Ausgabe 
22.1.1934
 
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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

llr.fr Drittes Blatt

Tagewerke:

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Aus der Provinzialhauptstadt

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im Rhein Main-Gebiet: Mahnahme:

Lawinen.

Don Otto Mühlenhoff

Der folgende Beitrag dürfte im Zusammen, hang mit dem Lawinenunglück im Allgäu, über das wir an anderer Stelle berichten, be­sondere Beachtung verdienen.

stickunastod herbei. Solche Lawinen entstehen mei­stens auf den Windschattenseiten der Bergabhange. Die Grundlawinen gehen meistens im Frühjahr nieder, wenn sich unter den Einwirkungen der Sonnenstrahlen der Boden erwärmt. Wie mir bet solcher Witterung beobachten können, daß der Schnee von den Dächern rutscht, so kommen auch die Schneemassen auf Bergen und Abhängen in Bewegung. Der beste natürliche Schutz gegen Lawi­nen ist der Wald, doch lassen sich Wälder in große- ren Höhen nicht mehr anlegen, weil dort die Baume nicht mehr wachsen. Am höchsten als Lawinenschutz ist die Arve anzupflanzen, ein zur Familie der Kiefer gehörender Baum, der in den Alpen noch in einer Höhe von 2200 Metern wächst. Lärchen und Fichten sind nur bis zu 1900 Metern anpflanzunqs- fähig, der Bergahorn versagt bereits in einer Höhe von mehr als 1400 Metern.

Große Lawinen treiben einen gewaltigen Luft­druck vor sich her. Es ist schon beobachtet worden, daß noch nach dem Abrollen einer Lawine im Tal der Luftdruck so groß war, daß feste Gebäude, die einige hundert Meter vor der Lawine standen, hin­weggefegt wurden. Vielerlei Schutzbauten sind gegen die Lawinengefahr errichtet worden, und doch rich­ten sie immer wieder Schaden an. Häufig sind die Eisenbahnlinien im Hochgebirge an den gefährdeten Stellen durch besondere Galerien gegen die Lawinen geschützt. Diese Galerien sind so angelegt, daß die Lawinen darüber hinwegbrausen müssen. Häufig sind auch keilförmige Lawinenbrecher aus Rasen und Steinen aufgerichtet. Dadurch werden die Lawinen zerteilt und abgelenkt. Da das Material zu diesen Bauten meistens mühsam in die Höhen gebracht werden muß, sind derartige Bauten aller­dings fast immer recht kostspielig. Noch immer wer­ben in den Alpen jährlich gegen hundert Menschen unter Lawinen begraben. Manchmal sind es noch m-chr, aber niemals hat die Zahl der unter Schnee- stürzen Begrabenen eine solche Höhe erreicht, wie in den vier Wintern des Weltkrieges. Gegen 50 000 Soldaten büßten ihr Leben durch Lawinensturz ein. Neuerdings wird der Beobachtung der Lawinen und der Anwendung der von ihnen ausgehenden Gefahren eine besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Besonders Professor Dr. Paulcke von der Tech­nischen Hochschule in Karlsruhe kann als einer der besten Kenner aller Fragen gelten, die mit den Lawinen zusammenhängen. Auch in dem wissen­schaftlichen Institut, das in 3470 Meter Höbe auf dem Iungfraujoch errichtet wurde, werden alle Er­scheinungen genau beobachtet, die mit den Lawinen in Zusammenhang stehen.

die sich voll Teilnahme dahin aussprachen:Für d' Ritzberger-Loni is aber 's Jahr vieradreißgt do scho ganz hundshäutern o'ganga."

Hitler schafft Arbeit!

Weitere bewilligte Arbeitsbefchaffungsmaßnahmen

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Vollendung des Umbaues des Ordinariats­gebäudes zu Limburg, Jnstand- fehung der kirchlichen Gebäude zu F r a n k f u r t a. 7N.- h a u s e n

Erweiterung der Pfarrkirche zu L l t v i i l e Ausführung von Wasserleitungsarbeiten in Drommershausen

Teilkanalisation mit Kläranlage für die Gemeinden Hofheim und Kriftel Ausführung einer Straßenentwässerung Ausbau der Diele und Verbesserung der anliegenden Wiesenflächen

Die Reichspost hat jetzt zum erstenmal eine Dienst- Briefmarkenserie herausgebracht, die im Mittelfeld das Symbol des neuen Deutschland, das Hakenkreuz, zeigt.

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säufst nöt, stirbst a. Also säufst!" ist geschichtlich nicht nachgewiesen.

Bockbier ist bekanntlich ein Starkbier, weil ihm eine geistige Kraft innewohnt, die es auf seine Genießer überträgt. Pantoffelhelden werden da­durch zu Wortgewaltigen und die prosaischsten Menschen zu Schönrednern und Witzbolden. Doppel­malz und Doppelhopfen sind so die Befreier eines zweiten Ichs, dem es in die Krone steigt, so daß ein Kapitaler daraus wird. Der Seemann spricht von einem solchen Zustand alsschwerer Schlag­seite".

Sei lieber ein stiller Genießer! Freue dich der Würde, mit der ein Bock ein paar Stunden der Frohlaune vorzugaukeln vermag. Denn was ist schließlich die schönste Herrlichkeit, wenn andere sie genießen? ^9-

Freude macht hilfsbereit!

Das hat ganz richtig die Straßenlotterie der Winterhilfe erfaßt. Sie schickt freundliche, schmucke, graue Pelerinenmänner in die Stadt, die mit ver­gnügten Gesichtern und fröhlichen Worten die glück­verheißenden braunenßosbrief e desWin - terhilfswerkes der NSDAP, verknusen. Der Gewinnentscheid ist sofort. Und der Gewinnplan verrät ansehnliche Summen.

Das bescheidene 50-Pfennig-Los kann 5000 Mark gewinnen, die sofort an der Lotterie-Geschäftsstelle der NSDAP., oder an allen staatlichen Banken, Sparkassen, öffentlichen Lotteriegeschäften auszahl- bar sind.

Schließlich bleibt noch jedem ßotteriebeteihgten auch wenn er vorläufig eine Niete zog der rechts

r Anbeter: Zuspruch,. L{LN Der. Ahann, [innio5. fand. Ebener l9 von Ober. J E einem "«lschar hes- hieraus 'hrein Leiter

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dankte ihm der Durch. Gemahlin sei u verdanken. !utuna dieses dolhafter als nachdrücklich 'er neuen e Gutwilligen olchen Abend ister, Staats, tammerpräfi- i der Presse i und selbst- fühlten, mit Allerheilig.

en als Ehren- er technischen i d e" sei dar- :nd. So stehe ictnegung, im die gerade in bie Presse ge- f das deutsche und den Füh- er, folgte die nd des horst« e elektro« einem kleinen Möglichkeiten

Teil des Pro­ben, die be,on bes heitert \ebrudte M- Ebbecke und Mn Mstrs, d Karl Pisto­len der Taig. verschiedenen sschank aufge« musik, Schram- rohes Treiben, tunden hiWS te Min'isterial' ,jcn im Lause dels inden iat,bie unter oolzer tanzten.

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Bezirksleiter :ieb^enleiUr igen Behörden -W

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Wohnungen gähnen dich an.

Die großen Wohnungen sterben langsam aus. före Inhaber haben entweder über die Hintertreppe dis Weite gesucht oder sind in kleinere Wohnungen otogen. Dreißigtausend Wohnungen fönen sich nach Mietern. Bei der letzten Wohnungs- zchlung gab es in Berlin 1,3 Millionen Wohnun­gen. Noch in den Jahren 1929/30 sind 69 000 Wöh­ningen neu hinzugekommen. Wenn man sich diese Nesenziffer vor Augen hält, so sind dreißigtausend ll?rstehende Wohnungen gar nicht viel. Während bie großen Wohnungen leerstehen, sind die kleinen ü»erfüllt. Das Ideal des Durchschnittsberliners ist augenblicklich eine reizende, behagliche und kom- frtable Zweizimmerwohnung mit Küche und Warm- nasser. Wer als Junggeselle ein Zimmer sucht, hat eine reiche Auswahl es gibt fast kein Haus, an bim nicht zwei oder drei Schilder übereinander hingen:Zimmer billig zu vermieten". Man kann, nenn man Glück hat, schon für zwanzig Mark nieten.

Oas Hallesche Tor - zweihundert Jahre alt.

Das Hallesche Tor wer diesen Platz nicht eigenem Erlebnis kennt, wird schwer begreifen, was I r Berliner bei dieser Nachricht empfindet: zwei-

Ausgestoßen" ist eigentlich ein Sprachschnitzer. Denn gewöhnlich werden Böcke geschossen, beispiels­weise in der Schule. Das gibt bann rote Striche am Hestranb unb eine schlechte Zensur. Im übrigen wirb ber Bock auf bem Anstanb erlegt. Hat man ihn jeboch gefehlt, kann man ihn auch beim Wild- brethänbler kaufen. Denn man braucht schließlich nicht alle Böcke selbst zu schießen.

Neben Rehböcken gibt es Ziegenböcke, die, weil sie männliche Ziegen sind, keine Milch geben und sonst die unangenehme Eigenschaft haben, nicht nach Kölnischem Wasser zu riechen. Sie springen einen jetzt häufig aus Plakaten an, auf denen sie im Schmucke ihrer Ziegenbärte Reitübungen auf Bierfässern veranstalten, wobei ihnen ihre sprich­wörtlicheBocksbeinigkeit" anscheinend keine Schwierigkeiten bereitet.

Diese Bierfaß-Jockeis sollen aus Bayern stam­men. Eine Eigenart dieser Böcke, die in diesen Wochen in den Gehegen neben der Straße anzu- treffen sind, ist, daß sie kein Gras, sondern Hopsen unb Malz als Nahrung zu sich genommen haben unb bemzufolge Bockbier geben. Wie dieser Ver­edelungsvorgang zustande kommt, wissen nur die Braumeister zu sagen. Das ist ihr Berufsgeheim­nis und ihre spezielle Kunst

Die sogenanntenechten Bocke sind heilige Tiere. An ihrer Wiege haben fromme Männer

ten an den Müggelsee und nach Waltersdorf zu gelangen.

Grüne Woche heute neu.

In den Ausstellungshallen am Kaiserdamm, die zuletzt derKamera" und der Spielzeugwarenschau gewidmet waren, regen sich tausend geschäftige Hände. Hunderte von Arbeitern sind am Werk, um den Rahmen für die große landwirtschaft­liche Ausstellung zu schaffen, die am 27. Ja­nuar eröffnet werden soll. DieGrüne W o ch e" mit ihren sensationellen Reitturnieren gehört seit je zum eisernen Bestand der Berliner Ausstellungs- trabition. Reichspräsibent von' Hinbenburg ließ es sich nie nehmen, biefer gewaltigen Schau lanbwirtschaftlicher Erzeugnisse unb bäuerlicher Le­benskultur beizuwohnen. Das Bild war in den letz­ten Jahren immer dasselbe: ungeheurer Zustrom aus der Provinz, lebhafte Nachfrage nach Quar­tieren, voll besetzte Hotels, ein buntes Gewoge auf den Straßen, in der Untergrundbahn eine Fülle bäuerlicher Trachten und verschiedenster Dialekte. Und trotzdem fehlte etwas, es fehlte die Harmonie zwischen Stadt und Land, die echte Verbundenheit, die Gemeinsamkeit eines aufrichtigen nationalen Gefühls. Das ist mittlerweile anders geworden.

Die Menschen in Berlin haben heute für die wirt­schaftlichen unb ethischen Bedürfnisse der deutschen Bauernschaft das größte Verständnis. So werden in diesem Jahre nicht so sehr die Erzeugnisse der landwirtschaftlichen Industrie im Mittelpunkt des Interesses stehen, sondern der deutsche Bauer als solcher, seine Wesensart und die Merkmale seiner kulturellen Haltung. Die Grüne Woche wird dazu dienen, die Beziehungen zwischen Stadt und Land so eng zu gestalten, wie es überhaupt möglich ist. Das Grundmotiv der Ausstellung ist die Bedeutung des deutschen Bauern für die Zukunft der Nation. In der Ehrenhalle erhebt sich auf einem Sockel das

Abbild eines Pfluges aus altgermanifcher Zeit. Die Inschrift lautetBlut und Boden sind die Lebens­grundlagen unseres Volkes." Eine Sonderausstel- lung bäuerlicher Kultur bietet ein Bild des deut­schen Bauerntums in Vergangenheit und Gegen­wart. Sie zerfällt in die Unterabteilungen: Hof und Dorf, germanische Kultur, ferner Brauchtum, Sitte und Gesittung, das Bauerntum in der deutschen Geschichte, bäuerliche Handwerkskultur und der bäuerliche Mensch und das deutsche Gesicht. In einer ganzen Reihe von Sonderschauen wird alles dar­gestellt, was nur irgendwie mit der Landwirtschaft und dem deutschen Bauernstände zusammenhängt.

Berlin im Karneval.

Die Monate Januar und Februar bringen den Berliner in arge Verlegenheit. Wenn er Lust ver­spürt, sein Tanzbein zu schwingen, so ergeht es ihm, wie jenem armen Mann, der vor lauter Stühlen nicht wußte, wohin er sich setzen sollte. Wenn wir nur einen flüchtigen Blick in den Ballkalender wer­fen, können wir zu unserer Freude feststellen, daß die Lust am beschwingten Dreivierteltakt noch lange nicht ausgeftorben ist. Freilich ist manches anders geworden. Es ist noch nicht allzu lange her, daß Polizeibeamte mitten in den Freudentaumel ent­fesselter Ballbesucher einbrangen, die Säle besetzten und allzu liebestrunkene Pärchen zu Paaren trie­ben. Wer in diesem Jahre ein Schäferstündchen verbringen will, wird gut daran tun, zu Hause zu bleiben. In zahllosen Ballsälen Berlins ist wieder die gute alte Gemütlichkeit eingezogen. Die Zeit des Faschings steht im Zeichen einer schlichten, ein­fachen und ungezwungenen Lebenshaltung. Schon die Namen mancher Veranstaltungen kennzeichnen die neue, veränderte Einstellung. Da ist em Ball unter dem Motto:Alt-Berlin im Karneval". Die Schule Reimann, die Reichsfachschaft Film, die Bäckerinnung, die Fleischerinnung, ber Klub ber Rheinlänber, ber Kamerabschaftsbunb ber beutschen Pvlizeibeamten, bie Zentrale ber Hausfrauenver­eine, ber Verbanb ber Berliner Kegelklubs unb bie Drogisteninnung veranstalten ihre Bälle im neuen Geist.

Mne Wochen - frohe Feste in Berlin

Unpolitischer Brief aus der Reichshauptstadt.

ber Berliner Gelegenheit, 3um Xiere. 21n iprer^iege gaoen nu i.u. £

jjiaie ' das schnellste Verkehrsmittel zu Pate gestanden Der heilige Benno. z. Broder der nutzen: die Untergrundbahn. Vor etwa drei heilige Salvator und noch andere^ Denn cnhren ist auf bem Lanbwehrkanal die Reederei sprunglich war ;a das Starkbler em zusätzlicher Lsches Tor entstanden, bie ben Berlinern auch Fastentrank^ Ob diese s nm hier aus bie Möglichkeit bietet, mit Motordoo- ben Spruch gekannt hab.n.Säufst, stirbst,

Kellnerin Loni hinan. , f .

Freilich würbe es durchs ganze Dorf ais em seltener Beweis echter herzensgute gerühmt daß der Austrägler Gerhardmger dem halbzermalmten Mädchen auqenblicklich erklärte: 51,!jfui: unjuatj D' Matschen is mir nur bloß danebengcmga. Doch fehlte es anderseits auch nicht an Stimmen,

Gerhardmger bei seiner Truppe eingetroffen war, 1 ber ganzen Schwadron mit Einschluß bes Rittmei- i ters" all'sogleich die Augen aus den Höhlen, und | ber Schwabronschef fragte scharf unb schnarrend:

Sie sinb boch auf einem Schimmel weggeritten, Gerhardinger? Wie ist es möglich, daß Sie auf einem Rappen zurückkommen?"

Heber diese Möglichkeit goß nun der Gerhar- dinger Wastl das Licht der Kausalität also aus: Der ihm auf ber Lanbstraße begegnenbe Fremde habe ihm ben Rappen, ein übrigens ausgezeichne­tes Tier, wenn cs auch augenblicklich auf bem rechten Vorberfuß etwas lahme unb auf bem lin­ken Auge blinb fei, zum Tausch gegen ben Schim­mel anäeboten, unb weil bas Putzen eines Schim- m-Is ein» bekannt unbankbare, zeitraubende unb schweißtreibende Sache, bas Putzen eines Rappen aber ein Kinbersviel unb schier eine Lust Jet, so habe er ben Tausch angenommen Unb dieses in­tensive Licht reichte auch noch für bie ärztliche Untersuchung hin, ber man alsbalb ben Reiter Gerharbinger unterstellte, ja, es zeigte den Wastl zuletzt, nach längerer Beobachtung seines GeisUs- zu'tandes, in einer bermaßen unheimlichen Helle, baß seine Entlassung aus bem Heer verfugt wurde.

Er hätte aber anscheinend gern weiter dem Da> terkmbe als Solbat unb Reiter gebient; beim noch heute kann er es nicht vertragen, wenn ihn einer an ben Roßtausch erinnert. Das zeigte sich wieder einmal einwandfrei am vergangenen Neuiahr^ag in der Gastwirtschaft Ritzberger "Zum . bayerischen Löwen", wie denn derartige Unstimmigkeiten überhaupt sich nicht ungern ereignen, wenn feier« täglicherweile bie Bauern längere fteit bie nuß unterm Wirtstisch haben. Als nämlich ba beim Nachmittagsbier so ein junger Maulaufreißer den alten Gerharbinger fo recht zubrmglich U.ägte, ob benn ein Rappe wirklich um so $u

putzen sei benn ein Schimmel, duckte sich der un­zarte Frager eben noch schnell genug vor der weit ausbolenben, breitflächigen, alles .überschattenden Watschenhand des Sebastian Gerharbinger. Sol­cherweise aber flog in unserer Welt der kompletten Ungerechtigkeit die unaufhaltsame Maulschelle mit voller Schwung- und Schlagkraft an bie, w e schon gesagt, völlig schuldlose, in dem verhängnisvollen Augenblick jedoch gerade die Schußlinie passierende

Die in den Ebenen und fern vom Hochgebirge wohnenden Menschen erfahren höchstens einmal etwas über Lawinen, wenn eine niedergegangen ist und großen Schaden angerichtet, vielleicht auch Menschenleben vernichtet hat. Das sind jedoch ge­wissermaßen die Ausnahmelawinen, denn die meisten gehen nieder, ohne erheblichen Schaden anzurichten. Die Zahl der jährlich allein im Alpengebiet nieder­gehenden Lawinen ist nämlich so groß, daß tn vielen Gegenden menschliche Ansiedlungen unmög­lich wären, wenn sie alle größeren Schaden ver­ursachen würden. In einem einzigen Jahre wurden in der Schweiz gegen 17 000 Lawinen gezahlt. Ihr Absturz beginnt bereits im Herbst, wird nach und nach häufiger und ist am größten im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze. Aber nicht allein in den Alpen gehen Lawinen nieder, auch in den Pyre­näen im Riesengebirge sowie im Schwarzwald feh­len sie nicht ganz. Einige Täler in Graubünden sind besonders durch Lawinen gefährdet. Man unterscheidet verschiedene Arten, so vor allem die Staublawinen und die Grundlawinen ober auch Feuchtschnee- unb Trockenschneelawinen. Man spricht auch von Rutsch- unb Sturzlawinen, von kalten unb warmen Lawinen. Die sogenannten warmen Lawinen entstehen fast immer auf ben Subseiten unb Westseiten ber Bergabhange. Der Schnee ber- artiger Lawinen ist burch Zusammensinken nach einem Tauwetter immer sehr schwer, solche Lawinen haben baher auch immer eine große Wucht. Hat ein Kubikmeter neugefallener Schnee ein Gewicht von höchstens 150 Pfunb, so wiegt ein Kubikmeter zusammengesackter Schnee bis zu 1500 Pfund.

Die Staublawinen sind sehr gefährlich für die draußen weilenden Menschen und ganz besonders für fremde Wintersportler, die weder mit den ort- : liehen Verhältnissen, noch mit den Wettererscheinun- gen einigermaßen vertraut sind. Der von diesen Lawinen' ausgehende Schneestaub bringt in Mund unb Nase ein und führt bann recht oft den Er-

Schlimmer Jahresanfang.

Son Michael Kohlstaas.

Für die Ritzberger Loni, die sich aber eigentlich Uriterseher schreibt und beim Gastwirt Ritzberger It Unterdarching nur als Kellnerin dient, ist Heuer ks neue Jahr sehr schlimm, man kann schon fast Icqen, über alle Maßen ungerecht angegangen, hoffentlich geht es nicht in der Fasson weiter. Das bitte die brave Loni, die sich für die Ritzberger- Qüfte noch die Füße wegrennt, denn doch nicht ver­dient wie sie ja auch an dem tragischen Neujahrs- a schick völlig schuldlos ist, was sich alsbalb zei- ffn wirb Liegt boch, von allem anderen abgesehen, fcr Ursprung der Geschichte mehr als fünfzig sichre zurück,' allwo die Ritzberger-Loni, wie man ir Unterdarching sagt, noch mit den Mucken geflo- q n ist, und der Urheber des beklagenswerten Un- fclls, der Sebastian Gerhardinger, noch nicht alter 21iistragsbauer war, sondern jung, und, wie er hi ute noch glaubt, bildsauber.

In seiner Jugend und Schönheit nun ritt dazu­mal das ist Ende der siebziger Jahre, der Gerhar­dinger Wastl auf einem hochbeinigen Apfelschim­mel die Tegernseer Landstraße dahm; denn er war m selbigen Zeit Kavallerist - Schwerer Reiter Garnison München, oder genauer ausgedruckt und ®°e feine Mutter auf ihre Speckseitensendungen fdiriebin der Kürassierkaserne beim Adelmann SnLff" mnmit sie behufs UN ehlbarer Qrien- RÄs Wbotenbie inber Mh° b°t R°it°r- Mern? gelegene gleichnamige B,erwirtschaft ange- toben hätte.

Der Wastl ritt an dem betreffenden Vormittag acnzlich unkavalleristisch gemütlich - mit einem ^orbÄatzenbuckel, den Händen m den Hosenta- feen unb ben Zügeln weiß Gatt wo - bie Land- ftafte babin benn erstens war es sehr heiß unb ßbung V^r^änÄeit feinen

SiÄSVAÄivS* fcr einen Rappen am Zügel führte i'" ml . Schweren Reiter sogleich eine soamegende ia b(F riefenbe Unterhaltung über Pferde, Me Vor Ze unb Mängel, anknüpfte daß, als endlich d. btiben wieder voneinander schieden, der Wastl s bim Rappen saß unb der andere den ararialischen Schimmel davonführte Ob Wem ^rbenfp urb -wechsel traten mbes. kaum daß ber Retter

am Los befindliche Prarnienschein, der bis zur Verlosung im März aufgehoben werden mutz, da er bie Aussicht hat, noch eine Gelbprämie von 5000 Mark zu erzielen. 30 Serien Lose sind im Umlauf. 30 mal besitzt man bie Möglichkeit, zweimal 5000 Mark zu gewinnen!

Aber jebes Los enthält als Trostpreis brei schone Bilbpostkarten mit Schilberungen aus Deutschlanbs größten Zeiten der Geschichte und Kultur.

Freude gewinnt man also stets bei dem Ziehen eines Losbriefes ber Winterhilfe.

Wenn viele sich solch' lachende Freube holen, so eifert das zur Nachahmung an, unb die Freude des Losziehens macht dann im wahrsten Sinne des Wortes hilfsbereit. Jeder schlichte braune ßosbrief verschafft Mittel zu tatkräftiger Hilfe den ärmsten Deutschen während der rauhen Winterszeit!

Keine Ausstellung von Empfehlungs­schreiben für geschäftliche Zwecke.

In einem Erlaß an bie Schulverwaltungen wird von ber Ministerialabteilung für Bilbungswesen gesagt:

Wie wir festgestellt haben, treten häufig Ge- schäftsleute ober private Wirtschaftsunternehmungen an bie unterstellten Behörden heran, um von ihnen Empfehlungsschreiben ober derglei­chen für rein private, geschäftliche Zweckezu erlangen. Ohne bie gemachten Angaben auf ihre Richtigkeit zu prüfen, ober bie Zuver­lässigkeit unb Glaubwürbigkeit bes Antragstellers festzustellen, werben bann bie erbetenen Empfeh­lungen ober Bescheinigungen ausgestellt, nur um sich vor ber Zubringlichkeit ber Gesuchsteller zu retten. Oft werben so unter betrügerischen Angaben Empfehlungsschreiben von Behörben erlangt, mit denen dann Mißbrauch getrieben wird. Um dies in Zukunft zu verhindern, untersagen wir hiermit sämtlichen unterstellten Behörden die Aus- ftellung von Empfehlungsschreiben, Bescheinigungen und dergleichen, die offensichtlich dazu bestimmt sind,

Wie sah es am Halleschen Tor in der guten alten feit aus? Es wurde im Jahre 1734 angelegt, als Z-iedrich Wilhelm I. zur Erweiterung seiner Resi- dmz die alten Befestigungsmauern niederreißen und ds Stadtmauern weiter hinausrücken ließ. In bie= jic neuen Mauer würben außer bem Branden­burger, Potsbarner unb Schlesischen Tor auch bas -Illesche Tor errichtet. Noch im Jahre 1780 hielten am Halleschen TorZietensche Husaren" Haupt- lluche. Im Siebenjährigen Kriege unb im Befrei- ingsfriege war bas Hallesche Tor Angriffspunkt Endlicher Truppen. Wo heute in manchen Abenb- jtinben ein lebensgefährliches Gebränge herrscht, en die Lichtreklamen über hohen Häuserfronten oiühen, war in jenen Zeiten noch alles Ackerland, 'm Jahre 1867 wurde das gesamte Gelände hier im Süden Berlins Anbaufläche und der Großstadt emoerleibt. 1873 fuhr die erste Pferdebahn in der i-meren Stadt, unb zwar vom Halleschen Tor nach dnn Potsdamer Tor. 1896 wurde die Elektische Eitraßenbahn eingeführt und schon im Jahre l»02 hatte jeder Berliner Gelegenheit, eifften Male 1

? 4agt 2 -.Januar 1934

i ändert Jahre alt! Und da gibt es noch Leute, die i behaupten wagen, Berlin hätte keine Tradition. ! as Hallesche Tor ist im Berliner Volksmund ein e enso vertrauter und aeläufiger Begriff wie etwa ir Zoo, der Alex ober der Potsdamer Platz.

. ?ute wissen nur sehr wenige Berliner, daß bas . allesche Tor eine ehrwürbige Vergangenheit hat. i Le kennen es nur als eine ber populärsten Sta­tinen der Untergrundbahn, als Umsteigeplatz, wo : e Menschen in dichten Knäueln die ^unterirdischen 1 reppen hinauf- und hinunterhasten. Sie sehen nur 2 Straßenbahnen, die dort in unaufhörlicher Folge is allen Richtungen zusammenkommen, als wür- n sie an unsichtbar laufenden Bändern durch- Inanöer gleiten. Sie hören nur ihr nie verstum- renbes Klingeln unb bas gebämpfte Hupen ber tutos. Da, wo bas Hallesche Tor ist, wogt unb fr anbet ber Verkehr, unb an ber Normaluhr unter bim wuchtigen Torbogen treffen sich die Paare nach Geschäftsschluß, während die U.-Bahn immer nue Menschenmassen ausspeit und die Haltestellen tur Straßenbahn ständig umlagert sind.

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