Nr. 222 Drittes Blatt
Gietzener Anzeiger ^General-Anzeiger für Gberyesien)
Samstag, 22. September 1954
Von der Basaltsäule zur Straßendecke.
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Ein Teil der Steinbruchwand.
Ein Keilloch für eine Sprengung roirö gevoyrr
gang in dem interessanten und modern eingerichteten Betriebe war außerordentlich aufschlußreich, zugleich gab er einen starken Eindruck von der wirtschaftlichen Bedeutung der Bodenschätze,-die hier aus heimischer Erde gehoben und dem Dienste der Volksgemeinschaft zugeführt werden.
Der Rundgang unter Führung von Herrn Nickel ging zunächst in den großen Steinbruch hinunter. Steil ging es seitwärts der Kettenbahn den Weg hinab, bis wir auf der etwa 50 Meter tiefen ersten Sohle angelangt waren. In weitem Halbrund erheben sich die gewaltigen Mauern des Säulen-Basalts zum Himmel empor. Hell glänzen die Formationen der Steinsäulen im Lichte der Nachmittagssonne. Hoch oben am südlichen Flügel des Steinbruchs liegt das kleine Kirchlein von Ober- Widdersheim mit dem alten Friedhof, dessen Fläche unmittelbar an die Steinbruchgrenze heranreicht. Mit Rücksicht auf die letzte Ruhestätte der Toten und das Kirchlein wird der Abbau des Steinbruchs an dieser Stelle nicht weiter fortgeführt. Dagegen befinden sich die übrigen Flächen in voller Nutzung. Mit Sprenstoff werden die gewaltigen Basaltsäulen emporgehoben und aus ihrem Verbände gelöst, so adß sie in sich fei st Zusammenstürzen, oder auch in weitem Radius als ein geschlossener langer Block herniedergehen. Nach der Hauptsprengung werden die immer noch viele Zentner schweren großen Basaltblöcke durch kleinere Sprengungen weiter zerlegt, bis sie schließlich in Einzelstücken vorliegen, die nun zur weiteren Handverarbeitung geeignet sind. Ununterbrochen knattern in dem Steinbruch Die Preßluftbohrer, die ihre harte Stahlspitze in das feste Gestein hineintreiben. Die Bohrlöcher werden bann mit Sprengstoff gefüllt, dessen Detonation von Zeit zu Zeit mit weithin hörbarem Knall das Geräusch der an anderen Stellen des Bruches ununterbrochen weiterarbeitenden Preßluftbohrer übertönt. Es ist ein gewaltiges und eindrucksvolles Lied der Arbeit, das uns schon hier in dem Steinbruch zu Gehör kam.
Eine steile K e t t e n b a h n, an der eine große Anzahl kleiner Loren in ständigem Kreislauf zwi-
Preßluft-Bohrmaschine an der Arbeitsstätte.
Die Kettenbahn mit Blick in den Steinbruch.
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Umfangreiche Straßenbauarbeiten mannigfachster Art sind ein bedeutsamer Bestandteil des großen Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit, den unser Volk unter Führung der Reichsregierung mit unermüdlicher Tatkraft führt. Sowohl in der Stadt wie auch draußen auf dem Lande sehen wir die Auswirkungen des umfangreichen Programms der Stra- tzenbauten und Straßenerneuerungen. Auf vielen Landstraßen unserer Provinz Oberhessen wird zur Zeit eifrig an der Verbesserung der Fahrbahnen gearbeitet, daneben werden in zahlreichen Dörfern die Ortsdurchfahrten einer zeitgemäßen Erneuerung unterzogen. Die Wirtschaftsbelebung durch dieses große Arbeitsbeschaffungprogramm macht sich in erfreulicher Weise auch in unseren heimischen Steinindustrie bemerkbar, die zur Zeit einen erheblich befriedigenderen Beschäftigungsstand aufzuweisen hat als im Vorjahre, wenn sie auch noch weit entfernt ist von dem Stand, den ihre Produktion in den Jahren der wirtschaftlichen Scheinblüte der Nachkriegszeit aufzuweisen hatte.
In dieser Zeit ist es von besonderem Interesse, sich einmal in einem Steinbruchbetrieb umzusehen in dem das Steinmaterial für den Straßenbau in neuzeitlicher Betriebsform gewonnen wird. Durch die Freundlichkeit des Besitzers einer der größten Hartbasaltwerke unserer engeren und weiteren Heimat, Herrn Karl Nickel in Ober-Widders- heim, hatten wir Gelegenheit, uns die Steingewinnung in dem Hartbasaltwerk I. Nickel, Ober-Widdersheim, anzusehen. Der Rund-
Ein Kreiselbrecher in Arbeit.
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scheu Steinbruch und der etwa 50 Meter höher am Rande nach dem Dorfe zu gelegenen Verarbeitungsstätte hin und her pendelt, bringt die, trotz mehrfacher Sprengungen und von Hand zerkleinerten, immer noch reichlich großen und schweren Stein» brocken herauf zum Zerkleinerungsbetrieb bzw. zur Steinrichtehalle. Die Zerkleinerung erfolgt durch Kreiselbrecher in einer Art Steinmühle, die man ungefähr mit der Zerkleine» rung der Kaffeebohne in einer Kaffeemühle vergleichen kann. Die Loren mit der schweren Ladung Steinmaterial werden unmittelbar an die Kreisel» brecher herangefahren, die Lore wird umgekippt, und die Steinbrocken fallen in die weite Oeffnung des Kreiselbrecher. Nunmehr nimmt Maschinenkraft die Steinbrocken mit ungeheurer Wucht in das exzentrische Getriebe des Kreiselbrechers, der die Brocken, auch wenn sie noch so schwer und fest sind, zwischen seine Druckwände preßt, daß die Stein» klummpen nur so splittern und zerreißen, dabei immer tiefer in das Getriebe hinabgedrückt werden, bis sie durch den Kreiselbrecher durch sind und nunmehr ihren weiteren Weg durch die langen Sor » tierungstrommeln mit verschiedenartigen Sieben nehmen, durch die je nach der Größe des Steines das zerkleinerte Material in abgeteilte Silos fällt, von wo aus es zum Transport kommt. Ohrenbetäubend ist das Arbeiten der Kreiselbrecher: nicht minder geräuschvoll ist der Betrieb in dem hohen Gebäude mit den Sortierungstrommeln, wobei hie» noch gewaltige Staubsäulen, die wie ein Nebelemeer
Ein Teil der Siloanlage.
Ein Steinvichter beim Richten der Pflastersteine»
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