Nr. 225 Zweites Blatt
siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, 24. September 1934
Neugestaltung
der studentischen Erziehung.
Don Andreas Keickert, Führer der Reichs- schaff der Studierenden an den deutschen
Koch' und Fachschulen.
Im Zuge der Neuordnung der Deutschen Studentenschaft, welche durch die Erlasse der MinffterHeß und Rust eingeleitet ist und bei der für die verschiedenen Arbeitsgebiete Pg. Derichsweiler als NSDStB.-Führer und ich als Führer der Deutschen Studentenschaft für eine endgültige Vereinheitlichung und Arbeitsmöglichkeit der Studenten Sorge zu tragen haben, sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, deren Notwendigkeit nur zu verstehen ist aus der bisherigen Lage und aus dem Aufbau der Studentenschaft überhaupt
Meine Hauptaufgabe wird es sein, von der Phase des rein propagandistischen Angriffs der Studentenschaft gegen die heutige Wissenschaft weg zu einem tatsächlich konkreten Arbeitseinsatz der Studentenschaft in der Wissenschaft und für eine nationalsozialistische Wissenschaft zu kommen. Der nationalsozialistische Staat braucht in seinen Akademikern Männer der sachlichen Tat und nicht des Wortes allein.
Die Linien, die die Studentenschaft hier beschreiten wird, werden aus den demnächst erfolgenden praktischen Arbeitsansätzen klar hervortreten. Um diesen geistigen Kampf gewinnen zu können, braucht die Studentenschaft eine fest geschlossene, in sich politisch und weltanschaulich klar ausgerichtete einheitliche Mannschaft, die bisher großenteils nicht vorhanden war. Bisher überlieferte T r a - ditionen und Lebensformen find uns wertvoll, soweit sie lebendig sind und für einen Neuaufbau eingesetzt werden können. Ich glaube hier aber grundsätzlich, daß es zur Zeit vorwiegend darauf ankommt, die Form der Einheitlichkeit der Studentenschaft auch in ben äußeren Lebensformen zu dokumentieren und zu fördern.
Der Kampf um die Neugestaltung der deutschen Wissenschaft, genau wie der Kampf der NSDAP, um die Erringung des Staates kann nicht von einer Vielfalt der verschiedensten Organisationen unter den verschiedensten Führern und nach verschiedensten Richtlinien geführt werden, sondern muß von einer geschlossenen studen- tischen Jugend, die mit einem Ziel, einer Aufgabe von einem Führer geleitet wird, durchgesetzt werden. Dieser Notwendigkeit, für die Zukunft zu schaffen, dient meine Verfügung über die Kameradschaftserziehung. Ihr Prinzip liegt darin, daß ich das, was an bisherigen Formen des ftudentenfchaftlichen Lebens bestand, durchaus anerkenne und es nicht angreife, daß aber von dem jetzigen Zeitpunkt ab die aus der HI., SA. und Arbeitsdienst kommende Hochschuljugend zu einer geschlossenen einheitlich geführten studentischen Mannschaft geformt werden muß.
Nur dadurch wird die Großartigkeit und Kraft einer Arbeit her Jugend zur Ueberwindung einer überalterten Form der Hochschule gewährleistet. Ich bin mir darüber klar, daß ein Teil der Altherrenschaft diese Neuregelung mit sehr gemischten Gefühlen ansehen wird, daß auch ein Teil der studentischen Jugend in dieser Neuregelung Härten finden wird. Man kann nicht jedem alles recht machen. Regelungen, die eine Neuentwicklung einleiten, sind immer von Geburtswehen begleitet, welche überstanden werden müssen. Es wird eine Frage der Kraft und des Willens gerade auch der Altakademikerschaft gemeinsam mit der studentischen Jugend sein, ob sie den Mut aufbringt, in neuen Zeiten neue Regelungen zu bejahen und an ihnen mitzuarbeiten. Es geht nicht darum, das Uebertommene anzugreifen, sondern es zu überwinden.
Der größte Teil der Mitarbeiter am Aufbau innerhalb der Reichsführung und Kreisführungen der
Deutschen Studentenschaft setzt sich zusammen aus Korporationsstudenten, die heute noch in allen Ehren ihr Band tragen, die als Nationalsozialisten erprobt und bekannt sind und für eine na- tionalfozialistische Durchführung der Arbeit unter Achtung und Wahrung des Ueberfommenen Sorge tragen.
Für die Neuregelung der Kameradfchaftserziehung steht eines fest. Ein Teil der Korporationen wird nicht herangezogen werden können. Es ist das eine Notwendigkeit, die von der Deutschen Studentenschaft nicht beeinflußt werden kann. Die Ausweitung der Korporationen ist zu verstehen gewesen aus der ständigen Erhöhung der Zahl der Studierenden an den Hochschulen vor der nationalsozialistischen Revolution. Wir haben demgegenüber heute den Zustand, daß, ob wir wollen oder nicht, die Zahl der Studenten sich in einem gesunden Absinken befindet.
Während bor anderthalb Jahren noch an 1OOOO bis 12 000 erste Semester auf die Hochschule tarnen, werden zum Wintersemester 1934/35 nur etwa 4000 Studenten, voraussichtlich noch weniger, ihr Studium an deutschen Universitäten und Hochschulen beginnen. Diese niedrige Zahl wird nach menschlichem Ermessen während der kommenden Jahre nicht zu-, sondern abnehmen. Es wird dadurch dafür Sorge getragen, daß die heute für die Hoch- schulen der ganzen Welt drängende Frage der Schaffung eines akademischen Proletariats für Deutschland in absehbarer Zeit gelöst fein wird.
Für diese 4000 ersten Semester stehen andererseits heute etwa 1 5 0 0 Korporationen zur Verfügung. Jeder vernünftige Mensch kann sich ausrechnen, daß auf Grund ganz praktischer Notwendigkeiten ein großer Teil der Korporationen einfach an der Nachwuchsfrage scheitern muß! Selbstverständlich könnte man die Dinge jetzt laufen lassen und sagen, wenn diese Entwicklung eintreten wird, bann soll man die Entscheidung nur der Entwicklung überlassen. Das geht aus drei Gründen nicht:
1. Jede Korporation spürt heute die Nachwuchsfrage als die für sie dringendste Frage und versucht unter allen Umständen und mit a l l e n M i 11 e l n , sich weiteren Nachwuchs zu beschaffen.
2. Bei ständiger Verkleinerung des Nachwuchses muß ein Kampf um jeden einzelnen jungen Studenten einfetzen, der mit allen Mitteln von Angeboten, Vergünstigungen usw., die nicht nationalsozialistischen Motiven entspringen können, durchgeführt werden muß und zum großen Teil eine ständige Kampfstellung einer Korporation gegen die andere her- beiführen müßte. Die Unruhe auf der Hochschule und in der einzelnen Studentenschaft würde ständig vergrößert.
3. Der Leidtragende in diesem Falle wäre der junge Student, der in einen ungeheuren Streit der Meinungen hereingerissen würde, während gerade die Aufgabe darin liegt, ihn zu einem klaren Einsatz in seinem Studium kommen zu lassen.
Diese Gründe machen es für die Studentenschaft notwendig, ordnend einzugreifen. Sie wird aus den Wohnkameradschaften der be stehenden Korporationen nach Maßgabe des vorhandenen Nachwuchses die besten herausgreifen und diese für die Arbeit der nationalsozialistischen Erziehung einsetzen. Die Entwicklung des letzten Jahres hat es möglich gemacht, die Qualität der einzelnen Wohnkameradschaften nach unserer Wertung festzustellen
Ob die Durchführung einer nationalsozialistischen Arbeit jetzt möglich sein wird, liegt nicht an der Führung der Deutschen Studentenschaft allein, sondern liegt an der studentischen Jugend und an der Altakademikerschaft. Die Einheit der politischen Arbeit des deutschen Arbeiters ist heute gewährleistet. Die Einheit innerhalb der
geistigen Schichten auf der Hochschule und in der studentischen Jugend ist n o ch nicht durchgeführt. Ob die Akademikerschaft, ob die studentische Jugend den Augenblick jetzt erfassen kann, ob sie begreift, daß der Neubau der Erziehung des studentischen Nachwuchses im nationalsozialistischen Sinne letzten Endes eine Frage der Kraft und des Einsatzwillens der geistigen Schichten Deutschlands
für den Nationalsozialismus bedeutet, das muß sich zeigen. *
Der Führer der Reichsschaft der Studierenden an den deutschen Hoch- und Fachschulen, Andreas F e i ck e r t, wird am Montag, dem 24. September um 19 Uhr, über den Deutschlandsender zur deutschen Akademikerschaft sprechen.
Hermann Löns kehri heim in die Heide.
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Wo Hermann Löns künftig ruhen soll: Die Steinhäuser bei Fallingbostel in der Lüneburger Heide. — Wir gedenken des gefallenen Dichters ausführlich im heutigen Familienblatt.
Braucht die Landwirtschaft neue Kredite?
Von Dr. Arthur Herrmann.
In Anbetracht der Wichtigkeit dieses Themas ünd mit Rücksicht auf die ab 1. Oktober 1934 ablaufende Frist über Hypotheken- ünsermähigung bringen wir nachstehend Äußerungen des.stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Agrarkredit bei der Hauptgruppe 10 (Danke n) der deutschen Wirtschaft.
Unbedingte Vertragstreue und zuverlässige Zahlungsmoral sind die Grundlagen jeder gesunden Kreditwirtschaft. Auf dem Gebiete des Agrarkredits find durch die Fehler einer liberalisti- fchen Wirtschaftspolitik, die die Landwirtschaft in das kapitalistische Wirtschaftsgeschehen einbezog, schwere Fehler gemacht worden, die die oben genannten Grundsätze erschüttert haben. Das Reichs- e r b h o f g e s e tz hat die Voraussetzungen geschaffen, um Vertragstreue und Zahlungsmoral wieder auf einen hohen Stand zu bringen, indem es die Quellen der Ueberschuldung der Landwirtschaft beseitigt hat. Hypothezierte Restkausschulden und Erbteilsabfindungen werden in Zukunft nicht mehr den Bauern und Landwirt in Zins- und Schuldknechtschaft
stürzen. Neben diesen grundlegenden Mißständen hat die liberalistische Wirtschaftspolitik der Vergangenheit den Fehler begangen, daß sie bei ihren Maß- nahmen für die Landwirtschaft bewußt nicht klar unterschieden hat zwischen Krediten und Subventionen. Indem man der Landwirtschaft Subventionen in der Form von Krediten gegeben hat, hat man selber die Axt an die Wurzel der Zahlungs- moral gelegt. Es war ein verhängnisvoller Fehler, daß die früheren Regierungen nicht den Mut aufgebracht haben, von vornherein Subventionen auch als solche zu kennzeichnen.
Der Nationalsozialismus hat hier grundsätzlich Wandel geschaffen. Das Reichserbhofgesetz wird feine segensreichen Wirkungen auf dem Gebiet des Agrarkredits bann zeigen können, wenn die Entschuldung der Erbhofe einmal durchgeführt sein wird. Wir befinden uns gegenwärtig in der ersten Etappe: der der Umschuldung. Die zweite Etappe wird eine Entschuldung fein, die die Voraussetzungen schaffen roirfJ und schaffen muß, um im Sinne des Programms des Reichst) auern- führers nicht nur den Bauern des Gebrauchs von
Ländlicher Herbst.
Von Peter Bauer.
Die Dorf st raße.
Dom blau-weiß marmorierten Himmel strahlt die Sonne wie ein riesiger Scheinwerfer hellen Glanz in die schmale Häuserschlucht der Dorfstraße. Gleich blanken Knöpfen funkeln die schwarzblauen Schot- terfteine ihres sanft gewölbten Rückens, und ver- einzelt schimmern zuweilen aus dem grauen Gossen- staub zierliche Goldstäbchen von Strohhalmen auf. Leer und abgefchirrt stehen hochräderige Leiterwagen, die das letzte Grummet eingeholt haben. Sein süßer Duft ist überall zu wittern. Er bringt durch Scheunenwände und Stalltüren. Dor Gartenzäunen und neben Haustreppen liegen Reisigbündel und Stammholz zum Trocknen aufgeschichtet. Da und dort spalten schon blitzende Beilhiebe auf knorrigen Haustümpfen die ersten kleingesägten Klötze zu schmalen Scheiten. Herber Harzgeruch verströmt letzte Waldkraft.
Hinter Fenstern und in kleinen grüngestrichenen Gitterkästen davor glühen noch immer Geranien mit ihren ziegelroten Ballen voll praller Fülle, und an den Zweigspitzen rundkroniger Fuchsienstämm- chen tanzen die zierlichsten Blüten in~ roten Miedern mit bald weißen, bald blauen Röckchen unbekümmert von einem Tag in den andern. Sie nehmen aus den sonnigen Nachmittagen noch Glanz ufrö Wärme genug in den Abend mit, um in kühlen Stern"nnächten und unter den tief durchs Tal schleifenden Nebelschleppen der Morgenfrühen nicht schauern und frieren zu müssen.
Der Wiesenpfad.
Es gab eine Zeit, da man ihn suchen mußte, so dicht bogen sich die schwanken Halme und Stengel der Wiesenblumen von beiden Seiten über ihn, als wollten sie den Menschen den Zutritt wehren in ihre wogende Farben- und Duftwildnis. Da wimmelte es von Dolden und Rispen, von Aehren und Glocken in buntem Gepränge, und weiß, braun und zitronengelb gaukelten die honiglüsternen Falter in der Sonne auf und nieder.
Jetzt hebt sich der Pfad wie ein schmaler brauner Läufer weithin sichtbar von der grünen Fläche ab. Er ist kahl und leer geworden, wie ein Allee, der man die schattenden Bäume gefällt hat. Die von der letzten Schur noch mooshoch zurückgebliebenen Gräserstummel können mit ihrem schon selbst ab« geblaßten Grün die vielen fahlen und braunen Stengel kaum mehn verdecken Alles Leben der Wiese scheint ausgeftorben wie in einer zerstörten
Stadt, aus der die Bewohner geflüchtet sind. Spär- lich leuchten wie verglimmende Lichtstümpfe verstreute Herbstzeitlosen. Nur die kleinen Heuschrecken springen übermütig in den Stoppeln umher, als hätten sie Freude daran, daß sie sich jetzt so muhelos tummeln können. Sie brauchen nicht Die Fluge! zu entfalten, wenn sie sich emporschnellen, denn es sind keine hohen Hindernisse mehr zu nehmen. In flachen Bogen fetzen sie, durch die Erschütterung nahender Schritte aufgeschreckt, bald rechts, bald links über den Pfad. Und weithin erfüllt das schrille Sirren der Männchen, die um die Gunst der stummen Weibchen ein wahres Wettfiedeln veranstalten, die Luft. Oft steigern sich Tempo und Tonstärke der hitzigen Freier bis mit dem endlichen Sieg des Erhörten die eintönige Musik iah abbricht. Sie mag den Werbern wie den Umworbenen liebliche Herzenssprache sein, irgendwie an scharfen Sensenfchnitt erinnernd stimmt sie nachdenklich und schwermütig.
Der Waldsteig.
Er ist steil und steinig. Den klimmenden Schritten dienen die wenigen Grasbüschel als Stufen. An den Rändern platzen lautlos Samenkapseln an braunen Blumenstengeln. Die zwar noch immer dunkelgrünen, aber besenkahl gewordenen Ginster- büsche rascheln mit ihren schwarzen ausgeschuttelten Schoten. Zwischen dicken Mooskissen glüht brano» und weinrot das niedrige Laubdickicht der Heidelbeere. lieber ihm lodern auch in den sperrigen Eichen- und Haselhecken schon die Feuer des Herbstes. Die Blätter gilben bis ins Zitronenhelle, bekommen zwischen dem grüngebliebenen Geäder wie auch an der Kerbung leben und ^arrubraune Flecken und Flächen und krümmen schließlich ihre Ränder nach innen wie sich schließende fionb«;, bie genug empfangen und nichts mehr zu erwarten haben. Während die Eichen schon größtenteils ihre grünen, glänzenden Früchte abwarfen, halten die Hafeln ihre Nüsse noch bis zum völligen Braunwerden in schützenden Laubzipfeln fest. Die an ben Unterteilen ber Eichenblatter murmelgroß aufge- fchwollenen Gallen gleichen m lhrer halb gelben, halb roten Färbung mit ben vielen helleren Punk- ten reifen Erdbeeren. Aus ben verschwender.schduf- tenben Geisblattblüten sind kleine lohanmsbeer- artige Früchte geworben, ebenso sichere Erkennungs- Zeichen wie Die prall prangenben Hagebutten ber Heckenrose.
In ben Lichtungen beherrscht weithin die zu dich- fern Gestrüpp verwucherte Herde das Erdreich und die stimmenden Plenen tummeln sich mit Elser zwischen den lila leuchtenden Bluteninseln. Zuwe»
len enthuscht eine überraschte Eibechse, bie auf einem angewärmten Stein bem Sommer nachträumte, wie es mit gleichem Behagen ber Flug kleiner Bräunlinge unb Nesselfalter zu tun scheint.
Im Tann.
Zwischen ben rötlichbraunen Stämmen mit bem bürren Untergeäft war es schon bem Frühling unb bem Sommer zu bunfel. Wie sollte ba ber Herbst etwas finben, woran sich seine Freube entzünben könnte? Im verwitterten Nabelschutt kriechen wie immer bie gekrümmten Wurzeln gleich armbicken Nattern umher unb bringen jeben Schritt ins Stolpern. Lockt einmal ein leuchtender Pilz, so verwan- delt sich im letzten Augenblick ber vermeintliche Hut in einen freisrunben Lichtfleck, ben bie Sonne mit einem Golbstrahl an ben Boben tupft. Knistert es plötzlich hinter einem unb setzt es mit Sprung unb Husch ben nächsten Stamm hoch, bann scheint sich ein zappeliger Kobolb unb nicht ein Eichhörnchen im Wipfelgezweig zu verstecken.
Es ist nicht geheuer im Tannenforst, unb bie Jahreszeit hat keine Macht über ihn. Darum fetzt ber Herbst ben roten Fingerhut vor feine Finsternis wie einen Wegweiser, vorüberzugehen.
Fingerabdrücke
durch Bildfunk und Ueberseekabel.
Das Fingerabbruckverfahren erweist sich, nach- bem jetzt auch burch Bilbfunk eine Uebermittlung ber Fingerabbrücke in kürzester Zeit auf weitere Entfernungen möglich geworben ist, als ein immer wirksameres Mittel zur Jbentifizierung von Verbrechen. Ehe man bieses Verfahren kannte, war man auf bie Anwenbung bes viel umstänblicheren Bertillonschen Systems angewiesen, einer „antro- pometrischen Registratur", einer Körpermessung unb einer Beschreibung ber Physiognomie nach bestimmten Eigenschaften. Vielfach hatte man auch anbere äußerliche Merkmale zur Beurteilung eines Beschuldigten herangezogen. So konnten geschulte unb erfahrene Beamte bestimmter kriminalistischer Sonberadteilungen schon aus Blick unb Hänben gewisse Folgerungen ziehen, z. B. verriet ein eigentümlicher Glanz unb eine fladernbe Unruhe ber Augen bei gespannter Aufmerksamkeit einen Falsch- spielertyp. Als „Berufsmerkmale" konnten auch sorgsam mit Glyzerin unb Golbcreme gepflegte Hände gelten, bie zubem eine befonbere Sensibilität aufweifen mußten, um bie winzigen Markierungen auf ben Spielkarten abzutasten. Aber unbe- dingt schlüssig waren alle diefe Erkennungsmerk
male nicht. Erst der Fingerabdruck gab eine solche Jdentifizierungsmöglichkeit, insbesondere weil er den Verbrecher zugleich unauflöslich mit feiner Tat selbst verband. Allerdings muß an diesem Fingerabdruckverfahren mit Zähigkeit und Geduld festgehalten werden; ein besonderes Schema nach Lage und Richtung der „Schleifen" und Zahl der „Seiften" ermöglicht die geordnete und übersichtliche Aufbewahrung der Abdrücke, so daß sie jederzeit rasch zum Vergleich herangezogen werden können. Oft ist so erst nach geraumer Zeit die Aufdeckung eines Verbrechens, manchmal alsdann aber gleich einer ganzen Kette von Verbrechen möglich. Eine absichtliche Verletzung der Fingerspitzen kann nur für einen kurzen Zeitraum die Abdrücke wertlos machen, denn bald prägen sich die Schleifen, Wirbel und Spiralen der Tastlinien wieder in der ursprünglichen Form aus. Neuerdings wurde in Dänemark ein System der Klassifizierung ausgestellt, durch das auch ohne Vorlage des Abdrucks ein Vergleich angestellt werden kann. Darnach ist es nunmehr möglich, unabhängig von der Bildübertragung, nach einem bestimmten Code den Fingerabdruck zu kabeln, so daß beispielsweise für eine Uebermittlung des Abdrucks nach Australien, einschließlich des dort angestellten sorgfältigen Vergleichs und der Refultatübermittlung nicht mehr als 24 Stunden beansprucht werden.
Öocbfcbulnacb richten.
Professor Dr. Franz B e y e r l e, Ordinarius für deutsches, bürgerliches und Handelsrecht an der Universität Frankfurt, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Leipzig angenommen.
Professor Dr. Hellmut Hasse, Ordinarius für Mathematik an der Universität Marburg, hat einen Ruf als Ordinarius für Mathematik an der Universität Göttingen angenommen.
Der Baudirektor Heinrich Blecken in Duisburg hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Bauwesen an der Technischen Hochschule in Breslau angenommen.
Der Direktor des Städtischen Pathologisch-Hygienischen Instituts in Chemnitz, Professor Dr. Martin Staemmler wurde zum ordentlichen Professor der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie an der Universität K i e l als Nach, folger von Professor L. I o r e s ernannt.
In Halle ist Geh. Rat Professor Dr. Philipp Strauch im Alter von 82 Jahren gestorben, der $is 1921 als o. Professor der deutschen Sprache uqs Q^Urnhir an der Universität Halle wirkte.


