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Raunen und Flüstern der nieten Konzertbesuche- legte sich ihm wie ein Alpdruck auf die Brust.

Er bereute schon sein Kommen.--

Der Prinz meinte zu Donata:

Heute ist's fast noch voller als das erste Mal. Daß Ihr Herr Vater, so ohne Umstände zu machen, gleich den Dirigentenstab genommen hat, hat Aus­sehen erregt. Diele wollen ihn heute nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent bewundern Er dirigiert ja das ganze Programm. Ich wünsche ihm wieder solchen Riesenerfolg wie neulich. Mein Schwager ist ein lieber Mensch, er gönnt Ihrem Vater den Erfolg neidlos."

Rach einer kleinen Pause machte er Donata auf. merksam: , . _ , .1

Schauen Sie nur einmal nach der Galerie hin- auf, wie dicht sich da die Leute zusammendrangen. Und die da oben sind wohl die größten Musik- enthusiasten. Viele Musikstudenten sitzen dort und viele namenlose Künstler."

Donata nahm das Glas, das er ihr reichte, unb stellte es ein, schaute hindurch Sie mußte lächeln bei dem Gedanken, daß die vielen Menschen alle nur gekommen waren um ihres Vaters willen. Stolz machte sie der Gedanke.

Sie schaute noch immer durch das Glas nach oben und stutzte plötzlich, denn in ihr Blickfeld fdjob sich ein Gesicht, das sie genau kannte: Detlef West, kamps Gesicht.

Unwillkürlich ließ sie das Glas sinken.

Der Prinz fragte leise:

Weshalb sind Sie denn so sehr erschrocken, gnä­diges Fräulein?" .

Sie zuckte leicht die Schultern.

Sehr erschrocken bin ich nicht. Ich glaubte nur, eine Freundin da oben zu erkennen, die eigentlid) jetzt gar nicht hier sein könnte. Das wundert mich.'

Oben auf seinem Platze saß Detlef Westkamp, von zwiespältigen Gedanken hin und her gerissen. Er hatte zwar Donata versprochen, kein dumme; Zeug mehr zu reden und auch nicht zu denken, aber jetzt dachte er schon wieder der Himmel weiß wa- zusammen. Es war natürlich ganz harmlos, dich der Prinz sich in der gleichen Loge mit Donata befand-, um so harmloser, als ihre Mutter auch dabei war. Schämen mußte er sich. Doch die über- schlanke Gestalt des Prinzen störte ihn neben Donata., und sein Lächeln, das Donata galt, störte ihn eben- falls.

Eine alte Dame stand plötzlich hinter ihm:

Mein Herr, würden Sie vielleicht die große: Güte haben, Ihren Platz mit mir zu tauschen? Ich bin kränklich, und hier säße ich neben meiner Enkelin. Ich konnte leider nicht früher von Haus fort.'

Er erhob sich, tauschte seinen Platz mit einem Platz hinter einer Säule ein. Der Tausch war schlecht für ihn, aber ihm lag nichts daran. Gr wollte gar nicht mehr in die Richtung der Logen sehen es regte ihn nur auf.

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Alle Musikerzieher und Musikunterrichtnehmenden werden auf die in der heutigen Ausgabe veröffentlichte Amtliche Mitteilung der RMK. besonders aufmerksam gemacht. - Die Musiklehrer und -lehrerinnen haben die Unterrichtsformulare in der Geschäftsstelle der hiesigen Ortsmusikerschaft, Hitlerwall 12 (Geschäftszeit von 8 bis 12 Uhr), in Empfang zu nehmen.

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Wieviel Geschlechter hak der Wartturm schon ge ehen und überlebt! Er wird auch uns überleben, Detlef! Und mich drückt das, woran ich sonst nicht denke, plötzlich ganz sonderbar schwer, daß em Menschenleben so kurz ist."

Ihr Blick war, als er sich dem Manne zuwandte, leicht verschleiert. . __

Wenn man das ganz tief und eindringlich emp­findet, wird man sich erst so richtig klar, wie sehr man frevelt, wenn man sich durch Kleinlichkeiten die schönsten Stunden verbittert. Wir zwei wollen klug sein und das nicht tun, Detlef!"

In ihre Augen trat ein warmer Glanz, unb jem Blick hing wie gebannt an ihrem feinen Gesicht. Er erwiderte nichts und schaute sie nur an, fühlte bis in seines Herzens verborgensten Winkel, daß alles, alles hell in ihm wurde, unter dem sonnigen Glanz der dunklen Augensterne.

Siebenundzwanzig st es Kapitel.

Frau Westkamp kränkelte in letzter Zeit. Sie fühlte sich unbehaglich und fröstelte. Es handelte sich um nichts, was Anlaß zu Besorgnis gab, aber am Abend vor dem Konzert telephonierte Detlef Weftkamp Donata an und bedauerte, am nächsten Tag nicht nach Mainz mitfahren zu können, weil er seine Mutter nicht gern allein lassen wollte.

Donata war von der Absage sehr enttäuscht, aber sie überlegte, vielleicht war es auch gut so. Denn wenn der Liebste dem Konzert beiwohnte, wurde er wahrscheinlich wieder allerlei Gespenster sehen. Er mußte sich erst allmählich daran gewöhnen, daß sie ein wohlhabendes Mädchen, ihr Vater em bekannter Künstler geworden war.

Ihr Vater befand sich schon seit Tagen in Mainz, leitete noch einige Proben: und die Mutter und sie fuhren gleich nach Tisch. Sie nahmen, weil sie auf Wunsch des Vaters noch ein paar Tage drüben bleiben wollten, etwas Handgepäck mit. Vor allem die eleganten Kleider, die sie am ersten Konzert­abend getragen.

Als sich Donata abends zurechtgemacht hatte und in dem Kleid vor dem Spiegel stand, mußte sie lächeln. Ob sie wohl Detlef so gefallen wurde? Natürlich! Das Kleid schmeichelte ja ungemein.

Und um dieselbe Zeit stand Detlef vor feiner Mutter, die auf dem altmodischen Sofa in der Wohnstube lag, und fragte zum soundsovielten Male, ob sie sich wirklich besser fühle, und sie ver­sicherte zum soundsovielten Male, sie fühle sich ziem­lich wohl. Außer etwas Kopfweh fehle ihr nichts, e hätte kein Herzklopfen mehr und keine Stiche in der Brust.

Sie lächelte:

Bub, wollen doch nicht Verstecken spielen. Du möchtest nach Mainz zum Konzert, und wenn du dich beeilst, kommst du auch noch zurecht. Geh un­besorgt und höre dir das Konzert an! Hättest Donata und ihre Mutter begleiten sollen, wie es ausgemacht war."

Er. nickte:Ja, ja..." Und dann eilte er in sein

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Sie lachte ihn schelmisch an.

Freu dich doch lieber mit uns über all das Gute und was Vater von seinem Standpunkt aus verwirft, stört mich nicht. Sage ruhig, wir haben Glück gehabt. Tante hätte das Geld einer anderen Person vermachen können. Das Geheimnis der Taler hätte uns immer verborgen bleiben können, und irgendein kleiner, törichter Zufall hätte Vaters Erfolg zunichte machen können. Da sich alles zu unseren Gunsten entschied, nenne es Glück. Aber

. nimm teil an dem Glück du gehörst doch zu uns, Detlef!"

Sie atmete tief auf.

Bitte, sei gescheit und laß dir von mir ein paar Sorgen abnehmen! Ich werde doch deine Frau. Im Frühjahr heiraten wir schon. Ich möchte deine Mutter und dich etwas von der drückenden Hypo­thekenlast befreien, und das Lastauto möchte ich auch kaufen. Dann ist mein Geld gut angelegt.

Er schüttelte den Kopf heftig.

Fängst du schon wieder an, Donata? Ich will davon nichts hören. Vorläufig überhaupt nicht. Das sind Dinge, über die sich frühestens nach der Hochzeit reden ließe."

, Sie seufzte:

Dickköpfig bist du, daß man wirklich die Geduld mit dir verlieren könnte."

Sie gingen weiter, und die klare frische Luft ' fegte ihnen doch etwas die Sorgen aus den jungen Köpfen. Sie blickten sich wieder verliebt an und küßten sich einmal, weil doch weit und breit kein Mensch zu sehen war. Detlef Westkamp versprach auch, dem nächsten Konzert ihres Vaters m Mainz beizuwohnen und nicht mehr so dummes Zeug wie vorhin zu reden, ja, nicht einmal zu denken.

Im Augenblick war es ihm ernst mit seinem Versprechen, und sie glaubte ihm wieder.

Der Weg, der durch die Kleingärten geführt hatte, war zu Ende; sie bogen nach rechts ein, wo ein breiterer Weg wieder an Kleinaärtnerbesitz vorbeizog.

Sie schritten jetzt Arm in Arm, und ihre Augen freuten sich an dem Bild, das sich ihnen bot.

Vor ihnen lag, wie ein warm-lebendiges Stück Mittelalter, die Friedberger Warte mit hoher Hof- mauer und Wohngebäude, darin dereinst die Wäch­ter der Stadt gewohnt, die den Straßenzoll für die freie Reichsstadt eingetrieben hatten. Die Spitze des Turmes war tief mit Schiefer verkleidet; es sah aus, als trage der alte, runde Gesell ein schwarzes Hütchen, dessen Dunkel durch Regen und Wetter etwas verblaßt war.

Donata sagte gedankenverloren:__________

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Zimmer, zog sich um und steckte flüchtig den Kopf durch die halb geöffnete Tür.Gute Nacht, Muttel. Ich werde ordentlich laufen müssen!"

Sie schickte ihm einen Seufzer nach, weil er wieder einmal nicht gewußt hatte, was er wollte. Früher war er viel sicherer in seinen Entschlüssen gewesen. ~

Detlef Westkamp hatte Gluck, eine leere Taxe kam ihm vor der Gartentür entgegengefahren. Er ließ halten, sprang hinein, rief dem Chauffeur zu: Hauptbahnhof!", und erreichte gerade noch den Zug nach Mainz, der ihm bei richtiger Ankunst verbürgte, er würde noch zum Konzert zurecht­kommen. u . ..

Er saß dann in einer Ecke und druckte die Augen zu ließ seine Gedanken spazierengehen. Zu Donata gingen sie, freuten sich darauf, die Geliebte heimlich beobachten zu können mit dem stolzen Gefühl, Die junge Schönheit gehöre ihm, nur ihm ganz allem.

Sie war sein, sie liebte ihn, und er war ein Narr, sich mit läppischen Gedanken zu plagen.

Als Frau Olden und Donata die Loge betreten wollten, kam der Prinz den Gang entlang, der hinter den Logen lag. Er verneigte sich tief und gab sich gar keine Mühe, seine Bewunderung Donatas zu verbergen.

Er küßte Frau Steffis Hand, druckte die Rechte Donatas. , t 1 _

Ich freue mich, meine Damen, heute Die Sym­phonie hören zu dürfen, woran mich beim ersten Konzert die Ohnmacht meines Schwagers verhinderte. Es geht meinem Schwager übrigens viel besser, er war gründlich überarbeitet."

Wie geht es Ihrer Frau Schwester, Hoheit? fragte Steffi Olden.

Danke, gnädige Frau nun sie über den Zu­stand ihres Mannes beruhigt ist, geht es ihr auch gut!" gab er zurück. Und dann betraten sie die Loge, nahmen Platz.

Der Prinz saß zwischen den beiden Damen an der Brüstung. Und oben auf demJuchhe", weil er keinen anderen Platz mehr hatte erhalten können, saß Detlef Westkamp und suchte durch das mit­gebrachte Theaterglas den weiten Saal und die Logen ab. Bald hatte er die Loge mit Donata gefunden, und alles Blut strömte ihm zum Herzen, als er den Herrn in der Loge erkannte. Das war ja derselbe, der Donata eines Abends an der Kon­stabler Wache in Frankfurt so tief gegrüßt, sie so dreist bewundernd betrachtet hatte.

Ein Prinz sollte er sein! Also mit diesem Prinzen saßen Mutter und Tochter in der Loge, lächelten mit ihm, plauderten mit ihm. Wie der Unverschämte beim Sprechen seinen Kopf neigte, so tief, daß er mit seinem Gesicht fast Donatas Wange und Haar berührte. Und sie wich gar nicht zurück, schien die Dreistigkeit ganz in der Ordnung zu finden.

Wie ein Schrei, der sich Luft machen wollte, saß ihm der Aerger in der Kehle.

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