llr.18 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, 2?.3anuarj955
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Der Reichsbauerntag in Weimar
Ein ehemaliger frankfurter Kommunist wegen Landesverrats verhaftet.
kurze Zeit in Kraft waren, und daß in dieser Zeit bereits über günstige Wirkungen berichtet wird. In einem modernen Staat dürfte die Einführung geburtenpolitischer Gesetze aber noch viel leichter durchführbar sein. Wir haben nicht nur eine viel schärfere Einsicht m die Notlage, die sie gebieterisch fordert, sondern wir leben auch in einem Derwal- tungskörper, in dem solche Gesetze nichts grundsätzlich neues, sondern nur mehr den Ausbau bestehender Einrichtungen bedeuten. Haben uns die letzten Jahrzehnte nicht schon daran gewöhnt, daß bei der Festsetzung von Gehältern, Löhnen, Pensionen, Renten und Unterstützungen der Familienstand Berücksichtigung findet! Sind diese Maßnahmen auch „als gänzlich unzureichend zu beanstanden", so sind sie doch „als grundsätzlicher Bruch mit dem vorher üblichen, bevölkerungspolitisch verfehlten Beamtenbesoldungsmodus zu begrüßen" (Grotjahn). Es ist nicht einzusehen, warum es nicht möglich sein sollte, auf dem begonnenen
sicher sein Interesse fänden, zur Verfügung. Gegen Schmitt wird ein Verfahren wegen Landesverrats eingeleitet werden.
Der Reichsbauernführer Reichsminister Darre im Gespräch mit Staatsminister W ächt! er (Thüringen) und Reichsstatthalter R ö v e r (Oldenburg).
Wege fortzuschreiten und so die völlig | wirkungslosen Anfänge zu einem wirklich durch-1 greifenden Lastenausgleich zwischen kinderarmen und kinderreichen Familien auszubauen.
Alle wirtschaftlichen Reformen können aber natürlich nur dann den gewünschten Erfolg haben, wenn sie Hand in Hand gehen mit einer sittlichen Erneuerung unseres Volkes, mit der Erziehung zu einer Moral des Rassehienftes. Der i bald egoistische, bald altruistische Materialismus, dem heute so viele verfallen sind, sowie der eigen- J süchtige Individualismus, der für die Kultur der | „Persönlichkeit" besinnungslos die Zukunft der | Familie opfert, müssen einem neuen Geiste Platz; machen, dem rassenhygienischen Geiste, der sein Genügen findet in der Unterordnung der eigenen Person unter jenes hohe, außerpersönliche Ziel, das das Fortbestehen unserer Rasse nebst ihrer Kultur zum Inhalt hat. Der Gedanke vom Leben des Geschlechts nach uns muß als schöpferische; Macht in uns wirksam werden, und uns die Kraft geben, unser Trachten und Tun in den Dienst der Rassenerhaltung zu stellen. (Mit Genehmigung des Verlages I. F. Lehmann, München, dem Buch „Kleine Vererbungslehre und Rassenhygiene" entnommen.)
Die Steuerpolitik des Staates muß von rassenhygienischem Geiste beseelt sein, soll sie zum Wohle des Volkes ausschlagen. Man könnte recht gut den Satz begründen, daß der Untergang der abendländischen Völker und ihrer Kultur auf die bodenlose biologische Unwissenheit ihrer Finanzpolitik zurückzuführen ist. Mit der Eintreibung möglichst großer Geldsummen sollte die Finanzwirtschaft ihre Ausgabe nicht als erfüllt ansehen Der Finanzpolitiker sollte sich vielmehr endlich bewußt werden, daß er wie kein anderer es in der Hand hat, das zukünftige Schicksal unseres Volkstums zu bestimmen. Bis vor kurzem sind alle Finanzgesetze so gut wie ohne jede Rücksicht auf die Volksvermehrung ausgebaut worden: zu einem großen Teil haben sie unmittelbar g e b u r t en- feindlich gewirkt und zu dem heutigen trostlosen Zustand unserer Rasse wesentlich beigetragen, ja, ihn an erster Stelle bedingt. Bleibt die Finanz- gebarung geburtenfeindlich wie bisher und wirkt sie weiter auf die Ausmerzung der besten Volksbestandteile hin, so trifft die Finanzverwaltuna eine nicht wieder gut zu machende, weltgeschichtliche Schuld.
Eine durchgreifende, an die Wurzel fassende Geburtenpolitik wäre schließlich noch möglich auf dem Wege einer Siedlungspolitik, die aber von rassenhygienischen Gesichtspunkten getragen sein müßte. Denn die Besiedlung fruchtbarer Landstrecken mit zahlreichen Bauernfamilien bietet an sich noch nicht die geringste Gewähr für einen ausreichenden Nachwuchs Das Landleben, die „Verbindung mit der Scholle", schützt keines- wegs vor der Stille der Geburtenverhütung. Auf dem Lande, bei den französischen Bauern, hat der eigentliche Geburtenrückgang des europäischen Kontinents begonnen, und auch bei uns in Deutschland weist die Landbevölkerung, wenn sie auch den Städten gegenüber noch gut abschnei- oet, einen immer rascher zunehmenden Geburtenrückgang auf. Der Geburtenrückgang ist in Frankreich sogar am stärksten in den rein landwirtschaftlichen Gebieten, in den fruchtbaren Flußtälern der Garonne, Rhone, Loire, in der Normandie und der Provence. Bei den Deutschen in Siebenbürgen und in den evangelischen Gebieten Nordwestdeutschlands reicht die Kinderzahl der selbständigen Landwirte ebenfalls schon heute nicht mehr zur Erhaltung ihrer Familien aus Auch auf dem Lande sind außerdem, wie in den Städten, die größeren Kinderzahlen gerade dort zu finden, wo die Wohnungsverhältnisse am meisten beschränkt sind, nämlich nicht bei den Großbauern, sondern bei den Landarbeitern und Tagelöhnern. Mit Siedlungspolitik und „Bodenreform" allein ist also nichts getan! Haben doch auch gerade die Gartenstädte und die Städte mit dem schönsten Flachbau (z. B. Düsseldorf) die kümmerlichsten Kinderzahlen! Neue Sied- lunaen müssen daher vor allem so beschaffen sein, daß der Gedanke an den Erbgang niemals zu einem B"w"aarund für die Geburtenverhütung werden
Finanzpolitik, Siedlung und Rassenpflege
Son Prof Or. © W. (Diemens
kann Sie sollten deshalb nach den Vorschlägen von L"in und von Gruber nur als unverkäufliche und unteilbare „bäuerliche Lehen" ausqegeben werden, deren dauerndes Jnnehaben und deren Erblichkeit an die Bedingung gebunden ist, daß der Lehensinhaber eine noch näher zu bestimmende, zur Erhaltung der Familie ausreichende Anzahl von Kindern aufgezogen hat Aul den Sied- lunaen sollte ferner ein untilabarer und unkündbarer Bodenzins lasten der je nach der K'nderzahl teilweise ader ganz zu erlassen ist B"' Vergebuna nan Siedlerstellen wäre darauf zu arh^n. daß die Siedler einen genüaend zahlreichen N^wuchs haben oder erwarten lassen
Die rassenhygienischen Forderungen werden gern mit dem billigen Hinweis abgetan, daß sie utopisch seien Man pflegt dann auf die Gesetze hinzuweisen, die in der römischen Kaiserzeit gegen die Kinder- armen erlassen wurden und die den Untergang Rams auch nicht verhindert hätten. Man vergißt ab->r meist hinzuzufügen, daß diese Gesetze nur
LPD. Frankfurt a. M., 20. Jan. Schon längere Zeit war den Polizeibehörden aufgefallen, daß der Handlungsgehilfe Robert Schmitt aus Frankfurt a. M Schriftwechsel nachdem Saar- gebiet unterhalten hat. Nachdem Schmitt beobachtet worden war, wurde er nunmehr f e st genommen. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Schmitt, der bis zur Umstellung in einer kommunistischen Druckerei beschäftigt war, fand man schwer belastendes Material Neben Schreiben an die Regierungskommission, in denen er seine Dienste für" besondere mit der Abstimmung im Zusammenhang stehende Fragen anbot, wurde u a auch ein Schreiben an den früheren französischen Major L a n r e z a c gefunden, der getarnt in der Bergwerksdirektion in Saarbrücken sitzt, in Wirklichkeit aber von dort aus die französische Propaganda betreibt. An L a n r e z a c hat Schmitt unter Hinweis auf seine durch die Revolution herbeigeführte Stellungslosigkeit u. a geschrieben, er stünde ihm auch für andere Dinge, die
Zum Vorsitzenden des Bundes deutscher Gebrauchsgrophiker berufen
LPD. Frankfurt a. M., 21. Jan. Die Landesstelle Hessen-Nassau für Volksaufklärung und Propaganda teilt mit, daß der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste zum Vorsitzenden des Bundesbezirks Hessen-Nassau des Fachverbandes „Bund deutscher Gebrauchsgraphiker" in der Reichskammer der bildenden Künste den bekannten Frankfurter Maler und Graphiker Albert W i n d i f ch berufen hot
Banner- statt Frauenarbeit.
LPD Kelsterbach a. M., 20. Jan. Die Bestrebungen im Sinne nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik, da wo es möglich ist, Frauenarbeit durch Männerarbeit zu ersetzen, sollen nun auch in der deutschen
Das Lawinenunglück im Allgäu.
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Es ist nunmehr gelungen, die Leiche des Oberschützen Alexander W u t s ch k e vom III. Bataillon des Infanterie-Regiments 14 in Konstanz, der beim Lawinenunglück im Daumengebiet verschüttet wurde, zu bergen. Die Leiche wurde im unteren Teil der Lawine durch Sondierstangen gefunden. Wenig später wurde auch der zweite verschüttete Reichswehrangehörige, der 20 Jahre alte Oberschütze Johann Ackermann vom gleichen Truppenteil etwa 100 Meter von seinem Kameraden entfernt aufgefunden. Die Leichen der beiden Verschütteten wurden zu Tal gebracht. — Unser Bild zeigt die Rettungsmannschaft beim Bau von Stollen durch den Lawinenschnee.
Kunstseidenindustrie verwirklicht werden. So stehen bei allen Konzernwerken der Vereinigten Glanz st off-Fabriken A. G. nach dieser Richtung durch Verhandlungen des Treuhänders der Arbeit Dr. L ü e r - Frankfurt a. M. und der Werkleitung neue Arbeitsbedingungen bevor. Man will in die Zwirnerei und in der Spulerei die Arbeitsplätze der Frauen durch Männer ersetzen. In allen Arbeitszweigen ist eine Umbesetzung nicht ohne weiteres möglich. Dieses Vorgehen bedingt eine tarifliche Neuumbildung, und zwar soll der" seither gezahlte Tariflohn für Frauen für die an ihre Stelle tretenden jugendlichen männlichen Arbeitskräfte gezahlt werden. Diefe Tarifregelung gilt für die Arbeitskräfte bis zum 21. Lebensjahr, von da ab tritt der übliche Tarif für Männer für die neuen Arbeitskräfte in Wirksamkeit. Die angeftrebte Auswechselung der Arbeitskräfte verlangt naturgemäß eine bestimmte Lehrzeit der jugendlichen männlichen Arbeitskräfte. Die Vereinigten Glanzstoff-Fabriken A. G. werden infolgedessen zunächst in ihrem Werk in Kelsterbach eine Werkschule einrichten, in der die männliche Jugend angelernt und ausgebildet werden soll. Die Gesellschaft" wird für die etwa halbjährige Ausbildungzeit den Werksschülern d i e L e h r- zeit durch besondere soziale Leistungen ermöglichen. Man ist gewillt, die bisher beschäftigten Frauen nicht ohne weiteres zu entlassen, sondern ihnen evtl, im Falle der Verheiratung durch Gewährung von Ehestandsbeihilfen entgegenzukommen.
Erfahrungen einer ständisch durchorganisierten Architektenschaft, die von einheitlichem Willen durchdrungen ist, für die Kulturpolitik des Staates unentbehrlich. Der Staat erwartet von der Baukunst die Repräsentation der nationalen Macht und die vollkommenste Erkülluna Mi umrittener vraktischer Aufgaben
Städten — in jeder Stunde und an jedem Ort. Ja, i sie drängt sich uns auf, wenn sie eine schlechte und . protzenhafte ist. Malerei betrachten wir vielleicht in seltenen Stunden in den Räumen einer Kunsthalle wir müssen sie aufsuchen. Sogar der Musik, die das ; Radio Millionen von Menschen bringt, müssen wir uns zur Verfügung stellen. Schalten wir den Apparat aus, so ist sie nicht mehr vorhanden. Die Baukunst aber ist um uns auf Schritt und Tritt: sie ist die immerwährende Bildnerin des zivilisierten Menschen im Unbewußten. Aus dieser Allgegenwärtigkeit fließt der stille, aber eindringlich wirkende Einfluß dieser Kunst, von der Alfred Rosenberg gesagt hat, daß sie vor allem berufen fei, eine nationale Kunst zu sein und zu werden. „Sie wird es in um so höherem Maß sein können, als sie sich bewußt ist, daß sie Ausdruck des Zeitgeistes ist, der Deutschland von Grund aus erregt Nun ist beileibe nicht jede Architektur Kunst: sie strebt aber nach diesem Idealbild und wird ihm nahekommen, wenn sie Ausdruck der geistigen Haltung einer Epoche und eines Kulturkreises zu werden vermag.
Hieraus ergaben «ich ;ui Oen Faschismus Oie Normen für die Lösung seiner typischen Bauaufgaben Für diese Planung hat das neue Italien die Gemeinschaftsarbeit zwischen den Fachleuten aus den einzelnen Zweigen des staatlichen Wirkungsbereichs und den Architekten organisiert Damit soll erreicht werden, daß der Architekt mit den Baubedürfnissen des Staates vertraut wird. Trotz aller vom Staate aufgestellten Richtlinien bleibt es seine vornehmste Berufspflicht, den Bau in natürlichem Zusammenhang mit Boden und Landschaft zu gestalten Der Einzelbau aber soll an seinem Ort und in seiner Umgebung eindrucksvoll die Macht des Staates verkörpern, denn der Faschismus will auch in der ärmsten Ortschaft Siziliens gegenwärtig fein. Für das Projekt eines Fafcio-Haufes wurden z. B. drei Typen, und zwar für die Großstädte, Mittelstädte und kleine Stadtgemeinden ausgearbeitet, und zwar so, daß der kleinste Typ bestimmten Mindestforderungen der faschistischen Erziehungsidee genügen mußte. Die Aufgaben der geistigen Erziehung, der körperlichen Ertüchtigung und der volitischen Aktivierung müssen auch noch in> diesem kleinen Rahmen erfüllt werden können. Aehnlich gelagerte Bauaufgaben ergeben sich bei Schulen und Studentenheimen, Theatergebäuden und Konzerthallen. Bibliotheken und Museen, Sportplätzen und öffentlichen Parks Ein ebenso weites Feld eröffnet sich auf dem Feld der Sozialpolitik, sowie der öffentlichen Fürsorge und des staatlichen Gesundheitsdienstes und im Bereich der allgemeinen kommunalen Baubedürfnisse. - Die Bedeutung Des faschistischen Bauprogrammes liegt in der Zusam menführung von Staat und Einzelarchitekt im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft und in dem Vorteil, die gesamte Bevölkerung zum mindesten der an dem Bauprojekt interessierten Gemeinde an der Entwicklung der staatlichen Bauaufgaben teilney- men zu lassen. Es handelt sich um einen ersten kühnen Vorstoß zur zukunftsreichen Klärung des Verhältnisses Staat und Kultur zur P anmaß.gen Erneuerung der italienischen Baukunst, letzten Endes um eine große Erziehungsaufgabe.
Deshalb erscheint es-nur als folgerichtig, wenn ein Staat — wie der faschistische in Italien — mit seinem Totalitätsanspruch der Entwicklung ferner Baukunst nicht gleichgültig gegenuberstehen kann. Der Grundsatz der Planung verlangt auch hier die Zusammenfassung aller geistigen und materiellen Kräfte der Nation, um die Vergeudung und Zersplitterung in unzulänglichen Einzelleitungen zu vermeiden. Das Zusammenwirken von persönlichem Schöpfertum und staatlicher Zielsetzung kann nur ein von der Spitze sich nach unten Derbreiternber ständischer Aufbau gewährleisten. Deshalb. ist idie Bereitstellung der fadimännifchen und kumtlernchen
Staat und Baukunst.
Von Dipl.-Ing. tzerberih Tlofb, Äerlin
Der Verfasser hielt dieser Tage zur Eröffnung der Ausstellung „Junge faschistische Baukunst" in der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg einen Vortrag, der sich mit den Grundsätzen des faschistischen Staates für die Lösung seiner typischen Bauaufgaben befaßte.
Die Baukunst ist die sozialste Kunst, denn keine ragt so tief in die menschliche Gesellschaft und in ihr Alltagsleben hinein wie sie. Die Architektur umgibt uns — und nicht nur in den großen
tzlück uni> Ende eines Abenteurers.
Die Sucht nach Abenteuern ist auch in unserer nüchternen Zeit noch keineswegs ausgeftorben. Einen eigenartigen Beweis dafür liefert das Tagebuch eines jungen Franzosen Michel Vieuchange, der bei einer Expedition nach der „verbotenen Stadt" Srnara, einer sagenhaften Wüsten-Oase, den Tod gefunden hat. Vieuchange war, wie das von feinem Bruder der Veröffentlichung oorangeschickte Lebensbild bestätigt, der Typus des modernen Menschen, der, von der Zivilisation angewidert, nach Abenteuern und romantischen Taten lechzt und lieber einem Phantom nachjagt, als sich mit einer banalen Wirklichkeit zufrieden zu geben. Er hatte sich zunächst der Literatur gewidmet und schrieb einen Roman, dessen Held den Ausweg aus dem Materialismus der Großstadt in phantastischen Erlebnissen sucht. Aber dieses Phantasiegebilde konnte ihm nicht genügen, und so zog er selbst aus, angeblich, um Srnara, die fabelhafte Wüftenftadt im Hinterland von Spanisch-Marokko zu finden, tatsächlich aber auf der Suche nach sich selbst und nach seinem Heldentum. Er lebte unter den elendsten Bedingungen und größten Gefahren, kämpfte sich ruhrkrank durch die Wüste nach Tisnit durch, wurde dann im Flugzeug nach Agadir gebracht und starb hier, glücklich, sein Ziel erreicht zu haben, in den Armen seines herbeigeeilten Bruders. Der Dichter Paul C la u d e l ehrte sein Andenken durch die Vorrede, die er der Tagebuch-Veröffentlichung mitgab. Und was hatte Vieuchange erreicht? Was war Srnara, die verbotene Stadt? Nichts weiter als ein verlassener Trümmerhaufen mit einer einzigen kleinen Moschee, die nicht mehr benutzt wird. Von Zeit zu Zeit hausen hier Nomadenhorden und überlassen die Stätte dann wieder der Einsamkeit. Wenn der Forscher irgendein märchenhaftes Wunder orientalischer Pracht vermutete, so mußte er arg enttäuscht fein. Aber ihn befriedigte das gefahrenvolle Abenteuer, das er zur Lösung dieses Rätsels bestanden. Als Berber-Frau, dann wieder als amerikanischer Goldsucher verkleidet, hatte er sich durch die wilden und räuberischen Beduinenstämme von Süd-Marokko und Rio bei Oro hindurchgeschmuggelt, war den Dolchen argwöhnischer Scheiks entgangen, und war in elenden Hütten von Läusen fast zerfressen worden. Er nährte sich von Kamel- und Ziegenfleisch, von unreifen Datteln und Heuschrecken: er wanderte mit zweifelhaften arabischen Gefährten Tausende von Kilometern in Sonnen
glut, fast verschmachtend vor Durst, und fand schließlich in einer Wüste von Sand und Stein ein paar verfallene Mauern, alles, was von dem fabelhaften Srnara übriggeblieben war ...
Öocbfdiulnarhfitbten.
Nachdem sich bereits die Frankfurter Studentenschaft an den Kultusminister gewandt hat mit der Bitte, Professor Dr. K ri e ck zu beeinflussen, seinen Ruf nach Heidelberg nicht anzunehmen, hat sich jetzt auch die Frankfurter Dozentenschaft unter Führung von Dr. G i r n d t mit der gleichen Bitte an den Kultusminister gewandt. Auch die Dozentenschaft vertritt die Ansicht, daß, wenn Professor Dr Krieck diesem Rufe folge, Frankfurt einen im vollsten Sinne des Wortes unersetzlichen Verlust erleiden mürbe.
Um die enge Verbundenheit der Hygiene sowohl mit der Kurortwissenschaft als auch mit der von medizinischen Gesichtspunkten geleiteten Klimaforschung zum Ausdruck zu bringen, hat der Preußische Kultusminister erstmalig die Angliederung einer staatlichen Forschungsabteilung für Kurortwissenschaft und medizinische Klimatologie in das hygienische Institut der Universität Marburg genehmigt. Zwecks Durchführung derartiger Forschungen verfügt die Forschungsstelle der Universität Marburg über eine klimatologische Musterstation sowie über eine Reihe meteorologischer Beobachtungsstationen zweiter Ordnung in Hessen» waldeckischen Kurorten. Die Angliederung der For- schungsabteilung, welche unter Leitung des Direktors des hygienischen Instituts, Prof. Pfannenstiel, steht, bedeutet eine wertvolle Bereicherung der Philipps-Universität.
Der Direktor des Instituts für gerichtliche Medizin an der Universität Leipzig. Professor Dr. Richard K o ck e (, ist im Alter von 69 Jahren g e • st o r b e n. Prof. Kockel war als hervorragender Gelehrter auf dem Gebiete der kriminalmedizinischen Wissenschaft bekannt. Es ist vielleicht noch erinnerlich. wie er in dem Falle des Versicherungs- mörbers Tetzner durch seine überraschenben Feststellungen an den verkohlten Leichenresten von Tetzners Opfer ben Mörder zu überführen vermochte.
Die ordentlichen Professoren an der Abteilung Maschinenbau der Technischen Hochschule Braunschweig, Dr. Otto D e n e ck e und Geh. Hofrat Dr. Karl Friedmann, sind von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worben.


