M.M Drittes Matt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 2Z.)uNilyZ4
Junge deutsche Nation.
Jugend am Feuer.
Wir sind nicht das Ziel, wir sind nicht das Ende, das Werk unsrer Hände gilt nicht viel.
Doch tragen wir weiter, sind Wegbereiter und Wegbegleiter. Zu hüten das Feuer, das sei unser Tun und heiliges Erben; für das, was uns teuer nur niemals zu ruhn bis hin zu dem Sterben.
Otto Bronn.
Sommersonnenwende.
Von Karlheinz Backhaus.
In wenigen Stunden werden aus säst allen Gipfeln des deutschen Berglandes und in den Weiten des Nordens die Sonnenwendfeuer aufglühen und beredtes Zeugnis davon ablegen, daß sich das junge Deutschland stolz und frei wieder zu den alten Sitten und Bräuchen der Vorväter bekennt. Für unsere bäuerlichen germanischen Vorfahren waren das winterliche und sommerliche Sonnenwendfest Höhepunkte kultischen Lebens. Die Sonne war die große Lebensspenderin, von der es abhing, ob die Aecker Frucht trugen oder ob der schweren Ackerarbeit Mühe' umsonst gewesen war. Darum verehrte man sie, indem man ihr erdhastes Symbol, das Feuer, ihr entgegenlodern ließ. Riesige Holzstapel wurden in heiligen Hainen entzündet und um das Feuer sammelten sich die Sippen- und Stammesgenossen, um sich in Ehrfurcht vor der gewaltigen Urkraft der Natur zu neigen. Flammen begrüßten die Sonne, wenn sie begann, die Macht des Winters zu zerstören; Flammen dankten der Sonne, wenn sie ihren sommerlichen Höhepunkt erreicht und der Aecker und Felder Frucht hatte gedeihen lassen.
Die Bräuche des Sonnenwendfeuers waren so tief und fest im Volksbewußtsein verankert, daß auch die Kirche nicht vermochte, sie abzuschaffen. Sie hat zwar auch der Sonnenwendfeier ein christliches Gepräge gegeben, indem sie auf den Tag der sommerlichen Sonnenwende den Geburtstag Johannes des Täufers legte, aber trotz der Christianisierung haben sich im Bauerntum die alten Bräuche, die alten kultischen und symbolischen Handlungen bewahrt bis in die jüngste Zeit. Am Abend Des Sonnenwendtages wurden unter feierlichem Schweigen alle Herdfeuer gelöscht. Später nahm sich dann jeder ein brennendes Scheit aus dem Stotz des Sonnenwendfeuers, um die Weihe dieses Feuers auch auf die Herdstätte und damit auf das Haus zu übertragen. Der Bauer ging wohl auch mit dem brennenden Scheit vorher durch das ganze Haus; sogar durch die Aecker und Gärten. Das Feuer sollte alle Schlechtigkeit, alle Gemeinheit und Krankheit, alle Seuche und Not bannen. Die Asche des Holzfeuers wurde später auf die Aecker und Felder verstreut, gleichsam um die Kraft der Sonne in die Erde zu senken.
An verschiedenen Stellen Deutschlands wurde auch wohl eine brennende Fackel auf den Acker gesteckt, so daß in diesen Gegenden nicht nur das große Sonnenwendfeuer, sondern darüoer hinaus in der ganzen Umgebung hunderte und tausende kleiner Feuerchen brannten. Deren Anblick mag wohl geeignet gewesen sein, die Herzen der naturnahen Bauern mit heilgem Schauer zu erfüllen. Im westfälischen Warburg war es üblich, am Vorabend des Sonnenwendtages Kerzen auf den Gräbern an
zuzünden; eine Sitte, die auch in dieser Form wohl eine Abart germanischen Sonnenwcndbrauches ist. Jedes Dorf setzte seinen größten Stolz darein, das mächtigste und loderndste Feuer $u haben. Schon Wochen vorher war die Jugend jenes Dorfes eifrig damit beschäftigt, alles irgendwie Brennbare zu sammeln, um nur ja nicht einem anderen Dorfe gegenüber benachteiligt zu sein. Kunstvoll wurden die Holztürme errichtet, in die man mit Vorliebe leichtbrennbares Material einbaute. Die Jugend war so eifrig bedacht, das größte Feuer zu haben, daß sie Tag und Nacht um die Gemarkung des Dorfes Wachen aufstellte, damit nicht die Jugend anderer Dörfer Brennmaterial aus dem eigenen Bezirk herausholte.
Ein unendlich reicher und vielgestaltiger Kranz von Sitten und Bräuchen hat sich um die Sonnen- wendfeier gewoben, immer wieder verschieden in den einzelnen deutschen Gauen und in ihrem Sinn doch immer wieder gleich. Oft findet man besondere Quellen in der Umgebung eines Dorfes, die gerade in der Sonnenwendnacht heilkräftig find und vor den verschiedensten Krankheiten bewahren. Bestimmte Kräuter, so das Johanniskraut, der Rittersporn, die Johannishand und andere sollen — in
der Sonnenwendnacht gepstückt — heilkräftige Wirkung haben. Ein schöner Brauch ist auch der, am Sonnenwendtag aus Rosen, Kornblumen, Lilien und Eichenlaub gebundene Kränze am Hausgiebel aufzuhängen. Auch wohl dem Städter noch bekannt ist die Sitte, über die Flammen des langsam zusammenfinkenden Sonnenwendfeuers zu springen. Dieser Brauch hat eine tiefe symbolische Bedeutung. Das Durchspringen des Feuers sollte alle Dämonen, alle schlechten Kräfte vernichten und die Kraft der Sonne, das Sinnbild des Wachsens und Werdens, auf den einzelnen übertragen. Volkstumsfeindliche Welten haben das Bestehen dieser Bräuche immer und immer wieder angefeindet, und in den städtischen Schichten unseres Volkes ist das Bewußtsein alten Brauchtums immer stärker zurückgegangen. Nur das Landvolk hat zäh und beharrlich der Vater Sitte und Art bewahrt. Wenn jetzt die Sonnenwendfeuer in allen Landen auflodern, ist es ein symbolisches Zeichen dafür, daß die Abkehrung von den Werten volklichen Brauchtums ein für allemal vorbei ist und sich das neue Deutschland stolz und froh zu dem ursprünglichen und naturverbundenen Leben seiner Vorfahren bekennt.
Wir feiern Gonnwend!
Deutsche Mädel wahren altes Brauchtum.
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Hitler-Jugend am Sonnwendseuer.
Aus germanischer Geschichte herüber leuchten die Feuer der Sonnenwende in unsere Gegenwart. Zu Zeiten des widernatürlichen Lebenskreises unseres Volkes wohlgehütet, eine Glut unter schützender Asche, von wenigen Gläubigen gekannt, lodert neu die reinigende Flamme, da sie junge Frische wachblies, wie ein Fanal übers Land.
Sonnenräder rollen flammend von den Bergen, Holzftöße^entzündet das freudevolle Volk auf den Halden. Sonne, am höchsten in ihrem Lauf, grüßt ein Volk des Erwachens.
Das ewig junge Feuer der Sommersonnenwende wird die deutsche Jugend entzünden.
Jungen und Mädel eines ganzen Volkes feiern ihr Fest. Kraft, Mut und jugendliche Beweglichkeit formen den Eingang dieses Tages durch sportliche Wettkämpfe. Disziplin und Kameradschaft werden die Sieghaftigkeit eines neuen Wollens bestätigen.
Deutsche Mädel, auch von euch darf keine beiseite stehen. Hitler-Jugend und Schule — die Jungarbeiterin wie die Studentin, das Schulmädel wie das berufstätige Mädel werden bei den sportlichen Wettkämpfen nicht fehlen.
Jungen und Mädel, alle werden sie die heilige, reinigende Flamme umschreiten; Jugend trägt den alten Brauch seines Volkes zu alter Ehre und jun
ger Deutung voran. Um die wabernde Flamme stehen wir! Herangeschritten in Kolonnen, den Weg im Kampfe freigemacht, keiner mehr „Ich", ein großes Wir, in das alles, alles mündet. Einer hieß es uns tun, einer tat es vor uns.
Am Abend werden deutsche Mädel in der Feierstunde der Sonnenwendnacht zusammentreten und altes Brauchtum zu neuem, bedeutungsvollem Leben erwecken. Sprüche und Lieder erklingen um die Feuer, alte Tänze leben wieder auf. Uralte Vergangenheit muß wieder zu lebendiger Gegenwart erwachen.
Deutsche Jungen und Mädel, ihr alle seid aufgerufen zum Fest der deutschen Jugend am 23. Juni. Ihr alle werdet eure Gewandtheit und euren Mut im sportlichen Wettkampf beweisen, und ihr alle werdet um die Feuer stehen in allen Gauen des Reiches: Jungen und Mädel, nehmt den Feuer- schein, der über eure Geschlossenheit hinzucken wird, mit hinein in den trennenden Alltag und vergeßt es nie, daß ihr alle, so wie in dieser Stunde, unbedingt zusammengehört!
Ihr, eines Volkes Jugend!
Unterwegs.
Trapp — trapp — trapp — sch werbena gelte Jungenstiefel wuchten über die regennasse Straße. Trapp — trapp — trapp — immer im gleichen Abstand. Wir — gehn — auf — Fahrt. Wir — gehn — auf — Fahrt.
Jeder Schritt bringt uns dem Wald, dem See, den Tieren, — der Natur näher. Jeder Schritt führt uns weiter fort von dem verhaßten Häusermeer, raus aus der Enge der Großstadt.
„Wir ziehen über die Straßen, in gleichem Schritt und Tritt, und über uns die Fahne, sie knallt und flattert mit."
Wir fingen aus Leibeskräften, aber noch übertönt der Lärm der Straße unser Lied. Es regnet; es ist ein schönes Gefühl, wenn einem der warme Sommerregen ins Gesicht klatscht, über Hals und Brust bis zum Koppel sickert. Da geht's dann nicht weiter, das Koppel ist zu eng. Macht nichts. Wir sind doch nicht aus Zucker.
„Hoffentlich bleibt es nicht so! So'n Mist."
.Kommt ja gar nicht in Frage. Kannste nicht sehen, dahinten wird's doch schon wieder hell."
Es wird schon stiller. Wir marschieren durch ein kleines Dorf. Vor den Häusern, auf den Bänken sitzen in Ruhe die Bauern und sonnen sich. Feierabend! —
Hin und wieder braust noch ein Auto vorbei und hüllt uns in eine dicke Staubwolke. Einer schimpft: „Verdammte Nuckelpinne!" Komisch, hier hat es nicht geregnet. Wir sind doch erst wenige Kilometer aus der Stadt. Eine seine Staubschicht legt sich über unsere Sachen. Es ist schwül. Unsere Hemden sind schon lange trocken, und jetzt rinnt uns der Schweiß über die Stirne — Schweiß und Staub — wir marschieren. Don vorne hört man Lachen. „Meine Herrschaften! Sie sehen hier den Riesenaffen Jumbo. Er springt so hoch, daß er in der Luft verhungert. Deshalb benötigen wir zu jeder Vorstellung einen neuen Affen. Kommen Sie herein! Hier werden Sie genau so betrogen, wie nebenan." „Alex" sorgt für gute Stimmung.
Wir marschieren — Hinter mir unterhalten sich Zwei.
„Du, ich hab' neulich ein Buch über die Hitlerjugend gelesen. Weißt du, ich kam mir plötzlich vor, afe wäre ich Mitglied eines eingetragenen Vereins." „Wieso?" „Na, der Verfasser, wie er heißt, weiß ich nicht mehr, hat sich aber ein Dings ab- geklemmt." — „Na, den haben se wohl mit ’nem Wurm in den Nacken geschlagen! Der müßte mal mit uns auf Fahrt gehen!" — „Wie denkst du überhaupt über nationalen Kitsch?" —
Wir marschieren — Schritt für Schritt bringt uns
©er tapfere (Spaten
Verteufelt müde waren wir beide. Kurz nach Mittag waren wir von Worms abgefahren. Bald mußten wir in Rüdesheim fein. Die Sonne war schon eine zeitlang untergegangen
Wo schlafen?
Einen Ausweis für die Herberge hatten wir nicht. Also mußten wir das Zelt aufschlagen. Rechts von der Straße lag ein riesiger Strohhaufen Dahinter war sicher ein guter Platz zum Zelten. Die hohen, grauen Mauern des Gutshofes, unten links am Rhein, boten bestimmt eine sichere Unterkunft für unsere Näder
Der Verwalter stellte bereitwillig unsere Räder in der Auwgarage unter. Das Gepäck nahmen wir auf den Buckel und zogen zu unserem Lagerplatz. An der Hinterwand hatte der Strohhaufen eine rechtwinklige Einbuchtung. Die war wie geschaffen für unser kleines Zelt. Ich warf mein Gepäck hin.
„Hier ist gut fein!"
„Ich schlafe oben auf dem Haufen", sagt mein Kamerad Heinz, „da ist frischere Luft"
„Wie du willst. Aber wenn es diese Nacht regnet, wirst du da oben klatschnaß, und ich liege wohlverwahrt in meiner Kirche."
Sofort machte ich mich an die Arbeit. Er stieg hinauf. In knapp zehn Minuten stand der Kasten. Noch schnell etwas frisches Stroh und bann hinein ins Himmelbett Ich war gerade damit beschäftigt, da kam noch ein später Gast, ein Handwerksbursche aus Recklinghausen, ein freundlicher Kerl. Sein Rad stellte er unten an den Haufen. Dann kletterte er hinauf und suchte sich ein Lager. Ich rief noch einmal „Gute Nacht" hinauf und verzog mich ins Zelt. Bevor ich die Wand zuknöpfte, schnallte ich mir den Spaten, meine einzige Waffe, ab und legte ihn griffbereit an meine rechte Seite. Behaglich streckte ich meine langen Beine aus und war bald eingeschlafen.
Plötzlich weckten mich schlürfende Schritte und leises Flüstern. Ein kalter Schauer durchfuhr mich. Sofort griff ich nach meinem Spaten. Der gab mir Mut. Ganz leise knöpfte ich die Zeltbahn auf.
Da...! Ein furchtbarer Schlag auf mein Zelt! Ein Schrei! Einen Augenblick lag ich wie gelähmt. Der Zeltstock lag fast am Boden. Mühsam richtete ich ihn wieder auf. Vorsichtig spähte ich hinaus.
Was für ein Anblick! Da lag vor mir auf dem Bauche ein Landstreicher. Dem Gestammel und dem Gerüche nach war er stark betrunken. Er war über den Ankerriemen meines Zeltstockes gestolpert. Langstand er auf und stammelte:
„Wo—wo i—ist denn hi—hier da—das Loch?"
„Was für’n Loch?"
„Da—bas Loch, Kumpel?"
Schnell überlegte ich: Wie kannst bu ben Kerl wieder weg bekommen?
„Ge—gestern war's noch hier", gröhlte er „Ah", sagte ich, „bas Loch, bas ist oben." Sofort kraxelte er an dem Haufen hoch. Ein zweiter Bursche, den ich noch nicht bemerkt hatte, folgte ihm.
Beruhigt legte ich mich wieder hin. Doch da be- gann oben ein Fluchen und Schieben. „Jetzt gehen sie Heinz ans Leder", dachte ich. Den Spaten klammerte ich fest in meine Rechte und horchte gespannt zum Zelt hinaus. Nur einzelne Brocken konnte ich von dem Stottern der Betrunkenen verstehen: „Fünf Jahre.. . kommunistisches Reich... wo sind die fünf Hitlerjungen?" Dazwischen hörte ich auch die Stimme von Heinz und von dem fremden Handwerksburschen. Allmählich wurde die Unterhaltung weniger laut. „Na, vielleicht ist es eine ganz friedliche Sache", dachte ich. Ruhig, aber noch immer in Spannung, legte ich mich hin.
Da kollerte plötzlich ein schwerer Gegenstand den Haufen herunter. Wieder durchfuhr mich ein Schreck, aber wieder gab mir der Spaten Mut. „Jetzt kommt der Kunde mir wieder aufs Dach!" Kaum hatte ich mich aufgerichtet, da hörte ich eine ängstliche Stimme:
„Alex, laß mich ’rein!"
Heinz war es. Die beiden Kunden hatten ihn oben festhalten wollen. Er war aber heruntergesprungen Schnell zog ich ihn unter das schützende Zeltdach
Es war auch Zeit. Schon kam einer der Kerle hinterher. Da richtete ich mich vollends auf, meinen Spaten in der Hand. Die Angst machte meine Stimme so tief wie die eines kräftigen Mannes.
„Donnerkiel", brüllte ich ihn an, „was ist denn das für ein Krach! Die ganze Nacht kann man nicht schlafen!"
Er zuckte zusammen. Sowas hatte er nicht erwartet. Er starrte mich noch einmal an, wie wenn ich ein Wundertier wäre. Dann stolperte er ab.
Draußen noch hörten wir ihn behaglich grunzen und gröhlen: „Die Straße frei den roten Bataillonen!" — Ich verzichtete darauf, mich länger mit dem Kerl zu befassen. Die wenigen Stunden Schlaf, die uns noch blieben, nutzten wir gründlich aus.
Die Fahrt am nächsten Morgen bot uns reiche Entschädigung für diese scheußliche Nacht. Ich streichelte vor der Abfahrt noch einmal meinen tapferen Spaten. Dann radelten wir nm schönen Rhein entlang. Beide Ufer waren reichlich geschmückt mit Fahnen unb Wimpeln und grünen Girlanden: Morgen sollte der Führer kommen zu der großen Saarkundgebüng am Niederwalddenkmal.
Letzte Reserve 1918.
Schwarze, tiefhängende Wolken treibt der Herbst- wind über bas Land. In irgendeinem vorgeschobenen Etappenort schickt sich ein Rekrutendepot an, d>e Reservestellungen zu beziehen. Etwa 300 Mann werden es fein. Erst der Sommer des Jahres 1918. brachte ihnen die Einberufung zum Heer. Jahrgang 1900! Der letzte Jahrgang! Knaben noch! — Gerade der Schule entwachsen — vierzehnjährig — schickten sie sich an, in das Leben zu treten, als sie der Krieg überraschte. Wie schlugen ihre Herzen höher in den Augusttagen des Jahres 1914, als Die Welle der nationalen Begeisterung Deutschland erfüllte und alle Standes- und Klassenunterschiede verwischte! Wie haderten sie mit dem Schicksal, das ihnen noch nicht gestattete, selbst zu ben Waffen zu greifen! Und dann erlebten sie jene herrlichen, unvergeßlichen Tage, in denen das deutsche Heer mit unvergleichbaren Waffentaten von Sieg zu Sieg eilte. Nationaler Stolz unb das Gefühl, Deutscher zu fein, erfüllte die Brust.
Diese Jungen sahen dann mit jedem Kriegsjahr die Not anwachsen, sie fühlten sie am eigenen Leibe unb boch, ober gerabe deshalb, hegten sie die stolze Hoffnung, noch in der vordersten Front für das Vaterland kämpfen zu dürfen. — Endlich nahte der heißersehnte Tag der Einberufung. Jahrgang 1900! — Eine kurze, aber harte Ausbildungszeit, unb es kam ber Transport nach Belgien, dicht hinter die Front. Schneller als sie erwartet, sollten sie nun Zeigen, ob sie als Deutsche für ihr Vaterlanb zu kämpfen und — zu sterben verstehen.
Hart unb schwer war bie Ausdilbungszeit. Die Verpflegung war knapp. Die jungen, schwachen Körper litten fühlbar unter ber breijährigen Kriegsernährung. Kaum einer wog nennenswert mehr als 100 Pfund. Unb ber Stahlhelm, der Tornister drückten. Nur mühsam hielt «'der Arm das Gewehr. Wie kurz nur warfen sie bie Hanbgrana- ten. Und dann die Atemnot unter ber Gasmaske. Seitengewehr, Patronentaschen, Spaten oder Pickel unb bie schweren Stiefel machten den Marsch zur Qual. — Unb nun geht es nach vorn.
Gebauten an bie Heimat kommen; an bas Vaterhaus ... Werben sie je bie Eltern Wiedersehen ...? Hunberttausenbe finb schon gefallen. Ungezählte Bataillon unb Divisionen zogen schon diese Straße. Ob sie so zweifelten wie du? — Waren nicht auch sie jung, die vor Jahren diese Straße zogen? — Gen Langemarck? — War nicht der Jahrgang vor dir auch so jung, wie du heute? Haben sie- so gezweifelt? — Nein! Sie wußten, wofür fie kämpf-
I ten unb freubtg starben ... es geht ja um mehr als um bich!
I Es wirb den Jungen jetzt leichter, unb mit straf- ferem Schritt gehen fie ber Feuertaufe entgegen.
Doch es war diesen Jungens des flandrischen Rekrutendepots nicht mehr vergönnt, aktiv in das große Ringen einzugreifen. Noch auf dem Vormarsch erreichte sie ber Befehl zum Rückzug, ber erst in ber Heimat enben sollte. Germanikus.
Abkochen.
"Du, Brummer, was gibt es benn heute zum Mittag, — was? Grieß unb Rhabarber? Wieviel Gänge hat benn bas?" —
Es pfeift — Heibe ist es — „also jeber hole seinen Rhabarber unb ein Messer, aber Tempo — hier im Kreis nieberlaffen — Hordentopf her — ihr beide nehmt euch eine Zeltbahn und geht Holz suchen."
Wir anderen machen es uns gemütlich, schälen Rhabarber unb fingen. Eine weiß Ballaben aus bem Allgäu zu erzählen — fie vergißt ganz, ihren Rhabarber zu schälen — unb wir lachen, also geht es auch nicht allzu schnell.
Schon kommen die beiden vom Holzfammeln, schwer beladen, zurück. Ob das trocken ist bei bem Nachtregen, glaube ich nicht; na, bann ist eben eine Rauchwolke beim Kochen um uns unb bie anderen sehen nicht, wenn der Grieß anbrennt. —
Endlich ist auch der Rhabarber fertig geschält. Nun Feuer anmachen. Die anderen suchen sich Bäume unb ähnliche „Geräte" zum „Hindernis- turnen". — „Brummer" wäscht den Rhabarber in der Lahn. — Das Feuer brennt, ohne zu rauchen, also boch trocken. Die beiben, bie es gesucht haben, kommen eins hinauf. —
Rhabarber braucht aber viel Zucker, hoffentlich reichen wir. — „Du mußt nicht bie Hälfte ausfuttern." Enblich — „er" ist weich unb kommt in bie Lahn zum Abkühlen. — Jetzt der Grieß. — „Du, ber müßte anbrennen" — „Denkste, — wir wollen mit unserem Kochen Ehre einlegen." „Hast du eigentlich Salz mit?" — „Nee, wir nehmen Sand, bas fällt bei bem Gebränge nicht auf." —
Schneller als zu Hause auf bem Herd ist unser Essen fertig. — Heide pfeift — alles stürzt ans Wasser zum Händewaschen. Dann Teller und Löffel her. Wieder fetzen wir uns zu einem Kreis zusammen — Grieß unb Rhabarber in ber Mitte, — wir fingen.
Dann heißt es: „wir leben nicht, um zu essen — sondern wir essen, um zu leben!" — Guten Appetit!... Käthe Orth.


