In dem Konkursverfahren über das Berm. d. Otto Bingel sen. in Gießen soll nunmehr die Schlutz- Verteilung erf. Nach Befriedigung der bevorrecht. Gläubiger steht ein Betrag von 3627,93 9!M. den nichtbevorrecht. Gläubigern mit 3545,03 RM. zur Verfüg., so daß volle Befriedigung derselbe 100. Io) erfolgen wird. Das Schlubverzerch- nis liegt auf der Geschäftsstelle des Amtsgcr. Gießen zur Einsicht auf. Gießen, den 22. Juni 1934. 3735D Ter Konkursverw.: A.Kirchner.
Was mein einst war
Vornan von Klothilde von Stegmann.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag -alle (S.) 12 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Zehntes Kapitel.
Müde ging sie eines Abends auf dem Pincio spazieren, als ein Gespräch zweier Herren sie aufmerken ließ. Der eine dieser Herren, offenbar ein Ausländer, deutete auf eine elegante lichtblaue Limousine, die, von einer Dame im blauen Kostüm gelenkt, in sehr schnellem Tempo die Allee hinunterglitt.
„Das war Madame de Lormes, eine der schönsten Frauen! Wie viele Männer sie schon auf dem Gewissen hat — toll! Der Bevorzugte soll jetzt ein junger bulgarischer Diplomat sein — nun, er wird zugrunde gerichtet werden wie alle anderen."
Die beiden Herren gingen weiter und achteten nicht auf die blonde Dame, die hinter ihnen jetzt, wie von einem Schlage gefällt, auf einer steinernen Bank des Parkes zusammenbrach.
Keinen Augenblick zweifelte Sofia daran, daß sie nun den Namen der Frau wußte, die sie unglüdlid) gemacht hatte. Madame de Lormes hieß sie, und sie war eine jener Frauen, an denen Männer zugrunde gingen. An eine solche mußte sie Alexanders Liebe verlieren! Sie stöhnte auf. Sie wußte nicht, was schrecklicher war: der Schmerz der Liebe oder der Schmerz der Scham.
Aber gleichviel, eine Entscheidung muhte fallen, so oder so. Da Alexander offenbar vor blinder Leidenschaft zu dieser Frau unzurechnungsfähig war, mußte der Kampf zwischen ihr und der Nebenbuhlerin ausgetragen werden. Auge in Auge wollte sie es ihr ins Gesicht schleudern: ihre Verachtung, ihren Abscheu!
Nicht einen Tag länger wollte sie diese unwürdige Rolle spielen. Wenn Alexander diese Dame gewählt hatte — gut, dann mochte er sehen, was aus seinem Leben würde. Sie kehrte zum Vater zurück. Wenn sie auch unglücklich war — gedemütigt neben ihrem Gatten weiterzuleben, das war mehr, als man ertragen konnte.
Eilig ging sie die schattigen Wege des Monte Pincio hinab bis zu der Stelle, wo ihr Wagen auf sie wartete. Dann ließ sie sich in einen kleinen englischen Teeraum fahren, in dem auch Damen allein unangefochten verkehren konnten.
In der Telephonzelle ließ sie sich mit dem Hotel verbinden, das die beiden Herren als Wohnung Madame de Lormes genannt hatten. Und wirklich bestätigte der Portier ihr auf eine Frage, daß Madame dort in dem Hotel eine Flucht von drei Zimmern bewohnte. Aber er könne Madame im Augenblick nicht telephonisch ereichen, da sie aus
gegangen wäre. Am besten wäre sie morgens gegen elf Uhr nach vorheriger Anmeldung zu sprechen.
Sofia hing ab, nahm ihren Tee und kehrte nach Hause zurück. Gott sei Dank war Alexander noch nicht da, und sie war dankbar dafür. Es wäre ihr schwer geworden, ihm ihren Schmerz und ihre Empörung zu verbergen.Man mußte es einzurichten versuchen, ihn nicht zu sehen, bis die Entscheidung zwischen ihr und jener Dame gefallen war.
So ließ denn Sofia durch ihre Zofe Alexander, als er mittags heimkehrte, sagen, daß sie Kopfschmerzen halber im Bett bleiben wollte und nicht zum Lunch erscheinen würde. Bald darauf hörte sie auch ihren Gatten sein Zimmer verlassen und erfuhr von ihrer Zofe, daß Demidoff einen Wagenausflug in die Albaner Berge gemacht habe und erst abends wieder zurück sein würde. Sie hatte also Zeit.
Der Portier des Hotels „Vendomes", in dem Madame de Lormes wohnte, war sehr erstaunt, als eine distinguierte, schwarz gekleidete Dame nach Madame de Lormes fragte. Denn Madame de Lormes, das hatte er mit dem erfahrenen Blick des langjährigen Hotelangestellten längst festgestellt, war keine Dame der Gesellschaft.
Er rief sofort durch das Haustelephon die Appartements Madame de Lormes' an und meldete den Besuch einer Madame Bojanoff — Sofia hatte ihren Mädchennamen statt des Namens ihres Mannes angegeben.
„Madame erwartet Sie!" gab der Portier Bescheid und geleitete die Unbekannte höflich zum Fahrstuhl. ,
„Zimmer dreihundertsiebenundsechzig, Madame! fügte er hinzu.
Mit hart klopfendem Herzen fuhr Sofia hinauf. Gleich würde sie vor ihrer Feindin stehen. Was würde sie ihr sagen — ach, sie hatte es sich am Tage vorher während der ganzen schlaflosen Nacht zurechtgelegt, nun aber war es ihr, als wäre sie keines klaren Gedankens fähig. Sie bohrte die spitzen Nägel ihrer Finger in ihre Handflächen, wie um sich wachzumachen, diese Verstörung abzuschütteln. Sie mußte klar sein und kalt. Die Nebenbuhlerin sollte sie nicht schwach sehen.
Vor der Tür des Zimmers dreihundertsiebenund- sechzig wartete eine kokett aufgeputzte Zofe, musterte Sofia mit einem prüfenden Blick, und öffnete dann mit einem zierlichen Knicks die Tür.
Sofia hielt sich unmerklich an der Türfüllung fest. Die Knie zitterten ihr. Nun stand sie in einem Hotelzimmer, das, wie alle die Luxusappartements hier, mit verschwenderischer Eleganz eingerichtet war. Die Wände, mit grüner Seide bespannt, zeigten kostbare Gemälde in breiten Goldrahmen, die Fauteuils, Tischchen und Stühle waren in antiken Formen mit vergoldeten Füßen, Schnitzwerk und kostbaren Stoffbezügen. Blumen dufteten in hohen Vasen aus Porzellan und Glas. Das ganze war ein idealer Rahmen für die wunderschöne Frau,
die sich setzt langsam erhob, um der unbekannten Besucherin entgegenzugehen.
Prüfend sahen sich die beiden Frauen einen Augenblick an. Mit brennendem Schmerz mußte Sofia sich zugeben: die Rivalin war schön, traumhaft schön. Sofia meinte, noch nie eine so schöne Frau gesehen zu haben wie diese, die ihr hier in einem Hauspyjama aus brennend rotem Seidensamt, mit einer roten Brokatweste, entgegenkam.
„Was verschafft mir die Ehre, Madame?" fragte Lou de Lormes. „Darf ich Sie bitten?"
Sie deutete mit einer graziösen Handbewegung auf einen der eleganten Sessel und sah aus ihren wunderbaren Deilchenaugen freundlich auf die vornehme blonde Frau, in dem ebenso kostbaren wie zurückhaltenden schwarzen Seidenkostüm mit der kleinen Hermelinkrawatte.
Sofia zögerte einen Augenblick. Die Stimme dieser Frau hatte einen so weichen, angenehmen Klang, ihre Augen einen so offenen Blick, daß sich das Bild, das sie sich von der Rivalin gemacht hatte, durchaus verschob. Und angesichts dieser schönen, veilchenblauen Augen kam eine große Ruhe über Sofia. Wie diese Frau auch sein mochte, wie schrecklich auch das Leben, das sie führte, man würde mit ihr sprechen können, offen, Frau zu Frau — und man würde zu einer Entscheidung kommen.
Und so sagte sie denn fest:
„Ich bin gekommen, Madame, Sie um eine Unterredung zu ersuchen. Zuvor jedoch muß ich ein kleines Mißverständnis aufklären. Ich habe mich unter dem Namen Bojanoff bei Ihnen melden lassen. Das ist mein Mädchenname. Jetzt bin ich die Gattin Alexander Demidoffs."
Ein Erschrecken flog über das Gesicht Lou de Lormes'; aber kein Ausdruck von Haß oder Triumph, wie Sofia es gefürchtet hatte.
„Oh, gnädige Frau", sagte sie leise, „Sie — Sie kommen zu mir! Aber bitte nehmen Sie doch Platz! Womit kann ich Ihnen dienen?"
„Madame", gab Sofia entschlossen zur Antwort und sah der Fragenden klar ins Gesicht, „ich komme, Sie zu fragen, ob Alexander Demidoff, mein Gatte, Ihr Geliebter ist! Sprechen Sie nicht, lassen Sie mich erst ausreden. Ich habe Alexander aus Liebe geheiratet, ich habe um seinetwillen glänzendere Partien in meiner Heimat aus- geschlagen, ich liebe ihn noch heute. Aber wenn ich aus Ihrem Munde höre, daß er Ihr Geliebter und mir untreu ist, dann reise ich noch heute ab und reiche die Scheidungsklage ein."
Ein flammendes Rot lag auf dem zarten Gesicht.
„Gnädige Frau", sagte Madame de Lormes leise, „Sie sehen mich tief beschämt. Ich kann Ihnen alle diese Zusammenhänge nicht erklären. Aber das eine schwör ich Ihnen: weder ist Ihr Gatte mein Geliebter, noch wird er es jemals werden, denn ich — ich liebe ihn nicht."
Faffungslos horte Sofia das Geständnis de- Madame de Lormes, die ihren Kopf tief gesenkt hielt.
„Verzeihen Sie, Madame, dann bin ich falsch berichtet worden; ich glaubte Grund zu haben, an» zunehmen, daß Sie diejenige wären, die meinen Gatten von mir fortzöge; nun sehe ich, daß ich Ihnen Unrecht getan habe — verzeihen Sie mir!'
Sie streckte Madame de Lormes herzlich die Hand entgegen. Madame de Lormes blickte auf diese Hand, von der Sofia den Handschuh gezogen hatte, blickte auf diese reine, schmale Frauenhand, und eine tiefe Bewegung malte sich auf ihren Zügen. Und plötzlich beugte sie sich nieder und küßte Sofias Hände unter strömenden Tränen.
„Aber um Gottes willen, 3Jlabame?"fragte Sofia erschreckt.
Da sah Madame de Lormes Sofia Demidoff mit todestraurigen Augen an:
„Madame", sagte sie, „hören Sie mein Geständ» nis, das Geständnis einer Frau, die vielleicht mehr beklagenswert als verdammenswert ist. Ich werde Ihnen alles erklären, im Vertrauen darauf, daß Sie schweigen werden und mich nicht noch unglück» kicher machen, als ich es schon bin. Und in der Hoffnung, daß Sie Ihren Gatten mit liebevollem Takt wieder auf den Weg der Pflicht zurückführen werden. Zuvor aber muß ich Ihr Versprechen haben, daß Sie von meinem Bekenntnis zu jedermann schweigen, denn ich gebe hier auch das Geheimnis eines Menschen preis, an den ich gebunden bin."
„Ich verspreche es Ihnen, Madame!" sagte Sofia ernst.
Madame de Lormes senkte ihre Stimme zu einem leisen Flüstern, und erschüttert lauschte Sofia dem tragischen Lebensschicksal, das sich vor ihr entrollte. Lange sprach Madame de Lormes. Dann endete sie. In ihre Augen trat ein Ausdruck von Angst.
„Sie müssen nun gehen, denn ich werde bald Besuch bekommen, der Sie hier nicht treffen darf. Sie wissen nun alles, und wissen auch, daß ich niemals beabsichtigte, Sie zu kränken. Ich habe nicht gewußt, daß Alexander Demidoff verheiratet ist, sonst hätte ich es strikt abgelehnt, dieses Spiel zu treiben. Nun aber ich Sie kenne, Madame, werde ich mich weigern, mag da kommen, was wolle."
Sofia reichte der anderen mit festem Druck die Hand.
„Und ich werde zu Gott und den Heiligen beten, daß Sie Kraft gewinnen werden, sich aus diesem Leben zu lösen, das Ihrer unwert ist. Wie aber wird es mir gelingen, Alexander von seiner Leidenschaft für Sie zu heilen? Was nützt es mich, wenn Sie ihn von sich weifen und er doch mit allen Gedanken und Sinnen bei Ihnen weilt?"
(Fortsetzung folgt.) ।
Hundertjahrfeier
des Männerchors Grünberg
verbunden mit Gruppensingen des Kreises Ohm-Lumdatal im
Hessischen Sängerbund und Wiedersehensfeier der Vereine des ehemaligen Lahntalsängerbundes
Festfolge:
Samstag, den 30. Juni, 21 Uhr, in der Turnhalle: Festkonzert mit anschließendem Festabend.
Sonntag,den 1. Juli,9.30Uhr, in derTurnhalle: Gruppensingen!
11.30 Uhr auf dem Marktplatz: Vaterländische Kundgebung
mit etwa 3000 Sängern
unter Leitung des Führers des Hessisch. Sängerbundes Herrn Ministerialrat Ringshausen; Festzug, Volksfest, Einzel- und Massenchöre auf dem Festplatz.
Montag, den 8. Juli, 10 Uhr: Konzertin der Festhalle; 13.30 Uhr Festzug unter Beteiligung der Grünberger Schüler und Vereine, Volksfest. 3615D
Eintritt zum Festplatz 30 Pfennig
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30. Juni bis 15. Juli, 17. - 29. Juli
• 30. Juli bis 10. August •
Reisedauer 12 und 17 Tage
Fahrpr. ab RM 200,- bezw. 260.-
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Norddeutscher Lloyd Bremen
in Gießen: Theodor Loos, Kirchenplatz 13
in Wetzlar: Wilh. Fischer, Inh. Chr. Heberling, Lahnstr. 20
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Sonntag, den 24. Juni, ab 19 Uhr 3731 d
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Sonntag, den 24. Juni 1934 großes Militärkonzert unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister Krauße
Anfang 3.00 Uhr____Anschließend Tang
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Konzert (Mitglieder d.Reichswehrkapellej .
I Anschließendlanzmusik t
Heute, abends 8 Uhr, Sonnenwendfeier Solistenkonzert ausgeführt von Mitgliedern der Reichswehrkapelle (Violinsolo, Klarinettensolo, Oboesolo, Trompeten- und Posaunensolo)riesiges Sonnenwendfeuer. 3774D
Sonntag, den 24. Juni, nachmittags 4 Uhr,
Männergesang-Verein Dutenhofen
Sonntag, den 24. Juni anläßlich des Sänger-Werbetags
Konzert und Tanz im
Jagdschlößchen 0318i
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Sonntag, 24. Juni 3771D hei Gastwirt Bormann
Tanz
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Am 23. Juni, 22 Uhr
Sonnenwendfeier anschließend Konsert der SA.-H.« Kapelle und Tans. — Eintritt tret Ab 20 Uhr verstärkter Omnibnsver- kehr vom Lndwigsplatx ans 3730D
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Son ntag, den 24. Juni
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