Wer im neuen Staate mitarbeiten will, wird Mitglied der NSV.
Gerau, Heppenheim, Erbach, Dieburg, Darmstadt, Bensheim, Worms, Oppenheim, Bingen, Mainz, Alzey, Wiesbaden, Usingen, St. Goarshausen, Rhein« gau, Bad Homburg, Main-Taunus. Die Teilnehmer aus den übrigen Gebieten besteigen den Zug in: Friedberg 16 Uhr, Bad«Rauheim 16.09 Uhr, Butz« bach 16.17 Uhr, Gießen 16.54; Offenbach 15.44 Uhr, Hanau 16 Uhr, Gelnhausen 16.24 Uhr und Fulda 17.50 Uhr.
Die Teilnehmer für die nächste Fahrt nach Hamburg und nach Norwegen mit der „Monte Olivia" sammeln sich am Samstag um 14 Uhr vor dem Hause der Arbeit Frankfurt a. M., Bürgerstraße 69/77. Die Aufstellung erfolgt für die Teilnehmer aus Frankfurt und Groß-Gerau, Heppenheim, Erbach, Dieourg, Darmstadt, Bensheim, Worms, Oppenheim, Bingen, Mainz, Alzey, Wiesbaden, Usingen, St. Goarshausen, Rheingau, Bad Homburg, Main-Taunus. Die Teilnehmer aus den übrigen Kreisen besteigen den Zug in: Friedberg 21.52 Uhr, Bad-Nauheim 22 Uhr, Butzbach 22.15 Uhr, Gießen 2 2.3 5 Uhr; Offenbach 21.48 Uhr, Hanau 22.05 Uhr, Gelnhausen 22.25 Uhr, Schlüchtern 23.09 Uhr und Fulda 23.49 Uhr.
Warnung vor Zuzug nach Berlin.
Es ist noch immer zu wenig bekannt, daß nach dem Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes vom 15. Mai 1934 und der dazu ergangenen Anordnung für die Stadtgemeinde Berlin vom 17. Mai 1934 jabgedruckt im Reichsanzeiger Nr. 114 vom 18. Mai 1934) die Arbeitsaufnahme für Personen, die am 18. Mai in der Stadtgemeinde Berlin und den Umliegenden Gemeinden keinen Wohnort hatten, nur mit Zustimmung der zuständigen Arbeitsämter erfolgen kann. Arbeitsuchende werden daher dringend davor gewarnt, ohne Zustimmung eines Berliner Arbeitsamts zur Arbeitsaufnahme nach Berlin zuzuziehen. ___________________
Warum Kinder-Landverschickung?
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Oie Urlaubsfahrten nach Swinemünde- Heringsdorf und Hamburg.
Letzte Anordnungen.
Am Samstag um 14 Uhr versammeln sich alle Teilnehmer der Fahrt nach Swinemünde-Herings- dorf vor dem Hause der Deutschen Arbeit in Frankfurt a.M., Bürgerstraße 69/77. Die Aufstellung erfolgt für die Teilnehmer aus Frankfurt und Groß-
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7ISLB., Kreis Gießen.
Samstag, 23. Juni, findet um 22 Uhr die Sonnwendfeier der NSDAP, auf dem Schiffenberg statt. Abmarsch 20 Uhr auf dem Ludwigsplatz. Für verstärkten Autoverkehr wird Sorge getragen. Die Mitglieder des NSLB. nehmen an dieser Veranstaltung teil.
Hitlerjugend Unterbann 1/116.
Achtung! Reichsjugendwettkämpfe!
Befehl für den Unterbann 1/116 Gießen!
Bekanntlich hat der Reichssportführer und der Reichsjugendführer die gesamte deutsche Jugend zum Wettkampf am Reichsjugendtag aufgerufen. Alle Hiller- jungen über 14 Jahre, die nicht durch die Schulen für den Wettkampf erfaßt werden, treten am Samstag um 14 Uhr in Uniform mit Turnzeug am Ludwigsplatz an. Jeder bringt einen Bogen mit, auf dem fein Name steht mit Geburtsdatum. Ausreden von wegen Arbeit fallen flach, da ja die Arbeitsherren laut Verfügung des Reichsinnenministers für die Wettkämpfe frei»
Das Disziplinarverfahren Stolte vor dem Provinzialausschuß.
Dem Dienststrafverfahren gegen den früheren Direktor des städllschen Elektrizitätswerks und der Straßenbahn, Adolf S t o l t e, lag der Vorwurf des Amtsmißbrauchs und gröblicher Vernachlässigung seiner Pflichten zugrunde. Die Anklage umfaßte 18 Einzelfälle.
Die ersten Vorwürfe betrafen Arbeitsleistungen zum Vorteil des Angeklagten, für die teilweise gar keine, ober nicht ausreichende Bezahlung bezw. Rückerstattung an das Werk erfolgte. (Umarbeiten eines Bücherschrankes, Gartenarbeiten, Anfertigung eines Kronleuchters usw.). Weitere Punkte betrafen die kostenlose Entnahme von Bohnerwachs aus Werklagerbeständen für den Verbrauch in der Dienstwohnung, sowie die Haltung eines Wachhundes auf Kosten der Stadt. Ferner wurde dem Angeklagten vorgeworfen, Ferngesprächs- Beträge in beträchtlicher Höhe nicht bezahlt zu haben.. Die Verteidigung machte geltend, daß die Nichterledigung der vorgehaltenen Beträge mit strafrechtlich verfolgten Vorgängen eines Angestellten zusammenfalle.
Aus der Verhandlung ergab sich weiter, daß Beamte und Angestellte für die Entnahme von elektrischen Apparaten mit Hunderten von Mark verschuldet waren, ohne daß die Kasse die Kredite angemahnt hatte. Die Bestellung amerikanischen Stahls bei einer französischen Firma in Höhe von rund 1500 Mark, dessen Verwendung garnicht möglich war, wurde lediglich als Entgegenkommen einem Bekannten gegenüber angesehen. Der Beschuldigte machte außenpolitische Gründe geltend. Wasserspeicher, Kochgeräte, Heizöfen usw. wurden an bekannte Persönlichkeiten ausgeliehen, und erst nach Jahren zurückgebracht, so daß die benutzten
Die große Aufgabe des Hilfswerkes, 500 000 bedürftige Kinder einmal herauszuschicken aus ihrer alltäglichen Umgebung, soll beweisen, daß der deutsche Volksgenosse wieder zurückgefunden hat zu wahrer Volksgemeinschaft. Die Kinder, die in einer Atmosphäre des Lärms und der Unruhe ausgewach« sen sind, sollen einmal heraus aus dem ewig brodelnden Kessel der Stadt. Wie unglücklich haben sie ihren Altersgenossen aus der Schule zugehört, denen es bessergestellte Eltern möglich machen konnten, einmal das blaue Meer, die riesigen Fels- massive der Gebirge, oder die unendliche Ruhe der Wälder in all ihrer Pracht und Schönheit zu genießen. Nun sollen die ärmeren Kinder auch einmal hinaus, einmal das zu erleben, was ihnen bisher nur im Traume vorschwebte. Auf Ausflügen ihrer Schule fangen sie wohl alle das alte Volkslied: „Hinaus in die Ferne". Aber wie begrenzt war doch diese Ferne. Was würden diese Kinder wohl sagen, wenn es nun wirklich einmal weit hinaus in die Ferne ginge?
Was würde z. B. ein Berliner Junge sagen, wenn er vor dem gewaltigen Massiv des Riesengebirges stände. Einen richtigen großen Berg hat er in seinem Leben noch nie gesehen. Wie würde sich sein Mund vor Erstaunen öffnen, wenn er vor den Bergriesen stehen könnte, wie würden feine kugel« runden Kinderaugen vor Freude blitzen. Oder ein Kind aus den Bergen, wenn es zum erstenmal die wildbewegte stürmische Nordsee in all ihrer Schönheit erlebte, oder das stets wieder kehr ende Wunder von Ebbe und Flut. Wie würde sich der stets ein Erlebnis darstellende Sonnenuntergang mit all seiner Farbenpracht, in seinen dankbaren Augen widerspiegeln.
Deutscher Dolksgenosie, der du einem Kind der Stadt den Ferienaufenthalt bei dir ermöglichst, kann es für dich etwas Besseres geben, als den heißen
Gegenstände nur mit großen Abschreibungen zu verkaufen gewesen seien. Die Verteidigung begründete die Ausleihungen mit der damals betriebenen Stromwerbung.
Dem Angeklagten wurde ferner der Vorwurf gemacht, in den Jahren von 1926 bis 1931 rund 20 466 Mark an Spesen und Fahrgeldern (Tagesspesen in Höhe bis zu 28 Mark) verausgabt zu haben. Die Verteidigung stellte dem die hohen Preise der damaligen Zeit gegenüber und betonte, daß hierbei Ausgaben für Dezernenten und Deputationen eingerechnet feien.
Für die Anschaffung eines Privatperfonenwagens bei den Siemens-Schuckert-Werken habe der Beschuldigte 5000 Mark anbezahlt und erst auf Anmahnung nach drei Jahren (als das Verfahren gegen ihn anhängig gemacht gewesen sei) den Restbetrag von 4200 Mark entrichtet, ohne hierfür eine ordnungsgemäße Anweisung vorweisen zu können. Die Anklage machte zum Vorwurf, daß, nachdem bereits 1914 ein ähnlicher Vorfall zu einer Beanstandung durch die Stadtverwaltung geführt habe, gerade zu dem Zeitpunkt, da die Firma SSW, einen größeren Auftrag durch die Stadt erhalten habe, ein solcher Autokauf erfolgt fei. Eine restlose Klärung war nicht möglich. Ersatzteilbeschaffungen in beträchtlicher Höhe, sowie Aufwendungen für Privatfayrten des Sohnes des Direktors feien dem Werke verrechnet worden.
Der Beschuldigte hatte ferner für seine Dienstwohnung einige Jahre hindurch fast 100 000 Kilowatt Strom pro Jahr verbraucht. 400 Mark Pauschale jährlich seien dafür bezahlt worden, 6000 Mark hätten aber bezahlt werden müssen, wenn die Kilowattstunde nur mit 6 Pfennig berechnet worden wäre. Die Frage des großen Stromverbrauchs blieb offen.
Der letzte Vorwurf betraf die Überschreitung
Dank, der für alles Erlebte aus den hellen Kinder- augen sprich!? Du wirst deine Freude an deinem Pflegekind haben! Du dienst nicht nur dem Kinde, sondern auch dem Volke. Gesunde Jugend — gesundes Volk!
HZ. und BdM. im Dienste der Kinder- Landverschickung.
Die Kinder-Landverschickung, die gemeinsam von der NSV. und der Hitlerjugend durchgeführt wird, will unsere Jungens und Mädels, die in den letzten Jahren vernachlässigt wurden und durchs die Arbeitslosigkeit und Armut der Eltern unterernährt und schwach sind, in gesunder Landlust wieder kräftigen und wieder zu rechter Lebenssteude bringen. Die Verbundenheit von Stadt und Land soll ihnen eigen werden. Die Stadtiugend soll die Arbeit des Bauern kennen und verstehen lernen, doch auch die Jugend vom Land soll die Arbeit des Arbeiters in der Stadt und in der Fabrik schätzen lernen. Dieses Jahr wird nun die Kinder-Landverschickung durch die NSV. finanziert und organisiert. Von der Reichsjugendführung wurden die grundlegenden Richtlinien ausgearbeitet und von der' NSV. übernommen. Die Begleitung der Kinder in ihren Ferienaufenthalt übernimmt die HI. bzw. der BdM., um ihnen das Eingewöhnen in die stemde Umgebung zu erleichtern. Ebenso übernehmen BdM. und HI. Die Betreuung der Kinder. Die BdM.-Schar des betreffenden Ortes nimmt die Kinder mit in den Heimabend, zu Wanderungen und sonstigen Veranstaltungen des BdM. Die Standartführerin des Ortes muß sich mit der Transportleitung und den Familien, in denen Kinder untergebracht find, in Verbindung fetzen und die Kinder kennenlernen, um so zusammen mit den Pflegeeltern aufs beste für das Wohl der Kinder zu sorgen.
geben müssen.
Der Führer des Unterbannes 1/116 m. d. F. b.: Clarius, Scharführer.
eines an die Firma Siemens-Schuckerk-Werke erteilten Auftrages für den Neubau des Schalthauses von 231000 auf 293 000 Mark und eine damit in Verbindung gebrachte Schädigung des Gießener Handwerks. Aus einer Zeugenaussage ging hervor, daß lediglich die Abgabe von Einheitspreisen vorbehaltlich Der endgültigen Planung vorlag, so daß mit der Abänderung des Bauplanes auch die Kosten automatisch steigen mußten, wofür aber eine Genehmigung durch den Stadtrat vorgelegen habe. Für den Gesamtbau feien ordnungsgemäße Beschlüsse des Stadtrats eingeholt worden. Der Vertreter der Stadt äußerte Zweifel über die ord- nungsmähige Auftragserteilung an die genannte Firma.
Die Verteidigung äußerte sich dahingehend, daß es bei der Arbeitslast des Direktors eines solchen Werkes im Bereich der Möglichkeit liege, daß solche Dinge, wie sie die ersten Vorwürfe enthielten, übersehen werden könnten. Es sei nicht die Aufgabe eines Direktors, sich um letzte Angelegenheiten, um ordnungsmäßige Verbuchung von Arbeitsstunden und Telefongesprächen, zu kümmern. Für die Pauschalierung des Strombezuges, sowie für Die Auftragsvergebung beim Schaltwerkneubau fei auf Stadtratsbeschlüsse hinzuweisen. Der Verteidiger wies auf die Größe des Lebenswerkes Stoltes hin, der aus dem kleinen Werk ein Unternehmen schuf, das der Stadtverwaltung jahrelang erhebliche Mittel für die Ausbalanzierung ihres Haushaltes einbrachte.
Der Vertreter Der Stadt stellte den Ausführungen des Verteidigers entgegen, daß sich der Beschuldigte durch die Bestellung zahlreicher Wohnungseinrichtungsgegenstände Vorteile verschafft und daß sich bei der Uebernahme des Betriebs größte Unordnung erwiesen habe und eine klare Uebersicht kaum zu gewinnen gewesen sei. Insbesondere im Materiallager sei die Lieferung, ober der Verkauf von beispielsweise 800 Apparaten der Firma „Sanitas* nicht nachzuweisen gewesen. Arbeitern seien 95 Wochenstunden bezahlt worden, obwohl nur 40 Stunden gearbeitet wurde. Der Mehrbetrag an Stundenlohn habe sich als angerechnete Provision für Verkauf der Apparate Dargefteüt. Listen und Inventarverzeichnisse fehlten. Der Stadt sei ein erheblicher Schaden entstanden. Der Vorwurf gröblichster Vernachlässigung der Pflichten fei berechtigt eryoben worden.
Das Disziplinargericht fällte das Urteil, das wir bereits gestern veröffentlichten. Gegen die Entscheidung des Provinzialausschusses wurde — wie wir hören — Berufung eingelegt.
ASLB., Fachschaft Höhere Schule.
Als zweiter Redner Der Juni-Versammlung, über die wir gestern bereits berichteten, hielt Studienrat Schlosser einen Vortrag über das „Bildungsgut, das Bildungsverfahren und die Neuorganisation Der zukünftigen deutschen Schule im Sinne Krieck s". Die Schule teilt sich mit Elternhaus und Jugend- bunt) in die Erziehung des Kindes. Ihre eigentliche Aufgabe ist die geistige Bildung Der Heranwachsenden Jugend auf Dem Weg des Unterrichts. Das Ziel dieses Unterrichts ist die Erarbeitung eines organischen, völkischen Weltbildes. „Dies gründet sich auf die Kenntnis des Deutschtums, Des deutschen Lebensraums nach seiner natürlichen, rassischen, geschichtlichen, kulturellen, sozialen Seite hin." Der Unterricht hat stets auszugehen von Der Wirklichkeit, in der Die Schüler leben, um Das Bildungsgut einzubauen und das Weltbild des KinDes weiterzuentwickeln zur Erkenntnis des Volksganzen, feiner Lebenszusammenhänge und seiner Gesamtausgabe. Er muß dazu führen, daß Der einzelne seiner dienenden Stellung im Volksganzen bewußt wird. Dementsprechend trägt Das auszuwählende Bildungsgut den Charakter Des Verpflichtenden und Bindenden.
Der Unterricht muß straff und doch beweglich fein, stets der gegebenen Lage angemessen und doch auf Das letzte Ziel hin ausgerichtet. Anknüpfen kann
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as mein einst war
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Nachdruck verboten!
11 Fortsetzung.
zusammen.
ersten lassen.
sah sie zu
Demidoff?" seine Augen ■ bei einem
Ihnen in-
Roman von Klothilde von Gtegmann.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (6.)
„Entschuldigen Sie, mein Herr", wandte er sich an den Balten, „wenn ich aufhöre; ich werde Ihnen morgen Revanche geben."
„Ganz wie es Ihnen beliebt, mein Herr!" versetzte Siemen verbindlich und wandte sich dann einem anderen Tisch zu.
Demidoff ging schon neben Lou aus dem Saal.
„Erst lassen Sie sich Ihre Ships einwechseln!" mahnte Lou de ßormes.
Gehorsam machte Demidoff an dem Tisch halt, wo ein junger Mann saß, Berge von Ships vor sich und Geldnoten, wie Hartgeld sortiert in einem Kasten neben sich. Er erhielt die Summe von 60000 Lire ausgezahlt, die er achtlos in feine Tasche steckte.
„Leichtsinnig gehen Sie mit dem Geld um, Demidoff. Sie scheinen überhaupt noch immer so leichtsinnig zu sein wie früher!" neckte die schöne Frau.
Mit einem verführerischen Lächeln ihm auf.
„Wollen Sie nicht weiterspielen, fragte sie und lächelte geradeswegs in \ hinein. „Oder wollen Sie mir lieber Glas Champagner erzählen, wie es zwischen ergangen ist?"
„Und ob ich Das will, Madame!"
Demidoff raffte schnell seine Ships
Platz eine stattliche Anzahl Ships, die sich immer mehr und mehr aufhäuften.
Die Spielleidenschaft überkam ihn. Er vergaß, warum er gekommen, vergaß, daß er eigentlich nicht mehr spielen wollte. Die leise Warnung in einem Innern war längst verhallt. Er saß mit )em gleichen gespannten und leeren Gesicht da wie die anderen und spielte gegen den Balten.
Er bemerkte es nicht, daß hinter ihm Lou de ßormes aufgetaucht war, die auf einen Augenwink Siemens hin unbeweglich hinter ihm stehengeblieben war, bis fein Gewinn sich noch einmal verdoppelt hatte. Da gab Siemen roicber ein unmerkliches Zeichen.
Jetzt fuhr Demidoff herum. Denn eine meiche, einschmeichelnde Stimme, die er unter Tausenden herausgehört hätte, klang an sein Ohr:
„Hat das Gold eine so große Anziehungskraft, daß Sie mich ganz übersehen?"
Demidoff stieg feinen Stuhl so hastig zurück, daß er fast umfiel.
„Madame!" sagte er erstickt und feiner kaum mehr mächtig — und dann riß er Sous Hand mie ein Verdurstender an feine Sippen.
Mit einem Blick überflog Demidoff den ganzen Kreis. Wer diese Menschen maren, konnte man nicht missen. Die Frauen konnten Damen der Gesellschaft sein, aber auch etmas anderes. Unter Der Uniform Der Schminke und Der Mode vermischten sich die Unterschiede. Die Herren maren äußerlich tadellose Kavaliere, offenbar aus aller Herren Sündern. Es maren mehrere Spielgruppen in diesem Kreis, und alle spielten mit jener verbissenen Seidenschaft derer, die den Karten verfallen maren. An einem Tisch saß ein Herr, der offenbar Der Seiter dieses Spielklubs mar. Demidoff stutzte. Wo hatte er doch dieses kühne Raubvogelgesicht über Dem tadellosen Abenddreß gesehen? Richtig — jetzt wußte er es.
Dieser Herr da drüben war ja jener Gentleman, an den er vor Jahren in Venedig in jener Nacht so viel Geld verloren. Es war ein böses Omen, daß er ihn als ersten hier wiedersah. Aber schnell schüttelte er diese leise Warnung ab. Das fehlte noch, daß er abergläubig rouroe, jetzt in dem Augenblick, in dem er das Glück so nahe hatte, in Dem er Sou wieDersehen sollte!
Wo blieb sie nur? SuchenD sah er sich um. Da hörte er feinen Nebenmann zu einer Dame sagen:
„Nein! Madame de ßormes kommt heute etwas später. Sie soupiert erst noch mit dem (Tonte De Strozzi."
Da überkam es Demidoff wie ein Rausch. Er wollte das Glück auf die Probe stellen, jetzt gleich, jetzt sofort.
Wenn er gewann, so bedeutete das, daß er ßou gewinnen würde. Wenn er verlor, so hieß das, daß er sich zurückziehen mußte, ohne sie wieder gesehen zu haben.
Als jetzt an dem Tisch des baltischen Barons ein Platz frei wurde, ging Demidoff hinüber und bat, sich vorstellend, um Die Erlaubnis, mitspielen zu Dürfen.
Der Baron von Siemen verbeugte sich höflich und reichte Demidoff einen Pack Karten hinüber. Nicht mit einem Wimperzucken gab er zu erkennen, daß
er den Bulgaren erkannt hatte. Aber während er Die Karten mischte, sandte er einen heimlichen Blick zu den beiden anderen hinüber, die an Dem Tisch mit Siemen zusammensahen. Die beiden Herren legten ihre rechte Hand mit einer unauffälligen Bewegung auf den Tisch. Sie hatten Siemen ver- standen. Man sollte diesen Menschen, der nun zum
* hier im Spielklub mar, geminnen
„Wenn ich Sie sehe, Sou, bann allerdings bin ich noch der gleiche mie früher. Der gleiche, der Sie anbetet, bis zur Besinnungslosigkeit!^
Und in dem kleinen, menschenleeren Gang preßte er feine Sippen auf ihren Arm, der meiß aus dem flammendgelben Kleid blickte. Unwillkürlich zuckte die schöne Frau zusammen, und ein leiser Schauer 1 kroch durch ihren Körper.
Demidoff glaubte, daß seine heiße Leidenschaft auch in ihr ein Echo gefunden hatte.
„Lou!" flüsterte er heiß. „Diesmal sollen Sie mir kein tückisches Geschick entführen, mie vor Jahren. Diesmal halte ich Sie fest, Sou, denn ich liebe Sie. Ich liebe Sie bis zum Wahnsinn, Sou! Sagen Sie auch mir, daß Sie mich nicht vergessen haben, daß Sie an jenen einzigen Kuß zurückdenken, den Sie mir gemährt haben."
Er rooute sie umschlingen, aber sie entmand sich ihm. Ein schmerzlich müdes Sächeln lag auf ihrem mundervvllen Antlitz, als sie mühsam sagte:
„Aber, Demidoff, mer mird denn so ungestüm sein? Natürlich habe ich Sie nicht vergessen. Aber eine lange, lange Zeit liegt zwischen damals.und heute. Es ist nicht so einfach, wieder an^utnüpfen."
„Sieben Sie einen anderen, Sou? Gehören Sie einem anderen? Sprechen Sie!" bat Demidoff flehend. „Ist ein anderer da, der Sie liebt?"
Da glitt ein herzzerreißendes Sächeln über das Frauengeficht:
„Nein, Demidoff, da ist kein anderer, der mich liebt. Aber das heißt immer noch picht", fügte sie mit einem mühsamen Versuch, z^ scherzen, hinzu, „daß ich mich vorbehaltlos Ihren Wünschen ergebe. Wer mich erringen will, Demidoff, der muß geduldig sein und warten können."
Sie legte ihre Hand leicht auf seinen Arm, während sie sich in den glänzend erhellten Speisesaal des Hotel des Anglais führen ließ.
Am nächsten Tage ging Demidoff in den elegantesten Juwelierladen Roms und kaufte für den großen Spielgewinn einen Smaragdring, den er mit einem Strauß rotblühender römischer Nelken Madame de Sormcs ins Hotel senden ließ. Den ganzen Tag über wurde er den Gedanken nicht los, wie wundervoll der leuchtend grüne Stein auf Sous langer, schmaler Hand auSschauen mußte.
Sofia Demidoff wunderte sich über die seltsame Unrast, die ihren Gatten erfaßt hatte. Den ganzen Tag über plante er Ausflüge, Besuche von Museen, gesellschaftliche Veranstaltungen. Er schien jede Minute bis an den Rand ausfüllen zu wollen.
Sofia, mit ihrer zarten Konstitution, konnte ihm kaum folgen. Abends war sie bann so müde, daß sie nur zu gern Alexanders Vorschlag, daheimzu- bleiben, folgte. Insgeheim litt sie schmerzlich darunter, daß ihr Gatte immer kühler wurde, und daß er sich jeden Abend mit einem höflichen Kuß auf ihre Stirn und Hand begnügte. Aber sie war viel zu stolz, um irgend etwas von ihrem Kummer zu zeigen. ,
Demidoff war vollkommen in Dem Bann Sous. Gelang es ihm tagsüber, den Schein aufrechtzuerhalten, als wäre er ein korrekter Ehemann, der sich um feine Frau bemühte, so ergriff ihn ein brennendes Fieber, sobald Der Abend herankam. Dann dachte er nur an Sou, und daß sie sich ihm unter Tausenden von Vorwänden immer noch entzog, steigerte seine Seidenschaft immer mehr.
Er konnte sie abends nur im Spielklub treffen, denn sie schien eine unverbesserliche Spielerin zu sein, Die sich auch durch Verluste nicht abschrecken
ließ. Hinterher erlaubte sie ihm wohl einmal, sie zum Souper oder in ein Tanzlokal zu führen, gestattete ihm wohl auch einmal einen Kuß in der verschwiegenen Dunkelheit des Wagens; aber Das war alles.
„Sie müssen es schon mir überlassen, lieber Freund", hatte sie einmal auf seine Vorwürfe hin ruhig erwidert, „wie weit ich in meinen Gunst- bezeugungen gehe. Ich bin ein freier Mensch und lasse mich nickt zwingen. Wenn Sie nicht artig und bescheiden sino, werden wir uns trennen müssen."
Da hatte Demidoff geschwiegen. Trennung — das war Die Drohung, Die er fürchtete wie nichts. Damit hatte sie ihn in Der HanD. So saß er Denn AbenD für AbenD in Dem grellen, überheizten Spielsaal unD ließ sich in feiner Verzweiflung zu immer roilDerem Spiel hinreiben. Die Summen, Die er setzte, wurden größer und größer. Vor allem zwang ihn ein dunkler Trieb, immer gegen den Balten, gegen Siemen zu spielen. Schon hatte er kleinere Verluste erlitten, denen aber immer wieder Gewinne gegenüberstanden, die er sofort in Schmuck für Madame de Sormes umsetzte.
Nun aber begann er zu verlieren, erst wenig, dann mehr — und in feiner Verzweiflung über Madame de Sormes’ Kühle stürzte er sich in das Spiel, das ihm für Stunden wenigstens Vergessen schenkte. Er lebte nur noch für diese Abende, an denen er am grünen Tisch saß und Madame De Sormes neben sich und die berauschende Nähe ihrer Persönlichkeit fühlte. Er spielte und spielte, und wenn der Abend kam, hatte er kaum noch Geduld, Sofia gegenüber eine Ausrede zu gebrauchen, um fortzukommen.
Sofia litt schweigend. Die zarten Farben ihres Teints wichen in schlaflosen Nächten, in denen sie wachend im Bett saß, die Hand aufs flatternde Herz gepreßt. Bei jedem Geräusch im Hotel fuhr sie auf, lauschte, ob nicht endlich, endlich die Tür ' im Nebenzimmer aufginge und ihr anzeigte, daß Alexander zurückgekommen war. Aber es wurde spät und später, oft war schon das erste silberne Grau des Morgens zwischen den seidenen Vorhängen ihres Schlafzimmers zu sehen, wenn sie Alexanders leisen Schritt nebenan hörte.
Dann erst fiel sie in einen unruhigen Schlummer, aus dem sie spät und wie nach einer schweren Krankheit müde und scklaff erwachte. Sängst hatten auch die Ausflüge uno Besuche, die sie tagsüber gemeinsam gemacht, aufgehört. Denn auch Alexander kam sehr spät, erst gegen Mittag aus seinen Zimmern, gleichfalls übermüdet und mit flackernden, verstörten Augen. Da ergab es sich denn von selbst, daß Sofia mehr und mehr auf sich angewiesen war. War sie doch viel zu stolz, um ihren Gatten um seine Begleitung zu bitten. Sie spürte ja, wie selbst die kleinsten Pflichten ihr gegenüber ihm lästig waren. Sie war die letzte, die ihn um seine Siebe bitten würde. Aber sie war auch die letzte. Die in so einer Ehe Dahinzuleben gewillt mar.
(Fortsetzung folgt.) ,
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