angelegenheiten: Ludwig Fischer, Gießen; Gustav Lochmann, Villingen; Konrad Pfeffer, Lollar.
e) Zum Beisitzer in Streitigkeiten über Jagd, Fischerei und Gewinnung von Bodenbestandteilen: Forstmeister Lipp, Gießen; Förster Heß, Leihgestern.
f) Zum stellvertretenden Beisitzer wie bei e): Erbprinz Otto zu Solms-Hohensolms-Lich; Ober- sorstmeister Eckstein, Grünberg.
g) Zum stellvertretenden Beisitzer für I a g d - und Fischereiangelegenheiten: Förster Bechtold, Hochwart bei Gießen.
h) Zum stellvertretenden Beisitzer in Streitigkeiten über die Gewinnung von Bodenbestand' teilen: Förster Karl Buttron, Röthges bei Gießen. Maßnahmen zur Beschäftigung arbeitS-
und erwerbsloser Iungakademiker.
Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft hat unter der Bezeichnung „Wissenschaftliche Akademikerhilfe" seit einer Reihe von Monaten eine Aktion in die Wege geleitet, die der Erhaltung der Arbeitskraft erwerbsloser Akademiker dienen soll. Es wird den Teilnehmern an den in Frage kommenden Arbeiten, die ausschließlich wissenschaftlicher Natur sind, Gelegenheit geboten, ihre Fachkenntnisse zu erweitern und auszubauen. Die Teilnehmer werden in Arbeitsgruppen zusammengefaßt und bilden nach Möglichkeit geschlossene Lager. Die Finanzierung der gesamten Aktion hat die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung übernommen.
Nachdem derartige Arbeitsgruppen in Schlesien und Sachsen mit Erfolg gearbeitet haben, hat die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft nun auch in Hessen den Einsatz einer derartigen Gruppe genehmigt, die sich in der Hauptsache mit Forschungsarbeiten über die wirtschaftliche Erschließung des Lahntales beschäftigen wird. Die Arbeiten werden in enger Anlehnung an das Institut für Wirtschaftswissenschaft der Universität durchgeführt; ihre wissenschaftliche Leitung hat Professor Bechtel.
Abmarsch zum Truppenübungsplatz.
Am kommenden Montag, 23. Juli, rückt unser Gießener Bataillon nach dem Truppenübungsplatz Heuberg ab. Der Abmarsch zum Bahnhof erfolgt um 16 und 18 Uhr ab Neue Kaserne. Der Marsch wird durch folgende Straßen gehen: Licher Straße, Ludwigsplatz, Gartenstraße, Hindenburgwall, Horst- Wessel-Wall zum Güterbahnhof.
Zieht der Storch schon fort?
Aus unserem Leserkreis erhalten wir folgende Zuschrift:
In wunderbarem Flugspiel überflogen gestern um 14.15 Uhr acht Hausstörche (liconia ciconia) den Osten unserer Stadt in schönem Schwebefluge dem Süden zu. Sollte unser lieber Freund Adebar uns schon für den Winter verlassen, so wäre das in dieser Jahreszeit sehr früh, denn der eigentliche Zug ist in den Monaten August bis September. Anzunehmen wäre aber, daß durch die große Trockenheit die Beutetiere in den nassen Brüchen und Wiesen nicht in genügender Menge vorhanden sind und so die Vögel gezwungen werden, besseres Gelände zur Atzung aufzusuchen. Zahlenmäßig ist es sehr zu begrüßen, daß die Störche in dieser Anzahl wieder vorhanden sind, denn in den letzten Jahren konnte man nur von dem ständigen Ab- nehmen des beliebtesten Volksvogels hören und die Vögel nur als Einzelflieger beobachten. Hoffen wir, daß der schöne Vogel sich vermehrt und durch sein Schnabelgeklapper zur Belebung unseres ländlichen Idylls beiträgt.
Bornotrzen.
— Tageskalender fü r Freitag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Leise flehen meine Lieder". — VHC., 20.30 Uhr, Monats-Versammlung.
*
** Offene Lehrer st ellen. Wie die Mi- nisterialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum bekanntgibt, sind folgende Lehrerstellen erledigt: im Kreis Oppenheim: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Gau-Weinheim; eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Ober-Hilbersheim; Dienstwoh
nungen sind vorhanden und sofort beziehbar; im Kreis Alzey: die Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Wahlheim. Die Dienstwohnung ist neu yergerichtet; im Kreis Friedberg: eine Schulstelle für einen katholischen Lehrer an der Volksschule in Rockenberg; Dienstwohnung ist vorhanden und sofort beziehbar. Meldungen von Anwärtern, die nicht mindestens 8 Jahre die Prüfung abgelegt und eine Anwärterdienstzeit von mindestens 5 Jahren zurückgelegt haben, sind zwecklos.
** Sonntagskarten der Biebertalbahn schon am S a m s t a a n a ch m i tt a g zur Rückfahrt frei. Man schreibt uns: Auf Grund einer Eingabe der Gießener Wandervereine, die von der Kreisleitung der NSDAP. Gießen in dankenswerter Weife unterstützt wurde, können die von der Biebertalbahn ausgegebenen Sonntagskar-
Der siegreiche Vormarsch gegen die deutsche Arbeitsnot sand tatkräftige Unterstützung durch die Arbeitsbeschafsungs- l o t t e r i e n. Die derzeitige Lotterie findet ihren endgültigen Abschluß am 2 1. 3 u H , dem Ziehungs- tage. Wenn man seinem Vaterlande seine Mithilfe nicht versagen will, so nehme man noch eines der letzten Arbeitsbeschaffungslose, die mit Gewinnaussichten nicht sparen.
ten in das Biebertal von jetzt ab bereits am Samstagnachmittag zur Rückfahrt benutzt werden. Damit ist der wanderfreudigen Bewohnerschaft Gießens in erhöhtem Maße die Möglichkeit gegeben, am Samstagnachmittag Wanderungen in das landschaftlich schöne Biebertal zu unternehmen.
**Beim Baden in der Lahn tödlich verunglückt. Einem tragischen Unglücksfall ist gestern gegen 12.30 Uhr in der Nähe der Badenburg ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen. Der stellunglose 24 Jahre alte Kaufmann Heinrich R a u aus Annerod nahm in der Lahn in der Nähe der Badenburg in Gemeinschaft mit einem jungen Manne aus Wißmar ein Bad. Als der Wißmarer gerade zum Ufer zurückgekehrt war, hörte er hinter sich einen Schrei und gewahrte gleich darauf, daß fein Gefährte Rau in den Fluten versank und nicht wieder hochkam. Erst gegen 16 Uhr konnte der bedauernswerte junge Mann aufgefunden und als Leiche ans Ufer gebracht werden. Vermutlich hat ein Herzschlag dem Leben des Verunglückten ein rasches Ende bereitet.
** Verkehrsunfall. Am Mittwoch ereignete sich in der Kaiserallee ein Motorradunfall. Der 30jährige Elektrotechniker Willi S ch l a u d r a f f, der als Beifahrer auf einem Motorrad saß, stürzte dabei so schwer, daß er einen Unterschenkelbruch erlitt und in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte. Der Führer des Motorrades kam mit leichteren Verletzungen davon.
** Wiedersehensfeier der Kameraden des ehemaligen IV. (später II.) Hess. Bat! 5. L d w. - I n f. - R e g t s. 8 7. Beim Hessischen Soldatentag in Darmstadt trafen sich mehrere Kameraden dieser ehem. Feldformation, und bei allen wurde der Wunsch laut, doch jetzt endlich — 20 Jahre nach dem damaligen Zusammentreten — eine Wiedersehens-Veranstaltung in die Wege zu leiten. Die mit ben Vorarbeiten beauftragten Kameraden haben nun Sonntag, 12. August, als Tag des Wiedersehens festgelegt und als Lokal das Restaurant Georg Christ, ,Kaisersaal" in Darmstadt, Grafen- straße 18/20. Den musikalischen Teil hat dsr ehemalige Bataillons-Tambour, Kamerad Val. Seitz in Ober-Roden, mit feiner Kapelle übernommen. An alle Kameraden ergeht die Aufforderung, am genanten Tage vormittags etwa 10 bis 11 Uhr sich mit ihren nächsten Angehörigen einzufinden. Kameraden, gebt diese Nachricht an alle Kameraden weiter und sorgt dafür, daß alle erscheinen! Es soll ein frohes Wiedersehen werden!
** „Hier kaufen S i e beim Fachmann." Eine Klärung der Frage, wer sich als „Fachmann" bezeichnen darf, hat das Eignungsamt für Wettbewerbsstreitigkeiten der Handwirkskammer und Industrie- und Handelskammer Berlin herbeige-
Abenteuer in Kaukasien.
Von Hans Niebau.
Butterly, feit zehn Jahren Geschäftsführer einer Cookfiliale in Deutschland, vordem aber Distriktsgouverneur in Indien, hatte soeben — wie immer mit einem verhaltenen Gähnen im Halse — die Geschichte von der berühmten Tigerjagd erzählt. Wir alle kannten die Geschichte seit langem, und wenn auch so Stücker 15 bis 20 Tieger dabei ihr Leben lassen mußten — es wurden im Laufe der Jahre allmählich immer mehr — so waren wir doch froh, daß der stille Dr. Grainger, der nachweislich die letzte Himalaya-Expedition mitgemacht hatte, endlich einmal aus feiner Zurückhaltung herausging und sich bereiterklärte, die aufregendste Begebenheit seines Lebens zu erzählen. Uns mochte dabei eine schlimme Geschichte vorgeschwebt haben, in deren Verlauf sich vielleicht unbekannte tibetanische Bergvölker auf die frosterstarrte Expedition stürzten, und rorr waren ein wenig enttäuscht, als Dr. Grainger folgendermaßen anfing zu erzählen:
„Mein aufregendstes Grlednis hat sich sozusagen mitten im Bereich der Zivilisation und beinahe sogar im komfortablen Schlafwagen eines Schnellzuges abgespielt. Unsere Gxpedition war damals soweit fortgeschritten, wie heute die deutsche Gxpedition, als sich — die näheren Umstände sind hier belanglos — die Notwendigkeit ergab, daß ich in besonderem Auftrag nach Deutschland fahren mußte. Ich fuhr also auf dem Landweg — es ist immerhin nicht ganz einfach — nach Berlin, erledigte meinen Auftrag, und dann ging es auf demselben Wege zurück.
Auf dieser Reise geschah nun — ich kann es nicht anders nennen, meine Herren — das Gesetzliche. Ich befand mich in einem Abteil erster Klasse im (vchnellzug Taganrog—Baku. Gs mar gegen 22 Uhr, die Nacht war — merkwürdig früh, dachte ich — völlig hereingebrochen, und der Schaffner hatte die Polster bereits in Betten verwandelt.
In dem Augenblick, als ich anfang mich auszuziehen, knirschten plötzlich die Bremsen des Zuges. Der Wagen vibrierte, schüttelte, ächzte. Dann stand der Zug. Nun — Dr. Grainger fuhr sich mit dem Taschentuch über die Stirn — es war an sich nichts besonderes, daß ein Äug in der kaukasischen Steppe einmal hält. Irgendein Hindernis mochte auf der Strecke liegen, irgendein Signal nicht in Ordnung sein. Ich zog mich weiter aus. Als aber der Zug fünf Minuten gehalten hatte, und draußen, in der Nacht, ein paar Stimmen laut wurden, ein
Laternenschein hin und her huschte, ergriff mich plötzlich eine seltsame Unruhe. Ich versuchte das Fenster zu öffnen; aber soviel ich auch rüttelte und zerrte, es ging nicht. — Seltsam — dachte ich —, am Nachmittag noch genügte ein Ruck am Riemen, um den Rahmen herunterzulassen, und jetzt--?
Diese Feststellung, Sie können es sich denken, verstärkte meine Unruhe. Ich verließ, nur mit Hemd, Hose und Lederpantoffeln bekleidet, das Abteil, ging zögernd den Gang hinunter, öffnete — immer noch zögernd — die Tür, und plötzlich — ich weiß selbst nicht, was ich mir dabei gedacht hatte— stand ich draußen auf den Schienen. Die Nacht umfing mich wie ein unheimliches Gtroas. Kein Mond, fein Stern durchbrach die Dunkelheit. Auch die Laternenlichter waren verschwunden, und die Stimmen, die ich vor kurzem noch gehört hatte, verstummt. Die Dunkelheit und das Schweigen legten sich wie ein Alp auf die Brust. Ich machte ein paar Schritte, um das Trittbrett wieder zu erreichen, als es plötzlich einen klirrenden Ruck gab: der Zug hatte sich in Bewegung gesetzt. Halloh! rief ich und fing an zu laufen. Aber mit Lederpantoffeln auf Schotter- steinen laufen, ist nicht leicht. Kurz und gut, ich fiel, schlug mir das Gesicht blutig, und als ich mich, vor Schmerz stöhnend, aufrichtete, sah ich das Schlußlicht des Zuges wie ein Gespenst durch die Nacht tanzen."
Dr. Grainger machte eine Pause. Wir saßen, mit vorgebeugten Köpfen, da und hatten sogar das Rauchen vergessen.
„Nun", fuhr Dr. Grainger schließlich fort, „im ersten Augenblick beschäftigte ich mich noch mit meinem zerschundenen Gesicht. Dann aber fing mein Gehirn an zu arbeiten: ich, der reichsdeutsche Grainger, befand mich, in Hemd und Hose, ohne Paß, ohne Geld, ohne Wasser und Nahrungsmittel, ohne Sprachkenntnisse mitten in der kaukasischen Steppe. Gs war — soeben hatte ich es festgestellt — 22 Uhr- Kasbek, die nächste Station, sollte um 0.30 Uhr erreicht werden. Sie war also etwa 200 Kilometer von meinem Standort entfernt. Den letzten Bahnhof hatten wir um 18 Uhr passiert. Gs war demnach über 300 Kilometer weit. Ich war — um es deutlich zu sagen — verloren."
Zum zweiten Male fuhr sich Dr. Grainger über die Stirn. „Ich will nicht viel Aufhebens von der Gefahr als solcher machen", fuhr er dann fort. „Wir alle haben wohl, wahrscheinlich mehr als einmal, vor und in einer Situation gestanden, die uns hoffnungslos erschien. Das Furchtbare meiner Lage war nicht die eigentliche Grfenntnis, sondern das Furchtbare waren die Stunden dieser Nacht, die
führt. Es waren Schilder mit der Aufschrift „Hier kaufen Sie beim Fachmann" beanstandet worden. Das Gignungsamt fjat die Auffassung vertreten, daß die Angabe „Fachmann" nur dann zulässig fei, wenn der Geschäftsinhaber diese Eigenschaft durch vorschriftsmäßige Lehrzeit und erforderliche Gesel
len- und Meisterprüfung nachgewiesen habe. Vom Reichsstand des Handwerks wird hierzu auf Bestre- bringen verwiesen, besondere Kennzeichen für Fachleute zu schaffen, die an den Geschäften, auf Briefbogen ufro. anzubringen sind.
Oer Vierte 446er-Tag in Gießen
Nach einer Mitteilung des Gmpsangs- und Verkehrsausschusses des Vierten 116er-Tages in Gießen findet der
Empfang der von auswärts kommenden Kameraden am Sonntagvormittag von 7 Uhr ab
statt. Die Sonderzüge, deren Benutzung mit einer 60-v.H.-Fahrpreisermäßigung verbunden ist, verkehren nach folgendem Plan:
Fahrt nach Gießen:
Büdingen ab 5.21 Uhr Gießen an 7.11 Uhr
Lauterbach „ 5.42 „ „ „ 7.34 „
Frankfurt „ 6.40 „ „ „ 8.50 „
Rückfahrt:
Gießen ab 19.50 Uhr Büdingen an 21.17 Uhr
„ „ 20.12 „ Lauterbach „ 22.17 „
„ „ 19.47 „ Frankfurt „ 21.29 „
Die Zeit zwischen der Ankunft der verschiedenen
Sonderzüge, wird von der zum Gmpfang am Bahnhof in der Uniform des alten 116er-Regiments erschienenen Kapelle mit Platz musik auf dem Bahnhofsplatz ausgefüllt.
Vom Musik- und Devgnügungsausschuß wird uns mitgeteilt, daß
die feierliche Einholung der alten Regimentsfahnen
durch die 2. Kompanie am Samstag um 17.30 Uhr folgende Straßen nimmt: Bahnhofstraße, Lie- bigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Sonnenstraße, Schulstraße, Marktplatz, Kirchenplatz, Lindenplatz, Walltorstraße, Hitlerwall, Landgrafenstraße.
Da allen in Gießen weilenden ehemaligen 116ern ufw. die Möglichkeit gelben werden soll, das 116er - Denkmalzu sehen, wird
der Festzug über den Landgraf-Philipp-'plah geführt. Gs war deshalb nicht möglich, den Festzug 'durch den Seltersweg zu leiten, weil dies für die teilweise sehr alten 116er zu anstrengend sein würde. Der Seltersweg hat die hohe Ehre, am Samstagnachmittag den feierlichen Ei n m a r s ch der alten 116er Regimentsfahnen mit klingendem Spiel zu sehen und zu hören. Außerdem wird die Musikkapelle in der alten 116er-Friedens- uniform am Sonntag gegen 8 Uhr und 9.30 Uhr mit den auswärtigen Kameraden den Seltersweg passieren.
Beim Generalappell
am Sonntag um 10 Uhr vor der Volkshalle wird die Reichswehr-Ehrenkompanie (2. Kompanie) mit den enthüllten 116er - Fahnen anmarschieren.
Nie Aufstellung des 416er Festznges.
1. Gruppe: Oswaldsgarten, Anmarsch durch die Kirchstraße.
2. Gruppe: Spitze Turnhalle, Anmarsch Stein« straße, Weserstraße.
3. Gruppe: Spitze Weserstraße, Anmarsch Steinstraße, Schottstraße.
Verbände und Vereine wollen genau auf diese Anweisungen achten.
Keine Feierabendstunde am 116er-Tag.
Die Polizeidirektion Gießen teilt mit, daß aus Anlaß des 116er-Festes die Feierabendstunde für Samstag, 21. Juli, und Sonntag, 22. Juli, aufgehoben wird.
Das neue Reichsjagdgesetz.
I.
Es blieb der raschen Arbeit der Regierung des Dritten Reiches vorbehalten, das seit Jahrzehnten von der deutschen Jägerei ersehnte deutsche Jagdrecht zu schaffen und auch dieses schwierige Rechtsgebiet für das ganze Reich umfassend zu regeln und somit die vollkommen zersplitterte Gesetzgebung der bisherigen einzelnen Länder zu beseitigen.
Romantik und rauhe Wirklichkeit stoßen im Jagdwesen hart aufeinander. Welch ein Unterschied zwischen dem Wirken des echten Weidmannes, des Hegers und Pflegers der jagdbaren Kreatur, und dem verwerflichen Treiben des Schießers und Schlingenstellers!
Mit einer fast poetisch zu nennenden Einleitung ist das neue Reichsjagdrecht im Reichsgesetzblatt verkündet worden, ganz im Gegensatz zu anderen Gesetzen, die nur in ihrem nüchternen Gesetzestext veröffentlicht zu werden pflegen. Die Einleitung wurde bereits an dieser Stelle bekannt gegeben. (Siehe den Aufsatz in Nr. 159, Blatt 3 des „Gießener Anzeigers".)
Der Geburtstag des Reichsjagdgesetzes ist der 3. Juli 1934. In einzelnen Teilen, hinsichtlich der sachlichen Jagdverbote, des Aufbaus der Jagdver- roaltung, gewisser Sonderregelungen, sowie der Ueberleitungs- und Durchführungsvorschriften trat es bereits am folgenden Tage in Kraft.
Bei der großen Bedeutung des Gesetzes nidjt nur für die deutsche Jägerwelt, sondern auch für die Gemeindeverwaltungen, jeden Grundbesitzer, den Wildhandel und nicht zuletzt auch für die Freunde der deutschen Landschaft und ihrer jagdbaren Tierwelt, erscheint es wünschenswert, die Allgemeinheit mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen eingehend bekannt zu machen, auch insoweit
nicht nur die Interessen der Jägerei in Betracht kommen.
Der Inhalt des Jagdrechts ist die ausschließliche Befugnis, jagdbaren Tieren nachzustellen, sie zu fangen oder zu erlegen und sich anzueignen. Weiter umfaßt das Jagdrecht auch die. ausschließliche Befugnis, sich verendetes Wild, Fallwild und Abwurf st an- g e n (bisher in manchen Ländern in freier Wildbahn dem Finder gehörend), sowie die Eier jagd-. baren Federwilds anzueignen und die Gelege nicht geschützter Raubvögel zu zerstören. 'Hierbei unterliegt das Jagdrecht den im Reichsjagdgesetz niedergelegten Beschränkungen.
Das jagdbare Wild.
Als „jagdbare Tiere" (Wild) bezeichnet das Gesetz folgende Wildarten: Wisent (im Volksmund Auerochs), Elch-, Rot-, Dam-, Sika- (eine mittelgroße, rötlichbraune japanische Hirschart), Stein-, Muffel-, Reh-, Gems- und Schwarzwild, Murmeltiere, Hasen, Alpenhasen, wilde Kaninchen, Biber, Robben, Ottern, Dachse, Füchse, Wildkatzen, Edelmarder, Steinmarder und Iltisse. Die aufgeführten Wildarten umfassen das jagdbare Haarwild.
Als jagdbares Federwild werden bezeichnet: Auer- und Birkwild, das Rackeiwild (Bastard zwischen Birk- und Auerwild), Haselwild, Schneehühner, Steinhühner, Wildtruthühner, Rebhühner, Wachteln, Fasanen, wilde Tauben, Drosseln (Kram- metsDögel), Schnepfen, Trappen, Brachvögel (eine Sumpfvogelgattung), Wachtelkönige, Kraniche, Tag- und Nachtraubvögel, wilde Schwane, wilde Gänse, wilde Enten und alle anderen Sumpf- und Wasser- DÖqel.
Auch andere Tiere können als jagdbare Tiere durch eine Ergänzungsverordnung bestimmt werden.
In der Zahl des jagdbaren Federwilds sind der
nun folgten. Ich humpelte in meinen Lederfchuhen den Bahnsteig entlang. Gs war fo dunkel, daß ich nicht drei Meter weit sehen konnte. Ich fiel über ein Hindernis, ohne erkennen zu können, roas es eigentlich war. Ich stand auf, ging weiter, fiel. — Warum — dachte ich —, warum gehst du? 200 Kilometer sind es bis zur nächsten Ansiedlung, 200 Kilometer! — Dann schleppte ich mich, obgleich auch das sinnlos war, die Strecke zurück. Ich versuchte zu denken. Gab es noch irgendetwas zu tun? Ich hörte mich selbst schreien und schalt mich im selben Augenblick einen Narren. Schrie ich, um in Kasbek, 200 Kilometer weit, gehört zu werden?
Die Nacht stand vor mir wie ein Brett. Ich sank zusammen. Irgendetwas raschelte. — Natürlich — dachte ich —, Tiere gibt es immerhin in der kaukasischen Steppe. Vielleicht Wölfe, Bären? —
Gine Stunde verging, eine zweite. Ueberall hörte ich — oder glaubte zu hören — wie es raschelte, wie irgendetwas durch das Gras schlich. Wie es atmete. Schließlich ließ ich mich nach hinten auf den Boden sinken und schloß — um nur dieser glotzenden, gespenstischen Dunkelheit zu entgehen — die Augen. Bald darauf verfiel ich in einen nervösen Halbschlaf, aus dem ich immer wieder erwachte, ohne jedoch — eben um die Dunkelheit nicht mehr zu empfinden — die Augen zu öffnen. Bis dann schließlich die Dunkelheit wich, der Morgen anbrach, und--"
Dr. Grainger schwieg. „Nun", ermunterten wir ihn, „und dann--?"
Dr. Grainger hatte ein feines Lächeln um den Mund. „Gs ist ja immer so", sagte er, „daß das Licht des neuen Tages neue Hoffnung bringt. Aber daß der Unterschied von Tag und Nacht, von Verzweiflung und rettender Grfenntnis so groß sein kann, wie in diesem Falle, das, meine Herren, hätte ich nie gedacht. Als ich die Augen aufschlug, stand vor mir ein Mann. Der Mann hatte sich gegen die Tür eines großen Holzgebäudes gelehnt. Gr sprach mich auf französisch an. Ich antwortete, und in kürzester Zeit war ich darüber unterrichtet, daß ich den Zug auf dem Bahnhof von Kasbek, nur — leider — nach der falschen Seite hin verlassen hatte. "
Wir lachten. „Aber Ihre Berechnung?" fragte schließlich Butterly, „Sie konnten doch um 22 Uhr noch gamicht in Kasbek fein?"
„Die Schuld an allem und damit an der aufregendsten Begebenheit meines Lebens", flüsterte Dr. Grainger, „hatte nur meine Uhr. Sie war um 22 Uhr stehengeblieben."
Oer Tovesflug
der „menschlichen Kanonenkugel^.
Gaston Richard, die „menschliche Kanonenkugel", hatte sich schon seit einiger Zeit von seinem gewiß nicht alltäglichen und ungefährlichen Beruf zurückgezogen. Im Alter von 53 Jahren beginnt man, dem kühnen Flug durch die Luft einen gemächlichen Lebenswandel auf der sicheren Muttererde vorzuziehen. Als nun vor kurzem einige feiner Pariser Freunde an den beliebten Akrobaten herantraten, um ihn zu einem Auftreten auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten verkrüppelter Kinder zu bewegen, antwortete der im Dienst des Zirkus altgewordene Gaston Richard: „Ihr wißt recht gut, ich bin mit meinen 53 Jahren ein alter Mann und möchte meine Tage in Ruhe beschließen, um mich von den Anstrengungen meines Berufes zu erholen." Aber er ließ sich dann doch wegen des guten Zweckes bewegen, eine Vorführung zuzusagen. Richard schwur aber, daß dies sein letztes Auftreten sein sollte. Dieses Versprechen hat er leider nur zu wahr gemacht, denn er ist nun einem furchtbaren Unglück zum Opfer gefallen. Wie der Akrobat das von früher gewohnt war, brachte er seine Kanone, auf die sich jahrelang die Augen von tausenden von Zuschauern mit größter Spannung gerichtet haben, zu dem Platz, auf dem sich die Kinder mit ihren Eltern und Pflegerinnen bereits lange vor Beginn der Vorstellung versammelt hatten. Noch einmal stand der „Kanonenkugelmann" in der kleidsamen Tracht eines Seeoffiziers stramm vor seiner sich still verhaltenden Gemeinde, preßte die Lippen zusammen und kletterte unter brausendem Jubel des Publikums in die Mündung des Geschützes. Das Netz, in das er hineingeschleudert werden sollte, lag ausgespannt in einiger Gntfernung. Ginige kurze bange Sekunden, ein Atemanhalten bei den Zuschauern — und die menschliche Ladung sauste durch die Luft. Das beklemmende Schweigen wurde plötzlich von gellenden Schreien zerrissen. Gaston Richard lag einige Meter vor dem ausgespannten Netz mit zerschmettertem Körper auf dem Boden. Die Ladung der Kanone war in diesem Fall anscheinend zu schwach gewesen. Schon nach einigen Augenblicken starb der Akrobat an den schweren Verletzungen, die er sich durch den heftigen Aufprall auf die Grbe Zugezogen hatte. Gs mutet wie ein tragisches Verhängnis an, daß auch Gaston Richards Lehrer und Meister Zachini, auf die gleiche Weise vor zwei Jahren in Deutschland ums Leben gekommen ist.


