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Die edite und die falsche Dor alles Roman von Anny von Panhuys.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag. Halle (6.)

24 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Ihre Erregung, ihre Angst von vorhin waren plötzlich wieder da, und in ihren Ohren klang es nach: Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, ich werde Sie vom erstbesten Schupo verhaften lassen, wenn ich Sie noch einmal, so wie heute, dabei ertappe, daß Sie weiter unter falscher Flagge segeln!

Der Teufel mußte sein Spiel mit ihr treiben, oder war es der Wein, der sie zwang, die Worte zu Doktor Meerhold zu sagen? Wenn auch mit unterdrückter Stimme, so doch klar und deutlich.

Doktor Meerhold erwiderte ihren Blick völlig verständnislos. Was meinte denn Regina Graoen eigentlich? Der Satz, den sie so betont gesprochen, hatte doch gar keinen Sinn.

Er zuckte lächelnd die Achseln.

Ich segle bestimmt nicht unter falscher Flagge, Fräulein Groven. Was meinen Sie mit den Worten? Wollen Sie sich nicht, bitte, etwas deut­licher ausdrücken?"

Reginas Augen waren von feuchtem Schimmer überzogen.

Ach du lieber Himmel, Sie haben mich völlig mißverstanden. Ich wollte Ihnen nur sagen, daß das mit meinem Rechtsgefühl nicht stimmt. Das von eben, dem Schupo und dem Segeln unter falscher Flagge, das hat man zu mir gesagt." Sie preßte durch die Lippen hervor:Das habe ich mir jagen lassen müssen! Also, mit meinem Rechts­gefühl ist es nicht so weit her. Eine Schwindlerin bin ich, habe mich unter falschem Namen in ein fremdes Haus eingeschmuggelt, und es ist ganz in der Ordnung, wenn man mir vorwirft, ich hätte danach kein Recht mehr, mich mit einer hochacht­baren jungen Dame an einen Tisch zu setzen."

Doktor Meerhold legte impulsiv seine Hand auf die ihre, die, ihm nahe war.

Liebes Fräulein Graven, Sie reden irr. Ich bin in Sorge um. Sie, der Wein ist doch wohl zu schwer. Kommen Sie, ich geleite Sie heim, denn Sie sind unfähig, das zu tun, dessen Sie sich anklagen. Wenn S i e eine Schwindlerin sind, bin i ch ein Hochstapler!"

Sein Glaube an sie tat ihr gut, war wie ein erfrischender Luftzug in der heißen Beklemmung von Scham, in die sie Frau von Stübnitz gejagt.

Sie sah ihn dankbar an und sagte leise:Der Herr Landgerichtsdirektor weiß die Wahrheit, nun sollen Sie die Wahrheit auch wissen."

Er ließ seine Hand wie beruhigend auf der ihren.

und Regina erzählte ihm alles. Erzählte ihm, warum Sie getan, was Frau von Stübnitz, die doch jo lieb und gut zu ihr gewesen, nicht verstand oder verstehen wollte.

Ganz still hörte Holm Meerhold zu, bis sie ge­endet, sagte dann halblaut:Ein ganz verrücktes Stückchen hat das Müdel da in Mooshausen in Szene gesetzt, und es gehört allerhand Mut von Ihnen dazu, in dem Stückchen mitzuspielen. Aber Frau von Stübnitz Hütte den Streich mit Humor parieren jollen statt mit Verachtung und Strenge." Er lächelte:Arme Regina Graven, Ihre Hilfs- bereitschaft für die übermütige Freundin ist Ihnen sehr schlecht bekommen. Im übrigen war das Zu­sammentreffen heute ein großer Zufall. Davor brauchen Sie sich nicht mehr zu fürchten, der Zufall dürfte sich kaum wiederholen. Schlagen Sie sich die Gedanken aus dem Kopfe und freuen Sie sich, auf dem Umweg über Ihr Berliner Abenteuer zu­nächst im Hafen einer guten Stellung gelandet zu sein. Nebenbei bemerkt, ich sehe Sie, nachdem ich alles weiß, noch genau so wie vorher."

Regina Graoen erwiderte dankbar:Wie gut Sie sind, wie viel milder als Doktor Konstantin!"

Wie eigen Sie den Namen aussprach! Weich und sehnsüchtig! Er sah sie forschend an.

Sie lieben Peter Konstantin? Ich kenne ihn auch." Sie blickte verträumt ins Leere.Ich weiß es nicht, aber es mag wohl so sein."

Er empfand plötzlich Zorn gegen Peter Konstan­tin. Wußte der denn nicht, daß er dem schönen Mädchen nicht gleichgültig war? Und wenn er es auch nicht wußte, so hätte er es doch nicht geschehen lassen dürfen, daß Regina Graven in seiner Gegen­wart beleidigt wurde. So schwer beleidigt.

Sie gingen jetzt, und draußen in der kalten Luft begriff Regina mit einem Male nicht mehr, daß sie so offen zu Doktor Meerhold gesprochen hatte. Am nächsten Tage begriff sie es noch weniger.

.Sie verschwieg Jobst Freese sowohl ihr Zusammen­treffen mit Frau von Stübnitz und Peter Konstantin i als auch das mit Doktor Meerhold; denn Holm' Meerhold hatte gemeint, es wäre besser so, da Jobst Freese seinen Kopf nicht, unnütz belasten solle.

Als der junge Anwalt am nächsten Tage ins Zimmer trat, dachte Regina, durch die gestrige Be­gegnung noch erregt, sofort an Peter Konstantin. Die Aehnlichkeit bedeutete für sie zugleich Glück und Schmerz. Und sie ließ ihre Phantasie frei schalten und walten, bildete sich ein, Doktor Meer­hold wäre der andere, den sie nicht vergessen konnte und dem sie doch gar nichts galt, gar nichts, sonst hätte er es nicht geduldet, daß man sie in seiner Gegenwart so entsetzlich tief erniedrigte.

Holm Meerhold ging mit prüfenden Augen um den großen Weihnachtsbaum herum, der am Boden stand und beinah bis zur Decke reichte.

Er lobte:Fein haben Sie die Tanne geschmückt, Fräulein Graoen, und noch dazu ganz allein. Aller­

hand Hochachtung ffir die Leistung. Wundervoll steht das zusammen aus, die dünnflockige Watte und die schmalen Silberfäden. Wenn die Kerzen nachher brennen, muß es ein märchenhafter Anblick sein."

Regina lächelte ein wenig und dachte, wenn sie nur das bange, schwere Gefühl verscheuchen könnte, das von dem gestrigen Erlebnis in ihr zurück­geblieben. Jobst Freese hatte den jungen Anwalt, seinen Mitarbeiter, am Abend zur Weihnachtsfeier eingeladen. Er sagte freundlich:Ich freue mich, den heiligen Abend mit zwei jungen Menschen zu feiern. Voriges Jahr war ich recht einsam."

Ich auch!" schloß sich Regina Graven an.

Doktor Meerhold nickte:Ich ebenfalls. Im vori­gen Jahre hatte ich mir eine winzige Tanne in einem Blumentopf gekauft und mir einen neuen Rasierapparat zugelegt, mich selbst damit beschert." Er seufzte erinnernd:Weihnachten so mutterseelen­allein ist sehr traurig." Er schloß mit frohem Blick: Dieses Jahr feiern wir es zu oritt hübsch ist das!"

Es ging auf sechs Uhr, und draußen fiel der erste Schnee in diesem Jahre. Zart und flaumig schwebten die Flöckchen nieder. Um sechs Uhr be­gann die erste Christandacht. Man ging zu dritt in die nahe Kirche, und als Regina zwischen den beiden Männern Platz genommen, empfand sie ein wohliges Gefühl von Geüorgensein. Die Orgel erhob ihre mächtige Stimme, die hallend von den Wölbungen des Gotteshauses zurückprallte und sich in der Kuppel machtvoll zusämmenfand, zu einer dichten Wolke von Wohllaut. Der Kirchenchor setzte ein, und hell wie aus Engelskehlen klang es aus der Höhe:Es ist ein Ros' entsprungen..."

Dann sprach der Pfarrer, ein Mann mit liebem, altem Gesicht. Seine Rede war warm und zu Herzen gehend. Er schloß:Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"

Regina dachte an den Abend zuvor, tupfte ver- stöhlen eine Träne ab.- Sie verscheuchte die Rührung sofort. Nur jetzt nicht meinen- nein, nur jetzt nicht meinen!

Sie hatte rnohl allen Grund, mit ihrem Schicksal zufrieden zu sein. Es ging ihr gut, es ging ihr sogar sehr gut, rno es allzuvielen schlecht ging; sie hatte sich aus der Arbeitslosigkeit retten können hinein in einen ihr lieben Beschäftigungskreis, und gute Menschen standen ihr bei.

Dankbar sah sie Jobst Freese an, der ihr freund­lich zunickte, als verstehe er den Blick. Ein rnenig scheu sah sie dann den schlanken Mann an, der an ihrer linken Seite saß. Er mar emst, aber ein Lächeln mar in feinen Augen.

Sie mußte mieder an den anderen denken, an Peter Konstantin.

Um sieben Uhr ging man heim, und kaum zu Hause angekommen, baute der alte Herr gleich auf, steckte die Kerzen am Baume an, rief dann Regina, Doktor Meerhold und die Wirtschafterin, Frau Malmine.

Der Daum sah wirklich herrlich aus. Er stand in einer Ecke, füllte sie ganz aus; feine Spitze stieß fast an die Decke. Wie hell die Kerzen leuchteten, wie die Silberfäden funkelten und gleißten!

Der alte Herr saß am Klavier und spielte. Breit und getragen schmebte es durch das große, behaglich altmodisch eingerichtete Zimmer:Stille Nacht, heilige Nacht..."

Regina begann leise mitzusingen; allmählich mürbe ihre Stimme lauter, und Die rneiche Alt­stimme schmiegte sich kraftvoll und doch biegsam in die Akkorde des Pianos. Der letzte Ton verhallte, und Holm Meerhold lobte erstaunt:Welch schöne Stimme haben Sie, Fräulein Graven!"

Der alte Herr hatte Regina ein paar gute Bücher, ein elegantes Handtäschchen mit einem größeren Geldschein und eine Bonbonniere ge­schenkt; auch Holm Meerhold erhielt etmas von ihm. Regina schenkte dem alten Herrn ein Kissen für seinen Schreibtischstuhl.

Nachdem noch die Wirtschafterin von Jobst Freese an ihren Gabentisch geführt morden mar und nun ganz versunken und glücklich davorstand, langte Holm Meerhold in die Tasche und zog ein kleines Etui hervor. Er hatte nicht gemußt, mas er Regina schenken sollte und doch das Verlangen danach ge- habt. Besonders seit dem vergangenen Tage.

Sie tat ihm so leid, er mollte ihr auch eine Freude bereiten. Auch münschte er, sich dankbar zu ermeisen, meit sie so fleißig und geschickt arbeitete. Ihm mar aufgefallen, daß Regina Graven gar keinen Schmuck besaß, nicht einmal ein einfaches Ringlein. Und schließlich lieben wohl alle jungen Damen Schmuck.

Deshalb hatte er noch am Abend zuvor, im ersten Impuls nach dem Zusammensein mit Regina in der kleinen Weinstube, in einem Juweliergeschäft einen sogenannten Freundschaftsring gekauft. Er mollte ihr durch das Geschenk sagen, sie könne immer auf seine Freundschaft bauen.

Jetzt reichte er Regina Graven den Ring, sagte lächelnd:Ich hoffe. Sie verstehen, mas Ihnen der Ring sagen soll, und denke, Sie nehmen ihn von mir an. Sie mürben mich baburch glücklich machen."

Es klang sehr marm, unb ber alte Herr, ber ben beiben eben halb ben Rücken zugemanbt, brehte sich hastig um, strahlte plötzlich über bas ganze Gesicht unb schüttelte bem etmas verblüfften Doktor Meer- holb lebhaft beide Hänbe.

Eine glänzenbe Idee, lieber junger Freunb!" Er atmete etmas kurz; in letzter Zeit litt er an Atembeschmerben.Ja, ja, ich glaub's, Regina ge­fällt Ihnen. Unb schnell haben Sie sich verliebt. Habe nichts baoon bemerkt. Ader Sie können sich gar nicht vorstellen, mie ich mich über Ihren Ent- jchluß freue." Er nickte bem jungen Mäbchen zu. Liebe Regina, ben Ring sollen Sie nehmen einen zuverlässigeren ßebensfameraben als meinen lieben Holm Meerholb können Sie gar nicht finben."

(Fortsetzung folgt.)

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Wiederum stehen wir an der Bahre eines unserer treuesten und des ältesten Stahl­helmkameraden

August Schwan

Generalagent

der am 22. April 1934 zur großen Armee ab berufen wurde. Wir werden ihm treuestes Gedenken bewahren!

Gießen, den 24. April 19.4.

N. S. Deutscher Frontkämpferbund (Stahlhelm), Ortsgruppe Gießen.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 25. April, um 11 Uhr, auf dem Alten Fried­hof statt. Antreten aller Kameraden um

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KrieZerverein Gie6en

Am 22. April entschlief unser Kamerad

Herr August Schwan

der 45 Jahre dem Verein als treues und eifriges Mitglied angehörte.

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 25. April, vormittags 11 Uhr, auf dem Alten Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vereinsitihrer.

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Nachruf.

Tief erschütterte uns die Kunde von dem Ableben unseres 1. Vorsitzenden

Herrn August Schwan

Gießen, der 32 Jahre lang mit großer Umsicht und Tat­kraft unseren Verein leitete. Wir verlieren mit ihm nicht nur einen guten Berater,sondern aueh einen treuen Freund.

Wir werden daher seinen Namen stets in Ehren nennen.

Der Verein Hundesport Gießen u. Umg.

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