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Samstag, 22. September 1934

Nr. 222 Erstes Vlatt

184. Zahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Sonntags und Feiertags fF |H für die 9ntttagsnümN|iet

Beilagen: Die Illustrierte J a A A Bk Ak A A. A A, A A A A. A A A. A AA bis8'/,UhrdesDormittäg»

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SSL General-Anzeiger für Oberhesfen richten: Anzeiger Gietzen t/ I I II ^en, Bäder.^Unterrichts-n.

Zronttm/am^main 11686 Druck und Verlag: Vrühl'sche Unloerfitats-Vuch- und Steindruckerei R.Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Mengenabschlüss^staffe?s

Wo bleibi die Antwort?

Die Herbsttagung des Völkerbundes hat ihre erste und vermutlich auch einzige Sensation gebracht. Sowjetrußland hat seinen Einzug in das Genfer Bölkerbundspalais gehalten, nachdem die Prälimi­narien, vor allem die Zuerkennung des ständigen Ratssitzes, dank der Geschäftigkeit des französischen Busenfreundes zur Zufriedenheit vonstatten gegan­gen waren. Wenn es dabei immerhin einige für Herrn Barthou unliebsame Erörterungen gegeben hat, so mußten sie int Interesse des großen Ziels der russisch-französischen Allianz und der Komplet­tierung des recht lückenhaft gewordenen Völker­bundes eben mit in Kauf genommen werden. So ganz ohne Begleitmusik, wie es sich Herr Barthou so schön gedacht hatte, ging der Einzug seiner kom­munistischen Freunde doch nicht ab. Dazu haben Liefe zuviel aus dem Kerbholz und es war schon ein erstaunliches Zeichen von politischem Fatalismus, daß nur Bundesrat Motta in einer mutigen und schlagkräftigen Rede die ernsten Bedenken der Schweiz gegen die moralische und politische Zuver­lässigkeit dieses seltsamen Kandidaten für einen Rats- sitz in der als Friedensorganisation der Kulturvöl­ker gedachten Liga der Nationen zum Ausdruck brachte. Die Geschichte der bolschewistischen Re­volution und die Praxis des aus ihr hervor­gegangenen Sowjet - Systems machten es dem Schweizer nicht schwer, seine entschiedene Ab­lehnung der Russen zu begründen. Weder läßt sich die blutige Schreckensherrschaft, mit der eine kleine kommunistische Clique das russische Volk be­glückt, auch nur annähernd mit den Grundsäken einer Selbstverwaltung vereinbaren, die die Auf­nahmebedingungen des Völkerbundsstatuts für alle neuen Mitglieder gewährleistet sehen will, noch spre­chen die brutale Unterdrückung der nationalen Min­derheiten wie der christlichen Kirchen und die kom­munistische Weltpropaganda der mit der Sowjet- regierung tatsächlich gleichzusetzenden Komintern für die aufrichtige Absicht Sowjetrußlands, seine inter­nationalen Verpflichtungen zu erfüllen, wie sie die Aufnahme in den Völkerbund ebenfalls voraus- ietzt.

Barthou, der glänzende Redner und nie verlegene Debatter, mußte auf die peinlichen Fragen des auf­rechten Schweizers die Antwort schuldig bleiben. Sein Hinweis auf die erstrebenswerte Uni­versalität des Völkerbundes, von dem man das Hundertmillionenvolk der Russen nicht fernhalten dürfe, war eine Verlegenheitsfloskel, die die innere Unsicherheit und Hohlheit der moralischen Begründung einer rein machtpolitischen Maßnahme deutlich an der Stirn trug. Frankreich hat eben wieder einmal den Völkerbund, dieses echte Kind des Systems von Versailles, unter seinen Stiefel gezwungen, um dem rein imperialistischen Zielen dienenden Bündnis mit Moskau den Mantel völkerverbindender Frie­denspolitik umzuhängen. Und die Mehrheit der Völkerbundsstaaten beugte sich widerspruchslos entgegen eigener besserer Erkenntnis dem Wunsche des allmächtigen Frankreich. Wie sollte sie auch gegen den Stachel löcken, wenn es selbst das Bri­tische Reich für klug gehalten hat, dem Russen den Steigbügel zu halten, obwohl die Briten daheim wie in den Dominions und Kolonien die kommu­nistische Propaganda sehr unangenehm empfinden.

So war der Weg in den Völkerbund trotz Wider­spruchs des Gastlandes für die Bolschewiken geebnet. Herr Litwinow nahm ohne die Einladung des Prä­siedenten abzuwarten mit seinen Kollegen ungeniert unter den andern Delegationen Plag und spielte in seiner Antrittsrede ebenso harmlos den Friedens­engel und braven Hausvater eines Landes, in dem nach seinen Wortenmehr als zweihundert Natio­nalitäten friedlich und in voller Rechtsgleichheit Zu­sammenleben", als ob es niemals so etwas wie Massenhmrichtungen der Tscheka, Verbannungen in die Wälder Sibiriens und durch verbrecherische Wirtschaftsexperimente verursachte Hungersnot in dieser einstigen Kornkammer der Welt gegeben hatte. Der Schweizer Motta hat die Mitglieder des Völkerbundes aufgefordert, nun wo die Sowjet­union schon einmal in ihren Kreis eingeführt wor­den fei, sich auch die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, den Bolschewiken scharf auf die Finger zu sehen und alles das rücksichtslos an den Pranger zu stellen, was sich Sowjetrußland entgegen seinen internationalen Verpflichtungen zuschulden kommen läßt. Man wird gespannt sein dürfen, wie weit die maßgebenden Herren in Genf, vor allem Frank­reich, dem ja die größte Verantwortung für die Mitarbeit des russischen Bolschewismus zufällt, ihrer ihnen von Motta eindeutig vorgehallenen Pflicht nachkommen werden.

Vorerst hat man sich in Genf anderen Problemen zugewandt. Da ist vor allem Polens Vorstoß gegen die einseitige Handhabung des Minder­heitenschutzes, die es als Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung empfindet. Wir haben die Vorgeschichte der Minderheitenschutzab­kommen hier schon erörtert und auch die Bedeutung des polnischen Schritts für das Problem der Min­derheiten wie für die Existenz des Systems der Pariser Friedensverträge überhaupt beleuchtet. Po­len hat seinen Antrag auf Einberufung einer Kon­ferenz für Verallgemeinerung des Minderheiten­schutzes zwar überraschend zurückgezogen, nachdem es in der politischen Kommission hat erleben müssen, daß zwar die von der einseitigen Anwendung des Minderheitenschutzes selber betroffenen Mächte, wie die Kleine Entente ebenso wie andere weniger interessierte Staaten sich zustimmend geäußert haben, von den Mächten jedoch, auf die es Polen in erster Linie ankommen mußte, nur eine ab-- lehnende oder ausweichende Antwort erfolgte. Da für die Annahme des polnischen Antrags Ein­stimmigkeit erforderlich gewesen wäre, hat Polen seinen Antrag zwar als aussichtslos zurückge­zogen, aber es lehnt nach wie vor das einseitige

DieAusweriungdesfranzösisch-russischenBündniffes

Die Paffpläne noch nicht aufgegeben. - Frankreich in der Zwickmühle zwischen Moskau und Tokio. Oas Bündnis nur auf Europa beschränkt.

Minderheitenschutzabkommen ab, bei dessen Kon­trolle durch den Völkerbund es seine Mitarbeit ein­stellt. Polen hat sich also durch das gereizte Echo, das gerade dieser Teil seiner Politik in Paris ge­funden hatte, nicht ins Bockshorn jagen lassen. Im übrigen ist besonders bemerkenswert, daß Warschau bei seinem Vorstoß in Genf die Unterstützung der Kleinen Entente gesunden hatte, die zwar sonst die zäheste Verfechterin der Versailler Ord­nung ist, aber hier eine Gelegenheit witterte, sich unbequemen Verpflichtungen zu entziehen. Daß Polen selber seinen Vorstoß so nicht gemeint hat, hat Oberst Beck bereits bei seinem ersten über« raschenden Auftreten in Genf erklärt. Er versicherte, daß die Minderheiten im Bereich des polnischen Staatsgebietsin ihren realen Interessen" durch die Verfassung geschützt seien, dieden Minder­heiten der Rasse, Sprache und Religion die volle Freiheit ihrer kulturellen Entwicklung und die Gleichheit in der Behandlung garantiert". Die Polen würden es selbst für töricht halten, leugnen zu wollen, wie häufig sie in der Vergangenheit gegen diese lobenswerten, wenn auch selbstverständ­lichen Grundsätze einer gerechten Minderheitenpoli­tik gesündigt haben. Aber man darf es als ein er­freuliches Zeichen des guten Willens zu einer Neu­orientierung nehmen, daß gerade eben dieD e u t- sche Vereinigung" mit dem Sitz m Bromberg als die Volkstumsorganisation polnischer Staats­bürger deutscher Abstammung in den Woiewod- schaften Posen und Pommerellen die Anerkennung ihrer Satzungen gefunden hat. In der gleichen Rich- tung liegt auch das Verbat des °ber,chlel>,chen Wojewoden, bei Vermittlung von ^.rJ)ei^5P^a^.en Angehörige der deutschen Minderheit ihrer Natw- nautat wegen schlechter zu behandeln als polnisch- Arbeitsuchende., .. ,

Damit hat Polen begonnen, sich die moralische Plattform au schaffen, von der es an die nicht ver­traglich an Minderheitenschutzverpslichtungen gebun­denen Mächte die Frage richten kann:W a s t u t denn ihr für eure Minderheiten? Eine Antwort hat man, wie schon gejagt bislang nicht zu hören bekommen. Sowohl Frankreich wie Italien haben sich in Schweigen gehüllt als der Pole Raczynski in der politischen Kommis wn des Völkerbundes ganz unmißverständlich die selt­same Taktik dieser beiden Machte glossierte zwar zu behaupten, daß bei ihnen die Minderheiten soweit deren Existenz überhaupt zugegeben wirb

die großzügigste Behandlung erfahren, aber trotz­dem sich der Uebernahme irgendwelcher Verpflich­tung, die dann doch nur eine Formalität sein könne, mit Händen und Füßen zu widersetzen. Erst vor wenigen Wochen wurde der französische Justiz­minister zur Vorlage eines Ausnahmegesetzes gegen Angriffe auf die nationale Einheit" ermächtigt, zweifellos ein eindeutiger Beweis, wie unbequem der Wille zur völkischen Selbstbehauptung gegen die gewaltsame Verwelschung in Elsaß-Lothringen, in der Bretagne, in den katalanischen Gebieten der Pyrenäen-Departements empfunden wird. Und wie rücksichtslos Italien mit seinen völkischen Min­derheiten umspringt, obwohl es um das Schicksal der eigenen Landeskinder in Süd frankreich, im französischen Tunis, in Nord- und Südamerika ängstlich besorgt ist, das haben die Tiroler und Slowenen in langen bitteren Leidensjahren erfah­ren müssen. Es sieht vorerst nicht so aus, als ob Frankreich und Italien Farbe bekennen wollten, wenn Polen seine unbequeme Frage wiederholen wird, was man vorzieht: die Lösung der einseiti­gen Minderheitenabkommen und damit die Aufrol­lung der Revisionsfrage überhaupt für den Gesamt­komplex der Pariser Friedensdiktate oder die Ueber­nahme der Minderheitenschutzoerpflichtung auch für die eigenen Länder

Betretenes Schweigen oder gar eine Flut arg­wöhnischer Gegenfragen aus sturem Nichtverstehen­wollen heraus ist bislang auch die einzige Antwort geblieben auf jeden noch so eindringlichen und auf­richtigen Appell, den das deutsche Volk durch den Mund seines Führers und anderer berufener Män­ner an d i e Verständigungsbereitschaft Frankreichs gerichtet hat. Auch in einer Zeit des hemmungslosen Wettrüstens, der Militärbünd­nisse und imperialistischer Tendenzen in aller Welt, wird das nationalsozialistische Deutschland in dem

eigenen tiefen Bedürfnis nach ungestörter Arbeit an dem großen Friedenswerk des sittlichen und wirtschaftlichen Neubaus nicht müde, feine Stimme ßu erheben und seinerseits alles zu tun, um die Mauer des Mißtrauens abzutragen, die die beiden großen Völker des europäischen Kontinents immer noch trennt. Der Stellvertreter des Füh­rers, dessen große Friedensrede an die Front­kämpfer beider Nationen keiner ernsthaften Ant­wort gewürdigt wurde, ist darüber nicht resigniert verstimmt. Er weiß, welcher Anstrengungen es be- Idarf, zum Ohr eines Volkes zu gelangen, dessen

Paris, 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die außenpolitische Berichterstatterin desOeuvre" will ihrem Blatt aus Genf die Geheimnisse der fran- zösisch-sowjetrussischen Politik enthüllen können. Nach ihrer Ansicht könnten Barthou und Litwinow gegenwärtig in vollem Einvernehmen mit ihren beiden Regierungen untereinander das a b s ch l i e- ßen, was Frankreich 1921 mit Polen abgeschlossen habe, also einen Vertrag zur gegenseitigen Garantie gegen einen deutschen Angriff (!) Aber beide Staatsmänner stünden auf dem Standpunkt, daß die Aussichten auf Verwirklichung eines Ostpaktes noch nicht geschwunden seien. Polen habe den Wortlaut seiner Antwort mehrmals abgeändert, man erwarte den endgültigen Text in Genf für Ende nächster Woche. Sollte die polnische Antwort allzu negativ ausfallen und zeigen, daß Polenauf die deutsche Karte setze", dann würden es Paris und Moskau vielleicht vorziehen, zur Aufrechterhal­tung des Friedens in Europa zu versuchen, einen Pakt mit den baltischen Staaten, der Kleinen En­tente und den Balkanstaaten abzuschließen, und zwar nach dem Grundsatz, daß es besser sei, mög- lichst viele Länder zur Verteidigung gegen einen zu befürchtenden Angriff zufammenzudringen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Senates, Verenger, befaßt sich in derAgence Economique et Financiöre" mit der häufig mit Be­unruhigung aufgeworfenen Frage, ob die russisch- ranzösische Annäherung Frankreich an der Seite der Sowjetunion in einem russisch-japa­nischen Krieg verwickeln könnte. Eine solche Möglichkeit, schreibt Verenger, würde in der Tat äußerst gefährlich sein. Die französische Diplomatie habe aber Vorsichtsmaßnah­men getroffen, um Frankreich dagegen zu schützen. Frankreich, das in Jndochina große Interessen besitze, habe von jeher freundschaftliche Be­ziehungen zu Japan unterhalten und wünsche sie auch weiterhin zu unterhalten und mög­licherweise sogar noch auszubauen. Das Abkommen mit Sowjetrußland sei ausschließlich auf Eurpa beschränkt und könne in keinem Falle auf asiatische Dinge ausgedehnt werden. Die fran­zösisch-russische Annäherung werde auch in keiner Weise die Innenpolitik der beiden Länder ändern. Aus diesen Gründen könne man in der gegenseitigen Annäherung nur eine Konsolidierung der französischen Sicherheit und eine Stärkung der französischen Diplomatie erblicken. Sie löse zwar nicht das hauptsächliche europäische Pro­blem, die Frage der Donaustaaten, bringe Frank­reich aber gewisse nützliche Garantien.

tfeberall französische Truppen­verstärkungen.

Paris, 22. Sept. (DNB. Funkspruch). Im Figaro" nimmt General Niessel zu Pressemeldungen über die Verstärkung der Garnison

Paris Stellung und sucht die Wirkung dieser Meldungen dadurch abzuschwächen, daß er schreibt, in Wirklichkeit würden nahezu überall mehr oder weniger bedeutende Truppenverstärkungen Dorgenommen. Umfangreich seien diese Verstärkun­gen besonders in der Gegend der

Grenzbefestigungen. Leider liege Pari- nahe der französischen Ostgrenze; es sei daher logisch, daß auch die Pariser Garnison an dxr durch die Gesamterhöhung der Kontingentziffer be­gründeten Verstärkung teilhabe. . >

Die furchtbare Taifun-Katastrophe in Zapau.

Bis jetzt 943 Tote, 3738 Verletzte, 503 Vermißte. - Springfluten, Schiffs­untergänge, Eisenbahnunfälle, Einsturz zahlreicher Häuser und Brücken.

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Die Stadt Osaka, in der Hunderte von Menschen ums Leben kamen.

Furchtbare Einzelheiten.

Osaka, 21. Sept (DNB.) Von dem furcht­baren Taifun-Unglück werden weitere erschüt­ternde Einzelheiten bekannt. Danach sind 47 Schulen eingestürzt 225 Kinder wurden getötet, während 820 mehr oder weniger schwere Verletzungen erlitten und drei noch vermißt werden. 3n 188 vollständig zerstörten und 260 stark beschädigten Häusern fand man 96 Tote und 298

Verwundete auf. 20 Häuser wurden durch die Springflut vollständig fortgerissen, < Ü b e t schwemmt wurden insgesamt etwa 160 000 Häu­ser. Die Irrenanstalt in Osaka wurde durch die Flutwelle vernichtet. Mehr als 60 Geifteskratzke werden vermißt Unter den zehn Eisenbahnzü^n, die durch die Gewalt des Taifuns umgeworfen wurden, befindet sich auch der aus zehn Wagen be­stehende Exprehzng Tokio-Schimonoseki, der' mit 250 Reisenden beseht war. Der Zug stürzte gerade

Presse Tag für Tag Argwohn und Mißtrauen, sät, weil nur auf dem Boden des Unfriedens und der Zwietracht zwischen den Völkern der Weizen tret Rüstungsindustrie blüht. So hat sich R u d o l f H 6 ß nicht abschrecken lassen, in einer großen französischen Zeitung, die vorurteilslos genug mar, auch einen deutschen Staatsmann zu Wort kommen, zu lassen, Deutschlands Friedenswillen und Verständigungs­bereitschaft zu wiederholen. Und gleichzeitig hat der Reichsaußenmini st er am Schlußtage ' des internationalen Straßenbaukongresses vor einem Forum aufgeschlossener und allen Friedensbestre­bungen Verständnis entgegenbringender ' Männer noch einmal die Grundsätze der deutschen Friedens­politik bargelegt.

Eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich ist bei gutem Willen auf bei­den Seiten durchaus möglich, sie ist notwen­dig, wenn der stärkste Unsicherheitsfaktor für eine wahrhafte Befriedung Europas endgültig ausge­schaltet werden soll. Nur zwei Punkte gibt es, an denen sich das Mißverstehen zwischen beiden' Na­tionen immer wieder nährt, die R ü ck g l>i e b e rung des Saargebiets und die wehr- politische Gleichberechtigung Deutsch­lands. Wer heute noch der normalen vertrags­mäßigen Abwicklung der Saarfrage. Schwierig­keiten entgegenstellt oder Folgerungen aus der Rück­gliederung dem Abstimmungsergebnis vorwegzu- nehmen unternimmt, handelt zweifellos nicht im Interesse einer Versöhnung beider Völker und einer restlosen Bereinigung dieser letzten zwischen ihnen bestehenden territorialen Frage. Freiherr von Neu­rath hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß irgendwelche Pläne, die den klaren Vertragsbestim­mungen zuwiderlaufen, niemals Deutschlands Zu­stimmung finden werden. Er hat auch nicht ver­hehlt, daß Deutschland nicht gewillt ist, wehrpoli­tisch länger ein Land minderen Rechts zu fein, schon deshalb nicht, weil nichts für die Bewahrung des Friedens gefährlicher ist, als ein zur Selbstver­teidigung unfähiges großes Land inmitten fchryer gerüsteter Nachbarn. Deutschland hat Barthous Oft- pah abgelehnt, weil es nicht wieder Tummelplatz fremder Heere zu werden wünscht, wie in früheren Jahrhunderten. Und aus dem gleichen Grunde muß es auch auf der praktischen Anerkennung feiner wehrpolitischen Gleichberechtigung bestehen. Deutsch­land hat erneut gesprochen. Es wartet auf Antwort.