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Hr. 68 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 2t. Marz 1934

Bilder von der Fahrt des oberhessischenZungvolks nach Offenbach

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Vorwärts immer - rückwärts nimmer!!"

Wenn wir rückschauend das bisherige Ergebnis des gewaltigen Ringens und des friedfertigsten Krieges aller Zeiten gegen den Fluch der Zeit, die Arbeitslosigkeit in Deutschland im allgemei­nen und in unserem Gaugebiet Hessen- Ra s s a u im besonderen einer Prüfung unterziehen, so haben wir allen Grund, auf das bisher Erreichte stolz zu sein. Wenn auch das Gebiet des Landes­arbeitsamtes Hessen sich nicht genau mit dem unse­res Gaues deckt, kann man doch die vom Landes­arbeitsamt angegebenen Zahlen prozentual ruhig als Basis für die gesamte Entwicklung des Arbeits­marktes im Gaugebiet Hessen-Nassau unterlegen.

Wer empfindet es nicht als gewaltige Leistung, wenn die Tatsache verzeichnet werden kann, daß im Bezirk des Landesarbeitsamtes Hessen die Zahl der Arbeitslosen von 333 OOO Ende Januar 1933 aus 187 000 bis Ende Februar 1934 gesunken ist. d. h. es wurden 146 000 Ar­beitslose allein in vorerwähntem Arbeitsamts­bezirk wieder in Arbeit gebracht, das sind 43,7 v. h.

Allein, nirgends gilt und galt obiger Wahljpruch mehr als im Staate Adolf Hitlers. Der Führer will, daß die Zahl der Arbeitslosen im Zeichen der zwei­ten Arbeitsschlacht um weitere 2 Millionen zurückgedrängt wird. Wir haben die Ver­

pflichtung, diesem Tempo zu folgen, und wollen in neuem Ansturm alles daransetzen, um im Zuge der allgemeinen Entwicklung der Geißel der Menschheit, besonders aber der unseres Vaterlandes eine weitere empfindliche Schlappe zu bereiten. Geschlagen, vernichtet und ausgerottet muß am Ende des Vierjahresplanes unseres Führers die Arbeitslosigkeit sein.

Es wäre ganz unmöglich, sogar die größten Ar­beitsvorhaben, die nunmehr in Angriff genommen werden, einzeln aufzuzählen. Es ist auch nicht der Sinn dieses Artikels, allein mit Zahlen zu jonglie­ren, sondern in alle Herzen und Hirne einzuhäm­mern, daß wir so oder so der Not ein Ende berei­ten werden. Die im Reinhardt-Programm zur Ver­fügung stehenden Mittel ermöglichen allein schon die Inangriffnahme von . 25 000 Tagewerken. Zieht man dabei noch die "Vaüarbeiten der Reichsauto­bahn, die werteschaffenüe Arbeitslosenfürsorge (Reichsnotstandsarbeiten usw.) in Betracht, so kann man bestimmt mit einer weiteren Abnahme der Arbeitslosenziffer in unserem Gaugebiet rechnen.

Es ist ja allgemein bekannt, dah der Arbeits- beschasfnngsprozeh mit der Eingliederung neuer Kräfte in den Arbeitsgang nicht abgeschlossen ist. sondern daß sich organisch daraus weitere Beschäftigungsmöglichkeilen ergeben. Bedenkt man. daß zwei in Arbeit gebrachte Volksgenos­

sen durch gestärkte Kaufkraft indirekt einen drit­ten in den Arbeitsprozeh mit hineinziehen, so dürste z. B. die Neubeschäftigung von 40 000 Volksgenossen in unserem Gaugebiet Arbeits­möglichkeiten für weitere zirka 15 000 nach sich ziehen, so dah sich hier allein schon die stattliche Anzahl von ungefähr 55 000 Volksgenossen ergäbe.

Es wird ausdrücklich betont, daß diese Zahlen nur als B ei s p i e l e dienen, aber andeuten sollen, daß wir in froher Erwartung in die Zukunft schauen können. Denn ungeahnt sind ja die weite­ren Entwicklungsmöglichkeiten, die als logische Fort­setzung einer in Schwung gebrachten Wirtschaft in Erscheinung treten werden.

Was nützen aber die schönsten Programme, was hülfe das beste Zahlenmaterial, wenn hinter den Maßnahmen der Reichsregierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bei unserem ganzen Volke der leidenschaftliche Glaube an Deutsch­land und an unseren Führer fehlte. Zwar wollen und sollen wir mit beiden Füßen auf der festen Erde der nun einmal gegebenen Realitäten stehen, niemals aber vergessen, daß der Glaube Berge versetzt, und der eisenharte Wille aller, vom Führer bis zum letzten Volksgenossen, unmög­lich Erscheinendes möglich machen kann und wird.

Froh, stolz und glücklich können alle diejenigen sein, die im Wirtschaftsleben stehend durch die Tat beweisen können, dah sie wahrhafte 2Nit-

Links oben: Nach der Ankunft in Offenbach. Das Jungvolk sammelt sich zum Marsch in die Stadt. Rechts oben: Die große Kundgebung auf dem Wilhelmsplatz zu Offenbach. Links unten: Ge­bietsführer Kramer hält eine Ansprache. Rechts unten: Der Oberjungbannführer Philippi ver­liest die Urkunden, die von den Staffelläufern aus Gießen, Lauterbach und Schotten nach Offenbach gebracht wurden. (Aufnahmen: Baumann i. Fa.

Photo-Pfaff.)

kämpfer unseres Führers im grimmigsten wirt­schaftlichen Kampfe aller Zeiten, im Krieg ge­gen Arbeitslosigkeit, Not und Elend unseres Volkes find. Wahrhaft sozialistisch sind alle die, die unter Anspannung aller Kräfte, auch oft unter dem Einsatz persönlicher Opfer, arbeits­losen deutschen Wenschen wieder zu Arbeit und damit zu Brot verhelfen.

Sei es der Großunternehmer, der vielleicht Tau­sende einstellt, oder der kleine Handwerker, der durch zwei oder drei Neueinstellungen seicke Treue zum Führer und seinem Werke beweist. Möge im Zeichen der Arbeitsschlacht der G e i st d e s könig­lichen Kaufmannes allüberall sich regen, Glaube und Hoffnung, Wagemut, Entschlußkraft und Zuversicht die Herzen all derer beflügeln, die in großem oder kleinem berufen sind, durch ihre Tatkraft, ihre Initiative und ihre Liebe zu ihrem Volke Adolf Hitler Garant dafür zu sein, daß diese A r b e i t s s ch l a ch t siegreich be­endet werde. Nachkommende Geschlechter werden sich in Dankbarkeit und Ehrfurcht verneigen vor den gewaltigen Leistungen des Führers und seines Vol­kes. Tausendfältig wird der Segen zurückfallen auf alle, die in der Arbeitsschlacht gekämpft, geopfert und gerungen haben.

Die zweite Arbeilsfchlachl wird siegreich bestan­den und wiederholt, solange bis keiner mehr der Arbeitslosigkeit verfallen ist.

Ist die letzte Schlacht geschlagen, ist auch Deutsch­land befreit von diesem Fluche, dann können wir wieder aus. innerstem Herzen singen:

Blüh' im Glanze dieses Glückes, Blühe, deutsches Vaterland!"

In diesem Sinne auf zur Arbeitsschlachti Vorwärts, Attacke, Hurra!!!

Unterbringung von Kriegsbeschädigten

Die Arbeitsämter haben es als eine ihrer vor­nehmsten Aufgaben angesehen, allen Unterbringungs- Möglichkeiten für Kriegsbeschädigte sorgsam nachzu­gehen und bei den Arbeitgebern nachdrücklich auf die Einstellung von Kriegsbeschädigten hinzuwirken. Im Zuge dieser Bestrebungen ist zwischen dem Reichs­leiter der NS.-Kriegsopserversorgung und dem Prä­sidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine Vereinbarung getroffen worden, die ein enges Zusammenarbeiten zwischen den Arbeitsämtern und den Dienststellen der NS- Kriegsopferversorgung sichergestellt. In gemeinsamer Arbeit soll eine einheitliche Werbeaktion im Rahmen der Frühjahrsschlacht gegen die Arbeitslosigkeit durchgeführt werden. Kein Weg soll unbeschritten bleiben, um Kriegsbeschädigten im Rahmen des Möglichen Arbeit und Brot zu geben. Damit wird eine Dankespflicht gegenüber den Männern erfüllt, die in schweren Jahren des Weltkrieges Leben und Blut für ihr Vaterland eingesetzt haben.

Kreis Lauterbach von Arbeitslosen frei!

GPA. Lauterbach, 20. März. Wir können die erfreuliche Mitteilung machen, daß die am 21. März im deutschen Vaterland beginnende Ar­beitsschlacht in unserem Kreise schon geschlagen ist. Der Kreis Lauterbach ist seit dem 16.März 1934 frei von Arbeitslosen und Arbeit­suchenden. Bei dem am gleichen Tage im Bahn- hvfshotel Lauterbach stattgefundenen Gemeindetag des Kreises meldeten sämtliche anwesenden 61 Bür­germeister, daß ihre Gemeinden restlos von Arbeits­losen frei sind. Einige Gemeinden forderten sogar noch Arbeiter, u. a. auch Facharbeiter, an. Für die in den Gemeinden Freiensteinau, Grebenhain, Crainfeld, Vaitshain und Dirlammen durchzufüh­renden Meliorationen müssen sogar Arbeiter aus anderen Kreisen herangeholt werden. Es sollen da­her 82 Volksgenossen aus dem Kreis Offenbach für die oben angeführten Arbeiten in Arbeit und Brot gebracht werden. Wenn überall, wie im Kreis Lauterbach, in dieser Hinsicht gearbeitet wird, wird das große Werk unseres Führers zu einem vollen Erfolg werden.

Schönschreiben.

Von Michael Kohlhaas.

Meine lieben Kinder, immer wieder sag' ich es: Nehmt mir den Schönschreib-Unterricht nicht leicht! Glaubt um Himmels willen nicht, das Schönschrei­ben sei nur so ein Getu von Schule und Lehrer! Nein, die Grundlage des ganzen Lebens ist das Schönschreiben. Ein Mensch, der nicht leserlich schrei­ben kann, ist verloren. Niemand achtet ihn, nie­mand ehrt ihn, mit Fingern zeigt man auf ihn. Denn alle sind sich darüber einig: der Unglückliche hat seine Jugendzeit vertan, hat Allotria getrieben und darüber das Schreiben nur ungenügend ge­lernt. Und wie das nun schon einmal im Leben ist, er kann das Versäumte nie mehr nachholen, sondern wird Zeit seines Lebens Schmierfink bleiben." Also sprach, wenn er die Schönschreibhefte an uns Knirpse verteilte, regelmäßig unser alter, biederer Lehrer Schluifelder.

Aber wie das eben auch im Leben stattzufinden pflegt, zumal in jenem zarten Alter, da Hose und Gilet noch aneinandergenäht sind, ja, bisweilen so­gar das Beinkleid noch auf seiner Nordseite ver­schließbar ist: Lehrer Schluifelders Heilswahrheiten gingen uns wohl zu dem einen Ohr hinein, doch auch sofort wieder beim andern heraus. Erst viel, viel später, als ich in das Tagwerk des im baye­rischen Justizdienst ergrauten Gerichtsschreibers Christian Hörgele Einblick gewann, erkannte ich er­schüttert die Berechtigung der Schluifelderschen Le­bensweisheit.

Herr Hörgele schrieb nämlich eine unbeschreibliche Pfote. Daß Hunde, so ihnen unversehens Hörgeles Handschrift oorgehalten wurde, den Schweif em- zogen und heulend fortrannten, ist selbstverständlich erfunden; doch bin ich überzeugt: wäre es zum Beispiel denkbar gewesen, daß in Tutenchamuns berühmtes Pyramidengrab jemand eine von Chri­stian Hörgele geschriebene Zeugenladung einge­schmuggelt hätte, die sämtlichen Aegyptologen der Alten und der Neuen Welt grübelten heut noch über der Entzifferung dieses bisher unbekannten altägyptischen Schriftsystems, veröffentlichten in tief schürfenden Monographien und Fachblättern die naturgemäß nur langsam fortschreitenden Er­gebnisse ihrer Forschung, ja, böten wohl schon längst bei der Leidenschaftlichkeit, mit der Männer der Wissenschaft dem Für und Wider ihrer Hypo­thesen zu dienen pflegen, dem Publikum Zweier Welten das betrübende Bild eines heillosen Ge­lehrtenstreites. Und da stelle man sich nun vor: Ur­kunden dieser Art schickte Christian Hörgele an die

altbayerischen Bauern! Hätte der jeweilige Um­schlag des gerichtlichen Schreibens nicht durch den Stempel des Amtsgerichts Gnotzham seine Herkunft deutlich erkennen lassen, wie eine Mitteilung aus dem Reich des Uebersinnlichen müßte Herrn Hör­geles Handschrift auf den Empfänger gewirkt haben. Und dabei versteckten sich doch hinter den geheim­nisvollen Schriftzügen nur die nüchternsten, für das Rechtsleben aber ungemein zweckdienlichen Nachrichten.

Solcherweise teilte zum Beispiel Christian Hör­gele eines Tages dem Austragsbauern Simon Moosegger in Moosegg mit, dah in seinem Prozeß gegen seinen Sohn und Gutsnachfolger der Ver­handlungstermin vom 7. April auf den 24. ver­legt fei und der alte Moosegger deshalb am 7. April nicht ans Gericht zu kommen brauche. Trotzdem aber schob der sich an diesem Tag Punkt 9 Uhr zum Gerichtssaal herein, wartete stunden­lang auf den Aufruf seiner Streitsache und mel­dete sich schließlich:I roaar a no da. I! Der Mooseggervater vo Moosegg!"

Ob er denn von der Verlegung des Termins nicht benachrichtigt worden sei?

I net, i."

Ob ihm wirklich und wahrhaftig keinerlei Schrei­ben vom Gericht zugegangen wäre?

A Schreiben? Dös da Han i halt kriagt." Und der Moosegger legte Herrn Hörgeles Mitteilung auf den Gerichtstifch, an dem obendrein Christian Hör­gele selbst als Urkundsperson saß. Und der Richter Gerichtsoorstand Oberamtsrichter Scholl trium­phierte:Da haben wirs ja! Und ausdrücklich steht hier noch dazu, daß Sie heut nicht zu kommen brauchen!"

Aber i han's net lesen kinna."

So wären Sie halt in Gottes Namen zum Lehrer gegangen und hätten sich das Schreiben vor- lesen lassen!"

Dös feil Han t scho probiert", sagt der Moos­eggervater.Aber der Herr Lehrer hat's aa net lesen kinna." Der Richter wird nervös und schaut recht ärgerlich zu Herrn Hörgele hinüber. Und wie der Vogel Strauß den Kopf im Wüstensand ver­steckt, so senkt der Christian Hörgele sein Haupt auf das Protokoll nieder.Und drum bin i a no mit dem Schreiben zu unfern Förster ganga. Aber der Herr Förster hat gsagt: Dös is nix Gschriebenes net. Dös is, hat er gsagt, was zum Singa." Da halt der Oberamtsrichter das Sitzen nicht mehr aus, schnellt auf und schreitet heftig hinter dem Gerichts­tisch das Podium auf und nieder.Oder, hat unser Herr Förster hat gsagt, es kunnt a sei: es is a Sym­pathiemittel; zum Auflegen auf d' fieber bei der

Gelbsucht, hat er gsagt." Könnten Blicke töten, der Herr Hörgele wäre eine Leiche und der Oberamts­richter Scholl ein Mörder. Das Publikum aber, so­weit es den Sitzungssaal noch nicht verlassen hat, amüsiert sich königlich.Und weil i heut do allewei scho meine drei Stund hergloffa bi", beendet der Mooseggervater sein Plädoyer,drum möcht i ma halt iatz da befragen, was denn dös" er be­klopft mit den Fingerknöcheln das immer noch auf dem Gerichtstisch liegende Schreiben eigentli is."

Das werde ich Ihnen sogleich in meinem Amts­zimmer sagen, erklärt der Öberamtsrichter und Ge­richtsvorstand.Die Sitzung ist geschlossen", und nimmt den alten Moosegger mit sich in sein Büro. Und auch Herr Hörgele verschwindet; wie ein Mäuslein verschwindet er, so klein und unauffällig huscht er zur Saaltür hinaus.

Die Zuhörerschaft aber kann sich noch immer nicht trennen, hofft immer noch auf eine Lösung des Rätsels: was ist das eigentlich? Der Gerichts­diener muß mit fanfter Gewalt die Leute aus dem Saal drängen.Was dös is?" antwortete er dabei den Fragenden;ja mei, i kcmn's selber net gwiß sagen. I woaß bloß, was 's wird: a Mords­nasen."

Die Prüfung des Doktor Goll.

Als Zar Alexander I. von Rußland bei einem Fest eine hohe Greisengestalt mit bedeutendem Ge­sicht bemerkte, erkundigte er sich nach der auffal­lenden Erscheinung und erfuhr, daß dies Professor Gall sei, der damals durch feine Schädel-Lehre in der ganzen Welt berühmt geworden war. Er wollte aus dem Schädel jedes Menschen feinen Cha­rakter erkennen können. Der Zar lud Gall für den nächsten Tag zur Hoftafel ein. Außer ihm und Herrscher waren nur zwölf Personen anwesend, die nach den mit Sternen und Ordens-Bändern ge­schmückten Uniformen zu den höchsten Schichten der Gesellschaft gehörten. Der Kaiser forderte den großen Mann auf, seine Kunst an den Anwesenden zu zeigen und ihre Charaktereigenschaften anzu­geben. Sofort begann Gall den Kopf seines Nach­barn, eines Generals, zu untersuchen. Doch je län­ger er prüfte, desto größer wurde seine Verlegen­heit, und er wollte nicht mit der Sprache heraus­rücken. Auf das Drängen des Herrschers faßt er schließlich das Ergebnis feiner Untersuchung kurz zusammen:Seine Exzellenz lieben offenbar den Anblick blutiger Schlachtfelder und lärmende Unter­haltung; ihre Neigungen erscheinen mehr als kriege­risch!" Der Zar lächelte. Nun kam ein anderer Gast an die Reihe; er setzte den Arzt offensichtlich in

noch größere Verlegenheit. Auf des Kaisers Be­fehl mußte er auch hier aufrichtig fein.Dieser Herr", sagte er endlich,scheint mir Mein und Dein nicht gut unterscheiden zu können. Er besitzt eine ungewöhnliche Fingerfertigkeit und eine gewaltige Ausdauer im schnellen Laufen."Genug, lieber Doktor", unterbrach ihn der Kaiser lachend.Sie haben die Prüfung gut bestanden. Jener General ist ein Mörder, der vortreffliche Schnelläufer einer der gewandtesten Taschendiebe und Aus­reißer." Darauf gab der Monarch ein Zeichen, Wachen erschienen und führten die 12 Gäste, die sämtlich Verbrecher waren, wieder ins Gefängnis.

Zeitschriften.

Dr. Franz Thierfelder entwirft im Märzheft derDeutschen Zeitschrift" (Verlag Call­wey, München) ein lehrreiches Bild von Umfang, System und MethodenFranzösischer Kulturwer­bung" im Ausland, um daraus Schlüsse für die Aufgaben und Möglichkeiten deutscher Arbeit auf diesem Gebiet ziehen zu lassen. Auch sonst ist das Heft sehr gehaltvoll. UeberUniversitätsreform" schreibt Paul Simon. Michael Freund unternimmt es in einem umfangreichen BeitragDer Kampf der Eliten", den BegriffElite" auf Gehalt und Gestalt, auf seine inneren Möglichkeiten und seine Gefahren zu untersuchen. Ulrich Christoffel fährt in feinen Berichten überDeutsche Kunst" mit einer Würdigung der Elisabethkirche in Marburg fort. Hans Scholz findet in dem BeitragDie Intellek­tuellen der Musik" harte, aber treffende Worte für eine gewisse Sorte von Kunstinteressenten, die Musik mit dem Intellekt ergründen wollen und da­mit zu Schädlingen der Musik werden. Eine span­nende Seegeschichte des Meistererzählers Josef Conrad, eine ErzählungDer Tod des alten Ser­geanten" von Ulrich Sander, Film- und Buch­berichte runden das mit mehreren Bildern ge­schmückte Heft ab.

Neue russische Dokumente zum Kriegsaus­bruch. DieBerliner Monatshefte" (Qua­derverlag, Berlin W 15) bringen im Märzheft einen ausführlichen Ueberblick über die neuen russi­schen Dokumente zum Kriegsausbruch. Der Band 5 der deutschen Ausgabe enthält keine sensationellen Enthüllungen, bietet aber dafür die Möglichkeit, innere Zusammenhänge und Motive für einzelne Vorgänge, die bisher unverständlich waren, zu er­kennen. Die Auffassung, daß die Beschlüsse des rus­sischen Ministerrats, der am 25 Juli 1914 vormit­tags in Krasnoje Selo stattfand, für den Ausbruch des Weltkrieges von entscheidender Bedeutung ge­wesen sind, findet ihre Bestätigung.