Ur. 220 Erster Blatt
M Jahrgang
Donnerstag, 20. September 1934
Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle
Monats-Bezugspreis:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt
Hernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen
Postscheckkonto:
Stattffurt am Main 11686
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vriihl'sche Univerfitats-Vuch und Ziemdruckerei R. Lange in Giehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: §chulstrahe 7
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Dormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/n mehr
Lrmähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rps., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Tschechische ArbeitSbaiaillone.
Die Idee des A r b e i t s d i e n st e s, der seit der nationalsozialistischen Revolution unter der Führung des Staatssekretärs Oberst Hier! eine in aller Welt beachtete Formation geworden ist, wirkt vor allem in den Nachbarstaaten des Reiches stark und richtunggebend auf deren Maßnahmen zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit ein. Während besonders in den sogenannten „demokratischen" Staaten der deutsche FAD. dauernd als militärische Organisation verdächtigt worden ist und als eine Tarnung militaristischer Bestrebungen hingestellt wurde, scheint man jetzt in einzelnen Staaten den sittlichen Begriff des Arbeitsdienstes wenigstens teilweise zu begreifen.
Bezeichnenderweise sind Ansätze zu einer Nachahmung des FAD. zunächst in der Tschechoslowakischen Republik in größerem Ausmaß festzustellen. Das ist besonders deshalb bemerkenswert, weil gerade in diesem Staate Angehörige des reichsdeutschen FAD. vielfach als staatsfeindliche Elemente abgeurteilt worden find, wenngleich sie eindeutig nachweisen konnten, daß der FÄD. keineswegs eine militärische oder gar eine gegen fremde Staaten gerichtete Formation ist. Die Erwerbslosigkeit, die aber auch in anderen Ländern .ein fast unlösbares Problem darstellt, zwingt diese .Länder alle jene Maßnahmen nachzuahmen, die das ^Deutsche Reich in mustergültiger Weise bereits ange- iwendet hat, um der verheerenden Wirkungen der 'Arbeitslosigkeit Herr zu werden.
In der Tschechoslowakei herrscht besonders in den «deutschen Gebieten und auch in einigen größeren »tschechischen Städten ebenfalls eine außerordentlich «große und feit Jahren dauernde Erwerbslosigkeit. 'Trotz der insbesondere von den Marxisten gegen öbie Idee des Arbeitsdienstes vorgebrachten Einwen- Lduungen ist es in der letzten Zeit zur E r r i ch - ti u n g von Arbeitsdien ft lagern gekommen. lAber auch in dieser Frage spielt die nationale ^Zusammensetzung der Tschechoslowakei eine her- worragende Rolle. Während der Gedanke des FAD. iiim tschechischen Volke mit Ausnahme der «marxistischen Gruppen mit allen staatlichen Mitteln oge fördert wird, beobachtet die tschechische -Staatsverwaltung ähnliche Bestrebungen i m sudetendeutschen Gebiet (das in seiner aveitous größeren Not die Errichtung von Arbeits- ager noch viel nötiger hätte als die tschechischen Landstriche) mit offenkundigem Argwohn und stellt »ihnen fast unüberwindbare Hindernisse entgegen.
Im tschechischen Gebiet sind vornehmlich i n sPrag und in Theresienstadt tschechische Arbeitslager entstanden. Die Organisierung dieser Lager ist allerdings so mangelhaft, daß. sie nahezu fficher mit einem Fehlschlage enden müssen. So sind Oie Angehörigen des Prager Lagers darauf angewiesen, in ihren Privatwohnungen zu schlafen. Wie Fabrikarbeiter müssen sie sich dann bei Tages- Beginn an der Arbeitsstätte einfinden. Die von ihnen geleistete Arbeit ist nicht wie im Deutschen Meich solche, die auf kapitalistischem Wege überhaupt nicht durchgeführt werden kann (also z. B. Entwässerung von Mooren, Sümpfen und andere Landgewinnung), sondern Arbeit, die sehr wohl auf loiefem Wege durchzuführen ist und die man so lien gelernten. Arbeitern, die doch auch arbeitslos find, einfach entzieht. Dieses Vor- qehen wurde von den marxistischen Gewerkschaften mit schärfsten Protesten beantwortet. Die Arbeits- mger werden lediglich als lohndrückende Einrich- ungen hingestellt, die nur der nach Arbeit suchenden Bevölkerung Schwierigkeiten machen.
Es fehlt also der sittliche Gehalt dieser tsch'echi- tchen Arbeitsbewegung überhaupt. Es scheint offenbar mit der Mentalität des tschechischen Volkes kaum vereinbar zu sein, daß eine wirklich straffe Organi- ntion des FAD. im Dien ft e der Idee einer Volksgemeinschaft entsteht.
Dazu kommt, daß das demokratische Warteiroefen sich auch auf den Arbeitsdienst- «edanken zersetzend auswirkt. So wird berichtet, !mß in den Prager Arbeitslagern die Angehörigen Iseftimmter politischer Richtungen in eigene Arbeits- Kige zusammengefaßt werden. Ursprünglich wollte nan die Lager ohne jede politische Bindung organi- jseren. Später hat man die Mitglieder des „Sokols" has find die tschechisch-nationalen Turner), der tchechisch-christlichen Turnervereine (des sogenann- fan „Orels"), der sozialistischen Turnvereine (DTJ.) mb der tschechisch-sozialistischen „Freiheitswache" (:.Stra3 svobodu") gesondert zusammengefaßt unb für jebe biefer Glieberungen eigene Arbeitstage aufgestellt. Da sich aber zu wenig Arbeitswil- Iffle meldeten, hat man sich gezwungen gesehen, auch Ar bie Nichtorganisierten eigene Arbeitszüge zu «rrichten. Man begrünbete bie Maßnahme, baß nur ke vier angeführten Organisationen zunächst für l-.e Arbeitslager herangezogen würben, bamit, baß man nur sog. „staatserhaltenbe" Tsche- c e n in ben Arbeitsdienst aufnehmen wolle. Diese Einstellung hat natürlich ben moralischen unb ben erzieherischen Wert bes FAD. völlig zerstört. Dazu k mmt noch, baß bie Mitglieber bes FAD. keine einheitliche Tracht tragen unb baher auch f-jinc innerliche Haltung gewinnen. Die große er- z^herische Wirkung, bie in ber gleichmäßigen Be- ijinblung aller Arbeitswilligen liegt, ging vollkom- irzn verloren.
An ben sudetendeutschen Gebieten hat brr Arbeitslagergedanke eine weitaus größere J |eflüfd)e Bereitschaft gefunben. Dort hinbert roieber i - r Argwohn ber Tschechen bie Entwick- ! luig biefer Bewegung anbauernb. Die Tschechen ic-muten in ber Organisation bes subetenbeutschen MD. bie Ausbreitung „hitleristischer" Organisa- ismen, bie sie mit allen Mitteln zu unterbrücken nötig halten. Selbst' bas Arbeitslager ■ r deutschen Hochschüler in Prag — Crotta, das zum Bau eines Sportplatzes emge-
Der Kührergedanke hat gesiegt.
Ein Nachwort zum Nürnberger Parteitag.
Von Dr Wilhelm Krick, (sseichsminister des Innern.
Der Nürnberger Parteitag war ein glanzvoller Höhepunkt der Parteiarbeit und ein überwältigendes Bekenntnis zum Führer. Die Parteitage ber NSDAP, finb etwas ganz anberes als bie Kongresse ber verflossenen Parteien. Währenb biese in bumpfen Versammlungssälen um taktische Fragen zankten unb ber Spaltpilz spitzfinbiger Redens- arten bas Gefüge bürftiger Organisationen sprengte ober bie bescheibensten Ansätze zu Volksbewegungen zu Boben drückte, hat die NSDAP, von ihrem ersten Parteitag in München 1923 angefangen, ihre großen Parteitage in aller Öffentlichkeit mit Aufmärschen und Kundgebungen veranstaltet und damit dem deutschen Volk die Bewegung gezeigt. Die Parteitage der Nationalsozialisten waren seit jeher die große Heerschau vor dem Führer und das Bekenntnis zu seiner Idee. Mit vollem Bewußtsein wurden von den Tagungen ebenso wie von den Versammlungen der Partei zersetzende Wechselreden und sinnlose Antragsstellerei, die doch niemals eine andere Wirkung als die der Unsicherheit und Zerstörung gehabt haben, ferngehalten.
Mit der NSDAP, hat der Führergedanke auf der ganzen Linie gesiegt. Niemand war gezwungen, sich dem Führer zu unterstellen; wer sich ihm anschloß, tat es freiwillig, unterstellte sich seiner Führung und trat in die Reihen seiner Bewegung. Wer so Mitkämpfer geworden war, mußte es bedingungslos geworden fein ohne Voraussetzungen unb Vorbehalte! ©obalb er aber ein ©lieb und damit ein Kämpfer der P ar - t e i geworden war, mußte er dem Gebot des Führers folgen. Diese Auffassung von Führung und Gefolgschaft hat einen soldatischen Stil, der sich im geistigen und organisatorischen Leben der Bewegung deutlich bemerkbar macht, der jede Versammlung, jeden Aufmarsch, jede Kundgebung und jede Aeußerung der Partei beherrscht und an den Reichsparteitagen seinen gewaltigen, sinnfälligen Triumph feiert.
Dieser Geist mußte siegen. Das Geheimnis dieses Sieges bestand darin, daß Adolf Hitler genau wußte, daß jede Weltanschauung, und mag sie tausendmal richtig sein, nur dann siegen kann, wenn ihre Grundsätze zum Kampfpanier der Menschen geworden sind, die bereit sind, für sie ihr Letztes und für den Sieg ihrer Bewegung selbst ihr Leben hinzugeben. Dieser Geist tritt uns an den Parteitagen plastisch entgegen! Welche Opfer an Zeit und persönlichem Leben, wieviele ungezählte Opfer aller Art haben die Parteigenossen gerade für sie gebracht!
Jeder Parteitag war zugleich das Symbol des Werdens und Wachsens der Bewegung. Wenn man heute, nachdem der große Nürnberger Parteitag von 1934 vorübergezogen ist, darüber nachsinnt, was ihn vor den anderen Parteitagen auszeichnete, und was das Kennzeichnende der vorhergehenden Parteitage war, dann kann man sagen: Der Parteitag von 1923 war der Tag, an dem die NSDAP, zum ersten Male vor die große Oeffentlichkeit der Welt trat, 1926 und 1927 sind die Parteitage der Sammlung aller Kräfte der Bewegung, 1929 ist der Parteitag der großen Kampfzeit der Partei und 1933 der Parteitag des Sieges!
Der Parteitag von 1934 aber war der Tag der Kraft und ber Einigkeit. Sinnfällig trat biese geschlossene Kraft in ben Aufmärschen unb
im Appell ber SA. unb SS. in Erscheinung unb beherrschte ebenso bie Riekenkunbgebung der 180 000 PO., wie er bei dem herrlichen Aufmarsch der Hitlerjugend Gestalt gewann. Am schönsten aber trat diese disziplinierte Kraft bei dem überwältigenden Appell unb bem ungemein einbrucksvollen Vorbeimarsch bes nationalsozialistischen Arbeitsbienst e s vor bem Führer hervor. Unter ber Führung bes Pg. Staatssekretär Hierl ist im Arbeitsbienst eine Organisation entstanden, die zur großen Schule der deutschen Volksgemeinschaft geworden ist, und durch deren Dienst jeder junge Deutsche nach dem Willen des Führers gehen soll. Lebendiger Nationalsozialismus ist hier am Werke und formt den Segen unb bie Würbe ber Arbeit zum großen Erlebnis einer neu heranwachsenben deutschen Jugenb.
Neben diesen großen und eindrucksvollen Kundgebungen, die umbraust von dem Jubel der Hun- derttausende waren, zeugten zahlreiche Sondertagungen aller Art von ber bauernden Vertiefung der Idee, die in immer umfassenderem Maße bas ganze beutsche Volk in allen seinen Berufen unb Geistes
regungen umfaßt. Unb über allen Tagungen stand ber große Kongreß mit ben richtunggebenden Vorträgen, der Proklamation und der großen Rede des Führers. Sie waren in ihrer strengen Zusammenfassung Wille und Bekenntnis.
Der Parteitag der Kraft und Einigkeit hat deutlich der ganzen Welt gezeigt: Die innere Ordnung der Partei ist gefestigter als je, die Gemeinschaft der Kämpfer steht unerschüttert und entschlossen in Einigkeit um den Führer geschart und ist gewillt, alle Kraft in seine Dienste zu stellen. Die Partei ist gewillt, den Kampf um den letzten Deutschen aufzunehmen und auch ihn den Reihen der nationalsozialistischen Anhänger einzugliedern. In zäher Beharrlichkeit werden Staat und Partei zur unüberwindlichen Einheit im Dienste der Nation und des Führers geschmiedet.
Der Führer hat am Nürnberger Parteitag den Weg in die Zukunft gewiesen. Der Reichsparteitag hat ihm begeisterter zugejubelt als jemals zuvor und ihn als den Retter und Einiger ber Nation gefeiert. In alter Gefolgschaftstreue folgen wir bem Führer!
Das deutsche Volk wünscht die Verständigung mit Frankreich Der Stellvertreter des Führers fordert die französische Regierung auf, sich ebenso klar für eine Verständigungspolitik auszusprechen.
Rudolf Heß an einen französischen Journalisten.
Paris, 19. Sept. (DNB.) Der „3ntranfigeanf“ veröffentlicht eine Erklärung, die der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß dem Vertreter des Blattes auf dem Nürnberger Parteitag, Lucian Cernas, gegeben hat. Diese Erklärung ist von Rudolf heh persönlich gegengezeichnet. Das Blatt veröffentlicht gleichzeitig das Faksimile einer kurzen schriftlichen Erklärung von Rudolf Heß folgenden Wortlautes: „Eine Verständigung mit Frankreich ist bei gutem Willen auf beiden Seiten meines Erachtens unbedingt möglich."
Rudolf heh erklärte dem Vertreter des Blattes u. a.: „Die Ciebe Hitlers für den Frieden ist durch die Gröhe seiner moralischen Persönlichkeit gesichert. Ich kenne den Führer seit 1920. Ich bin eines der er st en Mitglieder der Partei gewesen und war ebenso wie der Führer verhaftet und auf sechs Monate in der Festung Cands- berg. Ich war in guten und schlechten Tagen an seiner Seite. Ich weih, dah er für Deutschland grohe Pläne und grohe Pflichten hat. die in seinen Augen viel wichtiger sind als Erfolge, die er mit den Waffen erzielen könnte. Er will auf geistigem Gebiet Großes für sein Volk und damit für die ganze Welt schaffen. Und Erfolge wie die, die er
schon im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit erzielt hat — und hier handelt es sich um einen friedlichen Sieg — sind für ihn die s ch ö n st e n Verwirklichungen. Sein Nationalsozialismus wird den schönsten Ausdruck im Bau von Strahen und grohen Neuschaffungen finden. Für die grohen Aufgaben, die er sich auf den meisten Gebieten gestellt hat und ganz besonders auf dem Gebiete der Kunst — denn er ist Künstler von Natur — braucht er Frieden und Ruhe für sein Volk.
Eine Verständigung mit Frankreich ist bei gutem Willen auf beiden Seiten meines Erachtens nach unbedingt möglich. Und es ist unbestreitbar, dah das deutsche Volk diese Verständigung wünscht. Es ist bezeichnend, dah kein anderer Passus der Repe des Führers so starken Beifall bei den Zuhörern ausgelöst hat als die Erinnerung an seinen Wunsch nach einer Verständigung mit Frankreich, dem er in seiner kürzlichen Rede in Koblenz Ausdruck gegeben hat. Ich weih sehr wohl, dah dah das französische Volk in seiner Mehrheit ebenfalls eine Verständigung wünscht. Ich mochte aber, dah sich auch die französische Regierung ebenso klar, wie es die Reichsregierung getan hat, und sobald wie möglich für eine Verständi- gungspolitlk ausspricht, um praktische Verwirklichungen möglich zu machen.
richtet wurde, hatte mit ben größten Schwierigkeiten zu fämpfen. In ben subetenbeutschen Gebieten, in benen eine maßlose Arbeitslosigkeit herrscht, bie zum Teil größer ist, als sie jemals in ben schlimmsten Krisengebieten bes Deutschen Reiches war, konnten bie Arbeitslager überhaupt nicht in Betrieb genommen werben. Seitens bes Staates wirb diese sudetendeutsche Arbeitslagerbewegung nicht nur nicht gefördert (woran die Sudetendeutschen ja schon zur Genüge gewöhnt wären), sondern im Gegenteil in jeder nur möglichen Weise gehindert. Lediglich einzelne deutsche Städte unterstützen von sich aus bie Lager; sie finb aber infolge ihrer trostlosen finanziellen Verhältnisse kaum imstande, die Errichtung großzügiger Arbeitslager durchzuführen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß in der Tschechoslowakei sowohl die politischen Verhältnisse im tschechischen Volk, als auch der nationale Argwohn der Tschechen den Deutschen gegenüber die Verwirklichung des Arbeitsdienstgedankens hinderlich im Wege stehen. Da der tschechische Staat auch eine straffe Durchorganisation des FAD. offenbar aus Scheu vor allzu starker Nachahmung des deutschen Musters nicht für wünschenswert halt, dürfte der Arbeitsdienst hier keine Zukunft haben. Das ist insbesondere mit Rücksicht auf die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Sudetendeutschen außerordentlich bedauerlich da gerade dort ohne durchgreifende Hilfe des Staates und ohne Anwendung °Üer Kampfesmk; Hoden gegen die Arbeitslosigkeit m absehbarer Zeit eine Besserung der Wirtschaftslage nicht erreichbar ist.
Sine Erklärung der OAK.
Berlin 19. Sept. (DNB.) Wie die Deutsche Arbeitsfront mitteilt, ist die Amtsenthebung des Ba Busch weder auf ehrenrührige Machenschaften' noch auf ein Versagen in den Leistungen zu-
rückzuführen. Es handelt sich hier vielmehr um einen Verstoß gegen die Selbstd iszipli n, die von einem nationalsozialistischen Führer erwartet werden muß.
Oer Oöbelner Grst- und Hochverratsprozeß.
17 Kommunisten vom Vottsgericht abgeurteilt.
Jrn Hochverrats- und Giftprozeß gegen die 17 vor dem Zweiten Senat des Volksgerichtes unter Anklage stehenden Kommuni - ft e n aus Döbeln (Sachsen) und Umgebung wurde jetzt das Urteil verkündet. Der 44jährige Hauptangeklagte Robert Wölfel erhielt unter Einbeziehung der gegen ihn vom Landgericht Freiberg in Sachsen verhängten Strafe insgesamt zehn Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Außerdem wurde die Sicherungsverwahrung gegen ihn angeordnet. Zehn weitere Angeklagte erhielten wegen Beteiligung an der Zyankali- und Waffenbeschaffung sowie an der Vorbereitung der Sprengstoffdiebstähle Zuchthaus- ftrafen von drei bis anderthalb Jahren neben entsprechenden Ehrenstrafen. Die höchste Strafe von sieben Angeklagten erhielt der 28jährige Josef N o w a ck, der als Staffelführer des kommunistischen Kampfbundes eine Versammlung einberufen hatte, in der über die Verwendung säuregefüllter Glühbirnen als Wurfgeschosse im politischen Tageskampf beraten wurde. Vier Angeklagte, darunter der kommunistische Ortsgruppenleiter Georg G e - ro 1 d, kamen mit Gefängnisstrafen von anderthalb bis zu einem Jahr davon. Bei Gerold hatte das Gericht zwar keinen Zweifel darüber, daß er führend tätig war, er scheint aber mit dem Kampfbund nicht in so enger Verbindung gestanden zu!
haben, daß er für die in diesem Kreise geschmiedeten Pläne als mitverantwortlich gelten kann. Gegen den Dieb des Zyankalis Kurt B ü r f n e r wurde das Verfahren eingestellt, da der Giftdiebstahl bereits vor dem Stichtage des Straffreiheitsgesetzes vom 20. Dezember 1932 erfolgt ist und dieser Angeklagte an den hochverräterischen Plänen der Döbelner Kommunisten unbeteiligt war. Der Leiter der Schießabteilung wurde freigesprochen, da die von ihm geleitete Schietzabteilung polizeilich genehmigt war. Den Verurteilten wurde die Untersuchungshaft in beträchtlichem Umfange angerechnet.
Memel klagt in Gens.
Eine Beschwerde an die Garantiemächte des Memelstatuts.
Genf, 19. Sept. (DNB.) Die Lage im Memelgebiet hat sich außerordentlich verschärft, ohne daß die Unterzeichnermächte des Memelabkommens — England, Frankreich, Italien, Japan — bisher eingegriffen haben. Nun ist der Vizepräsident des Memelländischen Landtages Schulrat Meyer in Genf eingetroffen, um die Unterzeichnermächte auf die Verletzung des Memelstatuts aufmerksam zu machen. Er hat diesen Mächten eine Beschwerde übermittelt, in der die Lage im Memel- gebiet eingehend geschildert wird und die nötigen Unterlagen und Dokumente beigefügt sind. Die Ausübung des Beschwerderechts ist für die Bewohner des Memelgebietes dadurch außerordentlich erschwert worden, daß sie Gefahr laufen, wegen einer solchen Handlung mit vier Jahren Zuchthaus b e- ft r a f t zu werden. Der „Berner Bund" schreibt: „Es wäre dringend zu wünschen, daß die für die Durchführung der Autonomie im Memelgebiet verantwortlichen Großmächte den gesetzwidrigen Zustand mit allen zu Gebote stehenden Mitteln baldigst beseitigen.


