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Der Aufbau der Deutschen Evangelischen Kirche. Eine Rede des Reichsbischofs in Hannover.

Hannover, 19. Sept. (DNB.) Reichsbischof Müller hielt am Dienstag im Kuppelsaal der Stadthalle eine Rede, in der er u. a. darauf hin­wies, er fei häufig gefragt worden, weshalb er sich so für den Nationalsozialismus einsetze. Das sei aus der Kampfstimmung des Krieges und in der Zeit geschehen, als die braunen Anhänger Hitlers diesen gleichen Kampfgeist übernommen hat­ten. Als er zum ersten Male mit dem Führer zu­sammengekommen sei und sein Wesen erkannt habe, da habe er gesagt:Ich gehöre an die Seite dieses Mannes, solange ich auf Erden lebe". Bei seinem ersten Zusammentreffen mit dem Führer habe er sich gesagt, wenn der Nationalsozialismus zum Siege komme, müsse unbedingt eine einige deutsche evangelische Kirche vorhanden sein. Man könne nicht von Gegnern dieses Gedan­kens sprechen, sondern höchstens von Leuten, die immer noch nicht so recht begriffen hätten, um was es sich handele.

In den äußerlichen Dingen habe der Staat das Recht, ja die Pflicht, einzugreifen, wenn die Kirche nicht von selbst in Ordnung komme. Der Führer wolle zweifellos das ganze Gedankengut des Nationalsozialismus zum Ge- famteigentum des Volkes machen. Es fei heute doch so, dah man fordern müsse, dah jeder, auch derjenige, der den Nationalsozialismus noch nicht ganz verstehe, doch in seine Reihen treten müsse. Das müsse man auch in diesem Sinne von den Pastoren der Gemeinden verlangen. Sie mühten Kamerad, Freund und Berater ihrer Gemeinde sein, und wenn sie das nicht könnten, dann sollten sie abtreten.

Der Redner kam dann auch auf die Judenfrage zu sprechen und wandte sich gegen die Leute, die da sagten, Christus sei doch auch ein Jude gewesen. Man müsse darauf immer erwidern, daß in jedem Volke stets der Mann, der ihm die Wahrheit sagte, umgebracht worden sei, zuletzt der Heiland selbst. Das Christentum sei nicht aus dem Judentum her­ausgewachsen, sondern in stetem Kampf mit ihm entstanden. Zum ersten Male seit christlicher Zeit habe nun ein Volk es gewagt, den Juden den Kampf anzusagen. In diesem Kampf müßten wir Christen ^ujammenstehen und wenn wir auch einmal ein halbes Jahr darben müßten.

Der Redner erklärte dann, dem Buchstaben nach seien alle Kirchen in die Reichskirche einge- gliederk und wenn das Gesetz beschlossen sei, dann sei es eben beschlossen. Er fügte hinzu: Ich sehe mir eine Sache solange an, wie ich kann. Wenn es aber nicht mehr geht, so soll man auch wissen, dah ich die Konsequenzen so hart ziehe, wie sie gezogen werden müssen". Der Redner wandte sich dann weiter den Gerüchten über die Stellung des Führers zur Kirche zu und erklärte, der Führer habe gesagt, dah er auch nicht den leisesten Versuch machen wolle, an dem innersten Kern der evangelischen Kirche zu rühren. Im Inneren der Kirche blieben die Rechte bestehen. Hier, so fuhr der Redner fort, handele es sich nur darum, äuhere Dinge endlich

zu bereinigen. Wenn die Kirche von selbst nicht zurecht komme und Unruhe im Staate entstehe, müsse und werde der Staat dafür sorgen, daß diese Unruhe aufhöre.

Der Reichsbischof wandte sich dann gegen den Vor­wurf, die Deutschen Christen wollten Christus von seinem Throne stoßen. Viele, die sich mit dem Nationalsozialismus noch nicht genügend befaßt hät­ten, dächten, weil der Nationalsozialismus völkische Ziele verfolge, wolle er Wotan oder einen der anderen germanischen Götter auf den Thron erheben. Gewiß gebe es viele im Natio­nalsozialismus, die noch nicht den Weg zur Kirche zurückgefunden hätten, daran aber trügen die Evan- gelischen die Schuld. Niemand denke daran, Christus vom Thron zu stoßen, wer als Deutscher mit dieser Unwahrheit hausieren gehe, den werde er anfassen, daß er sich wundern werde. Der Redner erörterte dann den Begriff der inne­ren religiösen Freiheit und erläuterte den Zustand des Glaubens und Vertrauens. Die Deut­schen Christen wollten, daß der einzige wahre Christus in Deutschland wieder erlebt und gepredigt werde. Das Volk im Dritten Reich wollss einen einfachen, wahren Chri- st u s haben, der ihm helfen solle zur Freiheit. Der Reichsbischof schloß:

Wil allem, was ich bin und habe und kann, gelobe ich dafür zu sorgen, dah die deutsche evangelische Kirche gebaut werde auf dem be­freienden Evangelium, dah Wahr­heit in der Kirche werde und daß ein Ge­schlecht heranwachse, das fromm und still und stark ist und vom Ewigen die Kraft gewinnt, mit heihem Herzen die uns gestellte Aufgabe anzupacken. Wer den Aufbau dieser Kirche nicht mitmachen kann, wer so wie wir im Dritten Reich nicht kämpfen kann, der soll Ruhe geben oder bei Seite treten. Tut er es nicht, so muh ich ihn dazu zwingen. Was wir wollen, ist eine treue deutsche Kirche."

Auflösung derArbeitsgemeinfchast katholischer Deutscher".

Berlin. 19. Sept. (DNB.) Die Reichspartoi- leitung gibt bekannt: Nachdem die Reichspartei­leitung durch ihre Abteilung für den kul­turellen Frieden sämtliche kulturellen und das Verhältnis von Staat und Kirchen betreffende .Fragen in zunehmendem Maße und unmittel­bar bearbeiten läßt, erscheint es im Interesse einer n a»ch strafferen Zusammenfassung dieser Arbeitsgebiete nunmehr geboten, auch die zu­nächst der Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher überwiesenen Aufgaben in diejenigen der Reichs- partoileitung einzubeziehen. DieArbeitsgemein­schaft katholischer Deutscher" stellt daher im Reichs­gebiet mit dem heutigen Tage ihre Arbeit ein und löst sich auf. Sie hat im Laufe ihrer Tätig­keit in dem ihr zugewiesenen Bereiche wirksam zu einer Versöhnung beigetragen. Für diese Arbeit wird der Reichsleitung und allen Beauftragten hier­mit der Dank der Partei ausgesprochen.

Erörterungen über

Or. von Brehmer über seine Arbeiten.

Berlin, 18. Sept. (DNB.) Regierungsrat Dr. von Brehmer und Professor Dr. Reiter übergeben der Oeffentlichkeit Stellungnah­men zum Krebsproblem. Dr. von Breh­mer führt aus:

Herr Professor Dr. Reiter, Präsident des Reichsgesundheitsamts hat Vertretern der Tages­presse unter Hinweis auf meine wissenschaftliche Ar­beit, die am 25. August d. I. in derMedizinischen Welt" erschienen ist, Angaben gemacht, die geeignet sind, mein Ansehen als Wissenschaftler zu schädi­gen und die meine Veröffentlichung als unwissen­schaftlich, leichtfertig und phantastisch hinstellt. Ich rücke von diesen, mich als Wissenschaftler persönlich kränkenden Angriffen weit ab und überlasse es der Wissenschaft, das Urteil über meine Veröffentlichung erst dann zu fällen, wenn sie Gelegenheit genom­men hat, das, was ich veröffentlichte, weiter nach- auprüfen. Im übrigen verweise ich erneut auf meine schon früher der Tagespresse gegebene Erklärung, daß ich jede weitere Diskussion über wissen­schaftliche Dinge in der Tagespresse ablehne, auf die Fachpresse Hinweise und meine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse nach wie vor in vollem Umfange aufrecht erhalte. Auch ist von den gleichzeitig veröffentlichten Nachprüfungen eines genau festgelegten Teiles meiner Befunde von keiner Seite etwas zurückgenommen worden.

Im stelle im Gegensatz zu den Angaben des Herrn Professor Dr. Reiter fest, daß schon vor mir Wissenschaftler Mikroorganismen gesehen und be­schrieben haben, welche mit der Entstehung bösarti­ger Geschwülste in ursächlichen Zusammenhang ge­bracht wurden. Angaben, die erst dann kritisch ab­gewertet werden müssen und können, wenn die Frage, ob Krebs eine Erregerkrankheit ii ft oder nicht, grundsätzlich entschieden ist. Es ist 'selbstverständlich, daß steriles, bakteriologisches Ar- I beiten die Voraussetzung der drei Veröffentlichungen iin derMedizinischen Welt" waren. Es sind nicht ,bessere" Ergebnisse aus Fingerbeere als aus Arm- >vene erzielt worden, eine Behauptung, die auf ' nicht steriles Arbeiten abzielt. Im Gegenteil waren, iwie aus der Ueberprüfungsarbeit zu erlesen ist, !80 v. H. aller Blutversuche (Vene) und 75 v. H. »aller Fingerbeerenversuche positiv. Ich bin kein «Chemiker, sondern Biologe mit bakteriologischer ^Vorbildung. Ferner ist aus den Veröffentlichungen -genannter Fachpresse zu ersehen, daß die Beweis­führung, ob der neue Mikroorganismus bös- sartige Tumoren erzeugt oder nicht, der kommenden histologischen Veröffentlichung vorbebalten bleiben Issollte. lieber die Behandlung von Krebs und die tKrebsdiät habe ich bisher weder in der Fachpresse, mach in der Tagespresse Mitteilungen gemacht. Ws ist ungewöhnlich,.diesbezügliche Mitteilungen der Tagespresse, die, wie aus ihr zu ersehen ist, von «dritter Seite stammen, ohne Rückfrage als Grund­lage für eine amtliche Stellungsnahme gegen mich lau benutzen. Die Zusammensetzung der Spezial- Injektion ist, wie ebenfalls aus der Ueberprüfungs- mrbeit zu erlesen ist, angegeben. Ich führe keine

das Krebsproblem.

Eine Erklärung Professor Reiters. Krankengeschichten, denn ich bin reiner Wissen­schaftler und Biologe. Die Krankengeschichten, auf welche Herr Professor Reiter sich bezieht, hat er an dritter medizinischer Stelle emgesehen.

Auf weitere Angriffe einzugehen, muß ich mir an dieser Stelle versagen, weil sie das wissenschaft­liche Gebiet streifen, und zum Teil persönlichen und sachlich-informatorischen Vorbesprechungen entstam­men, die ich mit Herrn Prof. Reiter als Grund­lage für die "kommende bereits angeordnete und vorbesprochene weitere Prüfung meiner wissenschaft­lichen Befunde durch das Reichsgesundheitsamt vor ungefähr zwei Monaten hatte. Schon im Jahre 1932 unterbreitete ich dem Reichsgesundheitsamt meine Forschungsergebnisse mit der Absicht einer gemeinsamen, überprüfenden Zusammenarbeit. Ich bedaure, daß der Rahmen der Veröffentlichungen in derMedizinischen Welt", auf die man sich bei der Bewertung der Arbeit allein stützen müßte, überschritten worden ist.

Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes, Prof. Reiter, bemerkt zu diesen Ausführungen des Herrn von Brehmer folgendes: Seit über einem halben Jahr werden zwischen dem Reichsgesund­heitsamt im Einvernehmen mit dem Reichsministe­rium des Innern und Herrn von Brehmer, von mir stets auf das Nachdrücklichste geförderte Verhandlun­gen gepflogen, um einerseits die Voraussetzungen zu schaffen, die theoretischen Auffassungen des Herrn von Brehmer über die Krebsfrage in den Labora­torien des Reichsgesundheitsamts einer N a ch p r ü - fung zu unterziehen, andererseits die von ihm behaupteten Heilerfolge unter Aufsicht zuverlässiger Aerzte an Kranken innerhalb einer speziell für diese Prüfungen einzurichtenden Krankenabteilung eines Berliner Krankenhauses mit finanzieller Unter- stützung des Reichsministeriums des Innern nachzu- prüfen.

Jede Erregung der Oeffentlichkeit wäre unterblie­ben, wenn Herr von Brehmer sich nicht ohne Wissen des Reichsgesundheitsamts resp. des Mini­steriums des Innern und nachdem letzteres schon eine namhafte Summe zur Verfügung gestellt hatte , zu einer voreiligen, den Verhandlungen zuwiderlaufenden Veröffentlichung seiner Befunde entschlossen hätte, von denen er wußte, daß sie noch keine Beweise einer wissenschaftlichen Erkenntnis darstellten!

Wenn Herr von Brehmer vom Inhalt der in den Tageszeitungen wiedergegebenen Ausführungen jetzt abrückt, so ist es unverständlich, wie diese überhaupt in zahllosen Tageszeitungen Einlaß erhalten konn­ten, zumal vielen dieser Ausführungen fein Licht­bild beigegeben war! Es ist unverständlich, warum er der Oeffentlichkeit nicht unmittelbar nach Erscheinen dieser zum Teil ganz ungeheuerlichen und die Volksgesundheit gefährdenden Auslassun- gen hiervon Mitteilung gemacht hat, sondern erst die von ihm offenbar wenig begrüßte Rückäußerung des Reichsgesundheitsamts abwartete!

Es erscheint ganz nebensächlich, ob Herr v. Breh­mer alsChemiker" bezeichnet wurde (er ist Apo­

theker und hat in Botanik promoviert); wichtiger und maßgebend ist es, ob er als Nichtarzt das, was er gesehen haben will, biologisch richtig zu deuten, und für die Heilkunst am Menschen richtige Schlüsse zu ziehen verstand.

Die im Laufe der kommenden Monate vorzu­nehmenden Nachprüfungen werden bald zei­gen, ob Herr von Brehmer der deutschen medizi­nischen Wissenschaft etwas gegeben oder genommen hat!

Kunst und Wissenschaft.

Deutscher Naturforscher- und Aerztetag in Hannover.

In der 93. Versammlung der Natur­forscher und Aerzte in Hannover beschäftigte sich Prof. Dr. L. Weichmann- Leipzig mit den Zyklonen und ihrer Bedeutung für die Luftschiff- und Flugfahrt. Eine genaue Kenntnis des Baues der Energiequellen und Entstehungsurfachen der Strömung und Fortpflanzung der Zyklone fei vor allem ein Erfordernis des Luftverkehrs geworden. Dem Flugzeugführer fei mit allgemeinen Wetter­voraussagen teils heiter, teils wolkig, stellenweise Niederschläge nicht geholfen; er brauche zeitlich und örtlich genau festgelegte Voraussagen.

Der Leiter des Provinzialmuseums in Hannover, Prof. Dr. Jakob Friesen, hielt einen Vortrag über vorgeschichtliche Kulturen in Niedersachsen. Die neuesten geologischen Forschungen zeigten, daß die Vergletscherung der letzten Heil die Elbe nicht überschritten habe. Es sei also durchaus berechtigt gewesen, altsteinzeitliche Funde kn Niedersachsen zu erwarten, und tatsächlich seien sie auch bald gehoben worden, die ältesten aus der Acheul-Grube auf den Leineschöttern von Döhren bei Hannover.

Prof. Dr. E s a u - Jena sprach überElektrische Wellen und ihre Erzeugung". Er ging davon aus, daß in den letzten Jahren die elektrischen Wellen und insbesondere die Ultrakurzwellen mehr und mehr Eingang in die Medizin gefunden haben, und erörterte dann die Frage, ob die Hochfrequenz­

technik, in deren Gebiet die Herstellung der elek­trischen Wellen fällt, hierbei besondere Rücksicht auf ihr Anwendungsgebiet in der Medizin nehmen muß, oder ob die Verhältnisse in Bezug auf die Art der Erzeugung oder ihre Eigenschaften die gleichen find wie bei ihrem bisherigen Haupt- anwendungsaebiet, der Nachrichtentechnik. Es ergibt sich hierbei, daß es bet der Verwendung der elek­trischen Wellen als Nachrichtenmittel in erster Linie darauf ankommt, die erzeugten Wellenlängen so konstant wie möglich zu halten, während bei der medizinischen Verwendung die Erzeugung großer Energien im Vordergrund steht. Bei den Problemen aber gemeinsam ist die Forderung an die Technik- immer kürzere Wellenlängen hernustellen. Nach dem heutigen Stande der Technik lassen sich Wellen bis zu einigen Zentimetern für die Zwecke der Nach­richtentechnik Herstellen. Für meoizinische Zwecke sind aber die bisherigen Energiebeträge bei Wellen­längen unter 1 Meter noch zu gering. Es mutz deshalb für diese Zwecke noch weiter versucht wer­den, die Energien sehr erheblich zu steigern.

Oer Präsident des Volksgerichts­hofes gestorben.

Berlin, 19. Sept. (DNB.) Nach kurzem Kran» kenlager starb an den Folgen einer Gallenentzün« düng Dr. Fritz Rohn, der Präsident des Volks­gerichtshofes in Berlin, im Alter von 62 Jahren, Dr. Rohn begann feine richterliche Laufbahn 1901 als Gerichtsassessor. Vier Jahre später wurde er Landgerichtsrat in Bochum und dann in Koblenz, 1920 Landgerichtsdirektor in Berlin. Im März 1933 wurde er zum Vorsitzenden des Berliner Sonder- gerichts ernannt und als Senatspräsident an das Kammergericht berufen. Bei der Gründung des Volksgerichtshofes wurde ihm die Leitung dieses Gerichtes übertragen. Dr. Rohn hat als vorbild­licher Richter stets in hohem Ansehen gestanden und hat insbesondere als Vorsitzender des Berliner Sondergerichtes Gelegenheit gefunden, den neuen Staat gegen heimtückische Angriffe zu schützen.

Aus aller Well

Der Zirkus von Saloniki war jüngst der Schau­platz der sensationellen Schlußszene einer Eifersuchtstragödie, die in allen ihren Einzelheiten vor einem dortigen Gericht zur Zeit verhandelt wurde.

In der Mitte der Manege stand, das Gewehr im Anschlag, der Kunstschütze G a v e r n, der wegen sei­ner unfehlbaren Treffsicherheit alsWassili, der König der Schützen" bekannt ist. Jrn Hintergrund lehnte vor einer Holzwand seine Partnerin uno Le­bensgefährtin, die auf dem Programm unter dem NamenPrinzesin Nadja" figurierte. Das bis zum letzten Platz gefüllte Haus sah mit atemloser Span­nung derNummer" entgegen, die darin bestand, daß Wassili so viel Schüsse abfeuerte, wie nötig sind, um die Umriffe der Frau durch Einschüsse auf Der Holzwand zu markieren, natürlich ohne sie zu treffen. Es ist ein schwieriger und gefährlicher Trick, bei dessen Ausführung besondere Patronen verwen­det werden. Es ist eine Art Pappkugeln, die auf dem Holz sichbare Spuren binterlassen.

Wassili schoß an diesem Abend mit der gewohn­ten Sicherheit. Nach dem zwölften Schuß aber hörte man plötzlich einen gellenden Aufschrei, und Nadja sank mit den Wortenich bin ge­troffen" zu Boden. Wenige Minuten später hauchte die Artistin, eine junge hübsche Frau von 24 Jahren, ihr Leben aus. Der sofort festgenom­mene Kunstschütze beteuerte seine Unschuld und ver­sicherte, daß es sich nur um einen unerklärlichen Zufall handeln könne. Gegen ihn aber sprach der Umstand, daß sich unter den harmlosen Geschossen auch eine Bleikugel befand, für deren Her­kunft Wassili keine Erklärung zu geben vermochte. Ueberdies sagte der Zirkusdirektor und alle, die den Artisten seit Jahren kannten, übereinstimmend aus, während seiner langjährigen Tätigkeit habe es sich nie ereignet, daß auch nur ein Schuß fehlgegangen sei. Es wäre daher befremdlich, daß er unwissentlich

die Frau durch einen Herzschuß getötet haben sollte. Die Lage des Kunstschützen verschlimmerte sich noch, als ein Clown, der sich freiwillig als Zeuge pemelbet hatte, aussagte, daß am Unglücks­tag zwischen Wassili und seiner Frau eine heftige Auseinandersetzung stattgefunden hätte.

Der Gegenstand des Streites war eine schänd Tänzerin, namens Prokopulos, in die sich der Kunstschütze sterblich verliebt hatte. Trotz den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten drohte der Prozeß mit feiner Verurteilung zum Tode zu enden, als die Situation plötzlich durch das Eintreffen eines Briefes völlig geändert wurde. Das Schrei­ben stammte von dem Bruder der Getöteten, der als Artist in Ceylon arbeitet. Gleichzeitig über­sandte er dem Gericht einen Brief, den die Schwe­ster am Tage ihres Todes geschrieben hatte und der den geheimnisvollen Fall völlig aufklärte. Danach war die junge Frau fo verzweifelt über die Be­ziehungen, die Wassili zu der Tänzerin angeknüpst hatte, daß sie entschlossen war, aus dem Leben zu scheiden. Sie wählte den Freitod, aber in einer Form, die ihr noch im Tode die Möglichkeit gab, sich zu rächen, indem sie den ganzen Verdacht auf Wassili lenkte. Wie sie mitteilte, hatte sie heimlich in die Patronenkammer des Gewehrs ein schar­fes Geschoß eingeschmuggelt. Sie hatte dann vor, sich plötzlich so zu drehen, daß sie von der Kugel mit hoher Wahrscheinlichkeit getroffen werden mußte. Das Gericht nahm diese Aufklärung der Tragödie für ausreichend an und sprach den König der Schützen frei.

Es ist sehr fraglich, ob Wassili, der unter dem Verdacht, ein Mörder zu sein, und noch mehr durch die Tatsache, seine Frau, wenn auch unabsichtlich, erschossen zu haben, seelisch zusammengebrochen ist, seinen Beruf jemals wieder aufnehmen wird, der ihn mit jedem Schuß an das Unglück erinnern würde.

Eifersuchtstragödie in der Zirkusmanege

Oer Kunstfchühe und die schöne Tänzerin.

Explosion im Molorenhaus verursacht verheerenden Fabrikbrand.

In den Textilwerken Sonnenschein in Unter- roaltersborf (Niederösterreich) brach Feuer aus, bas bas ganze Fabrikgebäube unb bie Arbeiter- Häuser einäscherte. Der Branb entftanb burch eine Explosion im Dieselmotorenhaus ber Fabrik. Unter bonnerähnlichem Getose schlug eine etwa 30 Meter hohe Stichflamme aus bem Haus empor. In knapp fünfMinuten ftanb bas gesamte Fabrik­gebäube in Hellen Flammen. 25 Feuerwehren mit 40 Löschwagen bemühten sich vergeblich, ben Branb einzubämmen, der burch einen gewaltigen Sturm noch geschürt würbe. Die Fabrik war zur Zeit bes Branbes in vollem Betrieb. Die Arbeiter konnten sich nur unter größten Anstrengungen retten. Einige Frauen unb Mäbchen, bie aus ben oberen Stock­werken in bie Tiefe sprangen, erlitten schwere Verletzungen. Die ungewöhnlich schnelle Aus­breitung bes Feuers ist auf bas Fehlen ber vor­schriftsmäßigen eifernen Zwischentüren zurück­zuführen.

Dem Verglod entronnen.

Der Bergführer Balthasar Nußbaumer hatte mit zwei Touristinnen einen Ausstieg auf ben Großen Venebiger unternommen. Währenb sie am Gipfel rasteten, meinte der Bergführer Rufe aus der Tiefe zu vernehmen. Als er von der steilen Wand aus Umschau hielt, glitt er aus und stürzte zwischen bem Süd- und Westhang ungefähr 200 Meter tief ab. Er muß hierbei mehrmals Halt gefunden haben unb baburrf) bie Wucht bes Stur­zes abgeschwächt haben, benn er ftanb nach bem Sturze noch auf, ging etwa 50 Meter weit unb brach bann zusammen. Der Arzt erklärte bie Ver­letzungen bes Abgestürzten als nicht lebens­gefährlich.

Erste Hilfe

für die vom Feuer heimgesuchle Stadt Nome.

Während von Seattle unb San Franzisko Schiffe mit Lebensrnitteln unb Baumaterial nach ber von einer verheerenben Feuersbrunst heimgefuch- ten Stabt Nome (Alaska) abgefanbt werben, muß sich bie Einwohnerschaft mit ben bescheidensten Nahrungsmittelmengen beanügen, bis bie ersten Proviantsenbungen eintreffen. Die Mebizinvorräte finb bereits erschöpft. Die Bevölkerung sucht großen­teils in halbverbrannten ©ebäuben Unterschlupf, ba bie Temperatur nachts bereits auf ben G e -

f r i e r p u n k t herabsinkt. Der Gefamtfchaden wird auf 3 Millionen Dollars beziffert.

Schwere Lrdbebenfchäden in Mexiko.

Der Staat Jalisco ist von zahlreichen heftigen Erb st äßen heimgesucht worben. In ber Stabt Conception be Bramador stürzte bie Mehrzahl ber Häuser ein, woburch Hunoerte von Familien ob- bachlos würben. In ber Stabt Talpa stürzte ein zweistöckiges Polizeiaebäube in sich zusammen, wäh­renb bie Mädchenschule unb bie Pfarrkirche so schwere Schüben erlitten, baß Einsturzgefahr be­steht. Der Gouverneur von Jalisco hat für bie Opfer bes Bebens staatliche Hilfe angeorbnet.

Wettervoraussage.

Die nörbliche Störung setzt sich weiter burch und gestaltet bas Wetter wechselhaft unb unfreunblich. Ein über bem Kanal liegenber Ausläufer führt im Norbwesten Deutschlanbs zu verbreiteten Nieder- schlügen, bie im Laufe ber Zeit auch bei uns auf­treten werben. Die an der Rückseite dieses Stö­rungsgebietes abwärts fließende kühle Luft wird allgemein zu weiterem Temperaturrückgang führen.

Aussichten für Freitag: Dunstig und wechselnd bewölkt, kühl, regnerisch.

Lufttemperaturen am 19. September: mittags 21,7 Grad Celsius, abends 16 Grad; am 20. September: morgens 12,8 Grad. Maximum 22,6 Grad, Mini­mum 8,7 Grad.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VIII. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

NIVEA

7035

mild, leicht schäumend, ganz wundervoll Im Geschmack.