freies Land mehr Da sei, aber bis jetzt bringt es jeder Bauer noch fertig, seinem zweiten -und dritten Sohn ein paar Hektar Land zu kaufen und neue Häuser darauf zu bauen. Man teilt -das Land selten und teilt auch nie die Hofreite. Die Häuser stehen noch r^cht weit auseinander. Dabei sind solche Landkäufe ziemlich umständlich in einer Gegend, in der es kein Grundbuch und keine Feldvermessung gibt.

Das Ackerland ist Schwarzerde und trägt immer noch Frucht, obwohl -man seit hundert Jahren einen unerhörten Raubbau treibt. Immer Halm frucht, keine Brache, kein bißchen Dünger. Was aus dem Stall kommt (und das ist viel, denn man hat viele Pferde) wandert auf -den Misthaufen (der wird gut gepflegt, wie ich wollte, -daß es unsere deutschen

Bauern täten). Dann aber wird der schöne, speckige Mist auf dem Hof -ausgebreitet, mit Walzen zu einer dicken Lage gewalzt und, wenn er abgetrocknet ist, in torfähnliche Placken geschnitten, -in großen Haufen aufgesetzt und im Winter verbrannt. Ein Jammer ist das!

Daher sind auch die Ernten in Bessarabien trotz des guten Bodens geringer als in anderen Tei­len Rumäniens. Die Durchschnittsweizenernte der letzten fünf Jahre war in der Bukowina 8,5 dz/ha; in Siebenbürgen 8, im Allreich 7 und in Bessarabien nur 5 dz/ha!

Die Feldbestellung ist sehr einfach. Gepflügt wird mit guten, meist deutschen Geräten; aber man arbeitet nicht tief. Bestellt wird mit der Drill- maschine. Aber dann überläßt man dem lieben Gott die weitere Sorge. ©ibt,s Im Frühjahr noch einen guten Regen, dann gibts eine gute Ernte. Regnet es nicht mehr, -dann gibts nicht etwa eine schlechte Ernte, sondern dann gibts gar keine. Alle paar Jahre hat man eine vollkommene Mißernte. Dann geraten Mensch und Vieh in dem reichen Lande in große Not Unmäßigkeit selbst der Natur!

Die Ernte ist sehr einfach. Mit einem Mittelding zwischen Grasmäher und Ableger wird das Getreide geschnitten und dann fährt man mit dem gezackten Dreschstein über die ausgebreitete Frucht, wobei der Stein und die trappelnden Pferdehufe die Dresch- arbeit leisten. Mit zwei Dreschsteinen und vier Pfer­den kann man im Tag 1000 bis 1300 Kilo Weizen austreten. Wenn man bedenkt, daß die kleinste deutsche Handdreschmaschine -schon eine Tagesleistung von 1000 Kilogramm -yat, dann ist es unverständlich, warum in -dem ganzen Land nur ein paar deutsche Gemeinden Dreschmaschinen haben.

Nach der Ernte von Mais und Wein kommt dann bald der harte russische Winter. Da tun die Leute dann nichts. Auch hier nicht etwa weniger, als im Sommer, sondern gar nichts. Man kommt alle Woche einmal auf den Markt; Mann und Frau auf dem Schlitten, ein Ferkelchen oder ein Schaf -dar­auf. Das Jungpferd und die alte Sau, die man ver­kaufen will, laufen friedlich mit dem Hofhund neben dem Schlitten her. Und wenn niemand sie hat kaufen wollen, dann laufen sie ebenso friedlich wie­der mtt nach Hause: -das nächste Mal vielleicht -bann!

Schönes Vieh haben die -deutschen Bauern dort unten. Neben -den kleinen Panjepferdchen der Russen und Bulgaren sieht man die prachtvollen, schnellen Pferde der deutschen Kolonisten. Die schnellen Tra­ber find notwendig, denn bei Entfernungen der Außenschläge vom Dorf von 10 und 14 Kilometer kämen die Leute mit schweren Pferden, die sonst des schweren Bodens wegen gut wären, nicht herum mit ihren Pflug- und Erntearbeiten.

wie die unserer Zeit: das heißt härter denn je. Aber all unser Idealismus ist vergebens, wenn große Kreise unserer Einwohner unseren Rus nicht hören und in einseitiger Beurteilung unserer Arbeit dem Theater fernbleiben. Wir wollen nicht nur einsehen, daß gerade in unserer schweren Zeit die Ziele des Theaters, Loslösung vom Alltag, wichtig sind; son­dern wir wollen auch erkennen, daß die Verwirk­lichung nur möglich ist, wenn alle Kreise der Be­völkerung zu uns kommen und alle offenen, bereit­willigen Herzens ins Theater gehen.

Dann können wir Entspannung und Kraft geben. Kraft aus der Freude und ebenso wichtig! Kraft aus dem Ernst, also Kraft aus dem Theater­erlebnis.

Unvergeßliches Erlebnis.

Don Tudors von Eichthal

Kein Erlebnis meiner Kindheit hat auf mich einen -fo tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht wie das folgende, das sich zutrug, als ich ein Knabe von acht Jahren war.

Zum ersten Male im Leben stand ich damals vor einem ganz und gar unfaßbaren Ereignis, zum ersten Male dämmerte in der nachdenklichen Kna­benseele -die Ahnung auf, daß es in diesem Leben Dinge gibt, die mit dem Menschenverstand absolut nicht zu fassen sind.

Mein Vater, ein alter pensionierter Offizier, be­setz zu jener Zeit in einer kleinen nord-mährischen Prooinzst-adt ein weitläufiges altes Haus, das wir, meine Eltern, meine Geschwister und ich allein bewohnten.

Vor -der Familie meines Vaters lebte zu jener Zeit nur noch eine Schwester, an der er mit außer­ordentlicher Liebe hing. Kein Tag verging, ohne daß er der Sehnsucht nach seiner lieben Fanny, die als einsame Witwe in Krakau lebte, lauten Ausdruck gab, und auch die Briefe der Entfernten erschöpften sich in Ausdrücken der zärtlichsten Liebe für den schon viele Jahre nicht mehr gesehenen einzigen Bruder.Mein lieber, lieber Louis", schlossen sie jedesmal,meine Sehnsucht nach dir ist grenzenlos, und was auch geschehe, ich muß und werde dich vor meinem Tod noch einmal wiedersehen. Es ist der einzige Wunsch, den ich auf Erden noch habe, und der liebe Gott wird ihn mir sicher erfüllen."

Aber wie das schon so ist: die Entfernung war für damalige Begriffe ziemlich groß, -das Reisen um­ständlich und kostspielig, kurz die Erfüllung dieses Wunsches verzögerte sich von Jahr zu Jahr.

Eines Winterabends Mutter mit den älteren Geschwistern war im Theater befand ich mich mit Vater ganz allein im Wohnzimmer. Es war das ein sehr großes, langgestrecktes Gemach, in dessen einer

Ecke sich die Eingangstüre befand, während wir, Vater und ich, in der diagonal gegenüberliegenden Ecke an einem Tisch sahen. Vater legte nach seiner Gewohnheit die große Napoleons-Patience, ich machte meine Schulaufgaben. Der Winterfturm tobte um das alte Haus, im Ofen pfiff und fang es, sonst war kein Geräusch zu hören.

Plötzlich eben hatte es vom nahen Rathaus­turm neun geschlagen ging die Zimmertüre. Mein Vater, seit der Schlacht von Königgrätz auf einem Ohr taub, hörte das Geräusch nicht. Ich aber spähte in -die Dunkelheit, die die auf dem Tisch stehende Petroleumlampe nur sehr mangelhaft zu durchdrin- gen vermochte.

Anfangs konnte ich nichts wahrnehmen. Plötzlich -aber trat eine hochgewachsene Gestalt aus dem Dun­kel in den Lichtkreis der Lampe. Es war eine ganz in schwarz gekleidete Dame, die einen bis zum Boden herabfallenden dichten Kreppschleier trug, -der ihre Züge vollkommen verbarg.

Papa, schau, wer da ist!" sagte ich erstaunt und deutete auf den späten Besuch.

Mein Vater schaute auf. Er war von -dem Anblick der unangemeldet eingetretenen Dame so überrascht, daß er, der stets ritterliche alte Offizier, sogar ver­gaß, aufzustehen und dem Besuch entgegenzugehen.

Wer sind, mit wem habe ich das Vergnügen?" stammelte er betreten.

Die Fremde stand einige Sekunden regungslos. Dann erhob sie genau entsinne ich mich noch jeder ihrer Bewegungen langsam die schwarzbehand­schuhte Hand und schlug den Schleier zurück. Ein mir völlig unbekanntes Gesicht kam zum Vorschein, dessen wachsgelbe Färbung mir besonders auffiel.

Fanny, liebe, liebe Fanny!" rief in -diesem Augenblick, indem er aufsprang, mein Vater.Du kommst mich besuchen? Wie lieb ist das von dir!"

Die fremde Dame antwortete nicht. Mit einem unbeschreiblich wehmütig-zärtlichen Ausdruck sah sie meinen Vater einige Augenblicke lang an. Dann ließ sie den Schleier langsam wieder fallen, wendete sich lautlos um und verschwand in der Dunkelheit, wie sie gekommen war.

Fanny, ja wohin gehst du denn!" rief mein Vater, die Lampe erfassend und ihr nacheilend. Durch die jähe Bewegung erlosch jedoch die Lampe.

Geschwind, lauf ihr nach!" gebot mein Vater, in­dem er sich bemühte, die La-mpe wieder anzuzünden. Aber ich fürchtete mich und wich nicht von der Stelle.

Sobald das Licht wieder brannte, eilten wir der Entschwundenen nach. Aber so sehr wir auch das ganze Haus absuchten, wir konnten sie nicht finden. Weder die Magd in -der Küche noch die Köchin, die nach ihrer Gewohnheit um diese Zeit unten am Haustor lehnte und auf die Straße blickte, hatten irgendetwas von einer fremden Dame bemerkt.