m. 91 Drittes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Donnerstag, l9. April 1934
Sjtxfport
Oas dritte Hallen-Handball- Turnier.
Grotzveranstaltung der Gietzener Turnerschaft in der Boltshalle.
Der große Erfolg des vorjährigen Hallenhandball- Turniers hat die Gießener Turnerschaft ermutigt, auch in diesem Jahre wieder eine derartige große sportliche Veranstaltung in die Wege zu leiten. Das Turnier gelangt am kommenden Sonntag in der Volkshalle zum Austrag. Am Hallenhandball- Turnier des vergangenen Jahres hatten sich 26 Mannschaften beteiligt, diesmal sind es deren 41. Welch großer Beliebtheit sich derartige Veranstaltungen bei den Turnvereinen unseres Bezirkes erfreuen, geht daraus hervor, daß selbst nach dem offiziellen Meldeschluß am 31. März noch Mannschaftsmeldungen eingingen, die jedoch nicht mehr berücksichtigt werden konnten.
Die Abhaltung eines derartigen Turniers findet in unserer Stadt besonders günstige Bedingungen, da in der Volkshalle ein Raum zur Verfügung steht, wie er weit und breit nicht zu finden sein wird. Beteiligt sind, wie schon erwähnt, 41 Mannschaften aus insgesamt 30 Vereinen.
Don Gießen nehmen eine Mannschaft der SS., ferner die 2. Kompanie des hiesigen Bataillons, mehrere Mannschaften der Spielvereinigung 1900, des Olympischen Sportklubs und der Gießener Turnerschaft teil. Voraussichtlich wird auch der neugebackene Gaumeister, Turnverein Wetzlar, mit seiner Mannschaft vertreten sein. Die Spiele werden in zwei Gruppen ausgetragen. Die Kämpfe insbesondere der Gruppe II beginnen bereits am Vormittag. Die Sieger der beiden Gruppen werden in Vor-, Zwischen- und Endrunde ermittelt. Wer in der Vor-, bzw. in der Zwischenrunde verliert, scheidet sofort aus.
Die Leitung des Turniers liegt in den Händen der beiden Spielwarte Strack und Becker. Die Veranstaltung am Nachmittag wird eingeleitet werden durch einen Aufmarsch der nahezu 400 teilnehmenden Turner. Der Führer der Gießener Turnerschaft wird die Begrüßungsansprache halten. Im Anschluß an die Wettkämpfe finden Siegerehrung und Preisverteilung im Schützenhaus statt. Wir kommen auf die Veranstaltung noch zurück.
Die Kreissportbeauftragien in Oberhessen.
Der Beauftragte des Reichssportführers für den Gau XII Nordhessen, Verleger M e i st e r (Kassel), hat zu seinen Vertrauensleuten und Kreisbeauftragten in der Provinz Oberhessen berufen:
Kreis Gießen: Turnlehrer Mohr, Gießen.
Kreis Alsfeld: Lehrer E. Schmieder, Budorf-Alsfeld.
Kreis Lauterbach: Studienassessor Dr. Georg Mayer, Lauterbach.
Kreis Schotten: Lehrer L. D e u b e l, Rainrod.
Kreis Büdingen: Sturmführer Studienassessor W. R e u s ch l i n g , Büdingen.
Kreis Friedberg: Sturmbannführer Rektor Walter, Bad-Nauheim.
Die Tabelle der T.Kreisklaffe der Grupve Gießen.
Verein Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte.
VfB. Reichsb. III
12
12
0
0
24:0
Bieber
12
6
3
3
15:9
VfB. Krofdorf
12
6
0
3
12:12
1900 Gießen III
12
5
0
7
10:14
Vetzberg
12
4
2
6
10:14
Adler Hausen
12
4
0
8
8:16
Grüningen
12
2
1
9
5:19
Eine gute Leistung boten die DfBer, die es fertig brachten^ ohne Verlustpunkte die Spiele zu beendigen. Erst mit erheblichem Abstand folgt Bieber, eine
sehr junge und eifrige Mannschaft. Krofdorf ist erst nach der Beendigung der ersten Spielserie in Fahrt gekommen und verspricht, mit noch besseren Leistungen aufzuwarten, zumal bei dem Leinbergerkursus auch ein talentierter Spieler Krofdorfs beteiligt ist. Von 1900 hätte man etwas mehr erwartet, jedoch mußten Spieler an höhere Mannschaften abgetreten werden. Vetzberg, der Neuling, konnte im allgemeinen befriedigen, der Mannschaft fehlt die Routine. Hausen ist zu unbeständig, verfügt aber über gute Kräfte. Es sollte der Elf gelingen, in der nächsten Serie besser abzuschneiden. Grüningen enttäuschte auf der ganzen Linie.
Sportabteilung des Tv. Wieseck.
Wieseck I — Großen-Buseck I. 2:3.
Am Sonntag war der FC. Großen-Buseck zum Rückspiel in Wieseck zu Gast. Die Gäste erschienen komplett, während Wieseck mit viel Ersatz antrat. Das Spiel wurde in der ersten Halbzeit flott durchgeführt, fiel jedoch in der zweiten Hälfte sehr ab. Der eingestellte Ersatz war nur in der ersten Spielhälfte den Anforderungen gewachsen. Schon nach vier Minuten führten die Gäste. Dann aber kam Wieseck auf, erzielte in kurzer Zeit den Ausgleich und übernahm dann die Führung. In der Folge wurden die sichersten Chancen ausgelassen. Großen- Buseck kam zum Ausgleich und kurz vor Halbzeit zum Führungstor. Halbzeit 2:3. Die zweite Halbzeit sah in den Anfangsminuten die Gastgeber im Angriff, die mehr und mehr abfielen. Auch die Gegenseite zeigte nicht mehr viel, so daß es beim Stand von 2:3 blieb.
Wieseck II — Rodheim a. b. Bieber I 6:2.
Vorher standen sich diese Mannschaften im Freundschaftsspiel gegenüber. Wieseck war, obwohl mit Ersatz, stets seinem Gegner überlegen und führte bei Halbzeit bereits mit 2:1 Toren. In der zweiten Spielhälfte wurde die Ueberlegenheit noch deutlicher, und nur dem sehr guten Hüter und der heftigen Abwehr verdankten die Gäste, daß die Niederlage nicht zweistellig wurde.
Handball der Soldaten.
Tuspo. Butzbach I — 2. Kompanie 15. Jnf.-Regt. Gießen I 9:13 (5:4).
Zu einem spannenden Kampf kam es am Samstagnachmittag zwischen beiden Mannschaften in Butzbach. Die Soldaten gewannen verdient mit 13:9. Bei Butzbach wirkten verschiedene bewährte Spieler des Polizeisportoereins mit. Es entwickelte sich ein flottes Spiel, das die Butzbacher zunächst leicht im Vorteil sah. Nach drei Minuten lautete das Ergebnis schon 1:0 zugunsten Butzbachs. Die Soldaten glichen bald aus und erhöhten durch Strafwurf auf 2:1. In der 14. Minute glich Butzbach wiederum aus, konnte aber nicht verhindern, daß die Soldaten bald wieder die Führung übernahmen. Mit dem Stand von 5:4 für Butzbach ging es in die Pause.
Nach Wiederbeginn waren die Soldaten tonangebend und stellten bald das Ergebnis von 5:5 her, um dann in Führung zu gehen und diese nicht mehr aus der Hand zu geben. In gleichmäßigen Abständen schoß die Mannschaft der Soldaten noch weitere acht Tore gegenüber vier der Butzbacher. Wie schon so oft, war auch in diesem Spiel die größere Ausdauer der Soldaten entscheidend.
Die Butzbacher stellten eine flinke und eifrige Elf, die in allen Teilen gut besetzt war und die durch den Durchreißer B e ck e r im Sturm mehr Schnelligkeit erhalten hat. Die Soldaten zeigten in diesem Spiel eine ihrer schwächsten Leistungen der letzten Zeit. Der Schiedsrichter konnte nicht immer gefallen.
Am Schluß des Spieles überreichte Herr Schneider im Namen der Stadt Butzbach der Siegermannschaft einen schönen Fliederstrauß und brachte die Verbundenheit zwischen Bevölkerung und Wehrmacht zum Ausdruck. Am Abend waren die Soldaten als Gast der Stadt eingeladen.
Oer Sieg der Stromlinie.
Von Or. Kranz Mittler.
Wenn man die Entwicklung der äußeren Formen unserer Verkehrsmittel aufmerksam verfolgt, legt man sich unwillkürlich die Frage vor, ob wir nicht einer Zeit entgegengehen, in der an ihnen die Ecken, die Kanten, die Winkel und die ebenen Flächen vollkommen verschwunden sein werden. Alles wölbt und rundet sich, läuft hinten in Spitzen aus. Der fallende Tropfen und wie es scheinen könnte, auch das Ei sind für viele Arten der Gestaltung zum Vorbild geworden. Daneben hat man aber auch noch andere Vorbilder gefunden. Die „Str o m-l i ni e" ist es, die zu einem Siegeszug angefetzt hat und die ihr Reich immer weiter ausdehnt.
In ständig sich erweiterndem Umfang tritt sie uns entgegen. Technische Zeitschriften bringen Seiten über Seiten mit Zeichnungen, in denen sich Stro- rnungslinien an Strömungslinien reihen und mit vielfältigen Berechnungen Die Stromlinie hat auf das Auto übergegriffen und hat dabei auch das Kleinauto in ihren Bann gezogen. Sie beherrscht die Schnelltriebwagen der Eisenbahnen, und es ist merkwürdig, wie stets w-itere Beförderungsmittel aus ihr Vorteil zu gewinnen suchen. Das geht so weit, daß sogar die Skiläufer merkwürdige Stellungen einnehmen und Bekleidungsformen wählen, die den bei der Abfahrt entstehenden Gegenwind so ableiten Men, daß er möglichst wenig Widerstand darbietet. Diesen Gegenwind zu besiegen, ist die Ausgabe der Stromlinie Er wächst mit zunehmender Geschwindigkeit ins Ungeheuerliche. Von einer gewissen Grenze an erfordert seine Ueberwindung einen Aufwand von K'-ast der zur Steigerung der Schnelligkeit in keinem Verhältnis mehr steht Niir die Strom ime Fann hier bis zu einem gewissen Grade noch einen Ausgleich schaffen. Die Geschwindigkeiten aller unserer Verkehrsmittel wächsern Es wachsen auch die des Sports. Deshalb brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sie auch auf diesem Gebiete ihren Einzug hält.
Außer dem Skiläufer ist es der Radfahrer, der sie sich jetzt zi^iutzen macht. Es sind bereits Vorrichtungen erdacht worden, die ein leichtes Abaleiten des beim Fahren erzeugten Gegenwindes vom Körper und vom Rad bewirken. Wer aber vie neuesten Schnelltriebwagen und andere Verkehrsmittel gesehen hat, der weiß, daß man bei den Stromlinienformen jedes Hervorragen einzelner
Teile vermeidet. Sogar die Türgriffe werden in die Türfläche hineinversenkt. Trittbretter verschwinden unter Verkleidungen, damit der Wind auch nirgends mehr einen Widerstand findet. Von diesem Gedanken ausgehend, hat der französische Rennfahrer Berthet für sein Rad eine Hülle benutzt, die es samt dem Fahrer vollkommen umschließt und in der sogar der Kopf untertaucht. Eine kleine Oeff- nung an der Vorderseite ermöglicht den Ausblick. Wer dieses Gefährt sieht, kommt wohl nicht auf den Gedanken, daß es sich um ein Fahrrad handelt.
Was wir am Fahrrad erleben, soll nunmehr auch auf das größte von allen Verkehrsmitteln, auf den Ozeandampfer übertragen werden. Der amerikanische Ingenieur Geddes hat den Plan zu einem Riesenschiff von 340 Meter Länge entworfen, das vollkommen in Stromlinienform gehalten ist. Es erscheint auf den ersten Blick fast unmöglich, bei einem Schiff alle Hervorragungen zu vermeiden. Dies wird dadurch erreicht, daß das Ganze von der Wasserlinie ab in eine Art von Haube eingehüllt wird, aus der nur die Brücke heraustritt. Diese aber gleicht den Tragflächen eines Flugzeuges und weift gleichfalls eine Gestalt auf, an der der Gegenwind abgleiten muß. Die Haube steigt bis zur oberen Deffnung der niedrigen Schornsteine empor, umkleidet also auch diese. In dem Raum, der dabei durch sie umschlossen wird, sind die Flugzeuge untergebracht, die sich samt dem für ihren Abflug dienenden Katapult aus der Haube herausschieben lassen, sobald sie vorne geöffnet wird. Ebenso werden aus seitlichen Luken die Rettungsboote ai'sgebracht, wenn man ihrer bedarf. Die Fahrgäste dieses Schiffes brauchen den Aufenthalt auf Deck nicht zu entbehren. Die Haube ist so gehalten, daß sie an bestimmten Stellen, wo dies ihre Wirkung nicht beeinträchtigt, betreten werden kann. Dort sind sogar Spielplätze vorgesehen. Außerdem läßt sich der ganze hintere Teil der Haube, dort, wo sie vom hintersten Schornstein aus in langer Spitze gegen das Meer zu absteigt, oben öffnen. Das große darunter befindliche Deck liegt, wenn die Rollwände herabgeglitten find, aus denen dieser Teil besteht, frei unter den Metallschienen, in denen diese Wände gleiten. Durch das Oeffnen dieses Teils der Hülle bei gutem Wetter wird das Abströmen des Windes nicht behindert. Das Schiff fall zweitausend Fahrgäste aufnehmen Nach den Berechnungen von Geddes, der ein bekannter Ingenieur ist und der sich schon seit Jahren der Stromlinienfrage über die verfchiedensten Verkehrsmittel mit Erfolg gewidmet hat, sollen durch die Stromlinienform eine Verringerung bes Windwiderstandes um ungefähr 80 v. H. und eine Er-
Handball im Gau XII der DT.
Tv. Lützellinden I — Stadtsportverein Frankfurt I 7:8 (3:3).
Man hatte eine ungleiche Partie erwartet und zunächst sah es auch so aus, denn die Gäste legten mächtig los und erhöhten in kurzer Zeit auf 3:0. Der Gastgeber hatte bis dahin alle Hände voll zu tun, um die schnellen Angriffe abzuwehren. Aber dann fanden sich die Einheimischen überraschend gut zusammen und stellten bis zur Halbzeit den Ausgleich her. Dadurch mehr angespornt, gelang es den Lützellindenern, kurz nach Halbzeit den Führungstreffer zu erzielen. Das Spiel wurde ausgeglichener. Kurz darauf holten die Gäste auf und riffen wieder die Führung an sich. Der Gastgeber ließ sich aber nicht entmutigen, glich seinerseits aus und konnte wiederum den Führungstreffer erzielen. Dann kamen die Gäste wieder zu Wort, und es gelang ihnen, das Ergebnis auf 8:6 zu stellen und — kurz bevor der Schlußpfiff dem spannenden, gut geleiteten und jederzeit fairen Spiel ein Ende machte — konnte der Gastgeber noch einmal erfolgreich fein. Das Spiel hat als Werbespiel seinen Zweck erfüllt.
Turnverein Großen-Buseck.
In dem ersten Spiel am vergangenen Sonntag in Beuern gegen den dortigen Turnverein zeigte sich, daß Großen-Buseck noch über gutes Können und flotte Ballbehandlung verfügt. Trotz überlegenem Spiel kam es nur zu einem 1:1, das lediglich an dem Schußpech des Sturmes lag. Der Schiedsrichter arbeitete befriedigend.
Bahnrennen in Kassel.
Erfolge des Giehener Rabfahrer-Vereins v. 1885
Am Sonntag weilte die Rennmannfchaft E. Muhl —A. Mebus vom GRV. v. 1885 in Kassel, wo sie sich an dem Eröffnungsbahnrennen des Gaues XII Nordheffen beteiligte. Die besten Fahrer des Gau- gebiet'es waren am Start vertreten.
Im Fliegenrennen konnten sich die beiden Fahrer bis zu den Zwischenläufen durchkämpfen, mußten dqnn aber, an der Spitze des Feldes liegend, durch Reifenschaden ausscheiden.
Beim Ausscheidungsfahren waren die Gießener nicht zu schlagen und errang hier A. Mebus den 1. Sieg um Handbreite vor seinem Vereinskameraden E. Muhl.
Im 50 Kilometer-Mannschaftsfahren zeigte sich die Mannschaft von ihrer besten Seite. Von Anfang an fetzte ein erbitterter Kampf um die Führung ein. Bei 40 km lag die Mannschaft zusammen mit den Kasse-
lanern Großmann-Drumm mit einer Runde Vorsprung an der Spitze des Feldes Durch Sturz von E. Muhl verlörest die beiden „85er" eine halbe Runde, doch konnten sie diesen Abstand durch anstrengenden Kamps halten. Erst 150 Meter vor dem Ziel gelang dem Kasseler Paar die Ueberrunbung. Die Gießener Mannschaft wurde infolge der niedrigeren Punktzahl auf den 5. Platz verwiesen.
Die Mannschaft des GRD. v. 1885 hat mit diesen Leistungen bewiesen, daß sie mit zu den besten Mannschaften des Gaugebietes zählt.
Oie Meldungen für den Europa-Tiundflug.
Der polnische Aero-Klub gibt nach Ablauf der ersten Anmeldefrist die Länder und die Zahlen der Flugzeuge bekannt, die sich für den diesjährigen Europa-Rundflug bereits angemeldet haben: Deutschland mit 12 Flugzeugen, Frankreich mit 10, Italien mit 7, die Tschechoslowakei mit 4 und Polen mit 11 Flugzeugen. Der zweite Termin läuft am 15. Juni ab.
Eine Tennis-Großveranstaltung in Dad-Nauheim.
Das Bad-Nauheimer Städtische Verkehrsamt hatte sich um das diesjährige Tennisturnier der Deutschen Turnerschaft beworben. Dank dem Entgegenkommen bes Staatsbabes hat bie Tennisleitung ber DT. an- bern Bewerbern bie Bade stabt vorgezogen unb wird am 18. und 19 August die Veranstaltung in Bad- Nauheim durchführen.
Oberleutnant Haste auf „Mohr" erfolgreich.
Der dritte Tag des 14. Internationalen Militärturniers in Nizza brachte bei gutem Besuch zwei schwierige Springwettbewerbe, den Preis der Polnischen Armee und den Preis von Monaco. Beide Springen waren äußerst kompliziert ausgeschrieben. Umso schwieriger gestaltete sich die Aufgabe der Reiter und die Bewertung ihrer Leistungen. Trotzdem gelang es dem deutschen Oberleutnant Kurt Hasse auf „Mohr" im Preise von Monaco in der zweiten Abteilung einen in der deutschen Kolonie mit großem Jubel aufgenommenen Sieg herauszureiten, der zugleich der erste deutsche Reitererfolg nach dem Kriege in Frankreich ist.
Am Vormittag besuchten die ausländischen Mannschaften auf Anregung des deutschen Equipenchefs das Gefallenen-Denkmal und legten einen Kranz in ihren Landesfarben nieder.
Schach-Ecke.
Bearbeitet von Otto Ben kn er.
Problem Nr. 365.
Von G. Thoren, Göteborg.
Weiß 6 Steine: Kg8; Dbl; Sb7; Se8; Be3, dl. Schwarz 6 Steine: Kd5; Ba5, a6, c7, f7, H7.
Weiß zieht und fetzt in drei Zügen matt.
Problem Rr. 366.
Von Dr. F. Seidemann, Teplitz-Schönau.
Weiß 4 Steine: Ka8; Db8; Tb4; Ba2.
Schwarz 4 Steine: Ka3; Tg2; Lh3; Se3.
Weiß zieht und fetzt in zwei Zügen matt
Partie Nr. 256.
Eine Entfcheidungspartie aus dem Emser Oster- turnier.
Gespielt in der V. Runde am 1. April 1934. Weiß: 33 en fn er, Frankfurt a.M. Schwarz: B l e u t g e n , Mainz.
1. c2—c4, e7—e5. 2. Sbl— c3, Sg8—f6. 3. Sgl —13, d7—d6. (Englisches Dreispringerspiel! Schwarz beabsichtigt Befestigung bes Punktes e5, um als- bann den Nachstoß d6—d5 durchzusetzen.) 4. g2—g3. (Weiß am Scheideweg! Positionskampf ober offene Feldschlacht? In Anbetracht ber Wichtigkeit ber
Partie entschließt sich Weiß zu ersterem. Trotzbem kam ber sofortige Zentrumsburchbruch d2—d4, womit ber Anziehenbe im Zentrum bie etwas bessere Stellung erlangt, stark in Betracht. Allerbings kann sich hierbei bas Spiel sehr schnell öffnen, unb in ben taktischen Verwicklungen geht oft ber kleine Vorteil von Weiß roieber verloren. Der vom Anziehen- ben gewählte Weg vermeibet biefe Möglichkeiten unb zwingt bem Gegner einen zermürbenben Posi- tionsEampf auf, ber an bie Verteidigung große An- forberungen stellt, ba bie Entwicklung ber schwarzen Figuren auf Schwierigkeiten stößt.) 4. ..., c7—c6. 5. Lfl—g2, Lf8—e7. 6. H2—h3. (Ein wichtiger Zug, ber dem schwarzen Damenläufer bas wertvolle Feld g4 nimmt. Im weiteren Verlauf beachte man folgenden Plan des Anziehenden: I. Einschränkung des Läufers c8. II. Verhinderung des Nachstoßes d6—d5.) 6. ..., 0—0. 7. 0—0, Sbtz—d7. 8. d2—d3, Tf8—e8. 9. e2—e4, Sd7—f8. IDer Vorstoß d6—d5 scheitert an der Schwäche von e5. Weiter befürchtet Schwarz einen Angriff und verstärkt den Königsflügel.) 10. Kgl—h2. (Ein Dorbereitungszug. Weiß will bei erster Gelegenheit den direkten Angriff gegen den feindlichen König, der mit f2—f4 ein- geleitet werden soll, aufnehmen. Da hierbei mit der Deffnung der g-Linie gerechnet werden muß, ver»
Höhung der Geschwindigkeit um etwa 20 v. H. erzielt werden.
Die infraroten Strahlen durchdringen bekanntlich den Nebel sehr gut und werden dadurch zu einem wertvollen Hilfsmittel für die Sicherheit der Schifffahrt. Freilich steht ihre Verwendung zu diesem Zweck noch in den Anfängen. Dennoch ist hier bereits ein großer Fortschritt in Form einer Kamera zu verzeichnen, die es ermöglicht, Gefahren sehr rasch zu erkennen. Die Kamera hat die Gestalt eines langgestreckten Kastens, der alle Teile einschließlich ' der Linse umschließt. Diese kann also durch auf ihr niedergeschlagene Feuchtigkeit nicht trüb werden. Mit Hilfe dieser Kamera werden, sobald man sich der Küste oder einer gefährlichen Stelle nähert, Aufnahmen auf einen für infrarot empfindlichen Film gemacht, der sofort in ein im Kasten befindliches Entwicklungsbad läuft, in dem er durch einen Spiegel betrachtet werden kann. Nur dreißig Sekunden vergehen, bis man auf dem Film deutlich alle Einzelheiten der Umgebung erkennt, die im Nebel vollkommen unsichtbar waren.
„Der Kluckilina aus
Dieser Bavaria-Film nach dem gleichnamigen Roman von Curt I. Braun — Manuskript: K i m m i ch und O b e r l ä n d e r — ist eine überaus spannende und aufregende Angelegenheit, bei der jedermann auf feine Kosten kommen wird: denn die Handlung ist so geschickt zusammengesetzt, daß man hier von allem etwas findet: Kriminalfall und Liebesgeschichte, mit einer sensationellen Schwurgerichtsverhandiung und einem atemraubenden Autorennen zum Schluß. Zwischendurch werden ao.nz aktuelle Motive angeschlagen, wenn es sich um die wirtschaftliche Existenz eines großen Industrie- wertes handelt. Doch wird dies keineswegs etwa langweilia theoretisch verhandelt, sondern sauber in die von Chikago nach Deutschland hinüberspielende Handlung eingebaut. Außerdem gibt es da eine Totschlagsaffäre in einem Chikagoner Spielklub, Flucht aus dem Zuchthaus, falsche Pässe und Personentausch, eine Erbschaftsgeschichte unb eine Erpressung großen Stils — kurz, man sieht wohl schon aus ber flüchtigen Aufzählung: es wirb etwas geboten in bieiem Film, ber tatsächlich für alle Spezialitäten unb Liebhabereien bes Kinobesuchers etwas auf Lager hat. Dazu eine geschickte unb ziemlich großzügig arbeitenbe Regie von Johannes Meyer und eine ansehnliche Besetzung. Gustav Fröhlich und Hubert von Meyerinck als die wichtigsten Gegenspieler: Fröhlich ernst, energisch, gesammelt und sehr sympathisch. Während
Meyerinck einen ausgemachten Schuft zu spielen hat: man muß odjektiverweise zugeben, daß er es auf eine höchst eindringliche Weise fertig bringt. Auf der weiblichen Seite stehen sich gegenüber LU Dagoner und Luise Ullrich, eine starke Nachwuchs-Begabung, die von der Sprechbühne herkommt. Sehr gut der liebenswürdig drollige Paul Kemp und Otto Wernicke; ferner find noch Ernst D u m ck e, Adele Sandrock und Lila M ü 11 e r zu nennen. — Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus und dürfte ein interessiertes Publikum finden. Im Beiprogramm sieht man u a. die neue Wochenschau und einen hübschen Kulturfilm „Deutsches Lied und deutsche Landschaft".
Zeitschriften.
— Das Aprilheft der „Deutschen Zeitschrift" (Verlag Callwey, München) wird eröffnet durch einen Vortrag, des bedeutendsten lebenden großdeutschen Historikers, Professor Heinrich Ritter von Srbik (Wien), über „Wallenstein", bedeutsam für unsere heutige geschichtliche Erkenntnis durch die universalistische Betrachtungsweise, die in den religiös-politischen Kämpfen der verschiedenen Mächte, Kräfte und Interessen ihre zukunftsträchtige Weltbedeutung, im Ringen Wallen- । steins für ein einiges Deutsches Reich in Mittel- und Südosteuropa schon die Keime des mitteleuropäischen Reichsproblems deutlich werden läßt. Nicht weniger zeitlebendig ist ein Aufsatz „Kultur und Macht" von Michael Freund, worin einer der besten Kenner westeuropäischer Geistesgeschichte an Hand zahlreicher Aeußerungen des großen Geschichtsforschers und Geschichtsphilosophen Jakoh Burckhardt in seinen Schriften und Briefen darauf hinweift, wie dieser einzigartige Vertreter einer hochstehenden bürgerlichen geistig-künstlerischen Kultur, als großer konservativer Warner unserer Zeit die furchtbare Krise dieser bürgerlichen Kultur unb den Aufstieg einer neuen, auf unbedingte Macht und Autorität gegründeten Welt voraussieht. Einen wertvollen Beitrag für die Vertiefung des Der- ständnisses von Wesen und Wert deutscher Kunst liefert der von 17 Abbildungen altdeutscher Graphik begleitete Aufsatz von Carl Linfert über „Sinn und Vorstelluna altdeutscher Zeichnung". Als eine ber frühesten Kriegsschilderungen verdient die noch die Frische des Erlebnisses bezeuaende Erzählung „Der Tag von Charleroi" von Alfred Walter Heymel Erwähnung, übrigens bas einzige bekannte Prosastück des Dichters.


