Furchtbare Bergwerkskatastrophe in Mittelenglan-.
Explosion setzt die Schachtanlagen von Wrexham in Brand. - Es muß mit 260 Toten gerechnet werden.
Hunderte von Bergleuten im brennenden Schacht.
London, 22.5ep. (DRV.) 3n einem Kohlenbergwerk in der Rähe von Wrexham im mittel- englischen Industriegebiet hat sich eine schwere Explosion ereignet. Die Schachtanlagen sind in Brand geraten. Kurz vor der Explosion waren gerade 400 Bergleute eingefahren. 156
Bergleute befanden sich in dem Teil der Grube, der von der Explosion betroffen wurde. Die Rettungs- arbeiten werden durch den Brand überaus stark behindert. Unter Verwendung von Sand und Erde und allen anderen erdenklichen Mitteln versuchte man, der Flammen Herr zu werden. Aerzte und Sanitäter, die aus der ganzen Umgebung herangezogen worden sind, können wegen des Brandes noch nicht im ausreichenden Mähe eingesetzt werden. Die Rettungsmannschaften arbeiteten unaufhörlich die ganze Rächt hindurch, um die Bergleute, die in der Grube eingefchloffen sind, zu erreichen. Bisher sind keine weiteren Leichen gefunden worden. Das Feuer ist jetzt eingedämmt. Der Lhefinspektor der Gruben, Sir Henry
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Bradford
Wrexham
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Walker, ist am Samstagmorgen in den Schacht eingefahren, um die weitere Untersuchung zu leiten.
„Eine undurchdringliche Feuerwand."
Zu der furchtbaren Bergwerkskatastrophe bei Wrexham werden weitere Einzelheiten bekannt. Danach besteht kaum eine Hoffnung auf Rettung der mehr als 200 abgesperrten Bergleute. Alle verfügbaren Polizeibeamten, Aerzte, Krankenschwestern und Apotheker des Bezirks wurden an Ort und Stelle gesandt. Viele Mitglieder der Rettungsmannschaften brachen trotz ihrer Sauerstoffmasken zusammen und mußten aus dem von Sch l a g w e t t e r n erfüllten Bergwerk an die frische Luft gebracht werden. Sie wurden aber in jedem Falle sofort von Freiwilligen ersetzt. Das Bergwerk beschäftigte 1859 Arbeiter unter Tag und 375 über Tag.
Im Laufe des Samstagnachmittags wurden aus dem brennenden Schacht des Kohlenbergwerks bei Wrexham neun Tote geborgen. Es handelt sich dabei aber um sieben Schlepper, die in der Nähe der Schachtöffnung tot aufgefunden wurden, und um zwei Angehörige der Rettungsmannschaft, die bei dem Versuch der Hilfeleistung ums Leben kamen. Von den Bergarbeitern, die im Innern des Bergwerks gearbeitet hatten, konnte noch kein einziger geborgen werden, da eine u n - durchdringliche Feuerwand das Eindringen der Rettungsmannschaften unmöglich machte.
Die brennende Grube wird zugeniauett.
Aus Wrexham wird berichtet, dah nur zehn Leichen geborgen worden sind, darunter die von zwei Mitgliedern der Rettungsabteilungen. 3n der Rächt zum Montag wurden die überlebenden Grubenponys an die Oberfläche gebracht. Zur gleichen Zeit war in 800 Metern Tiefe eine Abteilung von Bergleuten damit beschäftigt, den brennenden Teil der Grube durch Querwände aus Ziegelsteinen und Zement luftdicht abzusperren. Da jetzt endgültig mit einer Verlustliste von 260 Toten gerechnet werden muh, ist die Katastrophe von Wrexham die drittschwerste, die England in diesem 3ahrhundert getroffen hat. Die Zahl der Opfer war nur in zwei Fällen gröher, nämlich im 3ahre 1910, wo in Lancafhire 344 Bergleute den Tod fanden, und im 3ahre 1913, wo in Glamorgan 439 Bergleute starben. G e l d s a m m l u n g e n für die Hinterbliebenen des Drexhamer Anglücks find bereits in vollem Gange. Am Sonntagabend waren über 7000 Pfund Sterling gezeichnet.
Schreckliches Vraudunglück auf einer oberschleffchen Kohlenhalde.
34 Arbeitslose in Flammen. — Bisher 6 Todesopfer.
k a t t o w i h, 22. Sept. (DRV.) Auf der Kohlenhalde des Klara-Schachtes bei Kuba ereignete sich am Samstagvormittag ein entsetzliches Unglück. Wie gewöhnlich war die Kohlenhalde, die noch an verschiedenen Stellen mit glühender Schlacke durchsetzt ist, von zahlreichen Arbeitslosen bevölkert, die dort Kohlen sammelten. Als von einem Grubenzug neue Kohlenabfälle abgeladen wurden, schlugen plötzlich aus der Halde in grohern Umfange Flammen empor. 34 Arbeitslose, die sich in der Rähe des Grubenzuges befanden, wurden von den Flammen ersaht. Unter gellenden Hilferufen liefen die Unglücklichen, brennenden Fackeln gleich, auseinander und bemühten sich vergeblich, sich der brennenden Kleider zu entledigen. Einige von ihnen sprangen in einen in der Rähe liegenden Grubenteich, wodurch es ihnen gelang, dem Flammentod zu entrinnen. Alle 34 erlitten schwere Brandwunden. Von ihnen sind inzwischen sechs unter schrecklichen Quoten verstorben. Unter den Toten befinden sich zwei Frauen. Sechs
weitere Schwerverletzte befinden sich noch in Lebensgefahr.
Zu dem Brandunglück werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Der Gegenzug, der die Kohlenabfälle aus der Grube auf die Halde bringen sollte, wurde bereits während der Fahrt, gewöhnlich von zahlreichen Arbeitslosen bestiegen, die auf diese Weise möglichst zuerst die in dem Abfall noch enthaltenen echten Kohlenstücke bei der Entladung der Wagen an sich nehmen wollten. Diese Wagen waren von einer dicken Kohlenstaubschicht bedeckt, die sich beim Entladen offenbar an den aus der Halde vereinzelt emporschlagenden Stichflammen entzündeten. Die Folgen waren furchtbar. Der heftige Ostwind trieb eine zehn bis fünfzehnMeter hohe Flammenwand von etwa 30 Meter Länge und 20 Meter Breite über die Halde. Ein Arbeitsloser nach dem anderen wurde von den Flammen erfaßt. Entsetzliche Szenen spielten sich ab. Die mit Kohlenstaub bedeckten Kleidungsstücke der Arbeitslosen brannten wie Zunder. Die Rettungsaktion wurde von der Grubenwehr sofort eingeleitet.
Aus aller Welt.
Letzte Verlustziffern von der japanischen Taifunkatastrophe.
Das japanische Innenministerium teilt die Liste der Opfer der Taifunkatastrophe mit. Danach fanden den Tod 2054 Menschen, 13 335 wurden verletzt, 258 werden vermißt, lieber den Materialschaden der Wirbelsturmkatastrophe liegen folgende amtliche Ziffern vor: 8200 Häuser wurden vom Wasser fortgespült, 18000 stürzten ein, 22 000 wurden beschädigt, 170 000 wurden überschwemmt: üoer 200 Schulen sind zerstört oder beschädigt; 330 Brücken und 500 Fahrzeuge aller Art haben Schaden gelitten. An vielen Stellen längs der Küste wurde das Land bis zu einer Tiefe von 400 Meter von großen Flutwellen überschwemmt.
3nbisches Fährboot gekentert. — 93 Menschen ertrunken.
In der Nähe von Manuro in der Präsidentschaft Bombay kenterte ein Fährboot. Don 226 Passagieren sind 93 ertrunken. Ungefähr 100 konnten gerettet werden. Heber 30 werden vermißt.
Eröffnung des Münchner Oktoberfestes.
Am Samstag fand die Eröffnung des größten deutschen Volksfestes, des Münchener Oktober f e st e s , nach altem Brauch und alter Sitte mit einem großen prachtvollen Festzug statt. Reichsstatthalter Ritter von Epp, Ministerpräsident Siebert, die Staatsminister Wagner und Esser mit Oberbürgermeister Fichler nahmen von der Ehrentribüne im neuen Renn- und Turnierplatz den Vorbeimarsch des Zuges ab. 50 originelle Gruppen der Zünfte, voran Musik in der Uniform
der alten Bürgergarde und SS. zu Pferde bildeten zusammen mit dem Zug der Schützen und einer Gruppe von Schenkkellnern zu Pferd den festlichen Reigen, für dessen Zustandekommen sich der Präsident des Münchener Stadtrates Weber besondere Verdienste erworben hat. Die künstlerische Leitung des Zuges lag in den Händen von Professor Haager und Stadtrat Flüggen. Das altgewohnte fröhliche Leben und Treiben auf der belebten Wiese kam bei dem verlockenden Herbstwetter schon in den ersten Nachmittagsstunden in Schwung. Tausende durchströmten die Straßen der Wiesen zu dieser Zeit, so daß sich bald em wollendes Gedränge entwickelte. Viele strömten zu dem ersten Rennen, dem ersten richtigen Wiesenrennen, das seit langer Zeit wieder die Münchener und ihre Gäste aus nah und fern erfreute Auch das Oktoberfest-Landesschießen begann zu gleichen Zeit. Diesem kommt eine besondere Bedeutung zu, weil dort auch die deutschen Meisterschaften ausgetragen werden. Die ersten Sonderzüge zum Oktoberfest sind in München eingetroffen. „Kraft-durch-Freude - Urlauber, die ihre Heimfahrt nach Hamburg unterbrachen, und ein Sonderzug mit Festbesuchern aus Zürich.
Festnahme eines Werkspions auf der „Bremen".
Auf dem Lloyddarnpfer "Bremen" ist ein 32jähriger Mann namens Kurt S. fest genommen worden, der bei den deutschen Polizeibehörden feit längerer Zeit im Verdacht des Patent- diebstahls und schwerer Werkspionage Hebt S war bis zum Oktober vorigen Jahres bei einer Berliner Radiofirma als Versuchsmechaniker tätig Bei der Firma war der Verdacht aufgetaucht, daß er Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse an aus
ländische Firmen verriet oder zu verraten suchte. Als man ihn festnehmen wollte, war er spurlos verschwunden. Die Ermittlungen ergaben, daß er sich tatsächlich wichtige Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse sowie Zeichnungen angeeignet und damit das Weite gesucht hatte. Man stellte weiter fest, daß S. sich zeitweise in Paris und London sowie in Italien und zuletzt in Neuyork aufgehalten hat. Als S. nun von Neuyork aus auf der „Bremen" nach Deutschland unterwegs war, wurde er auf dem Dampfer festgenommen. Von Bremen aus ist er nach Berlin gebracht und dem Richter vorgeführt worden.
Gtosch-Garrasaui t
Der weltbekannte deutsche Zirkusdirektor Hans Stosch-Sarrasani ist, wie bereits kurz gemeldet, im Alter von 61 Jahren im Deutschen Krankenhaus von Sao Paulo (Brasilien) g e ft o r» den. Mit ihm verliert die internationale Zirkuswelt einen ihrer bedeutendsten Vertreter. Darüber hinaus hat Deutschland den Heimgang eines Mannes zu beklagen, der für den deutschen Namen auf bas erfolgreichste gewirkt hat. Sarrasanis Leben war ungewöhnlich bewegt. 1873 als Sahn eines Landgutbesitzers in der Provinz Posen geboren, wurde er mit 16 Jahren Stallbursche in einem Wanderzirkus. Bereits nach einem halben Jahr trat er als Tierclown auf. Als einmal ein Löwe ausbrach, rettete Stosch einem Kinde das Leben und wurde dafür zum Stallmeister ernannt. Als Clown Sarrasani bereiste der junge Mann bald ganz Europa. Er führte dressierte Affen, Gänse, Katzen, weiße Ratten usw. vor und holte sich damit große Erfolge. Seinen ersten Zirkus begründete er als 29jähriger mit drei Wagen und fünf Pferden. Von jetzt ab wechselten Glück und Unglück fortwährend. Bei der Eröffnungsvorstellung des „Zirkus Sarrasani" riß ein Sturm das Zelt ab. Doch Stosch ließ sich nicht entmutigen und vergrößerte sein Unternehmen bald durch die Erwerbung der Tierbestände des Zirkus Busch und des Kostüm- fundus des Zirkus Schumann in Berlin. Mit diesem Bestand errichtete er in Dresden einen eigenen festen Zirkusbau und machte außerdem weite Reisen. Als der Krieg ausbrach, hatte er bereits 211 europäische Städte besucht. Im Kriege selbst verrichteten seine Pferde und sogar seine Elefanten Dienste für bas Vaterland. Danach ging Sarrasani ins Ausland. Durch seine Tüchtigkeit hat er maßgebend baran mitgewirkt, daß in ben Jahren nach bem Kriege besonbers in den südamerikanischen Staaten Deutschland sich bald wieder seines früheren Ansehens erfreute.
Fünf Menschen von einer Granate zerrissen.
In einem kleinen Dars im Grappa-Tal nordwestlich von Treviso (Oberitalien) sanden junge Leute in einem Dickicht eine offenbar aus der Kriegszeit stammende 21-Zentimeter-Gra- na t e. Gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern versuchten sie, das Geschoß zu öffnen. Dabei ging es unter furchtbarem Krach in die Luft. Die Umstehenden wurden zu Boden geschleudert. Fünf Personen wurden durch Splitter gräßlich zugerichtet und sanden den Tod.
Eine Geheimschrift aus der Zeil Ludwigs XIV.
Im Polizeimuseum von Neuyork ist augenblick- lich ein sehr seltenes und interessantes Schriftstück ausgestellt. Es handelt sich um einen Schlacht
befehl, der die Unterschrift des Marschalls Ludwigs XIV., Catinat, trägt. Dieser Befehl rourbd in jener Geheimschrift abgefaßt, bie nur Ludwig XIV. und feinen drei Marschällen bekannt war. In dieser sogenannten „Großen Geheimschrift" gab der Sonnenkönig auch den Befehl zur Zerstörung der Pfalz. Erst im Jahre 1900 wurde diese Geheimschrift entziffert. Von den Dokumenten, die in dieser Schrift abgefaßt sind, sind nur ganz wenigs vorhanden.
Mister kench kehrt reumütig zurück.
Als dieser Tage der Direktor des amerikanischen Staatsgefängnisses in Jefferson City morgens seinen Dienst antreten wollte, wurde ihm in dringlichster Angelegenheit ein Mister Arthur Kench gemeldet. Dem Direktor kam es so vor, als habe er einmal einen Mann dieses Namens irgendwie kennengelernt, aber er entsann sich im Augenblick nicht mehr genau. Bis Herrn Kench eintrat: da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, denn dieser Herr war vor elf Jahren aus seinem Gefängnis ausgebrochen und bis heute von der Polizei nicht wieder gefunden worden. — Mister Kench stellte sich freiwillig zur Verbüßung seiner damals unterbrochenen Strafe, deren Rest noch acht Jahre beträgt Nach seiner Flucht betätigte sich Kench im Alkoholschmuggel und verdiente damit sehr viel Geld. Aber nach der Aufhebung der Prohibition mußte er, um so mehr, als er für Gangstergeschäfte wie Entführungen und dergleichen nicht mehr elastisch genug ist, hungern. Die Armut hat ihn nun wieder ins Gefängnis zurückgetrieben. „Ich bin froh", sagte er dem Direktor, der ihn mit allen Anzeichen herzlicher Freude in seinen vier Wänden willkommen hieß, „wieder ein Dach über dem Kopf und die Gewißheit zu haben, jeden Tag dreimal ordentlich zu essen zu bekommen. Acht Jahre habe ich noch gut, vergessen Sie das bitte nicht, Herr Direktor, und dazu kommen noch zwei Jahre roeaen gewaltsamen Ausbruchs, — ich bin demnach für die nächsten zehn Jahre untergebracht —."
Zwei Streckenarbeiter vom U-Vahnzug überfahren.
Ein folgenschwerer Unfall ereignete sich auf dem U-Bahnhof Vinetastraße in Berlin-Pankow. Dort wurden zwei auf den Gleisen beschäftigte Arbeiter von einem rückwärtsfahrenden U-Bahnzug, der umrangieren sollte, erfaßt und überfahren. Während der eine auf der Stelle getötet wurde, erlitt sein Arbeitskollege schwere Verletzungen am Kopfe und an den Unterschenkeln, sowie eine Gehirnerschütterung. Die Ursache des bedauerlichen Unglücksfalles bedarf noch eingehender Untersuchung.
Pestepidemie
In der Mandschurei. — Bisher 140 Todesopfer.
Die mandschurische Agentur Kokuzu teilt mit, daß in Tunljao 30, in Nuan 90 und in Taiping 20, insgesamt 140 Personen, an Pest verstorben sind. Die mandschurischen Behörden haben umfangreiche Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche getroffen.
Chinesische Seeräuber überfallen einen Dampfer.
Chinesische Seeräuber überfielen einen zwischen Tientsin und Schangfang verkehrenden chinesischen Dampfer, e n t f ü h r t en 56 männliche Passagiere als Geiseln und plünderten den Dampfer vollständig aus. Die an Bord befindlichen Frauen blieben unbehelligt.
Frauenmord im Walde.
Vor einigen Tagen hatte sich die Maurersgattin Rosine Horn st einer aus Adlkofen bei Landshut (Niederbayern) auf den Weg gemacht, um sich mit dem Rad zu ihrem Bruder nach Jesendorf zu begeben. Als die Frau am nächsten Tage nicht nach Hause zurückkehrte, fuhr der Mann zu seinem Schwager und mußte zu seinem Schrecken erfahren, daß die Gattin gar nicht dort angekommen war. 'Wenig später fanden die beiden Männer dann die Gesuchte im Kroeninger Forst t o t auf. Die Leiche weist eine Schnittwunde am Hals auf. Der Tod dürfte durch Verbluten eingetreten sein. Nach den Spuren zu schließen, hat ein Kamps mit dem Opfer stattgefunden. Der Mörder konnte noch nicht gefaßt
Kunst und Wissenschaft.
Reue Bücher von Friedrich Schnack.
Im Jnseloerlag erscheinen demnächst die neuen Bücher von Friedrich Schnack: der Mädchenroman „Der erfrorene Engel" und die Bilderbogengeschichte „Land ohne Tränen". werden.
Llm die Ausklärung des Falles Lindbergh.
Vor einer zweiten Verhaftung? - Hauptmann leugnet hartnäckig und wird erneut belastet.
DNB. Neuyork, 22. Sept. Wie die „Los Angeles Times" erfährt, haben Agenten des Bundes- juftizamtes in Los Angeles der Polizei in Neuyork Mitteilungen gedrahtet, die voraussichtlich zu der Verhaftung von mindestens einem Mann in Neuyork führen wird, der an der Entführung des Kindes Lindberg hs beteiligt fein soll. Die Agenten behaupten, ermittelt zu haben, daß sich Hauptmann im Jahre 1931 mit einem ihm sehr ähnlich sehenden Manne in Los Angeles auf- gehalten habe. Daß mindestens noch ein Zweiter an dem Verbrechen beteiligt ist, geht auch aus einer Aussage Dr. Londons, des Mittelsmannes Lindberghs, hervor, der bei der Auszahlung des Lösegeldes an der Kirchhofsmauer den Eindruck hatte, daß ein zweiter Mann in der Nähe „Schmiere" stand.
Die Neuyorker Geheimpolizei begann mit der Suche nach der Frau, die, wie angenommen, an der Entführung beteiligt war. Der Leiter des Detektivbüros, Polizeiinspektor Sullivan, erklärte, daß nach der Entführung des Kindes unter den Fenstern des Lindberghschen Hauses in Hopewell (New Jersey) weibliche Fußtapfen entdeckt worden seien.
Ein gegenwärtig dienstlich in Wien weilender deutschsprechender Neuyorker Detektiv, Arthur Johnson, wurde telegraphisch angewiesen, sich nach Leipzig zu begeben, um die Erklärung des verhafteten Hauptmann nachzuprüfen, daß ihm ein Mann namens Isidor Fisch die in der Garage gefundenen 13 750 Dollar zur Aufbewahrung gegeben habe. Johnson hat weiterhin den Auftrag, nach Kamenz zu fahren, um Besprechungen mit den Polizeibehörden aufzunehmen, da man annimmt, daß ein Teil des Lösegeldes von Hauptmann möglicherweise an Angehörige in Kamenz geschickt worden ist.
Viertägiges Verhör.
Nach viertägigem, fast ununterbrochenem Verhör, während dessen 'er nur wenig Nahrung erhielt, oer- blieb Hauptmann bei seiner Aussage, daß er w e - der mit der Entführung, noch mit bem
Lösegeld etwas zu tun habe. Dr. Conti o n äußerte die Ansicht, daß wenigstens drei Personen an dem Entführungsplan beteiligt gewesen seien, und daß eine davon später ermordet worden sei. Condon erklärte, daß der bereits mehrfach erwähnte Isidor Fisch, ein anderer Mann und eine Frau sich von den Vereinigten Staaten nach Deutschland begeben hätten. Nach Amerika zurück- gekehrt seien jedoch nur die Frau und der andere Mann. Fisch sei in Deutschland gestorben und liege auf dem Leipziger Friedhof. Condon regt an, die Leiche Fischs wieder a u s z u g r a b e n, um die Todesursache festzustellen.
Die Schriftsachverständigen erklärten, daß im Lindbergh-Fall sämtliche belastende schriftlichen Aeu- ßerungen zweifellos von Hauptmanns Hand stammen. Das Bundesjustizamt hält die Annahme aufrecht, daß mindestens zwei Personen an dem Verbrechen beteiligt sind. Die Polizei in New Persey nimmt sogar an, daß zwei Männer und eine Frau in das Verbrechen verwickelt sind. Den Aussagen eines gewissen Paullin, der seinerzeit einen Brief in Geheimschrift von Hauptmann erhalten haben will, wird wenig Bedeutung beigemessen. Dagegen wurde eine blonde Frau vom Distriktsanwalt vernommen, deren Aussagen ernster genommen werden, lieber den Inhalt des Verhörs ist noch nichts bekannt geworden.
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Oberst Lindbergh und feine Frau haben am Sonntagnachmittag von Los Angeles im eigenen Flugzeug die Reise nach Neuyork angetreten, um den Behörden bei der weiteren Untersuchung gegen Richard Hauptmann zur Verfügung zu stehen^
Hauptfchriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Öen übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VIII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'jche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämllich in Gießen.


