Ur. 167 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
5rettag,20.Zulil93^
Die ileberschwemimngskalaftophem Westgalizien
'uvlvlt~;" rief sie einmal in die Stille hinter sich. Aber nur Bernd verneinte. Paul schwieg hartnäckig und starrte geradeaus. Ihm war die Fahrt unbehaglich. Daß sich zwei Männer von einer jungen Dame bedenkenlos in die Nacht hineinkutschieren ließen, empfand er ungeheuerlich. Er sah die kahlen Bäume zu phantastischer Größe sich aufrecken, wenn das Wagenlicht sie traf. Dann sausten sie mit unheimlichen Gesten vorbei. Und der Waldrand wimmelte von gespenstigen Schatten. Alles schien ihm spukhaft, unwirklich, verwunschen und verzaubert. Manchmal hatte er das Gefühl, sie rasten einer verwitterten, mauerbleichen Schloßruine entgegen und ihre Zufahrt saugte sie wie der Trichter eines Strudels ein. Winkende Totengerippe standen Spalier. Erst im letzten Augenblick stoben die Baumskelette auseinander. Aber schon formte sich seinen erregten Sinnen in der Ferne ein neuer narrender Äugentrug.
Plötzlich stoppte Gemma so iah, daß er von seinem Sitze hochflog. Ihren kleinen, gellen Schrei hatte er gar nicht gehört. Ehe er begriff, was geschehen sei, sah er Bernd schon draußen vor dem Wagen neben Gemma. Da lag ein Reh vor den Rädern wie ein umgeworfenes Kinderspielzeug aus dem Rücken und streckte seine Läufe steif in die
digt werden.
Nach dem überraschenden Tod von Bernds Vater verließ der Freund die Stadt und übernahm die große Blumenzüchterei des Verstorbenen. Gemma erschrak bei dem Gedanken: Bernds Blumenspenden hören nun auf. Sie hütete die goldgelben Chrysanthemen wie man eines Schwerkranken wartet, der mit dem Tode ringt. Aber alle Pflege verlangsamte nur den Verfall, vereitelte ihn nicht. Eines Tages mußte sie den welken und faulig gewordenen Strauß auf den Müll schütten. Die Vase blieb leer auf dem Tisch und schrie nach Bernds Blumen. Das Zimmer trauerte um einen Verlust. Gemma dachte an Paul und schalt sich treulos daß in ihrer Einsamkeit immer nur Bernd war, daß sie s.'ine Blumen wie etwas Unentbehrliches in ihrem Leben vermißte. Sie wollte Paul um Blumen bitten beschloß aber, sich selbst welche zu kaufen, ob* schon sie fürchtete, daß jeder Strauß zum Vergleich mit Bernds Blumen reizen mußte.
Am folgenden Morgen war ein Blumenpaket von Bernd da. Weiße, gr°b!°nm«e Chrysanthemen, schöner als Gemma sie je Be
sicht brannte vor sie diese wie
Paul übte 1------- -
ßU Dort trabt das erste", sagte Gemma mit einem Ton, in dem noch die Aufregung zitterte, und deutete nach dem Waldsaum hinter der Wiese. „Es waren zwei. Dieses hier stürzte auf die Scheinwerfer zu wie eine Motte ins Licht taumelt.
Es ist geblendet worden und dann hat es der Anprall betäubt", erklärte Bernd, packte das Tier, wie es lag, an den langen Beinen und schleppte es an den Wiesenrand. Dort stellte er es mit vieler Mühe auf die Läufe, aber ehe es einen Schritt tat, ^Machendwir kurzen Prozeß!" lachte Paul und zog sein Taschenmesser, „vielleicht gehts nut ^^Paul!" entsetzten sich Gemma und Bernd zugleich. „Ich habe ihm nicht das Leben gerettet, damit du es ihm rauben solltest", schalt Gernrna^
Und Bernd fügte hinzu: „Wenn unsere Wagenführerin nicht so geistesgegenwärtig gewesen wäre, hätte sie das Tier überfahren, und wir lägen jetzt mit irgendwelchen Brüchen da- und dorthin geschleudert." ..
Macht, was ihr wollt", erwiderte Paul gekrankt und setzte sich abseits auf das Trittbrett des Wagens. Beim zweiten Steh- und Gehversuch trippelte das Reh einige Schritte, torkelte und fiel wieder auf den Rücken. Darauf gab Bernd zunächst seine Bemühungen auf und meinte, man müsse dem armen Tier Zeit lassen. Er kauerte Gemma gegenüber, und ihre Hände streichelten mitleidig das weiche Fell des Tieres. Dabei berührten sich einige Male
ihre Fingerspitzen, zuerst flüchtig, dann blieben fie, warm geworden von dem Körper des Rehes, wi- gebannt liegen. Ihr Herz bebte in den kleinen Hautstellen, die sich aneinanderpreßten. Sie wagten sich nicht anzusehen, aber sie fühlten sich einander aufgetan und offenbar, daß sie die Umwelt vergaßen und das Glück des Augenblicks sie umflutete, als feien sie beide allein.
Pauls Stimme, die schließlich etwas von „lächerlicher Zeitvergeudung" schnarrte, schreckte sie auf, Bernd stellte das Reh abermals auf die Deine und wankend und schwankend zwar, begann es fortzu- trappeln, wurde zusehends sicherer und rascher und tauchte im Wald unter. „Bravo", jauchzte Gemma, „das bringt Glück!"
Aber vor ihrer Wohnung gab es noch einmal eine kleine Verstimmung: Paul hatte sich aus Unachtsamkeit auf den Asternstrauß gesetzt und die Blüten völlig verdorben. Sie konnte ihren Unmut nur mit Mühe unterdrücken. Aber sie tat es Bernd zuliebe.
Denn die Fahrt bereute sie trotz alledem nicht. Im Gegenteil: sie hatte sie vor einer Dummheit bewahrt. Von dieser Erkenntnis erfuhr die Oefftni- lichkeit schon einige Tage nachher, als sie ihre Entlobung bekanntgab. Daß Bernd Pauls Nachfolger geworden war, blieb indes vorerst der beiden Glücklichen Geheimnis.
Zeitschriften.
— Land Mecklenburg, ein ABT btt Heimat als Sonderheft der Mecklenburgischen Monatshefte (Earl Hsiiftorffs Verlag, Rostock). Das Heft verwirklicht einen durchaus originellen Gedanken in einer im allgemeinen wohlgelungenen Form. Alles über das reizvolle Dbotritenlanb landschaftlich, historisch, wirtschaftlich Sagens- und Sehenswer^ ist von den besten Kennern geschrieben, alphabetisch geordnet hier zusammengetragen zu einer wertvollen Ueberschau über diese zukunftsträchtige Planzstatts neuen Bauerntums in der norddeutschen Tiefebene.
— LudwigRichter. Zum 50. Todestag Lud- wig Richters, der durch sein Lebenswerk zu einem der wenigen ganz volkstümlichen Künstlern der Nation geworden ist, bringt die Nummer 4661 der „Illustrirten Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) eine Würdigung seines Schaffens in Wort unö Bild. — Im Rahmen der Kriegsprobleme des Fer- nen Ostens steht eine reich bebilderte Abhandlung über die japanische Armee. — Amüsant ist auch der „Dienstmädchenmarkt auf dem Balkan , von dem ein mit lebendigen Aufnahmen illustrierter Ar- titel unterrichtet. Augenblicks-Eindrücke vom Segel- sport und aus dem Variete, ein Moden- und Li- teraturteit und besonders viele „aktuelle Bilder sind der Abschluß für dieses abwechselungsreiche Hefti-
historische Rolle gespielt haben, als erste den . Weg zum neuen Staat gesunden, der 1 ihnen auch weltanschaulich wesensverwandter ist, als der Parteistaat von gestern. Das lettländische Deutschtum hat sich restlos in den Dienst des Staatsführers gestellt, und Ulmanis, der als deutschfreundlich gilt und erst im vergangenen Winter von einer ausgedehnten Studienreise durch Deutschland zurückgekehrt ist, wird sicherlich alles zu vermeiden wissen, was die bodenverwurzelten Deutsch-Balten irgendwie vor den Kopf stoßen könnte.
Das neue Schulgesetz bricht allerdings recht gründlich mit den Traditionen des alten „Minderheitenrechts", das in Genf so oft und meistens so erfolglos verfochten wurde, wenn sich irgendein Staat um diese papiernen Bestimmungen nicht kümmern wollte. Ulmanis hat in Bezug auf die Neuregelung der Minderheiten-Schul- autonomie gesagt: „Wir werden eine neue Schule haben, und für die wird es nur eine Richtlinie geben: Lettland, Lettland, Lettland!" Die autonomen Bildungsämter werden aufgehoben, an ihre Stelle treten „Bevollmächtigte", die nach dem Führerprinzip die Schulen der einzelnen Minderheiten leiten werden. Auch werden die Regie- rungs-Subfidien nicht mehr nach der Zahl der bestehenden Schulen, sondern nach der Zahl der Schüler prozentual erteilt werden. Diese Neubestimmung trifft das deutsche Schulwesen kaum, umsomehr aber das jüdische und russische, denn es gibt in Lettland eine Provinz — Lettgallen — in der es in jedem Städtchen mehrere russische und jüdische Gymnasien gibt, mit oft nicht mehr als je 100 Schülern.
Schmerzlicher könnte sich die neue Sprach- bestimmung auswirken, die den alten Ehrenplatz, den das Deutsche in Lettland einnahm, liquidieren soll. So werden die lettischen Filme keine anderssprachigen Texte mehr aufweisen, und auch die Straßenschilder sollen einheitlich lettisch gehalten sein. — In deutschen Kreisen ist man jedoch der Ansicht, daß es sich um eine Übergangserscheinung handelt, die außerdem auch lediglich eine Oberflächenwirkung hat.
So wie die erste autoritäre Regierung Lettlands bemüht ist, nach innen hin möglichst ausgleichend tätig zu sein und die lettische nationale Erneuerung mit den Lebensrechten der Minderheiten in Einklang zu bringen, so verspricht sie auch nach außen eine ruhige Ausstrahlung. Die Zeiten, in denen man in Lettland gegen irgendeinen Nachbarstaat aus kleinlich egoistischem Haß hetzen konnte, sind, wie ein Blick in die tägliche Presse lehrt, endgültig vorüber. Das Geschrei von der deutschen „Expansion" ist verstummt. Heute stellen die „Neuesten Nachrichten", das größte lettische Blatt mit einer für das kleine Land unerhörten Auslage von 162 000, fest, daß Lettland keine Veranlassung habe, sich kopfüber in irgendein internationales Paktsystem zu stürzen, denn Lettland sehe keine äußeren Feinde, die sein Terrarium bedrohen würden.
Natürlich macht aber Frankreich gewiß nur allzu deutliche Änstrengungen, auch die baltischen Staaten in seinen, durch Barthou proklamierten „Sicherheitsgürtel" hineinzuziehen und der kürzliche Besuch Jules Sauerweins wird ebenfalls in dieser Richtung gedeutet werden müssen. Es gibt auch in lettischen Kreisen eine Meinungsgruppe, die für eine französische Orientierung eintritt. Ihr Einfluß auf die Regierung scheint aber nicht bemerkenswert zu sein.
Die kühle Stellung Polens dürfte weiter die vorläufig herrschende Tendenz einer sachlichen Neu- ; tralität und wohlwollenden Einstellung zu einer ’ Sicherung des europäischen Friedens, unter Gin» , beziehung sämtlicher Staaten und unter Ablehnung des „Sanktionsprinzips", stärken.
i- ,2 gesehen hatte. Ihr Ge- unaeneure o)^ u..v w
vor Freude. Vor Paul verheimlichte w verschütteten, so daß Gemma dauernd
unbewußt L?g°ltung bte Sch-inw-rfe?spielen lassen mußte. ..Schlaft ihr
tetI®i“tönnen dein Leben nicht s° freventlich aufs
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Nein Gemma!" sagte er und stieg em.
"Als ob es mir bange wäre! brummte Paul imh nahm ebenso Platz. Die Verstimmung saß ihm hi? im Halse' Er gab Bernd einsilbig Antworten und marfroL als dieser die Gesprächsversuche em- stellte und nur noch Gemma mit kleinen Fahrtan- mpHunaen durch die Stadt bediente.
Die ^Landstraße lief zunächst schnurgerade, ab- mp*l\pTnb Aschen Flur und Wald, aber vor den Mo^id schoben sich immer wieder große Wolken, die "üe eine ungeheure Herde zogen und die Grenzen nc ciiiv D _ ,, , f hrtitörnh
3u<fenb. bß.ncm Blumenfimmel!" gab Paul ärgerlich zurück und etwas lauter, als ihm heb war. ^GemLa schwieg. Da.schlugl Bernd eme, Brücke: Ich fahre euch mit meinem Wagen heim.
" Als es ans Einsteigen ging, gongte Gemma nach dem Führersitz. „Du hast mir die nächste Fahrt am St7uer veLrochen, Bernd" bettelte sie
Ja aber nicht durch diese Dunkelheit!
"Es' ist Mondschein", warf sie leicht hin und reichte ihrem verdutzten Paul die Tasche und den Asternstrauß, den Bernd noch rasch für sie geschnit-
Autoritär regiertes Lettland. ■
Von unserem W. G.-Äerichterstaiter. (
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) -
Riga, Juli 1934. !
Niemand, der heute durch die Straßen der alten s Hansastadt Riga geht, wird sich dessen bewußt wer- > den, daß er die Hauptstadt eines Landes vor sich hat, in dem Kriegszustand herrscht. Kriegs- ' zustand, — das heißt: viel Militär, Polizei in stän- ‘ feiger Alarmbereitschaft, Standrecht, gedämpfte Erregung in allen Kreisen. Nicht von all dem in Riga; die große Säuberungsaktion, die dem Umsturz vom 15. Mai folgte, ist so schnell und rei- ’ bungslos vor sich gegangen, daß der auf sechs Mo- : nate verhängte Kriegszustand so gut wie gar keine Bedeutung hat. Die Militärpatrouillen sind schon nach einigen Tagen verschwunden, verschwunden ' sind die Maschinengewehre vor den Staatsgebäu- den, die Polizisten in Stahlhelm, die schwer bewaffneten „Selbstschutz"-Kolonnen, jene dem lett- ländischen Staatsführer Ulmanis bedingungslos ergebenen Bauern, die ihr Waffenrecht noch aus den Freiheitskriegen gegen die Bolschewiken erhalten haben und nun aus allen Teilen des Landes nach Riga gekommen waren, um die Sozialdemokratie dieser einzigen großen Industriestadt niederzuhalten. — Sie brauchten alle nicht in Aktion zu treten, — die Soldaten und Maschinengewehre und wehrhaften Bauern . . .
Der „demokratische" Parlamentarismus hatte sich in Lettland, wo er 15 Jahre lang wahre Orgien feiern konnte, so gründlich überlebt, daß der lieber» gang zur autoritären Staatsführung hier nicht die geringsten Komplikationen aufwies. Man fragt sich heute: wo st ecken denn die Marx! st en, die stärkste Partei des Parlaments (22 Sitze), wo stecken die ganzen jahrelang verhetzten und für den Bürgerkrieg geschulten roten Massen? Wäre wenigstens (so unerwünscht dies im Interesse des Landes auch gewesen wäre) ein Schuß gefallen, hätte es eine einzige Arbeitsniederlegung zum Zeichen des Protestes gegeben, so könnte man auch heute noch glauben, daß hier einst die Gedanken Marx' zu Hause waren. So aber bleibt nur ein Schluß: wie hohl muß diese Lehre sein, daß das Volk in wenigen Tagen bereit ist, sie zu vergessen, daß es, ohne einen Finger zu rühren, dem Zusammenbruch des Klassenstaates zusieht und schon nach einigen Wochen dem Führer des Landes, der auf einer gerade entgegengesetzten Ideologie fußt, auf seinen Fahrten durch Dörfer und Städte zujubelt!
Die Minderheiten des Landes freilich sehen sich einer neuen Konstellation gegenüber, und sie fragten sich in diesen Tagen einer radikalen Umgestaltung des Staates, wie ihre künftige Stellung fein wurde. Nicht zu vergessen: mehr als 2 0 Prozent der lettländischen Bevölkerung sind N i ch 11 e 11 e n (darunter fast 80 000 Deuts ch e), und je entschiedener im lettischen Lager die Rückkehr zum absolut-lettischen Staat gefordert wurde, . der durch die Parteiwirtschaft der 15 „parlamentarischen" Jahre zerstört worden sei, desto näher lag die Vermutung, daß die Minderheiten nichts zu lachen haben würden.
Indessen: Herr Ulmanis, der heute die Zügel fest in der Hand hält, ist ein umsichtiger und ruhiger Mann. Wie er es im richtigen Augenblick verstanden hat, das rote Gespenst aus dem Lande zu verscheuchen, so versteht er es auch, die Elemente niederzuhalten, die „national" und „chauvinistisch" verwechseln möchten. An seinen Erklärungen ging von vornherein eindeutig hervor, daß die staatlich gesinnten Angehörigen eines anderen Volkstums nichts zu fürchten haben, daß er auf die Mitarbeit eines jeden anständig gesinnten, ehrlich arbeitswilligen Menschen, der gesonnen ist, das lettische Empfinden zu respektieren, Wert legt. So haben denn auch die Deutschen des Landes, die an den Gestaden der Ostsee seit jeher eine wichtige
Ein Uebersichtsbild von der Einweihungsfeierlichkeit, mit feer der U uterwas s er t u nn e l -wischen Liverpool und Birkenhead am 18. Juli in Gegenwart von 150OOO Menschen durch den König von England seiner Bestimmung übergeben; wurdeDer Tunnel ist 3%km lang und 14 m breit. Auf seinen mer Fahrwegen können stündlich ?I00 Kraftfahr- zeuge passieren. Die Kosten des Baues, der acht Jahre beansprucht hat, beliefen sich auf mehr als 88 Millionen Reichsmark. Die Aufnahme hat den Augenblick festgehalten, in dem d as eng- lischeKönigsp aar in den Tunnel einfährt und ihn^amit^eroffnet.
Das betäubte Reh.
Von Peter Bauer.
In dem gemeinsamen Werben der beiden Freunde um das Mädchen Gemma war Paul Sieger geblieben. Er nannte Gemma seit einem halben Jahre mit verständlichem Stolz seine Braut. Sie war ausfallend schön. Wenn er sich an ihrem Lächeln weidete, dachte er an einen geschlissenen Edelstein, den er auf Samt gebettet verwahrte und den er Gemma einmal als Halsschmuck in Gold fassen lassen wollte. Vorerst funkelte der Stein nur ihm, wie Gemma nur ihm strahlte. Oft wenn sie neben ihm schritt und einen Bekannten grüßte, fand er, daß sie zu viel Wärme ihres Blickes an andere verschwende. Besonders an Bernd, der noch immer ihr Freund war, obschon er Gemma doch an ihn verloren hatte. Bernd brachte nach wie vor Blumen mit, wenn er kam, und durch Gemmas Zimmer duftete unverändert der Blütenreigen des Jahres. Paul ärgerte sich zwar über die „kindische Freude Jemer Braut und über ihre „rührende Besorgnis , mit feer sie die Blumen betreute, aber solche Gedanken wagte er nicht laut werden zu lassen. Doch erreichte er, indem er gelegentlich Kopfweh vorschutzte, daß Gemma den Strauß des starken Dustes wegen hinaustrug. Ebenso rasch stand er jedoch wieder auf feinem Platz, sobald Paul gegangen war. Dann drückte Gemma oft ihr Gesicht wie tu einer zärtlichen Liebkosung an die Blüten, als wußten sie für die kurze Verbannung aus ihrer Nähe entscha-
Bernds wiederholte Einladung unterschlug. Endlich denn?!" überrumpelte Bernd ihn durch einen Fernruf, als o,t- er gerade bei Gemma weilte, und der Besuchstermin wurde verabredet. ,
Gemma glaubte aus der noch winterlich leeren Landschaft in ein Märchenreich eingetreten zu fein, als sie die üppigen Büsche und Strauße von sast- strotzenden Blättern, Ranken und Halmen sah aus deren frischem Grün Blüten in reicher Mannigfaltigkeit wie brennende Herzen loderten. Sie wähnte sich unter Blumenelfen, die nur bei Mondschein ihren Kelchen entschlüpfen und ließ sich nicht nur die lateinischen Namen der einzelnen Pflanzen verdeutschen, sondern auch sonst von ihren Lebensgewohnheiten erzählen. Paul, der eine Ze.tlang unbeteiligt mitüef, erklärte den feuchtwarmen Dunst der Glashäuser für ungesund und setzte sich ms Empfangszimmer, wo er gelangweilt feine Zigarre ^D^^sichO"7nschließende Autofahrt mit Bernds neuem üßagen sagte ihm mehr zu. Sie wurdeJogar auf seinen Wunsch hin weiter ausgedehnt als man anfangs beabsichtigte! Die Folge war. der letzte Zug dampfte ohne Paul und Gemma ab.
„Da sitzen wir nun", grollte Paul, „und morgen komme ich mit Verspätung ms Büro < f ,
„Du bist doch schuld daran , sagte Gemma achsel-
Ein Bild aus der Stadt Wojnicz: Die Straße rst zum Strom geworden. Einen ähnlichen Anblick bieten die meisten Dörfer und Städte des südpolnrschen Karpathen-Varlandes.
Feierliche Eröffnung des Jersey-Tunnels
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