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Kr. 170 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger -General-Anzeiger für Vberheffen)

Dienstag, 24-Zuli 103^

Vor 20 Jahren.

Das Großfeuer in Dorf-Gill.

Sie Tragödie der 13 Tage. Ein Zeitkalender der Tage des Kriegsausbruchs vom 23. 7. 4. 8.1914.

Der zweite Tag: 24. Juli.

Deutschland schlägt vor, den Konflikt zwischen Österreich und Serbien zulokalisieren".

Oe st erreich - Ungarn erklärt an Ruhland, d-h es keine Annexionen in Serbien plane und Serbiens Unabhängigkeit nicht antasten wolle.

Der Thronsolger-Regent Alexander von Ser­bien richtet an Zar Nikolaus ein Hilfegesuch.

Italien mißbilligt Oesterreichs Vorgehen sowie ton Inhalt des Ultimatums und behält sich freie hmd vor.

12.30 Uhr bis 15 Uhr: Unterredung des russischen Außenministers S a s a n o w mit den Botschaftern Englands (Buchanan) und Frankreichs (p a - l(otogue). paleologue sichert Ruhland $rant- nichs Hilfe zu.

Safanow zum österreichischen Botschafter Grafen

Szapary:Sie wollen Serbien mit Krieg überziehen. Sie haben die Brücken hinter sich verbrannt. Sie stecken Europa in Brand!"

3 Uhr: Russischer Rlinisterrat stellt fest, dah die militärische wie innenpolitische Lage Krieg möglich mache. Waffenhilfe-Veschluh für Serbien, prinzipielle Bereitschaft zur Teilmobilisierung gegen Oesterreich-Ungarn.

Sasanow schlägt^Wien Verlängerung der Ser­bien gestellten Frist vor und erbittet Unterstützung dieses Wunsches durch die vier Großmächte.

Grey erklärt dem deutschen Botschafter Fürst Lichnowsky:Die Gefahr eines europäischen Krieges ist, falls Oesterreich serbischen Boden betritt, in nächste Nähe gerückt." Er schlägt Votschafterkonferenz der vier Grohmächle: Deutschland, Frankreich, Eng­land, Ruhland in London vor.

Sas erste Denkmal der nastonalsozi'aliflischen Bewegung.

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Zwei eindrucksvolle Bilder von dem schweren Brandunglück.

Aus der provinzialhaupifiadi

Es ist eine alte Erfahrung aller Meteorologen, tnh, sobald ein bestimmtes Wetter einige Zeitlang cnhält, und zwar länger als sonst gewöhnlich, sofort in Publikum die Meinung auftaucht, wir gingen emer noch schlimmeren derartigen Zeit entgegen. Wenn es im Kriege einmal zwei Wochen mg rgnete oder trocken blieb, so wurde das dem (-.chießen zugeschrieben. Jetzt, wo dieser Erklärungs- ci-und nicht mehr zur Verfügung steht, denkt man En ein Austrocknen der Erde, weil es selten

die Einlösungspflicht auf. Die Münzen haben dann nur noch ihren Metallwert.

Die Fristen für die Einlösung mußten verhält­nismäßig kurz angesetzt werden, da die neuen Fünf­reichsmarkstücke fast dieselbe Größe haben wie die zur Einziehung kommenden Dreimark- und Drei- reichsmarkstücke. Die sich daraus ergebende Mög­lichkeit der Verwechslung dieser beiden Geldsorten muß daher möglichst schnell beseitigt werden. Um sich vor Schaden zu bewahren, liegt es im Inter­esse jedes Volksgenossen, so schnell wie möglich die in seinem Besitz befindlichen Dreimark- und Drei­reichsmarkstücke auszugeben, damit sie zu der mit der Einziehung beauftragten Reichsbank zurückge­langen. Die zur Erinnerung an besondere Be­gebenheiten geprägten Dreireichsmarkstücke sind von der Außerkurssetzung nicht ausgenommen.

Zum Tag der deutschen Lehrer.

Roch wenige Tage trennen uns von unserer ersten großen Reichstagung in Frankfurt a. M. Sie soll und wird sein der betonte und gewaltige Aus­druck der einheitlichen Front aller deutschen Er­zieher, des Nationalsozialistischen Lehrerbundes, als Glied der großen Organisation unseres Führers, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, der Trägerin des politischen Wollens. Die Tagung wird für uns fein die Quelle erhöhter Kraft zu neuer und nachhaltiger Arbeit am Werk Adolf Hitlers: sie wird sein der Ausdruck der Treue und des Bekenntnisses zu Adolf Hitler, zut Nation und zum neuen Staat. Darum hat jeder Erzieher seine Ehre darin zu sehen, an unserer Tagung teil- zunehmen, insbesondere aber wir vom gastgeben­den Gau. Ich erwarte daher von allen Kreisob­leuten, daß sie, alle ihre Kreisangehörigen als Teil­nehmer an der Tagung melden; ebenso auch als Ergänzung die Nichtteilnehmer bis zum 20. August.

Hessen-Nassau auch in der Disziplin voran!

Ringshausen, Gauobmann.

Die Beurlaubung von Schulkindern.

Das Hessische Staatsministerium. Ministerial- abteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volksbildung teilt in einer Bekanntmachung an die Direktionen der höheren Schulen und an die Stadt- und Kreisschulämter folgendes mit:

Einem Ersuchen der ReichszentraleLand­aufenthalt für Stadtkinder e. V." in Berlin ent­sprechend, ordnen wir im Einverständnis mit dem Herrn Reichsmmister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an, daß den Schulkindern, die zum Erholungsaufenthalt auf das Land entsandt werden, weitere sechs Wochen Urlaub erteilt wer­den können, wenn der Landaufenthalt in die Schul­zeit fällt."

An alle Amtswalter und Mitglieder der NS.-Bolkswohltahrt.

Am Mittwoch, 25. Juli, abends 20.30 Uhr, findet im Cast Leib, Walltorstraße 38, eine Versammlung für alle Mitglieder und Amtswalter der NS.-Volks- wohlfahrt statt.

Es spricht Kreisschulungsleiter Pg. Michel. : Thema:Die Aufgaben der NS.- Volks - : wohlfahr t". Erscheinen ist Pflicht! Der Besuch i der Versammlung von Amtswaltern und Mitglie- : dern der anderen Gießener Ortsgruppen ist er- t wünscht.

Es bricht nun die talerlose Zeit an. Das mag uns vielleicht Svmbol sein. Denn der Taler war immerhin das Dreifache einer gewöhnlichen Mark wert. Wir werden uns also jetzt darauf einstellen müssen, nicht mehr in Talern, sondern in Mark zu denken und w rechnen Denn wer den Taler, zu dem 300 Pfennige gehörten, nicht wert war, der hat in einem Staat nichts zu bestellen, in dem 100 Pfennige ein Kapital sind. Dieses Kapital stellt das Entgelt für eine Summe von geleisteter Arbeit dar. zu deren Entlohnung der Staat die klingende Münze geprägt hat. Der Tod des Talers soll uns deshalb ein günstiges Vorzeichen fein. Wir wollen ihn nicht beweinen und ihm nachtrauern, sondern wir wollen den Pfennig hölM in Ehren halten.

Kig.

Nach einer Verordnung des Reichsministers der Finanzen vom 6. Juli 1934 gelten die zur um­laufenden Dreimark- und Dreireichsmarkstücke ab 1 Oktober 1934 nicht mehr als gesetzliche Zahlungs­mittel. Diese Münzen behalten also ihre Kaufkraft nur noch bis zum 30. September 1934. In den fol­genden drei Monaten, und zwar bis zum 31. De­zember 1934. werden die Dreimark- und Dreireich^ Markstücke von allen Reichs- und Landeskassen noch in Zahlung genommen und gegen andere Zah­lungsmittel umgewechselt. Ab 1. Januar 1935 hört

zen, sodaß Einöde eintrat und der freigelegte Sand die Seen zuschüttete.

Nimmt das Oberflächenwasser ab, so ver­dunstet weniger Wasser, und damit wird der Niederschlag geringer. Das geschieht aber auch nur örtlich, nicht auf der ganzen Erde, denn wir haben z. B. Regenmessungen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus von Palästina und aus dem vierten von Vorderindien, die mit den heutigen Ergebnissen völlig übereinstimmen. Wer auf die untergegangene Kultur in Mesopotamien hmweist, muß sich erinnern, daß in alten Zeiten dort em großartiges Bewässerungssystem bestand, das spater vernachlässigt wurde und jetzt wieder erneuert roer-- den soll. So verhält es sich nach Nansen auch mit Armenien.

In Jndustriegegenden ist durch die Tiefbrunnen und durch die Bergwerksschächte ost die das Grund- masser tragende undurchlässige Schicht durchstoßen, so daß es in die Tiefe abfließen kann. Durch die Flußregulierung wird das Wasser schnell dem Meere Ozugeführt und durch die BesteigungI der Ufer am Einsickern und Speisen des Grundwassers

gehemmt

Trotzdem ist die Meinung, daß die ^een aus- trocknen, nicht zutreffend, jedenfalls nicht für alle. So gibt es eine ganze Reihe von Seen m verschiede- nen Erbteilen, die wieder an Wasser Z" nehmen. Qum Beispiel mußte die 1882 dicht am Aralsee ge­baute Eisenbahn später lanbeinroart5 ^rUgt roer» den, da der Wasserspiegel stieg Beim Df roro ee in Mazedonien war das sogar dreimal notig ich konnte kürzlich nachweisen, daß .sein Schwanke lediglich davon abhing, ob unterirdische Abzugs spalten durch Steine und Sand verstopft waren ode infolge Wasserdrucks frei wurden.

sich

1911un $1921 wohl noch schlimmere ^^nheiten hatten Im Frühjahr 1893 regnete es vielfach an 40 bis 50 Tagen nicht einen Tropfen, unb nn f unb Winter 1908 fielen in Berlin in 62 i^agen E "mm (R Sit-r je Quabratmeter) unb tm Otafeer MLZTÄM

Jahrzehnte umfaßt. _____

Schweres Unwetter über Ubembeüen.

DNB Nierstein, 23. Juli. Auch über Rhein- hellen aina am Sonntagnachmittag ein schweres A J n »r9 ! n m e 11 e r nieder, bas großen Schaden nnriAtetP Ungeheure Wassermassen, die die Wein- heVunterströmten, überfluteten die Bahn­berge heru s bie Straßen unpassierbar. In ÄinUnmu^tebiebSe«er Ur ®affer gefe6t jcieqmii . Weinbergen I st sehr

Freiwillige Feuerwehr. SA. unb Arbeils- uvJ;ron hnfh zur Stelle, um wenigstens die d)enst Ä gtadenfjeim vom Geröll frei»

jsregnet hat.

In den Fachzeitschriften ist schon unendlich viel inrüber geschrieben und gelegentlich auch in den Z«ageszeitungen aber es ist eigentümlich, daß viele, de darüber sprechen, die früheren Veroffentlichun- flE?n (auch in ihrer Zeitung) nicht gelesen haben, fenn leider besteht ja in weiten Kreisen die Mei- tuung, daß jeder, wie in der Medizm, so auch beim ßetter mitreden kann, sogar mit schon von andern unzählige Male vorgebrachten faulen Witzen, wah- st-nd man doch nicht findet, daß wir Meteorologen Ms über den Beruf des Neunmalklugen luftig ge­macht hätten. Ebensowenig die Mediziner!

Kein Meteorologe und kein Schäfer oder See­mann kann das Wetter mit unfehlbarer Sicherheit torausfagen, und jeder preußische Schäfer wurde m 8 ayern, jeder Ostseefischer an der Nordsee elend ver­sa gen. In der Astronomie handelt es sich um feste Qeltkörper, beim Wetter aber um Luft, die sich strtwährend verändert und daher mit Instrumenten Nid Rechnungen schwer faßbar ist.

Wenn man deshalb vorläufig kaum zu einer siche- ien Wettervorhersage für die allernächste Zeit ge­lingen wird, so haben wir doch andererseits ziemlich vrohlbegründete Erfahrungen über den Wltterungs- otaratter kommender Zeiten. Z. B. für die Land­wirtschaft ist es wichtiger zu wissen ob b e r i ä ch st e Sommer naß ober trocken fern wird, weil man danach Dünger geben ober sparen kann, cis wie das Wetter morgen ist. Unb |o können wir auch mit recht großer Sicherheit uns zu der frrage äußern, ob die Erde einer Trockenzeit ent- lLgengeht. , . ,

Austrocknen der Erde kann erstens erfolgen wenn für das vorhandene Wasser größere Versicke- lungsmöglichkeit als bisher entsteht, wenn cllsa die Erde mehr Risse feiner und gröberer Art mb Höhlen bekäme als früher. Davon aber ist ! e i n e Rebe, denn wenn auch durch die immer cirößere Urbarmachung von Wäldern mehr Wasser Mietern kann, so wird anderseits durch Aecker in bisherigen sandigen Einöden mehr Wasser an den Zoden gebunden.

Allerdings nimmt stellenweise das Ober- s läch e nwasser ab, aber eben doch nur stellen­weise- jedenfalls hat man beim Meere das nicht efun'den Wohl aber weiß man von einer ganzen Reihe von Gegenden in allen Erdteilen, daß dort Seen verschwunden sind, Quellen ver­siegten und Brunnen austrockneten. Vielfach kann man auch die Ursachen dafür angebem An besiedelten Gegenden wird durch Brunnen und Wasserwerke dasGrundwassersogeenkt, !.. Teiche und Flachbrunnen versiegten- tiefer em- j efchnittene Kanäle entzogen den anliegenden Aeckern !»as Waller für die Wurzeln des Getreides, lieber- i mensi warenlu. mäßige Viehwirtschaft in Südafrika verbrauchte zu- Bahnstrecke N s in-el Wasser, und das Vieh zertrampelte alle Pflan- zulegen.

Talers Ende.

Bis zum 1. Oktober muß derletzte Taler" in die Reichskasien zurückgewandert sein. Seine aller­letzte Stunde wird alleVdings erst mit dem letzten Taae dieses Jahres geschlagen haben Dann gehört ber" Taler von dem es so viele unb schöne Ge­schichten unb Märchen gibt, selbst der Geschichte an. Mit dem Taler ist es übrigens schon lange eine eigene Geschichte. Dem Buchstaben nach lebte er eigentlich schon seit bem 19 Mai 1908 nicht mehr. Denn von diesem Tage ab gab es als Reichs­münze nur noch das Dreimarkstück. Beinahe em Vierteljahrhundert führt also der Taler schon em Scheindasein, obwohl er als Hartgeld von Hand zu Hand ging. Seine Volkstümlichkeit war tief in den Sprachgebrauch eingewurzelt. Bekanntlich kostete m feinen besten Zeitendas ganze Klafter Süßholz einen Taler", wenn im Grünewald Holzauktion mar. Auch als nach der Papiersintflut wieder em mageres Silberstück im Nennwert von 3 Reichs­mark geprägt wurde, hing ihm noch die alte Liebe an, und der Mischling segelte unter der Talerflagge. Nebenbei bemerkt war der wirkliche Taler schon kein Voll-, sondern Halbblut gewesen. Sein tatsäch­licher Silberwert betrug ungefähr die Hälfte.

Der Taler ist bis auf unsere TageHandelsob­jekt" geblieben. Kaufhändel werden noch immer durch 'Handschlag und in Talerrechnung abgeschlos­sen. In den Zeiten unserer Väter und Großväter war der Taler beinahe das landläufige Geldstück schlechthin. Lohn und Geschenke des Gesindes gingen nach Talern, Einstand und Abstand ebenso. Es gab Ziehtaler" undSühnetaler". DasHandgeld" war meist ein Taler, und wer den Pfennig nicht ehrte, war des Talers nicht wert. In diesem Sprich­wort wird der Taler vermutlich noch Geschlechter kommen unb gehen sehen. Auch das Märchen vom Sterntaler wird noch Kindeskinder entzücken. Der Taler war Großmutters heimlicher Schatz im Strickstrumvf, bevor sie ihn inGoldfüchse" um­wechselte Ihre Töchter brachten die Mitgift in Ta­lern in die Ehe, und jeder Freier wußte,wie schwer in Talern" so einGoldfisch" war.

ein Bayreuth wurde dies Denkmal durch den Stabsleiter der Obersten Leitung der PO. Dr. L e y am 21. Juli enthüllt.

Gehen wir einer Äockenheil entgegen?

Don Dr. G. Kaßner, Professor an der Technischen Hochschule, Berlin.