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Nr. 95 Zweiter Blatt

Glrtzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Dienstag. 24. April (934

SV.Zahresiag der Begründung von Deutsch -Südwestasrika

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Unten links: Franz Adolf Eduard L ü d e r i tz. dem die Begründung der Kolonie zu verdanken ist. Oben links: Angra Pequena, das heutige Lüderitzbucht, das als erste deutsche Siedlung gegründet wurde. Damals waren es nur wenige Häuser. Wie sehr die Siedlung sich entwickelt hat, zeigt unser Bild rechts, das einen Ueberblick über die heutige Stadt Lüderitzbucht gibt. Oben rechts: Die Hissung der deutschen Flagge in Angra Pequena durch die Mannschaft der deutschen KorvetteLeipzig", deren Entsendung den ersten militärischen Schutz für die neue Kolonie bedeutete.

Mit den deutschen Leitern in Nizza.

partements Alpes Maritimes Benedetti, der hiesige Divisionskommandeur und die Turnierlei­tung, deren Seele Graf Gantier-Dignal ist, haben ihr Möglichstes getan, um den zahlreichen ausländischen Gästen den Aufenthalt angenehm zu gestalten. Die Natur und die Lage Nizzas boten die besten Voraussetzungen dazu.

Alles in allem kann man es schon heute als sehr erfreulich bezeichnen, daß Major von Wal­den fels mit seinen Reitern die weite Fahrt von Hannover bis Nizza unternahm. Unseren Reitern wünschen wir für Nizza und für das anschließende

Turnier von Rom den besten Erfolg, wie freuen uns an dem Eindruck, den sie hinterlassen haben. Wenn die Trinksprüche auf den Reichspräsidenten und den Präsidenten der französischen Republik, sowie auf die deutsche und die französische Armee, die hier gewechselt wurden, mit dazu helfen, daß unnötige Hemmungen zwischen hüben und drüben beseitigt werden, so sind nicht umsonst die Farben des Dritten Reiches in l'Arenas aufgezogen und das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied vor den Fran­zosen erklungen.

Ser28.Sängeriag desSeuffchen Sängerbundes

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Der Bundesvorsitzende und die Ehrengäste der Berliner Tagung. Don links: Der württem- bergische Staatsminister Schmidt; der Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., Alfred Rosenberg, der als Ehrenführer des,Bundes der Tagung beiwohnte; der neue Vorsitzende des Bundes, Oberbürgermeister Meister (Herne i. W.); der bisherige Bundes- Vorsitzende Rektor Brauner.

Kameradschaftlicher Willkomm. - Starke Konkurrenz.

Don unserem nach Nizza entsandten v. G.-Sonderberichterstatter

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Nizza, den 22. April 1934.

Sollte man es glauben? Sechzehn Jahre nach dem Kriege sind deutsche Uniformen in Nizza noch ein Ereignis. Aber es ist kein Zufall, daß eine sportliche Veranstaltung den Anlaß für den ersten offiziellen Besuch einer deutschen Offiziersmannschaft in Frankreich gab. Auf dieser Grundlage vermögen sich erfahrungs­gemäß Vorurteile und Mißverständnisse und son- stiae Abneigungen, die zwei Völker trennen könnten, nicht zu behaupten Als die deutschen Reiter die Einladung zum 14. Internationalen Militär-Reit­turnier nach Nizza annahmen, um den Besuch der französischen Offiziersmannschaft in Berlin zu er­widern, hätte so mancher, der die Stimmung in Nizza und Umgebung kannte, nicht geglaubt, daß die Aufnahme unserer Offiziere hier so herzlich und kameradschaftlich ausfallen würde, wie wir sie in diesen Tagen erleben. Reiter und Pferde sind auf das beste untergebracht und genießen olle Aufmerksamkeiten, die man sich denken kann

Die Berührung französischer und deutscher Reiter­offiziere in Berlin und Nizza hat sogar manches sonst ablehnende französische Blatt dazu bewogen, dem Reitsport die Rolle einer Entspannung in den deutsch-französischen Beziehungen zuzubilli- gen. Dabei hätten unsere Offiziere um dieses Er- gebnis nicht einmal zu reiten brauchen: ein im Bild festgehaltener Händedruck eines französischen

Das Daimler-Denkmal in Schorndorf

In dem Städtchen Schorndorf bei Stuttgart wurde zum Gedenken an den Pionier des Kraftwagen­baues, Gottlieb Daimler, der vor 100 Jahren dort geboren wurde, ein Denkmal enthüllt. Unten links: Der württembergifche Reichsstatthalter Murr bei feiner Weiherede,

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und deutschen Generals vor dem Ehrenmal der Gefallenen von Nizza und der persönliche Kontakt des Publikums mit den Reichswehroffizieren waren in dieser Hinsicht wirkungsvoller als die sportlichen Leistungen der deutschen Equipe. Auf alle Fälle ist es eine Tatsache, daß auch das Reitturnier von Nizza zur gegenseitigen Verständigung beiträgt.

Nizza beherbergt diesmal neben der französischen sechs ausländische Offiziersmann- j ch a f t e n, die an dem Turnier teilnehmen: bis auf die Deutschen fast alles altbekannte Gäste. Die Ita- l i e n e r sind in einer hervorragenden Besetzung er­schienen und haben sich bisher täglich einen ersten und mehrere dritte und vierte Preise geholt; Pferde und Reiter machen einen vorzüglichen Eindruck und selbst an die neue Uniform gewöhnt man sich all- mählich. Die Italiener haben nicht umsonst ihren Pferdebestand in den letzten Jahren durch Ankauf französischer hoch im Blut stehender Pferde ergänzt. Ihnen ist hier eine willkommene Gelegenheit geboten zu zeigen, was sie inzwischen aus dem französischen Material gemacht haben Die Schweizer kön­nen vor allem auf den jungen Dragonerleutnant Schwarzenbach stolz sein, der sich mit seinen bei­den gut und ruhig gerittenen Pferden bereits zwei­mal an erste Stelle gebracht und außerdem stets wohlverdienten Beifall gefunden hat. Die franzö­sische Equipe zeichnet sich durch glänzendes Material aus. Frankreich verfügt über eine ein­drucksvolle Zahl von Spitzenpferden mit ungeheu­rem Galoppiervermögen und großartiger Sprung­leistung. Unsere Pferde sind in Nizza fast ausschließ­lich auf den Wettbewerb mit französischen Pferden angewiesen, da außer Frankreich und Italien auch die Spanier, Portugiesen und einige Schweizer ebenfalls auf fran­zösischen Pferden reiten. Die französische Mann­schaft hat bisher trotz sehr schöner Leistungen aber nicht den Erfolg der Italiener und Schweizer auf­zuweisen vermocht. Zum Sport gehört Glück! Die Polen hinterlassen einen gediegenen Gesamtein­druck, die Portugiesen und Spanier sind neben wunderhübschen Spitzenleistungen in diesem Jahr ungleichmäßiger als sonst. Unsere eigenen Kanonen sind bisher noch nicht in Erscheinung ge­treten. Der Grund mag darin zu suchen sein, daß die neuartigen Ausschreibungen und eine unbekannte Bahn erst näher einstudiert werden müssen.

Der Turnierplatz in dem wesllichen Viertel von Nizza, l'Arenas, am Strande gelegen, gewinnt bei näherer Betrachtung durch das einzigartige Panorama, das Meer, Berge, Himmel und Flora in weitem Kreise um ihn bilden. Gewärmt von südlicher Sonne sitzt man auf den geräumigen Tribünen und läßt seinen Blick von den Schnee­koppen der Maritimen Alpen bis zu den am Hori­zont verschwindenden Kriegsschiffen schweifen. (Zwi­schendurch hat auch hier ein verheerender Sturm geherrscht. D. Red.) Einen festlichen Anblick bietet auch die stattliche Menge, die Tag für Tag aus Nizza und Umgebung zusammenströmt, um dem Reitturnier zu folgen. Der Mode scheint freierer Lauf gelassen. Helle Farben herrschen vor. Neu sind die kleinen Sträuße aus bunten Feld­blumen auf den Hüten. Inmitten der verschiedenen Uniformen zeichnet sich der rote Burnus Ge - neral Blanchards, des Präsidenten der Jury, ab, den er als ehemaliger Kommandeur der Kaval­lerie von Tunis und Algier trägt. Neben General Blanchard sieht man meist den deutschen General Freiherrn von Dalwigk zu Lichten­fels, den Kommandeur der Reitschule Hannover. Unter den Zuschauern erkennt man verhältnis­mäßig viele Deutsche: u. a. den Generalkonsul aus Marseille, Dr. Meyer-Rodehüser, der durch seine persönlichen Beziehungen zu den Behörden von Nizza viel zur Vorbereitung der Atmosphäre bei­getragen hat, ferner Generalleutnant Kühlen­thal, den deutschen Militärattache in Paris.

Auch in diesem Jahr ist das Reitturnier von einem Kranz eleganter geselliger Veran­staltungen umgeben. Der Bürgermeister der Stadt, der gleichzeitig Präsident des Turniers ist, der Abgeordnete M e d e e i n, der Präfekt des De«

Schnelligkeit und Sicherheit im Ausbau des deutschen Luftverkehrs.

Neuerungen für den Sommerfahrplan der Lufthansa.

B e r l i n, 23. April (DNB.) Direktor Wronsky von der Deutschen Lufthansa gab der Presse zu dem am 1 Mai in Kraft tretenden neuen Som­merflugplan Erläuterungen. Seit Jahren ver­folgte die Deutsche Lufthansa den kühnen Plan, eine Luft Verbindung nach Amerika zu schaffen. Deutschland, ohne Kolonialbesitz, Der« ügt über keine Stützpunkte in Heber» e e, die allen anderen Großmächten zur Der- ügung stehen. Dennoch wurde der Luftweg über den Ozean von der Deutschen Lufthansa im plan­mäßigen Verkehr erschlossen. Jahrelange Vor­bereitungen waren erforderlich, bevor die Deutsche Lufthansa an die Schaffung des schwimmen­den FlugstützpunktesWestfalen" und die Aufnahme des Flugdienstes gehen konnte. Der DampferWestfalen", der erste schwimmende Flug­stützpunkt der Welt, ist in der Lage, den wech­selnder Wetterlagen durch Standort­wechsel zu entsprechen und so den Flug durch das jeweils günstigste Wetter möglich zu machen Dadurch, daß die Flugboote des Deutschen Transozeandienstes an keinen starren Flugweg ge­bunden sind, ist es gelungen, die planmäßig angesetzte Reisezeit in den meisten Fällen erheblich zu überbieten. Während die planmäßige Reisezeit von Deutschland bis zur brasilianischen Küste fünf Tage vorsieht, gelang es erst kürzlich, den Flug in zwei Tagen 23 Stunden durchzuführen. Durchschnittlich werden etwa vier Tage benötigt. Im Sommer 1934 wird der 14tägige Dienst zu einem 7tägigen verdichtet. Zunächst durch die Fahrten des LuftschiffesGraf Zeppelin", später dann auch durch Lusthansa-Flug- zeuge.

Durch die Einführung einer Funkbake, die dem Flugzeugführer die unmittelbare Erkennung seines Landefluyweges auch bei unsichtbarem Wetter ermöglicht, wird eine bedeutende Ent­lastung der Besatzung bei der Schlechtwetterlandung eintreten. Diese Bake, die aus technischen Gründen auf einer Wellenlänge von 9 Meter arbeitet, legt bis zu einer Entfernung von etwa 30 bis 40 Kilo­meter einen Richtstrahl in die Anflugrichtung. Der Flugzeugführer kann mit Hilfe einer Empfangsan­lage optisch und akustisch den Richtstrahl verfolgen und somit, ohne durch Windversetzungen vom rich­tigen Kurse abgebracht zu werden, durch die Hinder­niszone den Hafen anfliegen. Als weitere Verbes­serung der Einrichtungen für Schlechtwetterlandun­gen sind kleine Markierungsbaken ge­schaffen worden, die in bestimmter Entfernung von Flughäfen aufgestellt sind und dem Flugzeugführer die Möglichkeit der Entfernungsbestimmung geben.

Als neues Flugzeug im Personenluftver­kehr wird das Schnellverkehrsflugzeug Heinkel He 70 auf den Blitzstrecken verwendet werden. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von über 360 Sdkm. ist die He 70 das zurzeit schnellste Verkehrsflugzeug der Meld. Die Kabine dieses Flugzeuges bietet vier bis fünf Fluggästen Platz. Außerdem werden von der Deutschen Luft­hansa Schnellverkehrsflugzeuge vom Typ Junkers Ju 160 in Dienst gestellt, dis zur Aufnahme von sechs Fluggästen und zwei i Mann Besatzung eingerichtet sind. Mit diesen Flug­zeugen will die Deutsche Lufthansa auf den Strecken fliegen, die zur Zeit noch mit älteren und lang­sameren Flugzeugmustern beflogen werden.

Sibyllen und Propheten..

Unpolitischer Brief aus der Reichshauptstadt.

Mit dem 1. Mai tritt für den Landesbezirk Der- lin eine Polizeiverordnung in Kraft, durch die dem W a h r f a g e - U n w e f e n", wie es in der Der- ordnung heißt, ein Ende gemacht werden fall. Sie richtet sich gegen V o l k s f ch ä d l i n g e, die die Leichtgläubigkeit und Torheit anderer ausnützen und sie durch ihren angeblichen Einblick in die Schicksalsgestaltung oft genug nicht nur materiell schädigen, sondern seelisch und geistig in Verwir­rung stürzen SoHelle" die Berliner im allgemei­nen sind es gibt doch Tausende und Abertau­sende, die ihre Zuflucht zu jenen weisen Frauen nehmen, denen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Fragenden in Spielkarten und Kaffeesatz offenbart.

Erschütterte Zeiten leisten der Neigung des Men­schen, dem Unerforschlichen auf dunklen Wegen bei­zukommen, natürlich besonders Vorschub und so ist es begreiflich, daß nach dem Kriege alles, was mit Okkultismus zufammenhing: Wahrsagen aus Karten, Handlesen, Horoskopdeutung u. ä. einen großen Aufschwung nahm und durch die Verbrei­tung in allen Schichten zu einer Gefahr wurde. Ok­kultismus wurdegroße Mode" und ein Geschäft aller Grade. Dom primitiven Bauchladen mit dem Wellensittich, der für einen Groschen aus einem Kästchen einenGlücksbrief" zupfte, bis zu denokkulten Logen", in denen durch einen sehr amerikanisch betriebenen kaufmännischen Apparat denen die nicht alle werden, für teures Geld okkulte Bücher, siderifche Pendel, Planeten und Gestirn- stunden-Tabellen und andere geheimnisvolle Hilfs­geräte verkauft wurden, gab es alle Möglichkeiten, das Schickfalsgeheimnis zu enträtseln. Schwind­ler und Betrüger bemächtigten sich tröst- und HUsesuchender Seelen, brachten sie um Vermögens-

refte ebenso wie um karge Groschen. Man raunte sich die Adressen hellsehender Frauen und dämoni­scher Männer zu, die allefabelhaft" waren. Man flüsterte vongroßen Politikern", die sich ihre Weis­heiten bei Madame X holten ...

Die arme Arbeiterfrau schlicht heimlich zuM u t- ter Mild e", die für fünfzig Pfennig aus schmu­tzigen Karten las, daßüberm großen Weg" eine Erbschaft in Aussicht stehe. Von einer braven Ar­beiterfrau, die einen guten Mann und vier gesunde Kinder hatte, erzählte ein Armenanwalt, daß sie sich scheiden ließ, weil eine Sibylle ihr geweissagt hatte, daßn* jekreentet Haupt" sie zu heiraten beabsich­tige. Um für diesen großen Augenblick frei zu fein, ließ die Frau sich scheiden. Der Mann willigte schließlich ein, weil die Frau, verrückt gemacht durch die Prophezeiung, ihre Familie vernachlässigte, das Geld zu Wahrsagerinnen trug, die ihr das kom­mende Glück und dasgekrönte Haupt" nicht groß­artig genug schildern konnten.

Erbschaftsprozesse auf dem dunklen Hin­tergrundokkulter Erlebnisse" gab es in Masse, Selbstmorde, Irrsinn. Erst dieser Tage las man von einer Frau, die an einer spiritistschen Sitzung teil­nahm, in der der Geist ihres verstorbenen Mannes zitiert wurde; der erklärte ihr, daß sie am 10. April sterben werde. Die Frau bestellte sich einen Sarg, benachrichtigte ihre Verwandten, legte sich im To­tenhemd in den Sarg und erwartete in geistiger U m n a ch t u ng ihr Ende ... Ein Fall unter vielen.

Sibyllen und Propheten! Wer dächte nicht an die Anfang Januar 1933 verstorbene Frau Lisbeth S e i d l e r, deren Kundenkreis dis zu den Gebrü­dern Sklarek reichte! Denn die großen Betrüger wollten auch ihrerseits betrogen fein und besonders war es Max Sklarek, der vor jederTransaktion",