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in dem Augenblick um, als er eine über einen MH führende Brücke paffierfe. Glücklicherweise hielt das Geländer stand, so dah der Zug nicht in den Fluh stürzte. Der amtliche Polizeibericht von Osaka mel­det den Tod von 100 Personen und die Ueber- schwemmung von 50 000 Häusern allein in Osaka.

Rach Mitteilungen aus Schirnonoseki sind vier Dampfer, die mit insgesamt 500 Mann Besatzung und Fahrgästen den Hafen verliehen, bis jetzt nicht in ihren Bestimmungshäfen eingetroffen. Man be­fürchtet, dah sie gesunken sind. Rach weiteren Nachrichten ist zwischen Ragoya und Tioto ein Arbeitszug beim Einsturz einer Brücke in den Fluten versunken. Viele Arbeiter sind u m ge­kommen. Vach den bisherigen Mitteilungen hat Japan durch die Naturkatastrophe insgesamt 33 Flugzeuge verloren.

Die telegraphischen Verbindungen zwischen Kobe und Osaka sind notdürftig wiederhergestellt worden; der Rundfunk in Kobe soll heute seine Arbeit be- helfsmähig wieder aufnehmen. In Kobe versuchten nach der Sturmkatastrophe mehrere Koreaner zu plündern. Sie wurden von Polizeiposten sofort erschaffen. Die Mitglieder des diplomatischen Korps haben der japanischen Regierung ihr tiefstes Beileid ausgesprochen.

Oie letzte Verlustliste.

T o k i o , 21. Sept. (DRV.) Rach den letzten Berich­ten des japanischen Innenministeriums hat die T a i- f u nk a t a st r o p h e in 18 Städten des Landes ins­gesamt 94 3 Todesopfer gefordert, 3738 Per­sonen wurden verletzt, 503 werden v e r m i h t. Allein in der Präfektur Osaka zählte man 767 Tote und 3058 Verletzte, während 488 vermißt werden.

Tokio.

W o liiotoSA

In Kioto fanden 104 Personen den Tod und 306 erlitten Verletzungen. Die Hauptstadt Tokio ist mit vier Toten und 33 Verletzten verhältnismähig noch glimpflich davongekommen. Rach einem Funkspruch aus Takamatsu fürchtet man dort, dah über 2300 Fischerboote von der Insel Schikoku gesunken find. Das japanische Innenministerium hat unter Vorsitz des Innenministers Goto einen Ausschuh zur Prüfung der Schäden und Opfer des Taifuns und der Springflutkatastrophe eingesetzt. Die Potizeibehörde von Schimonosoki teilt mit, dah ein Ausflugsdampfer mit 350 Personen an Bord, der vor mehreren Stunden den Hafen ver­lassen habe, bisher noch nicht zurückgekehrt sei. Man befürchtet, dah der Dampfer von der Springflut er- ereilt und gesunken ist.

In Kioto wurden ein Amtsgebäude und mehr als 10 Schulhäuser vernichtet Dabei sind etwa 10 0 0 S chulkinder unter den Trümmern be­graben worden. Etwa 500 von ihnen konnten sofort nach dem Unglück wieder befreit werden. Das Schicksal der übrigen Kinder ist ungewih. Der Eisen­bahnverkehr zwischen Tokio, Osaka und Shimonoseki ist unterbrochen. Zahlreiche Züge sind verun­glückt hierbei sind etwa 10 0 Todesopfer zu beklagen. Auch der Telegraphen- und Telephon­verkehr im Unglücksgebiet ist unterbrochen.

Das Rettungöwerk der Regierung.

Auf Veranlassung der japanischen Regierung sind eine Anzahl Flugzeuge aufgestiegen, um zu­sammen mit japanischen Pioniertruppen die Ret­tungsaktion erfolgreich durchzuführen. Die Flugzeuge werden auch Lebensmittel mitnehmen, da es Städte gibt, die zur Zeit auf normalem Wege nur sehr schwer zu erreichen sind. Don ja­panischer Seite wird mitaeteilt, daß alle Gerüchte, daß bei dieser Katastrophe die japanische Marine gelitten habe, nicht den Tatsachen entsprechen. Auf Veranlassung des japanischen Kriegsministers Hajsi sind technische Truppen eingesetzt worden, um die Hilfsaktion für die Bevölkerung zu beschleu­nigen, die noch unter den Trümmern begraben liegt Bei Osaka ist es gelungen, ein Entbindungs- heim teilweise auszugraben, wobei ein Teil der Insassen gerettet werden konnte. Die Funkverbin­dung zwischen Osaka und Tokio war unterbrochen, sie soll heute wieder hergestellt werden. Ganz Japan trauert wegen dieser furchtbaren Kata­strophe, die auch in den ausländischen Kreisen stärkste Anteilnahme hervorgerufen hat. Der ja­panische Kaiser hat den Innenminister Goto emp­fangen, der ihm einen Bericht über die Katastropye erstattete.

Erzeugung künstlichen Radiums.

Rews Chronicle" meldet, die langgesuchte For­mel für die Erzeugung künstlichen Ra­diums fei von dem Wissenschaftler I o l i o t nach lebenslänglichen Forschungen gefunden worden. Die aufseheneregende Entdeckung, die Anfang nächsten Monats auf einer Konferenz von 600 Gelehrten in London und Cambridge verkündet werden soll, würde eine neue Aera im Kampfe gegen den Krebs bedeuten. Tausende von Opfern wür­den in der Lage sein, Radium in nötigen Mengen und billig zu erhalten. Frau Jollok ist die Tochter der verstorbenen berühmten Frau Curie, die ge­meinsam mit ihrem 1906 verstorbenen Gatten Pro­fessor Pierre Curie das Radium und das Polo­nium entdeckte und 1911 mit dem Robelpreis für Physik und Chemie erhielt.

Die Reichstagung -er Deutschen Christen.

Zwei große Massenversammlungen in Berlin als Auftakt zur Einführung des Reichsbischofs.

Berlin, 21. Sept. (DNB.) Die 2. Reichstagung der Deutschen Christen wurde am Freitagabend durch zwei Massenversammlungen in den beiden größten Räumen her Reichshauptstadt, dem Sportpalast und den Tennishallen, eröffnet. Beide Versammlungen waren überfüllt. Rund 25 000 Volksgenossen aus allen Gauen des Reiches wohn­ten dieser Eröffnungskundgebung bei. Rach dem Einmarsch der Fahnen erschien, von den Versamm­lungsteilnehmern mit lauten Heilrufen begrüßt, der Reichsbischof Ludwig Müller, gefolgt von den Bischöfen der evangelischen Kirche und den Gauobmännern der Deutschen Christen. Die brau­senden Heilrufe, die dem Reichsbischof galten, wiederholten sich minutenlang.

Der Reichsleiter -erDeuffchenChristen,Dr.Kilider begrüßte alle Volksgenossen und Mitkämpfer, in­sonderheit die Ehrengäste von der Saar, aus Dan­zig, aus Nordschleswig und aus den anderen ab­getrennten Gebieten. Er führte darauf u. a. aus:

Wenn wir uns heute zu unserer 2. Reichstagung versammeln, dann dürfen wir mit allen treuen und zähen Kämpfern uns in dem frohen Bewußt­sein zusammenfinden: Das erste große Ziel i st erreicht. Am Sonntag wird unser hochver­ehrter R e i ch s b i s ch o f in sein hohes Amt ein- g e führt und damit öffentlich dokumentiert: Eine Entwicklung von 400 Jahren seit den Tagen der Reformation ist zum Abschluß gekommen. Wir haben eine Deutsche Evangelische Kirche. Die Voraussetzungen dafür hat der Führer und Reichskanzler geschaffen, denn erst mußten die trennenden Ländergrenzen fallen, und wir alle, in Nord und Süd, Ost und West uns in dem einen Bewußtsein zusammenfinden, daß wir Deutsche sind und immer wieder Deutsche. Wir Deutschen Christen haben damit die weitere Aufgabe, daß wir diese unsere Kirche mit innerem Leben erfüllen. Wir bieten allen Glaubensgenossen unsere Hand. Unsere Idee ist so voll Wahrheit, daß wir in der einheitlichen Kirche ein einiges Kirchenvolk haben werden.

Unsere erste große Aufgabe im seelischen Leben unseres Volkes ist die Ueberwindung des Materialismus. Andere Kreise wollen das Gottsbild als ein Produkt der deut­schen religiösen Phantasie. Wir bekennen uns zu dem ewigen Gott Himmels und der Erde, der in Christus aus ewiger Allmacht heraus sprechen konnte.Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen." Wir alle tra­gen in uns das Bewußtsein, daß Gott da ist. Das gibt Besonnenheit in guten und ruhige Kraft in schweren Tagen. Das gibt Pflichterfüllung. Da wächst eine gesunde Jugend heran, da sind glückliche Ehen, da wird Opferbereitschaft des ganzen Volkes. Wir tragen als Deutsche Christen die ernste Verantwor­tung, daß die Formungen des religiösen Lebens der Art des deutschen Volkes entspre­chen. Statt einer Allerweltsidee im Frömmigkeits­

leben nachzulaufen, wollen wir echte deutsche Frömmigkeit pflegen. In Abkehr von dem vielfach schematischen kirchlichen Leben der 14 Jahre der Systemszeit wollen wir e i n e echte Volks- kirche lutherischen Gepräges. Im Aufblick

zum Herrn der Kirche, unseren Heiland Jesus Chri« stus, wollen wir kämpfen und darum ringen, daß er das innere Leben unseres Volkes segne, damit eine volksverbundene Kirche werde, in der jeder pro­testantische deutsche Volksgenosse seine Heimat findet.

Die Ansprache des Reichsbischofs.

AeWbischos Ludwl« Müller nahm darauf das Wort, er dankte für die ihm in so reichlichem Maße zugegangenen Segenswünsche aus allen Teile des Reiches, die Zeugnis ablegten von dem gewaltigen Willen zu einer großen ge­schlossenen evangelischen Kirche zu kommen. Der Reichsbischof fuhr dann u. a. fort: Ich will mit der Würde dieses Amtes nichts anderes, als der Kirche und unserem Volke mit ganzer und voller Hingabe dienen. (Lebhafter Beifall.) Niemals hätten wir diese Stunde erlebt, hätten wir nicht den Natio­nalsozialismus erlebt und wäret Ihr nicht so treu gewesen als Deutsche Christen. Ich be­tone an dieser Stelle, daß ich immer Deutscher Christ gewesen bin und sein werde. Wenn ich eines gelernt habe in dem tiefen inneren Ringen um das eigene Freiwerden, dann ist es die Wahrheit des Heilands­wortes:Wer nicht für mich ist, der ist wider mich!" Wir danken aus innerstem Herzen allen, die in Deutschland 14 Jahre lang zäh gekämpft haben für Deutschlands Befreiung und wir danken besonders herzlich dem Mann, den wir aus Gotteshand neh­men durften, unserem Führer Adolf Hitler. Wir danken der nationalsozialistischen Bewegung, daß wir wieder ein einiges, großes deutsches Volk ge­worden sind, daß wir unsere innerste Verbunden­heit mit deutschem Blut und Boden von neuem er­kennen und in uns verankern.

Der Reichsbischof beschäftigte sich sodann mit dem Verhältnis der Deutschen Christen zu den katho­lischen Glaubensbrüdern und führte u. a. aus: Wir Deutschen Christen haben es oft genug gesagt, daß wir es auf das schärf st e ableh­nen, uns mit unseren katholischen deutschen Glau­bensbrüdern auch nur im geringsten in irgend einer Form auseinanderzusetzen. Wir sehen in ihnen unsere Volksgenossen und möchten am lieb­sten mit ihnen Schulter an Schulter den neuen deutschen Menschen schaffen. (Anhaltender lebhafter Beifall.) Arn törichsten und boshaftesten ist die Verleumdung, wir wollten Christus vom Thron stoßen. Das ist Lüge und immer wieder Lüae. Ich benutze die Gelegenheit, um in diesem Zusammenhang zu geloben:

Ich will mit allem, was ich bin und habe, nichts anderes, als dah ich zur Erfüllung bringe, was ich dem alten Generalfeldmarfchall in die Hand versprochen habe, dah Christus in Deutschland wirklich gepredigt wird. (Neuer stürmischer Beifall.) Ich will aber auch, dah dieser Christus in deutschen

Landen deutsch gepredigt wird, und ich muh dafür sorgen, dah er in der Sprache verkündet wird, die mein brauner Kamerad, der Mann im Arbeitsrock genau so gut versteht, wie der gelehrteste Professor. Darum wollen wir es von neuem so machen, wie Luther selbst es gemacht hat, wir wollen uns selbst und wollen unserem Volk mal wieder aufs Maul sehen, wollen sehen und hören und mit heiher Liebe danach suchen, dah wir die Wege finden, die zum Herzen gehen mit Worten, die unser deutscher Volksgenosse ver­steht, damit wieder ein Christus gepredigt wird mit guten, klaren, ehrlichen deutschen Worten. Unsere Losung und unser Kampfruf soll sein: Alles was wir tun können zum Aufbau unse­rer Kirche soll geschehen zu Ehren Gottes, zum heil seiner Kirche, zum Wohl unseres deutschen

Volkes und Vaterlandes.

Stärkster, sich immer erneuernder Beifall danktck dem Reichsbischof für feine Worte. Immer wieder wurden Heilrufe laut, und immer aufs neue ertönte Händeklatschen. Unter großen Kundgebungen ver­ließ der Reichsbischof den Sportpalast, um sich nach der Parallelversammlung in den Tennishallen zu begeben.

Im Anschluß daran sprachen verschiedene Gau­vertreter. Pg. Müller übermittelte die Grüße aus der S a a r. Wenn irgendwo mit deutschem Christentum der Kampf unlösbar verbunden fei, dann an der Südwestgrenze des Reiches, an der Saar. Für die Saarländer stehe eines fest: Zurück zu Deutschland! (Stürmischer Beifall.) Nun seien die Saarländer nach Berlin gekommen, um die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche zu sehen, zu erleben und zu feiern. Die Saarländer würden nicht die Nerven verlieren, da sie wüßten, daß hinter ihnen das geeinte Volk des Dritten Reiches und die starke Kraft einer einheitlichen evangelischen Kirche stehe. (Stürmischer Beifall.)

Der württembergische Vertreter betonte, daß die Bewegung der Deutschen Christen den Brückenkopf im Süden mit eiserner Zähigkeit ge­halten habe, weil man im württembergischen Volke nichts mehr wissen wolle von Bestrebungen, die auf kirchlichem Gebiet ein Sonderdasein neben her ge­einten deutschen Reichskirche führen wollten. Der Berliner Gauleiter, Pfarrer Tausch, sprach das Schlußwort. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer wurde die gewaltige Kundgebung ge- schlossen.

Vor derAufklärung des FallesLindbergh

Ein aus Deutschland geflüchteter Verbrecher als Täter.

Ein Ereignis erster Ordnung in der amerikanischen Oeffentlichkeit.

Das Verhör.

R e u y o r k, 21. Sept. (DRV.) Die Aufdeckung und Aufklärung des Falles Lindbergh bedeutet für die amerikanische Oeffentlichkeit ein Ereignis erster Ordnung. Die Zeitungen widmen dieser ganzen Angelegenheit mehrere Sei­ten und bringen Rückblicke auf das damalige ge­meine Verbrechen, das an der populärsten Persönlichkeit Amerikas im letzten Jahr-

zehnt verübt worden war und ganz Amerika in Trauer verseht hatte. Es hat sich inzwischen her­ausgestellt, dah es sich bei dem Verhafteten um einen vor 11 Jahren aus Deutschland geflüchteten Verbrecher namens Bruno Richard Hauptmann handelte, der seinerzeit als blinder Passagier ameri­kanischen Boden betreten hatte. Er leugnet bisher jede Beteiligung an dem an Lindbergh verübten Verbrechen. In diesem Zusammenhang warntWa­shington Post" davor, aus der Tatsache, dah es sich um einen heimlich eingewanderten Ausländer han­dele, irgendwelche Fehlschlüsse zu ziehen. Allein ent­scheidend und von größter Bedeutung sei lediglich der Umstand, dah zur allgemeinen Befriedigung das Verbrechertum wieder einmal im Kampf gegen die zivilisierte Menschheit unterlegen sei, und dah die amerikanische Justiz wieder eines der grohen Verbrechen habe aufklären können. Das bedeutet für die anständigen Bürger eine grohe Beruhi­

gung. Im Reuyorker Potlzelhauptquartier wurde der Verhaftete B. R. Hauptmann eingehend ver­nommen. Auf die Frage, wie er in den Besitz des Geldes in feiner Garage gekommen fei, erklärte Hauptmann, fein Freund Isidor Fischer, ein früherer Teilhaber seines Pelzgeschäftes, habe ihm alle seine Effekten zur Aufbewahrung übergeben, bis er aus Europa zurückgekehrt fei Sein Freund fei jedoch im Dezember in Deutschland g e st o r b en. Er, Hauptmann, habe erst vor drei Wochen ent­deckt, dah das Vermögen seines Freundes 1 4 000 Dollar betrug. Er habe aber nur 150 Dollar von dieser Summe ausgegeben. 3m weiteren Verlauf des Verhörs erklärte Hauptmann, er habe feit 1932 nicht mehr ständig gearbeitet, sondern von Spekulationen gelebt. Lr bestritt, jemals in hopewell (Rew Jersey), wo sich der Landsitz Lindberghs befand, gewesen zu sein. Rach dem Ver­hör wurde Hauptmann dem Pollzelgericht in Vronx vorgeführt unter der Anklage, 5 0 0 0 0 Dollar Lösegeld erpreßt zu haben.

3m Verlaufe des Verhörs bekundete Hilfspolizei­inspektor Sullivan, dah Hauptmann bei dem ersten Versuch, amerikanischen Boden zu betreten, den falschen Ramen Karl P e l l m e i e r gebrauchte. Hauptmann sei am 14.3uli 1923 als blinder Passagier an Bord des DampfersHannover" aus Bremen in Reuyork eingetroffen. Drei Tage darauf sei er mit dem gleichen Dampfer wieder abgeschoben worden. Später sei er als Matrose mit dem DampferWashington" herübergekommen und habe das Schiff in Reuyork verlassen.

Schon früh auf der schiefen Ebene.

Der in Neuyork im Zusammenhang mit der Ent­führung des Lindbergh-Kindes Verhaftete ist ein gebürtiger Kamenzer, und zwar ist er der 1923 nach Amerika geflüchtete jetzt 34 Jahre alte frühere Ma­schinenschlosser Richard Hauptmann, dessen Mutter in Kamenz (in Sachsen) als Sozialrentnerin lebt. Der Vater starb 1917. Zwei Brüder von Richard Hauptmann sind während des Weltkrieges gefal - l e n. Hauptmann war bereits in jungen Jahren auf d i e schiefe Ebene geraten und hatte eine Strafe zu verbüßen, für die ihm aber Bewährungs­frist zugebilliqt worden war. Als er 1923 wegen eines neuen Kriminalfalles abermals festgenommen worden war, entfloh er aus dem Kamenzer Amtsgerichtsgefängnis, bevor er der Strafanstalt Bautzen zugeführt werden konnte. Seit dieser Zeit war Hauptmann verschwunden. Wie sich später her- ausstellte, war er nach Amerika geflohen, um sich der Strafverbüßung zu entziehen.

»Oie Aufklärung des Falles gesichert.»

Auf Grund der aus Neuyork eingetroffenen Be­richte erklärte das Justizamt in Washington, es fei Anlaß zur Annahme vorhanden, daß die Auf­klärung des Falles Lindbergh ge­sichert sei. Allerdings sei bisher nur Die Ver­

wendung von etwa 19 000 Dollar Lösegeld nach­gewiesen, während der Verbleib der restlichen 31 000 Dollar noch ungeklärt sei.

Hauptmann nicht allein der Täter?

R e u yo r k, 22. Sept. (DRV. Funkspruch.) Die Presse widmet den neuesten Entwicklungen de» Linddergh-Falles weiter viele Seiten. Ob­wohl nachgewiesen ist, daß Hauptmann im Be­sitz der gesamten Lösegeld-Summe war, stimmen nunmehr sämtliche an der Untersuchung beteiligten Behörden in der Ansicht überein, dah das Ver­brechen nicht von einer Person allein be­gangen feine könne. Soweit Hauptmann in Be­tracht kommt, wird erklärt, dah er zwar möglicher­weise nicht persönlich an der Entführung bes Lindbergh-Kindes teilgenommen, aber an dem Plan der Verbrecher irgendwie einen Anteil habe. Haupt­mann wird weiter belastet durch die Aussagen eines Arztes, der im Stadtteil Vronx wohnt und der Hauptmann wenige Tage nach dem Verbrechen we­gen eines stark verstauchten Fuhgelenkes behandelt haben will. Die Ergebnisse der seinerzeit geführ­ten Untersuchung nahmen bekanntlich an, dah bet Entführer des Kindes beim herabsteigen auf bet Leiter von dieser gefallen fei und das Kind ha­bet den Tod gefunden habe. Der Gouverneur von Rew 3erfet), Moore, erklärte nach einer Kon­ferenz mit den zuständigen 3ustizbeamten, bet Staat Rew 3erfey werde die Auslieferung Hauptmanns unter der Beschuldigung des Mor­des erst verlangen, wenn ausreichendes Material zur Stützung der Beschuldigung vorliegt.

Ztalienisch-südsiawischer Zwischenfall.

Grenzverletzung bei Susak -

Belgrad, 22. Sept. (DNB. Funkspruch). Am Donnerstagabend ereignete sich, wie die Agentur Avala berichtet, an der italienisch - südslawischen Grenze bei Susak, dem.Nachbarhafen des ita­lienischen Fiume, ein Zwischenfall. Südslawische Grenzwächter, die durch mehrere Schüsse alarmiert worden seien, hätten an der Brücke zwischen Susak und Fiume zwei Personen bemerkt, die von der italienischen auf die südslawische Seite herüberkamen. Es sei festgestellt worden, daß cs sich bei den Flüchtlingen um italienische Staatsangehörige aus Istrien handelte, die insgeheim auf südslawisches Gebiet gelangen wollten. Bei ihrem Verhör hätten die beiden Flüch­tigen erklärt, daß sie noch im letzten Augenblick des Uebertritts von einem italienischen Milizsoldaten bemerkt worden seien, der auf sie insgesamt vier Schüsse abgefeuert habe. Während der eine der beiden Flüchtigen un­versehrt geblieben sei, sei der andere zweimal ge­troffen worden, und zwar habe ihn die letzte Kugel gerade in dem Augenblick erreicht, als er die auf südslawischer Seite befindliche Mauer berührte, mit anderen Worten, auf südslawischem Gebiet. Eine südslawische Kommission ist an Ort und Stelle eingetroffen, um festzustellen, ob es sich um eine Grenzverletzung der Italiener handelt.